GEMEINSAMER BERICHT AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DEN RAT Sonderverwaltungsregion Hongkong: Jahresbericht 2011 /* JOIN/2012/011 final */
GEMEINSAMER BERICHT AN DAS EUROPÄISCHE
PARLAMENT UND DEN RAT Sonderverwaltungsregion Hongkong:
Jahresbericht 2011 Einleitung Seit der Rückgabe
Hongkongs an die Volksrepublik China vor nahezu fünfzehn Jahren verfolgen die
Europäische Union und die Mitgliedstaaten aufmerksam die wirtschaftlichen und
politischen Entwicklungen in der Sonderverwaltungsregion (SVR) Hongkong. 1997
wurde gegenüber dem Europäischen Parlament die Verpflichtung eingegangen,
jährlich einen Bericht über die Entwicklungen in Hongkong vorzulegen. Mit dem
Jahresbericht 2011 wird der vierzehnte Bericht vorgelegt. Im
Berichtszeitraum 2011 galt weiterhin der Grundsatz „Ein Land – zwei Systeme“,
wie er in der chinesisch-britischen Erklärung und im Grundgesetz von Hongkong
verankert ist. Die Rechte und Grundfreiheiten der Bevölkerung Hongkongs wurden
weiterhin geachtet, die Rechtsstaatlichkeit blieb gewahrt und das
marktwirtschaftliche System und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wurden
beibehalten. Die bilateralen
Beziehungen zwischen der EU und Hongkong wurden weiter ausgebaut. Einen
Höhepunkt bildete der Besuch des Chief Executive der SVR Hongkong bei den
EU-Institutionen im September und seine Zusammenkunft mit Ratspräsident Van
Rompuy. Die Europäische
Union misst der Stabilität, dem wirtschaftlichen Wohlstand und der
demokratischen Entwicklung Hongkongs hohe Bedeutung bei. Die EU setzt sich
weiterhin für rasche und deutliche Fortschritte bei der Einführung des
allgemeinen Wahlrechts gemäß dem Grundgesetz der SVR Hongkong und den Wünschen
der Bevölkerung Hongkongs ein. Politische Entwicklungen 2011 wurde die
verfassungsrechtliche Entwicklung Hongkongs weiter gefestigt. Die
nachgeordneten Rechtsvorschriften zu dem im Juni 2010 beschlossenen
Wahlrechtsreformpaket wurden angenommen. Im Vorfeld der Bezirksratswahlen und
der Ernennung des Wahlkomitees, das für die Wahl des nächsten Chief Executive
im März 2012 zuständig ist und dessen Mitgliederzahl erhöht wurde, entwickelte
sich eine politische Dynamik, die u. a. durch eine lebhafte öffentliche
Debatte und eine intensive Medienberichterstattung gekennzeichnet war. Am 22. Juli
2011 veröffentlichte der Sekretär für verfassungsrechtliche und
Festlandsangelegenheiten ein Konsultationspapier zu den Regelungen für die
Besetzung vakanter Sitze im Legislativrat. Der Konsultationszeitraum endete am
24. September 2011. Die Mehrheit der Konsultierten befürwortete die
Beibehaltung des Systems der Nachwahlen und lehnte somit den ursprünglichen
Vorschlag der Regierung ab, den Sitz mit dem nächstplatzierten Kandidaten der
Liste zu besetzen. Die Regelung soll in der Legislaturperiode 2011/2012
verabschiedet werden. Chief Executive Donald Tsang legte am 12. Oktober 2011 in seiner letzten jährlichen politischen Ansprache unter
dem Titel „From Strength to Strength“ den Schwerpunkt auf die sozialen
Herausforderungen, vor denen Hongkong steht. Er wies in seiner Ansprache auf
den unbezahlbaren Wohnraum, die rapide Alterung der Bevölkerung und das
wachsende Wohlstandsgefälle hin und stellte Maßnahmen zur Verbesserung der
allgemeinen Lebensqualität in Aussicht. Am
6. November 2011 fanden Bezirksratswahlen statt. Die Wahlbeteiligung lag
bei 41,4%; 1,2 Millionen Wahlberechtigte gaben ihre Stimme ab. Die „Democratic
Alliance for the Betterment and Progress of Hong Kong“ (DAB) und die
„Federation of Trade Unions“ konnten 165 der 412 Sitze erringen. Die
pandemokratischen Parteien erhielten lediglich 47 Sitze. Die Bezirksratswahlen bildeten den Auftakt für eine Reihe von
Wahlen, die im Jahr 2012 anstehen. Dazu gehören u. a. die nächsten
Legislativratswahlen im September 2012, bei denen fünf der den funktionalen
Wahlkreisen zugewiesenen Sitze aus den Reihen der im November 2011 gewählten
Bezirksräte besetzt werden sollen. Mutmaßliche Unregelmäßigkeiten bei der
