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9.4.2016 |
DE |
Amtsblatt der Europäischen Union |
C 127/9 |
Veröffentlichung eines Eintragungsantrags gemäß Artikel 50 Absatz 2 Buchstabe a der Verordnung (EU) Nr. 1151/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates über Qualitätsregelungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel
(2016/C 127/07)
Diese Veröffentlichung eröffnet die Möglichkeit, gemäß Artikel 51 der Verordnung (EU) Nr. 1151/2012 (1) Einspruch gegen den Antrag zu erheben.
EINZIGES DOKUMENT
„STEIRISCHE KÄFERBOHNE“
EU-Nr.: AT-PDO-0005-01272 — 4.11.2014
g.U. ( X ) g.g.A. ( )
1. Name
„Steirische Käferbohne“
2. Mitgliedstaat oder Drittland
Österreich
3. Beschreibung des Agrarerzeugnisses oder Lebensmittels
3.1. Art des Erzeugnisses
Klasse 1.6. Obst, Gemüse und Getreide, unverarbeitet und verarbeitet
3.2. Beschreibung des Erzeugnisses, für das der unter Punkt 1 aufgeführte Name gilt
Die „Steirische Käferbohne“ bezeichnet den im geografisch abgegrenzten Gebiet angepassten zweifärbig gefleckten oder marmorierten Typ innerhalb der botanischen Art der Phaseolus coccineus L. (Feuerbohne). Sie wird als Trockenbohne sowie essfertig angeboten. Als Frischware ist sie aufgrund ihrer begrenzten Haltbarkeit nur für kurze Zeit erhältlich.
Physische Merkmale der trockenen „Steirischen Käferbohne“:
— Tausendkorngewicht: beträgt mindestens 1 200g
— Samenform: breit, nierenförmig
— Farben: zweifärbig (variiert von violett-schwarz bis braun-beige)
— Verteilung der Zweitfarbe: fleckig oder marmoriert
Die nach obiger Beschreibung hauptsächlich verwendeten Sorten sind „Bonela“ und „Melange“, welche im nationalen und europäischen Sortenregister eingetragen sind. Auch die von steirischen Landwirten selbst selektierten Samen der „Steirischen Käferbohne“ sind ebenso wie Neuzüchtungen zulässig, sofern sie der obigen Beschreibung der „Steirischen Käferbohne“ entsprechen.
Die „Steirische Käferbohne“ variiert in ihrem Aussehen sowohl in der Farbintensität als auch im Farbanteil, ist aber aufgrund der Fleckung oder Marmorierung eindeutig zuordenbar. Einfarbige Bohnen sowie Bohnen mit Weiß als Grundfarbe (das ist die Farbe mit dem höchsten Anteil) sind nur im Rahmen einer geringfügigen Toleranz von bis zu 5 % bezogen auf das Gewicht zulässig.
