EUROPÄISCHE KOMMISSION
Brüssel, den 28.2.2025
COM(2025) 58 final
BERICHT DER KOMMISSION
über ARACHNE – Umsetzung für die Zwecke der GAP-Ausgaben
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Document 52025DC0058
REPORT FROM THE COMMISSION on ARACHNE - Implementation for CAP expenditure
BERICHT DER KOMMISSION über ARACHNE – Umsetzung für die Zwecke der GAP-Ausgaben
BERICHT DER KOMMISSION über ARACHNE – Umsetzung für die Zwecke der GAP-Ausgaben
COM/2025/58 final
EUROPÄISCHE KOMMISSION
Brüssel, den 28.2.2025
COM(2025) 58 final
BERICHT DER KOMMISSION
über ARACHNE – Umsetzung für die Zwecke der GAP-Ausgaben
Arachne
Arachne ist ein von der Europäischen Kommission entwickeltes integriertes IT-Instrument zur Datenauswertung, Datenanreicherung und Risikobewertung. Ziel von Arachne ist es, den Behörden der Mitgliedstaaten ein operatives Instrument zur Risikoerkennung an die Hand zu geben, das sie bei ihren Verwaltungskontrollen und Prüfverfahren unterstützt.
Verzeichnis der Kurzformen
GAP = Gemeinsame Agrarpolitik
GD AGRI = Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung
EGFL = Europäischer Garantiefonds für die Landwirtschaft
ELER = Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums
InVeKoS = Integriertes Verwaltungs- und Kontrollsystem (integriertes System gemäß Artikel 65 Absatz 2 der Verordnung (EU) 2021/2116)
Nicht-InVeKoS = Alle Maßnahmen und Interventionen im Rahmen der GAP gemäß der Verordnung (EU) 2021/2115, die nicht unter das oben genannte integrierte System fallen
Inhaltsverzeichnis
1.Einführung
1.1.Hintergrund und Kontext
1.2.Ziele und Umfang des Berichts
2.Maßnahmen der Kommission zur Ermöglichung und Förderung der Nutzung von Arachne für die GAP
3.Sachstand: Derzeitige Nutzung des Instruments zur Datenauswertung
3.1.Überblick über die Implementierung und den Einsatz des Instruments
3.2.Funktionalität und Leistung des Instruments
4.Nutzung durch die Mitgliedstaaten basierend auf den Ergebnissen der Umfrage: Chancen und Herausforderungen
5.Interoperabilitätsbewertung
5.1.Technische Interoperabilität
5.2.Semantische Interoperabilität
5.3.Organisatorische Interoperabilität
6.Weitere Schritte und Perspektive
6.1.Weitere Schritte
6.2.Langfristige Perspektive
1.Einführung
1.1.Hintergrund und Kontext
Wie in Artikel 59 Absatz 2 der Verordnung (EU) 2021/2116 des Europäischen Parlaments und des Rates 1 festgelegt, „stellt die Kommission den Mitgliedstaaten ein Instrument zur Datenauswertung zur Verfügung, mit dem sich die mit Projekten, Begünstigten, Auftragnehmern und Verträgen verbundenen Risiken einschätzen lassen, und sorgt zugleich für einen möglichst geringen Verwaltungsaufwand und einen wirksamen Schutz der finanziellen Interessen der Union. … Die Kommission legt bis 2025 einen Bericht vor, in dem die Nutzung des gemeinsamen Instruments zur Datenauswertung und seine Interoperabilität im Hinblick auf seine allgemeine Nutzung durch die Mitgliedstaaten bewertet wird.“
Die Mitgliedstaaten sollen wirksame Verwaltungs- und Kontrollsysteme einrichten, die die Einhaltung der Unionsvorschriften für Interventionen der Union sicherstellen. Sie müssen die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die ordnungsgemäße Funktionsweise ihrer Verwaltungs- und Kontrollsysteme und die Recht- und Ordnungsmäßigkeit der bei der Kommission geltend gemachten Ausgaben zu gewährleisten. Was die EU-Landwirtschaftsfonds (EGFL und ELER) betrifft, so sind die Zahlstellen für die Auszahlungen im Rahmen der GAP und somit für die Einrichtung der Verwaltungs- und Kontrollsysteme in den Mitgliedstaaten oder auf der entsprechenden Verwaltungsebene zuständig.
In diesem Zusammenhang soll die Kommission ein Instrument zur Datenauswertung zur Verfügung stellen, das die Mitgliedstaaten bei der Einrichtung wirksamer Verwaltungs- und Kontrollsysteme für die GAP unterstützt. Um diese rechtliche Anforderung zu erfüllen, hat die Kommission beschlossen, das Instrument Arachne einzusetzen.
