EUROPÄISCHE KOMMISSION
Brüssel, den 27.5.2015
COM(2015) 222 final
BERICHT DER KOMMISSION
AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN RAT, DIE EUROPÄISCHE ZENTRALBANK, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN
Die Einführung des Euro in Litauen
BERICHT DER KOMMISSION
AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN RAT, DIE EUROPÄISCHE ZENTRALBANK, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN
Die Einführung des Euro in Litauen
1.Einleitung
Der Rat beschloss am 23. Juli 2014, dass Litauen die notwendigen Voraussetzungen für die Einführung des Euro erfüllt und dass die für Litauen geltende Ausnahmeregelung mit Wirkung vom 1. Januar 2015 aufgehoben wird
.
Litauen folgte der Praxis der Mitgliedstaaten, die den Euro nach der ersten Umstellungswelle (1999-2002) im so genannten Big-Bang-Szenario eingeführt haben, d. h. die Euro-Banknoten und Münzen wurden am Tag der Einführung des Euro zum gesetzlichen Zahlungsmittel
. Eine zweiwöchige Parallelumlaufphase, in deren Rahmen sich sowohl der Euro als auch die litauischen Litas-Banknoten in Umlauf befanden, gestattete eine stufenweise Rücknahme von Barmitteln in Litas. Diese erfolgreiche Umstellung verdeutlicht erneut, dass eine kurze Parallelumlaufphase ausreicht, sofern die Umstellung gut vorbereitet wurde
. Eine große Mehrheit der Litauer (86 %) beurteilte die Umstellung als reibungslos und effizient
.
Im Anschluss an die zwei Berichte der Kommission über die praktischen Vorbereitungen auf die Euro-Umstellung in Litauen
deckt der vorliegende Bericht die wichtigsten Aspekte des Umstellungsprozesses aus einer Ex-post-Perspektive ab, indem er sich auf die Vorbereitungen für die Bargeldumstellung, die Parallelumlaufphase, die Maßnahmen gegen Preismissbrauch und falsche Preiswahrnehmung, die Preisentwicklungen und das Preisempfinden sowie die Kommunikation zum Euro konzentriert. Wenn und wo dies erforderlich ist, gibt die Kommission in diesem Bericht ebenfalls Empfehlungen für weitere mögliche Maßnahmen ab, die von den litauischen Behörden zu treffen sind, und zieht Schlussfolgerungen, die für zukünftige Umstellungen wertvoll sein könnten.
2.Die Umstellung
2.1.Vorbereitungen für die Bargeldumstellung
Die Bargeldumstellung ist wahrscheinlich das sichtbarste Element des Währungswechsels, da praktisch alle Finanzinstitute, Unternehmen und Bürger daran beteiligt sind. Die Reibungslosigkeit und Effizienz dieser Transaktion hängt von einer hinreichenden Versorgung aller Beteiligten mit Euro-Bargeld sowie von einer guten Vorbereitung von Banken und Unternehmen auf die große zusätzliche Arbeitsbelastung ab.
370 Mio. Euro-Münzen mit einer nationalen litauischen Seite wurden im Anschluss an eine öffentliche Ausschreibung von der litauischen Münzprägeanstalt geprägt. Euro-Banknoten in unterschiedlichen Stückelungen im Wert von ungefähr 132 Mio. EUR wurden von der Deutschen Bundesbank geliehen.
Die Banken und Unternehmen wurden vor dem Jahresende 2014 sukzessive mit Euro-Bargeld versorgt. Die vorzeitige Abgabe von Euro-Münzen an Kreditinstitute startete am 1. Oktober 2014 und von Euro-Banknoten am 1. November 2014. Die reguläre Weitergabe an die Großkunden der Geschäftsbanken begann am 1. Dezember 2014. Kleinere Firmenkunden, die eine vereinfachte Weitergabe nutzten, erhielten bis Ende Dezember 2014 Euro-Bargeld. Der Gesamtwert der abgegebenen Euro-Banknoten und Euro-Münzen beläuft sich auf 622 Mio. EUR.
