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Document 52017AE1814

Stellungnahme des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses zum Thema „Landnutzung für eine nachhaltige Nahrungsmittelerzeugung und nachhaltige Ökosystemleistungen“ (Sondierungsstellungnahme auf Ersuchen des estnischen Ratsvorsitzes)

OJ C 81, 2.3.2018, p. 72–80 (BG, ES, CS, DA, DE, ET, EL, EN, FR, HR, IT, LV, LT, HU, MT, NL, PL, PT, RO, SK, SL, FI, SV)

2.3.2018   

DE

Amtsblatt der Europäischen Union

C 81/72


Stellungnahme des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses zum Thema „Landnutzung für eine nachhaltige Nahrungsmittelerzeugung und nachhaltige Ökosystemleistungen“

(Sondierungsstellungnahme auf Ersuchen des estnischen Ratsvorsitzes)

(2018/C 081/10)

Berichterstatter:

Roomet SÕRMUS

Befassung

Schreiben des Ministerpräsidenten der Republik Estland vom 17.3.2017

Rechtsgrundlage

Artikel 304 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union

 

 

Beschluss des Präsidiums

28.3.2017

 

 

Zuständige Fachgruppe

Landwirtschaft, ländliche Entwicklung, Umwelt

Annahme in der Fachgruppe

3.10.2017

Verabschiedung im Plenum

18.10.2017

Plenartagung Nr.

529

Ergebnis der Abstimmung

(Ja-Stimmen/Nein-Stimmen/Enthaltungen)

126/0/2

1.   Schlussfolgerungen und Empfehlungen

1.1.

Für die nachhaltige Nutzung und den Schutz landwirtschaftlicher Böden wäre ein gemeinsamer EU-Referenzrahmen von ausschlaggebender Bedeutung, um die Fortschritte bei der Erhebung und Nutzung von Daten zu verfolgen; er könnte außerdem dazu dienen, die Definition eines guten Zustands des Bodens, eine einheitliche Terminologie, einheitliche Kriterien für die Überwachung sowie die Prioritäten und die verschiedenen politischen Maßnahmen für die Erreichung eines guten Zustands der Böden festzulegen.

1.2.

In allen Mitgliedstaaten ist der Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen aufgrund der Bodendegradation, der Aufgabe von Flächen, des Klimawandels und der Verstädterung ein erhebliches Problem. Der EWSA schlägt daher vor, den bestehenden EU-Rahmen zu aktualisieren, um in den Mitgliedstaaten die für die Nahrungsmittelerzeugung und die Bereitstellung der übrigen Ökosystemleistungen wertvollen landwirtschaftlichen Flächen und deren Fruchtbarkeit zu schützen und gleichzeitig die Überwachung zu verbessern und zuverlässige Informationen zur Verfügung zu stellen.

1.3.

Die Landwirte haben als Eigentümer und Nutzer der landwirtschaftlichen Flächen bei der Erbringung von Ökosystemleistungen eine besondere Aufgabe, die anerkannt und unterstützt werden muss. Der Boden bietet die wichtigsten Ökosystemleistungen. Böden bilden die Grundlage für den größten Teil der weltweit erzeugten Nahrungsmittel und sind notwendig für die Produktion von Biomasse. Böden speichern Kohlenstoff und tragen so zur Eindämmung des Klimawandels bei.

1.4.

Die Modernisierung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sollte unter anderem auch weiterhin darauf abzielen, die Gesundheit und Fruchtbarkeit der Agrarflächen und Böden zu schützen, was für die Erhaltung und weitere Steigerung der Produktivität und Nachhaltigkeit der Landwirtschaft unabdingbar ist.

1.5.

Gemäß den Klimaschutzübereinkommen sollten bestehende und neue Initiativen gefördert werden, um den Kohlenstoffkreislauf der Böden so ins Gleichgewicht zu bringen, dass die Nahrungsmittelerzeugung nicht gefährdet wird. Zur Erhöhung des Kohlenstoffgehalts im Boden schlägt der EWSA vor, die Grundsätze einer nachhaltigen Bodenbewirtschaftung in die politischen Maßnahmen der EU aufzunehmen. Gefördert werden sollten unter anderem die Erzeugung von Biomasse durch eine Verbesserung des Zugangs zu Wasser und anderer Bodenfaktoren (Bodenstruktur und Bodenbelüftung, Verfügbarkeit von Nährstoffen, pH-Wert, biologische Aktivität des Bodens), eine besonders schonende Bodenbearbeitung, Weidewirtschaft und eine nachhaltige Bewirtschaftung der Grünflächen, eine integrierte landwirtschaftliche Erzeugung, unter Einsatz bewährter Verfahren des ökologischen und konventionellen Landbaus, wie z. B. die Fruchtfolge, der Anbau von Leguminosen, die Verwertung von organischen Abfällen und Kompost sowie das Anlegen einer winterlichen Pflanzendecke für die Felder. Kohlenstoffreiche Böden und Grünland müssen nachhaltig bewirtschaftet werden, um die Kohlenstoffbindung durch den Boden und die Pflanzen zu fördern.

1.6.

Die Mitgliedstaaten sollten auch im Rahmen der zweiten Säule der GAP dazu angehalten werden, angemessene Maßnahmen zum Bodenschutz zu ergreifen.

1.7.

Im Hinblick auf eine nachhaltige Flächen- und Bodennutzung müssen zusätzliche Investitionen in umwelt- und klimafreundliche Technologien sowie in Meliorationssysteme gefördert werden.

1.8.

