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Document 32003R1725

Verordnung (EG) Nr. 1725/2003 der Kommission vom 29. September 2003 betreffend die Übernahme bestimmter internationaler Rechnungslegungsstandards in Übereinstimmung mit der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates (Text von Bedeutung für den EWR.)

OJ L 261, 13.10.2003, p. 1–420 (ES, DA, DE, EL, EN, FR, IT, NL, PT, FI, SV)
Special edition in Czech: Chapter 13 Volume 032 P. 4 - 423
Special edition in Estonian: Chapter 13 Volume 032 P. 4 - 423
Special edition in Latvian: Chapter 13 Volume 032 P. 4 - 423
Special edition in Lithuanian: Chapter 13 Volume 032 P. 4 - 423
Special edition in Hungarian Chapter 13 Volume 032 P. 4 - 423
Special edition in Maltese: Chapter 13 Volume 032 P. 4 - 423
Special edition in Polish: Chapter 13 Volume 032 P. 4 - 423
Special edition in Slovak: Chapter 13 Volume 032 P. 4 - 423
Special edition in Slovene: Chapter 13 Volume 032 P. 4 - 423
Special edition in Bulgarian: Chapter 13 Volume 042 P. 3 - 422
Special edition in Romanian: Chapter 13 Volume 042 P. 3 - 422

No longer in force, Date of end of validity: 01/12/2008; Aufgehoben durch 32008R1126 . Latest consolidated version: 17/10/2008

ELI: http://data.europa.eu/eli/reg/2003/1725/oj

13.10.2003   

DE

Amtsblatt der Europäischen Union

L 261/1


VERORDNUNG (EG) Nr. 1725/2003 DER KOMMISSION

vom 29. September 2003

betreffend die Übernahme bestimmter internationaler Rechnungslegungsstandards in Übereinstimmung mit der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates

(Text von Bedeutung für den EWR)

DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN,

gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft,

gestützt auf die Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Juli 2002 betreffend die Anwendung internationaler Rechnungslegungsstandards (1), insbesondere auf Artikel 3 Absatz 3,

in Erwägung nachstehender Gründe:

(1)

Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 sieht vor, dass für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2005 beginnen, kapitalmarktorientierte Unternehmen, die dem Recht eines Mitgliedstaats unterliegen, unter bestimmten Bedingungen ihre konsolidierten Abschlüsse gemäß den internationalen Rechnungslegungsstandards aufstellen, die in Artikel 2 dieser Verordnung definiert sind.

(2)

Die Kommission ist aufgrund der Stellungnahme des Technischen Ausschusses für Rechnungslegung zu dem Schluss gelangt, dass die internationalen Rechnungslegungsstandards, die am 14. September 2002 vorlagen, den Kriterien genügen, die für die Übernahme und Anwendung im Sinne von Artikel 3 der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 festgelegt sind.

(3)

Die Kommission hat auch die derzeitigen Vorhaben auf dem Gebiet der Verbesserungen analysiert, die an vielen bestehenden Standards angebracht werden sollen. Die internationalen Rechnungslegungsstandards, die das Ergebnis dieser Vorschläge sein werden, werden dann im Hinblick auf eine Übernahme geprüft, wenn sie endgültig vorliegen. Die Existenz dieser vorgeschlagenen Änderungen für die bestehenden Standards lässt jedoch den Beschluss der Kommission unberührt, alle vorliegenden Standards bis auf die folgenden Ausnahmen zu unterstützen: IAS 32 — Finanzinstrumente: Angaben und Darstellung und IAS 39 — Finanzinstrumente: Ansatz und Bewertung sowie eine kleinere Zahl von Interpretationen zu diesen Standards, und zwar SIC 5 Klassifizierung von Finanzinstrumenten — Bedingte Erfüllungsvereinbarungen, SIC 16 Gezeichnetes Kapital — Rückgekaufte eigene Eigenkapitalinstrumente (eigene Anteile) und SIC 17 Eigenkapital — Kosten einer Eigenkapitaltransaktion.

(4)

Die Existenz qualitativ hochwertiger Standards auf dem Gebiet der Finanzinstrumente (einschließlich der Derivate) ist für den Kapitalmarkt der Gemeinschaft von sehr großer Bedeutung. In Bezug auf IAS 32 und IAS 39 nehmen die derzeit erörterten Änderungen u. U. ein Ausmaß an, dass es nicht zweckmäßig ist, diese Standards zum jetzigen Zeitpunkt zu übernehmen. Sobald die derzeitigen Verbesserungen abgeschlossen sind und die überarbeiteten Standards vorliegen, wird die Kommission vorrangig die Übernahme der revidierten Standards im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 prüfen.

