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Document 52022XR1800

Entschließung des Europäischen Ausschusses der Regionen — REPowerEU: Städte und Regionen bringen die Energiewende voran

COR 2022/01800

OJ C 301, 5.8.2022, p. 6–10 (BG, ES, CS, DA, DE, ET, EL, EN, FR, GA, HR, IT, LV, LT, HU, MT, NL, PL, PT, RO, SK, SL, FI, SV)

5.8.2022   

DE

Amtsblatt der Europäischen Union

C 301/6


Entschließung des Europäischen Ausschusses der Regionen — REPowerEU: Städte und Regionen bringen die Energiewende voran

(2022/C 301/02)

DER EUROPÄISCHE AUSSCHUSS DER REGIONEN (AdR),

unter Hinweis auf die hohen und immer weiter steigenden Energiepreise, die seit dem Sommer 2021 aufgrund der weltweiten Energienachfrage, insbesondere nach Erdgas, im Rahmen der Erholung von der COVID-19-Pandemie die Kaufkraft der Haushalte und Unternehmen schmälern;

unter Hinweis auf die Mitteilung und die „Toolbox“ der Europäischen Kommission vom 13. Oktober 2021 zu steigenden Energiepreisen;

unter Hinweis auf die grundlose und ungerechtfertigte Invasion der Ukraine am 24. Februar 2022 durch die Russische Föderation mit Unterstützung durch Belarus;

gestützt auf die Mitteilung der Europäischen Kommission „REPowerEU: gemeinsames europäisches Vorgehen für erschwinglichere, sichere und nachhaltige Energie“ vom 8. März 2022;

gestützt auf die Erklärung von Versailles der Staats- und Regierungschefs der EU auf ihrer informellen Tagung vom 10./11. März 2022;

gestützt auf die Mitteilung der Europäischen Kommission über Versorgungssicherheit und erschwingliche Energiepreise, den Vorschlag für eine Verordnung über die Gasspeicherung und den befristeten Krisenrahmen für staatliche Beihilfen vom 23. März 2022;

unter Hinweis auf die gemeinsame Taskforce für Energiesicherheit, die von der Europäischen Kommission und den Vereinigten Staaten unverzüglich eingesetzt werden soll;

unter Hinweis auf die Schlussfolgerungen des Vorsitzes des Europäischen Rates vom 24./25. März 2022;

unter Hinweis auf seine aktuellen Arbeiten zu dem Paket „Fit für 55“, die in Form von Stellungnahmen und über die Arbeitsgruppe „Der Grüne Deal — Going local“ vorgelegt werden:

Es gilt, zahlreiche Krisen zu bewältigen

1.

begrüßt die von der Europäischen Kommission geplanten Initiativen zur Bewältigung der derzeitigen hohen Energiepreise, die seit Sommer 2021 stetig steigen, was durch den rechtswidrigen, grundlosen und ungerechtfertigten Krieg der Russischen Föderation in der Ukraine noch weiter verschärft wird; betont, dass es nicht reicht, einfach nur unsere Abhängigkeit von der Versorgung mit fossilen Brennstoffen aus der Russischen Föderation zu verringern, sondern sieht im REPowerEU-Plan einen Weg, die Energiewende voranzubringen, um die Abhängigkeit der EU von Energie- und Rohstoffimporten insgesamt zu verringern und so die mit diesen Importen verbundenen politischen, wirtschaftlichen und Sicherheitsrisiken zu minimieren; bedauert jedoch zutiefst, dass nicht deutlich auf die Rolle der Städte und Regionen eingegangen wird, weder im Zusammenhang mit der aktuellen Energiekrise noch bei der Suche nach langfristigen Lösungen;

2.

bringt ferner seine Besorgnis über die zu erwartenden asymmetrischen regionalen Auswirkungen der Energiekrise auf die Städte und Regionen der EU zum Ausdruck, die nicht alle gleichsam in der Lage sind, auf Unterbrechungen der Energieversorgung und steigende Energiepreise zu reagieren; appelliert an die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten, diese Asymmetrien bei der Ausarbeitung und Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen gebührend zu berücksichtigen;

3.