Die wissensbasierte Landwirtschaft (d. h. die Präzisionslandwirtschaft und agrarökologische Herangehensweisen) muss gefördert werden. Das Potenzial der ressourcen-, boden- und umweltschonenden Präzisionslandwirtschaft entfaltet sich durch die Integration von Boden-, Dünge-, Pflanzenschutz-, Wetter- und Ertragsdaten, was u. a. einen besseren Zugang zu den in nationalen Datenbanken enthaltenen verwertbaren Daten, mehr Mobilität und eine größere Benutzerfreundlichkeit voraussetzt, wobei der Grundsatz gilt, dass die Landwirte die Eigentümer der generierten Daten sind. Voraussetzung dafür ist der Zugang zum Internet sowie die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien durch die Landwirte.

1.9.

Bei der Politikgestaltung und der Entscheidungsfindung im Bereich der Flächennutzung sollte verstärkt auf Bodendaten zurückgegriffen werden. Zugleich müssten die Qualität und Verfügbarkeit von Bodendaten verbessert werden, insbesondere in den Bereichen, in denen bislang noch nicht genügend Untersuchungen vorgenommen wurden. Auf EU-Ebene muss eine einheitliche Beobachtung der Böden vereinbart werden.

1.10.

Im gesamten Bildungssystem muss das Bewusstsein für die Bedeutung der Böden geschärft werden. Hierbei sollten moderne pädagogische Mittel eingesetzt und das Thema Böden in die Lehrpläne der einzelnen Bildungsebenen aufgenommen werden.

1.11.

Auch Maßnahmen zur Information der Landwirte in Sachen Böden und gute landwirtschaftliche Praxis spielen eine wichtige Rolle. Zu diesem Zweck ist die Mitwirkung von Beratungsdiensten von besonderer Bedeutung.

2.   Einleitung

2.1.

Diese Stellungnahme des EWSA wird auf Ersuchen des estnischen Ratsvorsitzes erarbeitet und dient dazu, die grundlegende Bedeutung der nachhaltigen Land- (1) und Bodennutzung (2) für die Nahrungsmittelerzeugung und die Erbringung von Ökosystemleistungen herauszuarbeiten.

2.2.

Der EWSA untersucht auf Ersuchen des estnischen Ratsvorsitzes, wie die Agrarflächenproblematik in den verschiedenen Politikbereichen der EU behandelt wird. Dabei geht es auch um die Frage, was sowohl politisch als auch von den Unternehmen in der EU für eine nachhaltige und wirkungsvolle Nutzung des Bodens, einer für die Nahrungsmittelerzeugung und die Erbringung der übrigen Ökosystemleistungen notwendigen Ressource, unternommen werden kann.

2.3.

Auf EU-Ebene gibt es zum jetzigen Zeitpunkt eine Vielzahl von Bodenschutzvorschriften. Obwohl die diversen Politikfelder der EU zum Schutz und zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Agrarflächen beitragen, ist der Bodenschutz meist nicht ihr Hauptziel. Der EWSA hält die Zeit für die Einleitung einer Debatte über die Notwendigkeit einer besseren Koordinierung der Bodenschutzmaßnahmen auf EU-Ebene jetzt für gekommen.

2.4.

Sowohl die EU als auch die Mitgliedstaaten müssen bei ihrer Politikgestaltung von den Zielen der Vereinten Nationen für die nachhaltige Entwicklung bis 2030 ausgehen (3). Diese Ziele umfassen die Förderung der Ökosysteme, die Bekämpfung der Wüstenbildung, Stopp und Umkehr der Bodendegradation, die nachhaltige Bewirtschaftung und effiziente Nutzung der natürlichen Ressourcen und die Aufnahme von Klimaschutzmaßnahmen in die Politik, die Strategien und die Planung auf nationaler Ebene. Unabdingbare Voraussetzung für eine nachhaltige Landwirtschaft und Nahrungsmittelerzeugung ist der Schutz der Agrarflächen sowie die nachhaltige Nutzung der Böden, die eine endliche und im Prinzip nicht erneuerbare Ressource sind.

2.5.

Daneben gibt es zahlreiche Initiativen (4) zur Förderung der nachhaltigen Bodenbewirtschaftung und zur Aufklärung über die große Bedeutung der Agrarflächen für die Ernährungssicherheit und die Eindämmung des Klimawandels.

2.6.

Der EWSA verweist ferner auf das Konzept der Belastungsgrenzen unseres Planeten. Es könnte zur Festlegung der ökologischen Grenzen herangezogen werden, die die Menschen nicht überschreiten dürfen, wenn sie die Umwelt nicht schädigen wollen. Er stellt fest, dass drei der neun Belastungsgrenzen (Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Stickstoffkreislauf) bereits überschritten wurden (5). Gleichzeitig ist sich der Ausschuss bewusst, dass die Sicherung der weltweiten Nahrungsmittelversorgung eine Herausforderung ist, die Europa im Rahmen seiner globalen Verantwortung ernst nehmen muss.

3.   Die wichtigsten Probleme bei der Land- und Bodennutzung für die landwirtschaftliche Erzeugung

3.1.

Die weltweite Nachfrage nach Nahrungsmitteln wird in den kommenden Jahrzehnten zunehmen. Daher müssen die Agrarflächen in einigen Regionen der Welt zwangsläufig noch intensiver bewirtschaftet werden, was negative Auswirkungen auf die Böden und die Umwelt im weiteren Sinne haben könnte, wenn die Bodennutzung nicht nach ökologischen Gesichtspunkten erfolgt. Um eine ausreichende Nahrungsmittelversorgung zu gewährleisten, muss die Produktivität der vorhandenen Agrarflächen beibehalten und die Fruchtbarkeit in biologischer, chemischer und physikalischer Hinsicht bewahrt werden.

3.2.

