MITTEILUNG DER KOMMISSION TO THE EUROPEAN PARLIAMENT, THE COUNCIL AND THE EUROGROUP Ergebnisse der vertieften Überprüfungen nach Verordnung (EU) Nr. 1176/2011 über die Vermeidung und Korrektur makroökonomischer Ungleichgewichte /* COM/2014/0150 final */
Diese
Mitteilung ist eine zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse der vertieften
Überprüfungen (in-depth reviews – IDR), mit denen festgestellt wird, ob in
Mitgliedstaaten Ungleichgewichte oder übermäßige Ungleichgewichte
bestehen. (*) Ferner
wird in dieser Mitteilung dargelegt, was diese makroökonomischen
Ungleichgewichte für das Euro-Währungsgebiet bedeuten und wie einzelne
politische Herausforderungen mit Blick auf das gesamte Euro-Währungsgebiet
angegangen werden müssen. Als Beitrag zur integrierten Überwachung werden in
der Mitteilung auch finanzpolitische Entwicklungen erörtert: Für die
betroffenen Ländern aktualisiert die Kommission ihre Bewertung vom
November 2013, die sie im Zusammenhang mit den Übersichten über die
Haushaltsplanung abgegeben hat.(**) Gegenstand
der vertieften Überprüfungen sind die wichtigsten Merkmale der
mitgliedstaatlichen Volkswirtschaften, insbesondere die Entwicklung der
folgenden Variablen: Außenhandelsbilanz, Spareinlagen und Investitionen,
effektive Wechselkurse, Exportmarktanteile, kostenabhängige und
kostenunabhängige Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität, Verschuldung des
privaten und des öffentlichen Sektors, Wohnimmobilienpreise, Kreditflüsse,
Finanzsysteme und Arbeitslosigkeit. Bei der Bewertung der Ungleichgewichte bzw.
der übermäßigen Ungleichgewichte wird auf die Lage der jeweiligen
Volkswirtschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt, die spezifische Problemlage
sowie, falls angebracht und zweckmäßig, die jüngsten politischen Maßnahmen
Bezug genommen. Aus
den Berichten geht hervor, dass sich die Herausforderungen für die
EU-Volkswirtschaften geändert haben. Als das Verfahren bei einem
makroökonomischen Ungleichgewicht (VMU) eingeführt wurde und während der ersten
Runden der Umsetzung ging es vor allem darum, die unhaltbaren
Leistungsbilanzdefizite, den Verlust an Wettbewerbsfähigkeit infolge vormals
sehr dynamischer Arbeitskosten, die hohe Verschuldung des privaten Sektors und
die hohen Wohnimmobilienpreise in den Griff zu bekommen. Heute stehen auch
folgende, länderübergreifend wichtigen Aspekte im Vordergrund: die Auswirkung
des Verschuldungsabbaus in vielen Ländern auf das mittelfristige Wachstum, die
Tragfähigkeit der Verschuldung des privaten und des öffentlichen Sektors und
der Auslandsverbindlichkeiten bei gleichzeitig sehr niedriger Inflation, die
Notwendigkeit, in fragilen Volkswirtschaften und trotz eines fragmentierten
Finanzsystems für eine angemessene Kreditvergabe für rentable
Wirtschaftstätigkeiten, insbesondere in Bezug auf nicht-handelbare Güter, zu sorgen,
und die sehr hohe Arbeitslosigkeit in vielen Volkswirtschaften. Im
Zuge der vertieften Überprüfungen hat die Kommission in den folgenden Ländern
Ungleichgewichte festgestellt: Belgien, Bulgarien, Deutschland,
Irland, Spanien, Frankreich, Kroatien, Italien,
Ungarn, Niederlande, Slowenien, Finnland, Schweden
und Vereinigtes Königreich. Dabei wurden für Kroatien, Italien
und Slowenien übermäßige Ungleichgewichte verzeichnet. Nach Auffassung der
Kommission hat sich in Spanien im letzten Jahr ein signifikanter Wandel
vollzogen, so dass in Anbetracht der derzeitigen Trends die Ungleichgewichte im
Laufe der Zeit weiter abnehmen dürften. Während daraus einerseits geschlossen
werden kann, dass es sich nicht mehr um übermäßige Ungleichgewichte im Sinne
des VMU handelt, sei an dieser Stelle dennoch unterstrichen, dass nach wie vor
erhebliche Risiken bestehen. Die
diese Ungleichgewichte bedingenden Faktoren und die mit diesen
Ungleichgewichten verbundenen Risiken sind je nach Volkswirtschaft
unterschiedlich gelagert. Die politischen Maßnahmen müssen auf die spezifischen
volkswirtschaftlichen Herausforderungen zugeschnitten und durch geeignete
Monitoring-Mechanismen begleitet werden. Im Einklang mit den Empfehlungen des
Rates an die Mitglieder des Euro-Währungsgebiets plant die Kommission ein
spezielles Monitoring für die politischen Maßnahmen, die der Rat den
Mitgliedstaaten mit übermäßigen Ungleichgewichten (Kroatien, Italien und
Slowenien) sowie den Ländern mit Ungleichgewichten, die durchgreifender
Maßnahmen bedürfen (Irland, Spanien und Frankreich),
empfohlen hat. (***) Im
Falle Irlands und Spaniens werden für dieses
Monitoring die Ergebnisse der Überwachung nach Abschluss des
Anpassungsprogramms herangezogen. Für
Dänemark und Malta ist die Kommission zu dem Schluss gekommen,
dass sich die Risiken im Vergleich zum Vorjahr abgeschwächt haben bzw. besser
kontrolliert werden. Für diese beiden Länder wurden keine Ungleichgewichte im
Sinne des VMU mehr ermittelt. Auch wenn einige Bereiche der luxemburgischen Volkswirtschaft,
einschließlich des großen Finanzsektors, weiterhin aufmerksam beobachtet werden
sollten, stellen sie nicht mehr Ungleichgewichte im Sinne des VMU dar. (****). Angesichts
der Konsolidierung des Aufschwungs und einer entschlossenen Umsetzung der politischen
Maßnahmen dürften sich die Ungleichgewichte und übermäßigen Ungleichgewichte
auch in anderen Volkswirtschaften in den kommenden Jahren abschwächen. Da es
sich bei Ungleichgewichten jedoch um langfristige Phänomene handelt, bedarf es
einer gewissen Zeit, bis sich die geeigneten politischen Maßnahmen in einem
wirklichen Abbau der makroökonomischen Risiken, die Gegenstand der
VMU-Überwachung sind, niederschlagen. Werden über mehrere Jahre
Ungleichgewichte oder übermäßige Ungleichgewichte in einer Volkswirtschaft
ausgewiesen, wird damit also kein Urteil über die politischen Entscheidungen
gefällt, sondern vielmehr darauf aufmerksam gemacht, dass weiterhin Risiken
bestehen und große Wachsamkeit in Bezug auf Ungleichgewichte und die Umsetzung
diesbezüglicher Maßnahmen geboten ist. In diesem Zusammenhang sei außerdem
darauf hingewiesen, dass die anhaltenden Ungleichgewichte in einigen Ländern
auf die langsame Umsetzung der länderspezifischen Empfehlungen im Rahmen des
Europäischen Semesters zurückzuführen sind. In
Bezug auf die finanzpolitische Entwicklung ist festzustellen, dass sich dank
der weiteren Konsolidierungsmaßnahmen die Lage sowohl in der EU als auch im
Euro-Währungsgebiet weiter verbessert hat. Angesichts der jüngsten Prognosen
bestehen jedoch Zweifel, ob die Konsolidierungsanstrengungen in Frankreich
und Slowenien durchschlagend genug sind, um eine den Zielvorgabe
entsprechende Korrektur der übermäßigen Defizite zu gewährleisten. Deshalb
richtet die Kommission nach Artikel 11 der Verordnung (EU) Nr. 473/2013
Empfehlungen an diese beiden Mitgliedstaaten. Die
Kommission erwartet von den Mitgliedstaaten, dass sie den Ergebnissen der
vertieften Überprüfungen und den Prognosen zur Entwicklung der öffentlichen
Finanzen in ihren nationalen Reformprogrammen (NRP) und ihren Stabilitäts- bzw.
Konvergenzprogrammen (SP bzw. KP) Rechnung tragen. So sollten die
Mitgliedstaaten mit übermäßigen Ungleichgewichten in ihren nächsten NRP, SP und
KP umfassend und detailliert darlegen, wie sie diese Ungleichgewichte politisch
und praktisch anzugehen gedenken. Die Kommission bietet diesen Mitgliedstaaten
unter uneingeschränkter Achtung der nationalen Verfahren eine enge und
Zusammenarbeit bei der Ausarbeitung der erforderlichen Maßnahmen an. Von den
beiden Mitgliedstaaten, an die in dieser Mitteilung die Empfehlung gerichtet
wird, für eine den Zielvorgaben entsprechende Korrektur der übermäßigen
Defizite zu sorgen, wird erwartet, dass sie in ihrem SP in einem getrennten
Kapitel erläutern, welche Maßnahmen ergriffen werden, um dieser Empfehlung
nachzukommen. Die Kommission wird die NRP, SP und KP aller Mitgliedstaaten im
Juni 2014 im Rahmen des Europäischen Semesters für die Koordinierung der
Wirtschaftspolitik prüfen, um festzustellen, ob sie den Herausforderungen gerecht
werden. Sollte die Kommission bei Mitgliedstaaten mit übermäßigen
Ungleichgewichten (Italien, Kroatien, Slowenien) zu dem Schluss kommen, dass
die vorgeschlagenen politischen Maßnahmen in Anbetracht der Herausforderungen
nicht angemessen sind, würde sie dem Rat empfehlen, dass die betreffenden
Mitgliedstaaten im Rahmen der korrektiven Komponente des VMU Korrekturmaßnahmen
vorsehen müssen. Falls erforderlich werden dann Anfang Juni im Rahmen des
Verfahrens bei einem übermäßigen Defizit (VÜD) weitere Verfahrensschritte
eingeleitet. _______________ (*)
Diese Mitteilung entspricht Artikel 6 Absatz 1 und Artikel 7
Absatz 1 der Verordnung (EU) Nr. 1176/2011, wonach die Kommission das
Europäische Parlament, den Rat und die Euro-Gruppe über die Ergebnisse der
vertieften Überprüfungen zu unterrichten hat. Die Berichte über die vertieften
Überprüfungen von siebzehn Mitgliedstaaten werden zeitgleich mit dieser
Mitteilung veröffentlicht (siehe European Economy – Occasional Papers).
Ungleichgewichte im Sinne des Verfahrens bei makroökonomischen
Ungleichgewichten (VMU) sind Trends, die zu makroökonomischen Entwicklungen
führen, die sich nachteilig auf das ordnungsgemäße Funktionieren der Wirtschaft
eines Mitgliedstaats oder der Währungsunion oder der Union insgesamt auswirken.
