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15.6.2013 |
DE |
Amtsblatt der Europäischen Union |
C 170/51 |
Veröffentlichung eines Eintragungsantrags gemäß Artikel 50 Absatz 2 Buchstabe a der Verordnung (EU) Nr. 1151/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates über Qualitätsregelungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel
2013/C 170/12
Diese Veröffentlichung eröffnet die Möglichkeit, gemäß Artikel 51 der Verordnung (EU) Nr. 1151/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates (1) Einspruch gegen den Antrag zu erheben.
EINZIGES DOKUMENT
VERORDNUNG (EG) Nr. 510/2006 DES RATES
zum Schutz von geografischen Angaben und Ursprungsbezeichnungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel (2)
„COZZA DI SCARDOVARI“
EG-Nr.: IT-PDO-0005-0981-12.03.2012
g.g.A. ( ) g.U. ( X )
1. Name
„Cozza di Scardovari“
2. Mitgliedstaat oder Drittland
Italien
3. Beschreibung des Agrarerzeugnisses oder des Lebensmittels
3.1 Erzeugnisart
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Klasse 1.7. |
Fisch, Muscheln, Schalentiere, frisch und Erzeugnisse daraus |
3.2 Beschreibung des Erzeugnisses, für das der unter Punkt 1 aufgeführte Name gilt
Die zur Art Mytilus galloprovincialis gehörende „Cozza di Scardovari“ ist eine längliche, fast dreieckige Muschel mit gewölbten blau-violetten Schalen, die dünne konzentrische Streifen aufweisen. Aus der Schale der Muschel treten sehr feste braune Fäden aus (Byssusfäden), mit denen sich das Tier an den Netzschläuchen, den sogenannten „reste“, oder anderen Substraten festklammert.
„Cozza di Scardovari“ ist durch die folgenden physischen und organoleptischen Parameter gekennzeichnet:
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helles Fleisch, das den gesamten Schalenhohlraum ausfüllt (Fleischanteil am Gesamtgewicht der Muschel: Konditionsindex > 25 %); |
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besondere Süße des Muschelfleischs (Natriumgehalt < 210 mg/100 g); |
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besonders weiches und leicht zergehendes Fleisch von hoher Genussqualität. |
Beim Inverkehrbringen muss „Cozza di Scardovari“ eine dunkle, schlagfeste Schale besitzen; die Muscheln gelangen entweder lebend in Netzen, vakuum- bzw. schutzgasverpackt oder tiefgekühlt (mit oder ohne Schale) in den Handel.
3.3 Rohstoffe (nur für Verarbeitungserzeugnisse)
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3.4 Futter (nur für Erzeugnisse tierischen Ursprungs)
Nahrungsgrundlage von „Cozza di Scardovari“ sind die hohen Mengen an organischen und anorganischen Partikeln und die hohe Produktivität von Phytoplankton und Zooplankton, zwei spezifische Merkmale der Lagune „Sacca di Scardovari“.
Die Versorgung mit organischen und anorganischen Nährstoffen wird vor allem durch den reichlichen Süßwasserzufluss aus den verschiedenen Armen des Po begünstigt, während die geringe Tiefe, die Temperatur und der Sauerstoffgehalt des Wassers in der Lagune von Scardovari der Entwicklung der Planktonpopulation förderlich sind. Die Muscheln erhalten keinerlei Zusatz- oder Ergänzungsfutter.
3.5 Besondere Erzeugungsschritte, die in dem abgegrenzten geografischen Gebiet erfolgen müssen
Das Ausbringen der Muschelsaat, das Wachstum und die Ernte von „Cozza di Scardovari“ dürfen ausschließlich in Zuchtanlagen in der „Sacca di Scardovari“ erfolgen; für das Reinigen, Waschen und Sortieren der Muscheln wird gereinigtes Wasser aus der Lagune von Scardovari verwendet. Diese Produktionsphasen müssen in geeigneten Anlagen in den Ortsteilen Scardovari, Ca' Mello und Santa Giulia der Gemeinde Porto Tolle erfolgen.
3.6 Besondere Vorschriften für Vorgänge wie Schneiden, Reiben, Verpacken usw.
Um zum einen die Vitalität und Frische des Erzeugnisses sowie seine Genusstauglichkeit sicherzustellen und zum anderen Betrug in Form der Beimischung von Miesmuscheln aus anderen Erzeugungsgebieten zu verhindern, muss das Erzeugnis unmittelbar nach der Entnahme aus den Reinigungsbecken in dem unter Punkt 4 beschriebenen Gebiet verpackt werden.