In der Stellungnahme des EWSA zum Thema „Nachhaltigere Lebensmittelsysteme“ (6) werden die Folgen einer unsachgemäßen Bewirtschaftung bei der Nahrungsmittelproduktion beschrieben: Verlust der biologischen Vielfalt, Bodendegradation, Wasser- und Luftverschmutzung und Treibhausgasemissionen. Demnach muss dafür gesorgt werden, dass diese Ressourcen effizient und nachhaltig genutzt werden, damit die Nahrungsmittelversorgung gesichert bleibt. Dies muss auch Teil einer umfassenden Ernährungspolitik sein, wie sie in der in Arbeit befindlichen EWSA-Stellungnahme „Beitrag der Zivilgesellschaft zur Ausarbeitung einer umfassenden Ernährungspolitik in der EU“ beschrieben wird.

3.3.

Auch der Klimawandel wirkt sich auf die Verfügbarkeit der grundlegenden natürlichen Ressourcen — Wasser und Boden — aus. Obwohl etliche Maßnahmen gegen den Klimawandel unternommen wurden, sinkt der Kohlenstoffgehalt in den Böden Jahr für Jahr, wie aus Daten über die obere Bodenschicht deutlich wird. Zusätzliche Angaben zu den tieferen Schichten würden jedoch den Trend realistischer widerspiegeln.

3.4.

Die Europäische Umweltagentur (EUA) warnt in ihrem Bericht „Die Umwelt in Europa: Zustand und Ausblick 2015“ (7) davor, dass die Ökosystemleistungen der Böden — darunter die Erzeugung von Nahrungsmitteln, der Schutz der biologischen Vielfalt, die Kohlenstoff-, Wasser- und Nährstoffbindung im Boden — zunehmend bedroht sind. Je nach Region werden als die wichtigsten Probleme in dem Bericht die Bodenerosion, der Verlust an organischer Stoffe im Boden, Bodenverunreinigungen und die Bodenversiegelung genannt, daneben auch die Verstädterung, die Aufgabe von Flächen und die Auswirkungen der zunehmend intensiven Agrarproduktion auf natürliche und naturnahe Lebensräume. Auch die abnehmende Fruchtbarkeit des Bodens gehört zu den allgemein anerkannten Gefahren für die Böden.

4.   Die Argrarflächenproblematik in den verschiedenen Politikbereichen der EU

4.1.

In einem von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebenen Bericht wurden die bodenschutzpolitischen Maßnahmen der 28 EU-Mitgliedstaaten analysiert (8). Die Auswertung ergab 35 europäische und 671 einzelstaatliche politische Maßnahmen zum Schutz des Bodens. Die Maßnahmen der EU umfassen Strategiedokumente, Richtlinien, Verordnungen und diverse flankierende Maßnahmen. 75 Prozent der einzelstaatlichen Maßnahmen sind vornehmlich verbindliche Vorschriften.

4.2.

Die Vielfalt der Maßnahmen in den Mitgliedstaaten bietet die Chance, etwas in der vielschichtigen Bodenschutzproblematik zu unternehmen und gleichzeitig die Koordinierung zu verbessern. Das EU-Recht hat einige wertvolle und strenge Vorschriften zum Schutz der Böden parat, doch weist dieses System einige Schwachstellen auf. Die einzelstaatliche Politik reicht nicht aus, um die Lücken in den EU-Vorschriften im Bereich Bodenschutz zu schließen, und die Vorschriften zum Bodenschutz weichen von Land zu Land erheblich voneinander ab.

4.3.

In dem seit Anfang 2014 geltenden Siebten Umweltaktionsprogramm wird die Degradation der Böden als ein ernstes Problem erkannt und das Ziel vorgegeben, in der EU bis 2020 zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung des Bodens und zu einem angemessenen Bodenschutz zu gelangen sowie bei der Sanierung schadstoffbelasteter Flächen Fortschritte zu machen. Die EU und ihre Mitgliedstaaten haben sich ebenfalls dazu verpflichtet, verstärkt gegen die Bodenerosion vorzugehen und die organische Bodensubstanz zu verbessern.

4.4.

Als bodenschutzpolitisch relevant und relativ gut funktionierend sind u. a. folgende EU-Maßnahmen einzustufen: die Richtlinie über Industrieemissionen und die Umwelthaftungsrichtlinie sowie die Vorschriften zum Gewässerschutz (Wasserrahmenrichtlinie), die Nitratrichtlinie, die Cross-Compliance-Regelung der GAP sowie die Regeln betreffend den guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand (GLÖZ). Im Hinblick auf die Verbesserung der Situation der Böden könnte bei der Umsetzung dieser Maßnahmen jedoch noch mehr Wirkung erzielt werden, wenn die örtlichen Gegebenheiten flexibel berücksichtigt und die Maßnahmen untereinander besser koordiniert würden.

4.5.

Bodenschutzbelange könnten auch durch verschiedene Arten finanzieller Unterstützung gefördert werden, die der Kohäsionsfonds, der Europäische Fonds für regionale Entwicklung, LIFE+ und das Programm „Horizont 2020“ bieten.

4.6.

Die Direktzahlungen aus der ersten Säule der GAP, die etwa 90 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der EU betreffen, sind ein wichtiger wirtschaftlicher Anreiz bei Entscheidungen über die Landnutzung und die Bewirtschaftung durch die Landwirte. Die Direktzahlungen sind streng an die Erhaltung der Agrarflächen in einem guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand sowie die Einhaltung der Cross-Compliance und Ökologisierungsauflagen gemäß den Grundverordnungen der GAP gebunden. Dabei haben die Mitgliedstaaten einen gewissen Entscheidungsspielraum. 30 % der Direktzahlungen sind an Umweltauflagen gebunden, die darauf abzielen, die Qualität des Bodens zu verbessern, die biologische Vielfalt zu schützen und die Kohlenstoffbindung zu fördern (9). Unbedingt ist darauf zu achten, dass der Nutzen der Ökologisierung nicht durch einen hohen bürokratischen Aufwand im Zusammenhang mit der Durchführung dieser Maßnahme zunichte gemacht wird.

