/* KOM/2011/0497 endgültig */ BERICHT DER KOMMISSION AN DEN RAT UND DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT über die Tätigkeiten des Europäischen Forschungsrates und die Verwirklichung der im spezifischen Programm „Ideen“ festgesetzten Ziele im Jahr 2010
BERICHT DER KOMMISSION AN DEN RAT UND DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT über die Tätigkeiten des Europäischen Forschungsrates und die Verwirklichung der im spezifischen Programm „Ideen“ festgesetzten Ziele im Jahr 2010 1. Einleitung und Rechtsgrundlage Die hauptsächliche Aufgabe des Europäischen Forschungsrats (ERC), der durch den Beschluss 2007/134/EG[1] der Kommission eingerichtet wurde, ist die Durchführung des spezifischen Programms „Ideen“, das mit einem Gesamtbudget von 7,51 Milliarden EUR ausgestattet ist. Der ERC besteht aus einem unabhängigen Wissenschaftlichen Rat, der von einem ihm zugeordneten Durchführungsgremium unterstützt wird, welches die Form einer ERC-Exekutivagentur (ERCEA)[2] hat, die im Rahmen der allgemeinen Regelung für Exekutivagenturen eingerichtet wurde. Die Zuständigkeit für die Durchführung des Programms „Ideen“ und die Unterstützung des Wissenschaftlichen Rates wurde im Jahr 2008 von der Kommission an die Agentur übertragen. Im Juli 2009 wurde der Agentur Autonomie gewährt. Gemäß Artikel 4 Absatz 4 und Anhang I der Entscheidung des Rates über das spezifische Programm „Ideen“ enthält dieser Jahresbericht der Kommission, der in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Rat des ERC und der ERC-Exekutivagentur erstellt wurde, die Bewertung der vom ERC durchgeführten Tätigkeiten und der Umsetzung seiner Ziele im Jahr 2010 durch die Kommission. Dieser Bericht wird durch einen Bericht des Wissenschaftlichen Rates über die wissenschaftliche Durchführung und die Programmergebnisse im Jahr 2010 ergänzt. 2. Strategische Angelegenheiten Der wissenschaftliche Rat ist für die Festlegung der wissenschaftlichen Strategie des ERC verantwortlich und erstellt das wichtigste Strategiepapier des ERC, nämlich das jährliche Arbeitsprogramm „Ideen“. 2.1. Förderformen Der Wissenschaftliche Rat war im Rahmen des Arbeitsprogramms „Ideen“ bestrebt, eine klare und stabile Zielvorstellung für die Forschungstätigkeit des ERC festzulegen. Hierbei sei daran erinnert, dass die Strategie des Wissenschaftlichen Rates zwei Finanzhilfemodelle für alle Forschungsbereiche vorsieht: - ERC-Finanzhilfen für unabhängige Nachwuchsforscher („ ERC Starting Grants “): zur Förderung der Unabhängigkeit von Forschern, die vor kurzem den Doktorgrad erworben haben; - ERC-Finanzhilfen für etablierte Forscher („ ERC Advanced Grants “): für die beste Forschungsarbeit von in Europa tätigen erfahrenen Forschern. 2.2. Arbeitsprogramm 2010 des spezifischen Programms „Ideen“ Das Arbeitsprogramm 2010 für das spezifische Programm „Ideen“ (Arbeitsprogramm 2010)[3] wurde vom Wissenschaftlichen Rat am 2. April 2009 aufgestellt und anschließend von der Kommission am 29. Juli 2009 angenommen. Durch das Arbeitsprogramm 2010 wurde die Strategie nicht grundlegend geändert, es wurden lediglich die Finanzhilfemodelle auf der Grundlage der gesammelten Erfahrungen verbessert. Im Hinblick auf eine angemessenere Bewertung der beiden Untergruppen, die sich für die ERC Starting Grants bewerben (d. h. verantwortliche