Bericht an den Europäischen Rat - Feira, 19.-20. Juni 2000 über die Erfahrungen bei der Bewältigung des Jahr-2000-Problems /* KOM/2000/0375 endg. */
BERICHT AN DEN EUROPÄISCHEN RAT FEIRA, 19.-20. JUNI 2000 ÜBER DIE ERFAHRUNGEN BEI DER BEWÄLTIGUNG DES JAHR-2000-PROBLEMS (von der Kommission vorgelegt) BERICHT AN DEN EUROPÄISCHEN RAT FEIRA, 19.-20. JUNI 2000 ÜBER DIE ERFAHRUNGEN BEI DER BEWÄLTIGUNG DES JAHR-2000-PROBLEMS INHALTSVERZEICHNIS 1. Einleitung 2. Koordination innerhalb der EU - Die Arbeitsgruppe ,Jahr-2000-Problem" 2.1. Hintergrund 2.2. Ergebnisse 2.2.1. Nukleare Sicherheit 2.2.2. Energie 2.2.3. Luftverkehr 2.2.4. Seeverkehr 2.2.5. Finanzdienstleistungen 2.2.6. Telekommunikationswesen 2.2.7. Informationsmanagement Jahr-2000-Problem 2.2.8. Das Kommunikationszentrum der EU 2.2.9. Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe 3. Der Beitrag der Kommission zur Lösung des Jahr-2000-Problems 3.1. Rolle und Mandat 3.2. Organisation 3.3. Berichtswesen 3.4. Internationale Kooperation 3.5. Website 3.6. Workshops 4. Schlußfolgerungen 1. Einleitung Das Jahr-2000-Problem war von globaler Reichweite und erforderte einen außerordentlichen Einsatz, gerade auch von staatlicher Seite auf höchster Ebene. Dabei ging es jedoch nicht um das Erzielen von Wettbewerbsvorteilen oder das Verwirklichen politischer Interessen. Jeder Mitgliedsstaat der Europäischen Union hatte ganz individuelle Aufgaben bei der Vorbereitung seines Landes auf den Jahrtausendwechsel zu erfuellen. In diesem Bericht werden die Hauptaktivitäten auf EU-Ebene und deren Ergebnisse, und damit die Arbeit der EU-Arbeitsgruppe ,Jahr-2000-Problem" und der Europäischen Kommission dargestellt. Es stand von Anfang an außer Zweifel, daß das Jahr-2000-Problem so schwerwiegend und weitreichend sein würde, daß es die Mitarbeit aller - jedes Einzelnen und jeder Organisation - erfordern würde. Die Verantwortung lag bei jedem einzelnen, die Risiken vom individuellen Standpunkt aus zu ermitteln und entsprechende Vorkehrungsmaßnahmen zur eigenen Absicherung zu treffen. Es wurde aber auch sehr rasch deutlich, daß der Austausch von Informationen auf globaler Ebene ein entscheidender Erfolgsfaktor sein würde. Zunächst bewährte sich der Informationsaustausch vor allem für diejenigen, die sich direkt mit dem Jahr-2000-Problem befaßten. Wer später in die Problematik einstieg, konnte davon profitieren, daß einige Computer-Probleme bereits bekannt waren, so daß unnötige Arbeitsschritte vermieden wurden und jeder sich auf seine individuellen Probleme konzentrieren konnte. Mit der Zeit wurde jedoch auch deutlich, daß verläßliche Informationen über die Vorkehrungsmaßnahmen anderer - Kunden, Partnerunternehmen, Anbieter wichtiger Dienstleistungen und sogar ganze Länder - ebenfalls erforderlich waren. Da die IT-Technologie im täglichen Leben ständig an Bedeutung gewinnt und das Phänomen der Globalisierung und die damit verbundenen Interdependenzen im modernen Industriezeitalter eine wichtige Triebfeder ist, hing die Lösung des Jahr-2000-Problems vor allem von der Stärkung des öffentlichen Vertrauens ab. Dies wurde in den letzten Monaten des vergangenen Jahres immer deutlicher. Aus diesem Grund haben sich die Regierungen auf der ganzen Welt nicht nur auf die Vorbereitung ihrer IT-Systeme auf den Jahrtausendwechsel konzentriert, sondern auch auf andere Aspekte, wie die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Risiken des sogenannten ,Millennium Bug", die Überprüfung der Vorkehrungsmaßnahmen in den Schlüsselsektoren und die Veröffentlichung von entsprechendem Informationsmaterial. Nicht zuletzt wurden auch die Ressourcen und Pläne des Katastrophenschutzes geprüft. Innerhalb der EU war die hochrangige Arbeitsgruppe ,Jahr-2000-Problem" (European Union High Level Working Party on the Y2K Problem; EUY2KWP) das wichtigste Forum für Kommunikation und Informationsaustausch zwischen den Mitgliedsstaaten. 2. Koordination innerhalb der EU - Die Arbeitsgruppe ,Jahr-2000-Problem" 2.1. Hintergrund Das Jahr-2000-Problem war in politischer Hinsicht sicherlich eine besondere Herausforderung. Bei der Tagung des Europäischen Rates im Juni 1998 in Cardiff wurde die Notwendigkeit eines Informationsaustausches über das Jahr-2000-Problem betont. Als wichtig wurde auch die Prüfung der Fortschritte in diesem Bereich erachtet. Bei den folgenden Tagungen des Europäischen Rates in Wien und Köln war das Jahr-2000-Problem wieder ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung, wobei das Hauptaugenmerk hier vor allem auf der Identifizierung grenzübergreifender Risiken lag. Diskussionen fanden auch auf ministerieller Ebene in verschiedenen anderen Räten statt, wie z. B. Industrie, Telekommunikation, Transport, Energie und Finanzdienstleistungen. Die Tragweite des Jahr-2000-Problems erforderte die Einbeziehung vieler verschiedener Sektoren, so daß es nicht möglich war, eine einzelne, bereits bestehende Organisation zu bestimmen, die mit allen Aspekten des Problems vertraut war und Lösungen erarbeiten konnte. Die Europäische Kommission hat auch einen aktiven Beitrag geleistet, indem sie ab September 1997 vierteljährlich Workshops veranstaltete, an denen Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten und europäischer Industrieverbände teilgenommen haben. Obwohl die Workshops insgesamt sehr nützlich waren, haben sich einige Faktoren als verbesserungswürdig erwiesen. Aufgrund der Zusammensetzung der Teilnehmer (Industrievertreter und Vertreter staatlicher Stellen) war die Aufmerksamkeit der Vertreter der Mitgliedsstaaten zum Teil nicht in ausreichendem Maße auf den Austausch von Informationen gerichtet. Außerdem kamen die Vertreter der Mitgliedsstaaten aus unterschiedlichen