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Document 52023XC0503(01)
Publication of an application pursuant to Article 26(2) of Regulation (EU) 2019/787 of the European Parliament and of the Council on the definition, description, presentation and labelling of spirit drinks, the use of the names of spirit drinks in the presentation and labelling of other foodstuffs, the protection of geographical indications for spirit drinks, the use of ethyl alcohol and distillates of agricultural origin in alcoholic beverages, and repealing Regulation (EC) No 110/2008 2023/C 156/04
Veröffentlichung eines Antrags gemäß Artikel 26 Absatz 2 der Verordnung (EU) 2019/787 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Begriffsbestimmung, Bezeichnung, Aufmachung und Kennzeichnung von Spirituosen, die Verwendung der Bezeichnungen von Spirituosen bei der Aufmachung und Kennzeichnung von anderen Lebensmitteln, den Schutz geografischer Angaben für Spirituosen und die Verwendung von Ethylalkohol und Destillaten landwirtschaftlichen Ursprungs in alkoholischen Getränken sowie zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 2023/C 156/04
Veröffentlichung eines Antrags gemäß Artikel 26 Absatz 2 der Verordnung (EU) 2019/787 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Begriffsbestimmung, Bezeichnung, Aufmachung und Kennzeichnung von Spirituosen, die Verwendung der Bezeichnungen von Spirituosen bei der Aufmachung und Kennzeichnung von anderen Lebensmitteln, den Schutz geografischer Angaben für Spirituosen und die Verwendung von Ethylalkohol und Destillaten landwirtschaftlichen Ursprungs in alkoholischen Getränken sowie zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 2023/C 156/04
C/2023/2823
ABl. C 156 vom 3.5.2023, pp. 23–26
(BG, ES, CS, DA, DE, ET, EL, EN, FR, GA, HR, IT, LV, LT, HU, MT, NL, PL, PT, RO, SK, SL, FI, SV)
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3.5.2023 |
DE |
Amtsblatt der Europäischen Union |
C 156/23 |
Veröffentlichung eines Antrags gemäß Artikel 26 Absatz 2 der Verordnung (EU) 2019/787 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Begriffsbestimmung, Bezeichnung, Aufmachung und Kennzeichnung von Spirituosen, die Verwendung der Bezeichnungen von Spirituosen bei der Aufmachung und Kennzeichnung von anderen Lebensmitteln, den Schutz geografischer Angaben für Spirituosen und die Verwendung von Ethylalkohol und Destillaten landwirtschaftlichen Ursprungs in alkoholischen Getränken sowie zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 110/2008
(2023/C 156/04)
Diese Veröffentlichung eröffnet die Möglichkeit, gemäß Artikel 27 der Verordnung (EU) 2019/787 des Europäischen Parlaments und des Rates Einspruch gegen den Antrag zu erheben (1).
Einziges Dokument
„Borzag pálinka“
EU-Nr.: PGI-HU-02845
Eingereicht am 23.5.2022
1. Einzutragender Name
„Borzag pálinka“
2. Kategorie der Spirituose
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9. |
Obstbrand |
3. Art der geografischen Angabe
Geografische Angabe
4. Beschreibung der Merkmale Der Spirituose
Physikalische, chemische und/oder sensorische Eigenschaften
Hergestellt aus den Steinfrüchten des wilden Zwerg-Holunders oder Attichs (Sambucus ebulus), der in der ungarischen Umgangssprache unter der Bezeichnung borzag bekannt ist. „Borzag pálinka“
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ist klar und in der Regel farblos, wobei die besonders starken Farbstoffbestandteile der Früchte durch Destillation möglicherweise in das endgültige Destillat übertragen werden und während der Ruhezeit sogar einen blassgelblichen Farbton erzeugen können, |
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hat einen maximal zulässigen Methanolgehalt von 1 000 g/hl r. A. und einen Blausäuregehalt von höchstens 7 g/hl r. A., |
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hat einen einzigartigen, besonders ausgeprägten Charakter sowie einen intensiven Geschmack und ein intensives Bukett. |
Besondere Merkmale (im Vergleich zu anderen Spirituosen derselben Kategorie)
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Der Obstbrand „Borzag pálinka“ hat einen Alkoholgehalt von über 40 % vol, weil sich seine aromatischen Merkmale bei einem höheren Alkoholgehalt durchsetzen und richtig entwickeln. Sein Gehalt an flüchtigen Bestandteilen von mindestens 350 g/hl r. A. geht auf die aromatische Vielfalt des Ausgangsstoffs, Zwerg-Holunder, aus dem Komitat Nógrád zurück. |
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Zu den charakteristischen aromatischen Noten von „Borzag pálinka“ gehören Süße (ein angenehmes Aroma von Schokolade, Obst und Honig), Würzigkeit, eventuell ein Kräuteraroma (Minze, frische Kräuter, Vanille, Anis, Wacholder), während von den Steinfrüchten stammende Noten von Orangenschalen und Marzipan ebenfalls auftreten können. |
5. Beschreibung der Abgrenzung des geografischen Gebiets
Das Verwaltungsgebiet des Komitats Nógrád.
