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Document 62010CJ0297

Leitsätze des Urteils

Urteil des Gerichtshofes (Zweite Kammer) vom 8. September 2011.
Sabine Hennigs (C-297/10) gegen Eisenbahn-Bundesamt und Land Berlin (C-298/10) gegen Alexander Mai.
Ersuchen um Vorabentscheidung: Bundesarbeitsgericht – Deutschland.
Richtlinie 2000/78/EG - Art. 2 Abs. 2 und Art. 6 Abs. 1 - Charta der Grundrechte der Europäischen Union - Art. 21 und 28 - Tarifvertrag über die Vergütung der Angestellten im öffentlichen Dienst eines Mitgliedstaats - Nach Maßgabe des Alters festgesetzte Vergütung - Tarifvertrag, der die Festsetzung der Vergütung nach Maßgabe des Alters abschafft - Wahrung des Besitzstands.
Verbundene Rechtssachen C-297/10 und C-298/10.

Schlüsselwörter
Leitsätze

Schlüsselwörter

1. Sozialpolitik – Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf – Richtlinie 2000/78 – Verbot der Diskriminierung wegen des Alters – Recht auf Kollektivverhandlungen – In der Charta der Grundrechte der Europäischen Union verankerte Rechte

(Charta der Grundrechte der Europäischen Union, Art. 21 und 28; Richtlinie 2000/78, des Rates, Art. 2 und 6 Abs. 1)

2. Sozialpolitik – Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf – Richtlinie 2000/78 – Verbot der Diskriminierung wegen des Alters – Recht auf Kollektivverhandlungen – In der Charta der Grundrechte der Europäischen Union verankerte Rechte

(Charta der Grundrechte der Europäischen Union, Art. 21 und 28; Richtlinie 2000/78 des Rates, Art. 2 und 6 Abs. 1)

Leitsätze

1. Das Verbot der Diskriminierung wegen des Alters, das in Art. 21 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union verankert und durch die Richtlinie 2000/78 zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf konkretisiert worden ist, und insbesondere die Art. 2 und 6 Abs. 1 dieser Richtlinie sind dahin auszulegen, dass sie einer in einem Tarifvertrag vorgesehenen Maßnahme entgegenstehen, wonach sich innerhalb der jeweiligen Vergütungsgruppe die Grundvergütung eines Angestellten im öffentlichen Dienst bei dessen Einstellung nach dessen Alter bemisst. Insoweit beeinträchtigt die Tatsache, dass das Unionsrecht der betreffenden Maßnahme entgegensteht und dass diese in einem Tarifvertrag enthalten ist, nicht das in Art. 28 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union anerkannte Recht, Tarifverträge auszuhandeln und zu schließen.

Der Rückgriff auf das Kriterium des Dienstalters ist zwar in aller Regel zur Erreichung des legitimen Ziels der Berücksichtigung der Berufserfahrung, die der Angestellte vor seiner Einstellung erworben hat, angemessen; dass die Stufe der Grundvergütung eines Angestellten im öffentlichen Dienst bei der Einstellung anhand des Lebensalters festgesetzt wird, geht aber über das hinaus, was hierfür erforderlich und angemessen ist. Insoweit erschiene ein Kriterium, das ebenfalls auf dem Dienstalter oder der Berufserfahrung beruht, ohne auf das Lebensalter abzustellen, im Hinblick auf die Richtlinie 2000/78 für die Verwirklichung des vorgenannten legitimen Ziels geeigneter. Dass bei einer großen Zahl in jungen Jahren eingestellter Angestellter die Lebensaltersstufe der erworbenen Berufserfahrung entsprechen und das aus dem Lebensalter abgeleitete Kriterium sich in den meisten Fällen mit ihrem Dienstalter decken wird, ändert daran nichts.

(vgl. Randnrn. 74, 77-78, Tenor 1)

2. Die Art. 2 und 6 Abs. 1 der Richtlinie 2000/78 zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf sowie Art. 28 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union sind dahin auszulegen, dass sie einer in einem Tarifvertrag vorgesehenen Maßnahme nicht entgegenstehen, mit der ein Vergütungssystem, das zu einer Diskriminierung wegen des Alters führt, durch ein auf objektive Kriterien gestütztes Vergütungssystem ersetzt wird und zugleich für einen befristeten Übergangszeitraum einige der diskriminierenden Auswirkungen des erstgenannten Systems bestehen bleiben, um für die bereits in einem Beschäftigungsverhältnis stehenden Angestellten den Übergang zum neuen System ohne Einkommensverluste zu gewährleisten.

Es ist nämlich davon auszugehen, dass mit einer Übergangsregelung zur Besitzstandswahrung ein legitimes Ziel im Sinne von Art. 6 Abs. 1 der Richtlinie 2000/78 verfolgt wird. Unter Berücksichtigung des den Sozialpartnern zuerkannten weiten Gestaltungsspielraums im Bereich der Festlegung der Vergütungen ist es ferner nicht sachwidrig, wenn die Sozialpartner angemessene und erforderliche Übergangsregelungen treffen, um zu verhindern, dass die betroffenen Angestellten einen Einkommensverlust erleiden.

(vgl. Randnrn. 91-92, 98-99, Tenor 2)

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