Übermäßige Ungleichgewichte hingegen sind beträchtliche Ungleichgewichte,
einschließlich Ungleichgewichte, die das ordnungsgemäße Funktionieren der
Wirtschafts- und Währungsunion gefährden könnten. (**)
KOM(2013) 900 vom 15.11.2013. (***)
Siehe die länderspezifische Empfehlung Nr. 5 in der Empfehlung 2013/217/EU
des Rates vom 9. Juli 2013 (ABl. C 217 vom 30.7.2013, S. 97). (****)
Im Warnmechanismusbericht vom November 2013 kam die Kommission zu dem Schluss,
dass für die Tschechische Republik, Estland, Lettland, Litauen, Österreich,
Polen und die Slowakei keine speziellen Maßnahmen im Rahmen des VMU
erforderlich waren. Für diese Länder wird die makroökonomische Überwachung im
Rahmen des Europäischen Semesters fortgesetzt. Außerdem kommt das VMU nicht in
den Mitgliedstaaten zur Anwendung, die makroökonomische Anpassungsprogramme
durchführen und dafür finanzielle Hilfe erhalten. Dies gilt für Griechenland,
Zypern, Portugal und Rumänien. Ein vertieftes Monitoring der Ungleichgewichte
und politischen Maßnahmen in diesen Ländern erfolgt im Rahmen ihrer jeweiligen
Programme. Übersicht
Integrierte Überwachung der makroöknomischen Ungleichgewichte und der
Haushaltsungleichgewichte
Mitgliedstaaten, für die ein Bericht über die vertiefte
Überprüfung erstellt wurde || VMU || SWP Ergebnis || Folgemaßnahmen BE || Ungleichgewicht || Empfehlungen zur Annahme im Rahmen des Europäischen Semesters, u.a. auch zu VMU-bezogenen Fragen || Übermäßiges Defizit, Frist für die Korrektur: 2013 BG || Ungleichgewicht || Empfehlungen zur Annahme im Rahmen des Europäischen Semesters, u.a. auch zu VMU-bezogenen Fragen || Mittelfristiges Ziel (MTO) noch nicht erreicht DE || Ungleichgewicht || Empfehlungen zur Annahme im Rahmen des Europäischen Semesters, u.a. auch zu VMU-bezogenen Fragen || Mittelfristiges Ziel (MTO) übererfüllt DK || Kein Ungleichgewicht || Empfehlungen zur Annahme im Rahmen des Europäischen Semesters || Übermäßiges Defizit, Frist für die Korrektur: 2013 IE || Ungleichgewicht || Empfehlungen zur Annahme im Rahmen des Europäischen Semesters, u.a. auch zu VMU-bezogenen Fragen Spezielles Monitoring: Überwachung nach Abschluss des Anpassungsprogramms || Übermäßiges Defizit, Frist für die Korrektur: 2015 ES || Ungleichgewicht || Empfehlungen zur Annahme im Rahmen des Europäischen Semesters, u.a. auch zu VMU-bezogenen Fragen Spezielles Monitoring: Überwachung nach Abschluss des Anpassungsprogramms || Übermäßiges Defizit, Frist für die Korrektur: 2016 FR || Ungleichgewicht || Empfehlungen zur Annahme im Rahmen des Europäischen Semesters, u.a. auch zu VMU-bezogenen Fragen Spezielles Monitoring erforderlich || Übermäßiges Defizit, Frist für die Korrektur: 2015 Die Kommission gibt heute eine Empfehlung ab(*). HR || Übermäßiges Ungleichgewicht || Empfehlungen zur Annahme im Rahmen des Europäischen Semesters, u.a. auch zu VMU-bezogenen Fragen Entscheidung über weitere Schritte im Rahmen des VMU erfolgt im Juni. Spezielles Monitoring erforderlich. || Übermäßiges Defizit, Frist für die Korrektur: 2016 IT || Übermäßiges Ungleichgewicht || Empfehlungen zur Annahme im Rahmen des Europäischen Semesters, u.a. auch zu VMU-bezogenen Fragen Entscheidung über weitere Schritte im Rahmen des VMU erfolgt im Juni. Spezielles Monitoring erforderlich. || Mittelfristiges Ziel noch nicht erreicht LU || Kein Ungleichgewicht || Empfehlungen zur Annahme im Rahmen des Europäischen Semesters || Über dem mittelfristigen Ziel HU || Ungleichgewicht || Empfehlungen zur Annahme im Rahmen des Europäischen Semesters, u.a. auch zu VMU-bezogenen Fragen || Mittelfristiges Ziel noch nicht erreicht MT || Kein Ungleichgewicht || Empfehlungen zur Annahme im Rahmen des Europäischen Semesters || Übermäßiges Defizit, Frist für die Korrektur: 2014 NL || Ungleichgewicht || Empfehlungen zur Annahme im Rahmen des Europäischen Semesters, u.a. auch zu VMU-bezogenen Fragen || Übermäßiges Defizit, Frist für die Korrektur: 2014 SI || Übermäßiges Ungleichgewicht || Empfehlungen zur Annahme im Rahmen des Europäischen Semesters, u.a. auch zu VMU-bezogenen Fragen. Entscheidung über weitere Schritte im Rahmen des VMU erfolgt im Juni. Spezielles Monitoring erforderlich. || Übermäßiges Defizit, Frist für die Korrektur: 2015 Die Kommission gibt heute eine Empfehlung ab(*). SE || Ungleichgewicht || Empfehlungen zur Annahme im Rahmen des Europäischen Semesters, u.a. auch zu VMU-bezogenen Fragen || Mittelfristiges Ziel übererfüllt FI || Ungleichgewicht || Empfehlungen zur Annahme im Rahmen des Europäischen Semesters, u.a. auch zu VMU-bezogenen Fragen || Mittelfristiges Ziel noch nicht erreicht UK || Ungleichgewicht || Empfehlungen zur Annahme im Rahmen des Europäischen Semesters, u.a. auch zu VMU-bezogenen Fragen || Übermäßiges Defizit, Frist für die Korrektur: 2014-2015 (*) Die Empfehlungen auf der Grundlage des Zweierpakets (Verordnung (EG) Nr. 473/2013) zu Maßnahmen, die eine zeitnahe Korrektur des übermäßigen öffentlichen Defizits gewährleisten sollen, betreffen nur die Mitgliedstaaten des Euro-Währungsgebiets. MTO: Mittelfristiges Ziel Mitgliedstaaten des Euro-Währungsgebiets, für die ein Bericht über die vertiefte Überprüfung erstellt wurde, sind grau unterlegt. 1. Einleitung und wichtigste Ergebnisse In den letzten
Jahren hat die wirtschaftspolitische Steuerung in der EU eine erhebliche
Stärkung erfahren. Es wurde ein kohärenter jährlicher Zyklus für die
Koordinierung der Wirtschaftspolitik geschaffen, der auch mehr Schritte für das
Euro-Währungsgebiet enthält. Das Europäische Semester spielt mittlerweile eine
zentrale Rolle für die Umsetzung der Reformen und stellt sicher, dass die
Mitgliedstaaten ihre Wirtschaftspolitik und ihre Maßnahmen zur Wachstums- und
Beschäftigungsförderung koordinieren.[1]
Zusammen mit dem
verschärften Stabilitäts- und Wachstumspakt und dessen Fokus auf tragfähige
öffentlichen Finanzen bildet das Verfahren bei makroökonomischen
Ungleichgewichten (VMU) das Herzstück der verstärkten wirtschaftspolitischen
Steuerung der EU. Mit Hilfe des VMU sollen zu einem frühen Zeitpunkt
Probleme erkannt, verhindert und korrigiert werden. Zu Beginn der vierten Runde
des Europäischen Semesters prüfte die Kommission im November 2013 auf der
Grundlage eines Scoreboard mit einer Reihe von Indikatoren alle EU-Mitgliedstaaten
auf mögliche makroökonomische Ungleichgewichte; die Ergebnisse dieser
Überprüfung sind im Warnmechanismusbericht dargelegt. Bei 16 Mitgliedstaaten
wurde festgestellt, das eine vertiefte Überprüfung erforderlich war. Auf
Ersuchen des Rates (Wirtschaft und Finanzen) wurde auch für Irland, dass sein
makroökonomisches Anpassungsprogramm erfolgreich abgeschlossen hat, eine
vertiefte Überprüfung vorgenommen. Die Kommission hat auf der Grundlage der
vertieften Überprüfungen Schlussfolgerungen zum Vorliegen von Ungleichgewichten
und deren Wesen gezogen. Die Analyse hat
ergeben, dass die makroökonomischen Ungleichgewichte, die über viele Jahre
entstanden sind, insgesamt gesehen allmählich abnehmen. In einem
Land handelt es sich nicht mehr um übermäßige Ungleichgewichte, für zwei andere
Mitgliedstaaten wurden keine Ungleichgewichte mehr festgestellt. Demgegenüber
stellen sich in einigen Mitgliedstaaten neue Probleme, die genauerer
Beobachtung bedürfen. Die Kommission erwartet, dass die drei Mitgliedstaaten,
für die sie übermäßige Ungleichgewichte festgestellt hat, schnell und mit
durchgreifenden Maßnahmen reagieren und in ihren nächsten Nationalen
Reformprogrammen und ihren Stabilitäts- und Konvergenzprogrammen umfassend und
detailliert darlegen, wie sie diese Ungleichgewichte politisch und praktisch
anzugehen gedenken. Mitgliedstaaten, für die die Kommission Ungleichgewichte
festgestellt hat, werden ersucht, die Ergebnisse der vertieften Überprüfung in
ihren Nationalen Reformprogrammen bzw. Stabilitäts- und Konvergenzprogrammen zu
berücksichtigen. Die Kommission wird im Juni auf dieser Grundlage und im Rahmen
des Europäischen Semesters Empfehlungen für Maßnahmen zur Korrektur dieser
Ungleichgewichte und zur Vermeidung neuer Ungleichgewichte abgeben. Als Teil des
kontinuierlichen Monitorings der Auflagen aus dem Verfahren bei einem
übermäßigen Defizit (VÜD) nutzt die Kommission heute auch ein neues, im
verschärften Stabilitäts- und Wachstumspakt vorgesehenes Instrument, um zwei
Mitglieder des Euro-Währungsgebiets auf das Risiko hinzuweisen, dass sie
möglicherweise das für dieses Jahr empfohlene Haushaltsziel nicht erfüllen. Im
Rahmen des Europäischen Semesters im Juni 2014 wird die Kommission die
allgemeine Lage in Bezug auf die Auflagen nach dem Stabilitäts- und Wachstumspakt
erneut prüfen und, falls erforderlich, dem Rat weitere Schritte vorschlagen.
2. Wirtschaftliche Erholung und gleichzeitig weiterer
Reformbedarf Der
Konjunkturaufschwung gewinnt an Kraft. Die jüngsten Prognosen[2] sagen
für die europäische Wirtschaft ein Wachstum von 1,5 Prozent für 2014 und von
2,0 % für 2015 voraus. Zum ersten Mal nach mehreren Jahren werden die
Wachstumsprognosen für einige Länder nach oben korrigiert. Eine Reihe von
Indikatoren, die für die Feststellung von Ungleichgewichten herangezogen
werden, z. B. Außenhandelsbilanz und Haushaltslage, Wettbewerbsfähigkeit
und Handel, sowie der allgemeine Schuldenstand zeigen Verbesserungen. In vielen
Ländern haben die Wohnimmobilienpreise ihre Talfahrt beendet und verzeichnen
jetzt einen moderaten Aufwärtstrend. Die Arbeitslosenquote hat sich
stabilisiert und ist in mehreren Ländern leicht rückläufig, wobei in vielen
Ländern die Arbeitslosigkeit und andere Indikatoren für soziale Probleme nach
wie vor zu hoch sind. Die Korrektur von Ungleichgewichten, die im Wege
politisch komplexer Maßnahmen und für die Gesellschaft schmerzhafter
Anpassungen seitens der Wirtschaftsbeteiligten erfolgt, hat zur Verbesserung
der Fundamentalfaktoren geführt und die Grundlagen für einen allmählichen
Aufschwung geschaffen, so dass sich auch die makroökonomischen Risiken
verringern. Die wirtschaftliche Erholung ist allerdings nach wie vor labil und
ungleichmäßig. Die EU und das Euro-Währungsgebiet werden erst 2014 bzw. 2015
ihre Wirtschaftskraft von 2007 erreicht haben, bei einigen Mitgliedstaaten wird
dies noch länger dauern. Aus den
Berichten über die vertieften Überprüfungen geht hervor, dass sich die
Herausforderungen für die Volkswirtschaften, die Gegenstand der Überprüfung
waren, geändert haben. Als das Verfahren bei einem
makroökonomischen Ungleichgewicht (VMU) von der Kommission vorgeschlagen und
später angenommen wurde, und in den ersten beiden Runden der Umsetzung ging es
vor allem darum, die unhaltbaren Leistungsbilanzdefizite, den Verlust an
Wettbewerbsfähigkeit infolge vormals sehr dynamischer Arbeitskosten, die
Verschuldung des privaten Sektors und die hohen Wohnimmobilienpreise in den
Griff zu bekommen. Während Ungleichgewichte in vielen Stromgrößen (z. B.
die Leistungsbilanzdefizite) bereits überwunden sind, ist dies für
Ungleichgewichte in Bestandsgrößen (z. B. die Außenverbindlichkeiten) noch
nicht der Fall. Die größten länderübergreifenden Herausforderungen betreffen
heute folgende Probleme: die anhaltenden Auswirkungen des unumgänglichen
Verschuldungsabbaus in vielen Ländern auf das mittelfristige Wachstum, die
Tragfähigkeit der Verschuldung des privaten Sektors und der
Auslandsverbindlichkeiten bei sehr niedriger Inflation, die Folgen der
Entwicklung zu einem relativ großen Leistungsbilanzüberschuss im
Euro-Währungsgebiet und die Notwendigkeit, in den fragilen Volkswirtschaften
Kredite für tragfähige Investitionen über ein fragmentiertes Finanzsystem
bereitzustellen. Zudem stellt die sehr hohe Arbeitslosigkeit in vielen
Volkswirtschaften eine große Herausforderung für Politik und Gesellschaft dar.
Bei der Suche
nach politischen Antworten auf die veränderten Herausforderungen sollte bei
Ungleichgewichten auch die Dimension des Euro-Währungsgebiets berücksichtigt
werden.