Arachne ist ein von der Europäischen Kommission entwickeltes integriertes IT-Instrument zur Datenauswertung, Datenanreicherung und Risikobewertung, das die Mitgliedstaaten bei Verwaltungskontrollen und Prüfverfahren unterstützen soll. Arachne reichert die Daten mit öffentlich zugänglichen Informationen mit dem Ziel an, anhand von Risikoindikatoren diejenigen Projekte, Begünstigten, Verträge, Auftragnehmer und Unterauftragnehmer zu ermitteln, bei denen Risiken wie Betrug, Interessenkonflikte oder andere Unregelmäßigkeiten vorliegen könnten. 2 Es bewertet jedoch nicht das individuelle Verhalten von Mittelempfängern und schließt Begünstigte oder potenzielle Begünstigte nicht automatisch von EU-Mitteln aus. Das Instrument sendet Risikowarnungen an die Zahlstellen, ergänzend zu ihren Prüfverfahren, liefert jedoch keine Beweise für Fehler, Unregelmäßigkeiten oder Betrug.
Für die Interventionen und Maßnahmen im Rahmen der GAP ist der Einsatz von Arachne bei der Risikoanalyse wichtig, die auf Ebene der Zahlstellen für ihre Hauptaufgaben und insbesondere für ihre Verfahren der Betrugsprävention, -aufdeckung und -bekämpfung durchzuführen ist. Die Zahlstellen sollten beachten, dass die Arachne-Risikoberichte zusammen mit anderen Daten verwendet werden, die in den Verwaltungs- und Kontrollsystemen der GAP auf nationaler Ebene verfügbar sind, und dass der Einsatz des Instruments in ihre Verfahren integriert ist.
Um das Risiko für die finanziellen Interessen der EU zu ermitteln und diesem Rechnung zu tragen, werden die operativen Daten der Zahlstellen an Arachne übermittelt. Diese Daten umfassen Informationen über Begünstigte, Projektpartner, Unterauftragnehmer, Dienstleister, Konsortiumsmitglieder und andere Beteiligte. Diese operativen Daten werden dann in Arachne durch Informationen aus externen Datenquellen, z. B. den Datenbanken Orbis und World Compliance, ergänzt, die offiziell veröffentlichte und öffentlich zugängliche Daten zu den beteiligten Unternehmen und Personen enthalten.
Orbis bietet Informationen über Unternehmen, wie Finanzdaten, Adressen, historische Daten und Informationen über Aktionäre, Geschäftsführung und Mitarbeitende in Schlüsselpositionen. World Compliance bietet Informationen wie z. B. die Profile politisch exponierter Personen, ihrer Familien und ihrer Partner, eine Sanktionsliste mit Personen und Unternehmen mit der höchsten Risikoeinstufung und eine Durchsetzungsliste mit Informationen von Regulierungs- und staatlichen Behörden und dem Inhalt von Warnungen und Maßnahmen gegen Privatpersonen und Unternehmen.
Die Europäische Kommission bietet den Zahlstellen Arachne kostenlos an und garantiert technische Unterstützung und Schulungen in den Mitgliedstaaten.
1.2.Ziele und Umfang des Berichts
Ziel dieses Berichts ist es, die derzeitige Nutzung von Arachne für die GAP und seine Interoperabilität mit den derzeit von den Mitgliedstaaten verwendeten Instrumenten und Systemen zu bewerten und Empfehlungen für seine künftige Nutzung zu geben.
Zur Vorbereitung dieses Berichts haben die Kommissionsdienststellen (GD AGRI) im Juli 2024 eine Umfrage zur Nutzung von Arachne und seiner Interoperabilität in allen Mitgliedstaaten durchgeführt. Die Mitgliedstaaten wurden um Informationen zur Nutzung des Systems gebeten. Sie wurden auch um Verbesserungsvorschläge gebeten, die die Nutzung von Arachne erleichtern würden. Die Ergebnisse dieser Umfrage wurden den Mitgliedstaaten in einer Sitzung der Sachverständigengruppe am 20. September 2024 vorgestellt, und die Ergebnisse der Beratungen sind Teil dieses Berichts.
Der Bericht gliedert sich in sechs Teile. Im zweiten Teil werden die Maßnahmen erläutert, die die Kommission ergriffen hat, um die Nutzung von Arachne zu ermöglichen und zu fördern. Im dritten und vierten Teil des Berichts wird der aktuelle Sachstand beschrieben und es werden die Chancen und Herausforderungen im Zusammenhang mit der Nutzung von Arachne dargelegt. Im fünften Teil wird die Interoperabilität mit den derzeit von den Mitgliedstaaten verwendeten Instrumenten erläutert. Der Bericht schließt mit den nächsten Schritten und einer langfristigen Perspektive für den Einsatz von Arachne, flankiert von einer Vision für die künftige Entwicklung und Nutzung des Instruments.