Mindestanforderungen für die verkaufsfertige Trockenbohne sind:
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Bruchbohnen sind bis zu 10 % bezogen auf das Gewicht zulässig. Ein abweichendes Aussehen in Form und/oder Farbe von der definierten Beschreibung ist bis zu 5 % bezogen auf das Gewicht zulässig. |
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Die „Steirischen Käferbohnen“ werden durch Aufquellen und Kochen oder Dämpfen bzw. ähnliche Verfahren aufbereitet. Dadurch wird die Bohne wesentlich größer und schwerer und verfärbt sich bräunlich. Die Zugabe von Flüssigkeiten (z. B. Wasser, Essig usw.) ist üblich und zulässig. Ebenso ist die Zugabe von festen Stoffen (z. B. Salz, Zucker, Säuerungsmittel oder Ähnlichem) zum Haltbarmachen und Würzen gestattet. Die zur Aufbereitung herangezogene trockene Ware muss zu 100 % aus „Steirischen Käferbohnen“ bestehen und darf maximal 10 % Bruchbohnen bezogen auf das Gewicht enthalten. |
Inhaltsstoffe:
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100 g gekochte „Steirische Käferbohnen“ haben im Durchschnitt einen Brennwert von 396 kJ und enthalten ca. 7,08 g Eiweiß, 0,77 g Fett, 11,55 g Kohlenhydrate und 6,35 g Ballaststoffe. Der mittlere Gehalt an ausgewählten Inhaltsstoffen bei getrockneten Samen je 100 g essbaren Anteil beträgt 17,59 g Eiweiß, 1,68 g Fett, 27,95 g Kohlenhydrate, 34,4 g Ballaststoffe. Der Brennwert liegt bei 1 112 kJ. Alle Angaben betreffend die vorgenannten Inhaltsstoffe unterliegen natürlichen Schwankungen. |
3.3. Futter (nur für Erzeugnisse tierischen Ursprungs) und Rohstoffe (nur für Verarbeitungserzeugnisse)
Die Bohnen, die als Saatgut verwendet werden, müssen eindeutig den „Steirischen Käferbohnen“ zuordenbar sein. Das Saatgut, das aus eigenem Anbau (Nachbau) bzw. Selektion der Landwirte stammt, muss ausschließlich aus dem abgegrenzten Gebiet kommen.
3.4. Besondere Erzeugungsschritte, die in dem abgegrenzten geografischen Gebiet erfolgen müssen
Der Anbau der „Steirischen Käferbohne“ sowie sämtliche Schritte der Aufbereitung zur essfertigen „Steirischen Käferbohne“ müssen im abgegrenzten geografischen Gebiet stattfinden.
3.5. Besondere Vorschriften für Vorgänge wie Schneiden, Reiben, Verpacken usw. des Erzeugnisses mit dem eingetragenen Namen
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3.6. Besondere Vorschriften für die Kennzeichnung des Erzeugnisses mit dem eingetragenen Namen
„Steirische Käferbohnen“ werden als Frischware (in geringem Umfang), als Trockenbohnen und essfertig in Verkehr gebracht und sind als „Steirische Käferbohne g.U.“ zu kennzeichnen.
Übersetzungen der Bezeichnung „Steirische Käferbohne“ sind unter der Voraussetzung der gleichzeitigen Angabe der deutschsprachigen Ursprungsbezeichnung „Steirische Käferbohne“ zulässig.
4. Kurzbeschreibung der Abgrenzung des geografischen Gebiets
Bundesland Steiermark
5. Zusammenhang mit dem geografischen Gebiet
5.1. Besonderheit des geografischen Gebiets
Illyrisches Klima und Boden (leicht bis mittelschwere, kalkhaltige, humose Lehmböden, sehr mineralhaltig) des Anbaugebietes sowie die im geografisch abgegrenzten Gebiet verwendeten Sorten führen zu einer optimalen Ausprägung der Eigenschaften hinsichtlich Aussehen, Geschmack und Ertragskraft der „Steirischen Käferbohne“. Die geografische Lage des Anbaugebietes in der Steiermark weist Parallelen zum Klima des ursprünglichen Abstammungsgebietes der Phaseolus coccineus L. in Nordmexiko und Guatemala (Mittelamerika) auf, wodurch erst eine erfolgreiche Kultivierung der „Steirischen Käferbohne“ ermöglicht wird. Die klimatisch bedingte, häufig vorkommende hohe Luftfeuchtigkeit (10-20 schwüle Tage), die hohen Niederschlagsmengen in den Sommermonaten bei gleichzeitiger Abschwächung von Witterungsextremen sowie Windarmut und höhere Temperatursummen (hohe Anzahl an Sonnenstunden und Temperaturen im Sommermittel von über 20 °C) besonders zur Blütezeit lassen die „Steirische Käferbohne“ bestmöglich gedeihen, wodurch ihre auffällige Größe (Tausendkorngewicht) erreicht werden kann. Sie benötigt zum optimalen Wachstum deutlich mehr Feuchtigkeit als die Gartenbohne, welche durch die höhere Niederschlagsmenge im abgegrenzten geografischen Gebiet erzielt wird, denn extreme Trockenheit schadet ihr. Auch ist sie frostempfindlich und braucht besonders zur Blütezeit ausreichend Wärme und Wasser, wobei ihre Kälte- und Nässetoleranz deutlich höher ist als bei anderen Bohnen Diese idealen Wachstumsbedingungen finden sich im Vergleich zu anderen Gebieten Österreichs nur im abgegrenzten geografischen Gebiet.