ist zutiefst besorgt über die Ergebnisse des jüngsten Weltklimaberichts Climate Change 2022: Impacts, Adaptation and Vulnerability (1), die bestätigen, dass viele Auswirkungen des Klimawandels bereits unumkehrbar sind; unterstreicht, wie wichtig es ist, Anpassungs- und Eindämmungsmaßnahmen, bei denen die lokalen und regionalen Gebietskörperschaften entscheidende Akteure sind, nicht weiter hinauszuzögern;

4.

hebt hervor, dass das Ziel der Energieversorgungssicherheit letztlich das Ziel der Klimaneutralität und die Energiewende stützen muss. Der Weg zu sicherer, erschwinglicher und nachhaltiger Energie ist der einzig zukunftssichere Ausweg aus der derzeitigen Krise; fordert diesbezüglich von den europäischen Gesetzgebern mehr Ambition und eine beschleunigte Annahme des Pakets „Fit für 55“, in dem die Stellungnahmen des AdR zur Überarbeitung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie und der Energieeffizienzrichtlinie sowie der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden besonders berücksichtigt werden;

5.

begrüßt die Anerkennung des Grundsatzes „Energieeffizienz an erster Stelle“ und verweist erneut auf die entscheidende Rolle der Regionen und Städte der EU bei der Steigerung der Energieeffizienz; fordert die Kommission auf, das Konzept der Energiesuffizienz (2) in ihre Strategie aufzunehmen; mit Energiesuffizienz wird ein Zustand angestrebt, bei dem jeder in ausreichendem Maße Zugang zu allen benötigten und zu den gewünschten Energiedienstleistungen hat. Dabei bleiben die Auswirkungen des Energiesystems innerhalb der ökologischen Grenzen;

6.

hebt die Schlüsselrolle hervor, die den bestehenden innovativen Steuerungsinstrumenten für die Zusammenarbeit und den Kapazitätsaufbau wie dem Bürgermeisterkonvent, der Beratungsplattform Energiearmut, dem europäischen Klimapakt, der Initiative „Saubere Energie für EU-Inseln“ und ähnlichen EU-Initiativen bei der Förderung des dringend erforderlichen Übergangs zu erschwinglicher, nachhaltiger und sicherer Energie zukommt;

7.

fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die Einrichtung zentraler Anlaufstellen für die Umsetzung des REPowerEU-Plans auf regionaler und lokaler Ebene in enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Investitionsbank zu unterstützen;

8.

fordert die Kommission auf, die systematische Nachahmung vorhandener bewährter Verfahren durch gezielte technische und finanzielle Unterstützung der lokalen und regionalen Gebietskörperschaften zu fördern, um die mit den Energieeffizienzmaßnahmen anfangs einhergehende Kostenbelastung insbesondere für benachteiligte Haushalte, Klein- und Kleinstunternehmen und Verbraucher abzufedern;

9.

ist der Ansicht, dass die „Toolbox“ gegen steigende Energiepreise (3) erste Vorschläge zur Abmilderung der sozialen Folgen der aktuellen Energiekrise enthält, sie jedoch nicht so wirksam ist, wie es erforderlich wäre; die Toolbox sollte gestärkt werden; langfristige Lösungen für ein energieautarkes, von fossilen Brennstoffen entkoppeltes Europa sollten bevorzugt werden, einhergehend mit transformativen Veränderungen in allen Bereichen zur Beseitigung der Energie- und Mobilitätsarmut;

10.

fordert die Kommission auf, bei der Suche nach langfristigen Lösungen für die Energiesuffizienz der Problematik der Regionen Rechnung zu tragen, die von fossilen Brennstoffen abhängig sind und nicht an das kontinentaleuropäische Netz angeschlossen werden können, wie z. B. Regionen in äußerster Randlage;

Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Energieeinsparungen gleichzeitig fördern — durch den REPowerEU-Plan

11.

fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, dafür zu sorgen, dass massive Investitionen und konkrete Maßnahmen für eine beschleunigte Nutzung erneuerbarer Energien und die Förderung von Energieeffizienz, Energieeinsparungen und Forschung im Bereich alternativer nachhaltiger Kraftstoffe Vorrang erhalten und umfassend miteinander verknüpft werden;

12.