Makroökonomische Ungleichgewichte schaden vor allem den Volkswirtschaften der
betroffenen Mitgliedstaaten; es ist somit in deren Interesse, die damit
verbundenen Risiken so weit wie möglich einzudämmen. Risiken bestehen in Bezug
auf die Tragfähigkeit der Zahlungsbilanz sowie die Tragfähigkeit der
öffentlichen und privaten Verschuldung, die Fähigkeit, sich auf den Weltmärkten
zu behaupten, und letztlich auch die Fähigkeit, starkes mittelfristiges
Wachstum und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Aufgrund der Interdependenz der
Volkswirtschaften wirken sich Ungleichgewichte aber auch auf andere Länder aus;
Effizienzverluste in einem Mitgliedstaat führen auch zu Wohlfahrtsverlusten bei
dessen Partnern. Handel, finanz- und währungspolitische Verbindungen,
Strukturreformen sowie Vertrauen und Ungewissheit sind einige der Bereiche, in
denen sich die makroökonomische Lage und das entsprechende politische Handeln
eines Mitgliedstaats auf seine Partner auswirken können.[3] In Anbetracht
der Interdependenz der Volkswirtschaften müssen im Rahmen des VMU eine Reihe
von Herausforderungen mit dem Blick auf das gesamte Euro-Währungsgebiet
betrachtet werden. ·
Wachstumsförderung: Nach
mehreren Jahren der Rezession bzw. langsamen Wachstums ist das
Euro-Währungsgebiet jetzt in eine – wenn auch noch fragile – Erholungsphase
eingetreten. Angesichts der Wechselbeziehungen zwischen den Mitgliedstaaten und
der Zwänge, denen viele von ihnen unterliegen, wird erwartet, dass in den
wirtschaftlichen schwachen Volkswirtschaften weitere Strukturreformen zur
Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlichen Anpassung und in den
größeren und weniger verschuldeten Mitgliedstaaten Strategien zur Stärkung der
Binnennachfrage für eine stärkere Wirtschaftstätigkeit und bessere
mittelfristige Perspektiven sorgen werden. Ferner sind investitionsfördernde
Maßnahmen von entscheidender Bedeutung, da sie kurzfristig die Nachfrage
stärken und langfristig den Weg für weiteres Wachstum bereiten.[4] ·
Die Fragmentierung des Finanzmarkts ist
bedingt durch die unterschiedliche Funktionsweise und Leistungsfähigkeit der
Finanzmärkte, die unterschiedlichen Gerichtsbarkeiten unterliegen. Je nach Sitz
bzw. Wohnsitz gelten für Unternehmen und Privathaushalte unterschiedliche
Zinssätze und Kreditbedingungen, die über jene hinausgehen, die sich auf wirtschaftliche
Eckdaten gründen. Mit Blick auf eine angemessene Reallokation von Ressourcen
auf die Wirtschaftszweige in den wirtschaftlich schwächsten Mitgliedstaaten[5] und
die Wiederherstellung reibungsloser „abwärts“ gerichteter Finanzströme aus den
Kernvolkswirtschaften in die Peripherie des Euro-Währungsgebiets muss
sichergestellt werden, dass das Finanzsystem Kapital für tragfähige
Investitionsvorhaben zur Verfügung stellt. ·
Verschuldung und sehr niedrige Inflation: Für das mittelfristige Wachstum ist Preisstabilität von großer
Bedeutung; sie wurde vom EZB-Rat quantitativ definiert als Inflationsrate, die
auf mittlere Sicht unter, aber nahe 2 % zu halten ist. Die Winterprognose der
Kommission weist auf den ausgedehnten Zeitraum niedriger Inflation und eine mögliche
nachteilige Auswirkung auf die Wirtschaft und den Schuldenstand hin. Des
Weiteren bedeutet eine sehr geringe Inflation einen gewissen Grad an nominaler
Flexibilität, um Reallohnanpassungen zu ermöglichen, die in einigen Fällen zum
Abbau der Arbeitslosigkeit erforderlich sein könnten. ·
Abbau von Ungleichgewichten unter wirtschaftlich
schwierigen Bedingungen: Im Euro-Währungsgebiet werden
zurzeit die Ungleichgewichte zügig abgebaut, abgeschlossen ist dieser Prozess
allerdings noch nicht. Eine Reihe von Mitgliedstaaten könnte im Zuge einer
internen Abwertung – d. h. gedämpfte Lohnentwicklung,
Produktivitätssteigerungen und Senkung anderer Produktionskosten – einen Teil
ihrer Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Handelspartnern zurückgewinnen. Dies
muss in Verbindung mit einer ehrgeizigen und umfassenderen Reformagenda
erfolgen, damit die Wettbewerbsfähigkeit sowohl innerhalb der Währungsunion als
auch weltweit – wenn auch zu hohen Kosten für die Gesellschaft –
wiederhergestellt werden kann. Im Vergleich zu der wirtschaftlichen Anpassung,
die in einigen Volkswirtschaften im Zuge der Währungsunion erforderlich war,
erwies sich die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit aufgrund der
schwachen Konjunktur in der EU insgesamt und weltweit als noch größere
Herausforderung. Die erforderlichen Anpassungen bei den Arbeitskosten hängen
nicht nur von der jeweiligen Lage in jedem einzelnen Mitgliedstaat ab, sondern
auch von den Entwicklungen bei den Arbeitskosten der Wettbewerber innerhalb und
außerhalb des Euro-Währungsgebiets und vom nominalen Wechselkurs des Euros. Der
Euro-Wechselkurs ist nicht Gegenstand politischer Maßnahmen. Grund für den
Aufwärtsdruck auf den Wechselkurs können interne, aber auch externe
Entwicklungen sein. Es besteht das Risiko, dass eine Aufwertung des nominalen
Wechselkurses des Euro den durch sehr schwierige politische Maßnahmen
errungenen Zuwachs an Wettbewerbsfähigkeit wieder aufhebt. Trotz weiterhin
allgemein schwacher Gesamtnachfrage im Euro-Währungsgebiet wird – so die
Winterprognose der Kommission – die Binnennachfrage der Motor für die
wirtschaftliche Erholung sein; diese dürfte sich auf andere Mitgliedstaaten
ausdehnen, so dass der Aufwärtsdruck abnehmen dürfte. In allen
Mitgliedstaaten, und insbesondere im Euro-Währungsgebiet, sind Maßnahmen zum
Abbau der makroökonomischen Ungleichgewichte und der Unterschiede in Bezug auf
die Wettbewerbsfähigkeit erforderlich. Wie in den spezifischen Empfehlungen für
das Euro-Währungsgebiet[6]
ausgeführt, sollten die Mitgliedstaaten einzeln und gemeinsam im Rahmen der
Eurogruppe Maßnahmen ergreifen und die Verantwortung für den politischen
Gesamtkurs übernehmen, um für ein reibungsloses Funktionieren des
Euro-Währungsgebiets zu sorgen und zur Steigerung von Wachstum und
Beschäftigung beizutragen. Die Koordinierung sollte dazu
beitragen, dass das Tempo der Haushaltskonsolidierung je nach budgetärer und
makroökonomischer Lage der Mitgliedstaaten differenziert wird. Budgetäre und
produktivitätssteigernde Maßnahmen sollten den Abbau der Ungleichgewichte im
Euro-Währungsgebiet weiter voranbringen und Verzerrungen im Spar- und
Investitionsverhalten in den Mitgliedstaaten beheben. Zur Bewältigung der
sozialen Folgen der Krise und der steigenden Arbeitslosenquote sind weitere
Reformen erforderlich (z. B. Maßnahmen, die den Zugang zur Beschäftigung
erleichtern, ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt verhindern, die
Arbeitskosten senken und der Fragmentierung des Arbeitsmarkts Einhalt
gebieten). Die Vollendung
der Bankenunion ist und bleibt die grundlegende Voraussetzung dafür, dass das
Vertrauen in den Finanzsektor wiederhergestellt und die Fragmentierung des
Marktes abgebaut werden kann. Dies wiederum wird die Kreditvergabe
zugunsten der Realwirtschaft und insbesondere zugunsten der KMU, die in der
Regel eher Kredite bei Banken aufnehmen, fördern. Ferner dürfte sich die neuen
Liquiditätsvorschriften für Banken im Rahmen der delegierten Rechtsakte im
Bereich Eigenkapitalanforderungen für die Realwirtschaft der Zugang zu
Finanzierungsmitteln verbessern. Es muss deshalb für weitere
Bilanzbereinigungen und eine weitere Konsolidierung des Bankensystems gesorgt
werden. Die umfassenden Prüfungen der Bankenbilanzen durch die EZB werden
hierbei eine zentrale Rolle spielen. Die
Mitgliedstaaten leisten einen großen Beitrag zum Wachstum. In der
Gruppe der größten Mitgliedstaaten des Euro-Währungsgebiets sollten die
Prioritäten wie folgt gesetzt werden: Stärkung der Binnennachfrage und des
mittelfristigen Wachstums (Deutschland), Behebung von Engpässen für das
mittelfristige Wachstum bei gleichzeitiger Fortsetzung der Strukturreform und
Haushaltskonsolidierung (Frankreich und Italien) sowie
Fortsetzung des geordneten Schuldenabbaus und des strukturellen Umbaus der
Wirtschaft zur Gewährleistung nachhaltigen Wachstums und Bewältigung der
sozialen Probleme (Spanien). 3. Wichtigste länderübergreifende Ergebnisse Die vertieften
Überprüfungen geben einen umfassenderen Einblick in einige länderübergreifende
Entwicklungen, die bereits im Warnmechanismusbericht (WMB) angesprochen wurden.[7] In
einer Reihe von Mitgliedstaaten sind nach wie vor mehrere Ungleichgewichte und
Risiken festzustellen. Aus den Berichten geht Folgendes klar hervor: ·
Anfälligkeit aufgrund hoher
Auslandsverbindlichkeiten bleibt. In den letzten
Quartalen wurden in Ländern, die in der Zeit vor der Krise hohe Defizite
verzeichneten, die Leistungsbilanzdefizite weiter abgebaut. In einigen Ländern
wie Bulgarien, Spanien, Kroatien und Ungarn sind
die Leistungsbilanzen jetzt positiv, wobei Irland und Slowenien
besonders hohe Überschüsse verzeichnen. Verantwortlich für die Verbesserung der
Leistungsbilanz in diesen Mitgliedstaaten ist eine höhere Wettbewerbsfähigkeit
aufgrund angepasster Arbeitskosten, aber auch eine schrumpfende Binnennachfrage
in diesen Ländern. Hinsichtlich der Bestände sind die
Netto-Auslandsverbindlichkeiten in einigen der Länder, die Gegenstand der
vertieften Überprüfung sind, nach wie vor sehr hoch. Dies trifft insbesondere
auf Irland, Spanien, Kroatien und Ungarn zu,
wo der negative Nettoauslandsvermögensstatus (negative net international
investment position – NIIP) knapp unter bzw. über dem jährlichen BIP liegt;
in Bulgarien ist der NIIP allerdings auch sehr hoch. Die Sorge der
Länder um die Tragfähigkeit ihrer Zahlungsbilanz ist unterschiedlich ausgeprägt
und richtet sich auch nach der Art ihrer Brutto- und Nettoverbindlichkeiten. So
mindert in Bulgarien, Irland und Ungarn der hohe Anteil
ausländischer Direktinvestitionen die Risiken.[8]
Die Leistungsbilanzverbesserung ist im Wesentlichen konjunkturunabhängig, so
dass sie auch bei Konjunkturaufschwung erhalten bleibt.[9] Um
jedoch die Tragfähigkeit der Zahlungsbilanz der am höchsten verschuldeten
Volkswirtschaften sicherzustellen, muss die Anpassung der Leistungsbilanz
fortgesetzt werden, um für einen längeren Zeitraum Überschüsse bzw. geringe
Defizite zu erreichen. Der strukturelle Nachfragerückgang in den wirtschaftlich
schwächsten Ländern verdeutlicht, dass Produktivitätssteigerungen erforderlich
sind, die durch wachstumsfördernde Reformen begleitet werden müssen. Ansonsten
würde die Konjunktur – insbesondere in den am höchsten verschuldeten Ländern –
für eine lange Zeit kraftlos bleiben. ·
In den letzten Jahren sind in einigen Ländern
die Außenhandelsströme erheblich zurückgegangen. Dies
ist der Fall in Frankreich und im Vereinigten Königreich, wobei
das Vereinigte Königreich das derzeit höchste Leistungsbilanzdefizit der EU
verzeichnet. Auch wenn die Netto-Auslandsverbindlichkeiten dieser beiden Länder
relativ niedrig sind und die Tragfähigkeit ihrer Zahlungsbilanzen nicht in
Gefahr ist, könnten durch eine Verschärfung der Unterschiede gewisse Risiken
entstehen, wenn die außenwirtschaftlichen Defizite dieser Länder weiter steigen
sollten. ·
Anhaltende sehr hohe Leistungsbilanzüberschüsse
deuten häufig auf eine gedämpfte Binnennachfrage hin.
Ein Land mit einem Leistungsbilanzüberschuss überträgt durch
Auslandsinvestitionen Verbrauch von heute auf morgen. Demgegenüber kann ein
Land mit einem Leistungsbilanzdefizit seine Investitionen oder seinen Verbrauch
heute steigern, muss aber künftige Einnahmen ins Ausland übertragen, um
Auslandsschulden zu tilgen.[10]
Sehr hohe Überschüsse gibt es in Deutschland, Luxemburg, den
Niederlanden und in Schweden; der Überschuss in Dänemark ist
ebenfalls hoch. Diese Überschüsse bestehen aufgrund einer starken
Ausfuhrtätigkeit gegenüber den Einfuhren, wobei die moderate Zunahme der
Einfuhren der Binnennachfrage entspricht. Die Bildung moderater Überschüsse ist
eine begrüßenswerte Entwicklung, da ein Teil der derzeitigen Einnahmen
zurückgelegt werden muss, um demographisch bedingte Herausforderungen[11]
bewältigen und Ersparnisse für Auslandsinvestitionen bereitstellen zu können.
