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Document 51994AC0382

STELLUNGNAHME DES WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSSES zum Thema "Mögliche Entwicklungen der Politik der Flächenstillegung" - Diskussionspapier der Kommission

ABl. C 148 vom 30.5.1994, p. 12–20 (ES, DA, DE, EL, EN, FR, IT, NL, PT)

51994AC0382

STELLUNGNAHME DES WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSSES zum Thema "Mögliche Entwicklungen der Politik der Flächenstillegung" - Diskussionspapier der Kommission

Amtsblatt Nr. C 148 vom 30/05/1994 S. 0012


Stellungnahme zum Thema "Mögliche Entwicklungen der Politik der Flächenstillegung" - Diskussionspapier der Kommission (94/C 148/05)

Die Kommission beschloß am 1. Juni 1993 gemäß Artikel 43 und 198 EWGV, den Wirtschafts- und Sozialausschuß mit folgender Vorlage zu befassen: "Mögliche Entwicklungen der Politik der Flächenstillegung" - Diskussionspapier der Kommission.

Die mit der Vorbereitung der diesbezueglichen Arbeiten des Ausschusses beauftragte Fachgruppe Landwirtschaft und Fischerei nahm ihre Stellungnahme am 3. März 1994 an. Berichterstatter war Herr Charles Pelletier.

Der Ausschuß verabschiedete auf seiner 314. Plenartagung am 23./24. März 1994 (Sitzung vom 23. März) ohne Gegenstimme bei 1 Stimmenthaltung folgende Stellungnahme.

1. Am 15. Januar 1994 geltende Flächenstillegungsregelungen

1.1. Die fünfjährige Stillegung, die zum Wirtschaftsjahr 1988/89 eingeführt wurde (1), steht seit der Ernte 1992 nicht mehr als Alternative zur Auswahl. Diese Regelung basierte auf einem Vertrag über fünf Jahre mit einer Kündigungsmöglichkeit nach drei Jahren. Sie sah entweder eine fünfjährige Dauerbrache oder eine jährlich rotierende Stillegung mit unterschiedlichen Prämiensätzen vor. Ferner bestand die Möglichkeit, auf den stillgelegten Flächen Weidewirtschaft zu betreiben, sie aufzuforsten oder darauf Kulturpflanzen für die vertraglich gebundene industrielle Verarbeitung anzubauen. Der Stillegungssatz musste zwischen 20 und 100 % des Ackerlandes des betreffenden Betriebes liegen (Ackerland: landwirtschaftliche Nutzfläche (LNF), abzueglich des Dauergrünlands, zuzueglich der Wechselwiesen, der Dauerkulturen und der Erzeugungen, die keiner gemeinsamen Marktorganisation (GMO) unterliegen, insbesondere Kartoffeln). Die Ausgleichszahlungen wurden teils von der Gemeinschaft und teils vom Mitgliedstaat finanziert. Die Prämienhöhe war von Land zu Land sehr unterschiedlich (vgl. Tabelle in Anhang 3), und dasselbe galt zwangsläufig auch für ihre Attraktivität für die Erzeuger, die sich bei ihrer Entscheidung für oder gegen eine Teilnahme an der Flächenstillegung von einem Vergleich ihrer Einnahmen auf der Grundlage der Erzeugerpreise in ihrer Region und der Stillegungsprämien leiten ließen.

1.2. Die fünfjährige Flächenstillegung war nicht sehr erfolgreich. Die Bilanz (vgl. Tabelle in Anhang 1) lässt erkennen, daß der Anteil der aus der Produktion genommenen Flächen recht unbedeutend war: zwischen 350 000 und 500 000 ha in der gesamten Gemeinschaft (bei einer Ackerfläche von insgesamt 67,4 Millionen ha im Jahr 1988).

1.3. Zwischen 1988/89 und 1991/92 hat Italien mit fast der Hälfte der stillgelegten Flächen mit Abstand den grössten Beitrag dazu geliefert, gefolgt von Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich; in den übrigen Mitgliedstaaten wurden während dieses Zeitraums jeweils unter 25 000 ha stillgelegt. Verständlicherweise tendierten die Erzeuger dazu, freiwillig ihre Böden mit der geringsten agronomischen Ertragsleistung aus der Produktion zu nehmen. Die auf die fünfjährige Stillegung zurückzuführende Senkung der Getreideproduktion ist sehr schwer zu beziffern (angeblich betrug sie im Jahr 1991 3,3 Millionen t bzw. 2 % der Gemeinschaftsproduktion); jedenfalls war sie nicht groß genug, um auf dem Markt eine spürbare positive Wirkung zu erzeugen.

