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Document 52015DC0481

BERICHT DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DEN RAT über die Fortschritte bei der Einrichtung geschützter Meeresgebiete (gemäß Artikel 21 der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie 2008/56/EG)

COM/2015/0481 final

Brüssel, den 1.10.2015

COM(2015) 481 final

BERICHT DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DEN RAT

über die Fortschritte bei der Einrichtung geschützter Meeresgebiete (gemäß Artikel 21 der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie 2008/56/EG)


BERICHT DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DEN RAT

über die Fortschritte bei der Einrichtung geschützter Meeresgebiete (gemäß Artikel 21 der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie 2008/56/EG)

1.Einleitung

Infolge der Auswirkungen menschlicher Interventionen gehen die Populationen, die Verbreitungsgebiete und die Lebensräume vieler der in den Meeren Europas lebenden Arten zurück 1 .

Die Vereinten Nationen haben in den letzten zwanzig Jahren immer wieder ihre Besorgnis über den Zustand der Meere und der marinen Ökosysteme geäußert 2 . Im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt hat sich die Europäische Union verpflichtet, 10 % ihrer Küsten- und Meeresgebiete zu schützen. Zum Ausdruck kommt diese Bestrebung auch in dem Ziel Nr. 14 der Agenda für eine nachhaltige Entwicklung: Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen 3 .

Im Jahr 2011 hat die Europäische Union eine Biodiversitätsstrategie angenommen, um in ihrem Gebiet bis 2020 den Rückgang der biologischen Vielfalt und die Verschlechterung der Ökosystemleistungen aufzuhalten. Die Habitatrichtlinie 4 schreibt die Ausweisung besonderer Schutzgebiete auch in Bezug auf Lebensräume in Küsten- und Meeresgebieten vor. Darüber hinaus konzentriert sich die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRR) der EU 5 auf den Schutz der biologischen Vielfalt der Meere im Besonderen.

 

Nach der Rahmenrichtlinie sind die Mitgliedstaaten verpflichtet, Maßnahmenprogramme 6 aufzustellen, um bis 2020 in ihren Meeresgewässern 7 einen guten Umweltzustand zu erreichen. Die Maßnahmenprogramme müssen räumliche Schutzmaßnahmen vorsehen, die zur Kohärenz und Repräsentativität der Netzwerke geschützter Meeresgebiete beitragen 8 . Die Ausweisung von Schutzgebieten ist eine alle europäischen Meere betreffende Maßnahme zum Schutz gefährdeter Arten und Lebensräume. Genauer gesagt handelt es sich um

-geografisch abgegrenzte Meeresgebiete,

-deren konkretes Ziel in erster Linie der Naturschutz ist

-und die im Hinblick auf die Verwirklichung dieses Ziels auf gesetzlichem Wege oder auf andere Weise reguliert und bewirtschaftet werden 9 .

Es ist erwiesen, dass ordnungsgemäß bewirtschaftete europäische Meeresschutzgebiete auch die Umwelt positiv beeinflussen. In Meeresreservaten von hohem Naturschutzwert hat die Artendichte 10 um durchschnittlich 116 %, die Biomasse (Fauna und Flora) um durchschnittlich 238 %, die Körpergröße der Tiere um durchschnittlich 13 % und der Artenreichtum um durchschnittlich 19 % zugenommen 11 .

Indem sie die Erhaltung gesunder und nachhaltiger Meere und Ozeane begünstigen, unterstützen effizient bewirtschaftete Meeresschutzgebiete auch deren Dienstleistungsfunktion. Als grünes Fundament der blauen Wirtschaft sind Meeresschutzgebiete von wirtschaftlichem Nutzen für die Gesellschaft, weshalb ihre Rolle über den Naturschutz hinausgeht. So wurde der von Natura-2000-Meeresschutzgebieten generierte Gesamtnutzen im Jahr 2011 beispielsweise auf ungefähr 1,5 Mrd. EUR/Jahr geschätzt. Dieser Wert könnte auf 3,2 Mrd. EUR ansteigen, wenn sich die Fläche der Natura-2000-Meeresschutzgebiete verdoppelt 12 .

Meeresschutzgebiete generieren sozioökonomischen Nutzen auf verschiedene Weise. Durch Steigerung der Biomasse von Arten können sie zur Wiederauffüllung der Fischbestände beitragen 13 . Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die positive Entwicklung von Schutzgebieten auch benachbarte Fischgründe begünstigt. Im Zuge der Schaffung des Meeresreservats der Islas Columbretes in Spanien beispielsweise konnte die Fangausbeute in den umliegenden Fischgründen um etwa 10 %/Jahr gesteigert werden 14 .

Sauberes Wasser, gesunde Lebensräume und Biodiversitätsreichtum sind auch eine der Voraussetzungen für gelungenen Küsten- und Meerestourismus. Meeresschutzgebiete können zu bedeutenden Touristenattraktionen werden und die Küsten- und Meereswirtschaft ankurbeln 15 . Der Tourismus im Einzugsgebiet des Meeresparks und Weltkulturerbes des Great Barrier Reef in Australien generierte 2012 Direktausgaben in Höhe von annähernd 6,4 Mrd. USD, einen Mehrwert von 5,2 Mrd. USD und über 64 000 Arbeitsplätze (Vollzeitäquivalente) 16 .

Und schließlich können Meeresschutzgebiete, weil sie den Gesundheitszustand des Meeresmilieus verbessern, auch andere Dienstleistungen des marinen Ökosystems wie die Abfallbeseitigung durch Zersetzung, den Küsten- und den Hochwasserschutz fördern 17 . Nach Schätzungen wurden im Zuge der Ausweisung eines britischen Netzes von Meeresschutzgebieten Geldwerte von 8,2 Mrd. GBP (Gasaustausch- und Klimaregulierung) und 1,3 Mrd. GBP (Nährstoffkreislauf) generiert 18 .

