92001E1943

SCHRIFTLICHE ANFRAGE E-1943/01 von Pere Esteve (ELDR) an die Kommission. Regelung des Berufs des Fremdenführers.

Amtsblatt Nr. 364 E vom 20/12/2001 S. 0228 - 0229


SCHRIFTLICHE ANFRAGE E-1943/01

von Pere Esteve (ELDR) an die Kommission

(3. Juli 2001)

Betrifft: Regelung des Berufs des Fremdenführers

In der EU gilt der Grundsatz, dass ein Fremdenführer seine Dienste in einem anderen Land als seinem Herkunftsland anbieten kann, wenn er eine Gruppe ausländischer Touristen begleitet, sofern er seine Dienste nicht an Orten anbietet, für die ein speziell ausgebildeter Fremdenführer erforderlich ist, wie beispielsweise in Museen und an Orten, die Teil des kulturellen und architektonischen Erbes eines Landes sind.

Dies ist jedoch die einzige Bestimmung, die die EU für die Ausübung des Berufs des Fremdenführers vorsieht.

Ist die Kommission nicht der Ansicht, dass für in ganz Europa vermarktete Exkursionen, die eintägige oder noch kürzere Besichtigungen eines bestimmten Ortes beinhalten und bei denen in dem Angebot explizit oder implizit auf natürliche, kulturelle und historische Sehenswürdigkeiten hingewiesen wird, ein entsprechend ausgebildeter Fremdenführer erforderlich ist, um sie in befriedigender Weise durchführen zu können?

Hat die Kommission generell die Absicht, weitere Maßnahmen zur Regelung des Berufs des Fremdenführers auf EU-Ebene vorzusehen?

Antwort von Herrn Bolkestein im Namen der Kommission

(4. September 2001)

Der Grundsatz, auf den sich der Herr Abgeordnete bezieht, geht auf die Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften (EuGH) in Sachen Fremdenführer zurück (Urteile vom 26.2.1991, Rechtssachen C-154/89 Frankreich [1991] Slg. I-659, C-180/89 Italien [1991] Slg. I-709 und C-198/89 Griechenland [1991] Slg. I-727). Nach Ansicht des EuGH ist es gerechtfertigt, dass Touristen von besonders ausgebildeten Fremdenführern begleitet werden, wenn es zum Schutz des allgemeinen Interesses an der Aufwertung historischer Reichtümer und an der bestmöglichen Verbreitung von Kenntnissen über das künstlerische und kulturelle Erbe eines Landes erforderlich ist. Zur Beurteilung, ob ein derartiges Interesse vorliegt, ist für den EuGH nicht die Dauer der Exkursion maßgebend, sondern der künstlerische, architektonische, historische oder sonstige kulturelle Charakter der Sehenswürdigkeit.

Die Kommission plant keine besonderen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Beruf des Fremdenführers. Nach Artikel 40 und 47 (ex-Artikel 49 und 57) EG-Vertrag sollen Gemeinschaftsrichtlinien für Berufe nur die Freizügigkeit der Arbeitnehmer herstellen;

die Regelung der Berufsausübung fällt dagegen in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten. Die Kommission arbeitet allerdings an der Verbesserung des Gemeinschaftsrechts zur gegenseitigen Anerkennung beruflicher Qualifikationen im Allgemeinen. Im Juni 2001 begann die Kommission mit einer öffentlichen Sondierung, die der Ausarbeitung einer neuen Richtlinie dient(1). Der Vorschlag der Kommission sieht ein einheitlicheres, transparenteres und flexibleres System zur Anerkennung von Berufsabschlüssen vor. Er soll vor der Tagung des Europäischen Rates im Frühjahr 2001 angenommen werden.

(1) Arbeitspapier der Dienststellen der Europäischen Kommission über die künftige Regelung der Anerkennung beruflicher Befähigungsnachweise (Mai 2001).