Forscher zu Beginn ihres Wechsels zur unabhängigen Forschungstätigkeit sowie Forscher, deren Forschung oder Team sich in der Konsolidierungsphase befindet), hat der Wissenschaftliche Rat die Zeitspanne für die Teilnahmeberechtigung der Antragsteller ausgeweitet, so dass die Verleihung ihres Doktorgrads nun 2–10 Jahre zurückliegen darf. Dies war u. a. aufgrund der erheblich aufgestockten Haushaltsmittel für 2010 möglich. Innerhalb dieser Spanne für die Teilnahmeberechtigung werden die sich bewerbenden verantwortlichen Forscher im Laufe der Bewertung in zwei Hauptgruppen unterteilt: Bewerber, die ihren Doktorgrad mindestens zwei und höchstens sechs Jahre (sog. „Anfänger“) und mehr als sechs, aber höchstens zehn Jahre (sog. „Konsolidierer“) vor der Veröffentlichung der Aufforderung zur Einreichung von Bewerbungen erworben haben. Um eine vergleichbare Erfolgsquote für „Anfänger“ und „Konsolidierer“ zu gewährleisten, wurden die vorläufigen Haushaltsmittel jedes Gremiums anteilig zum Mittelbedarf der von den beiden Bewerberkategorien eingereichten Vorschläge aufgeteilt. Andere Anpassungen betrafen die weitere Vereinfachung der Vorschriften für die erneute Einreichung und Mehrfachbewerbungen sowie die Einführung von Maßnahmen, mit denen die Attraktivität der EU und der assoziierten Länder für Forscher in Drittländern gesteigert werden und die Teilnahme weiblicher Wissenschaftler weiter gefördert werden sollen. Zusätzliche Mittel werden bereitgestellt, um Forscher aus Drittländern zur Niederlassung in Europa zu ermutigen bzw. sie dabei zu unterstützen, wobei frühere Laufbahnunterbrechungen und unkonventionelle berufliche Werdegänge stärkere Berücksichtigung finden werden, was zu einer verstärkten Teilnahme weiblicher Wissenschaftler führen dürfte. 2.3. Methodik für das Gutachterverfahren Der ERC stützt sich auf eine Struktur hochrangiger Gutachtergremien, deren Mitglieder vom Wissenschaftlichen Rat ausgewählt werden und Wissenschaftler, Ingenieure und Akademiker aus der EU und aus Nicht-EU-Ländern umfassen. Diese Gremien decken alle Forschungsdisziplinen ab und sind in drei Hauptforschungsbereiche aufgeteilt: Physik und Ingenieurwissenschaften, Biowissenschaften, Sozial- und Geisteswissenschaften. In Übereinstimmung mit vorherigen Aufforderungen waren 25 Gutachtergremien für beide Programme tätig. 3. Programmdurchführung In Durchführung des Programms wurden Mittelbindungen in Höhe von mehr als 1,1 Mrd. EUR und Zahlungen in Höhe von 528 Mio. EUR vollständig ausgeführt, was 100 % der operativen Mittel für das spezifische Programm „Ideen“ für 2010 entspricht. Etwa 2,58 % der operativen Haushaltsmittel wurden für Verwaltung ausgegeben. 3.1. Finanzhilfen Seit dem Arbeitsprogramm 2008 beinhalten die ERC-Aufforderungen ein einstufiges Bewerbungsverfahren, zu dem die Bewerber ihren vollständigen Vorschlag einreichen müssen, und eine zweistufige Bewertung. Finanzhilfen werden je nach Höhe der verfügbaren Mittel für die besten Vorschläge gewährt. Das Angebot erfolgt auf der Grundlage des Vorschlags und der im Rahmen der Gutachterbewertung empfohlenen Fördersumme. 