SCHRIFTLICHE ANFRAGE Nr. 2631/98 von Nel van DIJK an die Kommission. Bedrohung des Dachses (Meles meles) im Vereinigten Königreich
Amtsblatt Nr. C 142 vom 21/05/1999 S. 0026
SCHRIFTLICHE ANFRAGE E-2631/98 von Nel van Dijk (V) an die Kommission (1. September 1998) Betrifft: Bedrohung des Dachses (Meles meles) im Vereinigten Königreich Wie kann die Kommission in ihrer Antwort P-0787/98(1) vom 30. März auf Fragen von Döke Eisma mit solchem Nachdruck behaupten, daß der Dachs seit Anfang der 70er Jahre an der Übertragung der Rindertuberkulose in Südwestengland und Wales beteiligt ist? Ist der Kommission bekannt, daß dem Bericht Krebs zufolge die Beteiligung des Dachses am Übertragungszyklus bei Rindern nicht nachgewiesen ist und daß es dafür in keinem einzigen Land ausser dem Vereinigten Königreich und Irland Hinweise gibt? Wie begründet die Kommission ihre Behauptung, daß "ernsthafte Fragen der öffentlichen Gesundheit auf dem Spiel" stehen? Steht der mögliche Schaden, den infizierte Dachse verursachen könnten, in angemessenem Verhältnis zur Zahl der Dachse, die getötet werden, wenn die Empfehlungen des Berichts Krebs befolgt werden? Wird hier nicht allzu leichtfertig auf die Abweichungsbestimmungen des Übereinkommens von Bern zurückgegriffen? (1) ABl. C 310 vom 9.10.1998, S. 129. Gemeinsame Antwort von Frau Bjerregaard im Namen der Kommission auf die Schriftlichen Anfragen P-2621/98 und E-2631/98 (28. September 1998) Tuberkulose (TB) ist nicht in allen Dachspopulationen im Vereinigten Königreich verbreitet. Dort, wo sie vorkommt, ist jedoch oft ein hoher Verseuchungsgrad festzustellen. Bei der Dachsbeseitigung im Jahre 1997 ergab sich, daß 27,8 % aller betroffenen Dachse, und zwar 48 % in Sussex, 43 % in Hereford und 82 % in Gwent verseucht waren. Die Beseitigung dieser Tiere wirkt sich für die Dachspopulation insgesamt zweifellos günstig aus. Eine völlige Ausrottung der Tuberkulose erwies sich allerdings als schwieriges Unterfangen. Der Kreb-Bericht wurde mit dem Ziel in Auftrag gegeben, mehr Klarheit über die Rolle des Dachses in der TB-Epidemologie zu gewinnen und die Wirksamkeit der verschiedenen Seuchenbeseitigungsstrategien zu vergleichen. In dem Bericht wurde die Prüfung drei möglicher Varianten empfohlen: die vorbeugende Ausmerzung von Dachsen, bevor Fälle von TB auftreten, die Ausmerzung als Reaktion auf das Ausbrechen der Seuche und der Verzicht auf solche Maßnahmen. Die britische Regierung ist diesen Empfehlungen gefolgt. Die Versuche werden in Gebieten stattfinden, wo die Gefahr, daß die Krankheit wiederholt ausbricht, am grössten ist. Daher wird dort wahrscheinlich ein hoher Prozentsatz der ausgemerzten Dachse bereits infiziert sein. Ihre Beseitigung wird den Durchseuchungsgrad verringern und so das Risiko für andere Dachse sowohl innerhalb als auch ausserhalb des Gebietes, wo die Maßnahmen stattfinden, sowie für die Menschen, die sich am Vieh anstecken können, senken. Pläne, den Dachs im Vereinigten Königreich ganz auszurotten, gibt es nicht. Vielmehr wird erwartet, daß die Ergebnisse der Versuche dem Vereinigten Königreich eine Verbesserung seiner TB-Bekämpfungsmaßnahmen ermöglichen. Damit ließe sich der Umfang der Vernichtungsmaßnahmen auf das für die Erreichung der Ziele nötige Mindestmaß beschränken. Laut Kreb-Bericht lassen sich aus den verfügbaren Angaben ausserdem deutliche Indizien für die Richtigkeit der Vermutung ablesen, daß die Dachse einen wichtigen Herd für TB-Erkrankungen beim Vieh darstellen, obwohl sich ihr Anteil an den Ansteckungen nicht bestimmen lässt. Auch wenn man bisher davon ausging, daß die Art des Erregers, der die Dachse befällt, (mycobacterium bovis) nur eine geringe Gefahr für den Menschen darstellt, braucht man weitere Studien, um diese Annahme zu belegen. Bis jetzt wurden die meisten Diagnosen bei Menschen unter klinischen Bedingungen gestellt. Die Möglichkeit, daß manche der Erkrankungen vom mycobacterium bovis verursacht wurden, lässt sich nicht ausschließen. In Anbetracht des schweren, oft tödlich endenden Verlaufs der klinischen Erkrankungen gibt dieser Befund durchaus Anlaß zu ernster Sorge um die Volksgesundheit. Die Kommission sieht in den Ausmerzungsmaßnahmen, wie sie in dem Kreb-Bericht empfohlen werden, angesichts des begrenzten Umfangs der betroffenen Gebiete und der ausgleichenden Dachsschutzmaßnahmen, die bereits im grössten Teil des Vereinigten Königreichs ergriffen wurden, keinen Widerspruch zur europäischen Naturschutzpolitik. Die Kommission begrüsst wissenschaftliche Studien, die eine Krankheitsquelle für Mensch und Tier beseitigen helfen, und versichert, daß die Ausmerzung wildlebender Tierarten im Rahmen von Operationen zur Seucheneindämmung auf ein Minimum beschränkt bleibt.