4.7.

Die Programme zur Entwicklung des ländlichen Raums bieten den Mitgliedstaaten im Rahmen der zweiten Säule der GAP ebenfalls Möglichkeiten zur Umsetzung der EU-Bodenschutzmaßnahmen, die auf die örtlichen Besonderheiten im jeweiligen Mitgliedstaat zugeschnitten sind.

4.8.

Perspektiven für den Bodenschutz, für die Eindämmung des Klimawandels und für die Anpassung an dessen Folgen könnten sich ferner durch eine Reihe geplanter Rechtsetzungsinitiativen ergeben (z. B. Klima- und Energiepaket, Verordnung über die Einbeziehung der Emissionen und des Abbaus von Treibhausgasen aus Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft (LULUCF), Lastenteilungsverordnung usw.).

4.9.

Weiterhin belangreich für die Bodenschutzthematik ist die im Zusammenhang mit dem Paket zur Kreislaufwirtschaft diskutierte Modernisierung der EU-Düngemittelverordnung, damit organische und aus Abfällen gewonnene Düngemittel leichter eingesetzt werden können. Die recycelten Stoffe, die zur Bodenverbesserung oder als Düngemittel verwendet werden sollen, dürfen jedoch keine gefährlichen Stoffe (Xenobiotika) enthalten. Obwohl im Vorschlag der Kommission Grenzwerte für die Konzentrationen von Schadstoffen in mineralischem oder organischem Dünger gesetzt werden, besteht nach wie vor ein Bedarf nach neuen, sauberen technischen Lösungen, um Düngemittel und Bodenverbesserungsmittel zu produzieren, die für die Bodennutzung unbedenklich sind, ohne dabei die primäre Produktivität zu beeinträchtigen. In seiner Stellungnahme begrüßt der EWSA die Initiative der Kommission und stellt heraus, dass die Fruchtbarkeit und der Schutz der Böden Hauptanliegen bei der Überprüfung der Verordnung sind (10).

5.   Vorschläge zur Förderung einer nachhaltigen Nutzung der Böden als notwendiger Ressource für die Nahrungsmittelerzeugung und der Erbringung von Ökosystemleistungen in der Europäischen Union

5.1.

Für die nachhaltige Nutzung und den Schutz landwirtschaftlicher Böden wäre ein gemeinsamer EU-Referenzrahmen von ausschlaggebender Bedeutung, um die Fortschritte bei der Erhebung und Nutzung von Daten zu verfolgen; er könnte außerdem dazu dienen, eine einheitliche Terminologie, die Definition eines guten Zustands des Bodens, die Prioritäten, die Kriterien für die Überwachung unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Boden- und Klimaverhältnisse sowie verschiedene politische Maßnahmen für die Erreichung eines guten Zustands der Böden festzulegen. Das ist eine Voraussetzung, um den Zustand der Böden angemessen bewerten und die erforderlichen Maßnahmen einleiten zu können.

5.2.

In allen Mitgliedstaaten ist der Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen aufgrund der Bodendegradation, der Aufgabe von Flächen, des Klimawandels und der Verstädterung ein erhebliches Problem. Immer mehr landwirtschaftliche Flächen gehen verloren, während künstliche Oberflächen zunehmen. Zwischen 2006 und 2012 lag der jährliche Flächenverbrauch in den europäischen Ländern bei ca. 107 000 ha/Jahr. Am häufigsten wurden Ackerland und Daueranbauflächen, daneben Weideland und gemischte landwirtschaftliche Flächen in künstliche Oberflächen umgewandelt (11). Der EWSA schlägt daher vor, den bestehenden EU-Rahmen zu aktualisieren, um in den Mitgliedstaaten die für die Nahrungsmittelerzeugung und die Bereitstellung der übrigen Ökosystemleistungen wertvollen landwirtschaftlichen Flächen und deren Fruchtbarkeit zu schützen. Zu diesem Zweck sollten mehr technische Möglichkeiten geschaffen werden, um eine bessere Überwachung zu ermöglichen und zuverlässige Informationen zur Verfügung zu stellen.

Die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union

5.3.

Mit Blick auf die Modernisierung der GAP muss im kommenden Finanzplanungszeitraum eine effiziente und nachhaltige Bewirtschaftung der Agrarflächen gewährleistet werden. Das Ziel sollte unter anderem sein, die Gesundheit und Fruchtbarkeit der Agrarflächen und Böden auch weiterhin zu schützen, was für die Erhaltung und weitere Steigerung der Produktivität und Nachhaltigkeit der Landwirtschaft unabdingbar ist.

5.4.

Im Rahmen der Ökologisierungsmaßnahmen der ersten Säule der GAP sollten bessere Lösungen gefunden werden, um den Zustand der Böden zu verbessern. In erster Linie sollte die Fruchtfolge mit Leguminosen oder Grassorten gefördert werden. In den Diskussionen über die Wirksamkeit der Ökologisierung werden in erster Linie Aspekte der Artenvielfalt angeführt, doch auch die positiven Auswirkungen des Anbaus von Leguminosen auf die Böden sollten stärker als bisher zur Geltung gebracht werden (12).

5.5.

Die Landwirtschaft erzeugt nicht nur hochwertige Nahrungsmittel, sie ist außerdem zuständig für den Erhalt der Artenvielfalt und offener Landschaften. Darüber hinaus spielt sie eine wesentliche Rolle bei der Anpassung an den Klimawandel und dessen Eindämmung. Die Bereitstellung öffentlicher Güter wird in erster Linie durch Maßnahmen zur nachhaltigen Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen gewährleistet, die einen zusätzlichen Nutzen schafft und mit der den Auswirkungen der Landwirtschaft auf den Boden, das Wasser und die Artenvielfalt begegnet wird.