3.1.1. ERC Starting Grants (ERC-Finanzhilfen für Nachwuchsforscher) Die Aufforderung 2010 für ERC Starting Grants wurde im Juli 2009 veröffentlicht, die vorläufigen Haushaltsmittel betrugen 528 Mio. EUR. Von den insgesamt 2873 eingegangenen Vorschlägen entfielen auf die einzelnen Bereiche: 1205 auf Physik und Ingenieurwissenschaften, 1230 auf Biowissenschaften und 638 auf Sozial- und Geisteswissenschaften. Insgesamt wurden 436 Vorschläge aus einem Gesamtbudget in Höhe von 537 Mio. EUR finanziert, der durchschnittliche Betrag einer Finanzhilfe lag bei 1,2 Mio. EUR. Die Aufforderung 2011 für ERC Starting Grants wurde im Juli 2010 veröffentlicht, die vorläufigen Haushaltsmittel betrugen 661 Mio. EUR. Insgesamt wurden daraufhin 4080 Vorschläge eingereicht: 1690 für Physik und Ingenieurwissenschaften, 1440 für Biowissenschaften und 950 für Sozial- und Geisteswissenschaften, was 42 %, 35 % bzw. 23 % ausmacht und eine ähnliche Aufteilung wie bei der Aufforderung 2010 für ERC Starting Grants ergibt. 3.1.2. ERC Advanced Grants (ERC-Finanzhilfen für etablierte Forscher) Die Aufforderung 2010 für ERC Advanced Grants wurde im Oktober 2009 veröffentlicht, die vorläufigen Haushaltsmittel betrugen 590 Mio. EUR. Von den insgesamt 2009 eingegangenen Vorschlägen entfielen auf die einzelnen Bereiche: 902 auf Physik und Ingenieurwissenschaften (45 %), 621 auf Biowissenschaften (31 %) und 486 auf Sozial- und Geisteswissenschaften (24 %). Im Ergebnis des Bewertungsprozesses wurden 266 Vorschläge für eine Finanzhilfe ausgewählt, insgesamt wurden Finanzhilfen in Höhe von 588 Mio. EUR gewährt, der durchschnittliche Betrag einer Finanzhilfe lag bei 2,2 Mio. EUR. Die Aufforderung 2011 für ERC Advanced Grants wurde im November 2010 veröffentlicht, Bewerbungsfrist war von Februar bis April 2011 und die vorläufigen Haushaltsmittel betrugen 661 Mio. EUR. Die gestiegene Zahl der Vorschläge zu beiden Finanzierungsprogrammen verdeutlicht den ungebrochenen Finanzierungsbedarf, der im Bereich der Spitzenforschung auf europäischer Ebene besteht. 3.2. Programmausschuss Der Programmausschuss des spezifischen Programms „Ideen“ dient zusätzlich zu seinen formalen Pflichten als wichtiges Kommunikationsnetz zwischen den Mitgliedstaaten und den mit dem 7. RP assoziierten Ländern, dem Wissenschaftlichen Rat, dem Generalsekretariat des ERC und der Kommission. 2010 fanden Sitzungen dieses Ausschusses am 23. März und am 22. Oktober statt. 3.3. Ethikprüfung Am Prozess der Ethikprüfung wirkte ein externes Ethikgremium aus 40 Sachverständigen mit. Alle Vorschläge wurden 2010 einer Ethikprüfung unterzogen, bei der aber nur drei Vorschläge auffielen, weil sie die Verwendung von menschlichen embryonalen Stammzellen beinhalten. Da diese Vorschläge Ende 2010 aber auf der Reserveliste standen, werden sie der Kommission zum Ende des Verfahrens nur dann übermittelt, wenn sie in die Hauptliste aufgenommen werden. Der Programmausschuss „Ideen“ hat sich folglich 2010 nicht mit diesem Thema befasst. 3.4. Rechtsmittel Im Jahr 2010 wurden zu beiden Aufforderungen 225 Beschwerden eingereicht, was 4,6 % der Gesamtzahl der Vorschläge entspricht. Obwohl der Anteil der Beschwerdefälle gegenüber 2009 leicht gestiegen ist (+0,7 %), ist aufgrund der Ergebnisse des ERCEA-Rechtsmittelausschusses die Zahl der Neubewertungen um 71 % gesunken (von 14 auf 10), keine der 2010 eingereichten Beschwerden war erfolgreich. Eine Neubewertung ist noch nicht abgeschlossen. 