2.Maßnahmen der Kommission zur Ermöglichung und Förderung der Nutzung von Arachne für die GAP
Im Einklang mit dem Rechtsrahmen führt die Kommission eine Reihe von Maßnahmen durch, um die Nutzung von Arachne durch die Mitgliedstaaten für die GAP-Ausgaben zu fördern und zu ermöglichen.
Um die Nutzung des Instruments für die GAP-Ausgaben zu ermöglichen, hat die Kommission im Jahr 2021 die Anforderungsspezifikation für die Entwicklung (letztendlicher Eigentümer und andere für die InVeKoS-Zahlungen relevante Risikobewertungen) festgelegt. Die wichtigste Entwicklung betrifft eine Funktion, die angesichts des Volumens an Zahlungsdaten wichtig ist und das automatische Hochladen und Herunterladen von Daten im Rahmen des InVeKoS ermöglicht. Das automatische Hochladen der Daten ist seit Februar 2024 möglich. Das automatische Herunterladen wird zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts von einigen Mitgliedstaaten getestet.
Die Kommission unterstützte die Behörden der Mitgliedstaaten vor dem Einsatz des Instruments und während seiner Nutzung mit Schulungen und Helpdesk-Funktionen. Darüber hinaus wurden Gespräche und ein Austausch bewährter Verfahren in Sitzungen der Sachverständigengruppen für horizontale Fragen im Rahmen der GAP (z. B. am 20. September 2024 für die Behörden der Mitgliedstaaten, hauptsächlich die Zahlstellen) und des Lernnetzwerks der Zahlstellen (Untergruppe Betrugsbekämpfung und Interessenkonflikte) sowie weitere bilaterale Gespräche und Workshops auf Ersuchen der Mitgliedstaaten organisiert.
Die meisten dieser Gespräche betrafen die Strategien und Verfahren der Zahlstellen zur Bekämpfung von Betrug und zum Umgang mit Interessenkonflikten sowie die Maßnahmen gegen Umgehungspraktiken.
Diese Bemühungen werden fortgesetzt, bis Arachne in vollem Umfang für GAP-Ausgaben genutzt wird.
3.Sachstand: Derzeitige Nutzung des Instruments zur Datenauswertung
3.1. Überblick über die Implementierung und den Einsatz des Instruments
Arachne verwendet ein Objektbeziehungsmodell zur Organisation und Verwaltung seiner Daten. Das System integriert interne Daten der Mitgliedstaaten und externe Daten aus Quellen wie Orbis und World Compliance. Die Daten werden dann abgeglichen und angereichert, um Risikobewertungen für Projekte und Verträge zu berechnen, sodass der Nutzer eine detaillierte Risikobeurteilung für die angeforderten Daten erhält. Das System umfasst auch ein Nutzerverwaltungsmodul für die Datenisolierung und -authentifizierung.
Statistiken zur Nutzung von Arachne für die GAP 3
In Bezug auf die GAP-Ausgaben zeigt das Diagramm, dass elf Mitgliedstaaten das Potenzial des Instruments voll ausschöpfen (Hochladen von Daten und Nutzung des Instruments). Drei weitere Mitgliedstaaten laden bereits Daten in das Instrument hoch, verwenden jedoch noch nicht die angereicherten Daten aus Arachne. Sieben Mitgliedstaaten haben lediglich eine Einführungsschulung absolviert und müssen noch mit dem Hochladen von Daten und der Nutzung des Instruments beginnen. Die übrigen sechs Mitgliedstaaten ersuchten zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts um Einführungsschulungen.
Drei der elf Mitgliedstaaten, die Arachne nutzen, testen gerade die Funktionen des Instruments für EGFL-InVeKoS-Interventionen.
Was die Stadien „Nutzung und Hochladen“ und „Hochladen“ betrifft, so wurde Arachne im Programmplanungszeitraum 2014-2022 für 17 Programme zur Entwicklung des ländlichen Raums verwendet. Für den laufenden Zeitraum 2023-2027 wird das Instrument bereits für 1 im GAP-Strategieplan enthaltene Intervention (Ausgabe) zur Entwicklung des ländlichen Raums eingesetzt. Dies betrifft 167 731 Projekte und 139 911 Begünstigte.