Wählerregistrierung waren Gegenstand einer Untersuchung. Am
10. Dezember 2011 wurden die Mitglieder des für die Wahl des nächsten
Chief Executive im März 2012 zuständigen Wahlkomitees ernannt, dessen
Mitgliederzahl zuvor auf 1 200 erhöht worden war. Dem Wahlkomitee gehören
Wirtschafts- und Branchenvertreter, Vertreter der Zivilgesellschaft und
Politiker der Bezirksräte und des Legislativrates an. Ende 2011 hatten zwei
Bewerber ihre Kandidatur für den Posten des Chief Executive bekannt gegeben:
der frühere Chief Secretary (stellvertretender Regierungschef) Henry Tang am
26. November und das ehemalige Exekutivratsmitglied Chun-Ying Leung am 27.
November. In den Beziehungen zwischen Hongkong und Taiwan wurde 2011
mit der Formalisierung der Beziehungen und der Einrichtung offizieller Büros in
Taipei und Hongkong ein wichtiger Schritt nach vorn getan. Im Juli 2011
eröffnete Taiwan ein offizielles Vertretungsbüro in Hongkong, das „Taipei
Economic and Cultural Office“. Das
Vertretungsbüro Hongkongs in Taipeh trägt die Bezeichnung „Hong Kong Economic,
Trade and Cultural Office“. Außerdem verfolgen
Hongkong und Taiwan eine zunehmend umfassendere bilaterale Agenda, die sich auf
Themen wie Handel und Investitionen, Luftverkehr, Zoll und kulturelle
Zusammenarbeit erstreckt. Die Wahrung der
Rechtstaatlichkeit und der Unabhängigkeit der Justiz spielte weiterhin eine
zentrale Rolle für die Sicherung des langfristigen Wohlstands von Hongkong. Am
10. Januar 2011 hob Geoffrey Ma Tao-li, Oberster Richter des letztinstanzlichen
Berufungsgerichts, in seiner ersten Ansprache anlässlich der Eröffnung der
neuen Gerichtsperiode drei wesentliche Elemente der Rechtsstaatlichkeit in
Hongkong hervor: die gesetzliche Verankerung der Rechte und der Menschenwürde
des Einzelnen, eine unabhängige Justiz, die diese Gesetze schützt, und eine
geordnete Rechtspflege. Die Justiz Hongkongs schützt weiterhin die in Hongkong
geltenden Rechte und Freiheiten und gewährleistet die Gleichbehandlung aller im
Einklang mit den Rechtsvorschriften. 2011 erging eine Reihe bedeutender Gerichtsurteile. Am 8. September
2011 urteilte das letztinstanzliche Berufungsgericht im Einklang mit der
Auslegung des Artikels 158 des Grundgesetzes durch den Ständigen Ausschuss des
Nationalen Volkskongresses, dass der Grundsatz „Ein Land – zwei Systeme“ sich
in der Sache FG Hemisphere/Kongo nicht auf die Lehre von der Staatenimmunität
erstreckt. Damit bestätigte das Gericht, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten
von Drittländern aufgrund der Staatenimmunität nicht der Gerichtsbarkeit
Hongkongs unterliegen. Die Hongkonger Anwaltskammer erklärte, dass die
Unabhängigkeit der Gerichte durch diese Entscheidung nicht beeinträchtigt
werde. Die Rechtssache betrifft einen Schuldbetrag in Höhe von 100 Mio. USD,
den der US-amerikanischen Fonds FG Hemisphere seit Jahrzehnten von der
Demokratischen Republik Kongo einfordert. Das Gericht erster Instanz entschied
am 30. September 2011, dass ausländischen Haushaltsangestellten das Recht
zugestanden werden sollte, eine ständige Aufenthaltsgenehmigung in Hongkong zu
beantragen. Die Regierung legte gegen das Urteil Berufung ein. Die Rechtssache
löste eine lebhafte Debatte über die Gleichbehandlung ausländischer
Hausangestellter aus. In der Frage des Baus
der Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke hob das Berufungsgericht ein Urteil des
Gerichtes erster Instanz auf und gab damit grünes Licht für dieses
Infrastrukturprojekt. Das Gericht erster Instanz war zu der Auffassung gelangt,
dass die Umweltschutzbehörde keine Analyse der voraussichtlichen
Umweltauswirkungen vorgenommen habe; dieses Urteil hatte zu einem Baustopp
geführt. Im Laufe des
Jahres 2011 übten die Einwohner Hongkongs weiterhin ihr Recht auf freie
Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit aus. Bei den alljährlichen
Demonstrationen am 1. Juli wurde die größte Teilnehmerzahl seit 2004
verzeichnet. Entwicklungen in Wirtschaft und Handel 2011 war die Wirtschaftslage in Hongkong gut.