900 000 Starterkits mit einer Mischung von litauischen Euro-Münzen in allen Stückelungen (Wert: 11,59 EUR pro Kit) wurden ab dem 1. Dezember 2014 über 343 Geschäftsbankfilialen, 330 Postämter und 3 Zweigstellen der Bank von Litauen zum Kauf angeboten. Die Nachfrage war groß. 640 000 der 900 000 Starterkits wurden bis zum 14. Dezember 2014 verkauft und am 1. Januar 2015 waren fast alle der für die Haushalte vorgesehenen Starterkits verkauft. Darüber hinaus wurden zwei spezifische Starterkits für Einzelhändler zur Verfügung gestellt (60 000 Kits mit 111 EUR und 50 000 Kits mit 200 EUR).
Angesichts des erhöhten Sicherheitsrisikos wurde ein Sicherheitsaktionsplan entwickelt, der Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit von Bargeldtransporten durch den Geldtransportsektor während des Umstellungsprozesses vorsah, d. h. eine spezielle Schulung für Polizeibeamte. Zudem wurde ein besonderer Aktionsplan zur Bewältigung von möglicherweise widrigen Witterungsbedingungen konzipiert.
Insbesondere während der letzten Tage im Dezember 2014 mussten die Geschäftsbanken und Postämter außergewöhnlich große Bargeldmengen handhaben. Zur Rücknahme der Litas-Münzen wurden Geldtransportunternehmen und Geschäftsbanken mit mobilen Standardcontainern für die Sammlung, Lagerung und den Transport ausgestattet.
Um die Bargeldtransaktionen zu erleichtern, verstärkten einige Geschäftsbanken ihr Personal in den Filialen und/oder öffneten zusätzliche Schalter Ende 2014 und an den ersten Tagen nach der Einführung des Euro. Da die Banken in Litauen verhältnismäßig lange reguläre Öffnungszeiten haben, wurde eine Verlängerung der Öffnungszeit aller Filialen während der Umstellung nicht vorgesehen. Gleichwohl verlängerten neun Geschäftsbanken Ende 2014 und Anfang 2015 die Öffnungszeiten ihrer Kundenservicebereiche. Die Geschäftsbanken tauschen Bargeld noch bis zum 30. Juni 2015 unentgeltlich um und etwa 90 Bankfilialen bieten diesen Service bis zum 31. Dezember 2015.
Ab Ende September 2014 bot die Bank von Litauen für Bargeldakteure und Buchhalter Schulungen über das Euro-Bargeld im Allgemeinen und die Sicherheitsmerkmale im Besonderen an. Diese Schulungen wurden insbesondere von Einzelhändlern und Mitarbeitern der Postämter besucht (Ausbilderschulung). Die Bankmitarbeiter erhielten von ihren Arbeitgebern spezifische Schulungen über die allgemeinen Grundsätze der Euro-Einführung und ihre Auswirkungen auf Bankdienstleistungen sowie auf die Verfügbarkeit von Bankdienstleistungen um den 1. Januar 2015.
Bei der Verbesserung des Zugangs zu Bargeldumtauschmöglichkeiten insbesondere in ländlichen Gebieten spielte die litauische Post im Rahmen des Bargeldumtauschs eine aktive Rolle, indem der breiten Öffentlichkeit in 330 Postämtern Bargeldumtauschdienstleistungen angeboten wurden.
Gemäß einer Umfrage der Kommission, die Ende Dezember 2014 durchgeführt wurde, war ein großer Anteil der litauischen Bürger bereits vor der Umstellung im Besitz von Euro-Bargeld: 44 % verfügten über Euro-Banknoten (56 % von einer Reise ins Ausland, 35 % vom Umtausch in einer Bank in Litauen) und 46 % hatten Euro-Münzen (62 % von einer Reise ins Ausland und 31 % über ein Starterkit).
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Die Bargeldumstellung in Litauen wurde gut vorbereitet und organisiert.
Banken, Unternehmen und Bürger wurden vor der Umstellung angemessen mit Euro-Bargeld versorgt.
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2.2.Die Parallelumlaufphase
Die zweiwöchige Parallelumlaufphase, in deren Rahmen der Euro und der litauische Litas gleichzeitig in Umlauf waren, endete am 15. Januar 2015.