Bereichen und verfügten nicht über den gleichen Erfahrungsschatz, so daß sich die Kenntnisse und Verantwortlichkeiten deutlich unterschieden. Letztendlich ging es bei dem Workshop vor allem um das Sammeln und Austauschen von Informationen und weniger um das Treffen politischer Entscheidungen. Bei der Tagung des Europäischen Rates im Juni 1999 in Köln wurde festgestellt, daß es sinnvoll wäre, eine eigene Expertengruppe mit der Behandlung von Fragen zum Jahr-2000-Problem zu beauftragen. In den Schlußfolgerungen der Präsidentschaft ( 36) ersucht der Europäische Rat die Kommission, eine hochrangige Arbeitsgruppe einzuberufen: ,...die Vorschläge für strategische Entscheidungen vorlegen kann, die innerhalb der Europäischen Union erforderlich sein können, um beim Auftreten von EDV-Problemen im Zusammenhang mit dem Jahrtausendwechsel den reibungslosen Betrieb entscheidender Infrastrukturen zu gewährleisten." Die Kommission reagierte auf diese Aufforderung und berief die EUY2KWP ein, die im Juli 1999 zum ersten Mal zusammentrat. Bei dieser ersten Zusammenkunft einigten sich die Mitglieder darauf, daß die Arbeit der Gruppe sich vornehmlich auf grenzübergreifende Angelegenheiten in wichtigen Infrastrukturbereichen und den damit verbundenen Dienstleistungen konzentrieren soll. Diese Bereiche wurden als essentiell für das normale Funktionieren von Gesellschaft und Wirtschaft definiert, wobei besonders Sicherheitsaspekte und das Wohlergehen der Bürger berücksichtigt wurden. In diesem Zusammenhang waren folgende Bereiche von besonderem Interesse: Energie, Transport, Telekommunikation, Wasserversorgung, Finanzdienstleistungen, Versorgungsketten, Gesundheitswesen, Sozialversicherung, Zollwesen und Katastrophenschutz. Die EFTA-Länder, deren Teilnahme an den Sitzungen als Beobachter angedacht war, leisteten einen aktiven Beitrag. 2.2. Ergebnisse Die Arbeitsgruppe kam im zweiten Halbjahr 1999 zu monatlichen Sitzungen zusammen. Bei jeder Sitzung wurden die Diskussionsthemen für die nächste Sitzung festgelegt, so daß sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe im Vorfeld entsprechend vorbereiten und auf nationaler Ebene Informationen von Experten aus den betreffenden Bereichen einholen konnten. Die Mitglieder einigten sich zudem darauf, auf elektronischem Wege zu kommunizieren und auch Entscheidungen zu fällen, sofern dies erforderlich sein sollte. Für diese Zwecke wurde ein spezielles Internetforum eingerichtet. Zwischen den einzelnen Treffen kommunizierten die Mitglieder ebenfalls auf elektronischem Wege. Es wurde festgestellt, daß die herkömmlichen Verfahren zur Entscheidungsfindung innerhalb der EU im Fall des Jahr-2000-Problems, das eine schnelle Reaktionszeit erfordert, zu langwierig sind. Statt dessen einigten sich die Mitglieder darauf, daß Entscheidungen in der Gruppe mehrheitlich getroffen und dann auf nationaler Ebene umgesetzt werden. Bei den Sitzungen der EUY2KWP wurde eine Vielzahl verschiedener Themen behandelt. Im folgenden sollen nun die Ergebnisse in den wichtigsten Bereichen dargestellt werden. 2.2.1. Nukleare Sicherheit Ein wichtiges Thema, das in den Sitzungen immer wieder behandelt wurde, war die nukleare Sicherheit. Innerhalb der EU konnte durch entsprechende Untersuchungen sichergestellt werden, daß die Vorkehrungsmaßnahmen der Kernkraftwerke (KKWs) ausreichen. Informationen hierzu waren reichlich vorhanden. Viele EU-Staaten zeigten sich jedoch besorgt über die Lage in den mittel- und osteuropäischen Staaten (MOES) sowie in den Neuen Unabhängigen Staaten (NUS), da diese Länder selbst kaum Informationen zur Verfügung gestellt hatten. Die Besorgnis war auch begründet durch die geographische Nähe dieser Länder. Aus diesen Gründen forderte die Arbeitsgruppe die Kommission auf, zwei Maßnahmen zu ergreifen. Zum einen ersuchte sie die Kommission, so viele Informationen wie möglich über die tatsächliche Situation des Atomenergiesektors in diesen Ländern zur Verfügung zu stellen. Die Kommission trug daraufhin Informationen aus verschiedenen Quellen zusammen, u. a. auch aus den regelmäßigen Zusammenkünften zwischen Vertretern der Atomenergie-Aufsichtsbehörden der EU, der MOES und der NUS. Eine weitere Informationsquelle war die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO), die den Vorbereitungsstand der KKW in den betreffenden Ländern vor Ort geprüft hatte. Es war offensichtlich, daß das Jahr-2000-Problem die Sicherheit der KKW nicht direkt gefährden würde, da keine sicherheitsrelevanten Systeme in irgendeinem Kraftwerk betroffen waren. Da jedoch möglicherweise langfristig Probleme bei den weniger sicherheitsrelevanten Überwachungssystemen hätten auftreten können, mußte sichergestellt werden, daß die Sicherheit der Kraftwerke auch auf längere Sicht, d. h. auch über das Jahr 2000 hinaus, gewährleistet ist. Daher ersuchte die Arbeitsgruppe die Kommission, die Betreiber von Kernkraftwerken bei der Lösung dieses Problems finanziell zu unterstützen. Zu diesem Zeitpunkt unterstützte die Kommission bereits die Arbeit der IAEO ebenso wie das Internationale Wissenschafts- und Technologiezentrum, das Zentrum für Wissenschaft und Technologie (STCU) in der Ukraine und den Weltverband der Kernkraftwerksbetreiber, deren Aufgabe es war, russische und ukrainische Kernkraftwerke vor Ort bei der Vorbereitung auf den Jahrtausendwechsel zu unterstützen. Als Reaktion auf das Ersuchen der EUY2KWP stellte die Kommission weitere drei Millionen Euro zur Verfügung, um Hilfsmaßnahmenim Laufe des Jahres 2000 zu ermöglichen. Seit Mai 2000 wird deutlich, daß der Großteil des Budgets, das Rußland und der Ukraine zugeteilt wurde, tatsächlich für die Behebung von Problemen in Kernkraftwerken benötigt wird. 