52014DC0531

BERICHT DER KOMMISSION AN DEN RAT UND DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT über die Tätigkeiten des Europäischen Forschungsrates und die Verwirklichung der im spezifischen Programm „Ideen“ festgesetzten Ziele im Jahr 2013 /* COM/2014/0531 final */


BERICHT DER KOMMISSION AN DEN RAT UND DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT

über die Tätigkeiten des Europäischen Forschungsrates und die Verwirklichung der im spezifischen Programm „Ideen“ festgesetzten Ziele im Jahr 2013

1. Einleitung und Rechtsgrundlage

Die Hauptaufgabe des Europäischen Forschungsrats (ERC), der durch den Beschluss 2007/134/EG der Kommission[1] eingerichtet wurde, ist die Durchführung des spezifischen Programms „Ideen“, das mit einem Gesamtbudget von 7,51 Milliarden EUR ausgestattet ist.

Der ERC besteht aus einem unabhängigen Wissenschaftlichen Rat, der von einem ihm zugeordneten Durchführungsgremium, der ERC-Exekutivagentur (ERCEA), unterstützt wird, die im Rahmen der allgemeinen Regelung für Exekutivagenturen[2] eingerichtet wurde. Die Zuständigkeit für die Durchführung des Programms „Ideen“ und die Unterstützung des Wissenschaftlichen Rates wurden im Jahr 2008 von der Kommission an die Agentur übertragen. Im Juli 2009 wurde die Agentur eine eigenständige Einrichtung.

Gemäß Artikel 4 Absatz 4 und Anhang I der Entscheidung des Rates über das spezifische Programm „Ideen“ enthält dieser Jahresbericht der Kommission, der in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Rat des ERC und der ERC-Exekutivagentur erstellt wurde, die Bewertung der vom ERC durchgeführten Tätigkeiten und der Umsetzung seiner Ziele im Jahr 2013 durch die Kommission. Dieser Bericht wird durch einen Bericht des Wissenschaftlichen Rates über die wissenschaftliche Durchführung und die Programmergebnisse im Jahr 2013 ergänzt[3].

2 Strategische Angelegenheiten

Der Wissenschaftliche Rat ist für die Festlegung der wissenschaftlichen Strategie des ERC verantwortlich und erstellt das wichtigste Strategiepapier des ERC, das jährliche Arbeitsprogramm „Ideen“.

2.1 Arten von Maßnahmen

Der Kern des Arbeitsprogramms „Ideen“ besteht aus zwei Arten von Finanzhilfen:

Starting Grants zur Förderung von Nachwuchsforschern, die Arbeitsbedingungen gewährleisten sollen, die es den Empfängern ermöglichen, unabhängige Spitzenforscher zu werden.

Advanced Grants zur Förderung herausragender, etablierter Spitzenforscher, die diesen die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellen sollen, damit sie die Arbeit ihrer Teams fortsetzen und auf neue Durchbrüche in ihrem Gebiet hinarbeiten können.

Im Jahr 2012 führte der Wissenschaftliche Rat – als zweijährige Pilotprojekte – die so genannten Synergy Grants ein, die sich an kleine Gruppen von Hauptforschern und ihre Teams richten. Die Synergy Grants werden nicht Konsortien, sondern einzelnen Forschern gewährt, deren sich gegenseitig ergänzende Fähigkeiten, Kenntnisse und Ressourcen sie in die Lage versetzen, gemeinsam Forschungsfragen in Pionierbereichen zu untersuchen und damit über das hinauszugehen, was einzelne Forscher alleine erreichen könnten. Synergy Grants unterliegen dem strengen ERC-Ansatz der ausschließlichen Förderung von herausragenden Kompetenzen und können aus allen wissenschaftlichen und akademischen Bereichen beantragt werden.

Eine zusätzliche Fördermöglichkeit Proof of Concept (Finanzhilfen für den Konzeptnachweis) richtet sich an ERC-Finanzhilfeempfänger und soll der Ermittlung des Innovationspotenzials dienen, das sich aus den Ideen ihrer ERC-geförderten Projekte ergibt. Diese Finanzhilfe schließt eine Finanzierungslücke im frühesten Stadium des Innovationsprozesses.