Dank robuster Dienstleistungs- und Warenexporte und einer starken
Inlandsnachfrage war im ersten Halbjahr ein solides Wachstum zu verzeichnen.
Mit der Verschlechterung des außenwirtschaftlichen Umfelds schwächte sich das
Wachstum jedoch in der zweiten Jahreshälfte 2011 ab. Das reale BIP-Wachstum
verringerte sich 2011 auf 5 %, gegenüber 7 % im Jahr 2010. Auf dem
Arbeitsmarkt herrschte Vollbeschäftigung; die jährliche Arbeitslosenquote lag bei
3,4 %. Die Inflationsrate stieg auf 5,3%[1]
und hat somit deutlich zugenommen. Die Bekämpfung der Inflation und die
Eindämmung der Immobilienblase wurden zu Jahresbeginn 2011 als zentrale
Herausforderungen der Wirtschaft Hongkongs bewertet. Die Regierung der SVR
Hongkong ergriff daher eine Reihe von Maßnahmen, die darauf abzielen, im
Haushaltsjahr 2011-2012 die Folgen der Inflation zu dämpfen und den überhitzen
Immobilienmarkt abzukühlen. So schlug der Finanzminister u. a. vor, allen
über achtzehnjährigen Personen mit ständigem Wohnsitz in Hongkong einmalig
6 000 HKD (Hongkong-Dollar) auszuzahlen. Damit zog er seinen
ursprünglich Vorschlag zurück, dieselbe Summe auf jedes der Pensionsfondskonto
des „Mandatory Provident Fund“ einzuzahlen. Diese Bargeldauszahlungen stellen
ein absolutes Novum in der Haushaltspolitik Hongkongs dar. Die Regierung der
SVR Hongkong konnte eine solide Haushaltsposition und umfangreiche Reserven
vorweisen, die sich Ende März 2011 auf rund 595 Mrd. HKD beliefen,
was 34 % des BIP entspricht[2].
