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11.2.2020 |
DE |
Amtsblatt der Europäischen Union |
C 47/87 |
Stellungnahme des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses zum Bericht der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen über Fortschritte bei der Umsetzung der EU-Forststrategie „Eine neue EU-Forststrategie: für Wälder und den forstbasierten Sektor“
(COM(2018) 811 final)
(2020/C 47/13)
Berichterstatter: Andreas THURNER
Mitberichterstatter: Antonello PEZZINI
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Befassung |
Europäische Kommission, 18.2.2019 |
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Rechtsgrundlage |
Artikel 304 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union |
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Beschluss des Plenums |
22.1.2019 (im Vorgriff auf die Befassung) |
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Zuständige Fachgruppe |
Fachgruppe Landwirtschaft, ländliche Entwicklung, Umwelt |
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Annahme in der Fachgruppe |
1.10.2019 |
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Verabschiedung im Plenum |
30.10.2019 |
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Plenartagung Nr. |
547 |
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Ergebnis der Abstimmung (Ja-Stimmen/Nein-Stimmen/Enthaltungen) |
162/0/1 |
1. Schlussfolgerungen und politische Empfehlungen
Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA)
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1.1. |
dringt auf eine Aktualisierung der EU-Forststrategie nach 2020 im Rahmen des europäischen Grünen Deals. Die neue Strategie könnte den Zeithorizont mit einem Ausblick auf die Zeit bis 2050 anvisieren, um eine kohärente Umsetzung anerkannter politischer Verpflichtungen wie des strategischen Plans der Vereinten Nationen für die Wälder, der Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung und des Übereinkommens von Paris sicherzustellen. Die Bedeutung der Wälder, der Waldbewirtschaftung und der forstbasierten Industrien für die Verwirklichung dieser Ziele sollte in allen Sektoren anerkannt werden und zu einer optimierten sektorübergreifenden Zusammenarbeit führen; |
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1.2. |
sieht im Klimawandel eine große Bedrohung für den Planeten mit unmittelbaren und größtenteils negativen Auswirkungen auf die Forstwirtschaft. Gleichzeitig hat der forstbasierte Sektor als Teil einer nachhaltigen und kreislauforientierten Bioökonomie ein großes Klimaschutzpotenzial, vorausgesetzt, dass wirksame Anpassungsstrategien rechtzeitig umgesetzt werden. Sämtliche Möglichkeiten der CO2-Sequestrierung müssen durch die verstärkte nachhaltige Mobilisierung von Holz, die verstärkte Ersetzung fossiler Rohstoffe und fossiler Energieträger und die verstärkte CO2-Speicherung in langlebigen Holzerzeugnissen ausgeschöpft werden. Mischwälder bringen mehr für den Klimaschutz als Monokulturen, die für die Nachhaltigkeit langfristig nachteilig sein können; |
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1.3. |
betont, dass harmonisierte Waldinformationssysteme weiterentwickelt werden müssen, damit mehr Wissen und Daten über die Verfügbarkeit und den Zustand der Forstressourcen zur Verfügung stehen, und über deren Möglichkeit, die Gesellschaft mit vielfältigen Diensten, darunter auch mit nachwachsenden Rohstoffen, Energie und anderen forstwirtschaftlichen Erzeugnissen, zu versorgen; |
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1.4. |
unterstreicht die Multifunktionalität der Wälder und stellt fest, dass der Klimawandel die Ökosystemleistungen bedroht. Aufgrund des Klimawandels wird eine höhere Wahrscheinlichkeit natürlicher Störungen wie Waldbrände, Überschwemmungen, Dürren und Schäden durch Schädlinge wie Borkenkäfer prognostiziert. Eine gesunde Mischung aus Finanzinstrumenten ist entscheidend für die Fortführung von Investitionen in moderne Technologien sowie in Klima- und Umweltmaßnahmen, um die Multifunktionalität der Wälder zu stärken. In Bezug auf Privatwälder ist es entscheidend, dass die Eigentumsrechte gewahrt und Entscheidungen über die Wälder partnerschaftlich mit den Waldbesitzern getroffen werden; |