2.2 Arbeitsprogramm 2013 des spezifischen Programms „Ideen“

Das Arbeitsprogramm 2013 für das spezifische Programm „Ideen“ wurde am 12. März 2012 vom Wissenschaftlichen Rat aufgestellt und am 9. Juli 2012 von der Kommission angenommen[4].

Im Jahr 2013 wurden angesichts der rasch zunehmenden Zahl der Anträge für Starting Grants zwei getrennte Aufforderungen veröffentlicht, für „Anfänger“ („starters“) und „Konsolidierer“ („consolidators“). Consolidator Grants unterstützen Forscher, die sich noch in einem relativ frühen Stadium ihrer Laufbahn befinden (7 bis 12 Jahre nach der Promotion), aber bereits mit ihrer eigenen Forschungsgruppe arbeiten; „Starters“ befinden sich in einem noch früheren Stadium (2 bis 7 Jahre nach der Promotion) auf dem Weg zur Unabhängigkeit in der Forschung.

Darüber hinaus formalisiert der Wissenschaftliche Rat sein Vorgehen bei wissenschaftlichem Fehlverhalten.

2.3 Methodik für das Gutachterverfahren (Peer Review)

Die Bewertung des ERC stützt sich auf ein System hochrangiger Gutachtergremien, deren Mitglieder vom Wissenschaftlichen Rat ausgewählt werden. Beteiligt sind Wissenschaftler, Ingenieure und Akademiker aus EU-Ländern und Ländern außerhalb der EU. Diese Gremien decken alle Forschungsdisziplinen ab und sind in drei Hauptforschungsbereiche aufgeteilt: Physik und Ingenieurwissenschaften, Biowissenschaften, Sozial- und Geisteswissenschaften. Genauso wie bei früheren Aufforderungen waren 25 Gutachtergremien für alle Starting Grants, Consolidator Grants und Advanced Grants tätig. Die Vorschläge für Proof of Concept wurden durch ein eigenes Gremium aus Gutachtern bewertet, die im Fernverfahren arbeiteten. Diese Sachverständigen wurden aufgrund ihrer Vertrautheit mit der Unterstützung von Projekten im Hinblick auf deren Marktnähe oder die Erfüllung gesellschaftlicher Bedürfnisse ausgewählt. Die ERC Synergy Grants wurden von fünf verschiedenen Gremien in einem zweistufigen Bewertungsverfahren, das speziell für diesen Zweck konzipiert wurde, bewertet.

3. Programmdurchführung

Im Jahr 2013 verwaltete die Exekutivagentur des ERC ihr bisher größtes operatives Budget. Die Mittel für Verpflichtungen beliefen sich auf 1,8 Mrd. EUR und die Mittel für Zahlungen auf 1,1 Mrd. EUR. Sowohl die Mittel für Zahlungen als auch die Mittel für Verpflichtungen waren Ende 2013 vollständig aufgebraucht.

3.1 Finanzhilfen

Seit dem Arbeitsprogramm 2008 beinhalten die ERC-Aufforderungen ein einstufiges Einreichungsverfahren, für das die Bewerber ihren vollständigen Vorschlag einreichen müssen, sowie eine zweistufige Bewertung.

Finanzhilfen werden je nach Höhe der verfügbaren Mittel für die besten Vorschläge gewährt. Das Angebot erfolgt auf der Grundlage des Vorschlags und der im Rahmen der Gutachterbewertung empfohlenen Fördersumme.

3.1.1 ERC Starting Grants 2013

Die Aufforderung 2013 für ERC Starting Grants wurde im Juli 2012 veröffentlicht, die vorläufigen Haushaltsmittel betrugen 398 Mio. EUR. Von den insgesamt 3329 eingegangenen Vorschlägen entfielen auf die einzelnen Bereiche: 1486 auf Physik und Ingenieurwissenschaften (45 %), 1073 auf Biowissenschaften (32 %) und 770 auf Sozial- und Geisteswissenschaften (23 %). Insgesamt wurden 300 Vorschläge für eine Finanzierung ausgewählt (Stand Dezember 2013). Es wurden Finanzhilfen von mehr als 430 Mio. EUR gewährt; die durchschnittliche Förderung lag bei rund 1,5 Mio. EUR.