Wenn die hohen Überschüsse das Ergebnis großer Investitionslücken im Inland
sind, trüben sie die mittel- und langfristigen wirtschaftlichen Perspektiven.
Die Überschüsse gestalten sich in diesen Ländern unterschiedlich: Während in Dänemark,
den Niederlanden und in Schweden, wo die Haushalte und die Nicht.Finanzunternehmen
hoch verschuldet sind, die Überschüsse mit dem Schuldenabbau einhergehen,
trifft dies nur bedingt auf Deutschland zu. Der Handelsüberschuss Deutschlands
hat gegenüber den übrigen Ländern der Welt zugenommen, während er im
Vergleich zu den anderen Ländern des Euro-Währungsgebiets zurückgegangen ist.
Letzteres ist eine positive Entwicklung, muss allerdings relativiert werden.
Der Überschuss gegenüber dem Euro-Währungsgebiet ist vor allem gesunken, weil
die Peripherie des Euro-Währungsgebiets weniger einführt hat und nicht, weil
die Importe nach Deutschland gestiegen sind. Außerdem lässt sich ein
Teil dieses Rückgangs des Überschusses gegenüber dem Euro-Währungsgebiet mit
Entwicklungen in anderen „Überschussländern“ erklären. Eine Anhebung der
Binnennachfrage durch eine Beschleunigung der Investitionstätigkeit würde
einerseits den Überschuss abbauen und potenzielles Wachstum fördern und könnte
andererseits die Konjunktur beleben und die derzeitige Anpassung im
Euro-Währungsgebiet erleichtern. ·
Preisliche Wettbewerbsfähigkeit bleibt ein Problem.
Dies gilt insbesondere für Länder, die bislang die
höchsten Leistungsbilanzdefizite verzeichneten und die Tragfähigkeit ihrer
Zahlungsbilanz sicherstellen müssen (z. B. Bulgarien, Spanien
und Ungarn) und für Länder, die in den letzten Jahren im Export
erhebliche Marktanteilsverluste hinnehmen mussten (z. B. Kroatien, Italien
und Finnland). Wenn es um die wirtschaftlichen Aussichten einiger
Ländern geht, sind Wettbewerbsfähigkeit und Exportleistung von besonderer
Bedeutung, denn in Anbetracht des im privaten Sektor erforderlichen
Schuldenabbaus und der Haushaltskonsolidierungszwänge sind Nettoexporte und
exportbezogene Investitionen aller Wahrscheinlichkeit nach die wichtigen
Nachfragekomponenten, mit denen mittelfristiges Wachstum gefördert werden kann.
Die Lohnstückkosten (LSK) werden in den Mitgliedstaaten, die am stärksten von
einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und von Arbeitslosigkeit betroffen sind,
weiter angepasst. Von den Mitgliedstaaten, die Gegenstand der vertieften
Überprüfung sind, haben Irland und Spanien in den letzten Jahren
die weitestgehenden Anpassungen vorgenommen. Vorangetrieben wurde die Anpassung
der LSK durch den Druck auf die Märkte und die Wettbewerbsfähigkeit; die Folge
waren eine Verringerung der Nominallöhne in verschiedenen Branchen, ein
Arbeitskräfteabbau sowie Produktivitätsverbesserungen. In Frankreich, Italien
und Slowenien waren die Anpassungen im Vergleich geringer. In
einigen Ländern sind die LSK stärker gesunken als die Deflatoren für Export und
BIP. Dies könnte insofern mit dem Abbau der Ungleichgewichte vereinbar sein,
als höhere Gewinnspannen einen Expansionsanreiz für den Sektor handelbarer
Güter darstellen.[12]
Trotz der derzeitigen Anpassung der Reallöhne erfolgt die Anpassung des
Arbeitsmarkts vor allem in Form von Beschäftigungsabbau und einer sehr geringen
Neueinstellungsquote. Dies hat zu einem drastischen Anstieg der
Arbeitslosigkeit und einer allgemein längeren Zeit der Erwerbslosigkeit[13] mit
entsprechenden sozialen Folgen und Auswirkungen für das potenzielle Wachstum
geführt, was in den politischen Maßnahmen berücksichtigt werden muss. ·
In den Berichten über die vertieften
Überprüfungen wird auch auf die Bedeutung der nichtpreislichen
Wettbewerbsfähigkeit eingegangen. Für die meisten Mitgliedstaaten scheint
die nichtpreisliche Wettbewerbsfähigkeit ein ebenso wichtiger Faktor für die
Handelsleistung zu sein wie die preisliche Wettbewerbsfähigkeit. Zu den
nicht-preislichen Faktoren zählen die Zusammensetzung der Exporte und ihr
technologischer Inhalt, die geografische Diversifizierung der Ausfuhren,
Unternehmensstruktur, Geschäftsumfeld und Innovation. In den Berichten wird
dargelegt, wie Mitgliedstaaten wie Belgien, Dänemark, Italien,
Frankreich, Kroatien, Ungarn, Finnland und das Vereinigte
Königreich versuchen, ihre Exportleistung und nichtpreisliche
Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. In mehreren Ländern, die Gegenstand der
vertieften Überprüfung sind, wird die schwächere Exportleistung in Bezug auf
Waren durch die Dienstleistungsausfuhr zum Teil aufgefangen; dies gilt unter
anderem für Belgien, Dänemark, Kroatien, Luxemburg,
Schweden, Slowenien und das Vereinigte Königreich. In Belgien
und Italien stagniert nach wie vor das Produktivitätswachstum,
wodurch die Risiken externer und interner Ungleichgewichte steigen. In
Anbetracht des für die fortschrittlichen Volkswirtschaften zu beobachtenden
rückläufigen Trends bei den Weltmarktanteilen muss die preisliche wie auch die
nicht‑preisliche Wettbewerbsfähigkeit unbedingt gestärkt werden. ·
Der Privatsektor baut seine Schulden ab, dennoch
ist der Schuldenstand in einigen Volkswirtschaften unverändert hoch. Der Druck auf die Haushalte und Nicht-Finanzunternehmen wie auch auf
die Finanzunternehmen, ihre Bilanzen zu schrumpfen und ihre Verbindlichkeiten
abzubauen, hat sich nachteilig auf den privaten Verbrauch und die
Investitionstätigkeit ausgewirkt. Die Kreditvergabe an den privaten Sektor hat
sich aufgrund der ungünstigen Angebots- und Nachfragebedingungen verschlechtert[14].
Letztere sind eine Folge des Schuldenabbaus im Finanzsektor, der Fragmentierung
des Finanzsektors und einer anhaltenden politischen Ungewissheit, die wiederum
Investitionsentscheidungen hemmt. Die geringe Investitionstätigkeit der
Unternehmen verhindert die Zuweisung von Ressourcen an die produktivsten
Wirtschaftszweige und exportorientierte Branchen und erschwert mittelfristiges
Wachstum.[15]
In einigen Mitgliedstaaten, die Gegenstand der vertieften Überprüfung sind, hat
der Schuldenabbau bei den Haushalten, den Nicht-Finanzunternehmen und den
Finanzunternehmen jedoch auch zu einer Verbesserung der Leistungsbilanzen
(z. B. Spanien und Slowenien) und zu hohen
Leistungsbilanzüberschüssen geführt (z. B. in Dänemark, den Niederlanden
und Schweden). Zudem könnten die niedrigen Inflationsraten, die in
den Strategien einiger Mitgliedstaaten zur Wiedererlangung ihrer
Wettbewerbsfähigkeit eine entscheidende Rolle spielen, die Maßnahmen einiger
Mitgliedstaaten zum Schuldenabbau im privaten Sektor erschweren. ·
Der Wohnimmobilienmarkt scheint sich in mehreren
Ländern nach seiner Talfahrt wieder zu erholen. Nach
einer ausgesprochen langen Hausse setzte auf den meisten Wohnimmobilienmärkten
in der EU eine Korrekturphase ein. In einigen Ländern, insbesondere in Dänemark,
Irland, Spanien und in den Niederlanden, erfolgte eine
massive Senkung der Realpreise für Wohnimmobilien. In Spanien und Irland
ging die Anpassung der Wohnimmobilienpreise mit einer Schrumpfung der
Baubranche einher, was die Arbeitslosigkeit in den Ländern verschärfte. Zudem
führte sie zu einem Anstieg an notleidenden Krediten und einer Verschlechterung
der Bankbilanzen, so dass höhere Rückstellungen erforderlich wurden und
riskante Vermögenswerte an Zweckgesellschaften übertragen werden mussten.
Während für einige Länder, die Gegenstand der vertieften Überprüfung sind,
weitere Korrekturen nach unten nicht ausgeschlossen werden können, deuten die
verfügbaren Daten darauf hin, dass in den meisten Ländern der Tiefstand
erreicht worden ist und sich ein moderater Aufwärtstrend abzeichnet (z. B. in Luxemburg,
Malta, Schweden und im Vereinigten Königreich). ·
Arbeitslosigkeit und andere Indikatoren für
soziale Probleme sind nach wie vor hoch[16]. Insbesondere in Ländern, in denen sich die
Leistungsbilanz umkehrte, schnellte die Arbeitslosigkeit in die Höhe; gleichzeitig
bestehen große Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. Jugend- und
Langzeitarbeitslosigkeit sind ein besonders großes Problem, aber auch das
Missverhältnis zwischen Qualifikationsangebot und ‑nachfrage muss behoben
werden. Seit Mitte 2013 sind allerdings in einigen Mitgliedstaaten (Bulgarien,
Irland, Ungarn und Vereinigtes Königreich) erste Anzeichen
für eine Stabilisierung und einen leichten Rückgang der Arbeitslosenquote zu
beobachten. Sollte die Umkehr der Leistungsbilanz zu einem anhaltenden Rückgang
der Investitionstätigkeit und der Produktivität führen, könnte es sich für den
Abbau der Arbeitslosigkeit als erforderlich erweisen, dass die Lohnentwicklung
an die Produktivität angepasst wird, um auf diese Weise sowohl die
Wettbewerbsfähigkeit als auch die Gesamtnachfrage zu unterstützen. Aus den jüngsten
Prognosen geht hervor, dass sich die Haushaltsanpassung in der EU und im
Euro-Währungsgebiet entschleunigen wird. Diese
Verlangsamung ist das Ergebnis der erheblichen Konsolidierungsmaßnahmen in den
letzten beiden Jahren. Dennoch muss in den meisten Mitgliedstaaten die
Haushaltskonsolidierung intensiviert werden. ·
Die Haushaltskonsolidierung verliert an Tempo,
während die öffentliche Schuldenquote 2014 einen Höchststand erreichen wird. Dank der weiteren Konsolidierungsmaßnahmen hat sich 2013 die Lage der
öffentlichen Finanzen sowohl in der EU als auch im Euro-Währungsgebiet
verbessert. Für 2014 wird eine Verlangsamung der Anpassung erwartet. Dennoch
sollte in Anbetracht der fortgesetzten Konsolidierungsmaßnahmen und der
wirtschaftlichen Erholung ein weiterer Abbau des Haushaltsdefizits möglich
sein. In den meisten Mitgliedstaaten waren 2013 die Bemühungen um weitere
strukturelle Anpassungen zufriedenstellend. Den Prognosen zufolge ist sowohl
für die EU als auch für das Euro-Währungsgebiet für 2013 ein weiterer Anstieg
der Schuldenquote (in % des BIP) zu erwarten; sie wird dann – wenn auch in
einem langsameren Tempo – weiter steigen und 2014 ihren Höchststand erreichen. ·
Es bestehen Zweifel, ob die Konsolidierung in
einigen Mitgliedstaaten stark genug ist, um die Korrektur des übermäßigen
Defizits den Zielvorgaben fortzusetzen. Dies gilt
insbesondere für Frankreich und Slowenien. Für diese Länder wird
die Kommission Empfehlungen annehmen, in denen sie die Regierungen auffordert,
zeitnah diesbezügliche Maßnahmen zu ergreifen. Im Falle von Italien, das
kein übermäßiges Defizit verzeichnet, besteht den Prognosen zufolge ein
weiterer Konsolidierungsbedarf, damit der erforderliche Schuldenabbau vollzogen
werden kann. Im Falle Kroatiens, das nicht dem Euro-Währungsgebiet
angehört, besteht in Anbetracht der derzeitigen Trends ohne
zusätzliche Maßnahmen die Gefahr, dass das Land die Ziele sowohl in Bezug
auf den Abbau des Haushaltsdefizits als auch in Bezug auf die
Strukturanpassungen verfehlt. In Ungarn, das kein übermäßiges Defizit
verzeichnet, hat sich das strukturelle Haushaltssaldo verschlechtert, was den
Schuldenabbau gefährdet. 4. Ergebnisse nach
Mitgliedstaaten Die
Ungleichgewichte in den 14 Mitgliedstaaten sind unterschiedlicher Natur. Ausgehend
von der ausführlichen Analyse in den Berichten über die vertiefte Überprüfung
vertritt die Kommission die Auffassung, dass in Belgien, Bulgarien,
Deutschland, Irland, Spanien, Frankreich, Kroatien, Italien, Ungarn, den Niederlanden,
Slowenien, Finnland, Schweden und dem Vereinigten Königreich
Ungleichgewichte bestehen. Dabei wurden für Kroatien, Italien und
Slowenien übermäßige Ungleichgewichte verzeichnet. Nach Auffassung der
Kommission hat sich in Spanien im letzten Jahr ein signifikanter Wandel
vollzogen, so dass in Anbetracht des derzeitigen Trends die Ungleichgewichte im
Laufe der Zeit weiter abnehmen dürften. Während daraus einerseits geschlossen
werden kann, dass es sich in Spanien nicht mehr um übermäßige Ungleichgewichte
im Sinne des VMU handelt, muss an dieser Stelle betont werden, dass nach wie
vor Risiken bestehen. Da die Ungleichgewichte bzw. übermäßigen Ungleichgewichte
einschließlich des haushaltspolitischen Spielraums der betreffenden Länder
Unterschiede aufweisen sind und diese sich in unterschiedlichen Phasen des
Überwachungsprozesses befinden, sollten die von den Mitgliedstaaten in
Zusammenarbeit mit der Kommission auszugestaltenden Maßnahmen auf den
spezifischen Bedarf des jeweiligen Mitgliedstaats zugeschnitten sein. ·
In Belgien bestehen weiterhin makroökonomische
Ungleichgewichte, die ein Monitoring und politische Maßnahmen erfordern.
