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Amtsblatt |
DE Reihe C |
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C/2026/3543 |
22.7.2026 |
Stellungnahme des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses
Übertourismus, Kurzzeitvermietungen und die Verdrängung der lokalen Bevölkerung
(Sondierungsstellungnahme)
(C/2026/3543)
Berichterstatter:
Marinel Dănuț MUREȘAN|
Befassung |
Schreiben des zyprischen Ratsvorsitzes, 14.10.2025 |
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Rechtsgrundlage |
Artikel 304 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union |
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Zuständiges Arbeitsorgan |
Fachgruppe Binnenmarkt, Produktion, Verbrauch |
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Annahme im Arbeitsorgan |
15.4.2026 |
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Verabschiedung im Plenum |
29.4.2026 |
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Plenartagung Nr. |
605 |
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Ergebnis der Abstimmung (Ja-Stimmen/Nein-Stimmen/Enthaltungen) |
224/0/0 |
1. Schlussfolgerungen und Empfehlungen
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1.1. |
Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) betont, dass der Tourismus ein strategisch wichtiges Ökosystem für die Europäische Union ist, das erheblich zu Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und sozialer Entwicklung in der EU beiträgt. Für die globale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft ist es daher von entscheidender Bedeutung, dafür zu sorgen, dass sich der Tourismus weiterhin nachhaltig und ausgewogen entwickelt. |
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1.2. |
Der EWSA betont, dass in jeder Strategie zur Bekämpfung des Übertourismus auf die möglichen Auswirkungen auf Wohnraum und Arbeit geachtet werden muss, damit insbesondere für Arbeitnehmer, junge Menschen (darunter Studierende) und Menschen, die dauerhaft in dem jeweiligen Gebiet wohnen, das Angebot an erschwinglichen Wohnraum erhalten bleibt, und damit die lokale Bevölkerung nicht durch den Tourismus verdrängt wird. Der EWSA schlägt vor, dass die wirtschaftliche Diversifizierung in Tourismusgebieten lokale KMU, Genossenschaften, die Sozialwirtschaft, das Handwerk, die Kultur und traditionelle Tätigkeiten fördern sollte, was über öffentliche Unterstützung, Schulungen und zugängliche Finanzierung erreicht werden kann. Schließlich empfiehlt der EWSA, Modelle des saisonunabhängigen, kulturellen, ländlichen und lokalen Tourismus zu fördern, mit denen der Druck auf die Städte verringert und die Vorteile gleichmäßiger verteilt werden. |
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1.3. |
Der EWSA stellt fest, dass bestimmte Reiseziele in ganz Europa einem zunehmenden Druck ausgesetzt sind, der mit der Intensität des Tourismus, der Verfügbarkeit von Wohnraum und der Koexistenz der Gäste mit der Lokalbevölkerung zusammenhängt. Dies wirkt sich auch auf die Frage aus, ob es Arbeitnehmern möglich ist, in diesen Gebieten zu leben, was unmittelbar zu Personalmangel und einer Störung des sozialen Gleichgewicht in den betroffenen Gebieten führen kann. |
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1.4. |
Der EWSA empfiehlt, dass Beschlüsse über die Regulierung des Tourismus, den Wohnungsbau und die Nutzung des städtischen Raums durch partizipative Prozesse gefasst werden, damit die örtliche Bevölkerung eine echte Mitsprache bekommt. Er empfiehlt ferner, gemeinsam mit den Sozialpartnern und Vertretern der Zivilgesellschaft öffentliche Datenbeobachtungsstellen zu Tourismusströmen, Immobilienpreisen, Mietwohnungsangebot und Stadtentwicklungsdruck einzurichten, und zur Ermittlung sämtlicher Probleme die nationale, regionale und lokale Ebene abzudecken. Des Weiteren wird empfohlen, unter Übertourismus leidende Gebiete genau zu ermitteln (anhand standardisierter, europäischer digitaler Instrumente zur Überwachung, Bewertung und Unterstützung der sozialpolitischen Governance). So würde ein kohärenter EU-weiter Ansatz gewährleistet und ein nachhaltiger, langfristiger und regenerativer Tourismus unter Nutzung der Ressourcen jedes Tourismusgebiets in der gesamten EU verwirklicht. |
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1.5. |
