19.7.2005   

DE

Amtsblatt der Europäischen Union

C 177/1


STELLUNGNAHME DES RATES

vom 8. März 2005

zum aktualisierten Stabilitätsprogramm Spaniens für 2004-2008

(2005/C 177/01)

DER RAT DER EUROPÄISCHEN UNION —

gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft,

gestützt auf die Verordnung (EG) Nr. 1466/97 des Rates vom 7. Juli 1997 über den Ausbau der haushaltspolitischen Überwachung und der Überwachung und Koordinierung der Wirtschaftspolitiken (1), insbesondere auf Artikel 5 Absatz 3,

auf Empfehlung der Kommission,

nach Anhörung des Wirtschafts- und Finanzausschusses —

GIBT FOLGENDE STELLUNGNAHME AB:

(1)

Am 8. März 2005 hat der Rat das aktualisierte Stabilitätsprogramm Spaniens für den Zeitraum 2004-2008 geprüft. Das Programm entspricht den Anforderungen des „Verhaltenskodexes betreffend Inhalt und Form der Stabilitäts- und Konvergenzprogramme“. Allerdings wurde die Programmfortschreibung erst drei Wochen nach dem im Verhaltenskodex vorgeschriebenen Termin 1. Dezember vorgelegt.

(2)

Das dem Programm zugrunde liegende makroökonomische Szenario sieht vor, dass sich das reale BIP-Wachstum von 2,6 % im Jahr 2004 auf 2,9 % im Jahr 2005 und durchschnittlich 3 % im restlichen Verlauf des Programmzeitraums beschleunigt. Nach derzeitigem Kenntnisstand scheint dieses Szenario von recht optimistischen Wachstumsprognosen auszugehen. Daneben wird auch ein „gemäßigtes Szenario“ in Erwägung gezogen, das mit einem jährlichen BIP-Wachstum von 2,4 % im Jahr 2005 und 2,5 % in den darauffolgenden Jahren rechnet. Während das Standardszenario als relativ optimistisch gelten kann, ist das gemäßigte Wachstumsszenario eher niedrig angesetzt. Die Inflationsprojektionen des Programms (basierend auf dem BIP-Deflator) scheinen realistisch, bleiben jedoch relativ hoch und stellen somit eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit dar.

(3)

Dem aktualisierten Programm zufolge wird die Finanzpolitik von der Idee der Haushaltsstabilität über den gesamten Konjunkturzyklus hinweg getragen. Haushaltsdefizite wären damit im Falle einer Konjunkturabschwächung nicht ausgeschlossen, auch wenn, abgesehen von dem vorübergehenden Defizit im Jahr 2004 infolge der geänderten Verbuchung, zwischen 2005 und 2008 keine Defizite ausgewiesen werden. Es werden kleine, aber wachsende Überschüsse von 0,1 % des BIP im Jahr 2005 bis zu 0,4 % des BIP am Ende des Projektionszeitraums erwartet. Da im Programmzeitraum mit einem nur geringfügigen Rückgang der Zinszahlungen gerechnet wird, ist der projizierte Primärüberschuss mit 2

Formula

% des BIP weiterhin relativ stabil. Generell unterscheiden sich die Haushaltsziele kaum von denen des Vorgängerprogramms, lediglich die angepeilten Primärüberschüsse sind infolge der in der Pogrammfortschreibung für 2003 projizierten höheren Zinszahlungen nicht mehr ganz so ehrgeizig. Ausgehend vom Trend-BIP, das die Kommissionsdienststellen aus den prognostizierten Wachstumsraten errechnet haben (2), und nach Berücksichtigung der einmaligen Anpassungen bei den Haushaltsposten im Haushalt 2004 wird sich der konjunkturbereinigte Haushaltssaldo im gesamten Programmzeitraum weiterhin zwischen 0,2 % und 0,5 % des BIP bewegen.

(4)

Die Risiken, die den Haushaltsprojektionen anhaften, dürften mehr oder weniger ausgeglichen sein. Zwar fallen die Wachstumsprognosen etwas optimistisch aus, doch scheint das Risiko größerer Abweichungen von den Programmzielen gering zu sein.

(5)

In Anbetracht dieser Risikoeinschätzung ist der im Programm vorgezeichnete haushaltspolitische Kurs ausreichend, um das im Stabilitäts- und Wachstumspakt verankerte mittelfristige Ziel eines nahezu ausgeglichenen Haushalts im Programmzeitraum zu erreichen (abgesehen von einer vorübergehenden Abweichung im Jahr 2004 aufgrund der einmaligen Anpassungen bei den Haushaltsposten). Außerdem schafft er eine ausreichende Sicherheitsmarge, damit die Defizitmarke von 3 % des BIP bei normalen Konjunkturschwankungen im gesamten Programmzeitraum nicht überschritten wird.