Der vorliegende Bericht gibt einen Überblick über die Fortschritte bei der Einrichtung gschützter Meeresgebiete in den Mitgliedstaaten Ende 2012 (Artikel 21 der MSRR). Gestützt auf die Arbeiten der Europäischen Umweltagentur (EUA) zur Bewertung des Netzes europäischer Meeresschutzgebiete prüft der Bericht zunächst die Fortschritte, die die Mitgliedstaaten bei der Ausweisung von Meeresschutzgebieten erzielt haben (Abschnitt 2), bevor Kohärenz und Repräsentativität der Netzwerke der Meeresschutzgebiete gemäß Artikel 13 Absatz 4 unter die Lupe genommen werden (Abschnitt 3). Der letzte Abschnitt gibt einen Überblick auf die noch durchzuführenden Arbeiten. Dem Bericht sind zwei technische Anhänge angefügt, die die im Bericht verwendeten Begriffe definieren, die europäische und die internationale Rechtsgrundlage für die Ausweisung von Meeresschutzgebieten erläutern und die Zahlenangaben des Berichts tabellarisch illustrieren.

2.Fortschrittsbewertung

Die EUA wird einen Bericht über die europäischen Meeresschutzgebiete im Jahr 2015 veröffentlichen 19 . Nach den Bewertungsergebnissen der Agentur hat Europa seit dem Inkrafttreten des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD-Übereinkommen) im Jahr 1993 bei der Ausweisung von Meeresschutzgebieten und der Errichtung von Netzen von Meeresschutzgebieten erhebliche Fortschritte erzielt 20 . Ende 2012 waren 5,9 % der europäischen Meere 21 als Meeresschutzgebiete ausgewiesen; bezüglich der geografischen Ausdehnung gibt es jedoch europaweit große regionale Unterschiede. In drei von zehn Meeres-Subregionen betrug die geografische Ausdehnungmehr als 10 %, während sie in zwei regionalen Meeren 2012 noch immer unter 2 % lag 22 (siehe Tabelle 1). Neben den regionalen Unterschieden gibt es auch bei der geographischen Ausdehnung von Meeresschutzgebieten in küstennahen und küstenfernen Gewässern große Unterschiede (Tabelle 2). Es wird darauf hingewiesen, dass sich die geographische Ausdehnung der Meeresschutzgebiete seit 2012 weiter verbessert hat, da einige Mitgliedstaaten in großem Umfang Schutzgebiete ausgewiesen haben.

Der Bericht der Europäischen Umweltagentur unterscheidet zwischen drei Arten von europäischen Meeresschutzgebieten: Natura-2000-Meeresschutzgebiete, im Rahmen regionaler Meeresübereinkommen ausgewiesene Meeresschutzgebiete und einzelne nationale Meeresschutzgebiete. Es wird darauf hingewiesen, dass sich diese drei Arten von Meeresschutzgebieten durchaus überschneiden können (d. h. ein bestimmtes Gebiet oder ein bestimmter Teil eines Gebiets kann im Rahmen mehrerer Regelungen als Schutzgebiet ausgewiesen werden), dass sie möglicherweise nach verschiedenen Verfahren ausgewiesen werden oder dass sie unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen unterliegen.

2.1 Natura-2000-Meeresschutzgebiete

Das Natura-2000-Netz ist ein großer Erfolg, denn unter Ausdehnungsgesichtspunkten leistet es den größten Einzelbeitrag zum Schutz europäischer Meeresgebiete. Es erstreckte sich Ende 2012 über mehr als 228 000 km² und betraf somit über 4 % der europäischen Meere. Die Ausdehnung des Natura-2000-Netzes ist jedoch von Meeresregion zu Meeresregion unterschiedlich. In der erweiterten Nordsee und der Ostsee betrafen marine Natura- 2000-Gebieten nahezu 18 % bzw. 12 % der Gewässer. In anderen Regionen wie dem Ionischen Meer, der Adria und Makaronesien blieb der Natura-2000-Anteil unter 2 % 23 (Tabelle 3).

Gleichermaßen war der Natura-2000-Anteil in Küstengebieten sehr viel größer 24 . Natura-2000-Schutzgebiete betrafen über 33,3 % der küstennahen Gewässer, 11,3 % der Küstengewässer und lediglich 1,7 % der küstenfernen Gewässer 25 . Wesentliche Merkmale des Meeresmilieus in küstenfernen Gewässern waren demnach noch nicht im Rahmen von Natura 2000 geschützt. Auf der Grundlage der FFH-Richtlinie liefert Natura-2000 gleichzeitig einen soliden Rechtsrahmen für den Gebietsschutz und die nachhaltige Steuerung menschlicher Tätigkeiten in den Gebieten, und die Küstenmitgliedstaaten sind verstärkt darum bemüht, die noch bestehenden Lücken zu schließen.

2.2 Vernetzung von Meeresschutzgebieten im Rahmen regionaler Meeresübereinkommen

Es gibt große Überschneidungen zwischen Schutzgebietsnetzen, die im Rahmen regionaler Übereinkommen zum Schutz der Meere (Regional Sea Conventions, RSC) ausgewiesen wurden, und Natura-2000- und nationalen Schutzgebieten. RSC-Übereinkommen sind jedoch eine wichtige Plattform für die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten bei der Entwicklung und Umsetzung einer ökosystemorientierten Strategie zur Ausweisung und Bewirtschaftung von Meeresschutzgebieten. Sie sind somit eine der treibenden Kräfte, die die Ausdehnung des europäischen Netzes von Meeresschutzgebieten positiv beeinflussen 26 .

Die Ostsee war das erste regionale Meer Europas mit einem Anteil an Schutzgebieten von über 10 % . Als die Helsinki-Kommission (HELCOM) das Netz im Jahr 2010 evaluierte, lag der Prozentanteil bereits bei 10,3 %. 2012 nahm das Schutzgebietsnetz in der Ostsee 12,4 % des Bewertungsgebiets ein 27 .

Auch in bestimmten Gebieten des Nordostatlantiks sind nennenswerte Fortschritte zu verzeichnen. Als Beispiel sei das Gebiet der erweiterten Nordsee zu nennen, das mit nahezu 18 % eines der europäischen Gebiete mit dem höchsten Anteil an Meeresschutzgebieten ist. 2012 machten Meeresschutzgebiete im Schnitt 3,2 % des Bewertungsgebiets im Nordostatlantik aus 28 .

2012 entsprach der Anteil der Meeresschutzgebiete im Mittelmeer im Schnitt 9,7 % des Bewertungsgebiets. Die EUA konnte den Anteil von Schutzgebieten im Schwarzen Meer wegen mangelnder Daten nicht beurteilen (Tabelle 4).