2.2.2. Energie Das Thema Energie, im besonderen die Produktion und Verteilung von Energie, kam ebenfalls bei den Sitzungen immer wieder zur Sprache. Ein Hauptaugenmerk lag dabei auf der Energiequelle Elektrizität als einer Energieform, die nicht gelagert werden kann. Die Stabilität der Stromnetze in den MOES und NUS, die Zuverlässigkeit der Stromversorgung im allgemeinen und der Öl- und Gasversorgung aus Drittländern wurde diskutiert. Von besonderem Interesse im Hinblick auf die Stromversorgung war die Frage, inwiefern ein Ausfall der Netze sich negativ auf die Stabilität der KKW auswirken könnte. Außerdem wurden auch die humanitären Folgen eines großflächigen Heizungsausfalls im Januar (siehe Punkt 2.2.9) diskutiert. Als besonders besorgniserregend wurde die Situation der KKW in den MOES und NUS im Falle eines Stromnetzausfalls eingestuft. Im Juli 1999 veranstaltete die Kommission daher eine spezielle Konferenz zu diesem Thema, an der Betreiber von Kernkraftwerken der EU-Länder, der MOES und NUS teilnahmen. Durch diese Konferenz sollte das Problembewußtsein gestärkt und der Austausch von Informationen zur Problemlösung gefördert werden. Im Hinblick auf andere Energiequellen wurden verschiedene Aspekte diskutiert, wie z. B. die Situation der Öl-Pipelines der NATO, mit deren Hilfe Flugbenzin zu den meisten großen Flughäfen und Luftwaffenstützpunkten in Westeuropa transportiert wird. Die Kommission berichtete, daß die NATO bereits seit fast drei Jahren an der Vorbereitung ihres Pipeline-Systems arbeitet. Dies umfaßt die vollständige Prüfung des Systems und die Entwicklung von Krisenplänen. Die Arbeitsgruppe informierte sich ebenfalls über die von der Internationalen Energie-Agentur (IEA) ausgearbeiteten Krisenstrategien zur Sicherstellung der Ölversorgung. Bei der Gasproduktion und -verteilung wurde der Bedarf nach engerer Zusammenarbeit auf europäischer Ebene festgestellt. Die EU ist in starkem Maße auf Gasimporte aus Drittländern angewiesen. Die norwegische Regierung unterstützte die Arbeit der EUY2KWP, indem sie detaillierte Informationen zu ihren Aktivitäten in diesem Bereich zur Verfügung stellte. Die italienische Regierung berichtete ihrerseits über Gasimporte aus Algerien, während die Regierungen Finnlands und Deutschlands Informationen über die Situation der russischen GAZPROM zur Verfügung stellten. 2.2.3. Luftverkehr Im Luftverkehrssektor wurden die Vorkehrungsmaßnahmen für den Jahrtausendwechsel notwendigerweise auf internationaler Ebene getroffen, wobei die Aufsichtsbehörden durch die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (International Civil Aviation Organisation, ICAO) und die Betreiber durch die Internationalen Luftverkehrsverband (International Air Transport Association, IATA) vertreten wurden. Innerhalb der EU war Eurocontrol für die Koordinierung der Krisenplanung für mehrere EU-Staaten verantwortlich. Die Diskussionen der EUY2KWP konzentrierten sich vornehmlich auf Überlegungen, Fluglinien, die keine adäquaten Vorkehrungsmaßnahmen für den Jahrtausendwechsel getroffen haben, das Anfliegen von Flughäfen in EU-Ländern zu untersagen. Außerdem wurde in Erwägung gezogen, nationalen Betreibern das Anfliegen von außereuropäischen Flughäfen, deren Luftverkehrskontrollsysteme möglicherweise nicht Jahr-2000-fähig sind, zu untersagen. Diese Diskussionen zielten vor allem darauf ab, Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Mitgliedsstaaten im Hinblick auf diese Fragen zu vermeiden. Mögliche Maßnahmen wurden verstärkt diskutiert, als der Jahrtausendwechsel näher rückte. Außerdem kam es zu einem lebhaften Informationsaustausch über bestimmte Fluglinien und Länder. Keines der EU-Mitgliedsländer hat sich jedoch letztendlich dazu entschlossen, obige Maßnahmen zu ergreifen, so daß sich gemeinsame Aktionen auf EU-Ebene als überfluessig erwiesen haben. 2.2.4. Seeverkehr Im Bereich der Seeverkehrs gab es zwei Themen, die im Hinblick auf grenzüberschreitende Angelegenheiten von besonderer Bedeutung waren. Zum einen mußte eindeutig festgelegt werden, wie mit Schiffen verfahren werden soll, die sich in EU-Gewässern oder Häfen befinden und die keine Erklärung darüber abgegeben haben, ob ihre Systeme entsprechend der Richtlinien der International Maritime Organisation (IMO) Jahr-2000-fähig sind. Daraufhin wurden die Krisenpläne, die jedes EU-Mitgliedsland für sich selbst auf nationaler Ebene erarbeitet hatte, verglichen und als kompatibel erklärt. Zum anderen mußte die Jahr-2000-Fähigkeit einzelner EU-Häfen sowie der Zollabfertigungssysteme sichergestellt werden, um zu gewährleisten, daß die Versorgungskette nicht unterbrochen wird. Der Vorbereitungsstand der EU-Häfen wurde geprüft und für ausreichend befunden. Im Seeverkehr werden eine ganze Reihe von IT-Systemen für den Austausch von Daten zur Optimierung des Binnenhandels eingesetzt. Die Kommission selbst hat sich, in Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedsstaaten, für die Anpassung dieser Systeme an das Jahr 2000 eingesetzt. 