Insbesondere Entwicklungen bezüglich der externen Wettbewerbsfähigkeit von
Waren sollten weiterhin beobachtet werden, da eine anhaltende Verschlechterung
die makroökonomische Stabilität bedrohen würde. Wenn die
Wettbewerbsfähigkeit (einschließlich der nicht-preislichen
Wettbewerbsfähigkeit) weiter sinken sollte, könnte dies negative Folgen für die
Wirtschaft haben. Die geringere Fähigkeit der verarbeitenden Industrie, sich im
internationalen Wettbewerb zu behaupten, ist an der Aushöhlung der
Gewinnspannen der Hersteller und dem Verlust an Arbeitsplätzen abzulesen. Hohe
Arbeitskosten sind nur dann mit einer nachhaltigen Schaffung von Arbeitsplätzen
und hohem Lebensstandard zu vereinbaren, wenn eine Umstellung auf höher in der
globalen Wertschöpfungskette angesiedelte Produkte gelingt. Gleichzeitig muss
eine weitere Entkoppelung des raschen Lohnwachstums von dem langsamen
Produktivitätswachstum verhindert werden. Belgien hat diesbezüglich Maßnahmen
ergriffen, die in den kommenden Jahren Wirkung zeigen dürften. Wenn die
verarbeitende Industrie erhalten bleiben soll, sind allerdings ehrgeizigere
Maßnahmen erforderlich, zumal in Wettbewerberländern ebenfalls Reformen
durchgeführt werden. Das Land muss bei der Belastung der Arbeit durch Steuern
und Abgaben ansetzen, dafür sorgen, dass sich die Löhne stärker an
wirtschaftlichen und branchenspezifischen Gegebenheiten orientieren und
anhaltende Probleme auf dem Arbeitsmarkt lösen. Die hohe Staatsverschuldung
gibt weiterhin Anlass zu Bedenken bezüglich der Tragfähigkeit der öffentlichen
Finanzen. Positiv zu vermerken ist, dass Belgien seine öffentliche
Schuldenquote stabilisieren konnte, Schätzungen zufolge die empfohlenen
Defizitvorgaben 2013 erreicht hat und das Defizit auch künftig unter 3 %
des BIP halten dürfte. Außerdem halten lange Durchschnittslaufzeiten, relativ
geringe Verflechtungen mit dem inländischen Finanzsektor und ein relativ
gesunder privater Sektor gesamtwirtschaftliche Risiken im Rahmen. ·
In Bulgarien bestehen weiterhin makroökonomische
Ungleichgewichte, die ein Monitoring und politische Maßnahmen erfordern.
Insbesondere die langwierige Anpassung des Arbeitsmarkts erfordert politische
Maßnahmen, während die Korrektur der Zahlungsbilanzposition und der
Schuldenabbau der Unternehmen gut vorankommen. Bulgarien hat in der Boomphase, die mit dem
Beitritt zur Europäischen Union zusammenfiel, sehr rasch Ungleichgewichte aufgebaut.
Hohe Kapitalzuflüsse aus dem Ausland trugen zur Überhitzung der Konjunktur und
zu einem raschen Anstieg der Preise für Anlagevermögen bei. Bei der
Leistungsbilanz war ab 2009 eine Wende zu verzeichnen, doch nach wie vor hat
das Land hohe Außenverbindlichkeiten, auch wenn es sich bei einem großen Teil
davon um ausländische Direktinvestitionen handelt. Die Anpassungen sind
überwiegend konjunkturunabhängig, doch für eine weitere Senkung der
Außenverbindlichkeiten bedarf es einer tragfähigen externen
Wettbewerbsfähigkeit und einer starken Exportleistung. Der laufende
Schuldenabbau bei den Nicht-Finanzunternehmen könnte in einigen Branchen
Investitionen und Wachstum kurz- und mittelfristig bremsen. Der schwache nicht
inklusive Arbeitsmarkt hemmt ebenfalls die Anpassungsfähigkeit der Wirtschaft
und ist ein Faktor, der das Wachstumspotenzial nicht richtig zur Entfaltung
kommen lässt. Die Arbeitslosenquote stieg steil an, da der Abbau von
Arbeitsplätzen während der Krise einschneidender war als dies nach dem
Produktionsrückgang zu vermuten gewesen wäre. Gering qualifizierte und junge
Arbeitnehmer traf der Beschäftigungsabbau am härtesten. Trotz relativ geringer
Lohnkosten ist die Anwendung von Mindestlöhnen aufgrund starker Lohnerhöhungen
in den letzten Jahren mit dem Risiko verknüpft, dass die Schwächsten vom
Arbeitsmarkt verdrängt werden könnten. Gleichzeitig ist es bislang nicht
gelungen, den Anpassungsprozess durch aktive Arbeitsmarktpolitik und
bildungspolitische Maßnahmen zu erleichtern, was die Bildung einer breiten
Humankapitalbasis erschwert. ·
In Deutschland bestehen makroökonomische
Ungleichgewichte, die ein Monitoring und politische Maßnahmen erfordern. So
weist die Leistungsbilanz aufgrund der hohen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands
kontinuierlich sehr hohe Überschüsse auf, während ein großer Teil der
Ersparnisse im Ausland investiert wurde. Dies ist auch ein Anzeichen dafür,
dass das auf der Binnennachfrage beruhende Wachstum nach wie vor gedämpft ist
und die wirtschaftlichen Ressourcen möglicherweise nicht effizient zugewiesen
werden. Auch wenn der hohe Leistungsbilanzüberschuss keine vergleichbaren
Risiken birgt wie hohe Defizite, sollten der Umfang und der Fortbestand dieses
Überschusses in Deutschland aufmerksam verfolgt werden. Angesichts der Größe
der deutschen Wirtschaft sind Maßnahmen, die das Risiko nachteiliger
Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft und das Euro-Währungsgebiet verringern
sollen, besonders wichtig. Die relativ geringen Investitionen im
privaten und öffentlichen Sektor sowie der über längere Zeit gedämpfte private
Verbrauch trugen zu einem moderaten Wachstum, einem rückläufigen Trendwachstum,
einer größeren Abhängigkeit der Wirtschaft von der Auslandsnachfrage und dem
Aufbau eines Außenhandelsüberschusses bei. Daher müssen nun geeignete Maßnahmen
zur Stärkung der Binnennachfrage und des Wachstumspotenzials der Wirtschaft
ermittelt und durchgeführt werden. Eine Aufstockung der Investitionen in Sach-
und Humankapital und die Förderung von Effizienzgewinnen in allen Wirtschaftszweigen
(unter anderem durch Freisetzung des Wachstumspotenzials des
Dienstleistungssektors, was auch zu einer weiteren Verbesserung des
Arbeitskräfteangebots beitragen würde) stellen somit zentrale politische
Aufgaben dar. ·
Irland: Das vor kurzem
abgeschlossene makroökonomische Anpassungsprogramm trug maßgeblich zur
Bewältigung der wirtschaftlichen Risiken und zum Abbau von Ungleichgewichten
bei. Gleichwohl bestehen weiterhin makroökonomische Ungleichgewichte, die
ein spezielles Monitoring und durchgreifende politische Maßnahmen erfordern.
Insbesondere die Entwicklungen im Finanzwesen, die Verschuldung des privaten
und des öffentlichen Sektors und die damit zusammenhängenden hohen Brutto- und
Nettoauslandsverbindlichkeiten sowie die Lage auf dem Arbeitsmarkt zeigen, dass
nach wie vor Risiken bestehen. Die Kommission wird ein spezielles Monitoring
für die Umsetzung der politischen Maßnahmen einleiten und dem Rat und der
Euro-Gruppe regelmäßig Bericht erstatten. Das Monitoring wird sich auf die
Ergebnisse der Überwachung nach Abschluss des Anpassungsprogramms stützen. 2007 brach der irische Immobilienmarkt
zusammen, und die zur Bewältigung der Verluste der Finanzinstitute ergriffenen
Maßnahmen sowie der Rückgang der Staatseinnahmen warfen große Probleme für den
Staatshaushalt auf. Als der Zugang zu den Kapitalmärkten schwieriger wurde,
beantragte Irland Ende 2010 internationale Finanzhilfen. Irland hielt sich
während der gesamten Laufzeit des 2013 abgeschlossenen Programms streng
an die Umsetzungsvorgaben. Es erfüllte die Programmziele für die
Haushaltskonsolidierung und verbesserte seine finanzpolitischen Vorschriften
und Institutionen. Das Haushaltsdefizit wird den Prognosen zufolge 2013 und
2014 die Zielvorgaben erfüllen. Die Ziele für den Schuldenabbau im Bankwesen
wurden erreicht und die Eigenkapitalquoten verbessert. Im Finanzsektor wurden
die Aufsicht und die Regulierung verstärkt. Die Haushalte haben ihre Sparquoten
erhöht, um ihre Schulden abzubauen. Die Arbeitsmarktreformen trugen zu einer
Verringerung der Arbeitslosigkeit bei. Die Wohnimmobilienpreise stabilisierten
sich und es gibt Anzeichen für eine Erholung. Gleichwohl bedarf es weiterer
Fortschritte, da der öffentliche Schuldenstand und die Auslandsverschuldung
nach wie vor sehr hoch sind, der Finanzsektor angesichts der hohen Zahl
notleidender Kredite anfällig ist und die Langzeit- und die
Jugendarbeitslosigkeit sich auf einem unverändert hohen Stand befinden. ·
In Spanien bestehen makroökonomische
Ungleichgewichte, die ein spezielles Monitoring und durchgreifende politische
Maßnahmen erfordern. Beim Abbau der im vergangenen Jahr ermittelten
übermäßigen Ungleichgewichte wurden in vielerlei Hinsicht deutliche
Fortschritte erzielt; durch die Rückkehr zu positiven Wachstumsraten wurden die
Risiken gemindert. Angesichts des Umfangs der Ungleichgewichte und ihrer
Verflechtungen (vor allem die hohe In- und Auslandsverschuldung) bestehen
weiterhin Risiken. Die Kommission wird das spezielle Monitoring für die
politischen Maßnahmen, die der Rat Spanien im Rahmen des Europäischen Semesters
empfohlen hat, fortsetzen und dem Rat und der Euro-Gruppe regelmäßig Bericht
erstatten. Das Monitoring wird sich auf die Ergebnisse der Überwachung nach
Abschluss des Anpassungsprogramms stützen. Die Anpassung wurde durch durchgreifende
politische Maßnahmen unterstützt, die auf EU-Ebene und von Spanien ergriffen
wurden. Insbesondere durch die Rekapitalisierung und die Umstrukturierung
schwächerer Banken wurden systemische Bedenken hinsichtlich des Finanzsektors
zerstreut und ein reibungsloser Abschluss des Finanzhilfeprogramms
Anfang 2014 ermöglicht. Aufgrund der rückläufigen Importe und der robusten
Exporte sowie einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit entstand ein
Leistungsbilanzüberschuss. Der Wohnimmobilienmarkt hat sich mehr oder weniger
stabilisiert. Die Vernichtung von Arbeitsplätzen scheint dem Ende zuzugehen.