3.5. Kommunikation Im Jahresverlauf 2010 setzte der ERC seine Anstrengungen zur Bekanntmachung seiner Finanzierungsmöglichkeiten in Forscherkreisen fort und erhöhte die Sichtbarkeit des ERC und seiner Forschungsprojekte in der allgemeinen Öffentlichkeit und in den Medien. So beschloss der Wissenschaftliche Rat des ERC, die Sensibilisierungsmaßnahmen außerhalb Europas zu verstärken, um Spitzenforscher aus nichteuropäischen Ländern für die Fortsetzung ihrer Forschungsarbeiten in Europa zu gewinnen. Zu diesem Zweck wurden gezielte Besuchsaufenthalte und Informationskampagnen in den USA, China, Japan, Indien und Brasilien organisiert. Der ERC war auf wichtigen internationalen Forschungskonferenzen, Berufsbörsen und Workshops anwesend: AAAS-Jahrestagung in San Diego, „European Career Fair“ des MIT in Boston, Jahrestagung der Gesellschaft für Neurowissenschaften in San Diego, ESOF in Turin, Europäische Messe für Forschung und Karriere in Paris und EMBO in Barcelona, Weltausstellung in Shanghai und „Indian Science Congress“ in Kerala. Ferner besuchten ERC-Delegationen auch Universitäten in den USA (Berkeley, Stanford, UC Davis) und Brasilien (Sao Paulo) sowie Institute und Einrichtungen in Peking, Shanghai und Tokyo. Im Einklang mit diesen Informationsschwerpunkten wurden gezielte Broschüren hergestellt und in ins Chinesische, Japanische, Russische und Spanische übersetzt. Außerdem wurden ERC-Werbebanner für die Büros der EU-Delegationen in den USA, China, Brasilien und Indien entworfen. Unmittelbares Ergebnis dieser Informationstätigkeiten war der Anstieg der Seitenaufrufe auf der ERC-Website aus den besuchten Ländern. Presseaktivitäten wurden in Europa und in Übersee organisiert. Im Jahresverlauf hat der ERC nicht nur das Medieninteresse für sich selbst als Einrichtung geweckt, sondern auch die von ihm finanzierte Forschung und die gewährten Finanzhilfen zunehmend ins Rampenlicht gerückt. Ein Beispiel hierfür ist der Empfänger eines ERC Starting Grants Konstantin Nowoselow, dem der Nobelpreis 2010 für Physik verliehen wurde. Viel Aufmerksamkeit in den weltweiten Medien erhielt auch der Empfänger des ERC Advanced Grant Alberto Broggi für seine 10 000 km lange Fahrt mit sonnenenergiegetriebenen autonomen Automobilen von Italien zur Weltausstellung in Shanghai. Darauf bedacht, keinen Kommunikationskanal zu vernachlässigen, produzierte der ERC auch mehrere Videoclips, darunter einen über die historische Entwicklung des ERC, der zur Feier des 1000. ERC-Finanzhilfeempfängers vorgestellt wurde, und ein erstes Portrait eines seiner erfolgreichen Beihilfeempfängers. Der ERC hat die Beziehungen zu bestehenden Netzen und wichtigen Akteuren ausgebaut und eng mit den betreffenden Dienststellen der Europäischen Kommission sowie mit den EU-Delegationen in aller Welt zusammengearbeitet. Die nationalen Kontaktstellen (NCPs) überall in Europa, die als wichtige Informationsquelle für potenzielle Bewerber dienen, wurden über die Entwicklung und die Aufforderungen des ERC ständig auf dem Laufenden gehalten. 