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1.5. |
empfiehlt eine Bestandsaufnahme der Arbeitskräfte und eine Prognose des Arbeitskräftebedarfs in der europäischen Forstwirtschaft, insbesondere bezüglich der Waldarbeiter. Es muss ein wahrheitsgetreues Bild der Attraktivität des Sektors und seiner qualifizierten Arbeitskräfte gezeichnet werden, um die Wertschöpfungskette Holz weiterzuentwickeln und die Vitalität der Ökosysteme zu gewährleisten. Gute Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen sind eine Voraussetzung, um Menschen für den forstbasierten Sektor zu gewinnen; |
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1.6. |
fordert eine bessere Ex-ante-Einbeziehung des Ständigen Forstausschusses, der Gruppe für den zivilen Dialog über Forstwirtschaft und Kork sowie der Expertengruppe für die forstbasierte Wirtschaft und mit diesem Wirtschaftsbereich verbundene Themen in die forstpolitischen Maßnahmen der EU, um vorhandenes Fachwissen besser zu nutzen; |
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1.7. |
betont, dass alles darangesetzt werden muss, die globale Entwaldung und Waldschädigung zu bremsen, indem die aktive und nachhaltige Waldbewirtschaftung beispielsweise durch ein gesamteuropäisches Übereinkommen gestärkt, mehr lokal erzeugte Biomasse in Europa genutzt und der Übergang zu nachhaltigeren Verbrauchermustern unterstützt werden. |
2. Allgemeine Bemerkungen
Der EWSA
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2.1. |
begrüßt den Bericht der Europäischen Kommission über die Fortschritte bei der Umsetzung der EU-Forststrategie und stellt fest, dass die meisten Maßnahmen im Rahmen des mehrjährigen Durchführungsplans (Forest MAP) wie vorgesehen durchgeführt wurden; |
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2.2. |
begrüßt die Schlussfolgerungen des Rates zu den Fortschritten bei der Umsetzung der EU-Forststrategie und die Empfehlungen für einen neuen forstpolitischen Strategierahmen; |
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2.3. |
unterstreicht die Bedeutung der einzelstaatlichen Subsidiarität in der Forstpolitik und die entscheidende Rolle der EU-Forststrategie als Instrument der politischen Koordinierung und der Kohärenz der diversen forstbezogenen Politikbereiche, um die ganzheitliche Sicht der nachhaltigen Waldbewirtschaftung und der forstbasierten Wertschöpfungskette zu stärken; |
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2.4. |
betont die Bedeutung des forstbasierten Sektors für den Übergang von einer fossilbasierten zu einer biobasierten Wirtschaft. Eine starke Rolle der Forst- und Holzwirtschaft in einer kreislauforientierten Bioökonomie wäre eine Chance für die europäische Wirtschaft, in diesem Sektor weltweit technisch führend zu werden; |
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2.5. |
warnt vor dem Klimawandel als einer großen Bedrohung für die Menschheit und unseren Planeten mit bereits spürbaren und gravierenden Auswirkungen auf die Wälder und den forstbasierten Sektor (darunter quantitative und qualitative Auswirkungen auf die Holzversorgung und enorme Mengen an Schadholz). Folglich sind Risikominderungsmaßnahmen, die Waldbewirtschaftung und die Anpassung der Wälder an die sich ändernden Klimabedingungen von entscheidender Bedeutung. Gesunde und widerstandsfähige Wälder spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Die aktive und nachhaltige Waldbewirtschaftung, zu der auch die Erhaltung der Artenvielfalt der Wälder gehört, ist von großer Bedeutung, um die Widerstands- und Lebensfähigkeit der Wälder langfristig zu erhalten. Die weitere Entwicklung der Holzmobilisierung (z. B. durch Digitalisierung und neue Techniken) und die Verwendung von Holz und holzbasierten Produkten sind Schlüsselelemente bei der Verwirklichung der Klimaziele. Sämtliche Möglichkeiten der CO2-Sequestrierung müssen durch die verstärkte Ersetzung fossiler Rohstoffe und Energieträger und die CO2-Speicherung in langlebigen Holzerzeugnissen ausgeschöpft werden; |