2.3 Nationale Meeresschutzgebiete

Auch die Mitgliedstaaten haben Meeresschutzgebiete ausgewiesen, um Merkmale von nationalem Interesse zu schützen. Diese Gebiete können ins Natura-2000-Netz und in RSC-Schutzgebietsnetze aufgenommen oder autonom verwaltet werden. Inwieweit Schutzgebietsnetze, die im Rahmen unterschiedlicher Regelungen ausgewiesen wurden, konvergieren, ist von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat unterschiedlich; der Prozentsatz lag im europäischen Schnitt bei 68,2 % im Falle von nationalen Schutzgebiete und von RSC-Schutzgebieten (d. h. über zwei Drittel der von nationalen Schutzgebieten und RSC-Schutzgebieten in Anspruch genommenen Gesamtfläche wurden im Rahmen dieser beiden Regelungen ausgewiesen) und bei 54,5 % im Falle von nationalen Schutzgebieten und von Natura-2000-Schutzgebieten 29 . Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass Mehrfachausweisungen das Schutzniveau erhöhen.

3.Kohärente und repräsentative Netzwerke geschützter Meeresgebiete

Derzeit gibt es keine EU-weit gültige Methode zur Bewertung der Kohärenz und der Repräsentativität europäischer Netze von Meeresschutzgebieten. Regionale Übereinkommen zum Schutz der Meere haben jedoch bei der Festlegung von Kriterien für die Bewertung der Kohärenz des Netzes von Meeresschutzgebieten eine wichtige Rolle gespielt. OSPAR, HELCOM und das Regionale Aktionszentrum für besondere Schutzgebiete (RAC/SPA) des Barcelona-Übereinkommens haben in Zusammenarbeit mit MedPan Süd (Mittelmeerraum) allesamt die Kohärenz des Netzes der Meeresgeschutzgebiete geprüft.

OSPAR definiert die ökologische Kohärenz vernetzter Meeresschutzgebiete nach sechs Kriterien: Merkmale, Repräsentativität, Replikation, Konnektivität, Resilienz und Angemessenheit/Überlebensfähigkeit 30 . Die erste Bewertung des OSPAR-Netzes von Meeresschutzgebieten wurde 2010 durchgeführt und ergab, dass das Netz aufgrund der räumlichen Verteilung der Schutzgebiete nicht als ökologisch kohärent angesehen werden kann. OSPAR versuchte 2012 erneut, die ökologische Kohärenz seines Schutzgebietsnetzes zu bewerten, konnte aufgrund des Mangels an relevanten Verteilungsdaten für Arten und Lebensräume jedoch nicht zu einer aussagekräftigen Schlussfolgerung gelangen. 2012 ließ sich die räumliche Anordnung der Meeresschutzgebiete nur grob bewerten, weshalb davon ausgegangen werden musste, dass das OSPAR-Netz von Meeresschutzgebieten ökologisch kaum kohärent sein kann. Erste Kohärenzansätze zeigten sich allerdings in bestimmten Teilregionen, z. B. in der erweiterten Nordsee, und bis zu einem gewissen Grad auch in der Keltischen See 31 .

HELCOM stellte vier Kriterien für die Bewertung der ökologischen Kohärenz auf: Angemessenheit, Repräsentativität, Replikation der Merkmale und Konnektivität. Trotz zunehmender Schutzgebietsausweisungen in seinem Gebiet gelangte HELCOM im Jahr 2010 zu dem Schluss, dass bei den Schutzgebietsnetzen in der Ostsee noch keine ökologische Kohärenz besteht 32 .

MedPAN-RAC/SPA bewertete die Kohärenz des Schutzgebietsnetzes im Mittelmeer nach zwei Kriterien: Repräsentativität und Konnektivität im Jahr 2012. Nach dieser Bewertung konnte das Schutzgebietsnetz im Mittelmeer weder als kohärent noch als repräsentativ angesehen werden 33 . Das westliche Mittelmeer galt als die Mittelmeerregion mit der besten Konnektivität.

Als ersten Versuch zur Entwicklung eines gemeinsamen Kriterienkatalogs und einer Methodik zur Bewertung der Kohärenz und der Repräsentativität europäischer Netze von Meeresschutzgebieten haben externe Berater im Jahr 2014 im Auftrag der Europäischen Kommission eine Studie durchgeführt 34 . Diese führte zu dem Schluss, dass das Schutzgebietsnetz in einem Testgebiet der Ostsee nicht kohärent ist. Die Kommission wird weiter daran arbeiten, die Methodik für EU-weite Bewertungen des Netzes der Meeresschutzgebiete auszufeilen.

4.Fazit und Ausblick

Meeresschutzgebiete sind wichtige Raumordnungsinstrumente zugunsten des Naturschutzes. Sie können als Rückzugsgebiete für bedrohte marine und ozeanische Arten fungieren. Indem sie die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme stärken, erbringen effizient funktionierende Netze von Meeresschutzgebieten wertvollen Nutzen für die Gesellschaft. Zu diesen sozioökonomischen Vorteilen gehören auch die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Bereitstellung von Nahrungsmitteln und die Klimaregulierung. Meeresschutzgebiete verdeutlichen somit aufs Beste die Konvergenz zwischen blauer und grüner Wirtschaft.

Seit dem Inkrafttreten des CBD-Übereinkommens im Jahr 1993 hat sich das Netz der europäischen Meeresschutzgebiete beträchtlich vergrößert und betraf 2012 nahezu 6 % der europäischen Meere. Der vorliegende Bericht zeigt die enormen Fortschritte auf, die bei der Ausweisung von Meeresschutzgebieten in Europa erzielt wurden. Seit 2012 wurden sogar noch weitere Schutzgebiete ausgewiesen 35 .Wir dürfen es jedoch dabei nicht bewenden lassen und werden uns weiterhin darum bemühen, dass mindestens 10 % der europäischen Meere durch die kohärente Vernetzung von Schutzgebieten geschützt werden 36 .

Die Ziele der Biodiversitätsstrategie der EU für 2020 werden zunehmend über die politische Rahmenregelung der EU verwirklicht, die eine ausgezeichnete Gelegenheit zur Ausweisung und integrierten Bewirtschaftung von Meeresschutzgebieten bietet. Die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, die FFH- und die Vogelschutzrichtlinie, die Richtlinie über die maritime Raumplanung und die reformierte Gemeinsame Fischereipolitik enthalten allesamt Bestimmungen, die die Ausweitung der europäischen Netze von Meereschutzgebieten in den kommenden Jahren vorantreiben können.

