91997E3923

SCHRIFTLICHE ANFRAGE Nr. 3923/97 von Hedwig KEPPELHOFF- WIECHERT an die Kommission. Förderung von Schülerinnen und Schülern durch das COMENIUS- Programm

Amtsblatt Nr. C 187 vom 16/06/1998 S. 0091


SCHRIFTLICHE ANFRAGE E-3923/97 von Hedwig Keppelhoff-Wiechert (PPE) an die Kommission (11. Dezember 1997)

Betrifft: Förderung von Schülerinnen und Schülern durch das COMENIUS-Programm

Das COMENIUS-Programm der Europäischen Union bietet europäischen Schulen eine Vielzahl von Kooperationsmöglichkeiten. COMENIUS baut u.a. auf den Erfahrungen der verschiedenen Pilotprojekte der Mitgliedstaaten auf, die entwickelt wurden, um die europäische Dimension im Unterricht zu stärken. In der Aktion 1 werden Schulen gefördert, die gemeinsam an einem "Europäischen Bildungsprojekt" arbeiten. Leider behindern aber manche Reglementierungen den Erfolg dieses Programms.

1. Während die Schulen in der Pilotprojektphase die ihnen zur Verfügung gestellten Finanzmittel, je nach Bedarf, frei einsetzen durften, also auch für Schülerreisekosten, wird eine solche Finanzierung nun ausdrücklich untersagt. Kann die Kommission hierzu eine Begründung geben?

2. Ist sich die Kommission bewusst, daß durch diese Entscheidung viele Projekte scheitern können, da die finanzielle Belastung von Schülern und Schülerinnen nicht tragbar ist?

3. Wie erklärt die Kommission dagegen die Übernahme der Reisekosten von Schulleitern?

4. Sieht die Kommission eine Möglichkeit, die an einem Projekt beteiligten Schulen selbst über die Verwendung der ihnen zur Verfügung gestellten Fördermittel entscheiden zu lassen?

Antwort von Frau Cresson im Namen der Kommission (29. Januar 1998)

Ziel des Kapitels COMENIUS des SOKRATES-Programms ist es, einer möglichst grossen Zahl von Schülern die Möglichkeiten einer europäischen Zusammenarbeit zu eröffnen. Da die Sokrates-Mittel zwangsläufig beschränkt sind, können die Reisekosten von Schülern nicht übernommen werden. In einigen Ländern übersteigen die Anträge der Schulen bereits bei weitem die verfügbaren Mittel. Aus diesem Grund können seit dem Übergang von der Pilotphase zum eigentlichen Programm Reisen von Schülern nicht mehr finanziert werden. Das Konzept der europäischen Bildungsprojekte besteht darin, zwischen Schülern aus mehreren, am Programm beteiligten Mitgliedstaaten eine regelmässige und mindestens ein Schuljahr andauernde Zusammenarbeit aufzubauen. Lehrer und Schüler müssen daher Mittel und Wege - vor allem elektronischer Art - finden, während des Schuljahres auf regelmässiger Basis miteinander zu kommunizieren. Aufgrund der fehlenden Mobilität der Schüler ist daher ein besonderes pädagogisches Engagement der Lehrer erforderlich, um die Projekte attraktiv und lebendig und im Vergleich zu einem traditionellen Schüleraustausch inhaltlich interessanter zu gestalten.

Mit dem Gemeinschaftszuschuß kann man die Reisekosten der an europäischen Bildungsprojekten beteiligten Lehrer und Schulleiter finanzieren, um ihnen zu ermöglichen, ein gemeinsames Arbeitsprogramm aufzustellen und das Projekt inhaltlich zu verbessern. Gerade weil die verfügbaren Mittel nicht ausreichen, die Reisekosten der Schüler zu decken, ist es wichtig, daß sich die Lehrer treffen können, um dem Projekt eine wirklich europäische Dimension zu geben, indem sie ihren Schülern die Ergebnisse ihrer Arbeit in den Partnerländern zugänglich machen.

Die Kommission sollte unbedingt gemeinsam mit den am Programm beteiligten Mitgliedstaaten die Verwendung des Gemeinschaftszuschusses in den Schulen regeln, damit diese so sinnvoll wie möglich eingesetzt werden und die Durchführung der Maßnahme in den Mitgliedstaaten eine gewisse Kohärenz erhält. Da an den europäischen Bildungsprojekten mehrere Schulen aus mehreren Mitgliedstaaten beteiligt sind und zusammenarbeiten, müssen gemeinsame Grundregeln festgelegt werden.