3.6. Überwachung, Bewertung und Evaluierung des spezifischen Programms „Ideen“ Im Jahr 2010 reagierten die Kommission, die ERCEA und der Wissenschaftliche Rat auf die Empfehlungen aus der Überprüfung der Strukturen und Mechanismen des ERC[4]. In einem Beschluss zur Änderung des Beschlusses zur Einrichtung des ERC[5] bestätigte die Kommission die Regelungen für die Unterstützung des Vorsitzes des Wissenschaftlichen Rates und seiner Stellvertreter an deren Arbeitsplatz und führte als Anerkennung für das persönliche Engagement der Mitglieder des Wissenschaftlichen Rates und die von ihnen für ERC-Aufgaben verwendete Zeit ein Honorar für die Teilnahme an den Plenarsitzungen des Wissenschaftlichen Rates ein. Außerdem wurde mit diesem Beschluss ein ständiger Benennungsausschuss für die Benennung künftiger Mitglieder des Wissenschaftlichen Rates eingeführt. Darüber hinaus änderte die Kommission die ERC-Regeln für das Verfahren zur Einreichung von Vorschlägen und die damit verbundenen Verfahren zur Bewertung, Auswahl und Gewährung von Finanzhilfen[6], um die administrativen Verfahren des ERC zu verbessern und insbesondere die Ernennungs- und Erstattungsverfahren für die am Bewertungsverfahren des Programms „Ideen“ beteiligten unabhängigen Sachverständigen systematisch zu vereinfachen. Der breite Einsatz elektronischer Instrumente und die Schaffung einheitlicher Bestellungsschreiben führten zu einer Minderung der Arbeitsbelastung der Gutachter, denen der Erfolg des ERC zu einem großen Teil zu verdanken ist. Der Wissenschaftliche Rat hat seinerseits zwei besondere Ausschüsse gebildet, einen für das Gutachterverfahren und einen für Interessenkonflikte, wissenschaftliche Verfehlungen und ethische Fragen. Ein zusammenfassendes Protokoll der Plenarsitzungen wird auf der Website des ERC veröffentlicht[7]. Zur Frage der Leitung des ERC hat die Kommission in enger Abstimmung mit dem Wissenschaftlichen Rat weitere Überlegungen über eine nachhaltige und zukunftsträchtige Lösung im Hinblick auf das kommende Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ angestellt. Anvertraut wurden diese Überlegungen einer im Dezember 2010 eingesetzten ERC-Taskforce aus Vertretern des Wissenschaftlichen Rates, des ERC-Überprüfungsgremiums und der Kommission[8]. Der Bericht wird dem Rat und dem Europäischen Parlament übermittelt werden. In dem am 12. November 2010 veröffentlichten Bericht der Sachverständigengruppe für die Zwischenbewertung des Siebten Rahmenprogramms wird auf die Erfolge des ERC eingegangen, „der sich schnell die Anerkennung der Forschungsgemeinde, aber auch der Politiker aus ganz Europa erworben hat. Obwohl er ein neues und daher noch nicht bewährtes Instrument ist, hat der Europäische Forschungsrat offenbar erfolgreich Weltklasse-Forschung angezogen und finanziert, und er spielt eine wichtige Rolle bei der Bindung von Forschertalenten“ . 4. Aufbau des Europäischen Forschungsrates 4.1. Der Wissenschaftliche Rat Im Februar 2010 trat Prof. Fotis Kafatos als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rats und Präsident des ERC zurück. Zu seiner Nachfolgerin wurde Prof. Helga Nowotny gewählt. Der Wissenschaftliche Rat trat 2010 in ganz Europa regelmäßig zu Sitzungen zusammen, in der Regel auf Einladung nationaler Behörden. In der Zeit vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2010 fanden fünf Plenarsitzungen des Wissenschaftlichen Rates statt: im März in Bukarest (Rumänien), im April und Dezember in Brüssel (Belgien), im Juni in Santiago de Compostela (Spanien) und im Oktober in Luxemburg. Neben den Plenarsitzungen und den Sitzungen der beiden ständigen Ausschüsse (für das Gutachterverfahren und für Interessenkonflikte, wissenschaftliche Verfehlungen