sieht dem Vorschlag der Europäischen Kommission zur Gewährleistung eines schnelleren Genehmigungsverfahrens im Einklang mit dem Subsidiaritätsprinzip im Bereich der erneuerbaren Energien erwartungsvoll entgegen und ruft dazu auf, ähnliche Maßnahmen für wichtige Projekte im Bereich Energieeffizienz zu ergreifen; ruft die Kommission auf, die bestehenden Instrumente zur technischen Unterstützung der lokalen und regionalen Gebietskörperschaften zu stärken; begrüßt daher den Vorschlag für eine Europäische Solardach-Initiative in der für Juni geplanten Mitteilung der Kommission über die EU-Strategie für die Solarenergie; ruft die Mitgliedstaaten auf, finanzielle Anreize zu schaffen, wie z. B. kurzfristige Zuschussprogramme für Verbraucher;

13.

hebt hervor, wie wichtig die öffentliche Akzeptanz von Infrastrukturvorhaben für die Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren ist, und fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die Verbreitung bewährter Verfahren in diesem Bereich zu fördern, etwa derjenigen, die im jüngsten Infrastrukturbericht des AdR-Netzwerks regionaler Hubs erwähnt werden;

14.

sieht in der Dekarbonisierung öffentlicher und privater Gebäude ein zentrales Element des europäischen Grünen Deals und hält dies für einen wesentlichen Bestandteil der Lösung für eine drastische Senkung des Erdgasverbrauchs; fordert die Kommission nachdrücklich auf, sowohl die Einführung von Wärmepumpen (4) im Rahmen des REPowerEU-Plans als auch die Erforschung innovativer Lösungen zu beschleunigen, die unseren Gebäudebestand so intelligent und klimaneutral wie möglich machen;

15.

fordert die Kommission ferner auf, öffentlich-private Gebäuderenovierungskonsortien aus verschiedenen Gewerken und lokalen und regionalen Gebietskörperschaften dabei zu unterstützen, integrierte Renovierungspakete für eine bessere Heizung und Kühlung von Gebäuden zu präsentieren, ein Programm für die industrielle Dämmung mit Möglichkeiten sich rasch amortisierender kosteneffizienter Investitionen aufzulegen und die Schulung der für die Renovierung zuständigen Arbeitskräfte zu unterstützen;

16.

ist der Ansicht, dass das Energieeinsparungspotenzial in der REPowerEU-Mitteilung zu kurz kommt, und fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Maßnahmen wie Kampagnen zur Herbeiführung von Verhaltensänderungen in Erwägung zu ziehen;

17.

bedauert die Verzögerung bei der Verabschiedung des Gesetzes zur Wiederherstellung der Natur und betont, dass der Schutz und die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt untrennbar mit der Anpassung an den Klimawandel verbunden sind und eine wichtige Säule des ökologischen Wandels im Rahmen des europäischen Grünen Deals bleiben müssen; appelliert an die Kommission, die regionalen und lokalen Gebietskörperschaften umfassend in die Ermittlung von „go-to“-Gebieten einzubeziehen, in denen Vorhaben im Bereich der erneuerbaren Energien im Einklang mit dem Subsidiaritätsprinzip durchgeführt werden sollen, um sicherzustellen, dass der Grundsatz der Schadensvermeidung in vollem Umfang befolgt wird;

18.

ist der Ansicht, dass Energieversorgungssicherheit und Klimaneutralität nur erreicht werden können, wenn sich die Europäische Union auf einen robusten und vollständig vernetzten Elektrizitätsbinnenmarkt und einen gut funktionierenden CO2-Markt stützt; betont, dass kurzfristige befristete Maßnahmen, wie eine vermehrte Erdgasspeicherung und verstärkte LNG-Einfuhren nicht zu zusätzlichen Lock-in-Effekten führen dürfen und für grünes Gas bereit sein sollten, um mit grünem Wasserstoff und anderen erneuerbaren Kraftstoffen auf Klimaneutralität vorzubereiten; drängt darauf, unsere Verbundnetze für Gas, Wasserstoff und Elektrizität in der gesamten Europäischen Union zu vervollständigen und zu verbessern, einschließlich der vollständigen Synchronisierung der Stromnetze;

19.

