Brüssel, den 30.4.2026

COM(2026) 175 final

BERICHT DER KOMMISSION

AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN RAT, DIE EUROPÄISCHE ZENTRALBANK, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN











Die Einführung des Euro in Bulgarien


BERICHT DER KOMMISSION

AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN RAT, DIE EUROPÄISCHE ZENTRALBANK, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN

Die Einführung des Euro in Bulgarien

Zusammenfassung

Am 1. Januar 2026 hat Bulgarien als 21. EU-Mitgliedstaat seine Währung auf den Euro umgestellt. 62 % der bulgarischen Bevölkerung beurteilten die Umstellung als reibungslos und effizient. 78 % waren der Ansicht, gut über die einheitliche Währung informiert zu sein. Eine eigens konzipierte Kommunikationskampagne, die von der EU kofinanziert wurde, trug dazu bei, die Bevölkerung, Unternehmen und Behörden rechtzeitig, gezielt und präzise über die praktischen Aspekte der Euro-Umstellung zu informieren.

Die Vorbereitungen für die Bargeldumstellung erfolgten planmäßig. Die Bulgarische Nationalbank versorgte Kreditinstitute vorab mit Euro-Bargeld, die ihrerseits zwei Monate vor der Umstellung Euro-Bargeld an ihre Geschäftskunden weitergaben. Der Öffentlichkeit wurden ausreichend Starterkits mit Euro-Münzen zur Verfügung gestellt. Unternehmen konnten Euro-Bargeld bei Finanzinstituten rechtzeitig im Voraus bestellen.

Die einmonatige Phase, in der Lew- und Euro-Bargeld parallel im Umlauf waren, verlief reibungslos. Am 1. Januar waren an 99 % aller Geldautomaten im Land Euro-Banknoten erhältlich. Geschäftsbanken müssen Lew-Bargeld bis Ende 2026 umtauschen; bis zum 30. Juni ist der Umtausch kostenlos, danach können Gebühren anfallen. Bei der Bulgarischen Nationalbank können Lew-Banknoten und ‑Münzen unbefristet gebührenfrei umgetauscht werden. Lew-Bargeld kann ebenfalls in bulgarischen Postämtern kostenlos umgetauscht werden, mit einem Tageslimit von 1 000 Lew bzw. in Ausnahmefällen bis zu 10 000 Lew an ausgewiesenen Standorten in Ballungsgebieten.

Wie bei früheren Euro-Umstellungen gab es in der Öffentlichkeit Bedenken hinsichtlich möglicher Auswirkungen der Umstellung auf die Preise in Bulgarien. Im Gegensatz zu den zuletzt erfolgten Euro-Umstellungen in anderen Mitgliedstaaten gab es in Bulgarien keinen freiwilligen Verhaltenskodex, mit dem sich Unternehmen vor der Umstellung zur korrekten Preisumrechnung und doppelten Preisauszeichnung verpflichtet hätten. Stattdessen ergriffen die bulgarischen Behörden geeignete Maßnahmen, um missbräuchliche Praktiken zu verhindern und die Preisentwicklung zu überwachen, darunter die Veröffentlichung der Preise häufig gekaufter Waren im Internet sowie Strafen bei missbräuchlichen Preiserhöhungen. Aus einer vorläufigen Bewertung der verfügbaren Erkenntnisse geht hervor, dass die Auswirkungen ungerechtfertigter Preiserhöhungen auf die Gesamtinflation offenbar relativ gering waren und im Großen und Ganzen den Beobachtungen bei früheren Umstellungen entsprachen. Der Bericht enthält unter anderem die Empfehlung, bei künftigen Euro-Umstellungen die Preise in den Sektoren, bei denen die Gefahr ungerechtfertigter Preiserhöhungen am größten ist, intensiv und über einen ausreichend langen Zeitraum zu überwachen.

1.Einführung

Der Rat beschloss am 8. Juli 2025, dass Bulgarien die notwendigen Voraussetzungen für die Einführung des Euro erfüllt und dass die für Bulgarien geltende Ausnahmeregelung von der Teilnahme an der einheitlichen Währung mit Wirkung vom 1. Januar 2026 aufgehoben wird 1 .

Bulgarien hat als 21. EU-Mitgliedstaat seine Währung auf den Euro umgestellt. Das Land folgte der Praxis der Mitgliedstaaten, die den Euro nach der ersten Umstellungswelle (1999-2002) eingeführt und dabei das „Big-Bang-Szenario“ umgesetzt haben, d. h., die Euro-Banknoten und ‑Münzen wurden am Tag der Einführung des Euro zum gesetzlichen Zahlungsmittel 2 . Eine einmonatige Parallelumlaufphase, in der sowohl Euro-Banknoten und ‑Münzen als auch bulgarische Lew-Banknoten und ‑Münzen im Umlauf waren, ermöglichte es, Lew-Bargeld stufenweise aus dem Verkehr zu ziehen. Diese erfolgreiche Umstellung verdeutlicht erneut, dass eine kurze Parallelumlaufphase ausreicht, wenn die Umstellung gut vorbereitet wurde 3 .

Laut einer Umfrage der Kommission zur Frage, ob die Einführung des Euro eine gute Sache für Bulgarien und für die EU ist, gehen die Einschätzungen auf nationaler Ebene und auf EU-Ebene deutlich auseinander. Auf nationaler Ebene sind die Meinungen geteilt. 49 % der Befragten halten die Einführung des Euro für eine gute Sache für Bulgarien, während 43 % gegenteiliger Meinung sind. Diese Ergebnisse zeigen, dass die öffentliche Meinung in der Zeit unmittelbar nach der Umstellung relativ polarisiert ist. Dagegen fallen die Einschätzungen zum Euro auf EU-Ebene deutlich positiver aus. 67 % der Befragten sind der Ansicht, dass der Euro eine gute Sache für die EU ist, während 17 % diese Einschätzung nicht teilen. Weitere 12 % gaben an, in dieser Frage unentschlossen zu sein, und 4 % enthielten sich.