5.6.

Die Mitgliedstaaten sollten dazu angehalten werden, im Rahmen der zweiten Säule der GAP Maßnahmen zum Schutz der Böden zu treffen, was ihnen ein Höchstmaß an Flexibilität böte, um örtlichen Gegebenheiten, unterschiedlichen Bedingungen (u. a. Bodentypen) und spezifischen Problemen Rechnung zu tragen.

5.7.

Der EWSA ruft die Europäische Kommission auf, stärker als bisher die spezifischen Vorschläge der Mitgliedstaaten zur Verbesserung der Qualität der Böden und zu deren nachhaltiger Nutzung zu berücksichtigen (z. B. durch die Förderung des Kalkens, um der Bodenversauerung entgegenzuwirken, oder durch Bewässerung und Entwässerung, um Wassermangel bzw. Wasserüberschüssen im Boden zu begegnen). Bei der Bewirtschaftung organischer Böden sollte keine Bewirtschaftungsoption ausgeschlossen werden, doch sollten einige Maßnahmen zum Schutz und zur Pflege der Böden vorgesehen werden.

5.8.

Im Hinblick auf eine nachhaltige Flächen- und Bodennutzung müssen zusätzliche Investitionen in umwelt- und klimafreundliche Technologien gefördert werden. Für eine nachhaltige Nahrungsmittelerzeugung sollte die wissensbasierte Landwirtschaft (darunter die Präzisionslandwirtschaft und agrarökologische Ansätze) gefördert werden, wodurch gewährleistet wird, dass landwirtschaftliche Einsatzmittel in der richtigen Menge, am richtigen Ort und zur richtigen Zeit zur Anwendung kommen. Von herausragender Bedeutung ist die Verbesserung der biologischen Aktivität durch Einbringung organischen Materials und die Erreichung eines Gleichgewichts von Nährstoffen im Boden — Überdüngung birgt Umweltrisiken durch etwaige Nährstoffauswaschungen, während andererseits ein Nährstoffmangel zu einer Verringerung der Bodenfruchtbarkeit führt. Ferner muss auf die Befolgung des Minimumgesetzes (13) geachtet werden, denn beim Fehlen eines bestimmten Nährstoffes (wie zum Beispiel Phosphor) erhöht sich das Risiko von Auswaschungen der anderen Nährstoffe.

5.9.

Der Viehzucht kommt bei der Bodennutzung eine wesentliche und oft unverzichtbare Rolle für den Nährstoffkreislauf, die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit (14) und die Kohlenstoffspeicherung zu. In der EU gibt es zahlreiche landwirtschaftliche Nutzflächen, unter anderem Grünland, die sich ausschließlich für die Weidewirtschaft oder die Futtergrasgewinnung eignen, sodass die Viehzucht in bestimmten Regionen weiterhin gefördert werden muss, damit die Landwirte diese Flächen nicht aufgeben. Die in einigen Teilen der EU weit verbreitete Praxis, Dauergrünland nur durch Abmähen zu erhalten, bietet keine Alternative zur Weidewirtschaft — weder mit Blick auf die Nahrungsmittelerzeugung, noch in Bezug auf die Ressourceneffizienz oder die Böden. Daher müssen innerhalb der GAP Maßnahmen zur Sicherung der Rentabilität einer Viehzucht in den verschiedenen Regionen der EU und Lösungen gefunden werden, die eine aktive und nachhaltige Landnutzung mit dem Ziel der Nahrungsmittelerzeugung erlauben.

5.10.

In einigen Regionen der EU sind veraltete landwirtschaftliche Dränanlagen ein großes Problem, weshalb mehr als bisher sowie mit Blick auf den Klimawandel auf langfristige Investitionen in die landwirtschaftliche Infrastruktur, beispielsweise in die Modernisierung der Dränanlagen, gesetzt werden sollte, um landwirtschaftliche Nutzflächen für die Nahrungsmittelerzeugung zu bewahren und die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten.

Landnutzung und Ökosystemleistungen

5.11.

In der „Millenniums-Bewertung der Ökosysteme“ (15) aus dem Jahr 2005 werden unter den Ökosystemleistungen die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Güter verstanden, die die Ökosysteme den Menschen liefern. Die Bodenbildung gehört zu den Ökosystemleistungen und ist eine Voraussetzung für die Erbringung aller übrigen Ökosystemleistungen, wie etwa die Nahrungsmittelerzeugung. Die nachhaltige Nahrungsmittelerzeugung ist demnach ohne den Bodenschutz undenkbar.

5.12.

Die Landwirte spielen bei der Erbringung von Ökosystemleistungen eine wesentliche Rolle, die anerkannt und unterstützt werden muss. Der Boden bietet die wichtigsten Ökosystemleistungen (16). Er ist Lebensgrundlage für Mikroben, Pflanzen und Tiere und ein wichtiges Reservoir an biologischer Vielfalt; Boden filtert Wasser und speichert das für das Pflanzenwachstum notwendige Wasser, er wirkt regulierend auf Überschwemmungen, speichert Nährstoffe und stellt sie den Pflanzen zur Verfügung, und er ist in der Lage, Schadstoffe umzuwandeln. Böden bilden die Grundlage für den größten Teil der weltweit erzeugten Nahrungsmittel und sind notwendig für die Produktion von Biomasse. Böden speichern Kohlenstoff und können so zur Eindämmung des Klimawandels beitragen.

5.13.