An den Geldautomaten konnte bereits am 1. Januar 2015 Bargeld in Euro abgehoben werden; dies funktioniert seitdem ordnungsgemäß. Sie wurden hauptsächlich in den letzten Dezembertagen 2014 mit Euro-Bargeld bestückt, und zwar im Wesentlichen in Stückelungen von 5 und 10 sowie 20 und 50 EUR. Während zahlreiche Geldautomaten bereits unmittelbar nach Mitternacht Bargeld ausgaben, war das Gesamtnetz der litauischen Geldautomaten (etwa 1 200 Geldautomaten) am 1. Januar ab 0.26 Uhr vollständig betriebsbereit. Die Kassenterminale stellten am 1. Januar 2015 unverzüglich auf den Euro um. Die Bankkunden wurden ersucht, häufiger auf elektronische Zahlungen zurückzugreifen, insbesondere in den ersten Tagen nach dem 1. Januar 2015. Während der Parallelumlaufphase wurden Zahlungskarten in 6,7 Mio. Transaktionen mit einem Gesamtwert von 127 Mio. EUR verwendet. Im Vergleich zum selben Zeitraum im Januar 2014 nahmen elektronische Zahlungen im Januar 2015 um ca. 5 % zu.
Aufgrund der sorgfältigen Vorbereitung bewältigten die Banken und Postämter das zusätzliche Arbeitsaufkommen während der Parallelumlaufphase gut. Einige Banken setzten in den Zweigstellen für Bargeldtransaktionen zusätzliches Personal ein. Einzelhändlern und anderen Geschäftskunden wurde vorab eine Abholung von Bargeld angeboten. Die Lager- und Zähleinrichtungen in den Bankfilialen waren angepasst worden.
In der ersten Januarhälfte 2015 wurden 314 Mio. EUR an Geldautomaten ausgezahlt. Zudem richteten mehrere Banken ihre Geldautomaten mit Bareinzahlungs-/Barauszahlungsfunktion so ein, dass dort in den ersten Wochen des Jahres 2015 litauische Litas (LTL) eingezahlt werden konnten und im Gegenzug Euro-Bargeld ausgegeben wurde. Mehr als 205 Mio. LTL (59,3 Mio. EUR) wurden in der ersten Januarhälfte auf diesem Wege eingezahlt.
Der Umtausch von litauischen Litas in Euro war in 343 Bankfilialen, 330 Postämtern, 3 Zweigstellen der Bank von Litauen und 14 Filialen von Kreditgenossenschaften möglich. Bis zum 15. Januar 2015 wurden 419 Mio. EUR in Banken, 156 Mio. EUR in Postämtern, 14 Mio. EUR über die Bank von Litauen und 2 Mio. EUR über Kreditgenossenschaften umgetauscht.
Gemäß der Umfrage der Kommission, die zwischen dem 16. und 19. Januar 2015 in Litauen durchgeführt wurde, hatten 91 % der Befragten in der ersten Januarwoche beim Umtausch von Litas-Bargeld oder bei der Abhebung von Euro-Bargeld mit den Banken keine Probleme. Diese Zahl ist etwas höher als bei der Euro-Umstellung in Lettland (88 %) und steht in Einklang mit früheren Umstellungen.
In der Abbildung 1 wird die Entwicklung der ausschließlich in Euro erfolgten Bargeldzahlungen während der Parallelumlaufphase in Litauen im Vergleich zu Lettland und Estland dargestellt.
Bereits am dritten Tag nach der Umstellung (3. Januar 2015) tätigten 36 % der Bevölkerung ihre Bargeldzahlungen ausschließlich mit Euro-Bargeld. Am 8. Januar bezahlten bereits vier von fünf der befragten Bürger ausschließlich mit Euro-Bargeld. Danach stieg der Anteil der ausschließlich mit Euro-Bargeld getätigten Zahlungen zum Ende der Parallelumlaufphase hin an, mit Ausnahme von Samstag, dem 10. Januar 2015, als er von 80 % auf 69 % zurückging, um jedoch am darauf folgenden Tag wieder auf 86 % anzuwachsen. Insgesamt entwickelten sich die ausschließlich in Euro abgewickelten Zahlungen schnell, allerdings etwas unregelmäßiger als während der Parallelumlaufphase in Lettland 2014.