6. Verfahren zur Herstellung der Spirituose
„Borzag pálinka“ darf nur aus Früchten hergestellt werden, die aus dem abgegrenzten Gebiet stammen, und das Einmaischen, die Gärung, die Destillation und das Ruhen dürfen nur in Brennereien in dem geografischen Gebiet erfolgen.
Die wichtigsten Schritte bei der Herstellung von „Borzag pálinka“ sind:
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1. |
Auswahl und Abnahme der Früchte |
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2. |
Einmaischen |
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3. |
Gärung |
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4. |
Destillation |
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5. |
Ruhezeit, Lagerung |
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6. |
Herstellung und Behandlung des Pálinka |
6.1. Auswahl und Abnahme der Früchte
Die Früchte müssen reif und frei von verdorbenen Samen und Fremdstoffen sein.
6.2. Einmaischen
Die kleinen beerenartigen Früchte müssen entstielt und zerquetscht werden, ohne dass die Steine dabei beschädigt werden (um die Möglichkeit der Bildung von Blausäure zu reduzieren). Der Ausgangsstoff wird dann direkt in Gärtanks (aus Edelstahl oder möglicherweise aus Kunststoff) gefüllt.
Je nach Beschaffenheit der Früchte kann, wenn die Beeren eingetrocknet sind, die Zugabe von Wasser erforderlich sein, da die Gärung nur dann in der richtigen Form erfolgen kann.
6.3. Gärung
Die Verwendung moderner Technologien und Hilfsmittel (kontrollierte Gärung, Kulturhefen, pektolytische Enzyme) ist zulässig und wird empfohlen. Der optimale pH-Wert der Maische liegt zwischen 2,8 und 3,5. Die vergorene Maische sollte so schnell wie möglich, aber nicht später als 30 Tage nach der Gärung, destilliert werden. Falls erforderlich ist die vergorene Maische bei 10-22 °C zu lagern.
6.4. Destillation
„Borzag pálinka“ darf mit jeder handelsüblichen Destillationsanlage hergestellt werden. Die Brennblase kann ausdrücklich erwähnt werden, wenn der Obstbrand unter Verwendung von Destillationsanlagen mit einem maximalen Fassungsvermögen von 1 000 Litern und Kupferoberfläche mithilfe einer mindestens doppelten fraktionierten Destillation hergestellt wurde.
6.5. Ruhezeit, Lagerung
Nach der Raffination/Destillation muss „Borzag pálinka“ in einem vor Licht geschützten Raum mit einer gleichmäßigen Temperatur unter 20 °C und einer mäßigen Luftfeuchtigkeit ruhen, damit sich die komplexen Aromen und Duftstoffe vermischen können. Die Ruhezeit muss mindestens 60 Tage betragen. Während dieser Zeit sollte der Pálinka weder physikalischen noch chemischen Prozessen unterzogen werden.
6.6. Herstellung und Behandlung des Pálinka
Nach der Ruhezeit muss der Alkoholgehalt des Destillats durch die Zugabe von enthärtetem Wasser auf Trinkstärke herabgesetzt werden, wobei mindestens 40 % vol erreicht werden müssen, weil sich die aromatischen Merkmale von „Borzag pálinka“ bei einem höheren Alkoholgehalt durchsetzen und richtig entwickeln. (Nach der Verdünnung darf der Alkoholgehalt um ± 0,3 % vol von der Angabe auf dem Etikett abweichen.)
Die Trinkstärke sollte sehr sorgfältig in mehreren Schritten eingestellt werden, indem über einen Zeitraum von mehreren Tagen jeweils 5-10 % Wasser zugesetzt werden, um Opaleszenz zu verhindern und die aromatischen Bestandteile zu schützen.