1.4. Die Verordnung, wonach die Beihilfen für den Anbau von Ackerfrüchten nur noch den Erzeugern gewährt werden, die an einer neuen Flächenstillegungsregelung teilnehmen ("obligatorische" Stillegung) (2), sieht in ihrem Artikel 14 vor, daß Neuanträge auf Inanspruchnahme der alten fünfjährigen Stillegungsregelung letztmals im Jahr 1992 gestellt werden konnten. Erzeuger, die die neue Stillegungsregelung in Anspruch nehmen, können von 1992 bis 1996 jedes Jahr zwischen dem 1. September und dem 15. Dezember von der Fünfjahresregelung zurücktreten (nicht jedoch die "Kleinerzeuger", die weniger als 92 t Getreide, Ölsaaten und Eiweisspflanzen erzeugen und nicht der Stillegungspflicht unterliegen).

2. Im Rahmen der reformierten GAP

2.1. Die sechsjährige rotierende Stillegung von 15 % der Anbaufläche von Getreide, Ölsaaten und Eiweisspflanzen (Verordnung (EWG) Nr. 1765/92). Betriebe, die weniger als 92 t Getreide, Ölsaaten und Eiweisspflanzen im Jahr erzeugen (im Jahr 1992/93 waren das 80 % der Betriebe, die Beihilfen für ihre Ackerkulturen erhielten, sind nicht der Stillegungspflicht unterworfen.

2.2. Jede andere als die "sechsjährige rotierende" Stillegung oder die "beliebige" Stillegung von 20 % der Anbaufläche von Getreide, Ölsaaten und Eiweisspflanzen (bzw. von 18 % für die beiden Ausnahmen Vereinigtes Königreich und Dänemark) (3). Diese Art der Stillegung umfasst insbesondere die "gemischte" Stillegung (rotierende und feste Stillegung im selben Betrieb) sowie die rotierende Stillegung über einen anderen Zeitraum als 6 Jahre). Die Modalitäten dieser Regelung wurden inzwischen durch die Verordnung (EWG) Nr. 231/94 festgelegt.

2.3. Die Anpflanzung bestimmter (in einer ausführlichen Liste aufgeführter) Nichtnahrungsmittelerzeugnisse ist möglich (Verordnung (EWG) Nr. 334/93) und gibt Anspruch auf die Zahlung des gesamten Stillegungsausgleichs, mit Ausnahme der Zuckerrübe, für die es keine Prämie gibt (1).

3. Die auf der Grundlage des Kommissionsvorschlags vom 6. September 1993 (Dok. KOM(93) 417 endg.) am 17. Dezember 1993 vom Rat der Landwirtschaftsminister beschlossene Änderung der Stützungsregelung für Erzeuger bestimmter landwirtschaftlicher Kulturpflanzen

3.1. die Möglichkeit, in den Regionalisierungsplänen den Ertrag für Mais getrennt auszuweisen, zugleich jedoch auch weiterhin eine nationale Grundfläche für die "anderen Getreidearten" festzulegen (Vorschlag der Kommission und Forderung des Ausschusses);

3.2. die Möglichkeit, auf regionaler Ebene getrennte Erträge für "bewässerte" Böden für eine bestimmte Ölfrucht auszuweisen (Beschluß des Rates);

3.3. bei der Differenzierung der bewässerten Flächen auf regionaler Ebene haben die Mitgliedstaaten die Möglichkeit, eine "bewässerte Hoechstfläche" festzulegen, ohne zugleich eine spezifische Stillegungsregelung für "bewässerte" Flächen vorzusehen (Beschluß des Rates im Widerspruch zum Kommissionsvorschlag, unter Berücksichtigung der Forderung des Ausschusses);

3.4. im Falle dieser Regionalisierungspläne mit differenzierten regionalen Erträgen und Ausgleichszahlungen wird auf der Grundlage eines "üblichen Durchschnittsertrags" ein Haushaltsstabilisator eingeführt (Vorschlag der Kommission). Im Falle eines Anstiegs des nationalen Durchschnittsertrags findet der Stabilisator jedoch keine Anwendung, wenn dieser nationale Durchschnittsertrag der beihilfefähigen Fläche nicht zunimmt (Beschluß des Rates);