Zu Beginn des zweiten Halbjahres 2011 löste
die Staatsschuldenkrise im Euroraum in Hongkong Besorgnis aus, wenngleich die
Banken Hongkongs nur begrenzten Risiken ausgesetzt sind. Der Immobilienmarkt
konsolidierte sich, da die Marktteilnehmer vorsichtiger agierten. Der
Aktienmarkt machte eine scharfe Kurskorrektur durch: Zum Jahresabschluss
schloss der Hang-Seng-Index 20 % unter dem Jahresendstand 2010[3]. 2011 wurde zudem deutlich
weniger Beteiligungskapital an der Hongkonger Börse aufgebracht[4]. Trotzdem war Hongkong bei der
Kapitalbeschaffung durch Erstemissionen (IPO) im dritten Jahr in Folge der
weltweit führende Börsenplatz. Bei den drei wichtigsten im Jahr 2010 auf den
Weg gebrachten wirtschaftspolitischen Gesetzesvorschlägen (Mindestlohngesetz,
Wettbewerbsgesetz, Gesetz und Bestimmungen zum Austausch von steuerlichen
Informationen) waren 2011 unterschiedliche Fortschritte zu verzeichnen. Das
Mindestlohngesetz, mit dem ein Mindeststundenlohn von 28 HKD festgelegt wurde,
trat am 1. Mai 2011 in Kraft. Die Arbeitsmarktlage blieb im vergangenen Jahr
gut und es herrschte Vollbeschäftigung. Das lange erwartete Wettbewerbsgesetz,
das in Wirtschaftskreisen auf starken Widerstand stößt, wurde weiter im Legislativrat
erörtert. Um einigen Anliegen der Wirtschaft gerecht zu werden, änderte die
Regierung im Oktober 2011 den ursprünglichen Vorschlag ab. Im März 2010 hatte
Hongkong Rechtsvorschriften zur Angleichung der Regelungen für den Austausch
steuerlicher Informationen an die internationalen Standards angenommen. In
weniger als zwei Jahren hat Hongkong seither 17 neue Steuerabkommen mit
Drittländern unterzeichnet (davon 11 mit EU-Mitgliedstaaten). Die SVR Hongkong war erstmals Gegenstand eines
eigenen Kapitels in einem Fünfjahresplan Chinas (Zwölfter Fünfjahresplan,
2011-2015). In dieser nationalen Entwicklungsstrategie bekräftigt China, dass
Hongkong seine Position als internationales Zentrum der Finanzwirtschaft, des
Handels und der Schifffahrt beibehalten soll und sagt zu, Hongkong als
Offshore-Zentrum für RMB-Geschäfte und als internationales
Vermögensverwaltungszentrum zu unterstützen. Der stellvertretende chinesische
Ministerpräsident Li Keqiang gab bei seinem Besuch in Hongkong im August 2011
eine Reihe von Maßnahmen bekannt, die den Finanzdienstleistungssektor Hongkongs
stärken sollen. Vorgesehen ist u. a., die Repatriierung von RMB durch
ausländische Direktinvestitionen zuzulassen, ein auf RMB lautendes „Qualified
Foreign Institutional Investors Programm“ (RQFII) aufzulegen und die Ausgabe
RMB-denominierter Anleihen (Staats- und Unternehmensanleihen) in Hongkong
auszuweiten. Mit diesen neuen Maßnahmen werden die Möglichkeiten für
RMB-Transaktionen zwischen Hongkong und China schrittweise ausgebaut und Hongkongs
Position als RMB-Offshore-Zentrum wird gestärkt. Die RMB-Geschäfte haben im
vergangenen Jahr in Hongkong rapide zugenommen. Hongkong wies die größte
RMB-Liquidität außerhalb Chinas auf und wickelte 84 %[5] der auf RMB lautenden
grenzüberschreitenden Handelstransaktionen ab. Die RMB-Einlagen in Hongkong
beliefen sich Ende 2011 auf 588,5 Mrd. Yuan, was einem Anstieg um
86,9 % gegenüber 2010 gleichkommt. Der Gesamtwert der Emissionen an
RMB-denominierten Anleihen überschritt 100 Mrd. Yuan[6]. Dank des in Hongkong
vorhandenen finanzwirtschaftlichen Fachwissens und der gut etablierten
Finanzinfrastruktur sowie aufgrund seiner einzigartigen Beziehung zu China
dürfte Hongkong auch in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle bei der
Internationalisierung des Renminbi spielen. Die
wirtschaftliche Integration mit der Provinz Guangdong wurde im Zuge der
Umsetzung des 2010 unterzeichneten Rahmenabkommens für die Zusammenarbeit
zwischen Hongkong und Guangdong weiter ausgebaut. Im zwölften
Fünfjahresplan wird zugesagt, dass Guangdong weitere Unterstützung erhalten
soll, um eine Vorreiter- und Führungsrolle bei der Öffnung des
Dienstleistungssektors für Hongkong zu übernehmen. Zudem wird die rasche
Umsetzung umfangreicher Kooperationsprojekte zwischen Guangdong, Hongkong and
Macau angestrebt. Hongkong und Guangdong haben zugesagt, bei der Entwicklung
einer Vielzahl von Bereichen - grenzübergreifende Infrastrukturen, moderner
Dienstleistungssektor, Innovation und Technologie im verarbeitenden Gewerbe,
Umwelt und Bildung - die Zusammenarbeit auszubauen.