Die Rechtsvorschriften für die im nationalen Reformprogramm 2013 dargelegte
umfassende Strukturreformagenda liegen inzwischen zum großen Teil vor; daher
richtet sich nun das Augenmerk auf die schwierige Phase der Umsetzung. Dank der
positiven Entwicklungen erstarkte das Vertrauen in das Land erneut, was sich
daran ablesen lässt, dass die Risikoprämien am Markt gesunken sind, wieder
ausländisches Kapital in das Land fließt und das Unternehmens- und
Verbrauchervertrauen wieder zugenommen hat. Die Anpassung ist jedoch noch lange nicht
abgeschlossen und es gibt weiterhin Schwachstellen. Die sehr hohe Inlands- und
Auslandsverschuldung des privaten und des öffentlichen Sektors birgt weiterhin
Risiken für das Wachstum und die Finanzstabilität. Obwohl die Arbeitslosigkeit
vor kurzem sank, ist sie noch immer alarmierend hoch. Die Neuausrichtung der
Produktion auf Exportbranchen und die Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit
auf internationaler Ebene müssen fortgeführt werden, damit der sehr hohe
Bestand an Außenforderungen und die Belastung, die der dadurch bedingte Abfluss
von Einnahmen in andere Länder mit sich bringt, verringert werden. Die
Bereinigung der Privatsektorbilanzen schreitet voran, aber der Schuldenabbau
der Haushalte wird durch die hohe Arbeitslosigkeit und rückläufige Einkommen
verlangsamt. Nicht-Finanzunternehmen haben ihre Verschuldung etwas zügiger
abgebaut. Der weitere Schuldenabbau muss mit einer Kreditvergabe an finanziell
solide Kreditnehmer einhergehen. Der Abbau von Hemmnissen für gut
funktionierende Waren- und Finanzmärkte so wie effiziente Insolvenzverfahren
könnten dazu beitragen, dass der Schuldenabbau das Wachstum weniger bremst. Für
den Arbeitsmarkt könnten weitere Reformen ins Auge gefasst werden, die an die
positiven Auswirkungen der jüngsten Reformen in den Bereichen interne
Flexibilität und Lohnfestsetzung anknüpfen. Außerdem haben beträchtliche
Einnahmeausfälle, höhere Sozialausgaben und die Kosten der
Bankenrekapitalisierung die öffentlichen Defizite erheblich ansteigen und den
staatlichen Schuldenstand in die Höhe schnellen lassen. 2013 hat Spanien die
Zielvorgabe für das Haushaltsdefizit möglicherweise nicht erreicht; angesichts
der Verbesserung der makroökonomischen Aussichten sollte dies aber 2014
durchaus möglich sein. Für einen mittelfristigen Schuldenabbau des Landes
müssen nachhaltige finanzpolitische Maßnahmen ergriffen werden. ·
In Frankreich bestehen weiterhin makroökonomische
Ungleichgewichte, die ein spezielles Monitoring und durchgreifende politische
Maßnahmen erfordern. Die Politik muss sich weiter mit der Verschlechterung
der Handelsbilanz und der Wettbewerbsfähigkeit wie auch den Auswirkungen der
hohen Verschuldung des öffentlichen Sektors auseinandersetzen. Durchgreifende
Maßnahmen, die das Risiko nachteiliger Auswirkungen auf die französische
Wirtschaft und das Euro-Währungsgebiet mindern, sind angesichts der Größe der
französischen Wirtschaft und eines möglichen Übergreifens auf das
Euro-Währungsgebiet von besonderer Bedeutung. Da Frankreich bereits im Bericht
über die vertiefte Überprüfung von 2013 zu politischen Maßnahmen aufgefordert
worden war, wird die Kommission ein spezielles Monitoring für die politischen
Maßnahmen, die der Rat Frankreich im Rahmen des Europäischen Semesters
empfohlen hat, einleiten und dem Rat und der Euro-Gruppe regelmäßig Bericht
erstatten. Das wachsende Handelsbilanzdefizit spiegelt
den langfristigen Rückgang der Exportmarktanteile wider, der mit den
anhaltenden Einbußen sowohl an preislicher als auch an nicht-preislicher
Wettbewerbsfähigkeit zusammenhängt. Obwohl Maßnahmen zur Steigerung der
Wettbewerbsfähigkeit ergriffen wurden, gibt es bislang kaum konkrete Anzeichen
für einen Abbau der Ungleichgewichte. Die Löhne entwickelten sich zwar im
selben Muster wie die Produktivität, doch die Arbeitskosten sind nach wie vor
hoch und schmälern die Gewinnspannen der Unternehmen. Die geringe und
rückläufige Rentabilität privater Unternehmen (insbesondere in der
verarbeitenden Industrie) beeinträchtigte möglicherweise ihr Wachstumspotenzial
und ihre Fähigkeit zur Verbesserung ihrer Exportleistung. Das ungünstige
Unternehmensumfeld und vor allem der geringe Wettbewerb im
Dienstleistungssektor verschärfen die Probleme im Zusammenhang mit der
Wettbewerbsfähigkeit. Zudem wird den Unternehmen die Anpassung der Gehälter an
die Produktivität durch starre Strukturen im Lohnfestsetzungssystem erschwert.
Da trotz der seit 2010 ergriffenen Maßnahmen zum Abbau der Staatsverschuldung
das öffentliche Defizit weiter gestiegen ist, sind eine weitere
Haushaltskonsolidierung und – angesichts der hohen öffentlichen Ausgaben –
insbesondere Ausgabenkürzungen erforderlich, die in erster Linie durch
Effizienzgewinne erreicht werden sollten. Frankreich wird voraussichtlich die
Zielvorgaben in Bezug auf das Haushaltsdefizit und auf die Strukturanpassungen
im gesamten Prognosezeitraum nicht erreichen. ·
In Kroatien bestehen übermäßige
makroökonomische Ungleichgewichte, die ein spezielles Monitoring und
entschlossene politische Maßnahmen erfordern. Vor dem Hintergrund langsamen
Wachstums und geringer Anpassungsfähigkeit bedarf es politischer Maßnahmen, um
die Schwachstellen der Wirtschaft zu beheben, die in den beträchtlichen
Auslandsverbindlichkeiten, der rückläufigen Exportleistung, dem hohen
Fremdkapitalanteil in der Unternehmensfinanzierung und der rasch steigenden
gesamtstaatlichen Verschuldung begründet liegen. Die Kommission wird ein
spezielles Monitoring für die Umsetzung der politischen Maßnahmen einleiten und
dem Rat regelmäßig Bericht erstatten. Nach einer Phase der Expansion, in der sich
Ungleichgewichte anhäuften, befindet sich die kroatische Wirtschaft nun seit
längerem im Abschwung, wobei eine Reihe externer und interner Risiken sichtbar
werden. Der Abbau außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte ist mit erheblichen
Risiken verbunden, solange Kroatien seine Auslandsverbindlichkeiten nicht auf
einen sichereren Stand senkt, und hängt davon ab, ob es gelingt, das Wachstum
durch eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und die Erweiterung des
Exportangebots über den Tourismus hinaus zu fördern. Der Schuldenabbau von
Nicht-Finanzunternehmen steht noch am Anfang und die Entwicklung ihrer
notleidenden Kredite muss aufmerksam beobachtet werden. Staatliche Unternehmen
spielen in einigen Wirtschaftszweigen immer noch eine führende Rolle; sie
wurden oft nicht umstrukturiert, sind generell hoch verschuldet und kaum
rentabel. Die Erwerbs- und die Beschäftigungsquote Kroatiens sind so niedrig
wie in keinem anderen EU-Mitgliedstaat, was zum Teil an den institutionellen
und politischen Rahmenbedingungen liegt. Ein besser funktionierender
Arbeitsmarkt ist eine entscheidende Voraussetzung für die Förderung des
Wachstums und der Anpassung, die angesichts der Schwachstellen der Außen- und
der Binnenwirtschaft unumgänglich ist. Bei fast allen Standardindikatoren
liegen die Werte für das kroatische Unternehmensumfeld deutlich unter den
durchschnittlichen Werten der mittel- und osteuropäischen Mitgliedstaaten. Das
Zusammenspiel dieser Faktoren verringert das Wachstumspotenzial, was wiederum
die Bilanzbereinigung des privaten Sektors erschwert und stärkere Bemühungen um
eine Haushaltskonsolidierung erforderlich macht. Es bedarf erheblicher
zusätzlicher Anstrengungen zur Haushaltskonsolidierung, um das Defizit
abzubauen und einen Anstieg der Verschuldung auf ein nicht tragbares Niveau zu
verhindern. Gegen Kroatien wurde bereits ein Defizitverfahren eingeleitet. Nun
muss das Land wirksame Maßnahmen ergreifen, um sein übermäßiges Defizit bis zum
30. April 2014 zu beheben. In Anbetracht der derzeitigen Entwicklung
besteht die Gefahr, dass Kroatien 2014 seine Ziele bei weitem nicht erreicht,
wenn es keine zusätzlichen Maßnahmen ergreift. ·
In Italien bestehen übermäßige makroökonomische
Ungleichgewichte, die ein spezielles Monitoring und durchgreifende politische
Maßnahmen erfordern. Das Land muss sich dringend mit den Auswirkungen des
sehr hohen öffentlichen Schuldenstands und der schwachen externen
Wettbewerbsfähigkeit befassen, die beide letztlich auf ein seit längerem
schleppendes Wachstum der Produktivität zurückzuführen sind. Angesichts der
Größe der italienischen Wirtschaft sind durchgreifende Maßnahmen, die das
Risiko nachteiliger Auswirkungen auf die italienische Wirtschaft und das
Euro-Währungsgebiet mindern, besonders wichtig. Die Kommission wird ein
spezielles Monitoring für die politischen Maßnahmen, die der Rat Italien im
Rahmen des Europäischen Semesters empfohlen hat, einleiten und dem Rat und der
Euro-Gruppe regelmäßig Bericht erstatten. Der hohe öffentliche
Schuldenstand stellt insbesondere vor dem Hintergrund eines chronisch schwachen
Wachstums und einer gedämpften Inflation eine starke Belastung für die
Wirtschaft dar. Das Land steht nun vor der großen Herausforderung sehr hohe
(d. h. über dem historischen Durchschnitt liegende) Primärüberschüsse und
ein kräftiges BIP-Wachstum zu erreichen und beizubehalten, damit die
Schuldenquote maßgeblich gesenkt werden kann. 2013 hat Italien Fortschritte im
Hinblick auf sein mittelfristiges Haushaltsziel erzielt. Gleichwohl besteht die
Gefahr, dass die Anpassung des strukturellen Haushaltssaldos 2014 unzureichend
ist, da die sehr hohe öffentliche Schuldenquote in angemessenem Tempo gesenkt
werden muss. Die Krise hat die anfängliche Widerstandsfähigkeit des
italienischen Bankensektors aufgezehrt und dessen Rolle als Stütze der
wirtschaftlichen Erholung geschwächt. Die Verluste an Wettbewerbsfähigkeit
erklären sich durch ein anhaltendes Missverhältnis zwischen Löhnen und
Produktivität, eine hohe Belastung der Arbeit durch Steuern und Abgaben, eine
ungünstige Struktur der Exportprodukte und einen hohen Anteil kleiner
Unternehmen, die es schwer haben, sich im internationalen Wettbewerb zu
behaupten. Starre Strukturen im Lohnfestsetzungssystem stehen einer an der
Produktivitätsentwicklung und den lokalen Arbeitsmarktbedingungen orientierten
Lohndifferenzierung im Weg. Die seit langem bestehende Ineffizienz in der
öffentlichen Verwaltung und der Justiz, schwach ausgeprägte Corporate
Governance sowie die weit verbreitete Korruption und Steuerhinterziehung
verringern die Allokationseffizienz in der Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund
können die verabschiedeten Reformen nur schwer Früchte tragen. Die
Produktivitätsprobleme werden durch die großen Humankapitallücken verschärft,
die in der geringen Bildungsrendite der jüngeren Generationen, der
Spezialisierung Italiens auf Branchen mit geringem bis mittlerem
Technisierungsgrad und den strukturellen Schwächen des Bildungssystems begründet
liegen. ·
In Ungarn bestehen weiterhin makroökonomische
Ungleichgewichte, die ein Monitoring und durchgreifende politische Maßnahmen
erfordern. Insbesondere die derzeitige Anpassung der stark negativen
Nettoauslandsposition, die hohe Verschuldung des öffentlichen und des privaten
Sektors bei gleichzeitig schwachem Finanzsektor und die rückläufige
Exportleistung erfordern nach wie vor größte Aufmerksamkeit, wenn die
erheblichen Risiken nachteiliger Auswirkungen auf die Wirtschaft verringert
werden sollen. Trotz der schwachen
Exportergebnisse hat sich der Nettoauslandsvermögensstatus verbessert, was in
erster Linie dem Schuldenabbau des privaten Sektors zuzuschreiben ist. Obwohl
unlängst einige ermutigende Anzeichen in der verarbeitenden Industrie festzustellen
waren, wird dies nicht reichen, um aus eigener Kraft eine Wende bei den
Exportergebnissen herbeizuführen. Die Verschuldung ist zwar gesunken, doch die
Ungleichgewichte und Risiken im Zusammenhang mit der Verschuldung des privaten
Sektors bestehen weiterhin, da der Schuldenabbau durch folgende Faktoren
verlangsamt wurde: hoher Anteil an notleidenden Krediten, gedrückter
Wohnimmobilienmarkt, schwacher Finanzsektor, hoher Anteil an
Fremdwährungsdarlehen sowie Unsicherheit in der Wirtschaft. Damit die Kreditvergabe
an die Wirtschaft auf Dauer wieder in normale Bahnen gelenkt werden kann,
müssten die Rahmenbedingungen für die Banken verbessert werden. Die hohe
Staatsverschuldung gibt ebenfalls Anlass zu Sorge. Trotz erheblicher
Verbesserungen des strukturellen Haushaltssaldos ist die Verschuldung aufgrund
des geschwächten Wechselkurses, des geringen Wachstumspotenzials und hoher
Finanzierungskosten nicht gesunken. Ungarn wird sein mittelfristiges Ziel
voraussichtlich nicht erreichen und sein strukturelles Haushaltssaldo wird sich
den Prognosen zufolge 2014 verschlechtern. ·
In den Niederlanden bestehen weiterhin makroökonomische
Ungleichgewichte, die ein Monitoring und politische Maßnahmen erfordern.