Die Bewältigung dieser Herausforderungen erfordert gezielte und angemessene Antworten, mit denen der wirtschaftliche Beitrag des Tourismus gesichert und zugleich die Lebensqualität der ortsansässigen Bevölkerung gewährleistet wird. In diesem Zusammenhang kann ein koordiniertes Vorgehen auf EU-Ebene den nationalen, regionalen und lokalen Behörden dabei helfen, ausgewogene und evidenzbasierte Ansätze zu entwickeln. |
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1.6. |
Die Republik Zypern, die derzeit den EU-Ratsvorsitz innehat, könnte konkrete Maßnahmen einleiten: Vorschriften bezüglich der touristischen Aufnahmekapazität, Investitionsprogramme zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit der lokalen Bevölkerung und öffentlich-private Partnerschaften für nachhaltigen Tourismus, die in Zypern als Pilotprojekt umgesetzt werden könnten. Auf diese Weise könnte Zypern zum europäischen Vorbild werden und die Nachhaltigkeit seines authentischen Kulturerbes gewährleisten. |
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1.7. |
Der EWSA empfiehlt, beim nachhaltigen Tourismus einen Schwerpunkt auf die Qualität der Beschäftigung in der Branche zu legen, die durch einen starken sozialen Dialog vorangetrieben werden sollte. Durch diese Vorschläge würden ein diversifizierter Tourismus und eine inklusive lokale Wirtschaft gefördert, und es würde dem Recht der Arbeitnehmer auf erschwinglichen Wohnraum in der Nähe ihres Arbeitsplatzes Rechnung getragen. |
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1.8. |
Der EWSA schlägt proaktive Lösungen vor, um Übertourismus, übermäßige Kurzzeitvermietungen und die Verdrängung der lokalen Bevölkerung zu bekämpfen. Dadurch sollen ein diversifizierter Tourismus, eine inklusive lokale Wirtschaft und ein strategischer Finanzierungsansatz gefördert werden, wobei öffentliche und private Investitionen kombiniert werden sollten. |
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1.9. |
Der EWSA meint, dass die Europäische Kommission im Rahmen der künftigen EU-Strategie für nachhaltigen Tourismus eine wichtige Rolle spielen kann, indem sie die Koordinierung erleichtert, den Austausch von Daten und bewährten Verfahren zwischen den Mitgliedstaaten unterstützt und evidenzbasierte Ansätze fördert. |
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1.10. |
Der EWSA fordert die Mitgliedstaaten auf, Modelle für eine kooperative Steuerung auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene zu entwickeln, an denen die einschlägigen öffentlichen und privaten Akteure (darunter lokale Behörden, Unternehmen, Gewerkschaften, Verbraucherorganisationen und die Zivilgesellschaft) beteiligt sind, um die Auswirkungen von Übertourismus, Kurzzeitvermietungen und der Verdrängung der lokalen Bevölkerung besser zu erfassen, zu bewerten und anzugehen sowie gleichzeitig eine ausgewogene und nachhaltige Entwicklung des Tourismus zu gewährleisten. |
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1.11. |
Der EWSA schlägt den Mitgliedstaaten vor, ein vereinfachtes, anreizbasiertes Steuersystem für Unternehmen zu fördern, die in diesen Gebieten gegründet werden, um die Wirtschaft zu beleben und einen nachhaltigen und langfristig tragfähigen Tourismus zu unterstützen. Ein solches Steuersystem sollte verantwortungsvolle Investitionen und die langfristige Entwicklung der Ortschaften unter gebührender Berücksichtigung der Umwelt-, Klima- und Verbraucherschutzvorschriften und somit der Belange der lokalen Bevölkerung fördern. |
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1.12. |
Der EWSA empfiehlt den Mitgliedstaaten, standardisierte europäische digitale Instrumente zur Bewertung des Übertourismus einzusetzen, um den wirtschaftlichen Bedarf auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene zu ermitteln und diesen Bedarf mithilfe von EU-Mitteln zu decken. Dieser Ansatz würde eine effiziente Ressourcennutzung gewährleisten, für ein einheitliches Vorgehen auf EU-Ebene sorgen und einen nachhaltigen, langfristigen und regenerativen (1) Tourismus fördern, bei dem in erster Linie die Ressourcen des betreffenden Tourismusgebiets und der EU insgesamt genutzt werden. |
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1.13. |