2.2.5. Finanzdienstleistungen Der Finanzdienstleistungssektor war besonders von dem Jahr-2000-Problem betroffen, da IT-Systeme in diesem Bereich eine tragende Rolle spielen. Außerdem ist der Sektor naturgemäß global ausgerichtet und von ausgeprägten Interdependenzen gekennzeichnet. Es wurden jedoch auf globaler Ebene umfassende kooperative und letztendlich sehr erfolgreiche Maßnahmen ergriffen, um das Problem zu bewältigen. Den Finanzinstituten kam dabei die Einführung des Euro zugute, da viele der zur Lösung des Jahr-2000-Problems ausgearbeiteten Krisenstrategien auf den Krisenplänen im Zusammenhang mit der Einführung des Euro beruhten. Die internationale Zusammenarbeit im Finanzdienstleistungssektor war so effektiv, daß die EUY2KWP selbst keine Maßnahmen zur Lösung grenzübergreifender Probleme im Finanzsektor ausarbeiten mußte. Innerhalb der EUY2KWP wurden auch die möglichen Auswirkungen des Jahr-2000-Problems auf das Versicherungswesen diskutiert. Die in den USA zum Jahr-2000-Problem und zur gesetzlichen Haftung verabschiedete Gesetzgebung wurde von den EU-Ländern diskutiert . Diese kamen allerdings zu der Ansicht, daß aufgrund des Fehlens bestimmter die US-Rechtsordnung kennzeichnender Merkmale - darunter die in der EU generell zurückhaltendere Haltung gegenüber Prozessen - in keinem der EU-Mitgliedstaaten die Einführung einer ähnlichen Gesetzgebung erforderlich war. 2.2.6. Telekommunikationswesen Ebenso wie im Finanzdienstleistungssektor war auch im Telekommunikationssektor aufgrund seiner tragenden Rolle im Rahmen der Globalisierung ein globaler Ansatzes zur Lösung des Jahr-2000-Problems erforderlich. Die Internationale Fernmelde-Union (IFU) hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Mitglieder über die möglichen Auswirkungen des Jahr-2000-Problems zu informieren. In strukturschwächeren Gebieten umfaßte dies auch die Veranstaltung von Workshops. Die IFU koordinierte zudem international gültige Testreihen zur Überprüfung der wichtigsten Systeme auf ihre Jahr-2000-Fähigkeit. Auf EU-Ebene waren sowohl die Aufsichtsbehörden im Telekom-Bereich als auch Anbieter selbst in die Aktivitäten der IFU eingebunden. Kennzeichnend für den Telekommunikationssektor ist, daß er zu Jahresbeginn stets eine erhöhte Nachfrage zu verzeichnen hat. Es wurde erwartet, daß sich diese Nachfrage durch den Jahrtausendwechsel noch verstärkt. Aus diesem Grund wiesen die Mitglieder der EUY2KWP auf die Notwendigkeit hin, diesen Faktor bei der Ausarbeitung von Krisenplänen zu berücksichtigen und zu gewährleisten, daß Telekom-Notdienste auch während der kritischen Phase erreichbar sind. 2.2.7. Informationsmanagement Jahr-2000-Problem Ein weiteres Thema, das von der EUY2KWP diskutiert wurde, war die Forderung nach einem umfassenden Informationsmanagement für das Jahr-2000-Problem. Dabei ging es um verschiedene Punkte: Informationsaustausch mit außereuropäischen Regierungen, Veröffentlichung von Informationsmaterial für Privathaushalte und Unternehmen sowie Sammlung von Informationen über den Stand der Vorkehrungsmaßnahmen in Drittstaaten. Die EUY2KWP wies in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit hin, Vertreter in den Lenkungsausschuß des internationalen Kooperationszentrums "Jahr-2000-Problem" (International Y2K Co-operation Centre, IY2KCC) in Washington zu entsenden und ersuchte die Kommission, diese Aufgabe zu erfuellen. Die Kommission reagierte auf dieses Ersuchen, indem sie einen Vertreter nach Washington entsandte. Außerdem sorgte sie auch dafür, daß die EU in verschiedenen anderen internationalen Foren vertreten war, in denen das Jahr-2000-Problem behandelt wird, so z. B. die ICAO, die IFU, die IEA, die IAEO und die Expertengruppe der G8-Staaten zum Jahr-2000-Problem. Auf diese Weise hatte die EUY2KWP stets Zugang zu Informationen über die verschiedensten Aktivitäten unterschiedlicher Sektoren auf internationaler Ebene. Gleichzeitig konnte auch sichergestellt werden, daß die anderen Teilnehmer der Foren über die Entwicklungen in der EU informiert waren. Was die Information der Öffentlichkeit angeht, so mußte jedes Mitgliedsstaat eine eigene, auf die speziellen Bedürfnisse seines Landes abgestimmte Strategie entwickeln. Die Mitgliedsstaaten sahen es jedoch als sinnvoll an, detaillierte Informationen über ihre jeweiligen Vorstellungen und Pläne auszutauschen und sicherzustellen, daß das Informationsmaterial über wichtige Infrastrukturbereiche, die von grenzübergreifender Bedeutung sind, EU-weit einheitlich gestaltet war. Die EUY2KWP regte an, Informationen über die Vorkehrungsmaßnahmen von Drittstaaten zusammenzutragen und der Kommission zu übergeben, damit diese sie als Ganzes veröffentlicht. Zum einen wurde dabei die Informationspflicht gegenüber der Öffentlichkeit betont; zum anderen wurde aber auch darauf hingewiesen, daß das veröffentlichte Material wahrheitsgetreu, verläßlich und ausgewogen sein muß. Innerhalb der Arbeitsgruppe kam man zu dem Schluß, daß dieses Ziel angesichts eines so komplexen Themas und sich ständig weiterentwickelnder Begleitumstände kaum zu verwirklichen ist. Zudem war nicht klar, ob die Kommission selbst das Mandat hat, derartiges Informationsmaterial über einzelne Länder außerhalb der europäischen Union zu veröffentlichen. Aus diesem Grund kam die Arbeitsgruppe zu dem Schluß, daß jeder Mitgliedsstaat im Bedarfsfall eigenmächtig eine Entscheidung trifft. 2.2.8. Das Kommunikationszentrum der EU Die EU-Mitgliedsstaaten haben einstimmig beschlossen, "Frühwarnsysteme" bzw. Überwachungsplattformen auf nationaler, oft sogar auch auf regionaler oder lokaler Ebene einzurichten. Diese Systeme unterschieden sich in ihrer Konzeption und Methodologie, zielten aber alle grundsätzlich darauf ab, bestehende Mechanismen zur Behebung von schwerwiegenden Ausfällen nach 0 Uhr am 1. Januar 2000 zu unterstützen. Die meisten dieser Systeme verfolgten den Datumswechsel auf globaler Ebene, um bei Problemen frühzeitig warnen zu können. Außerdem konnten mit Hilfe der Systeme Informationen zur nationalen Lage bereitgestellt werden. Die Kommission wurde gebeten, für diesen Zeitraum ein Kommunikationsforum für den direkten Austausch zwischen den Mitgliedsstaaten einzurichten. Dieses Forum sollte auch zur Auswertung von Berichten aus kritischen Sektoren und Ländern genutzt werden, um potentielle Probleme, die möglicherweise einen Eingriff seitens der Kommission selbst erfordern, schnell feststellen zu können. Zusätzlich zu den Arbeiten zur Vorbereitung ihrer eigenen Systeme auf das Jahr-2000- Problem, richtete die Kommission daraufhin das Überwachungs- und Kommunikationszentrum "Jahr-2000-Problem" (European Union Y2K Monitoring and Communication Centre, EUY2KCC) ein. In diesem Zentrum waren Kommissionsbeamte tätig, die sich mit dem Jahr-2000-Problem bzw. den Sektoren, die von dem Problem betroffen sein könnten, auskannten. Für ihre Arbeit standen ihnen die verschiedensten Medien zur Verfügung. Das Zentrum war vom 31 Dezember 1999 (10.00 Uhr) bis 3 Januar 2000 (20.00 Uhr, MEZ) durchgehend besetzt. 