Insgesamt bewältigte auch der Einzelhandelssektor die Herausforderungen des Umstellungsprozesses und der gleichzeitigen Handhabung von zwei Währungen gut. Die Einzelhändler waren gut mit Euro-Bargeld versorgt und es wurden keine größeren Probleme mit Warteschlangen berichtet. Wie aus Abbildung 2 hervorgeht, erhielten bereits am 2. Januar 84 % der Bürger das Wechselgeld ausschließlich in Euro. Dieser Anteil stieg am 7. Januar auf 100 %.
Der direkt nach dem Ende der Parallelumlaufphase durchgeführten Befragung der Kommission zufolge hat eine große Mehrheit der Litauer (86 %) die Umstellung als reibungslos und effizient wahrgenommen.
2.3.Rücknahme der bisherigen Währung
Obwohl das sich in Umlauf befindliche Litas-Bargeld seit Beginn 2014 abgenommen hat, stellte der Einzug der in Umlauf befindlichen Litas eine besondere Herausforderung dar, da die Wirtschaft Litauens verhältnismäßig bargeldintensiv ist.
Ein wesentlicher Anteil des sich in Umlauf befindlichen Litas-Bargelds wurde bereits vor der Umstellung eingezogen. Angesichts der Menge und des Gesamtgewichts der 2014 in Umlauf befindlichen Litas-Münzen bot die Bank von Litauen zwecks Reduzierung dieser Umlaufmenge bis Ende Dezember 2014 einen unbeschränkten und kostenfreien Umtausch von Litas-Münzen in Litas-Banknoten an. Um die Anzahl der umlaufenden Litas-Banknoten mit hohem Nennwert zum 1. Januar 2015 zu reduzieren, wurden Geldtransportunternehmen und Firmen im Herbst 2014 ersucht, keine Banknoten mit hohem Nennwert zu bestellen. Gleichzeitig boten Geschäftsbanken ihren Kunden verstärkt bargeldlose Zahlungen an.
Am 31. Dezember 2014 lag der Wert der in Umlauf befindlichen Litas-Münzen und -Banknoten um 51 % unter dem vom Januar 2014. Zu diesem Zeitpunkt waren noch ca. 5,8 Mrd. LTL im Umlauf.
Die schrittweise Entwertung der Litas-Banknoten begann bereits im August 2014, die der Münzen im Oktober 2014.
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Die Bargeldumstellung in Litauen wurde gut vorbereitet und reibungslos umgesetzt.
Die Geldautomaten und Kassenterminale wurden rechtzeitig umgestellt und die Banken und Postämter bewältigten das zusätzliche Arbeitsaufkommen während der Parallelumlaufphase gut. Ebenso kamen die Einzelhändler gut mit den Problemen des Umstellungsprozesses und der gleichzeitigen Handhabung von zwei Währungen zurecht. Sie waren gut mit Euro-Bargeld versorgt und gemäß einer Umfrage der Kommission erhielten bereits am 2. Januar 2015 84 % der befragten Bürger das Wechselgeld ausschließlich in Euro.
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3.Vorbeugung gegen Preismissbrauch und eine falsche Preiswahrnehmung
Die allgemeine Öffentlichkeit war besorgt wegen der möglichen Auswirkungen der Euro-Umstellung auf die Preise. Aus diesem Grund war es insbesondere wichtig, dass die litauischen Behörden die notwendigen Schritte ergriffen, um Preismissbrauch vorzubeugen und einer falschen Preiswahrnehmung gegenzusteuern.
Seit Januar 2014 wurden die Preise von 100 gängigen Waren und Dienstleistungen in den beliebtesten Verkaufsstellen in den sieben größten Städten in Litauen überwacht. Zu den überwachten Dienstleistungen zählten diejenigen, die aufgrund der Erfahrung mit früheren Euro-Umstellungen am stärksten von einem Preisanstieg betroffen sind und von Kleinunternehmen im Nahbereich (z. B. von Friseuren, Restaurants und Cafés sowie Autowaschanlagen) erbracht werden.