und ethische Fragen) trafen die Mitglieder des Wissenschaftlichen Rates auch in Arbeitsgruppen zu Behandlung bestimmter Einzelfragen zusammen. Im Jahr 2010 organisierte die Exekutivagentur mehrere Sitzungen der ERC-Arbeitsgruppen zu Fragen wie „Beziehungen zur Industrie“, „Offener Zugang“, „Beteiligung von Drittländern“ und „Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen“. Die Arbeitsgruppen führen Analysen durch und leisten Beiträge zur wissenschaftlichen Strategie des ERC; sie unterbreiten auf ihren jeweiligen Gebieten Vorschläge zur Annahme auf der Plenarsitzung des Wissenschaftlichen Rates: Untersuchung der Beziehungen zwischen ERC und Industrie/Unternehmen sowie Auswirkungen der vom ERC geförderten Forschung und Innovation; Entwicklung einer Position des ERC zur Frage des offenen Zugangs; Untersuchung geeigneter Mechanismen für die vermehrte Beteiligung nichteuropäischer Forscher vor allem aus Brasilien, Russland, Indien und China (die sog. BRIC-Länder) an den ERC-Programmen; Gewährleistung, dass der ERC bei der empfehlenswerten Praxis in Bezug auf das Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen mit gutem Beispiel vorangeht. Zur Pflege ihrer Kontakte zur Europäischen Kommission und zur Exekutivagentur treffen der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Rats und seine Stellvertreter, der Generalsekretär des ERC und der Direktor der Agentur regelmäßig im ERC-Vorstand zusammen. An diesen Sitzungen nimmt auch die Leitung der Agentur teil. Im Jahr 2010 traf der Vorstand neunmal in Brüssel zusammen, und zwar insbesondere zur Vor- oder Nachbereitung der Sitzungen des Wissenschaftlichen Rates. Die Plenarsitzungen des Wissenschaftlichen Rates und die Sitzungen seiner Mitglieder mit den ERC-Interessengruppen werden mit organisatorischer und administrativer Unterstützung der Exekutivagentur vorbereitet. Ferner bietet die Agentur Beratungs- und Analyseleistungen an, um dem Wissenschaftlichen Rat die Wahrnehmung seiner in Anhang 1 des Spezifischen Programms „Ideen“ festgelegten Aufgaben zu erleichtern und um die operativen Tätigkeiten seiner Arbeitsgruppen und ständigen Ausschüsse zu unterstützen. 4.1.1. Ernennung neuer Mitglieder Im Jahr 2010 richtete die Kommission einen „Benennungsausschuss“[9] ein, um neue Mitglieder für die schrittweise Erneuerung des wissenschaftlichen Rats zu bestimmen. Der Ausschuss unterbreitete im Dezember 2010 der Kommission seine Vorschläge; sein Bericht wurde dem Rat und dem Europäischen Parlament übermittelt. Auf der Grundlage dieser Vorschläge berief die Kommission folgende Personen als neue Mitglieder des Wissenschaftlichen Rates: Prof. Nicholas Canny (National University of Ireland, Galway), Prof. Tomasz Dietl (Polnische Akademie der Wissenschaften), Prof. Daniel Dolev (Hebräische Universität von Jerusalem), Prof. Sir Timothy Hunt (London Research Institute), Prof. Mart Saarma (Universität Helsinki), Prof. Anna Tramontano (Universität von Rom La Sapienza) und Prof. Isabelle Vernos (Zentrum für genomische Regulation, Barcelona). 