2.2.9. Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe Die Behörden innerhalb der EU, die für den Katastrophenschutz zuständig sind, haben sich im Rahmen mehrerer Veranstaltungen, darunter spezielle Workshops und regelmäßige Zusammenkünfte der Generaldirektoren und Komitees, untereinander über ihre Vorkehrungsmaßnahmen für den Jahrtausendwechsel ausgetauscht. In jedem Mitgliedsstaat stand der Katastrophenschutz beim Jahrtausendwechsel in erhöhter Alarmbereitschaft. Für Notsituationen, die durch die Umstellung auf das Jahr 2000 hätten entstehen können, wurden zudem speziell entwickelte und getestete Krisenpläne bereitgehalten. Die Kommission selbst betreibt drei verschiedene Alarmsysteme für Katastrophenfälle. Sie beziehen sich auf Atomunfälle (ECURIE), Schiffsunglücke und sonstige Katastrophenfälle. Der Jahrtausendwechsel war für diese Systeme eine besondere Bewährungsprobe. Sie waren zwar wie immer in Alarmbereitschaft, wurden aber zusätzlich mit dem EUY2KCC verbunden. Außerdem waren zusätzlich noch drei Referatsleiter und der für Umweltfragen zuständige Kommissar ständig erreichbar, die im Bedarfsfall schnell hätten eingreifen können. Wie es der Zufall wollte, waren die Alarmsysteme der Kommission nicht bei der Umstellung auf das Jahr 2000 gefordert, sondern voll durch die vom Untergang des Erdöltankers Erika ausgelöste Naturkatastrophe und die schweren Stürme in Frankreich und anderen EU-Staaten beansprucht. Die Leistung humanitärerer Soforthilfe in Entwicklungsländern im Fall von Katastrophen, die durch die Umstellung auf das neue Jahrtausend ausgelöst werden könnten, war Thema bei den Zusammentreffen der G8-Staaten und wurde auch in den entsprechenden Foren der Vereinten Nationen diskutiert. ECHO, das Europäische Büro für humanitäre Soforthilfe, bestätigte, daß es auf Jahr-2000-bedingte Katastrophenfälle genauso vorbereitet sei wie auf jeden anderen Notfall. 3. Der Beitrag der Kommission zur Lösung des Jahr-2000-Problems 3.1. Rolle und Mandat Das Jahr-2000-Problem war technischer Natur und erforderte individuelle Lösungsansätze. Da es von außerordentlicher Reichweite war und sowohl Privathaushalte als auch Unternehmen detailliert über die Auswirkungen des Problems und die Notwendigkeit eines individuellen Ansatzes zur Problemlösung informiert werden mußten, wurden auch die einzelstaatlichen Regierungen auf den Plan gerufen. Grenzübergreifende Angelegenheiten mußten zudem auf EU-Ebene geklärt werden. Durch den Informationsaustausch zwischen Industrie und öffentlichem Sektor konnten Erfahrungen weitergegeben werden, so daß jeder über die Vorkehrungsmaßnahmen des anderen informiert war. Zudem sind viele wesentliche Infrastrukturbereiche in der EU, wie z. B. Energie, Finanzdienstleistungen und Telekommunikationswesen, grenzübergreifender Natur, d. h., ihre Arbeit ist nicht auf nationale Grenzen beschränkt. In diesen Bereichen waren also oft Entscheidungen zu treffen, die Aufsichtsbehörden und Betreiber in mehreren Ländern betrafen. Aus diesen Gründen sah sich die Kommission veranlaßt, neben der Vorbereitung ihrer eigenen IT-Systeme auf den Jahrtausendwechsel auch andere bei ihren Vorkehrungsmaßnahmen aktiv zu unterstützen. So nahm sie beispielsweise an internationalen Foren und Veranstaltungen zum Jahr-2000-Problem auf der ganzen Welt teil oder organisierte selbst Workshops und Zusammentreffen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten. Außerdem veröffentlichte sie auch Berichte über die Situation in der EU und richtete nicht zuletzt auch das EUY2KCC ein, welches den EU-Bürgern in der kritischen Phase um den Jahrtausendwechsel rund um die Uhr zur Verfügung stand. 3.2. Organisation Innerhalb der Kommission war die frühere Generaldirektion III - Industrie (heute GD Unternehmen) für das Jahr-2000-Problem zuständig. Dies wurde recht früh festgelegt, da zunächst davon ausgegangen wurde, daß das Jahr-2000-Problem vornehmlich technischer Natur sein würde. Die GD III war für bestimmte Bereiche des 4. Rahmenprogramms zuständig, vor allem IT-Programme, mit deren Hilfe Forschungsprojekte zur Lösung des Jahr-2000-Problems durchgeführt werden sollten. Die GD III wurde daher als kompetenteste Instanz zur Lösung von Jahr-2000-spezifischen Problemen betrachtet. Als die möglichen Auswirkungen des Jahr-2000-Problems auf wichtige Infrastrukturbereiche immer bekannter wurden, wurden auch andere GDs einbezogen. Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der Arbeit der Kommission zur Lösung des Jahr-2000-Problems war das Fachwissen und Engagement der Interdirektionalen Gruppe "Jahr-2000-Problem". Die Gruppe begann ihre Arbeit Anfang 1999, wobei viele der Mitglieder in ihren speziellen Sektoren schon Monate vorher aktiv an der Lösung des Jahr-2000-Problems gearbeitet hatten. Durch die vorbildliche Zusammenarbeit der Mitglieder und den fruchtbaren Austausch von Fachwissen gelang es der Gruppe, einen außerordentlichen Beitrag zur Lösung des Jahr-2000-Problems zu leisten. 