Statistiken zum Hochladen von GAP-Daten 4
Das Potenzial des Instruments liegt in seinen angereicherten Datenbanken. Der Prozess ist erst dann abgeschlossen, wenn die Mitgliedstaaten für alle Fonds das Hochladen von Daten in vollem Umfang nutzen. Die in Arachne verwendeten Datenbanken sind bereichsübergreifend und ergänzen einander. Um die Möglichkeiten des Instruments nutzen zu können, müssen die Mitgliedstaaten Daten hochladen. Aus den oben genannten Statistiken geht hervor, dass Arachne bereits Daten aus mehreren Programmen zur Entwicklung des ländlichen Raums und Marktmaßnahmen im Rahmen der GAP erfasst. Das Hochladen der Daten in Bezug auf InVeKoS-Zahlungen läuft gerade erst an, unter anderem weil die für das Hochladen der InVeKoS-Daten erforderliche Funktion des automatischen Uploads erst im Februar 2024 zur Verfügung gestellt wurde.
Statistiken zur Verwendung von Arachne durch Nutzer in Agrarverwaltungen 5
Aus den Statistiken geht hervor, dass nicht alle Mitgliedstaaten, die Daten an das Instrument übermitteln, das System auch nutzen, wenngleich die Zahl der Nutzer und der Anmeldevorgänge im Rahmen der GAP-Ausgaben im Laufe der Jahre schrittweise gestiegen ist. Die Mitgliedstaaten unternehmen erhebliche Anstrengungen, um Daten bereitzustellen. Die Kommission wird die Mitgliedstaaten auch künftig darin bestärken, das Potenzial von Arachne weiter auszuschöpfen, d. h. für die Risikobewertung der Zahlstellen und deren Verfahren der Betrugsprävention, -aufdeckung und -bekämpfung.
3.2.Funktionalität und Leistung des Instruments
Arachne ist ein leistungsfähiges Instrument, das hochwertige Risikoindikatoren bereitstellt und Verwaltungsüberprüfungen verbessert. Es erstellt eine umfassende Datenbank von Projekten, die im Rahmen von EU-Fonds durchgeführt werden, und reichert die Daten um öffentlich zugängliche Informationen an. Was die Nutzung des Instruments für GAP-Ausgaben betrifft, so wurden im Laufe des Jahres 2024 zwei kritische Funktionen entwickelt und bereitgestellt, nämlich das automatische Hochladen und Herunterladen von Daten. Um das automatische Hochladen und Herunterladen für die riesigen Bestände an InVeKoS-Daten nutzen zu können, müssen die Mitgliedstaaten jedoch eine Software entwickeln. Bislang haben die Mitgliedstaaten vier Uploads von InVeKoS-Daten vorgenommen. Zwei Mitgliedstaaten testen gerade das automatische Herunterladen von Daten aus Arachne. Die übrigen Downloads sowohl für InVeKoS- als auch für Nicht-InVeKoS-Ausgaben wurden manuell durchgeführt.
Arachne kann aufgrund der großen Zahl von Risikoindikatoren, die es hervorbringt, mitunter eine Herausforderung darstellen, was seine Nutzung ohne ein gründliches Verständnis des Instruments erschwert. Darüber hinaus kann der Zeitrahmen, den das Tool zum Generieren der Ergebnisse benötigt, sehr lang sein. Nach dem Hochladen der Daten werden die Ergebnisse wöchentlich bereitgestellt. Dieser zeitliche Versatz kann jedoch zu zusätzlichen Verzögerungen im Genehmigungsverfahren der Zahlstelle führen.
4.Nutzung durch die Mitgliedstaaten basierend auf den Ergebnissen der Umfrage: Chancen und Herausforderungen
Wie bereits erwähnt, führte die Kommission im Juli/August 2024 eine Umfrage zur Nutzung von Arachne durch, um Anregungen für künftige Projektmaßnahmen zu erhalten, die den Bedürfnissen der Mitgliedstaaten besser gerecht zu werden.
Insgesamt gingen 25 Antworten ein, die entweder auf Ebene der Mitgliedstaaten (stellvertretend für mehrere Zahlstellen) oder auf Ebene der Zahlstellen ausgearbeitet wurden. 15 Mitgliedstaaten/Zahlstellen (60 %) haben angegeben, dass sie Arachne bisher verwenden. Für acht von ihnen (53 %) ist die Verwendung von Arachne gemäß ihren internen Verfahren verpflichtend. Zur Nutzungshäufigkeit ging aus diesen 15 Antworten hervor, dass ein Mitgliedstaat/eine Zahlstelle (7 %) das Instrument täglich nutzt, dass 40 % es wöchentlich und zwei weitere Mitgliedstaaten/Zahlstellen mindestens einmal im Monat nutzen.
Häufigkeit der Nutzung von Arachne bei den 15 Mitgliedstaaten/Zahlstellen (GAP) 6
In Bezug auf die EU-Landwirtschaftsfonds sind die Zahlstellen die Hauptnutzer von Arachne. In der Hälfte der Fälle wird Arachne jedoch auch von den bescheinigenden Stellen genutzt, die für die Bescheinigung der Verwaltungs- und Kontrollsysteme der Zahlstellen zuständig sind.