In diesem Bericht werden die wichtigsten Aspekte des Umstellungsprozesses aus einer Nachschau behandelt, wobei der Schwerpunkt auf den Vorbereitungen für die Bargeldumstellung, der Parallelumlaufphase, den Maßnahmen zur Verhinderung unlauterer Preiserhöhungen und zur Berücksichtigung der wahrgenommenen Inflationssorgen, Preistrends und Preiswahrnehmungen sowie der Informationspolitik im Zusammenhang mit dem Euro liegt. Sofern relevant, enthält der Bericht auch die Empfehlungen der Kommission zu weiteren möglichen Maßnahmen, die von den bulgarischen Behörden zu ergreifen sind, sowie Schlussfolgerungen, die für künftige Umstellungen von Nutzen sein können.

2.Die praktischen Aspekte der Umstellung

Die Mehrheit der bulgarischen Bevölkerung (62 %) empfand die Umstellung als reibungslos und effizient 4 . Vor diesem Hintergrund sollten drei praktische Aspekte der Euro-Umstellung eingehender untersucht werden: die Vorbereitungen für die Bargeldumstellung, die Bereitschaft für die praktische Verwendung des Euro und die Parallelumlaufphase sowie die Rücknahme von bulgarischen Lew-Banknoten und ‑Münzen.

2.1    Vorbereitungen für die Bargeldumstellung

Die Bargeldumstellung ist das sichtbarste Element der Einführung der einheitlichen Währung, da sie alle Finanzinstitute und Unternehmen und die gesamte Bevölkerung betrifft. Ob dieser Vorgang reibungslos und effizient verläuft, hängt von einer hinreichenden Versorgung aller Beteiligten mit Euro-Bargeld sowie von einer guten Vorbereitung von Banken und Unternehmen auf die große zusätzliche Arbeitsbelastung ab.

In Vorbereitung auf die Umstellung hat die bulgarische Münzanstalt mit Unterstützung der slowakischen Münzanstalt als Zulieferer bis zum 31. Januar 2026 rund 528 Millionen Euro-Münzen mit bulgarischen Landesmotiven geprägt. Weitere 190 Millionen Münzen werden in diesem Jahr produziert. Bulgarien hat zudem 15 Millionen 2-Euro-Münzen aus den Überschussbeständen anderer Mitgliedstaaten des Euro-Währungsgebiets erworben und plant, abhängig von den Prognosen und der Marktnachfrage künftig auch 1-Euro-Münzen zu erwerben.

Die Tests der praktischen Verwendbarkeit von Mustermünzen in Verkaufsautomaten im Euro-Währungsgebiet wiesen auf keine Probleme hin. 27,7 Millionen Münzen wurden für die Zusammenstellung von Starterkits für die Bevölkerung verwendet, die 42 Euro-Münzen aller bulgarischen Stückelungen von Euro-Münzen im Wert von 10,23 EUR enthielten. Darüber hinaus stellte die Bulgarische Münzanstalt kommerzielle Starterkits für Unternehmen zusammen, die jeweils aus 10 regulären Starterkits bestanden und 420 Euro-Münzen aller Stückelungen im Wert von 102,30 EUR enthielten. Ferner lieh die Bulgarische Nationalbank mehr als 557 Millionen Euro-Banknoten aller Stückelungen bei anderen nationalen Zentralbanken des Euro-Währungsgebiets.

Am 3. November 2025 begann die Bulgarische Nationalbank damit, den Finanzinstituten (1 520 Geschäftsbankfilialen) Euro-Bargeld zur Verfügung zu stellen (Vorabausstattung). Angesichts der Sicherheitsrisiken im Zusammenhang mit der Häufigkeit und dem hohen Volumen der Euro-Bargeldtransporte organisierte die Bulgarische Nationalbank den Bargeldtransport mit eigenen Lastkraftwagen. Die Geschäftsbanken nutzten Fahrzeuge von Geldtransportunternehmen. Bis zum 31. Dezember 2025 waren Euro-Banknoten im Wert von 1,18 Mrd. EUR und Euro-Münzen im Wert von 59 Mio. EUR vorab bereitgestellt worden.

Die Kreditinstitute begannen am 3. November 2025 damit, 2 230 bulgarische Postämter und deren große Geschäftskunden mit Euro-Banknoten und ‑Münzen zu beliefern („vorzeitige Weitergabe“). Kleinere Geschäftskunden konnten ein vereinfachtes Verfahren für die vorzeitige Weitergabe nutzen und am 29. und 30. Dezember 2025 Euro-Bargeld von Geschäftsbanken beziehen.

Bis zum 31. Dezember 2025 hatten Kreditinstitute Euro-Banknoten im Wert von rund 102 Mio. EUR vorzeitig an ihre Kunden weitergegeben. Bis zum selben Zeitpunkt wurden Euro-Münzen im Wert von 30 Mio. EUR vorzeitig an die Kunden weitergegeben.

Am 31. Dezember 2025 betrug das Volumen der vorzeitigen Weitergabe nur 10,7 % des Gesamtwerts der Vorabausstattung. Dies führte an den ersten Bankarbeitstagen des Januar 2026 zu gelegentlichen, jedoch kurzen Warteschlangen an den Bankschaltern, als viele – zumeist kleinere Einzelhändler und Unternehmen – damit begannen, Euro-Bargeld abzuheben. Laut den bulgarischen Behörden war die leichte Verzögerung der vorzeitigen Weitergabe von Euro-Banknoten und ‑Münzen an diese Einzelhändler und Unternehmen vermutlich darauf zurückzuführen, dass den Banken im letzten Quartal 2025 keine Sicherheiten zur Verfügung gestellt wurden, um den Kauf von Euro-Banknoten und ‑Münzen in ausreichender Menge zu finanzieren. Abgesehen von einigen Warteschlangen vor den Geschäftsbanken Anfang Januar wurden jedoch keine Vorfälle gemeldet, bei denen Unternehmen, Einzelhändler oder die Bevölkerung Probleme bei der Abhebung von Euro-Bargeld hatten, was auch daran lag, dass 99 % aller Geldautomaten im ganzen Land ab dem 1. Januar 2026 Euro-Banknoten ausgaben.