3.1.2      ERC Consolidator Grants 2013

Die Aufforderung 2013 für ERC Consolidator Grants wurde im November 2012 veröffentlicht, die vorläufigen Haushaltsmittel betrugen 523 Mio. EUR. Von den insgesamt 3673 eingegangenen Vorschlägen entfielen auf die einzelnen Bereiche: 1668 auf Physik und Ingenieurwissenschaften (45 %), 1203 auf Biowissenschaften (33 %) und 802 auf Sozial- und Geisteswissenschaften (22 %). Insgesamt wurden 312 Vorschläge für eine Finanzierung ausgewählt (Stand Dezember 2013). Es wurden Finanzhilfen von mehr als 590 Mio. EUR gewährt; die durchschnittliche Förderung lag bei rund 1,9 Mio. EUR.

3.1.3      ERC Advanced Grants 2013

Die Aufforderung 2013 für ERC Advanced Grants wurde im Juli 2012 veröffentlicht, die vorläufigen Haushaltsmittel betrugen 662 Mio. EUR. Von den insgesamt 2408 eingegangenen Vorschlägen entfielen auf die einzelnen Bereiche: 1053 auf Physik und Ingenieurwissenschaften (44 %), 788 auf Biowissenschaften (33 %) und 567 auf Sozial- und Geisteswissenschaften (23 %). Als Ergebnis des Bewertungsprozesses wurden 289 Vorschläge für eine Förderung ausgewählt (Stand Dezember 2013). Insgesamt wurden Finanzhilfen in Höhe von 670 Mio. EUR gewährt; der durchschnittliche Betrag einer Finanzhilfe lag bei 2,4 Mio. EUR.

3.1.4      ERC Proof of Concept 2013

Die Aufforderung 2013 für ERC-Finanzhilfen für den Konzeptnachweis wurde im Januar 2013 veröffentlicht, mit einer ersten Einreichungsfrist zum 24. April, einer zweiten am 3. Oktober und einer Mittelausstattung von 10 Mio. EUR (rund die Hälfte davon für jeden dieser Termine). Insgesamt gingen zum ersten Termin 145 Vorschläge und zum zweiten 147 Vorschläge ein. Als Ergebnis des Bewertungsprozesses wurden für den ersten Termin 33 Vorschläge für eine Förderung ausgewählt, für den zweiten 34 Vorschläge.

3.1.5      ERC Synergy Grants 2013

In den Arbeitsprogrammen 2012 und 2013 führte der Wissenschaftliche Rat des ERC als Pilotprojekt eine neue Fördermöglichkeit, die ERC Synergy Grants, ein. Die Zahl der Anträge bei der zweiten Aufforderung für ERC Synergy Grants (2013) betrug 449 (gegenüber mehr als 700 im Jahr 2012). 13 Projekte wurden im Jahr 2013 für eine Finanzierung ausgewählt. Da an jedem Synergy Grant zwischen zwei und vier Hauptforscher beteiligt sind, werden mit diesen 13 Finanzhilfen 45 herausragende Forscher unterstützt. Neun der 13 ausgewählten Vorschläge waren erneut eingereichte Vorschläge aus der Aufforderung 2012. Das Gesamtbudget für die Synergy-Grants-Aufforderung 2013 betrug 150 Mio. EUR.

3.2 Zusammenarbeit zwischen dem ERC und der NSF

Nach der Unterzeichnung einer Durchführungsvereinbarung zwischen dem ERC und der National Science Foundation (NSF, USA) am 13. Juli 2012 durch die Europäische Kommission und die NSF wurden weitere Maßnahmen getroffen, um es Spitzentalenten aus den USA, die von der NSF vorausgewählt werden, zu ermöglichen, als Mitglieder von ERC-Stipendiaten-Teams einige Zeit – zwischen 6 und 12 Monaten – in Europa zu verbringen. Mit der Initiative sollen zwischen Forschern mit gemeinsamen Interessen und sich ergänzenden Stärken Verbindungen geknüpft werden, damit sie ihre Bemühungen bündeln, um die Pionierbereiche der Wissenschaft voranzubringen und die wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit zwischen den beiden Kontinenten zu vertiefen. Im Anschluss an die erste Interessenbekundung ist die Beteiligung von 12 Forschern aus den USA an Teams im Rahmen von 12 Finanzhilfen vorgesehen; eine zweite Aufforderung ist in Vorbereitung.

