91997E1796

SCHRIFTLICHE ANFRAGE Nr. 1796/97 von Lissy GRÖNER an die Kommission. Pilotphase des "Europäischen Freiwilligendienstes"

Amtsblatt Nr. C 391 vom 23/12/1997 S. 0134


SCHRIFTLICHE ANFRAGE P-1796/97 von Lissy Gröner (PSE) an die Kommission (20. Mai 1997)

Betrifft: Pilotphase des "Europäischen Freiwilligendienstes"

1. Wieviele Freiwillige sind seit Beginn der Pilotphase bis zum 1. Mai 1997 eingesetzt worden, und in welchen Ländern?

2. Wieviele dieser Freiwilligen wurden im Rahmen des dezentralisierten Systems eingesetzt?

3. Warum hat die Kommission das Anmeldeverfahren für internationale Organisationen geändert?

4. Kann die Kommission die Situation der eingesetzten Freiwilligen im Lichte der angestrebten Zahl von 2.500 Freiwilligen erläutern?

Antwort von Frau Cresson im Namen der Kommission (16. Juni 1997)

In der Pilotphase des Europäischen Freiwilligendienstes wird ein neuer Ansatz zur Förderung von Aktivitäten für den Freiwilligendienst von Jugendlichen innerhalb des europäischen Rahmens und insbesondere eine dezentralisierte Durchführungsstrategie erprobt. Der dezentralisierte Ansatz soll die Teilnahme von Gebietskörperschaften erleichtern. Ausserdem soll so besser auf die Anforderungen und Gegebenheiten im Hinblick auf die Projekte und die Freiwilligen eingegangen werden können.

Der nötige Rahmen für eine dezentralisierte Durchführung ist jetzt gegeben. In jedem Mitgliedstaat wurde eine nationale Stelle geschaffen, die der Kommission bei der Durchführung der Pilotaktion zur Seite steht. Seit der zweiten Hälfte des Jahres 1996 verbreiten diese nationalen Stellen Informationen und wecken sie Interesse für den Europäischen Freiwilligendienst. Inzwischen sind der Kommission Interessenbekundungen von knapp 1 000 Organisationen aus der gesamten Gemeinschaft zugegangen, die bereit sind, Jugendliche aufzunehmen. Diese Angebote stellen ein Potential von fast 3 000 Stellen für junge Freiwillige dar. Tausende junger Menschen, die sich am Europäischen Freiwilligendienst beteiligen möchten, haben mit der Kommission und nationalen Stellen Kontakt aufgenommen.

Zusammen mit der Kommission stellen die nationalen Stellen jetzt eine Verbindung her zwischen den Aufnahmeprojekten, den Entsendeprojekten und den Freiwilligen. Der Vorgang ist komplex und zeitaufwendig, da viele der Partner keine Erfahrung im Bereich des transnationalen Freiwilligendienstes haben und bei längerfristigen Projekten alle Partner voll einsatzfähig sein müssen und grosse Verantwortung zu tragen haben.

Im Juli 1997 legt die Kommission einen zweiten Fortschrittsbericht über die Durchführung der Pilotaktion "Europäischer Freiwilligendienst" vor. Er wird genaue Zahlen und die Analyse der Durchführung der Pilotaktion enthalten. Die gezielten Fragen der Frau Abgeordneten kann die Kommission jedoch bereits jetzt wie folgt beantworten:

1. Bisher wurden 346 Jugendliche für Projekte im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes vermittelt. Eine genauere Aufschlüsselung der Freiwilligen und der Projekte nach Land sendet die Kommission der Frau Abgeordneten und dem Generalsekretariat des Parlaments direkt zu.

2. 313 dieser jungen Freiwilligen nehmen an Projekten teil, die im Rahmen der Pilotaktion zentral gefördert werden (80 an sogenannten "Flagschiff-Projekten", 33 in Drittländern und 200 an Projekten, die durch Mitglieder der AVSO - Association of Voluntary Service Organisations - eingereicht wurden). Bisher wurden 33 Freiwillige auf dezentralem Weg vermittelt (die Projekte wurden über die nationalen Stellen eingereicht). Die Kommission rechnet mit einer bedeutenden Zunahme der Freiwilligenzahlen in den kommenden zwei Monaten. Ende Juli dürften insgesamt 220 Freiwillige bei "Flaggschiff-Projekten" im Einsatz sein. Weitere 57 junge Freiwillige bereiten sich zur Zeit auf ihre Teilnahme an Projekten des Europäischen Freiwilligendienstes in Drittländern vor. 750 Projekte wurden dezentral angenommen und dürften in den kommenden Wochen anlaufen. Mehrere Hunderte Projekte befinden sich in der Vermittlungsphase und dürften im Spätsommer in Angriff genommen werden.

3. 1997 beschloß die Kommission die Ausdehnung der zentralen Antragstellung (bisher direkt bei der Kommission) auf die Europäischen Jugendverbände und die der AVSO angeschlossenen Organisationen der Freiwilligendienste. Ferner beschloß sie, den Schwerpunkt auf multilaterale Projekte des Europäischen Freiwilligendienstes zu legen, an denen Partner aus mehreren Ländern beteiligt sind. Hierdurch soll eine Diversifikation der zentral eingeschalteten Organisationen, ein Ausbau der Zusammenarbeit und neue Partnerschaften zwischen mehreren Organisationen sowie eine Erweiterung des Inhalts sowie eine Anhebung der Qualität der geförderten Projekte erzielt werden. Die Kommission hat ferner Jugendverbände und Organisationen des Freiwilligendienstes dazu veranlasst, Anträge für einen bilateralen Austausch von jungen Freiwilligen auf dezentralem Weg einzureichen.

4. Die Durchführung der Pilotaktion hat bereits gezeigt, daß grosses Interesse seitens der Jugendlichen besteht, die im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes tätig sein möchten, aber auch seitens der Projektleiter, die bereit sind diese Jugendlichen aufzunehmen. Die Partnersuche für Aufnahme- und Entsendeprojekte ist komplex und für viele der in Frage kommenden Partner ein völlig neues Erlebnis. Die Kommission rechnet damit, daß bis Ende Juli 1997 2 000 bis 2 500 Jugendlichen die Gelegenheit geboten wird, sich am Europäischen Freiwilligendienst zu beteiligen.