Der Verkauf von Starterkits für die Öffentlichkeit verlief sehr zufriedenstellend. Bis zum 31. Dezember 2025 waren 94 % der 660 000 verfügbaren Kits verkauft, und ein Teil der Bevölkerung besaß bereits vor der Umstellung Euro-Bargeld, das sie bei einer Auslandsreise oder durch den Umtausch bei einer Bank in Bulgarien erhalten hatte. Zudem wurden alle Starterkits für den Einzelhandel verkauft. Dadurch konnte bereits in den ersten Tagen des Januars 2026 rasch Wechselgeld in Euro bereitgestellt werden. Erstmals bei einer Euro-Umstellung bot die Bulgarische Nationalbank Einzelhändlern die Möglichkeit, Euro-Münzrollen nach Stückelung von Banken zu beziehen, da der Einzelhandel dies im Vergleich zu den Starterkits als praktischer erachtete.

Wie bei jeder Euro-Umstellung mussten die Geschäftsbanken und die Postämter aufgrund der vorzeitigen Weitergabe von Euro-Bargeld an Einzelhändler und Unternehmen, des Verkaufs von Starterkits und der Gutschrift von zurückgegebenem Lew-Bargeld zum Jahreswechsel hohe Bargeldbeträge handhaben. Geschäftsbanken, die Bulgarische Nationalbank und die Cash Service Company AD stockten während der Umstellung ihr Personal auf und richteten spezielle zusätzliche Schalter ein, um die Bargeldgeschäfte zu erleichtern. Dank der erhöhten Anzahl von Schaltern bestand keine Notwendigkeit für verlängerte Öffnungszeiten über die Sonderöffnungszeiten an Samstagen hinaus, an denen die Bulgarische Nationalbank, die Regionalbüros der Cash Service Company AD und einige Geschäftsbanken im Januar geöffnet waren. Es wurden frühzeitig Präsenz- und Online-Schulungen für mit Bargeld befasste Bank- und Postmitarbeiter angeboten, die von der Bulgarischen Nationalbank gefördert und geleitet wurden, um einen reibungslosen Umgang mit Euro-Bargeld und Umtausch von Lew-Banknoten und ‑Münzen vorzubereiten.

2.2    Bereitschaft für die praktische Verwendung des Euro und die Parallelumlaufphase

Die Parallelumlaufphase, in der der Euro und der Bulgarische Lew parallel im Umlauf waren, dauerte vom 1. bis zum 31. Januar 2026.

Wie geplant und dank guter Vorbereitung wurden alle Kassenterminals in Bulgarien am 1. Januar 2026 zeitgleich auf den Euro umgestellt. Ab dem 1. Januar 2026 waren die Geldautomaten für die Abhebung von Euro-Banknoten bereit. Ende Dezember 2025 wurden die Geldautomaten mit 10- und 20-EUR-Banknoten und später teilweise auch mit 50-EUR-Banknoten bestückt, die ab dem 1. Januar 2026 abgehoben werden konnten. Bereits am 1. Januar 2026 war eine Rekordzahl von 99 % aller 5 691 Geldautomaten in Bulgarien bereit, Euro-Banknoten auszugeben; wenige Tage später lag dieser Anteil bei 100 %.

Aus den vorliegenden unvollständigen Daten lässt sich schließen, dass der Wert des während des Parallelumlaufphase abgehobenen Bargelds im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert blieb, obwohl der Einzelhandel während der Umstellungsphase die Verwendung elektronischer Zahlungsmethoden förderte. Die Zahl der Kartenzahlungen stieg hingegen im Vergleich zum Januar 2025 leicht um etwa 12 %.

Dank sorgfältiger Vorbereitungen haben Finanz- und Kreditinstitute und Postämter die zusätzliche Arbeitsbelastung während der Parallelumlaufphase gut bewältigt. Die größeren Banken richteten in ausgewählten Filialen zusätzliche Schalter für Bargelddienstleistungen ein. Mindestens eine Geschäftsbank forderte Kunden mit mehr als 200 Münzen auf, speziell eingerichtete „Eurohubs“ aufzusuchen, die mit Münzzählmaschinen ausgestattet wurden, um Lew-Münzen zu verarbeiten und den Gegenwert in Euro gutzuschreiben. Darüber hinaus hatten viele Geschäftsbankfilialen im Januar 2026 auch samstags geöffnet.

Bulgarische Lew konnten in 1 520 Bankfilialen, 2 230 Postämtern und bei der Bulgarischen Nationalbank in Euro umgetauscht werden. Bis zu bestimmten Höchstbeträgen (maximal 5 000 EUR pro Transaktion und Person) konnten Bulgarische Lew in den fünf regionalen Bargeldzentren der Cash Service Company AD, einer Tochtergesellschaft der Bulgarischen Nationalbank, kostenlos umgetauscht werden. Der Gesamtwert des auf diese Weise bis zum 31. Januar 2026 umgetauschten Lew-Bargelds belief sich auf 11,17 Mrd. EUR.

Laut einer von der Kommission vom 2. bis 9. Januar 2026 in Bulgarien durchgeführten Umfrage 5 haben 71 % der Befragten in der ersten Januarwoche weder Lew-Bargeld noch Euro-Bargeld bei Banken umgetauscht oder abgehoben. Auch wenn diese Zahl niedriger lag als bei einigen früheren Umstellungen, stellt sie dennoch ein zufriedenstellendes Ergebnis dar 6 . Demnach folgten Privatpersonen und Unternehmen der Empfehlung, Zahlungen in Euro in den ersten Tagen oder gar Wochen vorzugsweise auf elektronischem Wege zu tätigen, um lange Warteschlangen bei den Geschäftsbanken in den ersten Tagen nach Einführung des Euro zu vermeiden.