Im Dezember 2011 unterzeichneten Hongkong und
China die achte Zusatzvereinbarung zur Vereinbarung über eine engere
wirtschaftliche Partnerschaft (CEPA). Die Zusatzvereinbarung VIII umfasst
insgesamt 32 Maßnahmen, die auf die Liberalisierung von Dienstleistungen und
die Förderung von Handel und Investitionen abzielen; 15 dieser Maßnahmen
betreffen Offshore-RMB-Geschäfte. Sie sieht zudem eine Lockerung der
Ursprungsregeln für den Warenhandel sowie die Einführung des Begriffs „Dienstleistungserbringer
Hongkongs“ vor, die diesen bessere wirtschaftliche Perspektiven in China
eröffnet. Mit den in der Zusatzvereinbarung VIII vorgesehenen Maßnahmen umfasst
CEPA insgesamt 301 Liberalisierungsmaßnahmen in 47 Dienstleistungssektoren. Den
Erklärungen des stellvertretenden chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang
zufolge hat China die Absicht, den Dienstleistungssektor Hongkongs bis Ende
2015 vollständig zu liberalisieren. Neben CEPA bemühte sich Hongkong zudem
intensiv um den Abschluss bilateraler und regionaler Übereinkommen. Im Juni
2011 unterzeichneten Hongkong und die Europäische Freihandelsassoziation (EFTA)
ein Freihandelsabkommen. Nach den Freihandelsabkommen mit China und Neuseeland
ist dies das dritte Abkommen dieser Art, das Hongkong geschlossen hat. Zudem
wurden die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Chile aufgenommen.
Mit Unterstützung Chinas bekundete Hongkong gegenüber der ASEAN den Wunsch, der
Freihandelszone ASEAN-China beizutreten. Generell brachte Hongkong seine
Absicht zum Ausdruck, sich auch künftig als aktives Mitglied von WTO und APEC
für die weitere Liberalisierung von Handel und Investitionen einzusetzen. Beziehungen und Zusammenarbeit zwischen
der Europäischen Union und Hongkong Die bilateralen Beziehungen und die
Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und Hongkong wurden 2011 weiter
ausgebaut. Hongkong ist weiterhin ein wichtiger Akteur in der Region und
Drehscheibe für die Handels- und Investitionsströme zwischen der Europäischen
Union und Festlandchina. 2011 war die EU nach Festlandchina weiterhin
der zweitgrößte Handelspartner Hongkongs, während Hongkong unter den
Handelspartnern der Europäischen Union an 16. Stelle lag. Der bilaterale Handel
zwischen der EU und Hongkong stieg in den ersten neun Monaten des Jahres 2011
um 8,8 % auf einen Wert von 30 Mrd. EUR. Die EU gehörte 2010 nach Festlandchina und den
Britischen Jungferninseln mit einem Anteil von rund 9,9 % an den
ausländischen Direktinvestitionen zu den größten ausländischen Investoren in
Hongkong. Im Gegenzug nahm auch die Investitionstätigkeit Hongkongs in Europa
weiterhin kontinuierlich zu, so dass sich Hongkong zu einem der größten
asiatischen Direktinvestoren für die EU entwickelte. Trotz der globalen
Wirtschaftskrise weist Hongkong weiterhin eine der höchsten Konzentrationen
europäischer Unternehmen in Asien auf und zieht als Wohn- und Arbeitsort nach
wie vor eine große Zahl von europäischen Staatsbürgern an, deren Zahl sich nach
offiziellen Angaben der Einwanderungsbehörde Ende 2011 auf insgesamt
31 930 belief[7].