(5)

Folglich sollten alle internationalen Rechnungslegungsstandards, die am 14. September 2002 vorlagen, mit Ausnahme von IAS 32 und IAS 39 sowie den entsprechenden Interpretationen übernommen werden.

(6)

Die in dieser Verordnung vorgesehenen Maßnahmen berücksichtigen die Stellungnahme des Regelungsausschusses für Rechnungslegung —

HAT FOLGENDE VERORDNUNG ERLASSEN:

Artikel 1

Die internationalen Rechnungslegungsstandards, die Gegenstand des Anhangs sind, werden hiermit übernommen.

Artikel 2

Diese Verordnung tritt am dritten Tag nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union in Kraft.

Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in jedem Mitgliedstaat.

Geschehen zu Brüssel am 29. September 2003

Im Namen der Kommission

Frederik BOLKESTEIN

Mitglied der Kommission


(1)  ABl. L 243 vom 11.9.2002, S. 1.


ANHANG

„INTERNATIONAL ACCOUNTING STANDARDS“ (IAS)

IAS 1:

Darstellung des Abschlusses (überarbeitet 1997)

IAS 2:

Vorräte (überarbeitet 1993)

Kapitalflussrechnungen (überarbeitet 1992)

IAS 8:

Periodenergebnis, grundlegende Fehler und Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden (überarbeitet 1993)

IAS 10:

Ereignisse nach dem Bilanzstichtag (überarbeitet 1999)

IAS 11:

Fertigungsaufträge (überarbeitet 1993)

IAS 12:

Ertragssteuern (überarbeitet 2000)

IAS 14:

Segmentberichterstattung (überarbeitet 1997)

IAS 15:

Informationen über die Auswirkungen von Preisänderungen (umgegliedert 1994)

IAS 16:

Sachanlagen (überarbeitet 1998)

IAS 17:

Leasingverhältnisse (überarbeitet 1997)

IAS 18:

Erträge (überarbeitet 1993)

IAS 19:

Leistungen an Arbeitnehmer (überarbeitet 2002)

IAS 20:

Bilanzierung und Darstellung von Zuwendungen der öffentlichen Hand (umgegliedert 1994)

IAS 21:

Auswirkungen von Änderungen der Wechselkurse (überarbeitet 1993)

IAS 22:

Unternehmenszusammenschlüsse (überarbeitet 1998)

IAS 23:

Fremdkapitalkosten (überarbeitet 1993)

IAS 24:

Angaben über Beziehungen zu nahe stehenden Unternehmen und Personen (umgegliedert 1994)

IAS 26:

Bilanzierung und Berichterstattung von Altersversorgungsplänen (umgegliedert 1994)

IAS 27:

Konsolidierte Abschlüsse und Bilanzierung von Anteilen an Tochterunternehmen (überarbeitet 2000)

IAS 28:

Bilanzierung von Anteilen an assoziierten Unternehmen (überarbeitet 2000)

IAS 29:

Rechnungslegung in Hochinflationsländern (umgegliedert 1994)

IAS 30:

Angaben im Abschluss von Banken und ähnlichen Finanzinstituten (umgegliedert 1994)

IAS 31:

Rechnungslegung über Anteile an Joint Ventures (überarbeitet 2000)

IAS 33:

Ergebnis je Aktie (1997)

IAS 34:

Zwischenberichterstattung (1998)

IAS 35:

Aufgabe von Geschäftsbereichen (1998)

IAS 36:

Wertminderung von Vermögenswerten (1998)

IAS 37:

Rückstellungen, Eventualschulden und Eventualforderungen (1998)

IAS 38:

Immaterielle Vermögenswerte (1998)

IAS 40:

Als Finanzinvestition gehaltene Immobilien (2000)

IAS 41:

Landwirtschaft (2001)

INTERPRETATIONEN DES „STANDING INTERPRETATIONS COMMITTEE“ (IASC)

SIC-1:

Stetigkeit — Unterschiedliche Verfahren zur Zuordnung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Vorräten

SIC-2:

Stetigkeit — Aktivierung von Fremdkapitalkosten

SIC-3:

Eliminierung von nicht realisierten Gewinnen und Verlusten aus Transaktionen mit assoziierten Unternehmen

SIC-6:

Kosten der Anpassung vorhandener Software

SIC-7:

Einführung des Euro

SIC-8:

Erstmalige Anwendung der IAS als primäre Grundlage der Rechungslegung

SIC-9:

Unternehmenszusammenschlüsse — Klassifizierung als Unternehmenserwerbe oder Interessenzusammenführungen

SIC-10:

Beihilfen der öffentlichen Hand — Kein spezifischer Zusammenhang mit betrieblichen Tätigkeiten

