Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der EU – Jahresbericht 2015
ZUSAMMENFASSUNG DES DOKUMENTS:
Jahresbericht über die Strategien der EU für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz und deren Umsetzung im Jahr 2015
WAS IST DER ZWECK DIESES BERICHTS?
In dem Bericht werden die wichtigsten im Jahr 2015 umgesetzten Strategien der Europäischen Union (EU) für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz dargelegt. Diese zielen darauf ab,
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Hilfe zur Abmilderung humanitärer Krisen in der ganzen Welt bereitzustellen und
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die Zusammenarbeit der Katastrophenschutzbehörden in Europa bei der Reaktion auf Naturkatastrophen oder vom Menschen verursachte Katastrophen innerhalb der EU und weltweit zu unterstützen.
WICHTIGE ECKPUNKTE
2015 war eine kontinuierliche Zunahme humanitärer Krisen mit bewaffneten Konflikten und Gewaltakten, denen die Zivilbevölkerung ausgesetzt ist, sowie Naturkatastrophen, die durch Klimawandel und Bevölkerungswachstum zusätzlich verschärft werden, zu verzeichnen.
Eine gezieltere Reaktion der EU auf humanitäre Krisen
Die Rahmenbedingungen für humanitäre Hilfs- und Katastrophenschutzmaßnahmen werden immer komplexer. Dies ist insbesondere auf die Flüchtlingskrise und die mehr als 60 Millionen vertriebenen Menschen weltweit zurückzuführen.
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Die Syrienkrise und ihre Auswirkungen: Der Syrienkonflikt ist noch immer die größte humanitäre und sicherheitspolitische Krise in der Welt. Im Jahr 2015 wurden mehr als 370 Mio. Euro für lebensrettende Einsätze in Syrien und den Nachbarländern (z. B. im Libanon) bereitgestellt. Neben der Hilfe für Vertriebene in ihren Herkunftsländern wurde auch humanitäre Soforthilfe in Transitländern wie etwa Ungarn, Serbien, Slowenien, Kroatien und Griechenland finanziert (22 Mio. Euro). Auch die humanitäre Hilfe für den Irak wurde erheblich aufgestockt. Fast 79 Mio. Euro wurden bereitgestellt, um beinahe 250 000 syrische Flüchtlinge aufzunehmen.
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Sahel: Die Finanzmittel für die Sahelzone betrugen 229 Mio. Euro und wurden vor allem für Hilfe im Zusammenhang mit der Nahrungsmittel- und Ernährungskrise aufgewendet. Die Konflikte in Mali, der Zentralafrikanischen Republik und Nord-Nigeria, die sich auch im Tschad, in der Republik Niger und in Kamerun auswirken, haben das Problem der Ernährungssicherheit weiter verschärft.
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Südsudan: Der fortgesetzte bewaffnete Konflikt im Südsudan hat eine schwere humanitäre Notlage ausgelöst. Die 2015 von der EU bereitgestellten Mittel in Höhe von 127 Mio. Euro wurden für lebensrettende Maßnahmen im Südsudan und Hilfen für südsudanesische Flüchtlinge in den Nachbarländern eingesetzt.
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Jemen: Die humanitäre Hilfe der EU lag 2015 bei 50 Mio. Euro und wurde sowohl für die Binnenvertriebenen als auch für die Flüchtlinge im Jemen bereitgestellt. Zudem ist der Jemen unmittelbar von der humanitären Krise am Horn von Afrika betroffen.
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Ukraine: 30 Mio. Euro aus dem EU-Haushalt sind in humanitäre Hilfe und den schnellen Wiederaufbau zugunsten der ukrainischen Bevölkerung geflossen. Außerdem wurden im Rahmen des EU-Katastrophenschutzverfahrens nichtfinanzielle Hilfen (Hilfen in Form von Waren und Dienstleistungen, statt in Form von Geld) zur Verfügung gestellt.