Aus der EU kommt mit 454 regionalen Niederlassungen, 695 regionalen Büros und
670 lokalen Büros (Stand Juni 2011)[8]
der größte Teil der ausländischen Unternehmen in Hongkong – mehr als aus den
USA und Japan. Diese EU-Unternehmen repräsentieren ein breites Spektrum von
Sektoren, vorrangig Finanz- und Unternehmensdienstleistungen, Handel, Logistik,
Baugewerbe und Einzelhandel. EU-Unternehmen gehören zu den wichtigsten Akteuren
in den Sektoren Banken, Versicherungen und Wertpapiere in Hongkong. Hongkong ist zudem eine wichtige Drehscheibe
für europäische Direktinvestitionen in Festlandchina und chinesische
Direktinvestitionen in der EU. Ausschlaggebend hierfür sind u. a. die
geografische Nähe und die gut funktionierenden Geschäftsverbindungen zu
Festlandchina, das einfache Steuersystem Hongkongs, das Angebot an
hochqualifizierten Dienstleistern in Bereichen wie Finanzen, Rechnungslegung
und Recht sowie die Tatsache, dass eine wachsende Zahl von Unternehmen aus der
EU und Festlandchina in Hongkong präsent ist. Außerdem bietet Hongkong eine
ideale Plattform für die Beschaffung von Kapital für Investitionen oder
Unternehmensexpansionen, sei es durch Börsengänge, Zweitnotierungen oder
Anleiheemissionen (einschließlich Auflegung RMB-denominierter Anleihen). Der fünfte strukturierte Dialog zwischen der
Europäischen Union und der Regierung der SVR Hongkong fand am 8. Dezember
2011 in Hongkong statt. Gegenstand der Sitzung war eine Vielzahl von Themen,
u. a. Wirtschaftsbeziehungen, einschließlich Handel und Investitionen,
Luftfahrt, Umwelt, Forschung, Technologie, Innovation, Zusammenarbeit im
Bildungsbereich, Finanzdienstleistungen, Wettbewerbsrecht, traditionelle
chinesische Medizin, Emissionshandel und Klimawandel sowie Zollfragen. Beide Seiten
hoben hervor, dass die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen an Intensität
gewonnen haben und vertieft wurden und dass der bilaterale Handel dank eines
kontinuierlichen Anstiegs wieder das Volumen erreicht hat, das vor der
Finanzkrise der Jahre 2008-2009 verzeichnet wurde. Auf fachlicher Ebene wurde
der konstruktive Austausch über die Reform der Rechtsvorschriften im
Finanzdienstleistungssektor und im Bereich Prüfung und Zertifizierung
fortgesetzt. Der strukturierte Dialog ist eine fest etablierte Plattform für
die Weiterentwicklung der Beziehungen zwischen der EU und Hongkong. Außerdem
ist die EU weiterhin entschlossen, die Sondierungsgespräche über eine mögliche
Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Besteuerung von Zinserträgen fortzusetzen. Trotz der 2010 von der Europäischen Kommission
und Hongkong erzielten Einigung über die Wiederherstellung der Rechtssicherheit
für die bilateralen Luftverkehrsabkommen zwischen der EU und Hongkong waren bei
den bilateralen Verhandlungen zwischen Hongkong und den betreffenden
EU-Mitgliedstaaten nur begrenzte Fortschritte zu verzeichnen. Um die
Rechtsunsicherheit zu beseitigen, ist es in hohem Maße wünschenswert, dass
Hongkong die Änderung seine Luftverkehrsabkommen mit allen betreffenden
Mitgliedstaaten entweder im Rahmen bilateraler Verhandlungen oder durch den
Abschluss eines „horizontalen Abkommens“ mit der EU endgültig abschließt. 2011
war ein Anstieg gegenseitiger hochrangiger Besuche seitens der EU-Institutionen
und der SVR Hongkong zu verzeichnen. Höhepunkte waren das Treffen auf hoher
Ebene zwischen EU-Ratspräsident Van Rompuy und Chief Executive Donald Tsang im
September sowie die Zusammenkunft mit EU-Außenhandelskommissar Karel de Gucht.