Der EWSA fordert den zyprischen EU-Ratsvorsitz zur Aufnahme von Gesprächen auf, um langfristig Lösungen insbesondere für den intensiven Tourismus und in der gesamten Tourismusbranche zu finden, die durch die Umsetzung von Entwicklungsstrategien in der gesamten EU repliziert werden können, die bspw. folgende Element enthalten könnten:
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1.14. |
Der EWSA empfiehlt, die lokale Bevölkerung und insbesondere junge Menschen direkt in die Entwicklung lokaler Unternehmen und Gewerbe, die „Zitadellenwirtschaft“ und die Neubelebung des lokalen Handwerks und lokaler Traditionen einzubeziehen. In diesem Zusammenhang sollte der allgemeinen und beruflichen Bildung sowie der Kompetenzentwicklung besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden, die inklusiv sein und verschiedene Gruppen junger Menschen erreichen sollten, darunter auch junge Menschen mit Behinderungen, die so die für das Berufsleben erforderlichen Kompetenzen erwerben können. |
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1.15. |
Der EWSA empfiehlt der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten, ein Europäisches Zentrum für traditionelle Handwerks- und Traditionsberufe als Koordinierungsstelle auf EU-Ebene für die Förderung, Finanzierung und Entwicklung des traditionellen Handwerks in der gesamten EU einzurichten. Dies ist notwendig, weil es keine Stelle für die Koordinierung des Handwerks auf EU-Ebene gibt. Dieser Vorschlag steht auch im Einklang mit:
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1.16. |
Der EWSA schlägt außerdem vor, ein Projekt zur Gründung der ersten regionalen Außenstelle des genannten Europäischen Zentrums für traditionelles Handwerk und Traditionsberufe in einem der Länder zu starten, in denen diese traditionellen Tätigkeiten aktiv ausgeübt werden und die sich für nachhaltigen Tourismus einsetzen. Die Erfahrungen mit diesem Projekt könnten dann auf andere Mitgliedstaaten übertragen werden. |
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1.17. |
Im Hinblick auf die Ausweitung der Tourismusgebiete schlägt der EWSA die Schaffung von Partnerschaften vor, um das Touristenaufkommen besser auf unterschiedliche Gebiete zu verteilen, und zwar:
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1.18. |
Der EWSA empfiehlt, den Aufgabenbereich der Destinationsmanagement-Organisationen auszuweiten, um das lokale Unternehmensumfeld und den lokalen Tourismus zu unterstützen, unter anderem durch die Beteiligung an Bauprojekten im Rahmen der Neuausrichtung des Tourismus in den betreffenden Gebieten. Solche Bauprojekte könnten angemessenen Wohnraum für die lokale Bevölkerung und multimodalen Wohnraum für die Wanderarbeitnehmer in touristischen Gebieten bieten. |
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1.19. |
Der EWSA ist der Auffassung, dass diese Projekte durch eine Kombination aus EU-Mitteln zur Unterstützung von Unternehmen (insbesondere KKMU) beim Transformationsprozess und mittel- und langfristigen Steuererleichterungen für Investoren in Tourismusgebieten mit übermäßiger Kurzzeitvermietung durchgeführt werden können. Mithilfe dieser Projekte sollte die Lebensqualität der Ortsbevölkerung mit den Interessen der Touristen in Einklang gebracht werden. Um dies zu erreichen, sind eine verantwortungsvolle Verwaltung und ein Verantwortungsgefühl für die Zielgebiete (destination stewardship) (2) erforderlich, das lokale Behörden, Vertreter lokaler Gemeinschaften, die Wirtschaft, Arbeitnehmervertreter sowie Umwelt- und Verbraucherorganisationen umfasst. |
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1.20. |
Zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus empfiehlt der EWSA, dass die lokalen Gebietskörperschaften mit den direkt betroffenen Unternehmen zusammenarbeiten und den Dialog mit den Sozialpartnern, den Vertreten der Zivilgesellschaft und insbesondere den lokalen Gemeinschaften suchen, um Projekte zur Bereitstellung von erschwinglichem, gemischt genutztem, angemessenem und zugänglichem Wohnraum zu unterstützen. Diese Wohnungen würden von der Destinationsmanagement-Organisation oder einer öffentlich-privaten Partnerschaft verwaltet und Personen, die im Tourismus tätig sind, oder Arbeitnehmern lokaler Unternehmen zur Verfügung gestellt. |
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1.21. |