Mehr EU-Maßnahmen zur Bekämpfung von Naturkatastrophen
In Gebieten mit hoher lokaler Anfälligkeit werden von der EU gezielte Maßnahmen zur Verringerung des Katastrophenrisikos und für den Aufbau lokaler Kapazitäten unterstützt. Dazu zählten 2015 Maßnahmen wie:
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die Finanzierung von Notfallmaßnahmen mit 125 Mio. Euro in Ländern, die von dem Extremwetterereignis „El Niño“ betroffen waren (in Afrika, der Karibik sowie in Zentral- und Südamerika);
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zusätzlich zur Entsendung von Katastrophenschutzexperten, Such- und Rettungsdiensten, Erste-Hilfe-Teams und Hilfsgütern im Rahmen des Katastrophenschutzverfahrens der Union die Bereitstellung von 15 Mio. Euro in Form von humanitärer Soforthilfe für die Opfer des Erdbebens in Nepal;
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Im März 2015 fand die dritte Weltkonferenz der Vereinten Nationen über die Verringerung des Katastrophenrisikos in Sendai (Japan) statt, auf der ein neuer Ansatz für die Katastrophenvorsorge verabschiedet wurde. Die EU hat eine Führungsrolle bei der Definition weiterer Schritte übernommen, um im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung sowie unter Nutzung von Synergien mit dem Klimaschutz Risiken zu reduzieren und die Katastrophenresilienz zu stärken.
Weitere Vorsorge- und Notfallmaßnahmen
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Ebola: Die hat EU außergewöhnliche Anstrengungen unternommen, um gegen die Epidemie in Westafrika vorzugehen, bis die Krankheit im Januar 2015 schließlich besiegt wurde. Als Konsequenz aus der Ebola-Krise wurde 2015 im Rahmen des freiwilligen Pools des EU-Katastrophenschutzverfahrens das „Europäische Medizinische Korps“ eingerichtet;
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Bildung in Notfallsituationen: 2015 konnten über 1,5 Millionen Kinder von Bildungshilfe in Notfallsituationen profitieren. Die Maßnahmen reichen von der Erleichterung des Zugangs zu Schulen, unter anderem durch Aufholklassen, über die Bereitstellung von Schuluniformen oder Lehrmaterial bis hin zum Transport der Kinder zu ihrer Bildungseinrichtung;
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EU-Katastrophenschutzverfahren: Dieses Verfahren wurde 2015 in 25 Notfallsituationen aktiviert (Voralarm, Monitoring und Hilfeersuchen), außerdem gingen 19 Ersuchen um Soforthilfe in der EU und in anderen von Katastrophen betroffenen Ländern gingen.
EU-Haushalt des Jahres 2015 für Katastrophenhilfe
Im Jahr 2015 hat die EU über 1,5 Mrd. Euro an humanitärer Hilfe und Katastrophenhilfe bereitgestellt und damit mehr als 134 Millionen Begünstigten in über 80 Ländern geholfen, die von Naturkatastrophen oder Konflikten betroffen waren. Der Haushalt des Jahres 2015 für humanitäre Hilfe war der umfangreichste, den die Europäische Kommission je vollzogen hat.
HINTERGRUND
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Die humanitäre Hilfe sichert das Überleben von Gemeinschaften und Menschen, die Opfer neuer, wiederkehrender und langandauernder Krisen sind. Sie ermöglicht ihnen, sich besser auf künftige Krisensituationen vorzubereiten.
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Mit ergänzenden Katastrophenschutzmaßnahmen wird direkte Unterstützung in Form von Expertenteams, Bergungsausrüstung und Echtzeitüberwachung der Entwicklung von Katastrophen inner- und außerhalb der EU geleistet.
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Weiterführende Informationen:
HAUPTDOKUMENT
Bericht der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat – Jahresbericht über die Strategien der Europäischen Union für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz und deren Umsetzung im Jahr 2015 (COM(2016) 751 final vom 1.12.2016)
Letzte Aktualisierung: 30.01.2017