 

Um ihr Potenzial in vollem Umfang ausschöpfen zu können, müssen in Meeresschutzgebieten Bewirtschaftungsmaßnahmen durchgeführt werden 37 , deren wirksame Überwachung und Durchsetzung garantiert werden sollte. Bewirtschaftungsmaßnahmen können Bewirtschaftungspläne für die Schutzgebiete selbst umfassen, ebenso wie räumliche Schutzmaßnahmen in benachbarten Gebieten als ergänzende Maßnahme zur Verstärkung des positiven Effekts der Meeresschutzgebiete. Zur Unterstützung des Konzepts der grünen und blauen Infrastruktur sollten Meeresschutzgebiete integraler Bestandteil maritimer Raumordnungspläne sein 38 , damit die Bereitstellung vielfacher Ökosystemdienstleistungen aus ein und demselben Gebiet sichergestellt und verbessert werden kann. Dieses integrierte Konzept ist auch unerlässlich, wenn gewährleistet werden soll, dass die Meere geschont werden und die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme gestärkt wird.

Die Kommission wird nationale und internationale Bemühungen zur Ausweisung und wirksamen Bewirtschaftung von Meeresschutzgebieten weiterhin unterstützen, ebenso wie die Durchführung anderer Raumordnungsmaßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt der Meere. Ihre Handlungsschwerpunkte liegen insbesondere darauf,

 

die Mitgliedstaaten durch bessere Kommunikation oder Beratung, beispielsweise in Bezug auf Artikel 11 der GFP bei der wirksamen und integrierten Anwendung des geltenden Rechts zu unterstützen;

ein gemeinsames Verständnis von Artikel 13 Absatz 4 der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie herbeizuführen;

die Entwicklung einer europäischen Methodik für die Bewertung der Kohärenz und der Repräsentativität des Netzes von Meeresschutzgebieten weiter voranzutreiben;

die Mitgliedstaaten über die existierenden Finanzierungsmechanismen der EU, insbesondere den Europäischen Meeres- und Fischereifonds und das LIFE-Programm, oder durch laufende Prozesse wie den biogeografischen Prozess im Rahmen von Natura 2000 zu unterstützen, damit vor allem in küstenfernen Gebieten weitere Meeresschutzgebiete ausgewiesen und diese wirksam bewirtschaftet werden 39 ;

inklusive Governance-Strukturen für Meeresschutzgebiete zu fördern, die eine breite Beteiligung von Interessenträgern (wie lokale Behörden, lokale Gemeinschaften, Wirtschaftsteilnehmer usw.) an der Bewirtschaftung von Meeresschutzgebieten ermöglichen;

bei Bedarf weiter an Fördermechanismen auf EU-Ebene zur wirksamen Durchsetzung und Kontrolle der Maßnahmen zur Bewirtschaftung von Meeresschutzgebieten zu arbeiten;

Forschungsarbeiten auf europäischer Ebene zu fördern und die Maßnahmen der Mitgliedstaaten zur Schließung bestehender Informationslücken, die eine wirksame Bewirtschaftung und Bewertung von Meeresschutzgebieten behindern, zu unterstützen 40 ;

durch die Vorbereitung von Studien und die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen wie der OECD die Herausarbeitung der wirtschaftlichen Nutzen von Meeresschutzgebieten 41 zu fördern;

die Präsenz der EU bei Verhandlungen über ein Durchführungsabkommen zum Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS) für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt in Gebieten außerhalb der nationalen Rechtshoheit 42 zu gewährleisten, damit die UNCLOS-Artikel 192 und 194 Absatz 5 in diesen Gebieten besser angewendet werden.

Die Kommission wird den nächsten Bericht über die Fortschritte bei der Ausweisung von Meeresschutzgebieten im Rahmen der Umsetzung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie erstellen, d. h. im Rahmen ihres Berichts über die von den Mitgliedstaaten vorgelegten Maßnahmenprogramme 43 . Der vorliegende Bericht wird als Basisdokument für diese Bewertung dienen. Die Fortschritte bei der Ausweisung von Meeresschutzgebieten in Europa werden auch im Jahr 2019 geprüft, wenn die Kommission den ersten Zyklus der Umsetzung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie bewertet 44 . Mit gezielten Bemühungen auf allen Ebenen sollte es möglich sein, die in EU- und internationalen Rechtsvorschriften und -Strategien verankerten Ziele zu erreichen und die geografische Ausdehnung der Meeresschutzgebiete in Europa bis 2020 auf über 10 % 45 zu bringen.

 

(1)

Europäische Umweltagentur (2015), Umweltzustandsbericht. http://www.eea.europa.eu/soer-2015/europe/marine-and-coastal

(2)

 Siehe z.B. Agenda 21, https://sustainabledevelopment.un.org/content/documents/Agenda21.pdf und Resolution A/RES/66/288 der UN-Generalversammlung - The Future We Want („Die Zukunft, die wir wollen“) vom 27. Juli 2012 http://daccess-dds-ny.un.org/doc/UNDOC/GEN/N11/476/10/PDF/N1147610.pdf?OpenElement  

(3)

Resolution A/69/L.85 der UN-Generalversammlung vom 12. August 2015, http://www.un.org/ga/search/view_doc.asp?symbol=A/69/L.85&Lang=E  

(4)

Richtlinie 92/43/EWG

(5)

Richtlinie 2008/56/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Juni 2008 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Meeresumwelt (Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie), ABl. L 164 vom 25.6.2008.

(6)

MSRR, Artikel 13.

(7)

Meeresgewässer im Sinne von Artikel 3 Absatz 1 der MSRR.

(8)

MSRR, Artikel 13 Absatz 4.

(9)

Für eine genauere Definition siehe Anhang, S. 8.

(10)

Anzahl Pflanzen und Tiere in einem gegebenen Gebiet.

(11)

Fenberg, P. B., et al. (2012) „The science of European marine reserves: Status, efficacy, and future needs“, Marine Policy, 36 (5), S. 1012.