Eine ähnliche Vereinbarung zur Förderung der Möglichkeiten für koreanische Wissenschaftler am Anfang ihrer Laufbahn, sich Forschungsteams von ERC-Stipendiaten in Europa anzuschließen, wurde vom Ministerium für Wissenschaft, IKT und Zukunftsplanung der Republik Korea und der Europäischen Kommission am 8. November 2013 unterzeichnet.

3.3 Programmausschuss

Der Programmausschuss des spezifischen Programms „Ideen“ dient zusätzlich zu seinen formalen Pflichten als wichtiger Kommunikationskanal zwischen den Mitgliedstaaten und den mit dem Siebten Rahmenprogramm assoziierten Ländern, dem Wissenschaftlichen Rat, dem Generalsekretariat des ERC und der Kommission. Im Jahr 2013 fanden Sitzungen dieses Ausschusses am 16. April und am 15. Oktober statt.

3.4 Ethikprüfungen

Im Jahr 2013 wurden vier Vorschläge, die Forschung an humanen embryonalen Stammzellen beinhalten, im Anschluss an die Ethikprüfung und die Komitologiemaßnahmen nach dem Regelungsverfahren freigegeben. Zwei weitere Vorschläge wurden kürzlich nach der Ethikprüfung für unbedenklich befunden.

Zur Überwachung der ethischen Aspekte bei laufenden Finanzhilfen wurde im Rahmen des internen Kontrollsystems ein Ethik-Überprüfungsverfahren (Ethics Monitoring Clearance procedure) eingeführt, das gewährleistet, dass die vorgeschlagenen Forschungsmaßnahmen den ethischen Grundsätzen der Regeln für die Einreichung entsprechen. Rund 270 „Ethics Monitoring Clearance Notes“ wurden 2013 erstellt.

3.5 Rechtsmittel

Es gingen 261 Beschwerden ein; damit blieb der Prozentsatz der Beschwerdefälle bei den 2013 eingereichten Vorschlägen im Vergleich zu 2012 stabil (rund 2,5 %). Zwar waren 2 der 2013 erneut bewerteten Vorschläge erfolgreich, es ergab sich jedoch keine systembedingte Schwäche des Bewertungsverfahrens.

 

3.6 Kommunikation

Im Jahr 2013 gab es im Hinblick auf das künftige Programm Horizont 2020 wichtige Initiativen zur Erhöhung der Sichtbarkeit des ERC in Europa und darüber hinaus. Der ERC veröffentlichte mehrere Pressemitteilungen über seine Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen sowie zahlreiche Beiträge über vom ERC geförderte Forschungsarbeiten, die in den sozialen Medien aktiv propagiert wurden. Einige Anlässe waren für Kommunikationsmaßnahmen und Presseverlautbarungen besonders geeignet: die Zeremonie anlässlich der Verleihung des 3000. ERC-Stipendiums, das Weltwirtschaftsforum in Davos, das „Sommer-Davos“-Treffen in China und das gemeinsame Schreiben des ERC und des European Round Table of Industrialists (ERT) zur Unterstützung der EU-Forschungsfinanzierung. Im September veranstaltete der litauische Ratsvorsitz eine Konferenz über die Vorteile von Investitionen in die Sozial- und Geisteswissenschaften in Europa, an der der ERC aktiv beteiligt war.

Die internationale Informationskampagne „ERC goes Global“ unter der Ägide des ERC-Generalsekretärs wurde in Argentinien, Chile, Mexiko, Indien, China sowie Australien und Neuseeland fortgeführt, mit dem Ziel, die Forscher über die ERC-Förderung zu informieren und engere Beziehungen mit wichtigen Vertretern und Forschern der führenden Universitäten in diesen Ländern zu knüpfen.