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2.6. |
betont die Bedeutung von Forschung und Innovation, um Lösungen für nachhaltigere Holzbiomasse-Wertschöpfungsketten zu finden. Dies wird die Fortschritte bei der Verringerung der Treibhausgasemissionen durch Verarbeitungstechnologien und die Entwicklung neuer innovativer Lösungen auf Basis von Holzbiomasse für die Märkte vorantreiben. Durch die Weiterentwicklung und die Einführung digitaler und technischer Lösungen werden Techniken der Präzisionsforstwirtschaft und Verbesserungen im Sinne der nachhaltigen Waldbewirtschaftung möglich; |
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2.7. |
erkennt die große Bedeutung der Multifunktionalität der Wälder an, verweist auf die vielfältigen Ökosystemleistungen, die sie erbringen, und sieht im Klimawandel eine große Bedrohung dafür, dass die Wälder diese Funktion erfüllen können. Daher bedarf es angemessener Ressourcen, um sicherzustellen, dass die verschiedenen Ökosystemleistungen, zu denen auch die Schutzfunktion der Wälder gehört, sowie eine nachhaltige Versorgung mit Holz für die Gesellschaft fortgesetzt werden. Gleichzeitig muss die biologische Vielfalt geschützt und die Anpassung an den Klimawandel sichergestellt werden. Eine gesunde Mischung aus Finanzinstrumenten (z. B. EIB, EFSI, GAP, ESF, nationale Mittel, private Mittel) ist entscheidend dafür, dass Investitionen weiterhin in moderne Technologien sowie in Klima- und Umweltmaßnahmen fließen, damit die Multifunktionalität der Wälder erhalten bleibt. Im Rahmen des künftigen mehrjährigen Finanzrahmens (MFR) sollte ein spezifischer Fonds für Maßnahmen zur Eindämmung der erheblichen Verluste in der Forstwirtschaft aufgrund des Klimawandels erwogen werden; |
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2.8. |
betont die wichtige Rolle aktiv bewirtschafteter Wälder und der forstbasierten Industrie für die Schaffung zusätzlicher grüner Arbeitsplätze und für das Wachstum in ländlichen und städtischen Gebieten, auch in den Bereichen Ökotourismus, Erholung und Gesundheitsversorgung; |
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2.9. |
betont, dass neue und moderne Techniken in der Forstwirtschaft qualifizierte Arbeitskräfte und gute Arbeitsbedingungen erfordern. Derzeit scheint der Mangel an qualifizierten jungen Arbeitskräften ein europaweites Problem zu sein. Daher müssen geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen und junge Menschen für den forstbasierten Sektor gewonnen werden. Eine Bestandsaufnahme der Arbeitskräfte wäre in dieser Hinsicht nützlich; |
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2.10. |
betont, dass vorausschauende Planung, Zusammenarbeit und Investitionen gefördert werden müssen, um natürliche Störungen wie Waldbrände, Überschwemmungen, Dürren und Schädlingsbefall (z. B. Borkenkäfer) und Krankheiten zu verhüten und zu bekämpfen; |
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2.11. |
betont die wichtige Schutzfunktion der Wälder vor Erosion, Lawinen, Steinschlag und Überschwemmungen, insbesondere in Berggebieten; |
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2.12. |
stellt fest, dass Wälder Ökosysteme sind, die von sich aus biologisch vielfältig sind, was auch für bewirtschaftete Wälder gilt. Allerdings weisen industrielle Monokulturen, insbesondere, wenn sie nicht aus heimischen Arten bestehen, häufig eine zu geringe biologische Vielfalt auf. Sie sind anfälliger für Kalamitäten und wirken in einigen Fällen auch nicht als Kohlenstoffsenken. Zur nachhaltigen Forstwirtschaft gehört unbedingt auch ein gemischter Baumbestand und die Bewirtschaftung als Dauerwald. Mischwälder bringen mehr für den Klimaschutz als Monokulturen, die für die Nachhaltigkeit langfristig nachteilig sein können; |
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2.13. |
fordert eine bessere Ex-ante-Einbeziehung des Fachwissens des Ständigen Forstausschusses, der Gruppe für den zivilen Dialog über Forstwirtschaft und Kork sowie der Expertengruppe für die forstbasierte Wirtschaft und mit diesem Wirtschaftsbereich verbundene Themen in die forstpolitischen Maßnahmen der EU. Dies würde der Stärkung der Wissensbasis über die forstbasierte Wertschöpfungskette in den Entscheidungsprozessen und in Öffentlichkeits- und Kommunikationskampagnen dienen und die Akzeptanz sowie die Umsetzung politischer Entscheidungen fördern; |