(12)

Europäische Kommission (2013), „The Economic Benefits of the Natura 2000 Network“. http://ec.europa.eu/environment/nature/natura2000/financing/docs/ENV-12-018_LR_Final1.pdf  

(13)

Es hat sich herausgestellt, dass gut bewirtschaftete Meeresschutzgebiete im Vergleich zu befischten Gebieten insgesamt über fünf Mal mehr Großfisch-Biomasse und 14 Mal mehr Hai-Biomasse aufweisen. Edgar, G. J. et al. (2014) 'Global conservation outcomes depend on marine protected areas with five key features', Nature 506, S. 216.

(14)

Sala, E. (2012) „Here is one great way to save fish – and the fishing industry“ in Tackling Science Challenges, Harvard Business Review 85.

(15)

Australische Regierung, Ministerium für Umwelt und Kulturerbe (2003) „The benefits of marine protected areas“. http://www.environment.gov.au/system/files/resources/5eaad4f9-e8e0-45d1-b889-83648c7b2ceb/files/benefits-mpas.pdf  

(16)

Great Barrier Reef Marine Park Authority (2014), „Great Barrier Reef Region strategische Bewertung – strategische Assessment Report“ (http://elibrary.gbrmpa.gov.au/jspui/handle/11017/2861). http://elibrary.gbrmpa.gov.au/jspui/handle/11017/2861  

(17)

Potts at al. (2014) „Do marine protected areas deliver flows of ecosystem services to support human welfare?", Marine Policy 44.

(18)

Hussain et al. (2010) „An ex-ante ecological economic assessment of the benefits arising from marine

protected areas designation in the UK“, Ecological Economics 69(4), S. 828.

(19)

Europäische Umweltagentur (2015), „Marine Protected Areas in Europe's Seas – An overview and reflections on the way forward“.

(20)

Das CBD-Übereinkommen verpflichtet die Vertragsparteien zur Ausweisung von Schutzgebieten. Siehe Anhang, S. 10

(21)

Die Umweltagentur markierte das Bewertungsgebiet durch Abgrenzung einer 200-Seemeilen-Zone ab der Küste oder in äquidistanter Entfernung zu Nicht-EU-Ländern, außer im Falle Griechenlands, wo eine 6-Seemeilen-Abgrenzung galt. Meeresschutzgebiete existieren auch über diese Grenzen hinaus; diese wurden jedoch nicht in die Analyse einbezogen. Gleichermaßen wurden aufgrund des begrenzten geografischen Geltungsbereichs der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie auch Meeresschutzgebiete, die zum Schutz der Biodiversitätsreichtums in den Regionen in äußerster Randlage ausgewiesen wurden, aus der Analyse ausgeschlossen. Für weitere Informationen siehe EUA (2015) „Spatial analysis of Marine Protected Area Networks in Europe's Seas“, S. 1.

(22)

Daten aus der Natura-2000-Datenbank und der gemeinsamen Datenbank für ausgewiesene Gebiete.

(23)

Seit 2012 haben einige Mitgliedstaaten wesentlich mehr Natura-2000-Gebiete ausgewiesen und somit den Anteil der Meeresschutzgebiete in bestimmten Gebieten erhöht.

(24)

Dies ist zum Teil auf die ursprünglich terrestrische Ausrichtung der FFH-Richtlinie und den Mangel an Kenntnissen über Tiefsee-Lebensräume zurückzuführen.

(25)

Küstennahe Gewässern entsprechen der 0-1-Seemeilen-Zone, Küstengewässer der 1-12-Seemeilen-Zone und küstenferne Gewässer der 12 nm-Seemeilen-Zone des Bewertungsgebiets. EUA(2015) „Spatial Analysis of Marine Protected Areas in Europe's Seas“.

(26)

Siehe MSRR, Artikel 5 und 6 über die regionale Zusammenarbeit.

(27)

EUA(2015) „Spatial Analysis of Marine Protected Areas in Europe's Seas“.

(28)

EUA(2015) „Spatial Analysis of Marine Protected Areas in Europe's Seas“.

(29)

EUA (2015) „Marine Protected Areas in Europe's Seas – An overview and reflections on the way forward“.

(30)

OSPAR (2006), „Guidance on developing an ecologically coherent network of OSPAR marine protected areas“, Ref.-Nr: 2006-3.

(31)

Für genauere Einzelheiten zu den Kriterien der ökologischen Kohärenz und den Schlussfolgerungen siehe Johnson D., et al. (2013) „An assessment of the ecological coherence of the OSPAR Network of Marine Protected Areas in 2012“.

(32)

Boedeker D., et al. (2010) „Towards an ecologically coherent network of well-managed Marine Protected Areas – Implementation report on the status and ecological coherence of the HELCOM BSPA network“, Baltic Sea Environment Proceedings, Nr. 124A.

(33)

Gabrié C., et al., (2012) „The Status of the Marine Protected Areas in the Mediterranean Sea“, MedPAN & RAC/SPA. Herausgeber: MedPAN Collection.

(34)

Wolters H. A., et al., (2014), „Proposal for an assessment method of the ecological coherence of networks of marine protected areas in Europe“. https://circabc.europa.eu/sd/a/b993ca97-579c-4aee-8e0e-22794682ac16/MPA%20coherence%20report-final.pdf  

(35)

 Beispiel: Ende 2014 hatte sich die Fläche der im Rahmen der FFH- und der Vogelschutzrichtlinie ausgewiesenen Natura-2000-Gebiete auf nahezu 320 000 km² vergrößert, gemessen an ungefähr 228 000 km² im Jahr 2012 – siehe http://ec.europa.eu/environment/nature/info/pubs/docs/nat2000newsl/nat37_de.pdf.  

(36)

Siehe Aichi-Ziel 11, Nummer 2 des Anhangs zu diesem Bericht.

(37)

Oceana (2014), 'Management matters: Ridding the Baltic Sea of paper parks'. http://eu.oceana.org/sites/default/files/oceana_ridding_the_baltic_sea_of_paper_parks.pdf  

(38)

 Mehr dazu unter http://ec.europa.eu/environment/nature/ecosystems/index_en.htm  

(39)

 Die Kommission hat diverse Forschungsprojekte in diesem Bereich finanziert (siehe beispielsweise Mesma, http://www.mesma.org/ ).

