92000E3592

SCHRIFTLICHE ANFRAGE E-3592/00 von Gordon Adam (PSE) an die Kommission. Forschung auf dem Gebiet der Kohlenwasserstoffe.

Amtsblatt Nr. 174 E vom 19/06/2001 S. 0085 - 0087


SCHRIFTLICHE ANFRAGE E-3592/00

von Gordon Adam (PSE) an die Kommission

(22. November 2000)

Betrifft: Forschung auf dem Gebiet der Kohlenwasserstoffe

Kann die Kommission in Anbetracht der weit verbreiteten Sorge innerhalb der Europäischen Union über die Versorgung mit und den Preis von Mineralölerzeugnissen folgende Fragen beantworten:

a) Hat die Kommission eine Neubewertung der Priorität, die der Forschung auf dem Gebiet der Kohlenwasserstoffe gegeben wird, vorgenommen?

b) Wie will die Kommission das Fünfte Rahmenprogramm für Forschung nutzen, um eine verstärkte Produktion von Kohlenwasserstoffen in der Europäischen Union durch die Förderung von Forschungsarbeiten mit dem Ziel besserer Verfahren zur Maximierung der Förderung von Kohlenwasserstoffvorkommen zu ermöglichen?

c) Was wird die Kommission angesichts der Notwendigkeit, eine effizientere Nutzung von Kohlenwasserstoffen gewährleisten, um die Emissionen zu reduzieren und die Abhängigkeit von Erdölimporten in die Europäische Union zu verringern, künftig zur Förderung der Forschung in diesem Bereich unternehmen?

Antwort von Herrn Busquin im Namen der Kommission

(19. Januar 2001)

In den ersten beiden Jahren der Laufzeit des Fünften Rahmenprogramms (RP5) betrug die jährliche Gemeinschaftsfinanzierung für das Aufsuchen und die Förderung von Erdöl und Erdgas 25 Mio.. Der jährliche Beitrag der Mitgliedstaaten für Forschung und technologische Entwicklung (FTE) auf diesem Gebiet wird auf rund 150 Mio. geschätzt. Der Gemeinschaftsanteil beläuft sich somit auf ca. 15 % der gesamten öffentlichen Finanzierung dieses Bereichs in der Gemeinschaft. Die entsprechende Finanzierung durch die öffentliche Hand in den Vereinigten Staaten beträgt 200 Mio. $ pro Jahr.

a) und b) Die Entdeckung neuer Erdölvorkommen pro Jahr (beim derzeitigen Ölpreis) belief sich in den vergangenen 10 Jahren im Durchschnitt auf ca. 10-15 % der Ölfunde in den sechziger Jahren. Da die Lebensdauer einer Ölquelle rund 40 Jahre beträgt, dürfte die Ölproduktion bis 2010-2015 abnehmen. Obwohl auf Europa nur ein geringer Anteil der gesamten Ölreserven der Welt entfällt (ca. 2 % für den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR)), kann dieser eine wichtige strategische Rolle für die Versorgungssicherheit in der Gemeinschaft spielen. Um die Ölproduktion auf demselben Stand zu halten oder zu steigern, könnten neue Ölvorkommen, bei denen die Förderung kostspieliger ist, erschlossen werden. Dies erfordert hohe Investitionen in die Erkundung und Förderung in Tiefseegebieten und bei schwierigen Lagerstättenverhältnissen, die die Ölproduktion verteuern. Im Vergleich zu diesen Investitionen kann die Gemeinschaftsfinanzierung von 50 Mio. in den ersten zwei Jahren des RP5 nur eine sehr begrenzte Wirkung erzielen. Daher müssen FTE-Maßnahmen Priorität erhalten, die auf Kostensenkungen bei anderen sauberen nicht nuklearen Technologien ohne oder mit sehr begrenzten Kohlendioxidemissionen (CO2) abzielen. Dies gilt z.B. für erneuerbare Energieträger und Brennstoffzellen, für die häufig nur knappe Finanzmittel zur Verfügung stehen, wie aus der Überprüfung des Arbeitsprogramms für den Bereich Energie des thematischen Programms Energie, Umwelt und nachhaltige Entwicklung hervorgeht, die nach halber Laufzeit vorgenommen (und im Oktober 2000 verabschiedet) wurde. Das Aufsuchen und die Förderung von Erdöl und Erdgas gehören zwar nicht zu den prioritären Bereichen (Zielvorhaben) in den Jahren 2001 und 2002, für die 60 % der Haushaltsmittel zugewiesen wurden; doch fällt die FTE auf diesem Gebiet unter den allgemeinen Teil des Programms, für den 40 % der Mittel zur Verfügung stehen.

c) Die Frage der Abhängigkeit von Ölimporten und der Senkung der CO2- und Schadstoffemissionen wird im Grünbuch der Kommission über eine europäische Strategie für Energieversorgungssicherheit(1) erörtert. Darin wird auf Schwachstellen in der Energieversorgung Europas, u.a. auf die Abhängigkeit von externen Versorgungsquellen, vor allem bei Erdöl und Erdgas, sowie auf die steigende Nachfrage hingewiesen. Diese Schwächen gefährden die europäische Energieversorgung, zumal die Nachfrage in den kommenden Jahrzehnten steigen könnte. Eine der größten Schwachstellen betrifft den Verkehr. Der Verkehrssektor ist zu nahezu 100 % auf Öl angewiesen, verbraucht annähernd 70 % des gesamten Öls in der Gemeinschaft (wovon 75 % aus Drittländern importiert werden) und hat den am schnellsten steigenden Energieverbrauch zu verzeichnen. Ferner werden 90 % des Anstiegs der CO2-Emissionen in der Gemeinschaft im Zeitraum 1990-2010 dem Verkehr zuzuschreiben sein. Das Grünbuch verweist auf den Bedarf an einer europäischen Strategie, um die Risiken für die Energieversorgung im Rahmen der Erweiterung, nachhaltigen Entwicklung und Liberalisierung des Marktes zu verringern. Die Maßnahmen konzentrieren sich u.a. auf den Verkehrssektor. Neben Strategien für die Nachfrageseite werden Maßnahmen zur Entwicklung von alternativen Brennstoffen wie Wasserstoff und Biobrennstoff gefordert. In diesem Zusammenhang sieht das oben genannte revidierte Arbeitsprogramm ein Zielvorhaben zum Thema Saubere Brennstoffe für den Verkehr vor, das der raschen Entwicklung von sauberen Biobrennstoffen (mit CO2-Nettoemissionen von 0 %) und aus Erdgas gewonnenen sauberen Brennstoffen

dient (diese erzeugen niedrigere CO2- und Schadstoffemissionen als Öl). Damit wird vor allem die Abhängigkeit von Öl im Verkehr verringert. Das vorgenannte Zielvorhaben umfasst auch Verbrennungsforschung im Hinblick auf den Abbau von Schadstoffemissionen und die Erhöhung der Effizienz.

(1) KOM(2000) 769 endg.