3.5. der Stillegungsausgleich wird gegenüber 1992 um 27 % auf 57 ECU/t angehoben (Vorschlag der Kommission);

3.6. die Erzeuger haben die Möglichkeit zur freiwilligen Flächenstillegung, d.h. sie können mehr als die 15 oder 20 % stillegen, die notwendig sind, um die Beihilfen für Ackerkulturen zu erhalten (Vorschlag der Kommission). Allerdings darf die gesamte Stillegungsquote (Verpflichtung + freiwilliger Teil) nicht über 50 % der Anbaufläche für Getreide, Ölsaaten und Eiweisspflanzen betragen (Beschluß des Rates). Darüber hinaus können die Mitgliedstaaten auch eine maximale Quote unter 50 % festlegen;

3.7. Erzeuger, die im Rahmen der fünfjährigen Flächenstillegung über 50 % ihrer Anbaufläche für Getreide, Ölsaaten und Eiweisspflanzen stillgelegt haben, können dieselbe Stillegungsquote für weitere 60 Monate beibehalten. Allerdings werden sie für den Teil der stillgelegten Flächen, der die 50 %-Quote übersteigt, nur 40 ECU/t erhalten (Beschluß des Rates);

3.8. die Mitgliedstaaten können die Übertragung von Stillegungsverpflichtungen genehmigen (Vorschlag der Kommission), und zwar in einem Umkreis von höchstens 20 km (Beschluß des Rates). Sie können auch eine geringere geographische Begrenzung als 20 km festsetzen oder die Übertragung ausschließlich in den Regionen zulassen, in denen Umweltziele verfolgt werden (Vorschlag der Kommission);

3.9. die Mitgliedstaaten können neue Böden als beihilfefähige Flächen ausweisen, unter der Voraussetzung, daß die gesamte nationale beihilfefähige Agrarfläche nicht spürbar zunimmt (Vorschlag der Kommission, vom Rat abgeschwächt).

4. Inkrafttreten der Verordnung

Die Anwendung der Verordnung ist noch für das laufende Wirtschaftsjahr 1993/94 vorgesehen. Da jedoch diese Änderungen erst vor kurzem angenommen wurden, könnten einige der Maßnahmen erst im nächsten Wirtschaftsjahr anwendungsreif sein (insbesondere was die Übertragung der Stillegungsverpflichtung angeht). Die Veröffentlichung der Durchführungsverordnung zu den Beschlüssen des Rates vom 17. Dezember 1993 ist kürzlich erfolgt (Verordnung (EG) Nr. 231/94).

5. Erfolgsbilanz der Stillegungsmaßnahme in den verschiedenen Mitgliedstaaten

6. Stillgelegte Flächen

Die Analyse der Angaben über die Anwendung der verschiedenen geltenden Stillegungsregelungen veranlasst zu mehreren Bemerkungen:

6.1. Im Rahmen der fünfjährigen Stillegung wurden bis Dezember 1993 weniger Flächen aus der Produktion genommen als durch die obligatorische Stillegung; Ausnahmen bilden nur Italien und die Niederlande mit der dreifachen bzw. der doppelten Fläche (die Niederlande beteiligen sich jedoch nur in sehr geringem Masse an der Flächenstillegung). In der Gemeinschaft waren 1992/93 dreimal mehr Flächen von der obligatorischen Stillegung betroffen als von der fünfjährigen Stillegung, und diese Diskrepanz wird sich bis 1997 noch vergrössern, weil die fünfjährige Flächenstillegung bis dahin ausgelaufen ist.

6.2. Obligatorische Stillegung: Drei Staaten stellen 70 % der Grundfläche und 75 % der Stillegungen: Frankreich, Deutschland und Spanien.

6.3. In fast allen Mitgliedstaaten wurde die Grundfläche unterschritten, was zu einer gemeinschaftsweiten Nichterfuellung im Umfang von 2,4 Millionen ha (bzw. 5 % der Anbauflächen für Getreide, Ölsaaten und Eiweisspflanzen) führte. Italien scheint am weitesten von der Erfuellung seiner Grundfläche entfernt zu sein ( P20 %), gefolgt von Spanien ( P7 %) und Griechenland ( P13 %). Deutschland ist eine bemerkenswerte Ausnahme mit einer Überschreitung um 310 000 ha (3 %) in den neuen Bundesländern. Es ist darauf hinzuweisen, daß die besondere Grundfläche Deutschlands für "Ölsaaten" vom Rat der Agrarminister am 17. Dezember 1993 um 150 000 ha ausgeweitet wurde (im Gegenzug wurden die besonderen Grundflächen mehrerer anderer Mitgliedstaaten verringert).