Nach Auffassung des EWSA würde die Belebung der regionalen Wirtschaft sozialen Zusammenhalt, allgemeines Unternehmenswachstum, Chancen für die Bevölkerung vor Ort und Voraussetzungen für die Integration junger Menschen in die Wirtschaft schaffen. Junge Menschen würden im Mittelpunkt dieses Projekts stehen und ihre Ausbildung in wiederbelebten Berufen würde dazu beitragen, die Zitadellenwirtschaft, die Nachhaltigkeit der Unternehmen in der Region und damit einen nachhaltigen Tourismus zu stärken, der auf die Bedürfnisse der Bevölkerung ausgerichtet ist. |
2. Allgemeine Bemerkungen
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2.1. |
Der Tourismus erwirtschaftet 10 % des BIP der Europäischen Union und gibt mehr als 12 Millionen Menschen (3) Arbeit, was ihn zu einem bedeutungsvollen Wirtschaftszweig für Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und soziale Entwicklung in der EU macht. Aus der Bedeutung des Tourismus in vielen Mitgliedstaaten ergibt sich auch, dass er das Potenzial hat, neue Wettbewerbsvorteile für die EU zu schaffen und die globale Wettbewerbsfähigkeit der EU zu stärken. |
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2.2. |
Die Vermietungen an Touristen kann in stark nachgefragten bzw. stark touristischen Gebieten dazu führen, dass der soziale Zusammenhalt schwächer wird. Folglich werden die erwerbstätigen Menschen aus den Stadtzentren verdrängt, was zu einem Mangel an systemrelevanten Arbeitskräften in öffentlichen Dienstleistungen führt. Zudem wird die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt, da Arbeitnehmer nicht in der Nähe ihres Arbeitsplatzes leben können und pendeln müssen; dies wirkt sich ebenso auf die Mobilität und die ökologische Nachhaltigkeit aus. Aus den genannten Gründen empfiehlt der EWSA den Mitgliedstaaten, dringend Maßnahmen zu ergreifen, um vergleichbare Lösungen für Kurzzeitvermietungen anzunehmen und umzusetzen. |
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2.3. |
Der Tourismus stellt auch Teile der lokalen Bevölkerung vor Herausforderungen, etwa Studierende und junge Menschen generell. Um sicherzustellen, dass diese Gruppen nicht aus ihren Gemeinschaften hinausgepreist werden, müssen die Regierungen darauf achten, dass Wohnraum tatsächlich als solcher genutzt und nicht zum Spekulationsobjekt wird, indem sie die kurzfristige Vermietung an Touristen erforderlichenfalls und im Einklang mit den Grundsätzen der Subsidiarität und der Verhältnismäßigkeit regulieren. Auch müssen die öffentlichen Investitionen in erschwinglichen Wohnraum für junge Menschen und Studierende erhöht und gleichzeitig die Genehmigungsverfahren beschleunigt werden, um die Entwicklung von Wohnungsbauprojekten zu ermöglichen (4). Daher ist es äußerst wichtig, die richtigen Lösungen zu finden, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen zu finden. |
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2.4. |
Übertourismus ist kein neues Phänomen. Er tritt ein, wenn der Zustrom von Besuchern die organisatorischen, logistischen und destinationsbezogenen Kapazitäten der Zielorte übersteigt und die Belange der Ortsbevölkerung beeinträchtigt werden. Der Übertourismus wurde durch eine Reihe von Faktoren verstärkt, darunter die Globalisierung und die verbesserten globalen Reisemöglichkeiten, die es immer größeren Kreisen der Bevölkerung ermöglicht haben, am Tourismus teilzunehmen. Ob von einer Überbelegung gesprochen werden kann, kann jedoch von Einheimischen und Touristen unterschiedlich wahrgenommen werden und hängt mit den örtlichen Gegebenheiten und der Kapazität der Infrastruktur zusammen. Mithilfe strategischer Ansätze, die sich auf strukturelle Aspekte (Logistik, Privatwohnungen für Kurzzeitvermietung) konzentrieren, könnte in Kombination mit Marketingstrategien zur subtilen Steuerung der Touristenströme für ein effizientes Tourismusmanagement gesorgt werden (5) (6). |
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2.5. |
Seit dem Ende der Pandemie ist die Zahl der Touristen in vielen Teilen Europas stark gestiegen. Die lokalen Behörden und Tourismuseinrichtungen sind unter Zugzwang geraten und mussten vor Ort Maßnahmen ergreifen, etwa Eintrittsgebühren zur Drosselung der Touristenströme in einigen Städten oder Gebieten (bspw. in Venedig), Einlassbegrenzung für bestimmte Kultureinrichtungen (bspw. im Prado-Museum in Madrid) und Anlegebeschränkungen für große Kreuzfahrtschiffe in bestimmten Meeresgebieten. |