Die Parallelumlaufphase verlief für die Verbraucherinnen und Verbraucher ohne größere Zwischenfälle. Am ersten Werktag nach der Umstellung (5. Januar 2026) bezahlten 6 % der Bevölkerung bei Barzahlungen ausschließlich mit Euro-Bargeld. Am 9. Januar bezahlten 10 % der Befragten bei Barzahlungen ausschließlich mit Euro-Bargeld.

Laut einer von der Kommission zwischen dem 2. und 9. Februar 2026 in Bulgarien durchgeführten Umfrage 7 empfanden 62 % der Befragten den Umgang mit Euro-Münzen und 77 % den Umgang mit Euro-Banknoten als einfach; 79 % hatten keine Schwierigkeiten, die Beträge in Euro zu verstehen; 63 % hielten die doppelte Preisauszeichnung für nützlich, wohingegen 35 % sie nicht als nützlich empfanden; rückblickend gaben 52 % an, in der ersten Woche nach der Umstellung auf keine Probleme gestoßen zu sein, während die Befragten, die von Problemen berichteten, hauptsächlich längere Warteschlangen (11 %) und Probleme mit Geldautomaten (11 %) als Gründe anführten. Nur ein sehr geringer Anteil der Befragten gab an, dass Geldautomaten vorübergehend außer Betrieb waren (7 %) oder dass an Bankschaltern nicht genügend Euro-Bargeld erhältlich war (4 %).

Insgesamt hat der Einzelhandel die Herausforderungen des Umstellungsprozesses und der gleichzeitigen Handhabung von zwei Währungen gut bewältigt. Die Einzelhändler waren gut mit Euro-Bargeld versorgt, und es wurden keine größeren Probleme mit Warteschlangen berichtet. Am 5. Januar erhielten 26 % der Bevölkerung ihr Wechselgeld ausschließlich in Euro.

2.3    Rücknahme von Lew-Banknoten und ‑Münzen

Da Bulgarien eine bargeldintensive Volkswirtschaft ist, stellte die Rücknahme von Lew-Bargeld eine logistische Herausforderung dar.

Geschäftsbanken und Postämter müssen Lew-Bargeld bis Ende 2026 in Euro umtauschen; bis zum 30. Juni ist der Umtausch kostenlos. Ab dem 1. Juli 2026 dürfen Geschäftsbanken eine Gebühr erheben. Bei der Bulgarischen Nationalbank können Lew-Banknoten und ‑Münzen unbefristet gebührenfrei umgetauscht werden; ein kostenloser Umtausch ist auch in den fünf regionalen Bargeldzentren der Cash Service Company AD möglich. Der Wert des im Umlauf befindlichen Lew-Bargelds ging bis Februar 2026 im Vergleich zum Februar 2025 stetig zurück. Von dem Gesamtbetrag des am 31. Dezember 2024 im Umlauf befindlichen Lew-Bargelds 8 wurde 36 % vor dem 1. Januar 2026 aus dem Verkehr gezogen. Bis zum Ende der Parallelumlaufphase am 31. Januar 2026 wurden rund 75 % aller noch im Umlauf befindlichen Lew-Bargeldbestände zurückgenommen.

Unternehmen und Privatpersonen wurden über verschiedene Kommunikationskanäle und die Medien dazu aufgerufen, während der Parallelumlaufphase nach Möglichkeit bargeldlos zu bezahlen, da für den Umtausch von Lew-Bargeld selbst nach Ablauf der Parallelumlaufphase noch reichlich Zeit bliebe. Dadurch konnten in den ersten Tagen und Wochen nach der Umstellung auf den Euro lange Warteschlangen bei der Bulgarischen Nationalbank und in den Regionalbüros der Cash Services Company AD sowie bei Geschäftsbanken und Postämtern vermieden werden. Die Bulgarische Nationalbank (Zentralbank Bulgariens) und über 100 Bankfilialen führten Sonderöffnungszeiten am Wochenende ein, wodurch der Währungsumtausch erheblich erleichtert und die Warteschlangen verkürzt werden konnten.

Die Rücknahme von Lew-Banknoten und ‑Münzen hat planmäßig begonnen und verläuft erfolgreich. Während der Phase des Parallelumlaufs von Euro- und Lew-Bargeld, die am 31. Januar 2026 endete, waren bereits Lew-Banknoten und ‑Münzen im Wert von 5,7 Mrd. EUR umgetauscht worden; der Umtausch erfolgte überwiegend an den Schaltern von Geschäftsbanken.

Die Bulgarische Nationalbank begann im August 2025 schrittweise mit der Demonetisierung zurückgegebener Lew-Münzen. Die entwerteten Münzen werden als Altmetall verkauft und eingeschmolzen. Auch die Demonetisierung zurückgegebener Lew-Banknoten begann im vierten Quartal 2025 und wird schrittweise umgesetzt.

3.Rundung, wahrgenommene Korrektheit der Umrechnung und doppelten Auszeichnung von Preisen

Wie bei früheren Euro-Umstellungen gab es in der Öffentlichkeit Bedenken hinsichtlich möglicher Auswirkungen der Umstellung auf die Preise in Bulgarien. Daher war es für eine transparente und faire Umstellung von entscheidender Bedeutung, dass die bulgarischen Behörden alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen haben, um unlautere Praktiken zu verhindern.

Die obligatorische doppelte Preisauszeichnung (in Lew und Euro) begann am 8. August 2025 und endet am 8. August 2026.

Aus einer Umfrage der Kommission 9 ging klar hervor, dass die Befragten verschiedene Aspekte der Preisbildung und ‑auszeichnung während und nach der Umstellung unterschiedlich wahrnahmen. Die Preisumrechnung hielten 54 % für immer oder häufig korrekt (28 % immer, 26 % häufig). Dieser Wert ist höher als bei den letzten Euro-Umstellungen (Estland, Lettland Litauen und Kroatien). Dagegen hielten 32 % die Preisumrechnung für selten oder nie korrekt (20 % selten, 12 % nie), und 14 % machten keine Angabe.

In Bezug auf die Rundung von Preisen wurden kritischere Ansichten geäußert. Nur 41 % der Befragten hielten die Rundung für immer oder häufig korrekt (17 % immer, 24 % häufig). 47 % hielten sie für selten oder nie korrekt (25 % selten, 22 % nie), und die übrigen 12 % machten keine Angabe. Damit ist die Rundung der umstrittenste Aspekt der Preisbildung während der Umstellung.