Die Einhaltung der Anforderungen an die Preisauszeichnung und Umrechnung (z. B. Regeln zur Auf- und Abrundung) während der Parallelumlaufphase und die Umsetzung des „Memorandums für die gute Geschäftspraxis nach Einführung des Euro“ wurden durch das Zentrum für den Schutz der Verbraucherrechte überwacht, auch mit Beteiligung verschiedener anderer Einrichtungen wie dem Staatlichen Lebensmittel- und Veterinärdienst und dem Staatlichen Aufsichtsamt für Nichtnahrungsmittel. Intensive Kontrollen starteten, als die doppelte Preisauszeichnung am 23. August 2014 begann. Im Anschluss an den ersten Bericht der Europäischen Kommission über die praktischen Vorbereitungen Litauens zur Euro-Einführung stieg die Zahl der beteiligten Preisinspektoren deutlich auf mehr als 350.
Die doppelte Preisauszeichnungspflicht in Litas und Euro trat am 23. August 2014 in Kraft und ist bis Mitte 2015 einzuhalten. Seit August 2014 wurden 13 819 Kontrollen durchgeführt. Das Zentrum für den Schutz der Verbraucherrechte deckte 870 Verstöße auf. Am häufigsten wurde die fehlende doppelte Preisauszeichnung in beiden Währungen und die unkorrekte Auf- und Abrundung der Preise bemängelt. Die Höhe der verhängten Geldbußen reicht je nach Art des Verstoßes von 1 000 LTL (289 EUR) bis 10 000 LTL (2 896 EUR). Sanktionen gab es gegen 833 Gewerbebetriebe, davon 819 Verwarnungen und lediglich 14 Geldbußen. Im Januar 2015 wurden 1 543 Inspektionen durchgeführt, bei denen 93 Verstöße festgestellt wurden.
Die Litauer halten die doppelte Preisauszeichnung im Allgemeinen für ein nützliches Instrument, das Preisvergleiche erleichtert und gestattet, sich an das Denken in der neuen Währung zu gewöhnen. Bei einer im Januar durchgeführten Umfrage der Kommission waren mehr als zwei Drittel der befragten Litauer (67 %) der Ansicht, dass die doppelte Preisauszeichnung nach der Umstellung nützlich ist. Mehr als drei Viertel der litauischen Bürger (77 %) haben den Eindruck, dass die doppelte Preisauszeichnung korrekt oder meistens korrekt umgesetzt wurde, womit Litauen im Vergleich zu vorherigen Umstellungen den niedrigsten Anteil von Befragten aufweist, die der Ansicht waren, dass die doppelte Preisauszeichnung korrekt oder meistens korrekt umgesetzt wurde.
Bezüglich der Preisumrechnung war fast die Hälfte der Befragten (47 %) der Ansicht, dass diese korrekt war. Dieses Ergebnis befindet sich ungefähr in der Mitte zwischen den Ergebnissen bei vorherigen Umstellungen.
Mit der Kampagne „Memorandum für die gute Geschäftspraxis nach Einführung des Euro“, die am 18. August 2014 startete, wurden Unternehmen aufgefordert, die Umstellung nicht zum eigenen Vorteil auszunutzen, die Umstellungsregeln zu beachten und ihren Kunden die nötige Hilfestellung zukommen zu lassen. Die Kampagne folgt dem Vorbild der freiwilligen Initiativen bei früheren Umstellungen und wird vom Wirtschaftsministerium durchgeführt. Die Unterzeichner der Kampagne sind berechtigt, ein spezielles Logo zu verwenden, mit dem sie ihre Teilnahme an der Kampagne dokumentieren. Bis 7. Januar 2015 hatten sich mehr als 5 000 Unternehmen, die Waren oder Dienstleistungen an Kunden verkaufen, dem Memorandum angeschlossen, darunter 13 639 Verkaufsstellen. Damit beteiligen sich ca. 90 % aller litauischen Einzelhändler. Die Kampagne zu einer fairen Preisgestaltung ist eine sehr wichtige Initiative, um potenziellem Preismissbrauch vorzubeugen und einer falschen Preiswahrnehmung gegenzusteuern. Im Vergleich zur Gesamtzahl an Unternehmen, die sich an der Initiative bei der Umstellung in Lettland beteiligt hatten, und zu den Erfahrungen bei früheren Umstellungen wurde das angestrebte Ziel klar erreicht.