Zusätzlich zu diesen Besuchen war der ERC auf wichtigen internationalen wissenschaftlichen Konferenzen, Veranstaltungen und Ausstellungen sowie auf Berufsbörsen und Workshops präsent: „European Month of the Brain“ („Europäischer Monat des Gehirns“), Tagung der Nobelpreisträger in Lindau, Konferenz der European Society for Cognitive Psychology, European Sociological Association (ESA), Europäisches Forum Alpbach, EMBO-Tagung, Jahrestreffen der Young Academy of Europe und Jahrestreffen der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in Boston im Februar 2013.

Die Nationalen Kontaktstellen (NCP) in ganz Europa, die als wichtige Informationsquelle für potenzielle Bewerber dienen, wurden über die Aufforderungen und Veranstaltungen des ERC ständig auf dem Laufenden gehalten, u. a. auch über die zweimal im Jahr stattfindenden Treffen in Brüssel (Juni bzw. November 2013). Als Ergebnis der Kampagne „ERC goes Global“ wird das Netz der Nationalen Kontaktstellen schrittweise durch Vertreter interessierter Drittländer erweitert. Zum ersten Mal wurde in Brüssel eine Ad-hoc-Sitzung für NCP außerhalb des Europäischen Forschungsraums veranstaltet.

3.7 Überwachung, Bewertung und Evaluierung des spezifischen Programms „Ideen“

Am 15. Januar 2013 feierte das ERC die Vergabe seines 3000. Stipendiums. Aus der fortlaufenden Überwachung des Programms „Ideen“ ergab sich für das Jahr 2013 Folgendes:

· Der ERC kann acht Nobelpreisträger und drei Träger von Fields-Medaillen zu seinen Finanzhilfeempfängern zählen. Insgesamt haben 134 ERC-Stipendiaten weitere hochrangige internationale wissenschaftliche Auszeichnungen und Preise erhalten.

· Über 20 000 Artikel, in denen die ERC-Förderung anerkannt wird, sind zwischen 2008 und 2013 in von Fachgutachtern geprüften renommierten Zeitschriften erschienen.

· Jeder ERC-Stipendiat beschäftigt im Durchschnitt sechs weitere Forscher und trägt so zur Ausbildung einer neuen Generation exzellenter Forscherinnen und Forscher bei.

· Aus der Analyse einer signifikanten Auswahl von Projekten geht hervor, dass etwa die Hälfte aller ERC-Teammitglieder eine Staatsangehörigkeit besitzt, die sich von der des Hauptforschers ihres Projekts unterscheidet. Darüber hinaus sind bei den ERC-Teammitgliedern fast alle Nationalitäten des Europäischen Forschungsraums (ERA) und weitere 55 Nationalitäten aus Ländern außerhalb des Europäischen Forschungsraums vertreten. Dies demonstriert die globale Attraktivität des ERC. Dieselbe Analyse belegt ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen:  Laut aktuellen Schätzungen sind etwa 38 % der Teammitglieder Frauen; dieser Anteil ist höher als der der weiblichen Stipendiaten (20 %). Der Anteil der weiblichen Teammitglieder in den Biowissenschaften sowie in den Sozial- und Geisteswissenschaften beträgt bereits 50 % aller Teammitglieder (23 % in der Physik und in den Ingenieurwissenschaften). Die meisten von ihnen sind Doktoranden oder Postdoktoranden, die am Anfang ihrer Forscherlaufbahn stehen.

· Im Juli 2012 konnte die ERC-Exekutivagentur auf drei Jahre Selbständigkeit zurückblicken; sie wurde einer externen Bewertung unterzogen, die auch eine Kosten-Nutzen-Analyse umfasste. Der Evaluierungsbericht wurde 2013 abgeschlossen und am 27. Januar 2014 an die Haushaltsbehörde (Europäisches Parlament und Rat[5]) und an den Rechnungshof[6] weitergeleitet.

