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27.3.2004 |
DE |
Amtsblatt der Europäischen Union |
CE 78/26 |
(2004/C 78 E/0028)
SCHRIFTLICHE ANFRAGE E-1033/03
von Cristiana Muscardini (UEN) an die Kommission
(28. März 2003)
Betrifft: Hungersnot in Afrika
Sicherlich ist der Kommission die jüngste aus Nairobi verbreitete Mitteilung bekannt, in der die FAO darauf hinweist, dass in Äthiopien 14 Millionen Menschen — von den ca. 63 Millionen Einwohnern — dringend auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind. Bisher haben die im Kampf gegen die Hungersnot engagierten internationalen Organisationen lediglich 40 % des Mindestbedarfs zusammengebracht. Die Vorräte werden bis Ende Juni erschöpft sein, auch wenn man die Hilfe auf 12,5 kg Getreide pro Monat und Person senkt, während 15 kg als überlebensnotwendig angesehen werden. Prozentual gesehen ist die Lage in Eritrea noch dramatischer, wo von einer Gesamtbevölkerung von 3,5 Millionen 2 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind und die gegenwärtigen Vorräte höchstens bis Ende April ausreichen. Mittlerweile sind über 28 % der Kinder unter fünf Jahren stark unterernährt. Ebenfalls in Eritrea wird wegen der seit vier Jahren anhaltenden verheerenden Dürre das Vieh geschlachtet.
Kann die Kommission:
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1. |
Angaben zu den Äthiopien und Eritrea gewährten Hilfen liefern? |
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2. |
angesichts des Rückgangs der Getreideernten (vier Fünftel weniger im Vergleich zu der durchschnittlichen Erzeugung im letzten Jahrzehnt) mitteilen, welche Initiativen sie in Rücksprache mit der FAO ergriffen hat oder zu ergreifen beabsichtigt, um eine Wiederbelebung der Getreideproduktion zu fördern? |
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3. |
angeben, ob sie es im Sinne eines Beitrags zur Verwirklichung dieses Ziels für erforderlich hält, die Ausbildung der Landwirte zum Einsatz der Technologien zu fördern, die für die Bodenbearbeitung besonders geeignet sind? |
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4. |
mitteilen, ob sie es als vorrangige Notwendigkeit ansieht, in Zusammenarbeit mit den Regierungen der Länder, in denen die Dürre auftritt, und den übrigen internationalen humanitären Organisationen die Verwirklichung von Vorhaben zu fördern, die auf die Suche nach Grundwasser und dessen Nutzbarmachung ausgerichtet sind? |
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5. |
angeben, ob es — zusätzlich zu den Aktivitäten im Bereich der humanitären Hilfe — für diese Zwecke eine Zusammenarbeit zwischen der Kommission und den in den betroffenen Gebieten Afrikas engagierten Hilfsorganisationen gibt? |
Antwort von Herrn Nielson im Namen der Kommission
(8. Mai 2003)
Der Kommission ist der Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) über die aktuelle Lebensmittelkrise in Äthiopien bekannt, wiewohl sie nicht mit den Behauptungen über die Anzahl der betroffenen Personen, die auf 11,3 Millionen für Äthiopien im Dezember 2002 korrigiert wurde, und demzufolge auch nicht mit dem Prozentsatz des gedeckten Bedarfs konform geht. Die Behauptung, dass über 28 % der Kinder unter fünf Jahren in Eritrea an schwerer Unterernährung leiden, ist ebenfalls sehr zweifelhaft und leider ein Beispiel für die Neigung bestimmter Partner, ein übertriebenes Bild von Notsituationen zu zeichnen.
Die Lebensmittelkrise am Horn von Afrika ist trotz dieser Vorbemerkungen sehr real, auch wenn durch stark verbesserte Frühwarnsysteme und eine großzügige Reaktion der Geber keine Hungersnot der aus der Vergangenheit bekannten, katastrophalen Tragweite entstanden ist.
Die Kommission selbst hat in beispielloser Weise auf die Krise in Äthiopien und Eritrea reagiert und hat zusammen mit den Mitgliedstaaten etwa 35 — 40 % des geschätzten Lebensmittelbedarfs bis Ende 2003 gedeckt. Die Frau Abgeordnete und das Sekretariat des Parlaments werden umgehend eine Tabelle zugesandt bekommen.
Es ist eine hohe Priorität in den politischen Zielen der Kommission, vor allem für Äthiopien, die Bemühungen zur Gewährleistung einer sicheren Lebensmittelversorgung zu unterstützen, da etwa vier bis fünf Millionen Äthiopier voraussichtlich jedes Jahr unter einer unsicheren Ernährungslage zu leiden haben, und dies aus strukturellen Gründen selbst in Jahren mit guter Ernte. Aus diesem Grund hat die Kommission aus dem 9. Europäischen Entwicklungsfonds einen Betrag von 54 Mio. EUR für Programme zur Unterstützung der Ernährungssicherung in Äthiopien bereitgestellt. Die aus diesen Mitteln zu finanzierenden Programme werden zurzeit bestimmt und beurteilt, es werden darunter jedoch wahrscheinlich Maßnahmen zur Verbesserung der tierärztlichen Versorgung und des Zugangs zu Wasserstellen sowie die Unterstützung eines sachdienlicheren Systems zur Vermarktung von Getreide gehören.
Die Kommission arbeitet bereits mit gemeinnützigen Organisationen zusammen, die in den von unsicherer Lebensmittelversorgung betroffenen Ländern Afrikas in den Bereichen Ernährungssicherung und humanitäre Hilfe tätig sind, und wird diese Zusammenarbeit zweifelsohne fortsetzen.