Das fachliche Know-how der Erzeuger ist ein wesentlicher Faktor zur Erzielung der qualitativen Eigenschaften der „Steirischen Käferbohne“. Nur aufgrund des Wissens und der Erfahrung der regionalen Erzeuger in Bezug auf die Grundlagen und Methoden des Bohnenanbaus konnte durch weiterführende Züchtungen des Saatgutes in der Steiermark (die züchterische Beschäftigung mit der Käferbohne in der Steiermark ist bis ins 19. Jahrhundert nachweisbar) eine noch bessere Anpassung an das Klima und die Bodenverhältnisse im geografischen Gebiet erreicht werden. Daraus sind die für die „Steirische Käferbohne“ g.U. hauptsächlich verwendeten Sorten „Bonela“ und „Melange“ hervorgegangen. Nach wie vor selektieren Landwirte im abgegrenzten Gebiet auch ihr eigenes Saatgut wie seit Beginn des Bohnenanbaues in der Steiermark. Über Jahrhunderte hinweg entwickelte sich aus dieser Selektion die an das Klima der Steiermark besser angepasste „Steirische Käferbohne“ mit markanter vielfarbiger Fleckung oder Marmorierung, typischer Konsistenz und Geschmack.
Die hohe fachliche Kompetenz der Erzeuger in dieser Region beruht auf traditionellem bäuerlich-handwerklichen Know-how in Bezug auf die Selektion des Saatgutes, die Erhaltungszüchtung, die Kultivierungsformen, die Auswahl der richtigen Stützpflanzen für den Mischanbau (z. B. mit Mais), die Anbau- und Erntetechnik, die Festlegung des richtigen Erntezeitpunktes sowie die schonende Trocknung und spezielle Aufbereitung des Ernteproduktes, welche über viele Generationen hinweg perfektioniert wurde und entscheidend für das Aussehen, den Geschmack und den Ertrag der „Steirischen Käferbohne“ ist.
5.2. Besonderheit des Erzeugnisses
Die „Steirische Käferbohne“, die aus im abgegrenzten geografischen Gebiet eigens selektierten Samen der Phaseolus coccineus L. hergestellt wird, unterscheidet sich von anderen Bohnen deutlich aufgrund ihrer besonderen Farb- und Mustergebung (zweifärbig variierend von violett-schwarz bis braun-beige, fleckig oder marmoriert) und ihrer auffälligen Größe (mindestens 1 200 g Tausendkorngewicht). Bei der Aufbereitung zur essfertigen Bohne vergrößert sie sich wegen der hohen Wasseraufnahmefähigkeit um ca. das Doppelte. Essfertige „Steirische Käferbohnen“ schmecken ähnlich der Edelkastanie und haben einen zart-nussigen Geschmack. Die Konsistenz ist fein, cremig, im Mund zergehend und nicht mehlig. Eine Besonderheit der „Steirischen Käferbohne“ ist die Verwendung sowohl in pikanten als auch in süßen Speisen.
5.3. Ursächlicher Zusammenhang zwischen dem geografischen Gebiet und der Qualität oder den Merkmalen des Erzeugnisses (im Falle einer g.U.) oder einer bestimmten Qualität, dem Ansehen oder sonstigen Eigenschaften des Erzeugnisses (im Falle einer g.g.A.)