27 % der Zahlstellen, die Arachne aktuell nutzen und an der Umfrage teilgenommen haben, gaben an, das Instrument sowohl für InVeKoS- als auch für Nicht-InVeKoS-Ausgaben zu nutzen, während die übrigen Zahlstellen es nur für Nicht-InVeKoS-Ausgaben verwenden.
Arachne wird hauptsächlich zur Aufdeckung von Betrug, Interessenkonflikten und Doppelfinanzierungen eingesetzt. Die Hauptindikatoren beziehen sich auf die Ermittlung von Verbindungen zwischen verschiedenen Interessenträgern, die Konzentration von Beihilfen, die Angemessenheit der Kosten sowie andere Standard- und Reputationswarnungen sowie KMU- und Start-up-Indikatoren.
Hauptzweck der Verwendung von Arachne (GAP) 7
Die Zahlstellen, die Arachne verwenden, haben angegeben, dass sie das Instrument hauptsächlich für die Überprüfung der Fördervoraussetzungen und die Bildung einer Stichprobe für ihre Kontrollen vor Ort einsetzen. Ein Drittel dieser Zahlstellen haben angegeben, dass sie anhand der Informationen in Arachne Unregelmäßigkeiten und Betrugsfälle feststellen konnten, und die große Mehrheit ist mit der Nutzung des Instruments zufrieden.
Dennoch nannten die Zahlstellen, die Arachne nutzen, einige verbesserungswürdige Bereiche, z. B. bei der Benutzerfreundlichkeit (intuitivere Benutzeroberfläche, Anzeige- und Dashboard-Funktionen, Verbesserung der Suchfunktionen), der Verfügbarkeit von Daten (schnellere Verfügbarkeit umfassenderer und häufiger hochgeladener Daten) und den Ergebnissen des Instruments (Entwicklung des KMU-Moduls, Verbesserung der generierten Berichte). Insgesamt wird es als schwierig bewertet, die aus Arachne extrahierten Daten in die Systeme der Zahlstellen zu integrieren, und nur die Hälfte der Zahlstellen, die Arachne verwenden, ist bereit, die Software für das Hochladen und Herunterladen von InVeKoS-Daten zu entwickeln.
Von den Zahlstellen, die angegeben haben, dass sie Arachne nicht verwenden, hatte keine das Instrument in der Vergangenheit genutzt, und sieben von ihnen (70 %) planen, es in Zukunft zu verwenden, davon fünf sowohl für InVeKoS- als auch für Nicht-InVeKoS-Ausgaben. Für die Hälfte der Zahlstellen stellen die verfügbaren technischen Kapazitäten ein Hindernis dar, was in einigen Fällen der Grund dafür ist, dass Arachne nur für Nicht-InVeKoS-Ausgaben in Betracht gezogen wird.
Schließlich gab die Hälfte aller Zahlstellen, die an der Umfrage teilnahmen, an, dass sie auf nationaler Ebene andere Instrumente zur Datenauswertung verwenden oder Risikofaktoren in andere IT-Systeme der Zahlstelle integriert haben. Anstatt Arachne zu nutzen, verbessern einige dieser Zahlstellen lieber die Verfügbarkeit von national relevanten historischen Daten ihrer Instrumente.
Allgemeine Zufriedenheit mit der Nutzung von Arachne (GAP) 8
Diese zusammengefassten Ergebnisse vermitteln ein tieferes Verständnis der Herausforderungen und Hindernisse, denen die Mitgliedstaaten bei der Nutzung von Arachne für die EU-Landwirtschaftsfonds konfrontiert sind. Einige dieser Fragen werden bereits im Rahmen des kommissionsweiten Projekts für das Instrument Arachne (z. B. Verbesserung der Benutzeroberfläche, verbesserte Funktionen, Effizienz des Daten-Uploads oder Verbesserung der von Arachne generierten Berichte) oder durch die kontinuierliche Weiterentwicklung von Arachne durch die Kommission (z. B. das KMU-Modul) angegangen.
Interoperabilitätsprobleme und technische Kapazitäten wurden als relevante Hindernisse ermittelt, die die Mitgliedstaaten und die GD AGRI angehen müssen, um die effiziente Nutzung von Arachne zu ermöglichen (siehe hierzu auch die weiterführende Analyse in Kapitel 5). Dies ist auch eine der Prioritäten der Kommission gemäß Artikel 36 Absatz 6 der Verordnung (EU, Euratom) 2024/2509 des Europäischen Parlaments und des Rates 9 .