betont, wie wichtig es ist, die Beiträge von Prosumenten und lokalen Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften in vollem Umfang aufzunehmen und zu nutzen, und regt eine weniger restriktive Definition von intelligenten Netzen innerhalb des Rahmens für die transeuropäischen Energienetze (TEN-E) und der Infrastruktur an; unterstreicht, dass neue Kleinerzeuger an das Nieder- und Mittelspannungs-Stromnetz angeschlossen werden müssen; fordert die Kommission auf, einen Rahmen für die Zusammenfassung mehrerer kleiner Vorhaben vorzusehen und dabei auf Flexibilität insbesondere für Grenzregionen zu achten, damit bestimmte kombinierte grenzüberschreitende Projekte entwickelt und möglicherweise Fördermittel beantragt werden können; weist darauf hin, dass Europäische Verbünde für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) bei diesen Vorhaben eine wichtige Rolle spielen können; verweist auf die unverzichtbare Rolle ländlicher Gebiete bei der Energieerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern;

20.

macht darauf aufmerksam, dass die derzeitige Energiekrise die Chance bietet, die Elektrifizierung und die Erzeugung von grünem Wasserstoff als saubere Lösungen zur Dekarbonisierung unserer Wirtschaft erheblich zu steigern; fordert die Kommission auf, ehrgeizige und konkrete Maßnahmen zur Umsetzung des Wasserstoff-Accelerators vorzuschlagen, einschließlich eines festen Zeitplans für jede Maßnahme; fordert als zentrale Maßnahme hierbei von der Kommission eine EU-Initiative für Hydrogen Valleys, welche diese stärkt, ihre europäische Vernetzung und grenzüberschreitende Kooperation strukturell unterstützt und eine Förderung aus dem EU-Innovationsfonds sowie eine höhere Förderung über das gemeinsame Unternehmen der Partnerschaft für sauberen Wasserstoff umfasst; begrüßt den Vorschlag für eine globale europäische Wasserstofffazilität und ruft dazu auf, die EU-Regionen, die bereits in diesem Bereich tätig sind, strukturell einzubinden; fordert die europäischen Gesetzgeber auf, bei ihrer Annahme des Pakets „Fit für 55“, einschließlich des Legislativpakets zur Dekarbonisierung des Gasmarktes, den beschleunigten Markthochlauf von grünem Wasserstoff konsequent zu unterstützen;

21.

fordert eine Aktualisierung der geltenden Vorschriften für staatliche Beihilfen, um diese für die Kofinanzierung, den Betrieb und die Weiterentwicklung der öffentlichen Ladeinfrastruktur optimal zu gestalten, und vertritt die Auffassung, dass die damit verbundenen Investitionskosten für eine öffentliche Förderung in Betracht kommen sollten, wie im jüngsten Infrastrukturbericht des AdR-Netzes regionaler Hubs vorgeschlagen wurde;

Den REPowerEU-Plan in Partnerschaft mit den Städten und Regionen konzipieren

22.

betont, dass der künftige REPowerEU-Plan einen Plan zur Finanzierung und Lenkung vorhandener oder neuer EU-Fördermittel zur Unterstützung der Umsetzung durch die lokalen und regionalen Gebietskörperschaften umfassen sollte; fordert die Mitgliedstaaten auf, ungenutzte Mittel aus der Aufbau- und Resilienzfazilität umzuwidmen, um die lokale Planung für Energieversorgungssicherheit und Investitionen in erneuerbare Energiequellen zu unterstützen;

23.

fordert die Kommission auf, ihn als institutionellen Partner in ihre neu eingerichtete Koordinierungsgruppe „Energiearmut und schutzbedürftige Verbraucher“ aufzunehmen, um den Informationsaustausch und die Koordination zwischen der Kommission und den Mitgliedstaaten zu Fragen hinsichtlich der Gestaltung und Umsetzung des anstehenden REPowerEU-Plans, von Unionsvorschriften, -programmen und -strategien zum Schutz finanziell schwacher oder von Energie- und Mobilitätsarmut betroffener Haushalte und schutzbedürftiger Verbraucher auf allen Ebenen zu erleichtern; ist bereit, sich über seine Arbeitsgruppe „Der Grüne Deal — Going local“ in diese interinstitutionelle Zusammenarbeit einzubringen, durch die Ermittlung von Engpässen sowie Mitteln und Wegen, wie die Maßnahmen des Pakets „Fit für 55“ auf lokaler und regionaler Ebene unter anderem durch den Austausch von bewährten Verfahren, Erfahrungen und Fachwissen vorgezogen und verstärkt werden können;