Seit dem 1. Oktober 2014 konnten die Verbraucher Beschwerden über eine Verletzung der Regeln zur Preisauszeichnung über eine eigens eingerichtete Hotline, per E-Mail oder durch Kennzeichnung der betreffenden Verkaufsstelle oder des Dienstleistungsanbieters auf einer interaktiven Karte auf der Website von Verbraucherverbänden übermitteln. Beschwerden werden innerhalb von spätestens 48 Stunden nach der Einreichung der Beschwerde verfolgt. Die von den Bürgern vorgebrachten Beschwerden bezogen sich hauptsächlich auf Aspekte wie die Preisauszeichnung und die Anwendung der Regeln zur Auf- und Abrundung. Alle Anfragen und Beschwerden werden von den zuständigen Behörden sorgfältig bearbeitet.
Dennoch sind die Litauer weiterhin über die Auswirkungen des Euro auf die Preise und eine missbräuchliche Preisgestaltung besorgt
. Aus diesem Grund wird empfohlen, die Beobachtung der doppelten Preisauszeichnung, der korrekten Umrechnung, der Auf- und Abrundungsregeln und der allgemeinen Preisentwicklung um einige Monate zu verlängern.
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Litauen hat die doppelte Preisauszeichnung und eine Initiative zur gerechten Preisgestaltung in Einklang mit den Empfehlungen der Kommission umgesetzt
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Die Teilnahme an der Initiative zur gerechten Preisgestaltung war im Vergleich mit früheren Umstellungen auf den Euro recht hoch.
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4.Preisentwicklungen und Preisempfinden
Der Euro-Umstellung ging in Litauen ein Zeitraum sehr geringer und zeitweise negativer Inflation voraus. Die Deflation war in erster Linie auf die Energiekomponente sowie in geringerem Ausmaß auf sonstige Industrieerzeugnisse zurückzuführen. Diese Trends ähneln denen, die in den aggregierten Daten des Euro-Währungsgebiets und in den Nachbarländern Litauens beobachtet werden können.
Gemäß einer vor kurzem durchgeführten Umfrage der Kommission ist die Mehrheit der Litauer (58 %) der Ansicht, dass der Euro die Inflation in ihrem Land verstärken wird (im Vergleich zu 57 % der Letten und 55 % der Esten unmittelbar nach der entsprechenden Umstellung). Etwa ein Viertel der Befragten (26 %) glaubt, dass der Beitritt zum Euro-Währungsgebiet Litauen bei der Wahrung der Preisstabilität unterstützen wird. Bei den beiden vorherigen Umstellungen auf den Euro war dieser Anteil niedriger (Estland: 21 %, Lettland 19 %).
In Einklang mit der üblichen Vorgehensweise nach der Euro-Einführung in anderen Mitgliedstaaten plant Eurostat die Vorbereitung einer Bewertung der Preisentwicklungen nach der Euro-Umstellung in Litauen, sobald ausreichende Daten zur Verfügung stehen.
5.Kommunikation zum Euro
Gemäß dem Beschluss des Rates vom 23. Juli 2014 leiteten die litauischen Behörden die intensive Phase der Kommunikationsmaßnahmen in Bezug auf die Euro-Umstellung ein.
In der „Kommunikationsstrategie zur Euro-Umstellung in Litauen“, deren endgültige Fassung mit der Resolution Nr. 604 der Regierung der Republik Litauen vom 24. Juni 2013 genehmigt wurde, wurden die Leitlinien für die Informationskampagne im Zusammenhang mit der Euro-Einführung festgelegt. Quantitativ sollte mit der Kampagne sichergestellt werden, dass 80 % aller Einwohner sich hinsichtlich der praktischen Aspekte der Euro-Umstellung gut informiert fühlen.