6.4. Wenn man für jeden Mitgliedstaat einen Vergleich anstellt zwischen seinem Beitrag zur gemeinschaftsweiten "obligatorischen" Flächenstillegung im Jahr 1992/93 und seinem Anteil an der gemeinschaftlichen Anbaufläche, wird deutlich, daß einige Länder wie Frankreich, das Vereinigte Königreich und Dänemark "mehr tun, als sie müssen". Italien ist ein Sonderfall, weil dort noch grosse Flächen aufgrund der fünfjährigen Regelung stillgelegt sind.

7. Erzeugung

7.1. Zur Beurteilung der Wirksamkeit der Stillegungsmaßnahme drängt sich automatisch ein Vergleich zwischen der Gemeinschaftsproduktion vor (1991/92) und nach (1992/93) der Einführung der Stillegung auf.

7.2. Die uns vorliegenden Daten der Kommission sind allerdings noch vorläufige Ziffern auf dem Stand vom 16. Dezember 1993.

7.3. Überdies ist klar, daß eine Beurteilung der Stillegungsmaßnahme auf der Grundlage eines einzigen Durchführungsjahres reichlich ungenau wäre: Im ersten Anwendungsjahr der Stillegungsregelung tendierten die Erzeuger natürlicherweise dazu, ihre Böden mit der schlechtesten Ertragsleistung stillzulegen; die Auswirkungen der Stillegung auf die Erzeugung werden erst voll zum Tragen kommen, wenn Böden mit besserer agronomischer Ertragsleistung in die Stillegungsregelung eingebracht werden.

7.4. Der Vergleich nach einem einzigen Jahr liefert darüber hinaus auch wegen des Einflusses zahlreicher anderer Faktoren als der Stillegung ein schiefes Bild. Vor allem die sehr grosse Trockenheit, die Spanien und Italien im Jahr 1991/92 heimgesucht hat, verringerte dort die Ertragsleistung und die Produktion. Im Jahr 1992/93 haben die Witterungsverhältnisse eher die Ertragsleistung (als die Qualität) begünstigt.

7.4.1. Getreide

7.4.1.1. Nach den vorläufigen Zahlen der Kommission vom 30. November 1993 (vgl. Tabelle in Anhang 5) beträgt die Verringerung der gemeinschaftlichen Getreideproduktion nach dem ersten Anwendungsjahr der obligatorischen Stillegung 2 % (3,3 Millionen t) mit einer durchschnittlichen Stillegungsrate für die Gemeinschaft von 10 %. Die Ertragsleistung war im Jahr 1992 besonders gering. Gegenüber der Erzeugung von 1990/91 ist eine deutlichere Differenz ( P9 % bzw. 16 Millionen t) festzustellen.

7.4.1.2. Aufgrund genauerer Schätzungen vom 16. Dezember 1993 (vgl. Tabelle in Anhang 2) wären demnach gemeinschaftsweit die Flächen (gegenüber dem Wirtschafsjahr 1991/92) um 8,46 % und die Erzeugung um 1,7 % zurückgegangen. Die Länder, die ihre Getreideanbauflächen am stärksten verringert haben, sind nicht notwendigerweise auch diejenigen mit der stärksten Produktionsrückführung: Spanien, das Vereinigte Königreich, Frankreich und Dänemark liegen mit ihrer Verringerung der Getreideanbauflächen über dem Gemeinschaftsdurchschnitt. Die stärkste Produktionsverringerung war in Irland, dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Griechenland zu verzeichnen. Spanien (das 1991/92 von einer grossen Trockenheit heimgesucht wurde) und Dänemark haben indessen ihre Getreideproduktion um rund 20 % gesteigert, Portugal und die Niederlande um rund 10 %. Mehrere Länder haben ihre Fläche verringert, jedoch ihre Getreideproduktion, manchmal sogar in erheblichem Masse, angehoben: Spanien, Dänemark, Portugal, Deutschland und die Niederlande. Irland, Griechenland und die belgisch-luxemburgische Union haben ihre Erzeugung relativ stärker verringert als ihre Anbaufläche. Frankreich und Italien haben ihre Erzeugung entsprechend dem Verhältnis der Verringerung ihrer Anbaufläche gesenkt.