4.2. Der Generalsekretär des ERC Der ERC-Generalsekretär ist unter der Aufsicht des Wissenschaftlichen Rates tätig, für den Kontakt zwischen dem Wissenschaftlichen Rat, der Europäischen Kommission und der ERC-Exekutivagentur zuständig und überwacht die wirksame Umsetzung der Strategie und der Stellungnahmen des Wissenschaftlichen Rates durch die ERC-Exekutivagentur. Der zweite ERC-Generalsekretär, Prof. Andreu Mas-Colell, Professor für Wirtschaft an der Universität Pompeu Fabra in Barcelona und Vorsitzender der Barcelona Graduate School of Economics, der am 30. Juni 2009 auf den Posten berufen worden war, trat am 1. September 2010 zurück. Die Kommission führt derzeit das Verfahren zur Berufung seines Nachfolgers durch. 4.3. Die ERC-Exekutivagentur Seit Juli 2009 ist die Agentur für alle Aspekte der administrativen Durchführung und der Programmausführung laut Arbeitsprogramm zuständig. Die Tätigkeit der Agentur wird von einem von der Kommission eingesetzten Lenkungsausschuss beaufsichtigt, der sich aus drei Kommissionsbeamten (dem Generaldirektor und dem Direktor Ressourcen der GD Forschung und Innovation sowie dem für den Beratenden Ausschuss für Ernennungen zuständigen Direktor der GD Humanressourcen und Sicherheit), einem Mitglied des Wissenschaftlichen Rates (Prof. Mathias Dewatripont) und einem unabhängigen Wissenschaftler (Prof. Catherine Cesarsky) zusammensetzt; der Generalsekretär des ERC fungiert als Beobachter. Im Jahr 2010 hielt der Lenkungsausschuss vier Sitzungen ab und fasste Beschlüsse zum jährlichen Arbeitsprogramm der Agentur, zum Haushalt und zur Rechnungsführung. Bei jeder Sitzung wurde dem Lenkungsausschuss ein ausführlicher Fortschrittsbericht des Direktors der Agentur vorgelegt. 4.3.1. Personal der Exekutivagentur Der Verwaltungshaushalt der Agentur sah für 2010 einen Stellenplan mit 100 Zeitbediensteten sowie Haushaltsmittel für 215 Vertragsbedienstete und 15 abgeordnete nationale Sachverständige vor, was insgesamt 330 Bedienstete ergibt. Ende Dezember 2010 beschäftigte die Agentur insgesamt 316 Bedienstete: 94 Zeitbedienstete, 218 Vertragsbedienstete und 4 abgeordnete nationale Sachverständige. Alle Führungspositionen der Agentur sind nunmehr besetzt. Nach der Statistik von Dezember 2010 beschäftigt die Agentur nunmehr 35 % Männer und 65 % Frauen. Beim hoch spezialisierten Personal (Zeit- und Vertragsbedienstete der Funktionsgruppe IV) werden 59 % der Stellen von Frauen besetzt. Ende 2010 beschäftigte die ERC-Exekutivagentur Staatsangehörige von 21 Mitgliedstaaten. Neben Auswahl und Einstellung fand 2010 auch eine Konsolidierung und Entwicklung der Humanressourcen der Agentur statt. Der Lenkungsausschuss nahm Durchführungsbestimmungen für die Personalverwaltung und insbesondere für die Personalbeurteilung und Laufbahnentwicklung an. 5. Schlussfolgerungen und Aussichten für 2011 Die Förderformen des ERC haben das Interesse der europäischen Forscherkreise geweckt. Zu den ersten sechs Aufforderungen gingen mehr als 20 000 Bewerbungen ein. Während im Jahr 2009 400 Fachartikel über den ERC veröffentlicht worden waren, verdreifachte sich diese Zahl im Jahr 2010. Grund hierfür ist eine Kombination aus der steigenden Zahl der Projekte und der Reife der Projekte, die jetzt mehr Ergebnisse hervorbringen. Im Jahr 2009 bezogen sich die Artikel auf 182 Projekte und im Jahr 2010 auf 453 Projekte, was jeweils für 2009 und 2010 durchschnittlich zwei bis drei Artikel pro Projekt ergibt. Als Reaktion auf den Aufruf der Kommission, die Rolle des ERC in der Innovationskette zu stärken[10], schuf der Wissenschaftliche Rat eine neue