Auch der Austausch auf Ministerebene hat zugenommen: Im Mai besuchte EU-Kommissarin
Hedegaard (Klimapolitik) Hongkong, wo sie eine Grundsatzrede auf dem
Weltkongress der Verbraucher hielt. Im Oktober traf Justizminister Wong Yan
Lung in Brüssel mit der EU-Vizepräsidentin und EU-Kommissarin Reding (Justiz,
Grundrechte und Bürgerschaft) zusammen. Dank regelmäßiger Treffen hochrangiger
Beamter konnte der substanzielle Meinungsaustausch in Bereichen von
beiderseitigem Interesse - u. a. Rechtsvorschriften für
Finanzdienstleistungen und Korruptionsbekämpfung - fortgesetzt werden. Auch Abgeordnetendelegationen
des Europäischen Parlaments haben durch Besuche in Hongkong zum Ausbau der
Zusammenarbeit beigetragen. Die Tätigkeiten des „European Union Business
Information Programme“ für Hongkong und Macao (EUBIP), das von der Europäischen
Kommission kofinanziert und von der Europäischen Handelskammer in Hongkong
verwaltet wird, sind noch zahlreicher und vielfältiger geworden. 2011 hatten
folgende Themen Priorität: Staatsschuldenkrise in Europa, Rechtsvorschriften
für Finanzdienstleistungen, CEPA, Umwelt und Klimawandel sowie die
Handelsbeziehungen zwischen der EU und der Region Greater China. Die
EUBIP-Wirtschaftsräte, die für Sektoren eingerichtet wurden, in denen
europäische Unternehmen und die europäische Industrie führend sind, wie
z. B. Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) und
Finanzdienstleistungen, lieferten weiterhin wesentlichen Input von
Unternehmerseite für den Regierungsdialog. EUBIP hat sich auch 2011 als
erfolgreiches Instrument zur Förderung eines besseren Verständnisses zwischen
Unternehmen in der EU und Hongkong erwiesen. Mit Blick auf die weitere Intensivierung der
Beziehungen zu Hongkong haben die EU und die offiziellen Vertretungen der
EU-Mitgliedstaaten ihre „Public-Diplomacy“-Arbeit verstärkt. Dabei wurde
angestrebt, die Sichtbarkeit der EU in Hongkong zu erhöhen und den Wissens- und
Informationsstand über die EU-Politik zu verbessern, u. a. in den
Bereichen Handels- und Regulierungspolitik, Energie und Klimawandel,
Regulierung der Finanzdienstleistungen, Zollfragen, Gleichstellungspolitik,
interkultureller Dialog und Rolle der EU in der Welt. Außerdem arbeiteten sie
bei der Förderung direkter persönlicher Kontakte und des akademischen
Austauschs eng zusammen, z. B. im Rahmen gemeinsamer Maßnahmen wie der
EU-Bildungsmesse und dem EU-Filmfestival. Ende 2011 führte die EU eine
Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen für das „EU Academic Programme“ in
Hongkong durch, das sich auf den Zeitraum 2012 bis 2015 erstreckt. Das
Hauptziel des Programms besteht darin, Sensibilisierungsmaßnahmen
durchzuführen, um die Sichtbarkeit der EU zu erhöhen und die akademische
Zusammenarbeit mit EU-Hochschuleinrichtungen zu stärken. Dabei soll es auch
bewirken, dass mehr Stipendiaten und Studenten ihre Forschungen und ihr Studium
auf EU-Themen ausrichten. Die EU wird auch in Zukunft ihre Beziehungen
zur SVR Hongkong weiter pflegen, die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen
ausbauen, die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft
stärken und die Mobilität und den Austausch im Rahmen der Beziehungen zur
Bevölkerung Hongkongs fördern. [1] Alle Daten zur Wirtschaftslage Hongkongs sind den
offiziellen Statistiken des Amtes für Zensus und Statistik Hongkongs entnommen. [2] Quelle: Hong Kong Financial Services and the Treasury
Bureau. [3] Nach Angaben der Hong Kong Stock Exchange and Clearing
Ltd. (HKEx) schloss der Hang-Seng-Index das Jahr 2011 mit 18434 Indexpunkten
ab. [4] Nach Angaben von HKEx ging das aufgebrachte
Beteiligungskapital, einschließlich durch Neuemissionen von Wertpapieren und
Vereinbarungen nach dem Börsengang, am Main Board und am Growth Enterprise
Market 2011 um 42,6% auf 488,3 Mrd. HKD zurück. Dabei sank das aufgebrachte
Erstemissionskapital (IPO) um 41,8% auf 258,9 Mrd. HKD. [5] Quelle: Hong Kong Monetary Authority, Angaben für die
erste Jahreshälfte 2011. [6] Quelle: Hong Kong Monetary Authority. [7] Quelle: Hong Kong Immigration Department [8] Quelle: Amt für Zensus und Statistik Hongkong.