Eine größere Aufmerksamkeit muss der Landnutzung geschenkt werden, die das Funktionieren der Ökosysteme und damit auch die Erbringung von Ökosystemleistungen beeinflusst. Die Bodendegradation, eine nicht nachhaltige Landnutzung und die Zersiedelung der Lebensräume aufgrund der Urbanisierung und des Baus von Häusern und Straßen beeinträchtigen die Bereitstellung mehrerer wichtiger Ökosystemleistungen, gefährden die Artenvielfalt und verringern die Widerstandsfähigkeit Europas gegenüber dem Klimawandel und Naturkatastrophen. Sie begünstigen außerdem die Bodendegradation und Wüstenbildung (17). Zur Behebung der dargelegten Probleme sollten die von der Europäischen Kommission 2012 in den Leitlinien für bewährte Praktiken zur Begrenzung, Milderung und Kompensierung der Bodenversiegelung genannten Grundsätze stärker berücksichtigt werden (18).

5.14.

Die Funktionen und Ökosystemleistungen des Bodens sind Themen, die nur selten in den Rechtsvorschriften behandelt werden, denn es gibt keinen Markt für diese Leistungen und sie werden von der Gesellschaft nicht ausreichend anerkannt. So finden sich beispielsweise in der Grundverordnung der GAP über Direktzahlungen zwar einige Verweise auf die Bodenqualität, jedoch enthält sie keinen Hinweis auf die biologische Vielfalt des Bodens und deren Synergien mit der Primärproduktivität. Neben den chemischen und physikalischen Eigenschaften des Bodens hängen die Schlüsselfunktionen des Bodens vom Zustand der Mikroorganismen und der Fauna im Boden sowie von ihnen ausgehenden biologischen Prozessen ab, darunter die Stickstoffbindung, die Kohlenstoffbindung, die Filterung von Wasser und die Fähigkeit, Nährstoffausschwemmung zu verhindern. Neben den Eigenschaften des Bodens ist auch die Gesundheit der Kulturen wichtig, damit das Potenzial der Böden in vollem Umfang für die Nahrungsmittelerzeugung und die Kohlenstoffbindung genutzt werden kann.

5.15.

In der EWSA-Stellungnahme zur möglichen Umgestaltung der GAP (19) heißt es, dass die Maßnahmen in den Bereichen Umweltschutz, Klimawandel und Artenvielfalt im Rahmen der zweiten Säule der GAP mehr als bisher auf die Erbringung von Ökosystemleistungen durch Landwirte ausgerichtet werden sollten. Im Hinblick auf die Böden und die Landnutzung sollten die Unterstützungsmaßnahmen in erster Linie darauf abzielen, Grünland und organische Böden so zu bewirtschaften, dass die Kohlenstoffbindung im Boden gefördert wird. Im Interesse der Böden sollte die Bodenbearbeitung auf ein Minimum reduziert werden. Ein gewisser Grad an Bodenbearbeitung ist jedoch aufgrund der Nährstoffanreicherung (Phosphor) auf nicht bearbeiteten Bodenoberflächen erforderlich, um die Nährstoffe in die Wurzelzone einzubringen und die Gefahr des Ausschwemmens von Nährstoffen zu verringern. Auch durch die Bodenverdichtung verringert sich die Fähigkeit des Bodens, Nährstoffverluste zu verhindern.

5.16.

In einigen Regionen der EU sollten die Umwandlung von Ackerflächen in Grünland, die Verringerung der Besatzdichte auf Grünland bei gleichzeitiger Einhaltung einer Mindestbesatzdichte, der Erhalt von Torfmooren sowie Maßnahmen zur Begrenzung der Bodenerosion und zur Verringerung der Wüstenbildung in Trockengebieten gefördert werden.

5.17.

In manchen Regionen besteht die größte Herausforderung der Landwirtschaft darin, die Artenvielfalt der landwirtschaftlichen Nutzflächen zu erhalten, nachhaltige Bewirtschaftungsmethoden weiter zu fördern und die Wirtschaftlichkeit der Erzeugung zu steigern, ohne die Bewirtschaftung weiter zu intensivieren. Andere Regionen stehen hauptsächlich vor der Aufgabe, den auf der Landnutzung, den Böden und den natürlichen Ökosystemen lastenden Druck zu verringern. In den südlichen Regionen ist zusätzlich dazu auch die Wasserknappheit eine große Herausforderung.

5.18.

Diese für das Ökosystem sehr wichtigen Aspekte der landwirtschaftlichen Erzeugung müssen bei der Gestaltung und Umgestaltung der GAP und anderer Politikbereiche berücksichtigt werden.

Boden und Klimawandel

5.19.

Da der Boden der weltweit größte Kohlenstoffspeicher auf dem Festland (20) ist, kommt ihm bei der Bewältigung des Klimawandels und der Kohlenstoffbindung eine besondere Rolle zu. Im internationalen Klimaschutzrahmen wird der nachhaltigen Bewirtschaftung der Böden eine Schlüsselrolle bei der Stabilisierung und Erhöhung des Gehalts an organischen Stoffen beigemessen, die dazu beitragen, die Funktionen des Bodens zu erhalten und die Bodendegradation zu verhindern. Gemäß dem Klimaschutzübereinkommen von Paris sollten bestehende und neue Initiativen gefördert werden, um den Kohlenstoffkreislauf der Böden so ins Gleichgewicht zu bringen, dass die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird, wie es in Artikel 2 des Pariser Übereinkommens heißt.

5.20.