Fördermöglichkeit, in deren Rahmen ERC-Finanzhilfeempfänger ab 2011 Gelegenheit erhalten, das Innovationspotenzial von Ideen zu ermitteln, die sich aus ihren vom ERC geförderten Projekten ergeben. Diese Förderform schließt eine Finanzierungslücke in der frühesten Innovationsphase. ERC-Finanzhilfeempfänger werden so die Möglichkeit haben, die grundsätzliche Machbarkeit ihrer Ideen, die mit finanzieller Unterstützung des ERC entwickelt wurden, unter Beweis zu stellen (Konzeptnachweis), d. h. dem Markt ihr Innovationspotenzial vor Augen zu führen und dadurch voraussichtliche Vermarktungschancen zu sichern. Der Wissenschaftliche Rat erörtert auch die Frage, wie seine Programme diversifiziert und ausgeweitet werden können, und zwar stets unter Beachtung der Grundsätze, die den Erfolg der ersten beiden Förderformen gesichert haben: von Forschern ausgehende Vorschläge und strenge Gutachterprüfung unter dem Gesichtspunkt der wissenschaftlichen Exzellenz. Im Jahr 2011 wird die ERC-Taskforce ihren Bericht über die rechtliche und organisatorische Struktur des ERC vorlegen, und zwar rechtzeitig bevor die Kommission ihre Vorschläge für das Programm „Horizont 2020“ unterbreitet, was voraussichtlich noch vor Jahresende geschehen wird. [1] ABl. L 57 vom 24.2.2007, S. 14. [2] 2008/37/EG: Beschluss der Kommission vom 14. Dezember 2007 zur Einsetzung der Exekutivagentur des Europäischen Forschungsrats für die Verwaltung des spezifischen Gemeinschaftsprogramms Ideen auf dem Gebiet der Pionierforschung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 58/2003 des Rates (ABl. L 9 vom 12.1.2008, S. 15). [3] K(2009) 5928 vom 29.7.2009, nicht veröffentlicht. [4] Bericht des Überprüfungsgremiums: Towards a world class Frontier Research Organisation: Review of the European Research Council’s Structures and Mechanisms (Auf dem Weg zu einer Einrichtung für Pionierforschung auf Weltniveau: Überprüfung der Strukturen und Mechanismen des Europäischen Forschungsrats (23. Juli 2009), http://erc.europa.eu/index.cfm?fuseaction=page.display&topicID=158. Antwort der Kommission: Mitteilung der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament, K(2009) 552 endg. vom 22.10.2009, http://ec.europa.eu/research/evaluations/pdf/archive/other_reports_studies_and_documents/commission_communication_on_the_erc_review_-_22_october_2009.pdf [5] Beschluss 2011/12/EU vom 12.1.2011, ABl. L 9 vom 13.1.2011, S. 5. [6] Beschluss 2010/767/EU vom 9. Dezember 2010, ABl. L 327 vom 11.12.2010, S. 51. [7] http://erc.europa.eu/index.cfm?fuseaction=page.display&topicID=60. [8] Pressemitteilung IP/10/1759, http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/10/1759&format=HTML&aged=0&language=DE [9] Ausschussmitglieder waren Prof. Eero Vuorio (Direktor des Biocenter, Finnland), Prof. Ann Dowling (Abteilungsleiterin Ingenieurwesen, Universität Cambridge), Prof. Andreu Mas-Colell (Abteilung für Wirtschaft und Unternehmen, Universität Pompeu Fabra), Prof. Gretty Mirdal (Abteilung Psychologie, Universität Kopenhagen), Prof. Arnold Schmidt (emeritierter Professor am Institut für Photonik der TU Wien) und Prof. Maciej Zylicz (Leiter der Abteilung für Molekularbiologie am Internationalen Institut für Molekular- und Zellbiologie in Warschau). [10] Mitteilung der Kommission über die Innovationsunion, KOM(2010) 546 endg. vom 6.10.2010.