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2.14. |
weist darauf hin, dass die Gemeinden und die regionalen Gebietskörperschaften wichtig für die Stärkung der nachhaltigen Nutzung der Wälder und für einen vitalen forstbasierten Sektor sind und die Möglichkeit haben, dies bei der Vergabe öffentlicher Aufträge zu berücksichtigen; |
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2.15. |
meint, dass eine angemessene Kommunikation und Information über die nachhaltige Waldbewirtschaftung für den gesellschaftlichen Rückhalt wichtig sind. In diesem Zusammenhang bieten städtische und stadtnahe Wälder ein großes Potenzial, da sich hier die enge Verbundenheit der Gesellschaft mit dem forstbasierten Sektor zeigt (Naherholung); |
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2.16. |
hält es für wichtig, ein rechtsverbindliches Abkommen über die Wälder anzustreben, um den forstpolitischen Rahmen gesamteuropäisch zu stärken. |
3. Besondere Bemerkungen
3.1. Der Wald als entscheidender Klimafaktor
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3.1.1. |
Die Umstellung auf eine klimaneutrale Wirtschaft ist eine enorme Herausforderung und Chance zugleich. Sie kann nur gemeistert werden, wenn die Emissionen aus fossilen Brennstoffen drastisch gesenkt und CO2 im wesentlichen Umfang sequestriert werden kann. Die Substitution fossiler Rohstoffe und Kraftstoffe ist sehr aussichtsreich für die Erreichung der Klimaneutralität bis 2050. |
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3.1.2. |
Die effektive CO2-Absorption erfordert eine kontinuierlich zunehmende und verstärkte Nutzung von Biomasse, gute Ernteverfahren und eine umsichtige Zeitplanung. Die langfristige Speicherung biogenen Kohlenstoffs erfordert eine gesteigerte (d. h. vermehrte, bessere und längere) Verwendung von Produkten, die aus Holz gewonnen werden. Eine aktive und nachhaltige Forstwirtschaft und die ressourcenschonende Nutzung von Holz sind grundlegende Faktoren für die Verwirklichung der Klimaziele (siehe dazu auch die früheren Stellungnahmen zu den Auswirkungen der Klima- und Energiepolitik (1) und zum Thema Lastenteilung und LULUCF-Sektor (2)). Bemühungen um eine umfangreichere Nutzung von aus Holz hergestellten Produkten könnten von der Anerkennung einer breiteren Palette „geernteter Holzprodukte“ gemäß der LULUCF-Verordnung (3) profitieren. Das gilt auch für geerntete Holzprodukte, die durch den Einsatz umweltschonender Holzschutztechniken längere Halbwertszeiten haben. |
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3.1.3. |
In einem Kubikmeter Holz ist ca. eine metrische Tonne CO2 gebunden (4). Wachsende Biomasse hat sich als wirksamer CO2-Speicher erwiesen. Daher ist die aktive Waldbewirtschaftung unter Einsatz nachhaltiger Verfahren (5) sowie die kontinuierliche Regenerierung der Waldbestände sehr bedeutsam für den maximalen nachhaltigen Zuwachs, der die Verfügbarkeit von Biomasse bestimmt. |
3.2. Multifunktionale Wälder und Ökosystemleistungen erfordern eine angemessene Vergütung
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3.2.1. |
Neben Holz und anderen Produkten (z. B. Kork, Pilze, Beeren) bieten die Wälder viele Ökosystemleistungen, die für die Menschen in Stadt, Vorstadt und Land unentbehrlich sind (z. B. Wasser, Luft, Naherholung und Gesundheit). Der Klimawandel verändert den Zustand des Waldes und setzt ihn zunehmend Stress und natürlichen Gefährdungen aus. Dementsprechend müssen angemessene Klimaschutzmaßnahmen sowie Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung an ihn auf eine Stärkung der Widerstandsfähigkeit und der Multifunktionalität der Wälder abzielen. |
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3.2.2. |