Insbesondere die makroökonomischen Entwicklungen hinsichtlich der Verschuldung
und des laufenden Schuldenabbaus des privaten Sektors in Kombination mit
verbleibenden Ineffizienzen am Wohnimmobilienmarkt erfordern weiterhin
Aufmerksamkeit. Obwohl der hohe Leistungsbilanzüberschuss keine Risiken birgt,
die mit jenen hoher Defizite vergleichbar sind und zum Teil mit der
Notwendigkeit des Schuldenabbaus zusammenhängt, wird die Kommission die
Leistungsbilanzentwicklung in den Niederlanden im Rahmen des Europäischen
Semesters weiter verfolgen. Über Jahrzehnte
hinweg sind Verkrustungen und verzerrte Anreize entstanden, die die
Wohnfinanzierung und das sektorale Sparverhalten prägen. Die Bilanzen der
Finanzinstitute haben sich stark in Richtung Wohnfinanzierung verlagert, da die
privaten Haushalte Wohneigentum für Kreditaufnahmen nutzen. Zugleich weisen die
Nicht-Finanzunternehmen seit Mitte der 1990er Jahre einen strukturellen
Ersparnisüberschuss aus. So entstand ein erheblicher und anhaltender
Leistungsbilanzüberschuss, der mit einer hohen Bruttoverschuldung und einem hohen
Nettovermögen der privaten Haushalte einhergeht. In den vergangenen Jahren
stieg dieser Überschuss weiter an, da die weltweite Krise die Binnennachfrage
dämpfte. Politische Maßnahmen, die einem weiteren Anstieg der
Hypothekenfinanzierungen entgegenwirken sollten, ermöglichten jedoch
Verbesserungen. Der Schuldenabbau wird die Wirtschaftstätigkeit weiterhin
bremsen, doch angesichts der Stabilisierung des Wohnimmobilienmarkts und einer
deutlich positiven Nettovermögensposition der privaten Haushalte sind die
Risiken begrenzt. Im Bereich der öffentlichen Finanzen werden die Niederlande
ihr Defizitziel 2014 – dem Jahr, in dem ihr übermäßiges Defizit korrigiert sein
sollte – voraussichtlich nicht erreichen, obwohl das Land 2013 und 2014 die
Strukturmaßnahmen im empfohlenen Umfang durchgeführt haben sollte. ·
In Slowenien bestehen weiterhin übermäßige
makroökonomische Ungleichgewichte, die ein spezielles Monitoring und weitere
entschlossene politische Maßnahmen erfordern. Die Ungleichgewichte haben
sich im vergangenen Jahr dank einer makroökonomischen Anpassung und
durchgreifender politischer Maßnahmen Sloweniens abgeschwächt. Angesichts der
Größenordnung der erforderlichen Korrekturen bestehen nach wie vor hohe
Risiken. Die Kommission wird das spezielle Monitoring für die politischen
Maßnahmen, die der Rat Slowenien im Rahmen des Europäischen Semesters empfohlen
hat, fortsetzen und dem Rat und der Euro-Gruppe regelmäßig Bericht erstatten. Insbesondere die Risiken, die aus einer
Wirtschaftsstruktur mit schwacher Corporate Governance, einer starken Präsenz
des Staates in der Wirtschaft, Einbußen an preislicher Wettbewerbsfähigkeit,
einem Schuldenüberhang der Unternehmen und steigender Staatsverschuldung
erwachsen, erfordern sehr große Aufmerksamkeit. Bei der Bereinigung der
Bankbilanzen wurden zwar erhebliche Fortschritte erzielt, doch bedarf es nach
wie vor entschlossener Maßnahmen zur vollständigen Umsetzung einer umfassenden
Strategie für den Bankensektor, die auch die Aspekte Umstrukturierung,
Privatisierung und verstärkte Aufsicht beinhaltet. Slowenien hat weiterhin mit den Folgen des
früheren Booms und der untragbar hohen Überschuldung der Unternehmen zu
kämpfen. Die Übertragung notleidender Kredite auf die
Bankenvermögensverwaltungsgesellschaft (Bank Asset Management Company – BAMC)
hat sich positiv auf die Bankbilanzen ausgewirkt, doch die notleidenden Kredite
schlagen im Vergleich zu den Jahren vor der Krise immer noch relativ stark zu
Buche und müssen auf der Grundlage des vor kurzem geänderten Insolvenzrahmens
nachhaltig umgeschuldet werden. Infolge einer beträchtlichen Schrumpfung der
Binnennachfrage und vor allem der Investitionstätigkeit kam es zu einer
einschneidenden Korrektur der Leistungsbilanz, die nun einen großen Überschuss
aufweist. Die Einbußen an preislicher Wettbewerbsfähigkeit konnten jedoch nicht
aufgefangen werden; die Reformen brachten bislang keine umfassende Lösung der
Probleme in Bezug auf die Flexibilität des Arbeitsmarkts und die
Wettbewerbsfähigkeit. Eine schwache Corporate Governance – vor allem, aber
nicht nur in staatlichen Unternehmen – schwächt die Gesamteffizienz der
Volkswirtschaft, da Ressourcen möglicherweise ineffizient zugewiesen werden.
Ein erheblicher Rückzug des Staates aus dem Unternehmens- und dem Finanzsektor
in Kombination mit einer umfassenden Strategie für die Verwaltung strategischer
Vermögenswerte und die Veräußerung nichtstrategischer Vermögenswerte könnte die
Anpassungsfähigkeit der Wirtschaft verbessern. Außerdem stellt die in den
letzten Jahren erheblich gestiegene Staatsverschuldung, selbst wenn sie zu
Beginn relativ niedrig war, das Land vor neue Probleme. Das Haushaltsdefizit
dürfte aufgrund der beträchtlichen Ausgaben für die Bankenrekapitalisierung in
den Jahren 2013 und 2014 über den Vorgaben liegen und wird Prognosen
zufolge bei unveränderter Politik auch 2015 deutlich die Obergrenze
überschreiten. Die Strukturanpassung greift ebenfalls etwas zu kurz. Diese
Unzulänglichkeiten und Probleme belasten die kurzfristige makroökonomische
Entwicklung. Da die Renditen der Staatsanleihen vor kurzem gesunken sind, ist
der Druck geringer, doch die Umsetzung des Strukturreformprogramms muss
schneller vorankommen. ·
In Finnland bestehen weiterhin makroökonomische
Ungleichgewichte, die ein Monitoring und politische Maßnahmen erfordern.
Insbesondere die schwachen Exporte im vergangenen Jahr, die auf die
Umstrukturierung der Industrie sowie Kosten- und Nicht-Kosten-Faktoren der
Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen sind, sollten weiterhin aufmerksam verfolgt
werden. Die Außenbilanz wurde durch den starken
Anstieg der Importe vor der Krise und die Exportflaute nach der Krise belastet.
Demgegenüber hat sich die Leistungsbilanz vor kurzem stabilisiert und es
bestehen keine Zweifel an der Tragfähigkeit der Zahlungsbilanz. Das Land verlor
binnen kürzester Zeit weitere Exportmarktanteile, obwohl sich der Welthandel
erholte. Dies liegt zum einen an der (mangelnden) Integration Finnlands in
globale Wertschöpfungsketten und zum anderen daran, dass die beträchtliche
Schrumpfung der Elektronikbranche und der Forstwirtschaft noch nicht im Zuge
des industriellen Strukturwandels aufgefangen werden konnte. Die
Anpassungsfähigkeit der Wirtschaft wird wiederum durch geringe Produktivität
und schwachen Wettbewerbsdruck im Dienstleistungssektor sowie einen Anstieg der
Kosten aufgrund eines dynamischen Lohnwachstums und eines hohen
Energieverbrauchs eingeschränkt. Deshalb konnten die Exportunternehmen ihre
preisliche Wettbewerbsfähigkeit in erster Linie durch Hinnahme geringerer
Gewinnmargen erhalten, was jedoch ihre Möglichkeiten zur Nutzung des hohen
Innovationspotenzials für neue Produkte begrenzte. Die Verringerung der
Wettbewerbsfähigkeit ist vor allem auf Nicht-Kosten-Faktoren zurückzuführen:
Eine kleine Zahl von großen Unternehmen, die nur eine begrenzte Produktpalette
für den Export anbieten, kleine Unternehmen, die weniger am Export interessiert
sind sowie eine weniger effiziente Verwendung der Gelder für Forschung und
Entwicklung. Die schwache Investitionstätigkeit, ein rückläufiger Anteil der Bevölkerung
im erwerbsfähigen Alter und ein erheblicher Produktivitätsrückgang behindern
mögliches Wachstum. Das strukturelle Defizit der öffentlichen Finanzen dürfte
2014 leicht über dem mittelfristigen Ziel liegen, während die Verschuldung der
öffentlichen Hand, teilweise aufgrund einer ungünstigen Wachstumsdynamik, auf
über 60 % der BIP steigen dürfte. ·
In Schweden bestehen weiterhin makroökonomische
Ungleichgewichte, die ein Monitoring und politische Maßnahmen erfordern.
Insbesondere Entwicklungen hinsichtlich der Verschuldung der privaten Haushalte
in Kombination mit Ineffizienzen am Wohnimmobilienmarkt müssen weiterhin
beobachtet werden. Obwohl der hohe Leistungsbilanzüberschuss keine Risiken
birgt, die mit jenen hoher Defizite vergleichbar sind, und zum Teil mit der
Notwendigkeit des Schuldenabbaus zusammenhängt, wird die Kommission die
Leistungsbilanzentwicklungen in Schweden im Rahmen des Europäischen Semesters
weiter verfolgen. Die Verschuldung der privaten Haushalte ist
nach einer Stabilisierungsphase erneut gestiegen, da die wichtigsten Ursachen –
niedrige Zinssätze für Hypothekarkredite, der Verschuldungseffekt der
Besteuerung (debt biais), die lange Abtragungsdauer von Hypothekarkrediten und
ein begrenztes Wohnangebot – nicht behoben wurden. Verschiedene Indikatoren
hinsichtlich der Kreditangebots- und -nachfragebedingungen deuten nicht auf
unmittelbaren Druck zum Verschuldungsabbau hin. Nach einer Stabilisierung der
Wohnimmobilienpreise in den vergangenen Jahren war 2013 aufgrund der günstigen
Nachfragebedingungen und Ineffizienzen auf der Angebotsseite ein erneuter
Preisanstieg zu verzeichnen. Ineffizienzen des Mietwohnungsmarkts, aufwändige
Planungsverfahren und der geringe Wettbewerb im Baugewerbe trugen ebenfalls zu
dieser Preisentwicklung bei. Es bedarf jedoch einer größeren Stabilität der
Wohnimmobilienpreise, um die Verschuldung der privaten Haushalte einzudämmen
und die makroökonomischen Risiken steigender Kosten des Schuldendienstes zu
verringern. Die jüngsten Maßnahmen der Makroaufsicht sind wichtig, aber
wahrscheinlich nicht ausreichend, um die makroökonomischen Risiken zu
verringern. Die starken steuerlichen Anreize für Kreditfinanzierungen werden
als größte Preistreiber bei Wohnimmobilien erachtet. Durch höhere Investitionen
in Wohnimmobilien würden auch die Spar- und Investitionsquoten verbessert. Die
Verschuldung der Nicht-Finanzunternehmen birgt keine makroökonomischen Risiken.