3.3. Berichtswesen Als der problematischste Faktor bei der Arbeit der Kommission zur Lösung des Jahr-2000-Problems hat sich die Ausarbeitung von Statusberichten erwiesen, wie sie vom Europäischen Rat und Europäischen Parlament gefordert worden waren. Die Statusberichte wurden auf der Grundlage von Informationen erstellt, die von den Mitgliedsstaaten in den Monaten März, Juni und September 1999 in einem gemeinsamen Format bereitgestellt worden waren. Auch die Mitgliedsstaaten hatten natürlich im Laufe des Jahres für eigene Zwecke ähnliche Informationen gesammelt und entsprechende Berichte erstellt, so daß ein hoher Arbeitsaufwand entstand und die Veröffentlichung von Berichten auf nationaler Ebene nicht mit der Veröffentlichung auf EU-Ebene übereinstimmte. Die Berichte trafen oft erst einige Wochen zu spät und in verschiedenen Sprachen bei der Kommission ein. Zudem stellten die Mitglieder der Interdirektionalen Gruppe noch zusätzliche Informationen für ihre eigenen Bereiche zusammen. Bei derartig vielen Quellen erwies sich die Zusammenfügung der Informationen zu einem kohärenten Ganzen als eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Die Koordinatoren auf einzelstaatlicher Ebene hatten auch die Gelegenheit, Berichtsentwürfe gegenzulesen. Allgemein wurde angenommen, daß die Erstellung eines Quartalsberichtes bis zur Veröffentlichung insgesamt mindestens drei Monate erfordert, sofern jeder Schritt im Erstellungsprozeß fristgemäß ausgeführt wird. Der Bericht für das dritte Quartal konnte jedoch schon in der ersten Dezemberwoche, als nach insgesamt 10 Wochen, veröffentlicht werden, da der Übersetzung dieses Berichtes höchste Priorität eingeräumt worden war. Der Publikationsprozeß für offizielle Kommissionsberichte hat sich für die Veröffentlichung von sachlichen Statusberichten, die eine schnelle Veröffentlichung erfordern, als nicht geeignet erwiesen. Sofern in Zukunft eine ähnliche Form der Berichterstattung an Rat und Parlament erforderlich ist, sollte ein weniger langwieriges Verfahren zur Veröffentlichung eingesetzt werden. Da die größten Verzögerungen im Übersetzungsprozeß entstanden sind, sollte eine Reduzierung der Sprachversionen in Betracht gezogen werden. Da es sich bei Statusberichten zudem um dem Wesen nach sachliche Dokumente handelt, die auf Informationen der Regierungen der Mitgliedsstaaten basieren und von keinerlei politischer Relevanz sind, ist eine zusätzliche Genehmigung durch das Kollegium nicht erforderlich. Eine Einigung innerhalb der betreffenden Bereiche dürfte in solchen Fällen in Zukunft ausreichen. 3.4. Internationale Kooperation Verschiedene Aspekte des Jahr-2000-Problems mußten auf EU-Ebene und teilweise auch auf internationaler Ebene behandelt werden. Auf EU-Ebene boten verschiedene von der Kommission organisierte Veranstaltungen Regierungs- und Industrievertretern aus den einzelnen Mitgliedsstaaten die Gelegenheit, sich gegenseitig auszutauschen. Allgemeine Diskussionen zum Thema fanden auf EU-Ebene zunächst im Rahmen von Workshops statt und ab Juli 1999 dann auch in den Sitzungen der EUY2KWP. Die einzelnen Sektoren kamen im Rahmen regionaler oder internationaler Foren auch zu eigenen Treffen zusammen. Die Kommission war bei solchen Zusammenkünften oft durch Experten aus verschiedenen Generaldirektionen vertreten. Diese bekleidete dabei in zweifacher Hinsicht eine Vermittlerrolle, zum einen informierten sie Drittstaaten über die Situation in der EU und zum anderen hielten sie auch die Mitgliedsstaaten der EU über die Aktivitäten der Drittstaaten auf dem laufenden. Neben diesen sektorenspezifischen Zusammenkünften nahm die Kommission auch aktiv an verschiedenen Veranstaltungen zum Jahr-2000-Problem teil, die von der Informatik-Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen organisiert worden waren. Ebenso war die Kommission aktives Mitglied im Lenkungssausschuß des IY2KCC sowie in der Expertengruppe der G8-Staaten zum Jahr-2000-Problem. Auch hier war die Kommission wieder in einer Vermittlerrolle tätig, indem sie Drittstaaten Informationen über die Situation in der EU bereitstellte und EU-Vertreter über den Fortschritt bei den Vorkehrungsmaßnahmen verschiedener Länder und Organisationen unterrichtete. 3.5. Website Für ein Thema wie das Jahr-2000-Problem, bei dem die Informationstechnologie eine so entscheidende Rolle spielt, stellte das Internet ein wesentliches Informationsmedium dar. Aufgrund der rapiden Entwicklungen in diesem Bereich war das Internet das einzige Medium, das den sich ständig wandelnden Gegebenheiten Rechnung tragen und stets die neuesten Informationen über die Aktivitäten der Organisationen und Fortschritte bei der Umsetzung von Plänen bereithalten konnte. Tausende von Websites zum Jahr-2000-Problem wurden auf der ganzen Welt erstellt. Mailing-Listen, an den Jahr-2000-Experten weltweit mitwirkten, gewährleisteten eine enge Zusammenarbeit und einen optimalen Informationsaustausch zwischen den Technikern, die sich mit dem Jahr-2000-Problem beschäftigten. Die Arbeit des IY2KCC und der G8 wurde durch den Einsatz der elektronischen Kommunikationsmittel erheblich erleichtert. Im Internet konnten Hintergrundinformationen zu technischen Fragen bereitgestellt, neue Aspekte des Problems aufgezeigt und spezielle Probleme erörtert werden, die bereits im Laufe des Jahres aufgetreten sind. Außerdem konnte im Internet auch dargestellt werden, wie das Problem von Presse und Öffentlichkeit aufgenommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt unterhielt die Kommission seit mehr als zwei Jahren selbst eine Website auf dem Server des Information Society Project Office (Büros für die Informationsgesellschaft). Auf dieser Website fanden sich viele Links zu nützlichen Informationsquellen zu verschiedenen Aspekten des Jahr-2000-Problems. Von