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Document 32015L2366

Überarbeitete Vorschriften für Zahlungsdienste in der EU

Überarbeitete Vorschriften für Zahlungsdienste in der EU

 

ZUSAMMENFASSUNG DES DOKUMENTS:

Richtlinie (EU) 2015/2366 über EU-weite Zahlungsdienste

WAS IST DER ZWECK DIESER RICHTLINIE?

  • Die Richtlinie (EU) 2015/2366 (zweite Zahlungsdiensterichtlinie – PSD2) bildet die rechtliche Grundlage zur Weiterentwicklung in Richtung eines besser integrierten Binnenmarkts für elektronische Zahlungen in der EU.
  • Sie sieht umfassende Vorschriften über Zahlungsdienste* vor, um den internationalen Zahlungsverkehr (innerhalb der EU) so einfach, effizient und sicher zu machen wie Zahlungen innerhalb eines Landes.
  • Sie bezweckt die Öffnung der Zahlungsmärkte für neue Marktteilnehmer, um mehr Wettbewerb, mehr Auswahl und bessere Preise für Verbraucher zu ermöglichen.
  • Ferner schafft sie die nötige rechtliche Grundlage für den einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (Single Euro Payments Area – SEPA).
  • Mit der Richtlinie wurde die Richtlinie 2007/64/EG (PSD) mit Wirkung vom 13. Januar 2018 aufgehoben.

WICHTIGE ECKPUNKTE

  • Die Richtlinie soll die bestehenden EU-Vorschriften für elektronische Zahlungen verbessern. Dabei berücksichtigt sie neu entstehende und innovative Zahlungsdienste wie Internet- und mobile Zahlungen.
  • Die Richtlinie setzt Vorschriften folgender Art fest:
    • strenge Sicherheitsanforderungen für elektronische Zahlungen und den Schutz der Finanzdaten der Verbraucher, um ein sicheres Authentifizierungsverfahren zu gewährleisten und das Betrugsrisiko zu verringern;
    • Transparenz der Bedingungen und Informationspflichten für Zahlungsdienste;
    • die Rechte und Pflichten der Nutzer und Anbieter von Zahlungsdiensten.
  • Die Richtlinie wird durch die Verordnung (EU) 2015/751 ergänzt, die eine Obergrenze für die von Banken erhobenen Interbankenentgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge festsetzt. Damit sollen die Kosten gesenkt werden, die den Händlern durch die Annahme von Verbraucherdebit- und -kreditkarten entstehen.

Ein besser integrierter Zahlungsmarkt in der EU

Die Richtlinie setzt klare und umfassende Regeln fest, die auf bestehende und neue Anbieter innovativer Zahlungsdienste Anwendung finden. Diese Regeln sollen gewährleisten, dass diese Marktteilnehmer zu gleichen Bedingungen in Wettbewerb treten können. Dadurch soll mehr Effizienz, Auswahl und Transparenz bei Zahlungsdiensten möglich und zugleich das Verbrauchervertrauen in den harmonisierten Zahlungsmarkt gestärkt werden.

Öffnung des EU-Marktes für neue Dienste und Dienstanbieter

Die Richtlinie bezweckt außerdem die Öffnung des EU-Zahlungsverkehrsmarkts für Anbieter von verbraucher- oder unternehmensorientierten Zahlungsdiensten, die auf dem Zugriff zu Informationen über das Zahlungskonto basieren, insbesondere:

  • Kontoinformationsdienste, die dem Zahlungsdienstnutzer jederzeit einen Überblick über seine finanzielle Situation und somit eine bessere Verwaltung der persönlichen Finanzen ermöglichen;
  • Zahlungsauslösedienste, d. h. Dienste, die auf Antrag des Zahlungsdienstnutzers einen Zahlungsauftrag in Bezug auf ein bei einem anderen Zahlungsdienstleister geführtes Zahlungskonto auslösen.

Verbraucherrechte

  • Die Verbraucherrechte werden gestärkt. Dies umfasst:
    • Haftungseinschränkung bei nicht autorisierten Zahlungen zwischen 50 € und 150 €;
    • bedingungslosen Anspruch auf Erstattung für Lastschriften in Euro für einen Zeitraum von acht Wochen;
    • Abschaffung der Aufschläge für die Nutzung einer Verbraucherkredit- oder -debitkarte.
  • Die Europäische Kommission musste bis Anfang 2018 ein „benutzerfreundliches“ elektronisches Merkblatt erstellen, in dem die Rechte der Verbraucher nach dieser Richtlinie und dem einschlägigen EU-Recht aufgeführt sind.

Zulassung von Zahlungsinstituten

Die Richtlinie führt nicht zu einer wesentlichen Änderung der Bedingungen für die Erteilung der Zulassung als Zahlungsinstitut. Zahlungsinstitute, die Zahlungsauslösedienste oder Kontoinformationsdienste bereitstellen, müssen als Voraussetzung für ihre Zulassung bzw. Eintragung jedoch über eine Berufshaftpflichtversicherung verfügen. Die Richtlinie umfasst ferner Vorschriften über die Beaufsichtigung zugelassener Zahlungsinstitute sowie Maßnahmen bei Nichteinhaltung.