3.7 Besondere Vorschriften für die Etikettierung
Das Garantiesiegel ist so anzubringen, dass es beim Öffnen der Verpackung beschädigt wird. Das Etikett muss die folgenden Angaben enthalten: „Cozza di Scardovari“ und „Denominazione d’Origine Protetta“ bzw. die Abkürzung „DOP“. Des Weiteren sind das Logo der Ursprungsbezeichnung „Cozza di Scardovari D.O.P.“ und das EU-Zeichen für geschützte Ursprungsbezeichnungen anzubringen.
4. Kurzbeschreibung der Abgrenzung des geografischen Gebiets
Das Erzeugungsgebiet umfasst die Lagune „Sacca di Scardovari“ sowie die Ortsteile Scardovari, Ca’ Mello und Santa Giulia der Gemeinde Porto Tolle in der Provinz Rovigo.
Der Begriff „Sacca“ bezeichnet eine fast vollständig vom Meer abgetrennte Bucht, die aus einem Meeresarm entstanden und nur noch durch eine Lagunenöffnung mit dem Meer verbunden ist.
Die „Sacca di Scardovari“ liegt im südlichen Teil des Po-Deltas, zwischen dem nordöstlich gelegenen Flussarm Po di Tolle und dem südwestlichen Po di Gnocca, und wird nach Süden von den folgenden Punkten im italienischen geografischen Koordinatensystem Gauss-Boaga Zone West begrenzt:
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4971445,99 N — 1773953,45 E |
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4967536,31 N — 1770965,25 E |
5. Zusammenhang mit dem geografischen Gebiet
5.1 Besonderheit des geografischen Gebiets
Grundlage der ökologischen Charakteristika der „Sacca di Scardovari“ ist das Aufeinandertreffen der nährstoff- und schwebepartikelreichen Süßwasserströme des Po mit dem Salzwasser des Adriatischen Meeres, das im Rhythmus der Gezeiten in die Lagune strömt.
Nach der Mischung des Süßwassers des Po mit dem Meerwasser (Salzgehalt von circa 35 %) weist das Wasser der Lagune von Scardovari einen geringen Salzgehalt von 10-30 % (Durchschnittswert: etwa 20 %) auf. Das Flusswasser sorgt zudem für eine beträchtliche Zufuhr von Nährstoffen und organischen Schwebstoffen.
Die geringe Wassertiefe der Lagune von maximal 3 m erlaubt eine Streuung des Lichts in der gesamten Wassersäule und ermöglicht ideale Temperaturbedingungen (die durchschnittliche Wassertemperatur ist hier höher als im Meer) und eine hohe Produktivität von Phytoplankton; der Wasseraustausch durch den Gezeitenwechsel sorgt für ideale hydrodynamische Bedingungen und eine gute Sauerstoffanreicherung des Wassers und schafft so eine günstige Umgebung für das Wachstum der Muscheln.
Die erste Kooperative von Fischern aus dem Erzeugungsgebiet entstand im Jahr 1936. Im vergangenen Jahrhundert kam es durch Einwirkung des Menschen und den Einfluss natürlicher Faktoren zu einer rapiden Veränderung des Gebiets; die Überschwemmung von 1966 verlieh der „Sacca di Scardovari“ ihre heutige Gestalt. Seitdem wurden als Alternative zur Muschelfischerei im Meer die ersten Versuche mit der Muschelaufzucht in kleinen Zuchtanlagen in der Lagune unternommen, was auch in einem Bericht des Verwaltungsrats der Kooperative aus den 1980er Jahren über die Muschelreinigungsanlage von Scardovari bestätigt wird. Die Qualität des Erzeugnisses beruht somit auch auf dem Know-how und der Erfahrung, die die Produzenten seither gewonnen haben. Die Muschelzucht erfolgt in Familienbetrieben oder Kooperativen, und bei der Vorbereitung der Anlagen und der Verarbeitung des Erzeugnisses finden traditionelle, meist manuelle Techniken Anwendung wie das Abstreifen und Vereinzeln der Muscheln, die Beseitigung von Schädlingen und die Verteilung der Muscheln nach Größe auf verschiedene Netzschläuche, um ein kräftigeres Wachstum zu ermöglichen.