Gleichzeitig vermittelt die Umfrage eine klare positive Botschaft über den derzeitigen Nutzen und die Zufriedenheit mit der Verwendung von Arachne. Dies wird durch die Verpflichtung zur Bereitstellung von Daten, die ebenfalls in der oben genannten Verordnung vorgesehen ist, erheblich verbessert. Durch die Verfügbarkeit der Informationen aus allen Mitgliedstaaten wird das Datenauswertungsinstrument der Kommission erheblich angereichert und die Probleme der Zahlstellen im Zusammenhang mit unvollständigen und nicht aktualisierten Daten werden behoben. Dies wiederum dürfte zur Folge haben, dass die Mitgliedstaaten das Instrument generell sowohl für InVeKoS- als auch für Nicht-InVeKoS-Ausgaben nutzen. Nach Maßgabe der genannten Bestimmung und den Umfrageergebnissen entsprechend wird die Kommission vorrangig eng mit den Zahlstellen zusammenarbeiten, um die potenziellen Funktionen von Arachne für die InVeKoS-Ausgaben zu ermitteln und die Interoperabilität der nationalen Systeme mit dem Datenauswertungsinstrument der Kommission zu fördern.
5.Interoperabilitätsbewertung
5.1.Technische Interoperabilität
Arachne ist für den Datenaustausch mit anderen Systemen und Datenquellen im xml-Format ausgelegt. Dieses Format ist weit verbreitet und anerkannt, was die Integration des Instruments in andere Systeme erleichtert. Die technische Architektur des Instruments ermöglicht die Übermittlung von Datenfeldern entsprechend dem von Arachne geforderten Umfang.
Die Fähigkeit des Instruments, mit anderen Systemen und Datenquellen zu interagieren, wird durch die technische Unterstützung der Kommissionsdienststellen bei der Erstinstallation des Risikobewertungsinstruments Arachne und bei der Übermittlung der Daten im vorgegebenen xml-Format weiter verbessert.
5.2.Semantische Interoperabilität
Die Fähigkeit von Arachne, Daten aus verschiedenen Quellen zu verstehen und zu interpretieren, ist für seine effiziente Nutzung von entscheidender Bedeutung. Das Instrument verwendet für die Analyse von Daten einen Risikobewertungsansatz, der die Harmonisierung und Standardisierung von Daten aus verschiedenen Quellen erfordert.
Die semantische Interoperabilität des Instruments wird durch die Nutzung externer Datenquellen wie Orbis, Sanktionslisten und World Compliance unterstützt. Diese Datenquellen werden offiziell veröffentlicht und sind öffentlich zugänglich, sodass ein hohes Maß an Datenqualität und -zuverlässigkeit gewährleistet ist.
Die Kommissionsdienststellen haben auch eine spezielle Website 10 eingerichtet, auf der der Prozess und der Zweck der Datenanalyse erläutert werden. Dort sind auch Informationen über den Datenschutz und die Rechte betroffener Personen zu finden. Diese Website vermittelt ein gemeinsames Verständnis der in dem Instrument verwendeten Daten und erleichtert die Harmonisierung und Standardisierung von Daten aus verschiedenen Quellen.
Die semantische Interoperabilität des Instruments könnte jedoch durch die Entwicklung gemeinsamer Datenstandards und -formate für den Datenaustausch zwischen verschiedenen Systemen und Datenquellen weiter verbessert werden. Dies würde die Integration des Instruments in andere Systeme erleichtern und die Kohärenz und Genauigkeit der im Rahmen des Risikobewertungsansatzes verwendeten Daten gewährleisten.
Insgesamt zeigt das Risikobewertungsinstrument Arachne ein hohes Maß an technischer und semantischer Interoperabilität.
5.3.Organisatorische Interoperabilität
Die Integration von Arachne in bestehende Arbeitsabläufe und Verfahren ist entscheidend für seine effektive Einführung und Nutzung durch die Verwaltungsbehörden. In diesem Abschnitt wird die organisatorische Interoperabilität des Instruments bewertet, und es werden alle organisatorischen oder kulturellen Hindernisse für die Einführung aufgezeigt.
Integration in bestehende Arbeitsabläufe und Verfahren
Arachne wurde entwickelt, um die Zahlstellen bei ihren Prüfverfahren gemäß Artikel 125 Absatz 4 Buchstabe c der Verordnung (EU) Nr. 1303/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates 11 zu unterstützen. Die Integration des Instruments in bestehende Arbeitsabläufe und Verfahren wird durch die Unterstützung und Anleitung der Zahlstellen durch die Kommissionsdienststellen erleichtert.
Das Benutzerhandbuch und Schulungsmaterialien für das Instrument sollen den Zahlstellen dabei helfen, es in ihre bestehenden Arbeitsabläufe und Verfahren zu integrieren. Die Kommissionsdienststellen leisten auch kontinuierliche Unterstützung, um die effiziente Nutzung des Instruments zu erleichtern, einschließlich Beratung darüber, wie das Instrument in die täglichen Prüfverfahren integriert werden kann.