Gemäß Grundsatz 9 der Weltbodencharta (21) der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) liefern alle Böden Ökosystemleistungen, die für die globale Klimaregulierung von wesentlicher Bedeutung sind. Zur Erhöhung des Kohlenstoffgehalts im Boden schlägt der EWSA vor, die Grundsätze der 2016 von der FAO angenommenen freiwilligen Leitlinien für eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung (22) in die politischen Maßnahmen der EU aufzunehmen. Gefördert werden sollten unter anderem die Erzeugung von Biomasse durch die Verbesserung des Zugangs zu Wasser (z. B. den Bau von Bewässerungssystemen unter Berücksichtigung der Umweltbedingungen vor Ort), eine auf ein Minimum reduzierte Bodenbearbeitung, Weidewirtschaft, integrierte Produktion, ökologischer Landbau, Fruchtfolge, der Anbau von Leguminosen, die Verwertung von organischen Abfällen und Kompost und das Anlegen einer winterlichen Pflanzendecke für die Felder. Kohlenstoffreiche Böden und Grünland müssen nachhaltig bewirtschaftet werden.

5.21.

Wichtige Initiativen im Zusammenhang mit dem Klimawandel sollten auf europäischer Ebene unterstützt werden. Es sollte jedoch nicht vergessen werden, dass sich die Situation der Böden zwischen den Mitgliedstaaten erheblich unterscheidet, weswegen im Rahmen bestehender oder neuer Maßnahmen die regionalen Unterschiede berücksichtigt werden müssen.

Verfügbarkeit von bodenbezogenen Daten und ihre Nutzung

5.22.

Zur Umsetzung einer faktengestützten Politik und für die Landnutzungsplanung auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene sollte bei der Politikgestaltung und der Entscheidungsfindung im Bereich der Flächennutzung verstärkt auf Bodendaten zurückgegriffen werden. Der Austausch von Daten sollte unter Achtung des Eigentums an Daten innerhalb eines vereinbarten Regelungsrahmens koordiniert werden.

5.23.

Zugleich müssten die Qualität und Verfügbarkeit von Bodendaten verbessert werden, insbesondere in den Bereichen, in denen bislang noch nicht genügend Untersuchungen vorgenommen wurden (z. B. Daten zum Kohlenstoffgehalt im Boden). Für eine bessere Verfügbarkeit von Daten sind kurz- und langfristig klare Ziele erforderlich.

5.24.

Für einen besseren Zugang zu den Bodendaten und ihre stärkere Nutzung müssen die Bodenkarten aktualisiert und die an die Mitgliedstaaten gestellten Mindestanforderungen in Bezug auf den Maßstab der Bodenkarten weiter angehoben werden. Jedoch sollten die in einigen Regionen der Europäischen Union mit der Bodenkartierung verbundenen Herausforderungen berücksichtigt werden.

5.25.

Auf EU-Ebene sollte eine einheitliche Boden-Dauerbeobachtung vereinbart werden, verbunden mit einer begrenzten Zahl von Indikatoren in Bezug auf Veränderungen des Bodenzustands und die Wirksamkeit von Maßnahmen zum Bodenschutz.

5.26.

Die Landwirte müssen tagtäglich sehr komplexe Entscheidungen bezüglich ihrer Produktionsplanung treffen. Ohne den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien wäre eine ressourcenschonende, boden- und umweltfreundliche Präzisionslandwirtschaft nicht denkbar. Eine Voraussetzung hierfür ist, dass unter den Landwirten der Einsatz digitaler Lösungen gefördert wird — mit Optionen und Flexibilität entsprechend den jeweiligen Boden- und Klimaverhältnissen.

5.27.

Das Potenzial der Präzisionslandwirtschaft kommt durch die Integration von Boden-, Dünge-, Pflanzenschutz-, Wetter- und Ertragsdaten zum Tragen, was u. a. einen besseren Zugang zu den in nationalen Datenbanken enthaltenen Daten, mehr Mobilität und eine größere Benutzerfreundlichkeit voraussetzt. Es sollten Lösungen gefördert werden, die den Landwirten bei ihrer täglichen Arbeit den Rückgriff auf die in den nationalen Datenbanken enthaltenen Massendaten ermöglichen, wofür Softwarelösungen privater oder öffentlicher Anbieter genutzt würden, auch in Zusammenarbeit mit Beratungsdiensten. Beispielsweise muss den Softwareanbietern mit Zustimmung der Betroffenen der Zugang zu möglichst genauen Daten über landwirtschaftlich genutzte Böden und Bodenproben erleichtert werden. Die Landwirte sollten Eigentümer der von ihnen erzeugten Daten bleiben.

Ausbau der Wissensbasis und Anwendung von Forschung und Innovation

5.28.

Der Wissenschaft kommt eine wichtige Rolle bei der Schaffung von neuem Wissen, der Verbreitung von Innovationen, der Entwicklung von Technologien und der Schaffung der Voraussetzungen für eine nachhaltige Nutzung von Land und Boden zu. Der EWSA stimmt der Empfehlung der Wiener Bodenerklärung (23) zu, dass die Wechselwirkungen zwischen menschlicher Aktivität und der Ressource Boden und ihre Auswirkungen auf die verschiedenen Umweltelemente einen wichtigen Schwerpunkt in der Bodenkunde bilden sollten. Auch die Zusammenarbeit der Bodenkunde mit anderen Wissenschaften ist wichtig.

5.29.

Im Rahmen des EU-Programms „Horizont 2020“ wurden relativ gute Finanzierungsmöglichkeiten für die Forschung in Bezug auf den Boden und die Nahrungsmittelerzeugung geschaffen, die auch bei der Vorbereitung des 9. EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation beibehalten werden sollten.

5.30.

Besonderer Nachdruck muss auf die Übertragung von FuE-Ergebnissen auf Unternehmen gelegt werden, was bei der Nutzung von Land und Böden eine nachhaltige Nahrungsmittelerzeugung sicherstellen würde. Der EWSA fordert Wissenschaftler, Landwirte, Berater und weitere Interessenträger auf, die Zusammenarbeit in diesem Bereich auch unter Nutzung der Möglichkeiten der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP-AGRI) auszubauen.