24.

weist darauf hin, dass gemäß der Verordnung über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in allen Regionenkategorien mindestens 30 % der Mittel dafür bereitgestellt werden müssen, Europa und seine Regionen umweltfreundlicher, CO2-arm und widerstandsfähiger zu machen; fordert die Mitgliedstaaten und Regionen auf, die Möglichkeiten der europäischen Struktur- und Investitionsfonds (ESIF) zu nutzen, um Projekte im Rahmen der Energiewende zu finanzieren, unter anderem in den Bereichen Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Entwicklung intelligenter Energiesysteme, Netze und Speichersysteme außerhalb des TEN-E-Rahmens;

25.

begrüßt die Veröffentlichung einer spezifischen Aufforderung zur Einreichung von Anträgen im Rahmen des Instruments für technische Unterstützung mit dem Ziel, den Mitgliedstaaten bei der Verringerung ihrer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland zu helfen, bedauert jedoch die kurze Frist für die Einreichung von Anträgen für diese spezifische Unterstützung; fordert die Kommission auf, das Instrument für technische Unterstützung leichter verfügbar zu machen, um die lokalen und regionalen Gebietskörperschaften zu unterstützen, insbesondere die weniger entwickelter Regionen mit der größten Kapazitätslücke, die sie davon abhält, die Fördermittel aus der Aufbau- und Resilienzfazilität bei der Umsetzung von Investitionen und Reformen bestmöglich zu nutzen; bietet der Kommission seine Hilfe dabei an, für eine tatsächliche Inanspruchnahme dieses Instruments durch die Städte und Regionen zu sorgen;

26.

sieht in der CO2-Bepreisung ein entscheidendes Instrument für Fortschritte bei den ehrgeizigeren Klimaschutzzielen der EU und spricht sich für einen sektorübergreifenden Ansatz zur Verwirklichung dieser Ziele aus; begrüßt, dass die Kommission diese Risiken und die Vorschläge für ihre Bewältigung anerkennt, wie etwa eine Änderung der Leitlinien für staatliche Beihilfen im Zusammenhang mit dem EU-Emissionshandelssystem; weist darauf hin, dass einige der vorgeschlagenen Maßnahmen, wie etwa eine höhere Besteuerung von Zufallsgewinnen, möglicherweise keine zuverlässige Unterstützung bieten; ist sich bewusst, dass die Einführung des Emissionshandelssystems im Straßenverkehr und im Gebäudesektor (EHS II) in Verbindung mit unzureichenden Investitionen in diese Sektoren und dem Anstieg der Brennstoffpreise die Gefahr von Energie- und Mobilitätsarmut erhöhen kann; fordert die Kommission und die Gesetzgeber daher auf, die Mitgliedstaaten zu verpflichten, einen Anteil von mindestens 20 % der Erlöse aus der Versteigerung von EHS-Zertifikaten festzulegen, der unmittelbar von den lokalen und regionalen Gebietskörperschaften verwaltet wird;

27.

begrüßt die Annahme des befristeten Krisenrahmens, dank dessen die Mitgliedstaaten die in den Beihilfevorschriften vorgesehene Flexibilität nutzen können, um die Wirtschaft während Russlands Kriegs gegen die Ukraine zu unterstützen; betont, dass mögliche negative wettbewerbliche Auswirkungen und Verzerrungen des Binnenmarkts sorgfältig beobachtet werden müssen; weist darauf hin, dass im neuen Infrastrukturbericht (5) des AdR-Netzwerks regionaler Hubs das Thema staatliche Beihilfen behandelt wird, und hält die derzeit geltenden Beihilfevorschriften nicht für optimal geeignet für die Kofinanzierung, den Betrieb und den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur; bei einer künftigen Überprüfung sollte eine Förderfähigkeit der Investitionskosten in Betracht gezogen werden;

28.