Organisatorische oder kulturelle Hindernisse für die Einführung
Obwohl das Instrument so gestaltet ist, dass es sich in bestehende Arbeitsabläufe und Verfahren integrieren lässt, kann es organisatorische oder kulturelle Hindernisse für die Einführung geben. So müssen die Zahlstellen unter Umständen ihre bestehenden Arbeitsabläufe und Verfahren anpassen, um dem Risikobewertungsansatz des Instruments Rechnung zu tragen.
Darüber hinaus kann der Einsatz des Instruments Änderungen in der Organisationskultur der Zahlstellen erfordern, wie z. B. eine stärkere Betonung des Risikomanagements und der datengesteuerten Entscheidungsfindung.
Vorteile der Einführung
Trotz der potenziellen Hindernisse für die Einführung bietet Arachne den Zahlstellen mehrere Vorteile:
–Verbesserte Effizienz und Wirksamkeit der Prüfverfahren
–Verbessertes Risikomanagement und bessere datengesteuerte Entscheidungsfindung
–Bessere Einhaltung der EU-Vorschriften und -Anforderungen
Insgesamt weist Arachne ein hohes Maß an organisatorischer Interoperabilität auf, weil es so gestaltet ist, dass es sich in bestehende Arbeitsabläufe und Verfahren integrieren lässt. Die Zahlstellen müssen jedoch möglicherweise organisatorische oder kulturelle Hindernisse für die Einführung beseitigen und Zeit und Ressourcen in Schulungen und den Aufbau von Kompetenzen investieren, um die wirksame Einführung und Nutzung des Instruments sicherzustellen.
6.Weitere Schritte und Perspektive
6.1.Weitere Schritte
(1)Weiterer Austausch von bewährten Verfahren zwischen den Zahlstellen – Mitgliedstaaten, die mit der Nutzung von Arachne bereits begonnen haben, sollten ihre Erfahrungen aktiv austauschen und Empfehlungen geben, wie das Instrument wirksam genutzt werden kann. Dieser Austausch kann im Rahmen von Sitzungen der Sachverständigengruppen, die von der Kommission organisiert werden, durch spezielle Umfragen, aber auch im Rahmen des Lernnetzwerks der Zahlstellen (Untergruppe für Betrugsbekämpfung und Interessenkonflikte) erfolgen.
(2)Nutzung des Instruments durch die bescheinigenden Stellen – Die bescheinigenden Stellen sollten ebenfalls ermutigt werden, das Instrument zu nutzen, um Kohärenz bei der Prüfung der Kontroll- und Verwaltungssysteme zu gewährleisten.
(3)Automatische Integration in die Datenbanken der Zahlstellen – Die Mitgliedstaaten und die Kommission sollten die Ressourcen für die Automatisierung der Datenübermittlung aus nationalen Datenbanken nach Arachne aufstocken, um die Verwaltungsverfahren zu vereinfachen und den Aufwand für die Mitgliedstaaten zu verringern.
(4)Verfügbarkeit vollständiger und genauer Daten – Die kontinuierliche Aktualisierung hochwertiger, vollständiger und genauer Daten ist für die Effizienz von Arachne entscheidend; dies hängt vom Rollout des Arachne-Projekts der Kommission ab. Abgesehen von den kontinuierlichen Bemühungen der Kommission um die Weiterentwicklung des Instruments hängt der Gesamterfolg des Projekts von den von den Mitgliedstaaten hochgeladenen Daten ab, die schrittweise von allen Mitgliedstaaten bereitgestellt werden sollten.
(5)Anpassung des Instruments an die EU-Landwirtschaftsfonds – Wenn mehr Mitgliedstaaten Arachne nutzen, sollten die Funktionen schrittweise auf die EU-Landwirtschaftsfonds zugeschnitten werden, um den Bedürfnissen und Rückmeldungen der Mitgliedstaaten Rechnung zu tragen. Dazu gehört auch die Bestimmung der Risikofaktoren, die für die EU-Landwirtschaftsfonds am relevantesten sind. Diese Weiterentwicklungen müssen sich auf den regelmäßigen Austausch bewährter Verfahren im Rahmen der weiterhin stattfindenden Workshops und anderer Foren stützen, die auf EU-Ebene oder auf Ersuchen der Mitgliedstaaten auf bilateraler Ebene organisiert werden.
(6)Technische Verbesserungen des Instruments – Verbesserungen der Benutzeroberfläche und des Nutzererlebnisses sollten im Rahmen des Gesamtprojekts Arachne der Kommission berücksichtigt werden (z. B. On-Screen-Tutorials, Tooltips, Hilfeabschnitte, Nutzung von KI-gestützten Chatbots).