5.31.

In der Landwirtschaft kommen zunehmend verschiedene Biostimulatoren zum Einsatz, um die Bodenstruktur, die Ernährungseffizienz der Pflanzen und die Wasserversorgung zu verbessern und so den Ernteertrag und seine Qualität zu steigern. Angesichts der Tatsache, dass jeder Boden einzigartig ist und sich seine Zusammensetzung ständig ändert, ist der Einfluss des Einsatzes von Biostimulatoren auf das biologische Gleichgewicht des Bodens zu wenig erforscht, weswegen in diesem Bereich verstärkt unabhängige Studien durchgeführt werden sollten.

Sensibilisierung

5.32.

Um sowohl die Landwirte, die politischen Entscheidungsträger und die sonstigen Akteure stärker für die Bedeutung landwirtschaftlich genutzter Böden für die nachhaltige Nahrungsmittelerzeugung und die Bereitstellung von Ökosystemleistungen zu sensibilisieren, ist unter Einbeziehung eines breiten Spektrums an Akteuren eine breit angelegte Debatte über den Zustand der Böden und die Möglichkeiten für den Bodenschutz erforderlich. Ein stärker ausgeprägtes Bewusstsein trägt dazu bei, dass mehr in eine nachhaltige Nutzung der Böden sowie auch in die Forschung investiert wird.

5.33.

Auf allen Ebenen des Bildungssystems muss das Bewusstsein für die Bedeutung der Böden geschärft werden, was durch die Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln, gefördert werden sollte. Bei der Behandlung von Fragen im Zusammenhang mit Bodennutzung und Bodenschutz sollten moderne Lehrmethoden eingesetzt werden.

5.34.

Entscheidende Bedeutung haben Maßnahmen für eine stärkere Sensibilisierung der Landwirte für unterschiedliche Bodenbeschaffenheit, eine gute Landbewirtschaftung, die Bedeutung der Fruchtfolge, Düngung usw. Hier sind die Beteiligung und Einschaltung von Beratungsdiensten entscheidend.

Brüssel, den 18. Oktober 2017

Der Präsident des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses

Georges DASSIS


(1)  „Land“ ist derjenige Teil der Erdoberfläche, der nicht von Wasser bedeckt ist.

(2)  Der Boden kann als oberste Schicht der Erdkruste definiert werden, die von mineralischen Teilchen, organischen Substanzen, Wasser, Luft und lebenden Organismen gebildet wird. Der Boden ist die Schnittstelle zwischen Erde, Luft und Wasser und der Lebensraum für den größten Teil der Biosphäre. [http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:52006DC0231].

(3)  http://www.un.org/sustainabledevelopment/sustainable-development-goals/.

(4)  Zu diesen Initiativen zählen beispielsweise die internationale Dekade des Bodens, die „Global Soil Partnership“ der Welternährungsorganisation (FAO), die französische Initiative „4 ‰: Böden für Ernährungssicherheit und Klimaschutz“, die europäische Bürgerinitiative „People4Soil“ usw.

(5)  J. Rockström, et al., 2009, „Planetary Boundaries: Exploring the Safe Operating Space for Humanity, Ecology and Society [Die Grenzen des Planeten: Ein sicherer Handlungsspielraum für Menschheit, Umwelt und Gesellschaft]“, Vol. 14, https://www.consecol.org/vol14/iss2/art32/main.html.

(6)  ABl. C 303 vom 19.8.2016, S. 64.

(7)  https://www.eea.europa.eu/soer.

(8)  „Updated Inventory and Assessment of Soil Protection Policy Instruments in EU Member States“ („Erneuerte Bestandsaufnahme und Bewertung der Bodenschutzinstrumente in den Mitgliedstaaten der EU“), http://ecologic.eu/14567.

(9)  https://ec.europa.eu/agriculture/direct-support/greening_de.

(10)  Stellungnahme des EWSA zum Thema Düngeprodukte, ABl. C 389 vom 21.10.2016, S. 80.

(11)  https://www.eea.europa.eu/data-and-maps/indicators/land-take-2/assessment-1.

(12)  Die an den Wurzeln vieler Arten von Leguminosen (Klee, Steinklee, Lupinen, Erbsen, Bohnen u. a.) wirksamen Rhizobien (Knöllchenbakterien) sind die wichtigsten Organismen für die Stickstoffbindung, die für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit von großer Bedeutung ist.

(13)  https://de.wikipedia.org/wiki/Minimumgesetz.

(14)  EWSA-Stellungnahme zum Thema „Nachhaltigere Lebensmittelsysteme“, ABl. C 303 vom 19.8.2016, S. 64.

(15)  http://www.millenniumassessment.org/en/index.html.

(16)  http://www.iuss.org/index.php?article_id=588.

(17)  https://www.eea.europa.eu/soer-2015/synthesis/report/3-naturalcapital.

(18)  http://ec.europa.eu/environment/soil/pdf/guidelines/DE%20-%20Sealing%20Guidelines.pdf.

(19)  ABI. C 288 vom 31.8 2017, S. 10.

(20)  Im Boden befinden sich etwa die doppelte Menge Kohlenstoff wie in der Atmosphäre und die dreifache Menge Kohlenstoff wie in der Flora während der Vegetationsperiode.

(21)  http://www.fao.org/soils-2015/news/news-detail/en/c/293552/.

(22)  http://www.fao.org/documents/card/en/c/5544358d-f11f-4e9f-90ef-a37c3bf52db7/.

(23)  http://www.iuss.org/index.php?article_id=588.


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