besonderem Interesse waren in diesem Zusammenhang die Informationsangebote der EU-Mitgliedsstaaten, die zumeist selbst eigene, nationale Websites unterhielten und der Industrieverbände, auf denen einzelstaatenübergreifende Informationen zu verschiedenen Sektoren zu finden waren. Sämtliche Dokumente der Kommission über das Jahr-2000-Problem, z. B. Protokolle der verschiedenen Workshops und offizielle Mitteilungen, wurden auf dieser Website veröffentlicht. Gegen Ende 1999 hatte die Website schon mehrere 10.000 Aufrufe pro Monat zu verzeichnen. Sie ist zudem mehrfach ausgezeichnet worden. Das Jahr-2000-Problem war ab September 1999 auch ein Hauptthema auf der europaweiten Website der Kommission. Dieses Informationsangebot, das in alle EU-Sprachen übersetzt war, sollte interessierten EU-Bürgern einen Überblick über das Thema vermitteln und auf anderen interessante Informationsquellen verweisen. Auch in der Übergangsperiode am Jahresende erwies sich das Internet als ein wichtiges Informations- und Kommunikationsmedium. Auf eigens vom IY2KCC eingerichteten Websites, wie die Global Status Watch (GSW), wurden Informationen einzelstaatlicher Plattformen zum Jahr-2000-Problem bereitgestellt. Die Kommission hat das Informationsangebot der GSW-Website auch den EU-Bürgern verfügbar gemacht, um ihnen einen besseren Zugriff auf aktuelle und verläßliche Informationen über die Situation der wichtigsten Infrastrukturbereiche weltweit zu verschaffen. Zum Jahresende wurde die Website mehr als 150.000 Mal in weniger als drei Tagen aufgerufen, was einem Anteil von 20% der gesamten Aufrufe des GSW-Angebotes weltweit entspricht. Dies deutete auf ein breites Interesse seitens der Öffentlichkeit hin. Zahlreiche private Websites dienten gerade in der Übergangsperiode dem Informationsaustausch, so z. B. die YEWS [1]-Website des US-Aufsichtsbehörde für Kernenergie (US-Nuclear Regulatory Commission). Auf dieser Website wurden Berichte von KKW-Betreibern aus der ganzen Welt veröffentlicht. [1] YEWS: Y2K Early Warning System (Frühwarnsystem für das Jahr-2000-Problem). Die Website und die darin enthaltenen Informationen blieben auch im Jahr 2000 zugänglich. Im Juni 2000 soll die Site jedoch geschlossen und ihre Inhalte archiviert werden. 3.6. Workshops Von Beginn an hat die Kommission die Bedeutung eines konstanten Informationsaustausches erkannt. Dies drückt sich vor allem in den zahlreichen Workshops aus, die die Kommission auf EU-Ebene veranstaltet hat. Zu Anfang fanden diese Workshops vierteljährlich mit Regierungs- und Industrievertretern aus der EU statt. Diese Workshops wurden von allen Teilnehmern als so essentiell angesehen, daß die Redner sogar auf ihr Honorar verzichteten und die Teilnehmer selbst für ihre Reisekosen aufkamen. Auf Wunsch der Tagung des Europäischen Rates in Wien organisierte die Kommission im April 1999 in Brüssel einen Workshop, in dem vor allem grenzübergreifende und sektorenübergreifende Fragen behandelt wurden und an dem Vertreter aus den wichtigsten Infrastrukturbereichen der EU teilnahmen. Mehr als 150 Teilnehmer, darunter Vertreter der Aufsichtsbehörden und Vertreter internationaler Verbände und der Industrie, tauschten Informationen über Fortschritte und Probleme bei den Vorbereitungsmaßnahmen in den Sektoren Luftverkehr, Seeverkehr, Elektrizität, Gas, Telekommunikation und Atomenergie aus. Dieses Forum ermöglichte es verschiedenen Sektoren aus jedem EU-Land, die anderen Länder über ihre jeweiligen Maßnahmen und Fortschritte zu informieren. Die Optimierung des Informationsflusses auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene wurde allgemein als überaus wichtig bezeichnet. Die möglichen Konsequenzen eines Stromnetzausfalls für den Betrieb von Kernkraftwerken und der Mangel an Informationen über die Situation der Kernkraftwerke in den MOES und NUS waren die Themen eines speziellen Workshops der Kommission, der im Juli 1999 stattfand. Teilnehmer aus der Stromindustrie sowie Vertreter von Aufsichtsbehörden aus mehr als 25 Ländern kamen zusammen, um ihre Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zwecks gegenseitiger Hilfestellung zu knüpfen. Ein zweiter Workshop für Vertreter aus den wichtigsten europäischen Infrastrukturbereichen fand im September 1999 statt. Dieser Workshop gab den Teilnehmern wieder die Gelegenheit, sektorspezifische und landesspezifische Informationen zum Jahr-2000-Problem auszutauschen. Insgesamt 200 Vertreter aus 35 Ländern (EU, EWR, MOES, NUS) waren diesmal vertreten. Ein Hauptthema bei diesem Workshop waren Krisenpläne und -strategien für den Jahrtausendwechsel, darunter Strategien zur Information der Öffentlichkeit und zur Vorbereitung von Hilfsmaßnahmen auf nationaler Ebene. Es sollte noch betont werden, daß die Kommission selbst, mit tatkräftiger Unterstützung der Mitgliedsstaaten und der Industrie, diese Workshops organisiert hat, da der enge zeitliche Rahmen und das Fehlen spezieller Gelder für diese Zwecke keine andere Lösung zuließen. Das Programm wurden mit den Jahr-2000-Koordinatoren der Mitgliedsstaaten abgestimmt, die die Kommission auch bei der Anwerbung von Rednern und Teilnehmern unterstützten. Innerhalb der Kommission organisierte jede GD die Teile des Workshops, die direkt mit ihrem Sektor zusammenhingen, übernahm den Vorsitz und sorgte für die Zusammenfassung der Ergebnisse. Auf diese Weise konnte die Kommission mit recht geringem finanziellem Aufwand sowohl interne als auch externe Ressourcen nutzen, um viele sachkundige Teilnehmer zu gewinnen und einen lebhaften Informationsaustausch zu gewährleisten. Protokolle zu den Workshops wurden direkt nach jeder Veranstaltung erstellt und auf der Website der Kommission veröffentlicht. Die Kontakte zwischen verschiedenen Industriesektoren und Experten aus mehreren Ländern hat sowohl die Koordination als auch die Kooperation in der EU entscheidend verbessert. 