7.4.1.3. Diese vielen nationalen Unterschiede erklären das Gesamtergebnis: deutlicher Rückgang der Getreideanbauflächen, jedoch geringe Produktionsrückführung (eine Rolle spielt auch der Unterschied zwischen den Flächen, für die die Beihilfe beantragt wurde, und der gesamten Anbaufläche).

7.4.2. Ölsaaten (vgl. Tabelle in Anhang 6)

7.4.2.1. Die Anbauflächen für Ölsaaten wurden in sieben der zwölf Staaten der Union deutlich verringert, erfuhren aber eine klare Zunahme in Spanien, in Portugal (Sonnenblumen) und in Deutschland (Raps). Unionsweit hat die Anbaufläche für Ölsaaten zwischen 1991/92 und 1992/93 um 2 % zugenommen.

7.4.2.2. Die Erzeugung hat in Deutschland und in Spanien stark zugenommen. Eine Steigerung war ferner - trotz der Verringerung der Anbauflächen - im Vereinigten Königreich und in Dänemark festzustellen. Deutlich zurückgegangen ist die Produktion in Italien, Griechenland, Frankreich und Irland. Auf die gesamte Union bezogen hat sich die Ölsaaten-Produktion von 1991/92 bis 1992/93 um 10 % verringert.

7.4.3. Eiweisspflanzen (Erbsen und Akkerbohnen) (vgl. Tabelle in Anhang 7)

7.4.3.1. Von 1991/92 bis 1992/93 haben sowohl die Eiweisspflanzen-Anbauflächen als auch die Produktion in praktisch allen Ländern der Europäischen Union zugenommen, mit Ausnahme Italiens und der Niederlande. Unionsweit betrug die Zunahme der Anbauflächen 5 %, während die Produktion um 20 % angestiegen ist.

7.4.3.2. Für eine stichhaltige Beurteilung der Ergebnisse der obligatorischen Stillegung ist es aus den obengenannten Gründen auf alle Fälle noch zu früh.

8. Abschließende Bemerkungen

8.1. Der Wirtschafts- und Sozialausschuß verweist auf seine Stellungnahme vom 20. Oktober 1993 zum Dokument KOM(93) 417 endg.

8.2. Er legt Wert darauf, an seine wichtigsten Bemerkungen in jener Stellungnahme zu erinnern.

8.2.1. Die Flächenstillegung darf die europäische Produktion nicht auf ewig in Ketten legen, sondern muß ihr die Chance lassen, sich jederzeit der Absatzentwicklung auf den gemeinschaftlichen und den Weltmärkten anzupassen. Das gilt insbesondere für den Futtermittel- und den Biotreibstoffbereich.

8.2.2. Der Anbau von Pflanzen zu Nichtnahrungsmittelzwecken muß entwickelt werden.

8.2.3. Die Union muß ihre Flächenstillegungspolitik völlig autonom festlegen.

8.2.4. Der Änderungsvorschlag der Kommission bezweckte in erster Linie die Einführung einer einfachen und flexiblen Stützungsregelung für die Erzeuger von Kulturpflanzen.

8.2.5. Der Ausschuß sprach sich dagegen aus, die bewässerten regionalen Hoechstflächen in spezifische bewässerte Grundflächen umzuwandeln, auf die eine besondere Stillegung Anwendung findet.

8.2.6. Er forderte, ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß die Mitgliedstaaten mit regionalisierter Mais-Grundfläche die Möglichkeit haben, auf nationaler Ebene eine Fläche für die anderen Getreidearten zu bestimmen.

8.2.7. Der Ausschuß forderte ferner die Streichung von Artikel 3 Absatz 6, mit dem ein neuer, ertragsbezogener Haushaltsstabilisator eingeführt werden sollte.

8.2.8. Er sprach sich für eine Quote der "gemischten" Stillegung aus, die mit einer entsprechenden Gewichtung zwischen den Quoten für die "rotationsgebundene" und die "feste" Stillegung liegen sollte.

8.2.9. Mit Blick auf die freiwillige Stillegung (über der Mindestquote für den Anspruch auf die Ausgleichszahlung) warnte der Ausschuß vor den möglichen Gefahren einer 100 %igen Stillegung.

8.2.10. Er sprach sich gegen das Prinzip der Übertragung aus, billigte jedoch die von der Kommission vorgeschlagene geographische Begrenzung auf einen Umkreis von 10 km und empfahl, daß den Mitgliedstaaten die Möglichkeit eingeräumt werden sollte, eine engere Begrenzung vorzusehen.