Die „Steirische Käferbohne“ entsteht ausschließlich aufgrund des Zusammenwirkens natürlicher Gegebenheiten (Klima- und Bodenverhältnisse) mit dem traditionellen Know-how der Erzeuger im geografischen Gebiet. Sie zeichnet sich durch ihre Größe, ihre markante zweifärbige Farb- und Musterverteilung, die nicht vorhandene Mehligkeit und ihren feinen, cremig nussigen Geschmack aus. Diese Eigenschaften sind sowohl durch das Klima und durch die Bodenbeschaffenheit des Anbaugebiets als auch durch die verwendeten und im abgegrenzten geografischen Gebiet selektierten, gezüchteten und erhaltenen Sorten bedingt. Die über mehrere Generationen währende fachliche Auseinandersetzung der regionalen Erzeuger mit dieser speziellen Bohne in der Steiermark führte dazu, dass die steirischen Landwirte ihr eigenes Saatgut solange selektierten, bis sie aus dieser Selektion heraus Sorten entwickelten, die an die geografischen Bedingungen im abgegrenzten Gebiet optimal angepasst sind und direkte Auswirkungen auf die Qualität und die Eigenschaften des Erzeugnisses in Hinblick auf ihre Größe und Form, ihre Farbintensität und Farbanteil, ihre Konsistenz und Geschmack haben. Die sehr mineral- und kalkhaltigen, humosen Lehmböden tragen dazu bei, dass die Samen der „Steirischen Käferbohne“ zur vollen Entfaltung gelangen. Sowohl die Bodenbeschaffenheit als auch die klimatischen Gegebenheiten spielen während des Reifeprozesses zusammen und bedingen die Größe der Bohnen und fördern den feinen Geschmack sowie ihre Ertragskraft. Diese fortdauernde Anpassung bzw. Selektion des eigenen Saatgutes sowie die laufend durchgeführten Erhaltungszüchtungen, die der Bereinigung von Mutationen und Einkreuzungen dienen, bewirken im Zusammenhang mit den Bodenmerkmalen und den klimatischen Bedingungen im geografisch abgegrenzten Gebiet die Eigenart des Erzeugnisses. Die Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten sowie das tradierte Wissen bezüglich Züchtung von geografisch angepasstem Saatgut, der Anbau- und Erntemethode, der Bestimmung des richtigen Erntezeitpunktes durch die regionalen Erzeuger führt dazu, dass sich die organoleptischen Eigenschaften des Erzeugnisses optimal entwickeln können.
Die „Steirische Käferbohne“ als regionaltypisches Produkt trägt zur Aufrechterhaltung der ländlichen Struktur bei. Sie hat zur Entstehung verschiedener kulinarischer Gerichte (bekannteste Speise ist der Steirische Käferbohnensalat) geführt und zeichnet sich durch ihre vielfältigen kulinarischen Anwendungsmöglichkeiten aus. Die Bedeutung und der gute Ruf des Erzeugnisses spiegeln sich in der starken Verwurzelung und im hohen Bekanntheits- und Identifikationsgrad der steirischen Bevölkerung mit der „Steirischen Käferbohne“ wider (Name, vielfältige kulinarische Anwendung, kulturelle Veranstaltungen, Verwendung im Design usw.).
Hinweis auf die Veröffentlichung der Produktspezifikation
(Artikel 6 Absatz 1 Unterabsatz 2 der vorliegenden Verordnung)
Der vollständige Wortlaut der Spezifikation ist abrufbar unter http://www.patentamt.at/Media/Steirische_Kaeferbohne_Antrag.pdf
oder per Direktzugriff auf die Webseite des Österreichischen Patentamtes (www.patentamt.at) unter Verwendung des folgenden Pfades: „Markenschutz/Schutzrechte/Herkunftsangabe“ (http://www.patentamt.at/Markenschutz/Schutzrechte/Herkunftsangabe/). Die Spezifikation ist dort unter dem Namen der Qualitätsbezeichnung zu finden.
(1) ABl. L 343 vom 14.12.2012, S. 1.