27.3.2004   

DE

Amtsblatt der Europäischen Union

CE 78/66


(2004/C 78 E/0066)

SCHRIFTLICHE ANFRAGE E-2001/03

von Jan Dhaene (PSE) und Patricia McKenna (Verts/ALE) an die Kommission

(16. Juni 2003)

Betrifft:   Radioaktive Ableitungen aus Sellafield

Der Ausschuss „Fischerei“ des Internationalen Verbands der Gewerkschaften des Verkehrspersonals (ITF) hat die Nordseeländer aufgefordert, vom Vereinigten Königreich die Einstellung der radioaktiven Ableitungen aus Sellafield zu verlangen. Mehrere nationale Transportgewerkschaften haben sich dieser Forderung angeschlossen. Das Problem ist nicht auf das Vereinigte Königreich beschränkt, die Cogéma in La Hague verursacht eine umfassende radioaktive Verseuchung der lokalen Umgebung.

Zu den Isotopen, die für den ITF der größte Anlass zur Besorgnis sind, gehört Technetium-99 (Tc99). Dieses Isotop wird in die Irische See abgeleitet, obwohl es technisch möglich ist, es herauszufiltern und aufzufangen, bevor die Abwässer ins Meer geleitet werden.

1.

Ist der Kommission die Bedrohung der Meeresumwelt durch die Ableitung von radioaktiven Abwässern aus Anlagen wie Sellafield bekannt, insbesondere die Bedrohung für Fische, Schalentiere und die Verbraucher?

2.

Sind der Kommission die Auswirkungen auf die Fischer und andere Besatzungsmitglieder von Schiffen bekannt, die häufig in den Gebieten in der Nähe der Verschmutzungsquelle (Sellafield und La Hague) fischen?

3.

Welche Haltung nimmt die Kommission zu dem ITF-Vorschlag ein, dass Technetium-99 aus den Abwässern von Sellafield und La Hague herausgefiltert werden sollte?

Antwort von Frau de Palacio Im Namen der Kommission

(30. Juli 2003)

Die Kommission ist sich der von der Frau und dem Herrn Abgeordneten aufgeworfenen Problematik bewusst.

Die Gemeinschaft ist Vertragspartei der Oslo-Paris-Konvention (OSPAR) und wird auf den OSPAR-Sitzungen durch die Kommission vertreten. Das zentrale Ziel bei den Strategien der OSPAR-Kommission für den Erfolg ihrer Arbeiten ist der Schutz des OSPAR-Meeresgebiets. Eine dieser Strategien betrifft radioaktive Stoffe und ist speziell darauf ausgerichtet, bis zum Jahr 2020 Einleitungen, Emissionen und Verluste radioaktiver Stoffe so weit zu senken, dass die zusätzlichen Konzentrationen in der Umwelt oberhalb historischer Werte aufgrund solcher Einleitungen, Emissionen und Verluste gegen Null tendieren.

Die OSPAR-Kommission wird bei der Umsetzung ihrer Strategie zu radioaktiven Stoffen von ihrem Ausschuss für radioaktive Stoffe (RSC) unterstützt, der mindestens einmal jährlich zusammentritt. Die Kommission nimmt aktiv an der Arbeit dieses Ausschusses teil, der wesentlich dazu beiträgt, die Kenntnisse und das Bewusstsein für die Einleitung radioaktiver Stoffe aus allen Quellen in das Meeresgebiet zu verbessern. So schloss die Kommission erst kürzlich eine Studie unter dem Titel Marína II ab, in der alle radioaktiven Einleitungen in das OSPAR-Meeresgebiet und ihre Auswirkungen untersucht wurden, einschließlich der Auswirkungen für Organismen, den Verzehr von Meeresfrüchten und Personen, die in der Nähe solcher Einleitungen Fischfang betreiben.

Die Kommission engagiert sich mit Nachdruck dafür, dass das Ziel der OSPAR-Strategie hinsichtlich radioaktiver Stoffe erreicht wird, wofür eine schrittweise und wesentliche Verringerung aller radioaktiven Einleitungen bis 2020 erforderlich ist. Auf dem ersten Ministertreffen der OSPAR-Kommission in Sintra im Juli 1998 brachten mehrere Vertragsparteien ihre Besorgnis über die Einleitungen von Technetium-99 aus Sellafield zum Ausdruck, und die Minister des Vereinigten Königreichs sagten zu, dieser Besorgnis Rechnung zu tragen. Auch beim OSPAR-Ministertreffen in Bremen vom Juni 2003 wurde erneut auf diese Besorgnis hingewiesen. Mit Befriedigung wurde die Initiative des Vereinigten Königreichs aufgenommen, den Betreiber von Sellafield aufzufordern, für neun Monate Einleitungen von mittelaktiven Konzentraten (MAC) aus den Behandlungsverfahren auszusetzen, um weitere Fortschritte der Forschung und Entwicklung im Bereich der Schadstoffminderungstechnologien abzuwarten.

Allerdings sollte darauf hingewiesen werden, dass trotz der relativ hohen Aktivität der Konzentrationen von Technetium-99 die radiologischen Auswirkungen von Einleitungen dieses Stoffes in die Umwelt im Vergleich zu anderen Radionukliden, einschließlich natürlich vorkommender, nur gering sind.