(40)

Siehe z. B. das Positionspapier Nr. 18 des European Marine Board „Achieving Ecologically Coherent

MPA Networks in Europe: Science Needs and Priorities“, April 2013.

http://www.esf.org/fileadmin/Public_documents/Publications/EMB_PP18_Marine_Protected_Areas.pdf  

(41)

Durch eine gezielte Studie.

(42)

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat unlängst beschlossen, im Jahr 2016 zwischenstaatliche Verhandlungen über ein Durchführungsabkommen zu UNCLOS zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt in Gebieten außerhalb der nationalen Rechtshoheit aufzunehmen (Resolution A/69/L.65 vom 19. Juni 2015).

(43)

Die Mitgliedstaaten müssen der Kommission ihre Maßnahmenprogramme bis 31. März 2016 vorlegen.

(44)

MSRR, Artikel 20.

(45)

Siehe Aichi-Ziel 11, Nummer 2 des Anhangs zu diesem Bericht.

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Brüssel, den 1.10.2015

COM(2015) 481 final

ANHÄNGE

des

Bericht der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat

über die Fortschritte bei der Einrichtung geschützter Meeresgebiete (gemäß Artikel 21 der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie 2008/56/EG)


Anhang I

1. Terminologie

Die Begriffe „Meeresschutzgebiet“ und „räumliche Schutzmaßnahme“ sind in der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie nicht definiert. In diesem Abschnitt werden Begriffe definiert, die bei der Abfassung des Berichts verwendet wurden und im Kontext der Umsetzung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie und anderer Rechtsvorschriften Anwendung finden.

1.1 Meeresschutzgebiete (Marine Protected Areas, MPA)

Nach internationalem Recht, d. h. gemäß Artikel 8 des CBD-Übereinkommens, sind die Vertragsparteien grundsätzlich zur Ausweisung von Schutzgebieten verpflichtet 1 . Die Definition des Begriffs „Schutzgebiet“ 2  in Artikel 2 des Übereinkommens bildet die Grundlage für die Definition der Begriffe „Schutzgebiete“ und „Meeresschutzgebiete“, wie sie von anderen internationalen Organisationen wie der Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature, IUCN) 3 oder in Regionalen Meeresübereinkommen (Regional Sea Conventions, RSC) 4 verwendet werden.

In der Europäischen Union werden Schutzgebiete im Rahmen der Naturschutzrichtlinien ausgewiesen (siehe besondere Schutzgebiete (Special Areas of Conservation) im Kontext der FFH-Richtlinie und besondere Schutzgebiete (Special Protected Areas) im Kontext der Vogelschutzrichtlinie). Die Definition dieser Gebiete 5 entspricht der CBD-Definition des Schutzgebietbegriffs, wonach ein Schutzgebiet ein geografisch festgelegtes Gebiet ist, das im Hinblick auf die Verwirklichung eines bestimmten Erhaltungsziels verwaltet wird.

 

Auf der Grundlage der Gemeinsamkeiten dieser Definitionen wird vorgeschlagen, Meeresschutzgebiete im Kontext der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRR) und aller damit zusammenhängenden Strategien der EU 6 nach folgenden Kriterien zu definieren:

-Meeresschutzgebiete sind geografisch abgegrenzte Meeresgebiete,

-deren konkretes Ziel in erster Linie der Naturschutz ist

-und die im Hinblick auf die Verwirklichung dieses Ziels mit gesetzlichen Mitteln oder auf andere Weise reguliert und bewirtschaftet werden.

1.2 Räumliche Schutzmaßnahmen

Gemäß Ziel 11 des Strategieplans für die biologische Vielfalt 2011-2020 7 sollen„(...) 10 % der Meeres- und Küstengebiete, darunter Gebiete von besonderer Bedeutung für biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen, durch wirksam und gerecht verwaltete, ökologisch repräsentative und gut vernetzte Systeme von Schutzgebieten und andere wirksame gebietsbezogene Erhaltungsmaßnahmen erhalten (...)“ werden. Es gibt jedoch keine international anerkannte Definition des Begriffs „andere wirksame gebietsbezogene Erhaltungsmaßnahmen“.

Die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie sieht ebenso wie die Vogelschutz- und die FFH-Richtlinie Erhaltungsmaßnahmen außerhalb von Schutzgebieten vor, um einen angemessenen Arten- und Lebensraumschutz zu gewährleisten und die mit Schutzgebieten verbundenen Vorteile zu maximieren. Die Rahmenrichtlinie sieht ausdrücklich räumliche Schutzmaßnahmen vor 8 . Nach der FFH-Richtlinie müssen strenge Schutzregeln für die in Anhang IV der Richtlinie genannten Arten und Unterarten sowie Schutzmaßnahmen für die Arten und Unterarten gemäß Anhang V festgelegt werden 9 . Einige dieser Maßnahmen sind gebietsbezogen (z. B. zeitlich oder örtlich begrenztes Verbot der Entnahme von Exemplaren aus der Natur und der Nutzung bestimmter Populationen, Einführung eines Systems von Genehmigungen für die Entnahme oder von Quoten 10 usw.). Die Vogelschutzrichtlinie sieht eine ähnliche Struktur vor 11 .

Aus diesem Grunde werden räumliche Schutzmaßnahmen nach der Logik der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie und der Naturschutzrichtlinien definiert (wonach räumliche Schutzmaßnahmen eine breitere Kategorie als Meeresschutzgebiete sind) und spielen beim Naturschutz eine unterstützende Rolle. Der Begriff „räumliche Schutzmaßnahmen“ wird folglich verwendet für 12 :

-gebietsbezogene Erhaltungsmaßnahmen,

-die die Kriterien für Meeresschutzgebiete nicht erfüllen, entweder weil der Schutz nicht ihr hauptsächliches Ziel ist oder weil ihr Ziel auf eine bestimmte Tätigkeit oder einen bestimmten Sektor ausgerichtet ist, um einen Teil des Ökosystems zu schützen.

In diesem Sinne fallen bestimmte Fischereimanagementmaßnahmen, die Erhaltungsaspekte beinhalten, unter die Definition räumlicher Schutzmaßnahmen. Solche Fischereimanagementmaßnahmen können auch spezielle Fangerlaubnisse und oder Verbote bestimmter Fanggeräte 13 in bestimmten Gebieten umfassen, um beispielsweise anfällige Meeresökosysteme oder Seegraswiesen zu schützen, oder bestimmte Erhaltungsmaßnahmen im Sinne von Artikel 7 der Gemeinsamen Fischereipolitik 14 .