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2.6. |
Der Anstieg der Besucherzahlen hat auch zu einer steigenden Nachfrage nach Wohnraum und zu einem raschen Anstieg der Zahl der Kurzzeitvermietungen über digitale Plattformen an vielen Reisezielen geführt. Dies veranlasste die Organe der Europäischen Union, die über digitale Tourismusplattformen vermittelten Kurzzeitvermietungen zu regulieren. |
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2.7. |
All dies deutet darauf hin, dass der Tourismus in einigen Gebieten ein Niveau erreicht hat, bei dem es zu Spannungen in den lokalen Gemeinschaften kommen kann, weshalb auf EU-Ebene koordinierte Maßnahmen erforderlich sind. Der EWSA begrüßt die Arbeit der Kommission an der EU-Strategie für nachhaltigen Tourismus. |
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2.8. |
Die Europäische Kommission kann wesentlich an Lösungen mitwirken, die in dieser Problematik wegweisend sein könnten. Die bevorstehende EU-Strategie für nachhaltigen Tourismus bietet eine wichtige Gelegenheit, viele der Herausforderungen anzugehen, die derzeit in den europäischen Reiseziele auftreten, darunter der Druck des Tourismus auf bestimmte Gebiete, der Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel und die Notwendigkeit, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Tourismusökosystems zu verbessern. |
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2.9. |
Der EWSA begrüßt, dass der zyprische EU-Ratsvorsitz einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Tourismus mit den Prioritäten sozialer Zusammenhalt, erschwinglicher Wohnraum, Resilienz und Nachhaltigkeit unterstützt, indem er Lösungen anstrebt, die EU-weit eingesetzt werden können. Es gilt, Lösungen für einfachere Prozesse zu finden, um langfristig einen nachhaltigen Tourismus zu schaffen, damit kommende Generationen harmonisch und nachhaltig von dem Tourismus profitieren können, für den heute die Grundlage gelegt wird. |
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2.10. |
Digitale Instrumente in der politischen Zukunftsgestaltung des europäischen Tourismus, eine flexible Politik, die die bisherigen Erfahrungen der wichtigsten Tourismusgebiete berücksichtigt sowie die Ausrichtung der künftigen Politik auf die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung könnten für diese Branche sowohl direkt als auch durch die Entwicklung von damit verbundenen Aktivitäten Wachstumspotenziale eröffnen. |
3. Besondere Bemerkungen
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3.1. |
Übertourismus ist der Massenzustrom von Besuchern zu Reisezielen, die eine einzigartige Anziehungskraft ausüben und somit Erfahrungen bieten, die an keinem anderen Ort geboten werden. Dass die Menschen sich zu diesen Reisezielen hingezogen fühlen, ist auch der Mentalität der lokalen Gemeinschaft — dem kulturellen Lebenselixier eines Gebiets — zu verdanken. Ohne diese Gemeinschaften würden Reiseziele auf bloße archäologische Relikte, Kunstwerke, Gebiete mit schöner Natur oder unpersönliche Hotelanlagen ohne menschliche Authentizität reduziert. Dieses Phänomen ist durchgängig in Griechenland, Spanien, Italien, Dänemark und Zypern zu beobachten, was deutlich macht, dass es sich um ein weit verbreitetes Problem in Europa handelt. Damit die besondere Atmosphäre eines Ortes erhalten bleibt, bedarf es der lokalen Gemeinschaft, die wiederum auf eine Steuerung des Besucherstroms angewiesen ist, um ihr spirituelles und kulturelles Erbe erhalten zu können. Es sind praktische Maßnahmen erforderlich, um die lokalen Gemeinschaften zu unterstützen: Verordnungen über touristische Kapazitäten, Investitionsprogramme zur Stärkung der Resilienz von Gemeinschaften und öffentlich-private Partnerschaften für nachhaltigen Tourismus. |
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3.2. |
In einigen von Übertourismus betroffenen Gebieten haben Kurzzeitvermietungen dazu geführt, dass die örtliche Bevölkerung und die Arbeitskräfte, die im Tourismus und in den damit zusammenhängenden Wirtschaftsbranchen beschäftigt sind, immer höhere Mieten für langfristigen Wohnraum zahlen müssen. Dies hat den Immobilieneigentümern erhebliche Gewinne beschert, und sicherlich sind dadurch auch neue Unterbringungsmöglichkeiten entstanden. Anderseits hat die örtliche Bevölkerung bei Investitionen das Nachsehen, da ihre Kaufkraft nicht mit derjenigen der Investoren mithalten kann. |