7. Besondere Vorschriften Für Die Verpackung
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8. Besondere Vorschriften Für Die Kennzeichnung
Zusätzlich zu den in den Rechtsvorschriften festgelegten Elementen enthält die Kennzeichnung Folgendes:
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„Földrajzi jelzés“ [geografische Angabe] (getrennt vom Namen) |
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Der Name „Borzag pálinka“ muss auf allen Flaschenetiketten (Vorderseite und/oder Rückseite und/oder seitlich) angegeben werden. |
9. Beschreibung Des Zusammenhangs Der Spirituose mit ihrem geografischen Ursprung
Der Zusammenhang zwischen „Borzag pálinka“ und dem geografischen Gebiet beruht auf den Merkmalen und dem Ansehen des Erzeugnisses.
Der Ausgangsstoff für „Borzag pálinka“ sind die Steinfrüchte des wilden Zwerg-Holunders (Attich) – auf Ungarisch auch borzag genannt – aus dem Komitat Nógrád.
Borzag ist die ursprüngliche Bezeichnung von Sambucus ebulus L. bzw. Zwerg-Holunder in der Umgangssprache der ungarischen Bevölkerung des Komitats Nógrád (Pallas Nagylexikon: https://mek.oszk.hu/00000/00060/html/015/pc001524.html#10), woraus klar hervorgeht, dass „Borzag pálinka“ aus dem Komitat Nógrád stammt, da der Zwerg-Holunder nur hier borzag genannt wird. Außerdem schreibt Sándor Póczos in seinem Buch über „Borzag pálinka“, dass es in Ungarn ein Komitat, nämlich Nógrád, gibt, in dem der Zwerg-Holunder (borzag) gut bekannt ist und die Verarbeitung zu Pálinka akzeptiert und sogar selbstverständlich ist.
Das Komitat Nógrád liegt im nördlichen Teil Ungarns am Schnittpunkt von vier Mittelgebirgszügen (Börzsöny, Mátra, Cserhát und Karancs-Medves). In topografischer Hinsicht besteht das Gebiet aus vereinzelten Hügelketten vulkanischen Ursprungs mit einer Höhe von 400-600 m und Waldstücken (die etwa 40 % des Gebiets des Komitats ausmachen). Das Gebiet verfügt über eine geringe natürliche Wasserzufuhr. Der magere, saure, harte Boden des Gebiets und seine spezifischen klimatischen Verhältnisse – kühle, feuchte und schattige Bereiche – bieten den Früchten günstige Wachstumsbedingungen, was durch Studien bestätigt wird. Die charakteristischen Merkmale des Zwerg-Holunders werden weitgehend vom Wetter beeinflusst. Dank der Umgebungsbedingungen ist der in der Region angebaute Zwerg-Holunder sehr reich an bitteren Esteriridoidglykosiden (Ebulosid, Isoswerosid), an Saponin, Tannin, Blausäureglykosiden, Harz, ätherischem Öl und organischen Säuren. Der bittere Geschmack der Iridoidglykoside trägt wesentlich zu dem Marzipanaroma und dem würzigen Charakter von „Borzag pálinka“ bei. Die Beeren enthalten außerdem einen hohen Anteil an ätherischem Öl, Zucker, Blausäureglykosid und violettem Farbstoff, was die aromatischen Süßnoten und die gelegentlich auftretende blassgelbliche Schattierung des Pálinka nach der Ruhezeit erklärt.
Die Herstellung von „Borzag pálinka“ im Komitat Nógrád reicht Jahrhunderte zurück. Angesichts der jahrhundertealten Traditionen stellen nahezu alle gewerblichen Brennereien im Komitat Nógrád Pálinka aus Zwerg-Holunder her. Die Pflanze ist nur hier (Komitat Nógrád) unter der Bezeichnung borzag bekannt; in den anderen Landesteilen wird sie gyalogbodza [ungarische Standardbezeichnung von Zwerg-Holunder] genannt.
Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts war diese robuste, anspruchslose Pflanze im Komitat Nógrád weitverbreitet, wie sich der 1861 in Nógrádmegyer geborene Zoltán Szerémy erinnert: „Aber der Boden war fleißiger und eifriger als die Bauern. Er brachte von selbst eine dem Zwerg-Holunder vergleichbare Staude hervor …“ (Zoltán Szerémy: Emlékeim a régi jó időkből [Meine Erinnerungen an die gute alte Zeit], S. 27-28. Színészek Szövetsége. Budapest, 1929).