Angesichts der schwierigen Marktlage, die durch vom Klimawandel begünstigte Schäden verursacht wurde (z. B. Borkenkäfer, Windbruch, Waldbrände, Überschwemmungen und Dürren), ist die Kontinuität der Ökosystemleistungen von maßgeblicher Bedeutung, damit die multifunktionale Rolle der Wälder erhalten bleibt. Entscheidend ist, dass die Versorgung mit Holz und holzartiger Biomasse für die forstbasierte Industrie durch angemessene Marktverhältnisse unterstützt wird. |
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3.2.3. |
Ebenfalls sinnvoll wäre es, die Kommerzialisierung von Klimakompensationen auf freiwilligen CO2-Märkten eingehender zu betrachten (6). Beispielsweise befasst sich das Life-Projekt CARBOMARK (7) mit der Entwicklung freiwilliger lokaler CO2-Märkte zur Eindämmung des Klimawandels. Ziel ist es, auf freiwilliger Basis einen lokalen Markt für den Handel mit Kohlenstoffgutschriften zu fördern, um dadurch die Klimapolitik der EU zu stärken:
Allerdings muss auch sichergestellt sein, dass ein solcher Ausgleichsmechanismus weder in die eine noch in die andere Richtung unverhältnismäßig wirkt und nicht zu einem Hindernis für die nachhaltige Holzmobilisierung und die nachhaltige Bewirtschaftung der Ressourcen wird. |
3.3. Eine nachhaltige und kreislauforientierte Bioökonomie bietet wirtschaftliche Chancen für die Forstwirtschaft und hat ein großes Klimaschutzpotenzial (wie bereits in einer früheren Stellungnahme dargelegt (8))
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3.3.1. |
Die nachhaltige Bioökonomie trägt auf verschiedene Weise zur Eindämmung des Klimawandels bei: durch den Entzug von CO2 aus der Atmosphäre und seine Ablagerung in Biomasse über Fotosynthese („Sequestrierung“), durch die Speicherung von Kohlenstoff in biobasierten Erzeugnissen und durch die Ersetzung fossilbasierter durch biobasierte Ausgangsstoffe, Materialien, Produkte und Brennstoffe. |
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3.3.2. |
Produkte aus Holz können Kohlenstoff über lange Zeit speichern, der somit nicht in die Atmosphäre gelangt. Langlebige Holzerzeugnisse wie Holz für Bauzwecke und hochwertige Möbel gehören zu den wirksamsten Kohlenstoffspeichern. Durch die Wiederverwendung und das Recycling von biobasierten Produkten mit kürzerer Lebensdauer wird sichergestellt, dass der Kohlenstoff gespeichert bleibt. All diese Produkte, darunter moderne Biokraftstoffe, Textilien und grüne Chemikalien, könnten fossile Rohstoffe und die daraus hergestellten Produkte, die die Hauptverursacher des Klimawandels sind, umfänglich ersetzen. Ferner können biobasierte Produkte an ihrem Produktlebensende zu neuen biobasierten Produkten verarbeitet oder zur Erzeugung von Bioenergie genutzt werden und somit fossile Energieträger ersetzen. Dies gilt natürlich auch für die Nebenströme entlang der Wertschöpfungskette. |
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3.3.3. |
Indem für die Schaffung gut funktionierender bio- und holzbasierter Wertschöpfungsketten durch sektorübergreifende Zusammenarbeit gesorgt wird, kann maßgeblich zur Entwicklung neuer unternehmerischer Ökosysteme und zu Chancen für die Branche beigetragen werden. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, der Forschung, der Innovation und der Skalierung von Innovationen sowie der allgemeinen und beruflichen Bildung und der Entwicklung von Kompetenzen Priorität einzuräumen, um diese holzbasierten Wertschöpfungsketten und die kreislauforientierte Bioökonomie im Allgemeinen zu unterstützen. |
3.4. Die Stärkung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung und die Eindämmung der weltweiten Entwaldung müssen weiterhin klare Ziele der EU-Forststrategie sein
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3.4.1. |
Die nachhaltige Waldbewirtschaftung ist eine nationale Kompetenz der EU-Mitgliedstaaten; die gemeinsam vereinbarte Definition der nachhaltigen Waldbewirtschaftung wird in nationalen und subnationalen Rechtsvorschriften verankert, die überall in der EU umgesetzt werden. Nachhaltige forstwirtschaftliche Verfahren beruhen auf Systemen der Waldbewirtschaftung auf nationaler Ebene. Freiwillige marktwirtschaftliche Instrumente wie die Zertifizierung könnten eine Möglichkeit sein, den Beweis der Nachhaltigkeit zu führen. |
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3.4.2. |