SIC-11:

Fremdwährung — Aktivierung von Verlusten aus erheblichen Währungsabwertungen

SIC-12:

Konsolidierung — Zweckgesellschaften

SIC-13:

Gemeinschaftlich geführte Einheiten — nichtmonetäre Einlagen durch Partnerunternehmen

SIC-14:

Sachanlagen — Entschädigungen für die Wertminderung oder den Verlust von Gegenständen

SIC-15:

Operating-Leasingverhältnisse — Anreizvereinbarungen

SIC-18:

Stetigkeit — Alternative Verfahren

SIC-19:

Berichtswährung — Bewertung und Darstellung von Abschlüssen gemäß IAS 21 und IAS 29

SIC-20:

Equity-Methode — Erfassung von Verlusten

SIC-21:

Ertragsteuern — Realisierung von neubewerteten, nicht planmäßig abzuschreibenden Vermögenswerten

SIC-22:

Unternehmenszusammenschlüsse — Nachträgliche Anpassung der ursprünglich erfassten beizulegenden Zeitwerte und des Geschäfts- oder Firmenwertes

SIC-23:

Sachanlagen — Kosten für Großinspektionen oder Generalüberholungen

SIC-24:

Ergebnis je Aktie — Finanzinstrumente und sonstige Verträge, die in Aktien erfüllt werden können

SIC-25:

Ertragsteuern — Änderungen im Steuerstatus eines Unternehmens oder seiner Anteilseigner

SIC-27:

Beurteilung des wirtschaftlichen Gehalts von Transaktionen in der rechtlichen Form von Leasingverhältnissen

SIC-28:

Unternehmenszusammenschlüsse — „Tauschzeitpunkt“ und beizulegender Zeitwert von Eigenkapitalinstrumenten

SIC-29:

Angabe — Vereinbarungen von Dienstleistungslizenzen

SIC-30:

Berichtswährung — Umrechnung von der Bewertungs- in die Darstellungswährung

SIC-31:

Erträge — Tausch von Werbeleistungen

SIC-32:

Immaterielle Vermögenswerte — Websitekosten

SIC-33:

Vollkonsolidierungs- und Equity-Methode — Potenzielle Stimmrechte und Ermittlung von Beteiligungsquoten

Anmerkung: Sämtliche Anhänge zu oben genannten Standards und Interpretationen gelten nicht als Standards und Interpretationen und werden folglich nicht wiedergegeben.

Vervielfältigung erlaubt innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums. Alle bestehenden Rechte außerhalb des EWR vorbehalten, mit Ausnahme des Rechtes auf Vervielfältigung für persönlichen Gebrauch oder andere redliche Benutzung. Weitere Informationen sind vom IASB unter www.iasb.org.uk erhältlich.

INTERNATIONAL ACCOUNTING STANDARD IAS 1

(ÜBERARBEITET 1997)

Darstellung des Abschlusses

Dieser überarbeitete International Accounting Standard ersetzt IAS 1, Angabe der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, IAS 5, Angabepflichten im Abschluss, und IAS 13, Darstellung der kurzfristigen Vermögenswerte und Schulden, die vom Board 1994 in umgegliederter Form genehmigt wurden. IAS 1 (überarbeitet 1997) wurde vom Board im Juli 1997 genehmigt und war erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Juli 1998 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden. Eine frühere Anwendung wird empfohlen.

Im Mai 1999 änderte IAS 10 (überarbeitet 1999), Ereignisse nach dem Bilanzstichtag, die Paragraphen 63(c), 64, 65(a) und 74(c). Der geänderte Text trat in Kraft, als IAS 10 (überarbeitet 1999) in Kraft trat — d. h. er war erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 2000 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

Folgende SIC Interpretationen beziehen sich auf IAS 1:

SIC-8: Erstmalige Anwendung der IAS als primäre Grundlage der Rechnungslegung.

SIC-18: Stetigkeit — Alternative Verfahren.

SIC-27: Beurteilung des wirtschaftlichen Gehalts von Transaktionen in der rechtlichen Form von Leasingverhältnissen.

SIC-29: Angabe — Vereinbarungen von Dienstleistungslizenzen.

EINFÜHRUNG

1.

Dieser Standard („IAS 1 (überarbeitet 1997)“) ersetzt die International Accounting Standards IAS 1, Angabe der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, IAS 5, Angabepflichten im Abschluss, und IAS 13, Darstellung der kurzfristigen Vermögenswerte und Schulden. IAS 1 (überarbeitet) war erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am oder nach dem 1. Juli 1998 beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden, wobei eine frühere Anwendung empfohlen wird, da die Anforderungen mit denen in bestehenden Standards im Einklang stehen.