(6)

Die Schuldenquote lag 2004 bei schätzungsweise 49,1 % des BIP und damit deutlich unter dem im EG-Vertrag ausgewiesenen Referenzwert von 60 % des BIP. Dem Programm zufolge soll die Schuldenquote in dem fraglichen Zeitraum hauptsächlich dank Primärüberschüssen von über 2 % des BIP um weitere 9 Prozentpunkte sinken.

(7)

Die im Programm erläuterte haushaltspolitische Strategie versetzt Spanien in Bezug auf die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen trotz der voraussichtlichen Kosten infolge der Überalterung der Bevölkerung in eine relative günstige Lage. In Anbetracht der Risiken, denen langfristige Ausgabenprojektionen generell unterliegen, und des auf sehr lange Sicht projizierten enormen Anstiegs der Ausgaben für die Altersversorgung muss die derzeitige Politik jedoch durch Maßnahmen ergänzt werden, durch die die Entstehung nicht tragfähiger Trends bei der Entwicklung der öffentlichen Finanzen verhindert wird. Wichtig wäre daher eine umfassende Rentenreform entsprechend den Empfehlungen des mehrseitigen „Pacto de Toledo“.

(8)

Insgesamt gesehen steht die in dem aktualisierten Programm erläuterte Wirtschaftspolitik nur teilweise im Einklang mit den in den Grundzügen der Wirtschaftspolitik enthaltenen länderspezifischen Empfehlungen für den Bereich der öffentlichen Finanzen. Vor allem steht die Umsetzung der Reformempfehlungen zur langfristigen Sicherung der staatlichen Altersversorgung noch aus.

Der Rat ist daher der Ansicht, dass Spanien Maßnahmen ergreifen sollte — vor allem mittels einer umfassenden Reform des Rentensystems zur besseren Abstimmung von Beiträgen und Ansprüchen — durch die das Entstehen nicht tragfähiger Trends bei der Entwicklung der öffentlichen Finanzen verhindert wird.

Gegenüberstellung zentraler makroökonomischer und budgetärer Projektionen

 

2004

2005

2006

2007

2008

Reales BIP

(Veränderung in %)

SP Dez. 2004

2,6

2,9

3,0

3,0

3,0

KOM Okt. 2004

2,6

2,6

2,7

n.v.

n.v.

SP Jan. 2004

3,0

3,0

3,0

3,0

n.v.

Inflation (HVPI) (4)

(%)

SP Dez. 2004

3,8

3,7

3,5

3,2

2,8

KOM Okt. 2004

3,1

2,9

2,5

n.v.

n.v.

SP Jan. 2004

2,9

2,6

2,6

2,6

n.v.

Gesamtstaatlicher Haushaltssaldo

(% des BIP)

SP Dez. 2004

– 0,8

0,1

0,2

0,4

0,4

KOM Okt. 2004

– 0,6

– 0,1

0,0

n.v.

n.v.

SP Jan. 2004

0,0

0,1

0,2

0,3

n.v.

Primärsaldo

(% des BIP)

SP Dez. 2004

1,5

2,2

2,2

2,3

2,3

KOM Okt. 2004

1,7

2,1

2,0

n.v.

n.v.

SP Jan. 2004

2,6

2,5

2,6

2,6

n.v.

Konjunkturbereinigter Saldo

(% des BIP)

SP Dez. 2004 (3)

– 0,7

0,2

0,3

0,5

0,4

KOM Okt. 2004

– 0,7

– 0,1

0,0

n.v.

n.v.

SP Jan. 2004 (3)

0,1

0,1

0,2

0,3

n.v.

Öffentlicher Bruttoschuldenstand

(% des BIP)

SP Dez. 2004

49,1

46,7

44,3

42,0

40,0

KOM Okt. 2004

48,2

45,5

42,9

n.v.

n.v.

SP Jan. 2004

46,6

47,7

45,7

43,8

n.v.

Stabilitätsprogramme (SP), Herbstprognose 2004 der Kommissionsdienststellen (KOM);Berechnungen der Kommissionsdienststellen


(1)  ABl. L 209 vom 2.8.1997, S. 1.

(2)  Bis zur Lösung der Probleme bei den Schätzungen wird die auf dem Produktionsfunktionsansatz beruhende gemeinsam vereinbarte Methodik auf Spanien noch nicht angewandt. Die konjunkturbereinigten Haushaltssalden werden daher nach der Hodrick-Prescott-Filtermethode errechnet.

(3)  Bis zur Lösung der Probleme bei den Schätzungen wird die auf dem Produktionsfunktionsansatz beruhende gemeinsam vereinbarte Methodik auf Spanien noch nicht angewandt. Die konjunkturbereinigten Haushaltssalden werden daher von den Kommissionsdienststellen anhand der von Spanien gelieferten Zahlen nach der Hodrick-Prescott-Filtermethode errechnet.

(4)  Berechnung der Inflationsrate für die Stabilitätsprogramme anhand des BIP-Deflators.

Quellen:

Stabilitätsprogramme (SP), Herbstprognose 2004 der Kommissionsdienststellen (KOM);Berechnungen der Kommissionsdienststellen