Die Umsetzung der doppelten Preisauszeichnung wurde positiver wahrgenommen. 64 % waren der Ansicht, dass diese immer oder häufig korrekt umgesetzt wurde (36 % immer, 28 % häufig). Dagegen hielten 25 % die Umsetzung für selten oder nie korrekt (18 % selten, 7 % nie), und 11 % machten keine Angabe.

4.Verhinderung unlauterer Preispraktiken

Im Gegensatz zu den zuletzt erfolgten Euro-Umstellungen in anderen Mitgliedstaaten gab es in Bulgarien keinen freiwilligen Verhaltenskodex, mit dem sich Unternehmen vor der Umstellung zur korrekten Preisumrechnung und doppelten Preisauszeichnung verpflichtet hätten. Die Entscheidung gegen einen solchen Verhaltenskodex wurde von Bulgarien mit einer negativen öffentlichen Wahrnehmung solcher Maßnahmen begründet sowie mit den umfassenden und detaillierten Vorschriften für Händler, die im bulgarischen Gesetz über die Einführung des Euro vorgesehen sind. So werden dort beispielsweise Regeln für die Platzierung, Schriftgröße und Schriftfarbe der Preise für den Zeitraum der doppelten Preisauszeichnung vorgeschrieben. Die Einzelhändler werden außerdem verpflichtet, die Preise transparent festzusetzen und etwaige Erhöhungen mit objektiven wirtschaftlichen Faktoren zu begründen. Die Einhaltung dieser Vorschriften durch die Einzelhändler wird von den Verbraucherschutz- und Finanzbehörden aufmerksam überwacht. Daher könnten über das Gesetz hinaus mit einem freiwilligen Kodex nur begrenzt sinnvolle Standards ergänzt werden.

Allerdings haben die bulgarischen Behörden detaillierte Leitlinien für Unternehmen zur doppelten Preisauszeichnung und zur Parallelumlaufphase ausgearbeitet und veröffentlicht. Diese Leitlinien enthalten eine Reihe zusätzlicher, unverbindlicher Empfehlungen, beispielsweise, dass (während des Zeitraums der doppelten Preisauszeichnung) zunächst bis zum 31. Dezember 2025 der Preis in Lew zuerst ausgewiesen und anschließend der Preis in Euro Vorrang haben soll. Diese Herangehensweise soll auf effektivere Weise Klarheit für die Verbraucherinnen und Verbraucher schaffen und gleichzeitig die mit einer freiwilligen Kennzeichnung oder Zertifizierung verbundenen Risiken vermeiden.

Die bulgarische Kommission für Verbraucherschutz (Commission for Consumer Protection), das bulgarische Finanzamt (National Revenue Agency) und die Kommission für den Schutz des Wettbewerbs (Commission on Protection of Competition) sind dafür zuständig, missbräuchliche Preispraktiken im Zusammenhang mit dem Euro zu verhindern und zu ahnden. Die Verbraucherinnen und Verbraucher können die Preisentwicklung häufig gekaufter Waren nachverfolgen und Beschwerden bei speziell eingerichteten öffentlichen Kontaktstellen der jeweiligen Behörde einreichen. Die aus der Öffentlichkeit geäußerten Bedenken betrafen hauptsächlich Themen wie die Preisauszeichnung und die Anwendung der Rundungsregeln. Alle Fragen und Beschwerden werden von den zuständigen Behörden sorgfältig bearbeitet. Vom Beginn der doppelten Preisauszeichnung bis zum 31. Januar 2026 gingen bei den drei Behörden insgesamt 23 449 Beschwerden ein.

Die bei der Kommission für Verbraucherschutz eingereichten Beschwerden und Berichte betrafen Wirtschaftsakteure aus verschiedensten Sektoren und bezogen sich sowohl auf Waren als auch auf Dienstleistungen. Dazu gehörten Anbieter von Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs, etwa im Einzelhandel für Nahrungsmittel und Non-Food-Produkte, sowie von personenbezogenen Dienstleistungen und Dienstleistungen in den Bereichen Verkehr, Kraftfahrzeuge, Sport und Gesundheitsversorgung. Anhand dieses breiten Spektrums wird deutlich, dass die Herausforderungen im Zusammenhang mit der doppelten Preisauszeichnung während der Euro-Umstellung nicht auf einen einzelnen Sektor beschränkt waren, sondern verschiedene Bereiche der Verbraucherausgaben betrafen.

Die meisten bei der Kommission für Verbraucherschutz eingegangenen Beschwerden betreffen Einzelhandelsketten (Supermärkte) sowie Preiserhöhungen bei Transportdienstleistungen, Kosmetikdienstleistungen, Dienstleistungen von Online-Plattformen und anderen Endverbraucherdienstleistungen.

Die Kommission für Verbraucherschutz berichtete über 383 Verstöße gegen Verwaltungsvorschriften. In diesen Fällen war nach nationalem Recht die Grundlage für die Verhängung von Verwaltungsstrafen gegeben.

Es wurden bereits mehr als 50 % aller bei der Kommission für Verbraucherschutz registrierten Fälle erfolgreich bearbeitet. Diese Zahl zeigt, wie wirksam Maßnahmen zur frühzeitigen Intervention und Korrektur sind, insbesondere dort, wo Verstöße unbeabsichtigt waren und die Wirtschaftsakteure umgehend bemüht waren, ihre Praktiken mit den rechtlichen Anforderungen in Einklang zu bringen.

Etwa 80 Fälle wurden von der Kommission für Verbraucherschutz mit förmlichen Verwarnungen an die Wirtschaftsakteure abgeschlossen. Die Verstöße, auf die mit Verwarnungen reagiert wurde, betrafen hauptsächlich fehlende Preisangaben in Euro, die Verwendung unterschiedlicher Schriftgrößen oder Farben für Preise in Lew und Euro sowie die Verwendung unverhältnismäßig kleiner Schriftgrößen für die Währungsbezeichnung. Diese Verwarnungspraxis hat sich als wirksames Präventionsinstrument erwiesen, mit dem die Einhaltung der Rechtsvorschriften rasch sichergestellt werden kann, ohne dass unmittelbar Strafen verhängt werden müssen.