Bestimmte Maßnahmen, die im Rahmen der Richtlinie über die maritime Raumplanung zu treffen sind, können ebenfalls als räumliche Schutzmaßnahmen angesehen werden, da eines der Ziele der maritimen Raumordnungspläne im Schutz und der Verbesserung der Umwelt besteht.

2. Einschlägige EU- und internationale Rechtsvorschriften

Die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie 15 soll die Einbeziehung von Umweltbelangen in die verschiedenen Politiken, Vereinbarungen und Rechtsetzungsmaßnahmen gewährleisten, die sich auf die Meeresumwelt auswirken 16 . In diesem Abschnitt werden die EU- und die internationalen Vorschriften aufgelistet, die die Ausweisung von Meeresschutzgebieten im Rahmen der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie beeinflussen.

EU-Recht

1.FFH-Richtlinie 17 und Vogelschutz-Richtlinie 18 : Beide Richtlinien sehen die Ausweisung von Schutzgebieten vor, die ein kohärentes europäisches Umweltnetz (Natura 2000) bilden 19 und strenge Schutz- und Bewirtschaftungsauflagen erfüllen müssen, um für die am stärksten gefährdeten Lebensräume und Arten in der EU einen günstigen Erhaltungszustand zu erreichen.

 

2.Gemeinsame Fischereipolitik: Die kürzlich überarbeitete Grundverordnung sieht den Erlass von Bestandserhaltungsmaßnahmen vor, die mit den Zielen der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, der FFH- und der Vogelschutzrichtlinie in Einklang stehen 20 . Sie ermöglicht auch die Ausweisung biologisch empfindlicher Schutzgebiete 21 . Zudem können im Rahmen der Verordnung Fangschutzzonen errichtet werden, die mit Bewirtschaftungsmaßnahmen für eine nachhaltige Nutzung der Fischereiressourcen im Mittelmeer einhergehen 22 .

3.Wasserrahmenrichtlinie 23 : Sie gilt für die Übergangsbinnengewässer, ihre Bestimmungen sind aber auch für Meeresschutzgebiete in küstennahen Gewässern von größter Bedeutung, die reich an Laich- und Brutgründen und daher auch unter Naturschutzgesichtspunkten wichtig sind.

4.Richtlinie über die maritime Raumplanung 24 : Meeresschutzgebiete werden Bestandteil der im Rahmen der Richtlinie aufgestellten maritimen Raumordnungspläne sein.

Internationale Dimension

1.Seerechtskonvention der Vereinten Nationen. Der Konvention zufolge müssen die Vertragsparteien Maßnahmen zum Schutz der Meeresumwelt im Allgemeinen und zur Bewahrung seltener oder empfindlicher Ökosysteme sowie des Lebensraums gefährdeter, bedrohter oder vom Aussterben bedrohter Arten und anderer Formen der Tier- und Pflanzenwelt des Meeres im Besonderen ergreifen 25 .

2.Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD): Das Übereinkommen hat zum Ziel, den Verlust an biologischer Vielfalt aufzuhalten und auf diese Weise die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt der Meere sicherzustellen. Mit dem Aichi-Biodiversitätsziel 11 26 wird bezweckt, 10 % der Küsten- und Meeresgebiete durch „wirksam und gerecht verwaltete, ökologisch repräsentative und gut vernetzte Systeme von Schutzgebieten und andere wirksame gebietsbezogene Erhaltungsmaßnahmen“ zu erhalten. Durch seine Einbeziehung in die Rio+ 20-Abschlusserklärung „Die Zukunft, die wir wollen“ 27 und in das vorgeschlagene Ziel für Ozeane 28 in der Entwicklungsagenda für die Zeit nach 2015, die auf der Ebene der Vereinten Nationen zurzeit verhandelt wird, ist dieses Ziel mittlerweile zu einer Verpflichtung für die gesamte Staatengemeinschaft geworden. Auch im CBD-Übereinkommen wird auf den wertvollen Beitrag ökologisch oder biologisch bedeutsamer Meeresgebiete (EBSA) zum gesunden Funktionieren der Ozeane hingewiesen, auch in Anerkennung ihres potenziellen Bedarfs an Schutz in welcher Form auch immer. Etwa 200 EBSA weltweit wurden in regionalen Workshops beschrieben, und ihre Einbeziehung in den CBD-EBSA-Datenspeicher („Repository“) wurde von der Konferenz der Vertragsparteien des CBD-Übereinkommens genehmigt. Es ist Sache der Staaten und der zuständigen zwischenstaatlichen Regierungsorganisationen, über Bewirtschaftungs- und Schutzmaßnahmen für diese Gebiete oder Teile davon zu entscheiden, wobei diese Maßnahmen auch die Ausweisung als Meeresschutzgebiete beinhalten können.

3.    Regionale Übereinkommen zum Schutz der Meere (RSC): Ihr Ziel besteht darin, den Schutz der Meeresumwelt auf regionaler Lenkungsebene zu verbessern. Vier regionale Übereinkommen betreffen Meeresgewässer, die in den Geltungsbereich der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRR) fallen: OSPAR für den Nordostatlantik, HELCOM für die Ostsee, das Barcelona-Übereinkommen für das Mittelmeer und die Bukarester Konvention für das Schwarze Meer. Im Rahmen aller vier Übereinkommen wurden konkret Meeresschutzgebiete ausgewiesen und die Kohärenz des Netzes von Meeresschutzgebieten wurde bewertet 29 .