4. Schlußfolgerungen Die Lösung des Jahr-2000-Problems hat einen umfassenden und globalen Ansatz erfordert, der auf einer noch nie dagewesenen Form der internationalen Zusammenarbeit auf allen Ebenen basierte. Da internationale Gruppen und Organisationen, wie die G8 und das IY2KCC, einen aktiven Beitrag zur Lösung des Problems geleistet haben, wurde das Jahr-2000-Problem zu einer politischen Angelegenheit höchster Priorität. Durch ihre Mitwirkung wurde das Problembewußtsein allgemein gestärkt und Regierungen und Organisationen konnten Tragweite des Problems und Handlungsbedarf verdeutlicht werden. Innerhalb der EU sind die Aktivitäten der EUY2KWP und der Kommission besonders hervorzuheben. Die EUY2KWP stellte ein überaus wichtiges Forum dar, in dem die Koordinatoren der EU-Mitgliedsstaaten Informationen austauschen und gemeinsame Probleme erörtern konnten, so daß die Situation in den einzelnen Sektoren und Ländern transparent gemacht werden konnte. Bei der Arbeit der EUY2KWP ging es weniger um Politik, als um den konstanten Austausch von Informationen über Krisenpläne und -strategien in der kritischen Phase. Die EU- und EFTA-Staaten entwickelten einen einheitlichen und effektiven Ansatz zur Lösung von grenzübergreifenden Angelegenheiten, obwohl es in der Art, wie das Jahr-2000-Problem auf einzelstaatlicher Ebene angegangen wurde, durchaus Unterschiede gegeben haben mag. Die EUY2KWP hat einen aktiven Beitrag dazu geleistet, daß es zu so einem einheitlichen Ansatz kommen konnte. Der Austausch von Informationen hat die Möglichkeit geboten, auf die Kompetenz und Erfahrung der anderen zu bauen und gemeinsam mit anderen Strategien zu entwickeln und zu verfeinern. Schon allein in dieser Hinsicht hat sich die (relativ bescheidene) Investition in Zeit und Geld, die die Teilnahme an Workshops und anderen Veranstaltungen mit sich gebracht hat, mehr als bezahlt gemacht. Die einfache, aber effektive Kommunikationsstruktur, die in der Übergangsphase einen optimalen Informationsaustausch zwischen den Regierungen der Mitgliedsstaaten sowie zwischen den wichtigen Industriesektoren ermöglicht hat, war in diesem Zusammenhang eine besondere Errungenschaft. Vorbildlich war auch die Art und Weise, wie die verschiedenen Länder bei der Lösung eines gemeinsamen Problems kooperiert haben - dies könnte richtungsweisend für die Zukunft sein. Die Begleitumstände des Jahr-2000-Problems waren in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich; die Bedrohung, die von dem Jahr-2000-Problem ausging, stellte letztendlich eine nicht quantifizierbare Größe dar; der zeitliche Rahmen war eng umrissen und wirtschaftliche Interessen, d. h. das Erzielen von Gewinnen, waren ausnahmsweise eher von untergeordneter Bedeutung. Die Transparenz und Offenheit, mit der Regierungen verschiedener Länder sich ausgetauscht haben, das Geschick, mit dem langwierige bürokratische Verfahren umgangen bzw. angepaßt wurden, die effiziente Modernisierung der IT-Systeme, die engagierte Entwicklung gemeinsamer Ansätze zur Lösung grenzübergreifender Angelegenheiten und vor allem die kooperative Erarbeitung von Krisenplänen auf internationaler Ebene - all dies sind Errungenschaften, die sich in Zukunft als nützlich erweisen könnten. Bei vielen wird sich die Einstellung gegenüber ihren IT-Systemen geändert haben. Früher wurde die Informationstechnologie gemeinhin lediglich als nützliches Werkzeug betrachtet. Durch das Jahr-2000-Problem ist jedoch vielen bewußt geworden, daß die IT-Technologie vielmehr ein grundlegender Vermögenswert ist, der für den geordneten Geschäftsverlauf von essentieller Bedeutung ist. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die positiven Aspekte, die sich im Zuge der Vorbereitungen für den Jahrtausendwechsel ergeben haben, Einfluß auf die Zukunft haben werden. Nach der Datumsumstellung richtet sich die Aufmerksamkeit natürlich wieder auf andere Themen. Es wäre jedoch sehr bedauerlich, wenn der enorme, gemeinschaftliche Einsatz zu Lösung des Jahr-2000-Problems verschwendet worden wären, weil zukünftige Problemlösungsansätze vorausschauendes Handeln und Umsicht wieder vermissen lassen. Die Vorbereitungsmaßnahmen für die Einführung des Euro als europäische Einheitswährung hat die Anpassung an den Jahrtausendwechsel sicherlich erleichtert. Viele werden versucht haben, einen parallelen Ansatz zu verfolgen, d.h. Krisenstrategien zur Bewältigung des einen Problems auch für das andere einzusetzen; andere wiederum konnten davon profitieren, daß sie sich durch die Einführung des Euro mit ihrem IT-Systemen insgesamt besser auskannten. Der Finanzdienstleistungssektor hat zwei Anpassungsprozesse bewältigt, die Einführung des Euro 1999 und die Umstellung auf das Jahr 2000. Die für diese Zwecke bereits entwickelten Testverfahren und Krisenpläne können Ende 2001 von großem Nutzen sein. Das Jahr-2000-Problem hat eines sehr deutlich gemacht: Die Informationstechnologie ist sowohl für einzelne Organisationen als auch für den Welthandel insgesamt ein überaus wichtiger Motor. In den ersten Monaten des Jahres 2000 sind Themen wie Sicherheit des elektronischen Geschäftsverkehrs, Schutz vor Viren, sowie Besteuerung und Schutz der Privatsphäre im Internet auf nationaler und internationaler Ebene intensiv diskutiert worden. Diese Themen haben viele Gemeinsamkeiten mit dem Jahr-2000-Problem, so daß bei der Lösung dieser Probleme auf Erfahrungen und Synergieeffekte zurückgegriffen werden kann, die schon bei der Bewältigung des Jahr-2000-Problems entscheidend waren.