Die meisten beim bulgarischen Finanzamt eingegangenen Beschwerden betrafen missbräuchliche Praktiken von Lebensmittelgeschäften, Supermärkten, Parkplatzbetreibern, Friseursalons und Kosmetikstudios. Es wurden rund 400 Verwaltungsstrafen eingeleitet, von denen 102 abgeschlossen wurden, acht davon mit Verwarnung durch das Finanzamt. 94 Verfahren wurden mit Verhängung einer Geldbuße abgeschlossen.

Bei der Kommission für den Schutz des Wettbewerbs sind bislang etwa 30 Beschwerden über ungerechtfertigte Preiserhöhungen eingegangen, insbesondere seit dem 1. Januar 2026. Einige der Beschwerden betrafen Verstöße durch unklare Preisangaben in Euro und Lew und die Ausgabe von Wechselgeld in Euro während der Parallelumlaufphase. Alle Beschwerden wurden an die zuständigen Behörden (Finanzamt und Kommission für Verbraucherschutz) weitergeleitet.

In Bulgarien wurde die doppelte Preisauszeichnung generell als nützliches Instrument wahrgenommen, das Preisvergleiche ermöglicht und die Menschen daran gewöhnt, in der neuen Währung zu denken. In einer im Januar 2026 durchgeführten Umfrage der Kommission 10 gaben knapp zwei Drittel (63 %) der Menschen in Bulgarien an, dass sie die doppelte Preisauszeichnung während der Umstellung für hilfreich hielten. Bei der letzten Euro-Umstellung (Kroatien) war dieser Anteil ähnlich. Darüber hinaus waren 64 % der im Januar 2026 Befragten der Ansicht, dass die doppelte Preisauszeichnung häufig oder sehr häufig korrekt umgesetzt wurde, was deutlich über dem Durchschnitt der letzten Euro-Umstellungen liegt (Estland, Lettland, Litauen und Kroatien).

Generell machen sich die Bürgerinnen und Bürger in Bulgarien nach wie vor Sorgen über die Auswirkungen des Euro auf die Preise und eine unlautere Preisbildung 11 . Daher wird empfohlen, die doppelte Preisauszeichnung, die korrekte Anwendung der Umrechnungs- und Rundungsregeln sowie die Preisentwicklung bis zum Ende der doppelten Preisauszeichnung am 8. August 2026 weiter genauestens im Auge zu behalten.

5.Preistrends und Preiswahrnehmungen

Wie bei jeder Euro-Umstellung sind in der Zeit unmittelbar nach der Umstellung Annahmen hinsichtlich zu erwartender Preisauswirkungen weitverbreitet. Dadurch lässt sich teilweise erklären, warum Sorgen in Bezug auf die Preise in der Studie weiterhin allgemein sehr präsent sind.

Die Antworten auf die Frage, ob der Euro in Bulgarien zur Preisstabilität oder eher zur Inflation beitragen wird, zeigen eindeutig, dass Inflationsbedenken überwiegen. 66 % glauben, dass der Euro die Inflation in Bulgarien erhöhen wird – ein etwas größerer Anteil als bei früheren Euro-Umstellungen 12 . 21 % sind dagegen der Ansicht, dass der Euro zur Preisstabilität beitragen wird, was innerhalb der Spanne der Umfragewerte aus den letzten Euro-Umstellungen liegt 13 .

Erste verfügbare Daten deuten darauf hin, dass sich die Einführung des Euro nur geringfügig auf die Inflation ausgewirkt hat. Die tatsächliche monatliche Inflation lag im Januar 2026 bei 0,6 % und damit nur rund 0,1 Prozentpunkt über der Erwartung der Herbstprognose der Europäischen Kommission, bei der keine Preiserhöhungen speziell wegen der Euro-Umstellung ab Januar berücksichtigt wurden. Bezieht man den Effekt der unerwartet niedrigen Teuerungsrate für unverarbeitete Lebensmittel mit ein, so ergibt sich ein Gesamteffekt von 0,2 Prozentpunkten, was den aus früheren Euro-Umstellungen bekannten Kurzzeiteffekten entspricht. In Bulgarien ist der Januar der Monat mit der höchsten durchschnittlichen Teuerung gegenüber dem Vormonat, und wie in der Vergangenheit war die Inflation auch im Januar 2026 hauptsächlich auf saisonale Faktoren wie Erhöhungen von Verwaltungsgebühren, Mieten, Versorgungspreisen und anderen wiederkehrenden Ausgaben zurückzuführen. Bei den Unterkategorien verzeichneten die Dienstleistungen im Januar 2026 zwar einen deutlichen Preisanstieg gegenüber dem Vormonat um 1,4 %, doch nur die Hälfte dieses Anstiegs lag über dem zum Zeitpunkt der Herbstprognose der Europäischen Kommission erwarteten Wert 14 .

Frühere Euro-Umstellungen haben gezeigt, dass die Lokalwirtschaft und der Dienstleistungssektor am anfälligsten für unlautere Preiserhöhungen während der Umstellung sind. Die Waren und Dienstleistungen aus diesen Sektoren machen zwar keinen großen Anteil am Standardwarenkorb aus, der zur Messung der Inflation verwendet wird, sie werden jedoch oft gekauft oder in Anspruch genommen, sehr häufig auch auf individueller Basis, was Preiserhöhungen für solche Waren und Dienstleistungen eine hohe Sichtbarkeit verleiht. Gleichzeitig fallen den Verbraucherinnen und Verbrauchern andere, für sie günstigere Preisentwicklungen bei seltener gekauften Waren unter Umständen weniger stark auf. Infolgedessen wird die Inflation häufig höher wahrgenommen, als sie tatsächlich ist.