stellt mit Sorge fest, dass die aktuelle Krise erhebliche Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen haben wird, und fordert die Kommission daher auf, die Anwendung der allgemeinen Ausweichklausel des Stabilitäts- und Wachstumspakts (SWP) zu verlängern, bis ein neuer Rahmen für die wirtschaftspolitische Steuerung feststeht, mindestens jedoch bis Ende 2023; öffentliche Investitionen zur Förderung des ökologischen Wandels, insbesondere in Energieeffizienz und erneuerbare Energien, sollten im Rahmen der wirtschaftspolitischen Steuerung nicht als Strukturausgaben gelten;

29.

begrüßt die in Artikel 5 der Elektrizitätsrichtlinie vorgesehenen Maßnahmen in Bezug auf den Elektrizitätsmarkt sowie die Leitlinien (6), die den Mitgliedstaaten die Möglichkeit geben, in die Festlegung der Stromversorgungspreise einzugreifen; hält angesichts der aktuellen geopolitischen Lage und ihrer Folgen für den Energiemarkt mit dem Anstieg und den Schwankungen der Strompreise ein Eingreifen der Mitgliedstaaten mit dem zweifachen Ziel, finanziell schwächere Haushalte sowie Kleinst- und Kleinunternehmen zu schützen und den Wettbewerb zu verstärken, was langfristig den Verbrauchern zugutekommt, für entscheidend; weist dennoch darauf hin (7), dass diese Maßnahmen zeitlich befristet und an den Notfallaspekt der Energiekrise gekoppelt sein müssen und keinesfalls einen Strukturwandel herbeiführen dürfen, der die Liberalisierung des Strommarkts untergraben könnte; regt angesichts der zunehmend geringeren Kosten für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen vor, die Entkopplung von Gas und Strom als mögliche Maßnahme in Erwägung zu ziehen, um zu verhindern, dass sich die hohen Gaspreise auf die Strompreise auswirken;

30.

begrüßt den Legislativvorschlag zur Sicherstellung angemessen gefüllter Energiespeicher in der EU für den nächsten Winter und danach; unterstreicht, dass bei der Festlegung solcher Mindestspeichermengen regionale Risikobewertungen berücksichtigt werden sollten;

31.

betont, dass der Bedarf und das Angebot an Umschulungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten auf regionaler Ebene besser ermittelt werden müssen; fordert die Kommission auf, Initiativen wie Erasmus+ und Horizont Europa zu nutzen, um für eine engere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Hochschulen zu sorgen, und in wichtigen industriellen Ökosystemen wie dem Wasserstoff-, Solar-, Wärmepumpen- und Windkraftsektor den Kompetenzpakt auf den Weg zu bringen; ruft die Mitgliedstaaten daher auf, ihre Nutzung der Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds Plus, dem Fonds für einen gerechten Übergang und der Aufbau- und Resilienzfazilität stärker voranzutreiben, um die Umschulung und Weiterqualifizierung der Arbeitskräfte zu fördern, und dabei dem Abstimmungsbedarf der beruflichen Praxis auf die Kreislaufwirtschaft, den Einsatz CO2-armer Materialien und neue Technologien Rechnung zu tragen.

Brüssel, den 28. April 2022

Der Präsident des Europäischen Ausschusses der Regionen

Apostolos TZITZIKOSTAS


(1)  https://report.ipcc.ch/ar6wg2/pdf/IPCC_AR6_WGII_FinalDraft_FullReport.pdf.

(2)  https://www.energysufficiency.org.

(3)  Steigende Energiepreise — eine „Toolbox“ mit Gegenmaßnahmen und Hilfeleistungen, 13. Oktober 2021 (COM(2021) 660 final).

(4)  Wärmepumpen, die Klimaanlagen ähneln und außen an Gebäuden angebracht werden, heizen Wohnungen, indem sie Wärme eher bewegen als erzeugen. Sie werden mit Strom angetrieben und entziehen entweder der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser Wärme und verdichten diese, die Wärme wird dann ins Haus gepumpt und das Haus so erwärmt.

(5)  https://cor.europa.eu/en/news/Pages/reghub-launches-consultation-on-21st-century-rules.aspx.

(6)  Siehe Anhang 1 der Mitteilung der Europäischen Kommission zu „REPowerEU“.

(7)  Siehe die Stellungnahme des AdR Erneuerbare Energien und Elektrizitätsbinnenmarkt (ABl. C 342 vom 12.10.2017, S. 79), Berichterstatterin: Daiva Matonienė (LT/EKR), Ziffer 20.


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