4 Aufbau des Europäischen Forschungsrates 4.1 Der Wissenschaftliche Rat

Im Februar und April 2013 fand eine gestaffelte Ersetzung der Mitglieder des Wissenschaftlichen Rates statt; die neuen Mitglieder waren im vorangegangenen Jahresbericht der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament[7] bereits genannt worden.

Der Wissenschaftliche Rat hielt im Jahr 2013 fünf Plenarsitzungen ab: drei in Brüssel, eine in Bratislava (Slowakei) und eine in Utrecht (Niederlande). Die Mitglieder des Wissenschaftlichen Rats treffen sich auch in Arbeitsgruppen, die sich mit bestimmten Themen befassen: Innovation und Beziehungen mit der Industrie, offener Zugang, Internationalisierung und das ausgewogene Verhältnis von Männern und Frauen. 2013 nahm eine neue Arbeitsgruppe zu den wichtigsten Leistungsindikatoren ihre Tätigkeit auf. Sie hat die Aufgabe, einen Fahrplan zu entwickeln, mit dem die Ergebnisse des ERC, soweit dies mit diesen Instrumenten möglich ist, überwacht und bewertet werden können. Gemäß der vom Wissenschaftlichen Rat im Oktober 2012 verabschiedeten ERC-Politik bei wissenschaftlichem Fehlverhalten untersuchten die ERCEA und der Ständige Ausschuss des Wissenschaftlichen Rates für Interessenkonflikte, wissenschaftliches Fehlverhalten und ethische Fragen im Jahr 2013 zehn Fälle wissenschaftlichen Fehlverhaltens.

Die Plenarsitzungen des Wissenschaftlichen Rates und die Sitzungen seiner Mitglieder mit den ERC-Interessengruppen werden mit organisatorischer und administrativer Unterstützung der Exekutivagentur vorbereitet. Ferner bietet die Agentur Beratungs- und Analyseleistungen, um dem Wissenschaftlichen Rat die Wahrnehmung seiner in Anhang I des spezifischen Programms „Ideen“ festgelegten Aufgaben zu erleichtern und um die operativen Tätigkeiten seiner Arbeitsgruppen und ständigen Ausschüsse zu unterstützen.

Zur Pflege ihrer Kontakte zur Europäischen Kommission und zur Exekutivagentur treten der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Rates und seine Stellvertreter, der Generalsekretär des ERC und der Direktor der Agentur regelmäßig als ERC-Vorstand zusammen. An diesen Sitzungen nimmt auch die Leitung der Agentur teil. Im Jahr 2013 trat der Vorstand zehn Mal in Brüssel zusammen, und zwar insbesondere zur Vor- oder Nachbereitung der Sitzungen des Wissenschaftlichen Rates.

4.2 Die ERC-Exekutivagentur

Seit Juli 2009 ist die Agentur für alle Aspekte der administrativen Durchführung und der Programmausführung laut Arbeitsprogramm zuständig.

Die Tätigkeit der Agentur wird von einem Lenkungsausschuss beaufsichtigt, der von der Kommission ernannt wird. Der Ausschuss ist unter dem Vorsitz des Generaldirektors der GD Forschung und Innovation tätig, ihm gehören auch zwei Mitglieder des Wissenschaftlichen Rates an. 2013 hielt der Lenkungsausschuss drei Sitzungen ab und fasste Beschlüsse zum jährlichen Arbeitsprogramm der Agentur, zum Haushalt und zur Rechnungsführung sowie zu seiner Organisationsstruktur.

4.2.1 Personal der Agentur

Der Verwaltungshaushalt der Agentur sah für das Jahr 2013 die Beschäftigung von 100 Zeitbediensteten, 281 Vertragsbediensteten und 8 abgeordneten nationalen Sachverständigen vor, d. h. von insgesamt 389 Bediensteten. Ende Dezember 2013 beschäftigte die Agentur insgesamt 379 Bedienstete: 99 Zeitbedienstete, 270 Vertragsbedienstete und 10 abgeordnete nationale Sachverständige.

Nach der Statistik von Dezember 2013 beschäftigt die Agentur rund 35 % Männer und 65 % Frauen. Beim hoch spezialisierten Personal (Zeit- und Vertragsbedienstete der Funktionsgruppe IV) sind 59 % der Stellen von Frauen besetzt. Ende 2013 beschäftigte die ERC-Exekutivagentur Staatsangehörige von 25 Mitgliedstaaten.