Die allem Anschein nach geringe Gesamtauswirkung ungerechtfertigter Preiserhöhungen auf die Inflation ist auch auf die rasche politische Reaktion des bulgarischen Staates zurückzuführen. Tatsächlich dienten die Kontrollen der Korrektur einiger überhöhter Preise sowie der Abschreckung gegen weitere ungerechtfertigte Preiserhöhungen.

Entsprechend der gängigen Praxis nach der Einführung des Euro in anderen Mitgliedstaaten bewertet Eurostat die Preisentwicklung nach der Euro-Umstellung in Bulgarien. Der Bericht von Eurostat wird im zweiten Halbjahr 2026 erwartet.

6.Kommunikationskampagne zum Euro und Wahrnehmung in der Gesellschaft

Bulgarien hat nach dem positiven Beschluss des Rates vom 8. Juli 2025 im Einklang mit der nationalen Kommunikationsstrategie eine ehrgeizige Kommunikationskampagne 15 eingeleitet. Mit der Kampagne sollte sichergestellt werden, dass die bulgarische Bevölkerung –einschließlich schutzbedürftiger Bevölkerungsgruppen und Menschen in abgelegenen Regionen – klar, objektiv, genau, zeitnah und angemessen über die Auswirkungen und praktischen Veränderungen im Zusammenhang mit der Umstellung vom Lew auf den Euro informiert wird. Die Notwendigkeit einer solchen Kampagne zeigt sich insbesondere vor dem Hintergrund bescheidener Zustimmungswerte zur Einführung des Euro in der bulgarischen Bevölkerung von lediglich 49,2 % im Juni 2025.

Im Rahmen ihres entschlossenen Vorgehens haben die bulgarischen Behörden unter anderem eine Website ( http://evroto.bg ) eingerichtet, ortsgebundene und mobile Veranstaltungsreihen im ganzen Land organisiert, eine Werbekampagne in der U-Bahn von Sofia und auf Reklametafeln entlang der Hauptverkehrsstraßen durchgeführt, Druckerzeugnisse für die Öffentlichkeit und Unternehmen erstellt, Werbespots bei Fernseh- und Radiosendern platziert, eine digitale Kampagne durchgeführt und an schutzbedürftige Personengruppen gerichtete Maßnahmen ergriffen. Außerdem hat die bulgarische Nationalbank auf ihrer Website ( Българска народна банка ) eigens einen Bereich eingerichtet, in dem regelmäßig die wichtigsten Fragen zur Euro-Einführung beantwortet wurden.

Die gemeinsame landesweite Informationskampagne der Nationalbank und des Finanzministeriums wurde durch das Finanzministerium koordiniert und von anderen Institutionen und Interessenträgern wie der Kommission für Verbraucherschutz, dem Nationalen Gemeindeverband der Republik Bulgarien, Banken, Postämtern und Einzelhändlern unterstützt. Interessanterweise wurde sie auch von den Gewerkschaften unterstützt, und der bulgarische Wirtschafts- und Sozialrat nahm bei der Kontaktaufnahme mit schutzbedürftigen Personengruppen eine Schlüsselrolle ein. Die Kampagne wurde auch von der Europäischen Zentralbank durch verschiedene Veranstaltungen und Initiativen aktiv unterstützt, darunter ein Seminar für Journalistinnen und Journalisten in Frankfurt und eine digitale Kampagne.

Im Rahmen einer Partnerschaftsvereinbarung und einer anschließenden Finanzhilfevereinbarung zwischen dem bulgarischen Finanzministerium und der Europäischen Kommission wird die Kommunikationskampagne von der Kommission kofinanziert (wie bei früheren Euro-Umstellungen finanziert die Kommission maximal 50 % der förderfähigen Kosten bis zu einer Gesamtsumme von 1 EUR pro Einwohner/in; im Falle Bulgariens beläuft sich der vereinbarte Höchstbetrag auf 2,6 Mio. EUR).

Die Kampagne hat zu einer reibungslosen Umstellung auf den Euro beigetragen, was durch eine Eurobarometer-Umfrage bestätigt wurde, der zufolge sich 78 % der Menschen in Bulgarien gut über die Einführung des Euro informiert fühlten, 62 % den Prozess als reibungslos und effizient empfanden, und 52 % angaben, dass sie in der ersten Woche beim Umtausch von Lew-Bargeld in Euro oder beim Abheben von Bargeld bei Banken keine Probleme hatten 16 .

Die Medien (sowohl nationale als auch regionale Formate) trugen zu einem stärkeren Bewusstsein der Menschen für die praktischen Auswirkungen der Euro-Umstellung im Alltag bei. Die Tonalität der Berichterstattung war um den Tag der Umstellung am 1. Januar 2026 insgesamt sachlich und positiv, und in überregionalen Medien wurde die Euro-Umstellung als Meilenstein dargestellt, durch den die Rolle Bulgariens in der EU gestärkt würde.

Die öffentliche Meinung in Bezug auf die Vorteile des Euro ist aber, wie bereits erwähnt, offenkundig nach wie vor gespalten: 49 % der Menschen in Bulgarien meinen, der Euro sei eine gute Sache für ihr Land, 43 % sind gegenteiliger Ansicht 17 . Eine mögliche Erklärung dafür ist die Angst vor erheblichen Preiserhöhungen, die in den Monaten vor der Umstellung weitverbreitet war und laut Interessenträgern durch eine gut organisierte Desinformationskampagne hervorgerufen wurde. Es sei darauf hingewiesen, dass die Befragten in Bulgarien den Euro auf EU-Ebene deutlich positiver bewerten: 67 % sind der Ansicht, dass der Euro eine gute Sache für die EU ist.

Um ein stärkeres Bewusstsein für die Euro-Umstellung und eine positive Wahrnehmung zu fördern, unterstützte die Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen der Europäischen Kommission die landesweite Kampagne und beschränkte sich dabei nicht auf Pressearbeit, Seminare für Journalistinnen und Journalisten in Brüssel und Sofia und Sichtbarkeitsmaßnahmen (z. B. Banner am Charlemagne-Gebäude zur Begrüßung Bulgariens im Euro-Raum). Auch wurden in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion Kommunikation der Kommission im Rahmen einer reichweitenstarken Kampagne in den sozialen Medien die Vorteile des Euro aufgezeigt (rund 1,9 Millionen Menschen wurden auf Instagram erreicht, 3,7 Millionen auf Facebook).