Anhang II

Tabellen

Tabelle 1 – Ausdehnung von Meeresschutzgebieten in europäischen Meeren (2012) 30

 

Tabelle 2 – Ausdehnung (in %) von Schutzgebieten in europäischen Meeren innerhalb der 0-1-Seemeilenzone, innerhalb der 1-12-Seemeilenzone und seewärts der 12-Seemeilengrenze bis Ende des Bewertungsgebiets (2012) 31

Tabelle 3 – Ausdehnung des Natura-2000-Netzes (N2K) in Europas regionalen Meeren (2012) 32

Regionales Übereinkommen zum Schutz der Meeres (RSC)

Regionales Meer

RSC-Netzfläche im MPA-Bewertungs-gebiet, in km2

RSC-Netzfläche im MPA-Bewertungs-gebiet, in %

RSC-Netzüber-schneidungen mit N2K im MPA-Bewertungs-gebiet, in %

HELCOM

Ostsee

45826

12,4

94,3

OSPAR

Nordostatlantik

132204

3,2

93,9

BARCELONA

Mittelmeer

88602

7,3

9,9

Tabelle 4: Gesamtfläche, Ausdehnung (in %) von RSC-Schutzgebieten im Bewertungsgebiet und Überschneidung mit dem Natura-2000-Netz (N2K) der EU (2012) 33 .

(1)

Diese Verpflichtung gilt für Gebiete, die unter staatlicher Hoheit und Gerichtsbarkeit stehen.

(2)

„Schutzgebiet: ein geografisch festgelegtes Gebiet, das im Hinblick auf
die Verwirklichung bestimmter Erhaltungsziele ausgewiesen ist oder geregelt und verwaltet wird“. Übereinkommen über die biologische Vielfalt (1992), Artikel 2.

(3)

Siehe Definition in den IUCN-Leitlinien von 2008 - „Guidelines for Applying Protected Area Management Categories“, S. 8.

(4)

Für Definitionen siehe OSPAR (2003) - „Recommendation on a Network of Marine Protected Areas 2003/3“, Artikel 1.

HELCOM (2013), „Overview of the status of the network of Baltic Sea marine protected areas“, S. 7.

Artikel 4, 6 und 7 des Protokolls zum Übereinkommen von Barcelona über die besonderen Schutzgebiete und die biologische Vielfalt des Mittelmeers (1999).

(5)

Artikel 1 Absatz l der FFH-Richtlinie und Artikel 4 der Vogelschutzrichtlinie.

(6)

Siehe Nummer 2 des Anhangs.

(7)

Übereinkommen über die biologische Vielfalt (2010), COP 10, Anhang zum Beschluss X/2.

(8)

Siehe MSRR, Artikel 13 Absatz 4.

(9)

Siehe FFH- Richtlinie, Artikel 12 bis 16.

(10)

FFH-Richtlinie, Artikel 14.

(11)

Siehe Vogelschutzrichtlinie, Artikel 5.

(12)

Siehe Dokument „Maßnahmenprogramme im Rahmen der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie – Empfehlungen für die Durchführung und Berichterstattung“, 25. November 2014 (https://circabc.europa.eu/w/browse/0ee797dd-d92c-4d7c-a9f9-5dffb36d2065). https://circabc.europa.eu/w/browse/0ee797dd-d92c-4d7c-a9f9-5dffb36d2065  

(13)

Siehe beispielsweise Verordnung (EG) Nr. 734/2008 des Rates vom 15. Juli 2008 zum Schutz empfindlicher Tiefseeökosysteme vor den schädlichen Auswirkungen von Grundfanggeräten.

(14)

Siehe Artikel 7 Absatz 1 Buchstaben a, b, h, i sowie Absatz 2 Buchstaben c, d und e der Verordnung (EU) Nr. 1380/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2013 über die Gemeinsame Fischereipolitik.

(15)

MSRR, Artikel 1.

(16)

 Zu den allgemeinen Wechselwirkungen zwischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, EU-Politiken und internationalen Vereinbarungen siehe Bericht der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament über den Beitrag der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (2008/56/EG) zur Erfüllung der bestehenden Pflichten und Verpflichtungen und zur Umsetzung der Initiativen der Mitgliedstaaten oder der EU auf EU- oder internationaler Ebene in Sachen Umweltschutz in den Meeresgewässern, COM (2012) 662, 16. November 2012.

(17)

Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen, ABl. L 206 vom 22.7.1992.

(18)

Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten, ABl. L 103 vom 25.4.1979.

(19)

FFH-Richtlinie, Artikel 3.

(20)

Verordnung (EU) Nr. 1380/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Gemeinsame Fischereipolitik, Artikel 11.

(21)

Verordnung (EU) Nr. 1380/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Gemeinsame Fischereipolitik, Artikel 8 (Bestandsauffüllungsgebiete).

(22)

Verordnung (EG) Nr. 1967/2006 des Rates vom 21. Dezember 2006.

(23)

Richtlinie 2000/60/EG zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik.

(24)

Richtlinie 2014/89/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Juli 2014 zur Schaffung eines Rahmens für die maritime Raumplanung. Gemäß Artikel 8 der Richtlinie über die maritime Raumplanung müssen die Mitgliedstaaten Natur- und Artenschutzgebiete und sonstige Gebiete betreffende Aktivitäten in ihren maritimen Raumordnungsplänen berücksichtigen.

(25)

UNCLOS, Artikel 192 und Artikel 194 Absatz 5.

(26)

Teil des Strategieplans für die biologische Vielfalt 2011-2020, von den Vertragsparteien des Übereinkommens über die biologische Vielfalt im Jahr 2010 angenommen (Dok. UNEP/CBD/COP/DEC/X/2).

(27)

Resolution 66/288 der Generalversammlung der Vereinten Nationen vom 27. Juli 2012 mit dem Titel „Die Zukunft, die wir wollen“ (Randnr. 177).

(28)

Siehe Ziel 14 im Bericht der Generalversammlung der Vereinten Nationen A/68/970 vom 12. August 2014 – Bericht der Offenen Arbeitsgruppe der UN-Generalversammlung zum Thema Ziele für eine nachhaltige Entwicklung.

(29)

Siehe Abschnitte 2.2 und 3 des vorliegenden Berichts.

(30)

EUA (2015) „Spatial Analysis of Marine Protected Areas in Europe's Seas“.

(31)

Übernommen aus Tabelle 3.8 in EUA-Dokument (2015) „Spatial Analysis of Marine Protected Areas in Europe's Seas“, angepasst.

(32)

Europäische Umweltagentur (2015) „Marine Protected Areas in Europe's Seas – An overview and reflections on the way forward“.

(33)

Übernommen aus Tabelle 3.4 in EUA-Dokument (2015) „Spatial Analysis of Marine Protected Areas in Europe's Seas“, angepasst.

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