5.2 Besonderheit des Erzeugnisses
„Cozza di Scardovari“ zeichnet sich durch einen niedrigen Natriumgehalt des Muschelfleischs von weniger als 210 mg je 100 g des Erzeugnisses aus; dieser Wert liegt deutlich unter dem von im offenen Meer gezüchteten Muscheln und ist entscheidend für die Süße und den angenehmen, feinen Geschmack.
Des Weiteren besitzt diese Miesmuschel mit ihrem hohen Konditionsindex von über 25 % einen besonders reichhaltigen Fleischanteil in der Schale, der auf den hohen Stoffwechsel der Muschel und die starke Entwicklung des essbaren Teils zurückzuführen ist. Die rasche Entwicklung der Muschel, die in nur acht bis neun Monaten nach dem Ausbringen der Muschelsaat erfolgt, ermöglicht die für „Cozza di Scardovari“ typische hohe Produktivität.
5.3 Ursächlicher Zusammenhang zwischen dem geografischen Gebiet und der Qualität oder den Merkmalen des Erzeugnisses (im Falle einer g.U.) bzw. einer bestimmten Qualität, dem Ansehen oder sonstigen Eigenschaften des Erzeugnisses (im Falle einer g.g.A.)
Die qualitativen, physischen und organoleptischen Merkmale von „Cozza di Scardovari“ ergeben sich aus dem Zusammenwirken der besonderen Umgebungsbedingungen in der Lagune, von der die Muscheln ihren Namen haben. So bewirkt insbesondere der geringe Salzgehalt des Wassers in der „Sacca di Scardovari“, dass das Fleisch der hier erzeugten Muscheln einen niedrigen Natriumgehalt von weniger als 210 mg je 100 g des Erzeugnisses aufweist — ein Merkmal, das zum besonders angenehmen, feinen und süßen Geschmack des Muschelfleischs beiträgt.
Der Reichtum an organischen Schwebepartikeln und die hohe Produktivität von Phytoplankton in dem seichten Gewässer sorgen für den hohen Stoffwechsel der Muschel und die starke Entwicklung des essbaren Teils (Konditionsindex > 25 %) sowie für das rasche Wachstum von „Cozza di Scardovari“.
Die geografischen und morphologischen Merkmale der „Sacca di Scardovari“ (geringe Tiefe, regelmäßiger Wasseraustausch durch den Gezeitenwechsel, optimale Temperaturbedingungen, hervorragende Sauerstoffversorgung und ideale Wasserdynamik) und die professionelle Anwendung der traditionellen Zucht- und Produktionsverfahren haben unmittelbaren Einfluss auf das Wohlergehen der Muscheln: Sie fördern ihr kräftiges, einheitliches Wachstum und ermöglichen die Kontrolle ihrer Qualität.
Das Ansehen des Namens und des Erzeugnisses wird durch die in den 1980er Jahren bei der „Festa della Cozza di Scardovari“ entstandenen Fotos dokumentiert; heute sind die Miesmuscheln aus der Lagune von Scardovari bei den italienischen Verbrauchern und auch bei den Konsumenten in anderen europäischen Ländern wohlbekannt, und ihre Erzeugung ist ein bedeutender Wirtschaftszweig, in dem zahlreiche Einzel- und Familienbetriebe aktiv sind.
Hinweis auf die Veröffentlichung der Spezifikation
(Artikel 5 Absatz 7 der Verordnung (EG) Nr. 510/2006 (3))
Die Verwaltungsbehörde hat durch die Veröffentlichung des Antrags auf Zuerkennung der geschützten Ursprungsbezeichnung „Cozza di Scardovari“ im Amtsblatt der Italienischen Republik Nr. 271 vom 21. November 2011 das nationale Einspruchsverfahren eingeleitet.
Die konsolidierte Fassung der Produktspezifikation ist im Internet abrufbar unter:
http://www.politicheagricole.it/flex/cm/pages/ServeBLOB.php/L/IT/IDPagina/3335
oder
direkt auf der Homepage des italienischen Landwirtschaftsministeriums (http://www.politicheagricole.it), oben rechts auf dem Bildschirm auf „Qualità e sicurezza“ (Qualität und Sicherheit) klicken und dann auf „Disciplinari di Produzione all’esame dell’UE“ (Produktspezifikationen zur Prüfung durch die EU).
(1) ABl. L 343 vom 14.12.2012, S. 1.
(2) ABl. L 93 vom 31.3.2006, S. 12. Ersetzt durch die Verordnung (EU) Nr. 1151/2012.
(3) Vgl. Fußnote 2.