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3.3. |
Der Intensivtourismus wirft auch Probleme in Bezug auf die Aufnahmekapazität der Reiseziele auf, die unmittelbar auch die Bevölkerung dieser Gebiete betreffen. |
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3.4. |
Die Kurzzeitvermietung über digitale Plattformen hat Verdienstmöglichkeiten geschaffen und zusätzliche steuerliche Kontrollen erforderlich gemacht. Sie hat aber auch zu Investitionsmöglichkeiten und Wertsteigerungen bei Vermögenswerten geführt. Durch diese Art der Vermietung wurden Touristen Teil des täglichen Lebens der örtlichen Bevölkerung, was für diese, aber auch für manche Touristen belastend sein kann. Daher sind dringende Maßnahmen sowie lokale und steuerliche Rechtsvorschriften erforderlich geworden. Dies wird auf EU-Ebene durch die Verordnung (EU) 2024/1028 (7) geregelt. |
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3.5. |
Der EWSA stellt fest, dass die Verordnung über die kurzfristige Vermietung von Unterkünften über Online-Plattformen zwar angenommen wurde, doch viele der Probleme, die dieses Phänomen für die lokale Bevölkerung mit sich bringt, noch nicht gelöst wurden. Er schlägt daher vor, dass die Kommission die Auswirkungen der Umsetzung dieser Verordnung und der von verschiedenen Städten in der EU ergriffenen Maßnahmen bewertet und auf dieser Grundlage Empfehlungen ausspricht. |
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3.6. |
Der EWSA fordert die Europäische Union zur Unterstützung der gesamten Tourismusbranche in der EU auf, und insbesondere für KMU, um den digitalen und den ökologischen Wandel voranzutreiben und die globalen logistischen Herausforderungen sowie die Resilienz, Anpassungsfähigkeit und Nachhaltigkeit dieser wichtigen Branche zu bewältigen. Dadurch wird das Potenzial des europäischen Marktes gesteigert. Hochwertige Produkte werden gefördert und die Kontinuität der europäischen Produktion wird über einen langen oder gar sehr langen Zeitraum in allen Wirtschaftszweigen gewährleistet. |
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3.7. |
Der EWSA empfiehlt, die genannten Probleme ggf. durch folgende Wirtschaftsstrategien anzugehen:
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3.8. |
Der EWSA stellt fest, dass es keine koordinierte europäische Strategie gibt. Eine solche Strategie würde indes helfen, die nationalen und regionalen Maßnahmen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes im Handwerk (Steinmetzkunst, Holzverarbeitung, Textilhandwerk, Keramik, Metallverarbeitung, kulinarische Traditionen) aufeinander abzustimmen. Außerdem wird eine zentralisierte Finanzierung benötigt: ein spezieller europäischer Fonds, der aus den Programmen Kreatives Europa, Horizont Europa und der Kohäsionspolitik finanziert wird, um Folgendes umzusetzen:
Ein europäisches Zentrum für traditionelles Handwerk und Traditionsberufe würden helfen, dass das Handwerk von isolierten Tätigkeiten, die von fragmentierten nationalen Maßnahmen abhängen, zu einer europäischen strategischen Ressource für nachhaltigen Tourismus, regionalen Zusammenhalt und wirtschaftliche Diversifizierung zu machen. |
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3.9. |
Der EWSA empfiehlt der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten, ein Europäisches Zentrum für traditionelle Handwerks- und Traditionsberufe als Koordinierungsstelle auf EU-Ebene für die Förderung, Finanzierung und Entwicklung des traditionellen Handwerks in der gesamten EU einzurichten. Dieses Zentrum hätte die Aufgabe, die Entwicklung des Handwerks in der EU zu koordinieren, und stünde voll und ganz im Einklang mit der EU-Strategie für nachhaltigen Tourismus 2030 und dem UNESCO-Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes. |
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3.10. |