7.Schlussfolgerungen zur bulgarischen Umstellung auf den Euro und Empfehlungen für künftige Euro-Umstellungen

Die Euro-Umstellung in Bulgarien war gut vorbereitet, gut organisiert und verlief reibungslos. Finanzinstitute, Unternehmen und die Bevölkerung wurden vor der Umstellung angemessen mit Euro-Bargeld versorgt.

Angesichts der anhaltenden Besorgnis in der Öffentlichkeit über Preiserhöhungen sollten die bulgarischen Behörden weiterhin intensive Preiskontrollen durchführen, um eine korrekte Preisangabe sicherzustellen, ungerechtfertigte Preiserhöhungen einzudämmen und gegebenenfalls die im Verbraucherschutz- und Wettbewerbsrecht verankerten Pflichten durchzusetzen.

Wie in Bulgarien sollten auch bei künftigen Euro-Umstellungen die Preise in den am stärksten gefährdeten Sektoren intensiv und über einen ausreichend langen Zeitraum überwacht werden, damit ungerechtfertigte Preiserhöhungen rasch erkannt und bekämpft werden können. Dadurch ließen sich die Kontrollen und politischen Maßnahmen besser auf voraussichtliche Preissünder konzentrieren. Gleichzeitig würde anekdotische Evidenz an Bedeutung verlieren und in der öffentlichen Auseinandersetzung geäußerte unbegründete Bedenken könnten ausgeräumt werden.

Bei künftigen Euro-Umstellungen sollte genau bedacht werden, welche Vor- und Nachteile ein unverbindlicher Verhaltenskodex gegenüber einer strikten Anwendung des Verbraucherschutz- und Wettbewerbsrechts hätte. Beim Abwägen dieser Vor- und Nachteile sollten einerseits die Erfahrungen Bulgariens und andererseits die der Mitgliedstaaten, in denen bei der Euro-Einführung ein solcher Verhaltenskodex zur Anwendung kam, berücksichtigt werden.

Da die doppelte Preisauszeichnung mit Kosten verbunden ist und sich die Menschen relativ schnell an die einheitliche Währung gewöhnen, könnte der Zeitrahmen für die obligatorische Doppelauszeichnung bei einem Jahr belassen werden.

Bei der vorzeitigen Weitergabe von Münzen an Unternehmen könnten die Mitgliedstaaten, die den Euro künftig einführen, in Erwägung ziehen, dem Beispiel Bulgariens zu folgen und den Unternehmen statt mehreren Münz-Starterkits einzelne Münzrollen der verschiedenen Stückelungen zur Verfügung zu stellen, da sich gezeigt hat, dass Münzrollen für Unternehmen zweckmäßiger und einfacher zu handhaben sind als Starterkits.

Der Fall Bulgariens bestätigt, dass Kommunikation und eine Kampagne zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für eine reibungslose Umstellung auf den Euro wichtig sind.

Angesichts der relativ kurzen Zeitspanne zwischen einem positiven Konvergenzbericht und dem Umstellungszeitpunkt sollten sich Mitgliedstaaten, die in Zukunft den Euro einführen, auf die Erfahrungen Bulgariens stützen, indem sie bei der Beschaffung für ihre Kommunikationstätigkeiten die Aufträge für die entsprechende Dienstleistungen in Lose aufteilen, um mögliche Verzögerungen bestmöglich zu bewältigen und für unvorhergesehene Ereignisse vorzusorgen.

(1)          Beschluss (EU) 2025/1407 des Rates vom 8. Juli 2025 über die Einführung des Euro in Bulgarien zum 1. Januar 2026, ELI: http://data.europa.eu/eli/dec/2025/1407/oj .
(2)

     Die Mitgliedstaaten der ersten Umstellungswelle haben den Euro nach dem „Madrid-Szenario“ eingeführt, das eine Übergangszeit von drei Jahren (ein Jahr im Fall von Griechenland) umfasste.

(3)      In Malta und Zypern gab es eine einmonatige Parallelumlaufphase, während diese in Litauen, Lettland, Estland, der Slowakei und Slowenien zwei Wochen dauerte.
(4)          Eurobarometer-Blitzumfrage 575, Erhebung vom 2. bis 9. Februar 2026.
(5)      Eurobarometer-Blitzumfrage 573.
(6)      Die entsprechenden Zahlen lagen bei 95 % in Estland, 90 % in der Slowakei, 88 % in Zypern, 85 % in Malta und 96 % in Slowenien.
(7)      Eurobarometer-Blitzumfrage 575.
(8)      Die letzten verfügbaren Daten zum Lew-Umlaufbestand vor Beginn der Rücknahme stammen vom 31. Dezember 2024.
(9)      Eurobarometer 575.
(10)    Eurobarometer-Blitzumfrage 575.
(11)    Eurobarometer-Blitzumfrage 575.
(12)    62 % in Kroatien, 58 % in Litauen und 57 % in Lettland.
(13)    25 % in Kroatien, 26 % in Litauen und 19 % in Lettland.
(14)    Im Dienstleistungsbereich verzeichneten die Kategorien Freizeit, Sport und Kultur (1,1 %) sowie Gastgewerbe (1,7 %) einen deutlichen Anstieg. Außerdem gab es etwa bei Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken im Januar einen Anstieg um 0,9 %; die Kategorie Körperpflege, soziale Sicherheit und Sonstige Waren und Dienstleistungen verzeichnete einen Anstieg um 3,1 %.
(15)       https://www.minfin.bg/en/1570 (in bulgarischer und englischer Sprache verfügbar).
(16)    Eurobarometer-Blitzumfrage 575.
(17)    Eurobarometer-Blitzumfrage 575, Erhebung vom 2. bis 9. Februar 2026.