Die Bremsung der weltweiten Entwaldung und Waldschädigung durch eine stärker aktive und nachhaltige Waldbewirtschaftung mithilfe eines gesamteuropäischen Abkommens, ausreichend zielgerechte Nachhaltigkeitskapitel in Handelsabkommen, die Mobilisierung lokal erzeugter Biomasse in Europa und die Unterstützung des Übergangs zu nachhaltigeren Verbrauchermustern sind für die Verwirklichung der Nachhaltigkeitsziele entscheidend. Darüber hinaus sind gemeinsame Anstrengungen erforderlich, um weltweit Aufforstungsmaßnahmen zu unterstützen. |
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3.4.3. |
In diesem Zusammenhang begrüßt der EWSA die Mitteilung der Europäischen Kommission „Intensivierung der EU-Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Wälder in der Welt“ (9). |
4. Hintergrund
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4.1. |
Die Europäische Kommission hat den Zwischenbericht über die Fortschritte bei der Umsetzung der EU-Forststrategie (10) („Bericht“) am 7. Dezember 2018 veröffentlicht. Der Bericht gibt einen Einblick in den Umsetzungsstand in jedem der acht prioritären Bereiche der EU-Forststrategie (11):
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4.2. |
Der mehrjährige Durchführungsplan (Forest MAP) (12) enthält die Prioritäten der Europäischen Kommission bis 2017. Der Bericht soll auch zur Festlegung der Prioritäten für den verbleibenden Zeitraum 2018-2020 beitragen. |
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4.3. |
Der Bericht gelangt zu dem Schluss, dass die Umsetzung der EU-Forststrategie weitgehend planmäßig verläuft. Ausstehende Teile befinden sich entweder in der Umsetzung oder werden bis 2020 umgesetzt sein. Der Bericht geht jedoch nicht über 2020 hinaus. |
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4.4. |
Am 15. April 2019 nahm der Rat seine Schlussfolgerungen zu den Fortschritten bei der Umsetzung der EU-Forststrategie (13) an und forderte die Kommission auf, „erste Überlegungen über die Optionen für eine neue EU-Forststrategie für die Zeit nach 2020 anzustellen“. Ein solcher strategischer Rahmen sollte logischerweise auch für Wälder und den gesamten forstbasierten Sektor gelten. |
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4.5. |
Der Europäische Ausschuss der Regionen verabschiedete auf seiner Plenartagung im April 2019 eine Stellungnahme (14) zur Umsetzung der EU-Forststrategie. |
Brüssel, den 30. Oktober 2019
Der Präsident
des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses
Luca JAHIER
(1) Stellungnahme des EWSA „Auswirkungen der Klima- und Energiepolitik auf die Land- und Forstwirtschaft“ (ABl. C 291 vom 4.9.2015, S. 1).
(2) Stellungnahme des EWSA „Lastenteilung 2030 und Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF)“ (ABl. C 75 vom 10.3.2017, S. 103).
(3) Verordnung (EU) 2018/841 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. Mai 2018 über die Einbeziehung der Emissionen und des Abbaus von Treibhausgasen aus Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft in den Rahmen für die Klima- und Energiepolitik bis 2030 und zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 525/2013 und des Beschlusses Nr. 529/2013/EU (ABl. L 156 vom 19.6.2018, S. 1).
(4) Quelle: BFW-Praxisinformation Nr. 28 (2012, Seite 4).
(5) Entschließung H1 „Allgemeine Leitlinien für die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder in Europa“.
(6) Voluntary Carbon Market Insights: 2018 Outlook and First-Quarter Trends.
(7) CARBOMARK - Improvement of policies toward local voluntary carbon markets for climate change mitigation.
(8) Stellungnahme des EWSA „Bioökonomie — Beitrag zur Erreichung der EU-Klima- und -Energieziele sowie der UN-Nachhaltigkeitsziele“ (ABl. C 440 vom 6.12.2018, S. 45).
(9) COM(2019) 352 final.
(10) EU forest strategy on track to achieve its 2020 aims.
(11) COM(2013) 659 final.
(12) SWD(2015) 164 final.
(13) Schlussfolgerungen des Rates zu den Fortschritten bei der Umsetzung der EU-Forststrategie und zu einem neuen Strategierahmen für Wälder.
(14) Stellungnahme des AdR „Umsetzung der EU-Forststrategie“ (ABl. C 275 vom 14.8.2019, S. 5).