Der EWSA fordert die Mitgliedstaaten auf, ihre Strategien für den nachhaltigen Tourismus zu verstärken und dabei besonderes Augenmerk auf kleine Unternehmen und Sozialpartner, lokale Gemeinschaften und andere einschlägige Interessenträger zu richten, um zu effektiven und nachhaltigen Entscheidungen bezüglich der Umsetzung dieser Strategien und ihre umfassende Umsetzung beizutragen. Dieser Ansatz würde auch die Grundlagen einer integrierten lokalen Entwicklung schaffen. Bei diesem Modell würden die Erträge des Tourismus gerechter verteilt, was wiederum zur wirtschaftlichen Diversifizierung der Region beitragen würde, damit sie künftig weniger von den Touristenströmen abhängig ist. |
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3.11. |
Der EWSA fordert, den Bedürfnissen junger Menschen in Tourismusgebieten und dem „Recht zu bleiben“ besondere Aufmerksamkeit zu widmen. |
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3.12. |
Der EWSA empfiehlt der Kommission, Kriterien festzulegen, um zu bestimmen, wann ein Gebiet von Intensivtourismus betroffen ist und somit die Aufmerksamkeit und Unterstützung erhalten kann, die es von verschiedenen Regierungsebenen benötigt. Eine Lösung für die Konzentration des Tourismus in einigen Gebieten könnte die Steuerung der Touristenströme sein. Zu diesem Zweck könnte nach Ansicht des EWSA folgendes Modell der touristischen Streuung in Betracht gezogen werden:
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3.13. |
Um Lösungen für das spezifische Problem des Wohnungsmangels für die Arbeitnehmer in der Tourismusbranche zu finden, könnten die lokalen Gebietskörperschaften gemeinsam mit der Wirtschaft Investitionsgebiete für die Entwicklung von gemischt genutztem Wohnraum schaffen, die im Konsens mit den Sozialpartnern verwaltet werden, um den Wohnraumbedarf der Arbeitnehmer in der Region zu decken. |
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3.14. |
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Stärkung der sozialen und zivilgesellschaftlichen Dimension des Sektors durch insbesondere die Intensivierung des sozialen Dialogs und ggf. des zivilen Dialogs unter Berücksichtigung der Rolle und der Autonomie der Sozialpartner, um sicherzustellen, dass die Maßnahmen wirksam umgesetzt werden, und die Qualität der Beschäftigung zu verbessern. Die Förderung lokaler Unternehmen trägt nicht nur zum Wirtschaftswachstum, sondern auch zum sozialen Zusammenhalt bei. Sie schafft Chancen für die Gemeinschaft und erleichtert die Integration junger Menschen durch berufliche Bildung in neu belebten traditionellen Berufen. Die gesamtgesellschaftliche Einbeziehung verbessert die Kommunikation, die gemeinsame Verantwortung und die Motivation der Arbeitnehmer und trägt gleichzeitig dazu bei, die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Saisonarbeit, die für die Branche typisch ist, zu bewältigen und die Bindung von Arbeitnehmern zu verbessern. Ein solcher integrierter Ansatz würde die Entwicklung nachhaltiger und innovativer Tourismusmodelle unterstützen und einen langfristigen Wert für Gemeinschaften und künftige Generationen schaffen. |
Brüssel, den 29. April 2026
Der Präsident
des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses
Séamus BOLAND
(1) https://destinationcenter.org/tag/destination-stewardship/.
(2) Tourism industries — economic analysis — Statistics Explained — Eurostat.
(3) https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Tourism_industries_-_economic_analysis.
(4) Positionspapier „More Than a Roof“, Europäisches Jugendforum: https://www.youthforum.org/files/250414-PP-Housing-A5.pdf.
(5) Rapporto sull’overtourism — focus sul Veneto („Bericht über den Übertourismus — im Blickpunkt Venetien“), Oktober 2023. https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Tourism_industries_-_economic_analysis.
(6) Overtourism e strategie di contenimento: il caso di Capri — Rapporto di ricerca, octombrie 2024 („Übertourismus und Strategien zur Eindämmung am Beispiel Capris“ — Forschungsbericht, Oktober 2024).
(7) Verordnung (EU) 2024/1028 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. April 2024 über die Erhebung und den Austausch von Daten im Zusammenhang mit Dienstleistungen der kurzfristigen Vermietung von Unterkünften und zur Änderung der Verordnung (EU) 2018/1724 (ABl. L, 2024/1028, 29.4.2024, ELI: http://data.europa.eu/eli/reg/2024/1028/oj).
ELI: http://data.europa.eu/eli/C/2026/3543/oj
ISSN 1977-088X (electronic edition)