5 Schlussfolgerungen und Aussichten für den ERC im Rahmen von Horizont 2020

2013 veröffentlichte der ERC erstmals seit seiner Gründung in einem Jahr vier umfangreiche Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen, die mit einem Budget von insgesamt 1,8 Mrd. EUR ausgestattet waren und auf deren Grundlage europaweit Finanzhilfen für 900 Projekte vergeben wurden. Mit bislang über 4000 Finanzhilfeempfängern und einer ständig wachsenden Zahl von Antragstellern hat der ERC bereits eine Fülle von Entdeckungen, neuen Erkenntnissen und Ideen hervorgebracht. In den sechs Jahren seines Bestehens hat er einen weltweit guten Ruf erlangt und wurde schnell zu einer Referenz für hervorragende Pionierforschung in Europa.

2013 wurde auch der nächste mehrjährige Finanzrahmen der EU konsolidiert und abgeschlossen. Darüber hinaus wurde das nächste Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, Horizont 2020, verabschiedet. Mit der Aufstockung des ERC-Haushalts wurde die Erfolgsgeschichte des ERC anerkannt, der zur europäischen Integration beiträgt und seine Position in der weltweiten Forschungslandschaft behauptet.

Wie bereits im letzten Jahresbericht angekündigt und entsprechend den Empfehlungen der ERC-Task Force, die in ihre Vorschläge für Horizont 2020 eingeflossen sind, hat die Kommission ein hochrangiges, unabhängiges Komitee für die Wahl des nächsten ERC-Präsidenten eingesetzt[8]. Auf der Grundlage von Horizont 2020 wird der ERC-Präsident, der auch die Aufgabe des ERC-Generalsekretärs übernimmt, seinen Sitz in Brüssel haben und seine Zeit überwiegend den ERC-Tätigkeiten widmen. Das Auswahlkomitee unter dem Vorsitz von Lord Sainsbury of Turville legte im Juli 2013 der Kommission seinen Bericht vor, auf dessen Grundlage Professor Jean-Pierre Bourguignon als erster ERC-Präsident im Rahmen von Horizont 2020 benannt wurde[9].

Der Rechtsrahmen für den ERC wurde auf der Grundlage von Horizont 2020 im Dezember 2013 mit Kommissionsbeschluss 2013/C 373/09 festgelegt[10], mit dem auch drei neue Mitglieder für den Wissenschaftlichen Rat ernannt wurden: Professor Nils Christian Stenseth (Centre for Ecological and Evolutionary Synthesis, Universität Oslo), Professor Martin Stokhof (Department of Philosophy, Faculty of Humanities, Universität Amsterdam) und Professor Michel Wieviorka (Fondation Maison des sciences de l’homme, École des hautes études en sciences sociales, Paris). Schließlich erneuerte die Kommission mit Beschluss 2013/779/EU[11] das Mandat der ERC-Exekutiv-Agentur.

[1]               ABl. L 57 vom 24.2.2007, S. 14.

[2]               2008/37/EG: Beschluss der Kommission vom 14. Dezember 2007 zur Einsetzung der „Exekutivagentur des Europäischen Forschungsrats“ für die Verwaltung des spezifischen Gemeinschaftsprogramms „Ideen“ auf dem Gebiet der Pionierforschung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 58/2003 des Rates (ABl. L 9 vom 12.1.2008, S. 15).

[3]               erc.europa.eu/sites/default/files/publication/files/erc_annual_report_2013.pdf

[4]               C(2012) 4562 vom 9.7.2012, nicht veröffentlicht.

[5]               Ares(2014) 181203

[6]               Ares(2014) 181052

[7]               KOM(2013) 318 vom 30.5.2013.

[8]               http://europa.eu/rapid/press-release_IP-12-1393_de.htm

[9]               http://europa.eu/rapid/press-release_IP-13-1393_de.htm

[10]             ABl. C 373 vom 20.12.2013, S.23.

[11]             ABl. L 346 vom 20.12.2013, S. 58.