Die Rolle der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA)

Die Rolle der EBA wird auf folgende Aufgaben ausgeweitet:

  • Entwicklung eines öffentlich zugänglichen zentralen Registers zugelassener Zahlungsinstitute, das von den entsprechenden Behörden der EU-Länder auf dem neuesten Stand gehalten werden muss;
  • unterstützende Tätigkeit bei der Beilegung von Streitigkeiten zwischen den nationalen Behörden;
  • Ausarbeitung technischer Regulierungsstandards für eine starke Kundenauthentifizierung und sichere Kommunikationskanäle, die von allen Zahlungsdienstleistern eingehalten werden müssen;
  • Ausarbeitung technischer Regulierungsstandards für die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zwischen den Aufsichtsbehörden.

Die Kommission hat die folgenden Durchführungsrechtsakte und delegierten Rechtsakte erlassen:

  • Verordnung (EU) 2017/2055 über technische Regulierungsstandards für die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zwischen zuständigen Behörden im Zusammenhang mit der Ausübung des Niederlassungsrechts oder des Rechts auf freien Dienstleistungsverkehr durch Zahlungsinstitute;
  • Verordnung (EU) 2018/389 über technische Regulierungsstandards für eine starke Kundenauthentifizierung und für sichere offene Standards für die Kommunikation;
  • Verordnung (EU) 2019/410 zur Festlegung technischer Durchführungsstandards im Hinblick auf die Einzelheiten und die Struktur der Angaben, die der EBA von den zuständigen Behörden im Bereich Zahlungsdienste zu übermitteln sind;
  • Verordnung (EU) 2019/411 über technische Regulierungsstandards zur Festlegung der technischen Anforderungen für die Entwicklung, den Betrieb und die Führung des elektronischen zentralen Registers im Bereich der Zahlungsdienste und für den Zugang zu den darin enthaltenen Angaben.

WANN TRITT DIE VERORDNUNG IN KRAFT?

Sie ist am 12. Januar 2016 in Kraft getreten. Die EU-Länder mussten sie bis zum 13. Januar 2018 in nationales Recht umsetzen.

HINTERGRUND

Weiterführende Informationen:

SCHLÜSSELBEGRIFFE

Zahlungsdienste: Dienste, mit denen Bareinzahlungen auf ein und Barabhebungen von einem Zahlungskonto ermöglicht werden, sowie alle für die Führung des Kontos erforderlichen Vorgänge. Dazu können der Transfer von Geldbeträgen, Lastschriften, Überweisungen und Kartenzahlungen gehören. Papiergestützte Transaktionen fallen nicht in den Anwendungsbereich der Richtlinie.

HAUPTDOKUMENT

Richtlinie (EU) 2015/2366 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. November 2015 über Zahlungsdienste im Binnenmarkt, zur Änderung der Richtlinien 2002/65/EG, 2009/110/EG und 2013/36/EU und der Verordnung (EU) Nr. 1093/2010 sowie zur Aufhebung der Richtlinie 2007/64/EG (ABl. L 337 vom 23.12.2015, S. 35-127)

Nachfolgende Änderungen der Richtlinie (EU) 2015/2366 wurden in den Originaltext eingefügt. Diese konsolidierte Fassung hat ausschließlich dokumentarischen Charakter.

VERBUNDENE DOKUMENTE

Durchführungsverordnung (EU) 2019/410 der Kommission vom 29. November 2018 zur Festlegung technischer Durchführungsstandards im Hinblick auf die Einzelheiten und die Struktur der Angaben, die der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde nach der Richtlinie (EU) 2015/2366 des Europäischen Parlaments und des Rates von den zuständigen Behörden im Bereich Zahlungsdienste zu übermitteln sind (ABl. L 73 vom 15.3.2019, S. 20-83)

Delegierte Verordnung (EU) 2019/411 der Kommission vom 29. November 2018 zur Ergänzung der Richtlinie (EU) 2015/2366 des Europäischen Parlaments und des Rates durch technische Regulierungsstandards zur Festlegung der technischen Anforderungen für die Entwicklung, den Betrieb und die Führung des elektronischen zentralen Registers im Bereich der Zahlungsdienste und für den Zugang zu den darin enthaltenen Angaben (ABl. L 73 vom 15.3.2019, S. 84-92)

Delegierte Verordnung (EU) 2018/389 der Kommission vom 27. November 2017 zur Ergänzung der Richtlinie (EU) 2015/2366 des Europäischen Parlaments und des Rates durch technische Regulierungsstandards für eine starke Kundenauthentifizierung und für sichere offene Standards für die Kommunikation (ABl. L 69 vom 13.3.2018, S. 23-43)

Delegierte Verordnung (EU) 2017/2055 der Kommission vom 23. Juni 2017 zur Ergänzung der Richtlinie (EU) 2015/2366 des Europäischen Parlaments und des Rates durch technische Regulierungsstandards für die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zwischen zuständigen Behörden im Zusammenhang mit der Ausübung des Niederlassungsrechts oder des Rechts auf freien Dienstleistungsverkehr durch Zahlungsinstitute (ABl. L 294 vom 11.11.2017, S. 1-25)

Verordnung (EU) 2015/751 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2015 über Interbankenentgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge (ABl. L 123 vom 19.5.2015, S. 1-15)

Letzte Aktualisierung: 26.07.2019

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