Zwerg-Holunder wurde in der Volksheilkunde verwendet; aus Zwerg-Holunder wurde Konfitüre hergestellt und neben sporadischer Nutzung in der von den Palóczen bewohnten Region, vor allem im Komitat Nógrád, wurde und wird er vor allem für die Herstellung von Pálinka verwendet. Dies wird auch in einem Artikel in der Zeitung des Komitats Nógrád (Nógrád Megyei Hírlap) mit dem Titel Forró az üst, forr a cefre [Der Kessel ist heiß, die Maische kocht] (21. September 2004, S. 2) belegt, in dem die drei Hauptzutaten der lokalen Pálinka-Herstellung genannt werden: Äpfel, Birnen und an dritter Stelle die Beeren des Zwerg-Holunders (borzag).
Das Ansehen von „Borzag pálinka“ wird durch Auszeichnungen belegt:
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2012 – Erster nationaler Wettbewerb für Pálinka aus Wald- und Wildfrüchten – Goldmedaille |
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2013 – Zweiter nationaler Wettbewerb für Pálinka aus Wald- und Wildfrüchten – Goldmedaille |
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2014 – Dritter nationaler Wettbewerb für Pálinka aus Wald- und Wildfrüchten – Silbermedaille |
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2015 – 11. Wein- und Spirituosenwettbewerb in Mátra – Goldmedaille |
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2016 – Vierter nationaler Wettbewerb für Pálinka aus Wald- und Wildfrüchten – Goldmedaille |
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2018 – Pálinka College – Auszeichnung „Fortissimus Spiritus“ |
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2020 Nationaler Pálinka- und Tresterpálinka-Wettbewerb – Silbermedaille |
„Borzag pálinka“ wird zudem im besten 4-Sterne-Hotel der Region als Kuriosität des Komitats Nógrád angeboten.
Immer mehr Erzeuger nehmen mit „Borzag pálinka“ am jährlichen nationalen Wettbewerb für Pálinka aus Wald- und Wildfrüchten teil.
Obwohl „Borzag pálinka“ im Komitat Nógrád etabliert und bekannt ist, gibt es bedauerlicherweise nur wenige schriftliche Aufzeichnungen, die das Ansehen des Erzeugnisses belegen. Um diese Lücke zu füllen, ist 2018 eine Veröffentlichung von Sándor Póczos mit dem Titel Palócok pálinkája, a borzag [Borzag (Zwerg-Holunder) – der Pálinka der Palóczen] erschienen, die historische Belege des lokalen Ansehens des Erzeugnisses liefert. Diese Veröffentlichung enthält auch Erinnerungen an und Beschreibungen von „Borzag pálinka“, die von Personen stammen, die im Komitat Nógrád leben oder aus dem Komitat stammen (auch Palóczen genannt).
In seinem Buch Palócok pálinkája, a borzag erklärt Sándor Póczos, dass das Ansehen von „Borzag pálinka“ wie folgt mit dem geografischen Gebiet zusammenhängt: „Es gibt noch einen weiteren wichtigen Aspekt, der die Ausbreitung des Zwerg-Holunders in Nógrád erklärt. Generell kann man davon ausgehen, dass eine Sache, die an einem bestimmten Ort nicht funktioniert, dort nicht durchgesetzt wird, weil das nichts nützt oder einfach nicht zu dem erwarteten Ergebnis führt. Es ist ja vielleicht, weil der Rohstoff in relativ großen Mengen verfügbar war und keine besondere Investition oder Sorgfalt erforderte, wahrscheinlich, dass die Herstellung von ‚Borzag pálinka‘ auch in anderen Teilen des Landes, allerdings ohne Erfolg, versucht wurde. Da es damals keine wirklich ausgeprägten Unterschiede zwischen den zur Herstellung von Branntwein verwendeten Technologien gab, können allein Umgebungsbedingungen für die Besonderheit von ‚Borzag pálinka‘ aus dem Komitat Nógrád ausschlaggebend sein. Wir können zu Recht davon ausgehen, dass es die überdurchschnittliche Affinität des Bodens, des Klimas und nicht zuletzt der Palóczen ist, die diese Pálinka-Spezialität weit über das Komitat hinaus zu etwas Besonderem gemacht hat.“
Fundstelle der Veröffentlichung der Produktspezifikation
https://gi.kormany.hu/foldrajzi-arujelzok