Außerdem dürften die jüngsten Reformen der Unternehmensbesteuerung zu einer
weiteren Verringerung der Unternehmensverschuldung führen, da sie der
Steuerminimierung durch multinationale Unternehmen Grenzen setzen. ·
Im Vereinigten Königreich bestehen weiterhin
makroökonomische Ungleichgewichte, die ein Monitoring und politische
Maßnahmen erfordern. Insbesondere die Entwicklungen im Bereich der
Verschuldung der privaten Haushalte, die mit den allgemein hohen
Hypothekenschulden und den strukturellen Merkmalen des Wohnimmobilienmarkts
zusammenhängen, sowie die ungünstigen Entwicklungen hinsichtlich der
Exportmarktanteile erfordern weiterhin Aufmerksamkeit. Die jüngste Konjunkturbelebung ist zwar
erfreulich, doch sie ist in erster Linie auf den Verbrauch der Haushalte
zurückzuführen und geht mit einem Anstieg des Leistungsbilanzdefizits einher.
Die derzeit niedrigen Unternehmensinvestitionen und Nettoexporte müssen erst
noch Fahrt aufnehmen. Die Eindämmung der hohen Verschuldung, insbesondere jener
der privaten Haushalte, bei gleichzeitiger Minimierung der Auswirkungen auf
Investition und Wachstum würde zur Begrenzung der mittelfristigen Risiken und
einer geringeren Verwundbarkeit durch steigende Kreditkosten beitragen. Der
Anstieg des Kreditvolumens bei Hypothekarkrediten war moderat, dennoch erhöhte
sich damit die bereits hohe Verschuldung der privaten Haushalte. Die Risiken
auf dem Wohnimmobilienmarkt liegen in einer anhaltenden strukturellen
Unterversorgung im Wohnungsbereich begründet: die relative langsame Anpassung
des Wohnangebots auf die steigende Nachfrage führt zu hohen Wohnungs- und
Hauspreisen, vor allem in London und im Südosten des Landes, und zur
Verschuldung der Haushalte durch Hypothekarkredite. Der rückläufige
Exportmarktanteil dürfte zwar keine kurzfristigen Risiken bergen, ist aber in
Verbindung mit dem Leistungsbilanzdefizit des Landes ein Hinweis auf Strukturprobleme.
Diese betreffen Qualifikationsdefizite und die geringe
Infrastrukturausstattung. Im Bereich der öffentlichen Finanzen dürfte das
Vereinigte Königreich nach wie vor weit davon entfernt sein, die Zielvorgaben
für das Haushaltsdefizit und die Strukturanpassung zu erreichen. Bei drei
Ländern, die Gegenstand der vertieften Überprüfung sind, wurden keine
makroökonomischen Ungleichgewichte festgestellt. Die Berichte
über die vertieften Überprüfungen zeigen, dass die makroökonomischen Risiken in
Dänemark und Malta abgenommen haben und besser kontrolliert
werden. Auch für Luxemburg lässt nichts auf Ungleichgewichte im Sinne
des VMU schließen. Gleichwohl bedarf es einer kontinuierlichen sorgfältigen
Überwachung und politischen Abstimmung aller Mitgliedstaaten, um neue Risiken
festzustellen und politische Maßnahmen auf den Weg zu bringen, die zu Wachstum
und Beschäftigung beitragen. Diese Überwachung wird im Rahmen des Europäischen
Semesters fortgesetzt. ·
Die makroökonomischen Herausforderungen in Dänemark
bergen keine erheblichen makroökonomischen Risiken mehr und werden nicht
mehr als Ungleichgewichte im Sinne des VMU eingestuft. Das Land hat
die Anpassungen auf dem Wohnimmobilienmarkt im Griff und die Auswirkungen einer
hohen Verschuldung des privaten Sektors auf die Realwirtschaft und die
Stabilität des Finanzsektors scheinen eingedämmt zu sein. Dennoch müssen diese
Entwicklungen ebenso wie entscheidende Faktoren für die externe
Wettbewerbsfähigkeit weiterhin beobachtet werden. Die Finanzrisiken
auf makroökonomischer Ebene, die die hohe Verschuldung des privaten Sektors
birgt, scheinen sich sogar unter Berücksichtigung von Folgerisiken (z. B.
Zinsschocks in Kombination mit ungünstigen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt)
im Rahmen zu halten. Den hohen Schulden der privaten Haushalte steht ihr hohes
Vermögen gegenüber, das hohe Altersrücklagen und Immobilien umfasst. Die 2007
eingeleitete Anpassung der Wohnimmobilienpreise konnte von den privaten
Haushalten bislang finanziell geschultert werden, da nach wie vor sehr wenig
Zahlungsrückstände eingetreten sind. Außerdem ergaben verschiedene Stresstests
und Studien, dass die Haushalte auch nachteiligen Schocks standhalten könnten.
Das Finanzwesen wirkt stabil, den verbleibenden Herausforderungen wird durch stärkere
Regulierungs- und Aufsichtsmaßnahmen begegnet. Im Zusammenhang mit der
Wettbewerbsfähigkeit ist festzuhalten, dass Dänemark aufgrund der hohen
Lohnzuwächse und des schwachen Produktivitätswachstums Exportmarktanteile
verliert. Das Missverhältnis zwischen Produktivität und Löhnen dürfte jedoch
konjunkturbedingt sein. Angesichts der hohen Leistungsbilanzüberschüsse deutet
die rückläufige Tendenz bei den Exportmarktanteilen nicht auf kurzfristige
Risiken hin. Dänemark dürfte das übermäßige öffentliche Defizit 2013 nachhaltig
korrigiert haben. ·
Die makroökonomischen Herausforderungen, vor denen Luxemburg
steht, wurden nicht als Ungleichgewichte im Sinne des VMU erachtet. Sie
sind auf ein Wachstumsmodell zurückzuführen, das auf einem effizienten
Finanzsektor basiert, der die Krise gut überstanden hat. Dennoch müssen
die zurückgegangene Wettbewerbsfähigkeit der verarbeitenden Industrie, die
Entwicklung des Wohnimmobilienmarkts und die hohe Verschuldung des privaten
Sektors weiterhin beobachtet werden. Die Analyse zeigt, dass der
Leistungsbilanzüberschuss nicht auf eine außerordentlich schwache Nachfrage,
sondern auf das stark auf Finanzdienstleistungen gestützte Wachstumsmodell des
Landes zurückzuführen ist. Gleichwohl verschleiert es ein hohes und kontinuierlich
steigendes Warenhandelsbilanzdefizit, für das vor allem die enttäuschenden
Exporte verantwortlich sind. Die Verluste der Exportmarktanteile gehen
weitgehend mit dem deutlich rascheren Anstieg der Lohnstückkosten als in
anderen Ländern einher, was zum Teil am Lohnfestsetzungsmechanismus liegt.
Daher muss für die befristete Modulierung des Lohnindexierungssystems unbedingt
eine strukturelle Lösung gefunden werden. Der große Finanzsektor birgt zwar
Risiken für die inländische Finanzstabilität, doch diese sind relativ begrenzt,
da der Sektor sowohl diversifiziert als auch spezialisiert ist. Zudem vermelden
die inländischen Banken solide Eigenkapital- und Liquiditätsquoten. Die hohe
Verschuldung des privaten Sektors und insbesondere der Nicht-Finanzunternehmen
erklärt sich vor allem aus der Präsenz zahlreicher multinationaler Unternehmen,
die für konzerninterne Finanzaktivitäten Zweigniederlassungen oder
Tochtergesellschaften in Luxemburg haben. Die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt
gibt zunehmend Anlass zu Bedenken. Die derzeit gute Lage der öffentlichen
Finanzen ist im Wesentlichen der Nachhaltigkeit des luxemburgischen
Wachstumsmodells zu verdanken, das auf einem florierenden Finanzsektor basiert,
langfristig aber ein hohes Tragfähigkeitsrisiko aufweist. So geht auch die
unlängst durchgeführte Renten- und Pensionsreform nicht weit genug, um die
Herausforderungen zu bewältigen. Das strukturelle Haushaltssaldo liegt jedoch
über dem mittelfristigen Ziel. ·
Die makroökonomischen Herausforderungen in Malta
bergen keine erheblichen makroökonomischen Risiken mehr und werden nicht
mehr als Ungleichgewichte im Sinne des VMU erachtet. Trotz einer weiterhin
hohen Verschuldung scheinen die Tragfähigkeitsrisiken in Bezug auf die
Verschuldung des privaten und des öffentlichen Sektors und die Stabilität des
Finanzsektors unter Kontrolle, müssen aber weiterhin beobachtet werden. Im Bericht über die vertiefte Überprüfung
wird festgestellt, dass die Indikatoren für die Finanzstabilität weiterhin
positiv sind. Da die Risiken im Finanzsektor struktureller Art sind, ist es
jedoch von entscheidender Bedeutung, dass die derzeitigen Aufsichtsverfahren
weiterhin angewendet werden und weiterhin Vorsicht bei der Übernahme von
Risiken waltet. Der Wohnimmobilienmarkt hat sich stabilisiert, so dass die
Risiken aufgrund einer zu starken Konzentration auf Immobilien begrenzt sind.
Die Verschuldung der privaten Haushalte ist rückläufig; der Schuldenabbau der
Unternehmen verläuft geordnet und der Druck auf dem Kreditmarkt ist gering. Was
die öffentlichen Finanzen anbelangt, so wird Malta die Zielvorgaben für das
nominale Defizit 2013 und 2014 erfüllen. Im Zusammenhang mit der Tragfähigkeit
der Zahlungsbilanz ist auf die gute Handelsleistung zu verweisen, die durch die
Ausrichtung auf sachlich und räumlich relevante Märkte und
Nicht-Kosten-Faktoren der Wettbewerbsfähigkeit ermöglicht wurde; die
Leistungsbilanz weist Überschüsse auf. Gleichwohl wäre es für die externe
Wettbewerbsfähigkeit hilfreich, wenn die Politik auf Kostenanpassungen in
Wettbewerberländern mit aktiven Maßnahmen reagieren würde. [1] Mitteilung der Kommission – "Taking stock of the
Europe 2020 strategy for smart, sustainable and inclusive growth",
COM(2014) 130 vom 5.3.2014 (Bestandsaufnahme der Strategie Europa 2020 für
intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum). [2] Siehe Winterprognose der Kommissionsdienststellen vom
25. Februar 2014, European Economy,
2 (2014). [3] Siehe “Cross-Border Spillovers in Confidence,” Quarterly
Report on the Euro Area, 2013 (3), S. 26-30, und “Assessing the Impact of
Uncertainty on Consumption and Investment”. Quarterly Report on the Euro
Area, 2013 (2), S. 7-16, und “The Economic Effects of Policy Uncertainty”,
Kasten I.1 in European Economy, 2014 (2); S. 28-30. [4] Siehe “The Euro Area's Growth Prospects over the
Coming Decade” und “The Growth Impact of Structural Reforms”, Quarterly
Report on the Euro Area, 2013 (4), S. 7-16 und S. 17-27, und
“Post-Crisis Total Factor Productivity in the EU”, Kasten I.2 in European
Economy, 2014 (2), S. 31-34. [5] Siehe “Drivers of Diverging Financing Conditions
Across Member States”, Quarterly Report on the Euro Area, 2013 (1),
S. 19-25, und “Financial Fragmentation and SMEs”,
Finanzierungsbedingungen, Kasten I.2, European Economy, 2013 (7),
S. 20-23. [6] Empfehlung 2013/217/EU des Rates vom 9. Juli 2013 (ABl. C 217 vom 30.7.2013, S. 97). [7] COM(2013) 790 final vom 13.11.2013. [8] Siehe “The Role of FDI in Preventing Imbalances in
the Euro Area”, Quarterly Report on the Euro Area, 2013 (2), S. 17-25. [9] Siehe “The Cyclical Component of Current Account
Balances”, Kasten I.3 in European Economy, 2014 (2); S. 35-38. [10] Siehe “Current Account Surpluses in the EU”, European
Economy, 2012 (9). [11] Siehe “Ageing Report”, European Economy,
2012 (2) und “Fiscal Sustainability”, European Economy,
2012 (8). [12] “Labour Costs Pass-Through, Profits and Rebalancing in
Vulnerable Member States”, Quarterly Report on the Euro Area, 2013 (3),
S. 19-25. [13] Siehe “Labour Market Developments in Europe”, European
Economy, 2013 (6). [14] Siehe “Drivers of Diverging Financing Conditions across
Member States”, Quarterly Report on the Euro Area, 2013 (1),
S. 19-25, und “Assessing the Private Sector Deleveraging Dynamics”, Quarterly
Report on the Euro Area, 2013 (1), S. 26-32. [15] Siehe “Product Market Review: Financing the Real
Economy”, European Economy, 2013 (8), “Financial Dependence and
Growth”, Quarterly Report on the Euro Area, 2013 (3), S. 7-18, und
“Firms’ Investment Decisions in Vulnerable Member States”, Quarterly Report
on the Euro Area, 2013 (4), S. 29-35. [16] Siehe hierzu auch die Mitteilung der Kommission mit dem
Titel „Stärkung der sozialen Dimension der Wirtschafts- und Währungsunion“
(COM(2013) 690 vom 2.10.2013) und den „Entwurf des Gemeinsamen
Beschäftigungsberichts“ von 2014 (COM(2013) 801 final vom 13.11.2013).