Auf der Grundlage eines Partnerschaftsrahmenvertrags und einer anschließend zwischen dem litauischen Finanzministerium und der Europäischen Kommission unterzeichneten Finanzhilfevereinbarung trug die Europäische Kommission zur Umsetzung der Kommunikationsstrategie bei, indem sie bis zu 50 % der förderfähigen Kosten der Kommunikationsmaßnahmen erstattete. Die durch das Finanzministerium koordinierte Kommunikationskampagne beinhaltete eine Mischung aus verschiedenen Kommunikationsinstrumenten (Postwurfsendungen an die Haushalte, Seminare und Schulungen, soziale Medien, Fernseh- und Printmedienkampagne) und zielte auf verschiedene Gruppen ab (allgemeine Öffentlichkeit, Schulkinder, benachteiligte Gruppen, Unternehmen). Ergänzende Kommunikationsmaßnahmen wurden von der Bank von Litauen, dem Wirtschaftsministerium, der staatlichen Verbraucherschutzbehörde, dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft und anderen öffentlichen und privaten Einrichtungen durchgeführt.
Regelmäßige Seminare, Workshops und regionale Veranstaltungen wurden für Unternehmen, Personen, die mit Bargeld arbeiten, und benachteiligte Gruppen durchgeführt, um sich aus der Euro-Umstellung ergebende Fragen zu klären. Um möglichst viele litauische Bürger zu erreichen, tourte ein Eurobus bis November 2014 durch die 60 Kommunen. Mehrere Maßnahmen zielten auf Menschen mit Seh- und Hörbehinderungen ab, und zwar durch Schulungen zum Design der neuen Banknoten und Münzen, zu den Sicherheitsmerkmalen und den allgemeinen Modalitäten der Umstellung.
Im Juli 2014 startete eine Massenmedienkampagne mit Fernsehspots, die auf die Einbindung der Öffentlichkeit abzielten und die praktischen Aspekte des Umstellungsprozesses auf den Euro erläuterten. Die Kampagne wurde durch Werbung in den Printmedien, im Radio, im Internet und auf Außenflächen ergänzt. Im Rahmen der Medienauswahl wurde insbesondere berücksichtigt, dass benachteiligte Gruppen in abgelegenen Gebieten, Menschen mit Behinderungen und nationale Minderheiten erreicht werden sollten.
Im Oktober 2014 wurden Postwurfsendungen in litauischer, polnischer und russischer Sprache an alle Haushalte in Litauen verschickt, in denen es um praktische Fragen der Euro-Umstellung ging.
Das Finanzministerium und die Europäische Kommission führten zudem mehrere gemeinsame Kommunikationsmaßnahmen durch: Euro-Feierlichkeiten und ein Seminar für litauische Journalisten im Juli 2014, eine Konferenz über die Euro-Umstellung im September 2014 (gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank und der Bank von Litauen) sowie verschiedene Aktionen für Journalisten und Schulen in Litauen. Darüber hinaus stellte die Kommission den litauischen Behörden einschlägige Publikationen für die Öffentlichkeit zur Verfügung.
Um Synergien zu verstärken und die Wirkung der Maßnahmen der Kommunikationskampagne zu optimieren, starteten die Europäische Zentralbank und die Bank von Litauen im November 2014 eine gemeinsame Informationskampagne, bei der verschiedene Medien zum Einsatz kamen (Werbung im Fernsehen, in den Printmedien, im Internet und auf Außenflächen sowie anderes Informationsmaterial) und die sich auf die visuelle Erscheinung der Euro-Banknoten und -Münzen, die Sicherheitsmerkmale sowie auf die wesentlichen Daten und Termine der Umstellung konzentrierte.
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Die Kommunikationskampagne zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit trug zu einer reibungslosen Euro-Umstellung bei. Das Ziel, dass sich 80 % der litauischen Bürger ausreichend über den Euro informiert fühlen, kann als erreicht gelten, da sich eine deutliche Mehrheit der Litauer (92%) als informiert und 34 % davon sogar als sehr gut informiert bezeichnen, wohingegen sich nur 6 % nicht gut informiert fühlen.
Gemäß einer für die Bank von Litauen durchgeführten Umfrage stellen nunmehr fast 70 % der befragten Bürger Litauens fest, dass sie die Euro-Einführung in ihrem Land begrüßen, während die Zustimmung im April und September 2014 bei ca. 47 % lag (Eurobarometer-Zahlen
). Damit sich dieser Trend fortsetzt, wird empfohlen, die Informationsanstrengungen angemessen fortzusetzen und die Entwicklung der öffentlichen Meinung über den Euro weiter zu beobachten.
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