8.2.11. Der Ausschuß forderte die Kommission auf, ausdrücklich die Fälle aufzuführen, in denen es möglich ist, andere beihilfefähige Flächen auszuwählen. Er vertrat die Ansicht, daß ein Austausch zwischen zusätzlichen beihilfefähigen Flächen und herabgestuften Flächen - im Interesse der Ausgewogenheit zwischen den Regionen - nur auf Betriebsebene zulässig sein sollte.

8.2.12. Der Ausschuß forderte, daß die Quote für die dreijährige Rotationsstillegung derjenigen für die sechsjährige Rotationsstillegung entsprechen sollte, und zwar mit der Bedingung, daß nach drei Jahren eine Überprüfung stattfindet. Ferner sprach er sich dafür aus, daß der Landwirt, der sich für eine erhöhte Stillegungsquote entscheidet (20 % der derzeitigen Grundfläche), über die Dauer der Stillegung und die dafür in Frage kommenden Flächen frei entscheiden kann.

8.3. Nach der Veröffentlichung der Verordnung über die Anwendung der vom Rat der Landwirtschaftsminister am 17. Dezember 1993 gefassten Beschlüsse zur Reform der Stützungsregelung für Ackerkulturen (Verordnung (EG) Nr. 231/94) begrüsst der Ausschuß, daß die von ihm vorgebrachten Bemerkungen vom Rat zumindest teilweise berücksichtigt wurden. Er hält es für unverzichtbar, daß die Kommission eine eingehende Untersuchung anstellt über die Auswirkungen der Flächenstillegung auf die Stabilität der Agrarbetriebe, auf die Beschäftigung in den verschiedenen Betriebskategorien und in den vor- und nachgeschalteten Branchen sowie auf das allgemeine soziale Umfeld, auf die Umwelt und auf die Investitionstätigkeit in ländlichen Raum.

8.4. Der Ausschuß erinnert nochmals daran, daß mit der Reform der Stützungsregelung der für Ackerkulturen in allererster Linie bezweckt wurde, deren Anwendung in den Mitgliedstaaten einfacher und flexibler zu gestalten und daß dieses Ziel auf keinen Fall aus den Augen verloren werden darf. Die jetzigen Vorschriften entfernen sich eher von dieser Zielsetzung.

8.5. Abschließend bringt der Ausschuß den Wunsch zum Ausdruck, ihm Gelegenheit zu geben, die Ergebnisse der Stützungspolitik für Ackerfrüchte im Lichte der Ergebnisse des laufenden Wirtschaftsjahres, d.h. nach dem zweiten Anwendungsjahr der Stützungsregelung für die Erzeuger von Kulturpflanzen, erneut zu prüfen.

Geschehen zu Brüssel am 23. März 1994.

Der Präsident

des Wirtschafts- und Sozialausschusses

Susanne TIEMANN

(1) Verordnung (EWG) Nr. 1094/88 vom 25. 4. 1988, ABl. Nr. L 106 vom 27. 4. 1988.

(2) Verordnung (EWG) Nr. 1765/92 des Rates vom 30. 6. 1992, ABl. Nr. L 181 vom 1. 7. 1992.

(3) Verordnung (EWG) Nr. 1541/93 vom 14. 6. 1993, ABl. Nr. L 154 vom 25. 5. 1993.

(4) Verordnung (EWG) Nr. 231/94, ABl. Nr. L 30 vom 3. 2. 1994.

ANHANG 1 zur Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses

Vermarktungsjahre

Übersicht über die Ergebnisse der Flächenstillegung (Fünfjahresregelung)

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ANHANG 2 zur Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses

Getreideproduktion - Schätzungen für 1993/94 und 1992/93

>PLATZ FÜR EINE TABELLE>

ANHANG 3 zur Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses

Höhe der Ausgleichszahlungen

im Rahmen der fünfjährigen Flächenstillegung

im Jahr 1990/91

(Quelle: EG-Kommission)

>PLATZ FÜR EINE TABELLE>

ANHANG 4 zur Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses

Anwendung der verschiedenen geltenden Flächenstillegungsregelungen

>PLATZ FÜR EINE TABELLE>

ANHANG 5 zur Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses

Getreide

>PLATZ FÜR EINE TABELLE>

ANHANG 6 zur Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses

Ölsaaten

>PLATZ FÜR EINE TABELLE>

ANHANG 7 zur Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses

Eiweisspflanzen (Erbsen und Ackerbohnen)

>PLATZ FÜR EINE TABELLE>

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