(7)Weitere Verbesserung der Interoperabilität zwischen Arachne und anderen auf nationaler Ebene eingesetzten Datenauswertungsinstrumenten – Die Mitgliedstaaten sollten sich aktiv an dieser Entwicklung beteiligen, um vom Mehrwert von Arachne zu profitieren, nämlich dass grenzüberschreitende Verbindungen ermittelt und frühere EU-Finanzierungen festgestellt werden können, die über andere Datenauswertungsinstrumente möglicherweise nicht ohne Weiteres zu finden sind.
Die Kommission ist der Auffassung, dass die Behörden der Mitgliedstaaten, vor allem die Zahlstellen, ihre derzeitigen Verfahren zur Risikoanalyse und Betrugsprävention erheblich verbessern können, indem sie Arachne einführen und systematisch nutzen. Die Ergebnisse der Sitzung der Sachverständigengruppe vom 20. September 2024 belegen die mögliche Effizienz und Wirksamkeit dieses Instruments bei der Prävention und Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten sowie bei der Ermittlung des Betrugsrisikos für die GAP. Seine Nutzung könnte jedoch ausgeweitet und verbessert werden.
6.2.Langfristige Perspektive
Gemäß Artikel 36 Absatz 6 und Artikel 277 Absatz 5 der Verordnung (EU, Euratom) 2024/2509 müssen die Mitgliedstaaten spätestens ab den Programmen nach 2027 Daten – unter anderem zu den GAP-Ausgaben – in Arachne einspeisen. Die integrierte Nutzung von Arachne als wesentliches Instrument in den Verwaltungs- und Kontrollsystemen der GAP auf Ebene der Mitgliedstaaten zur Verbesserung des Risikomanagements, der Überwachung der Einhaltung der Vorschriften und der datengesteuerten Entscheidungsfindung ist eine logische und zwingende Entscheidung der nationalen Verwaltung, die für die EU-Ausgaben im Rahmen der geteilten Mittelverwaltung für den EGFL und den ELER zuständig ist. Durch den Einsatz von Arachne können die Behörden die Erkennung potenzieller Risiken automatisieren und so eine schnellere und genauere Bewertung gewährleisten. Darüber hinaus erhalten die nationalen Behörden mit Arachne Zugang zu vielfältigen und umfangreichen Datenbeständen. Dadurch könnte das Risiko von Betrugsversuchen beim Zugang zu EU-Mitteln weiter gemindert werden.
Angesichts der gemeinsamen Verantwortung für den Schutz der finanziellen Interessen der Union wird die Kommission weiterhin mit den Behörden der Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, um eine vollumfängliche Nutzung von Arachne zu erreichen. In dieser Hinsicht wird die Umsetzung der in diesem Bericht genannten weiteren Schritte überwacht und erforderlichenfalls während des allgemeinen Rollouts des Projekts Arachne der Kommission weiterentwickelt oder überarbeitet.
„Der Tatbestand der Unregelmäßigkeit ist bei jedem Verstoß gegen eine Gemeinschaftsbestimmung als Folge einer Handlung oder Unterlassung eines Wirtschaftsteilnehmers gegeben, die einen Schaden für den Gesamthaushaltsplan der Gemeinschaften oder die Haushalte, die von den Gemeinschaften verwaltet werden, bewirkt hat bzw. haben würde, sei es durch die Verminderung oder den Ausfall von Eigenmitteleinnahmen, die direkt für Rechnung der Gemeinschaften erhoben werden, sei es durch eine ungerechtfertigte Ausgabe.“ (Artikel 1 Absatz 2 der Verordnung (EG, Euratom) Nr. 2988/95 des Rates).
Betrug ist eine absichtlich begangene Unregelmäßigkeit und stellt eine Straftat dar. Bei der Meldung einer Unregelmäßigkeit an die Kommission müssen die Mitgliedstaaten in jedem einzelnen Fall angeben, ob ein Betrugsverdacht besteht oder ein Betrug festgestellt wurde.
Quelle: Statistiken zu Arachne – November 2024. Die Nutzerstatistiken basieren auf Nutzerprofilen. Jeder Nutzer, der Zugang zu mindestens einem Agrarprogramm hat, ist in der Liste enthalten. Wenn sich Nutzer bei Arachne anmelden, kann jedoch nicht festgestellt werden, auf welches Projekt oder Programm sie gerade zugreifen. Folglich wird ein Nutzer, der sowohl Zugang zu einem Agrarprogramm als auch zu einem ESIF-Programm hat, in der Liste der GAP-Nutzer aufgeführt. Demnach ist die Zahl der aufgezeichneten Sitzungen und Aktionen möglicherweise zu hoch angesetzt, da der Nutzer sich vielleicht nur für ESIF-Projekte angemeldet hat.