2.

Der Standard aktualisiert die Anforderungen in den durch ihn ersetzten Standards in Übereinstimmung mit dem IASC Rahmenkonzept für die Aufstellung und Darstellung von Abschlüssen. Außerdem wurde er entwickelt, um die Qualität von Abschlüssen, die nach den International Accounting Standards aufgestellt sind, zu verbessern, indem er:

(a)

gewährleistet, dass Abschlüsse, die angabegemäß mit den IAS übereinstimmen, jeden anzuwendenden Standard erfüllen, einschließlich aller Angabepflichten;

(b)

gewährleistet, dass Abweichungen von den Anforderungen der IAS auf äußerst seltene Fälle begrenzt werden (abweichende Fälle werden überwacht und, falls erforderlich, weitere Anwendungsleitlinien herausgegeben);

(c)

Anwendungsleitlinien für die Struktur des Abschlusses vorgibt, einschließlich Mindestanforderungen für jeden primären Abschlussbestandteil, die Darstellung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden und für die Anhangangaben sowie einen beispielhaften Anhang zu diesem Standard; und

(d)

(basierend auf dem Rahmenkonzept) praktische Anforderungen festlegt zu Fragen wie Wesentlichkeit, Unternehmensfortführung, die Auswahl von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, sofern kein Standard existiert, zur Stetigkeit und Darstellung von Vergleichsinformationen.

3.

Um den Forderungen von Abschlussadressaten nach ausführlicheren Informationen bezüglich der Ertragskraft, die umfassender bewertet wird als das in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesene Periodenergebnis, nachzukommen, führt der Standard eine neue Bestimmung für einen primären Abschlussbestandteil ein, in dem jene Gewinne und Verluste gezeigt werden, die gegenwärtig nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung enthalten sind. Die neue Darstellung kann entweder als eine „traditionelle“ Eigenkapitalüberleitungsrechnung in Spaltenform oder als gesonderte Darstellung der Ertragskraft erfolgen. Im April 1997 stimmte der Board des IASC grundsätzlich zu, eine Überarbeitung der Bewertungs- und Darstellungsweise der Ertragskraft vorzunehmen. Das Projekt wird sich wahrscheinlich zuerst mit der Wechselbeziehung zwischen der Berichterstattung über die Ertragskraft und den Rechnungslegungszielen des Rahmenkonzepts des IASC befassen. Daher wird das IASC Vorschläge auf diesem Gebiet erarbeiten.

4.

Der Standard gilt für alle Unternehmen, einschließlich Banken und Versicherungsunternehmen, die gemäß den IAS Rechnung legen. Die Mindeststrukturen sind ausreichend flexibel gestaltet, so dass sie von jedem Unternehmen angewendet werden können. Banken beispielsweise müssen in der Lage sein, eine Darstellungsform zu entwickeln, die sowohl mit diesem Standard als auch mit den detaillierteren Anforderungen des IAS 30, Angaben im Abschluss von Banken und ähnlichen Finanzinstitutionen, übereinstimmt.

INHALTSVERZEICHNIS

Zielsetzung

Anwendungsbereich 1-4
Zweck des Abschlusses 5
Verantwortung für den Abschluss 6
Bestandteile des Abschlusses 7-9
Grundlegende Überlegungen 10-41
Vermittlung eines den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes und Übereinstimmung mit den International Accounting Standards 10-19
Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden 20-22
Unternehmensfortführung 23-24
Konzept der Periodenabgrenzung 25-26
Darstellungsstetigkeit 27-28
Wesentlichkeit und Zusammenfassung von Posten 29-32
Saldierung von Posten 33-37
Vergleichsinformationen 38-41
Struktur und Inhalt 42-102
Einführung 42-52
Identifikation des Abschlusses 44-48
Berichtszeitraum 49-51
Zeitnähe 52
Bilanz 53-74
Die Unterscheidung von Kurz- und Langfristigkeit 53-56
Kurzfristige Vermögenswerte 57-59
Kurzfristige Schulden 60-65
Informationen, die in der Bilanz darzustellen sind 66-71
Informationen, die entweder in der Bilanz oder im Anhang darzustellen sind 72-74
Gewinn- und Verlustrechnung 75-85
Informationen, die in der Gewinn- und Verlustrechnung darzustellen sind 75-76
Informationen, die entweder in der Gewinn- und Verlustrechnung oder im Anhang darzustellen sind 77-85
Veränderungen des Eigenkapitals 86-89
Kapitalflussrechnung 90
Anhangangaben im Abschluss 91-102
Struktur 91-96
Darstellung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden 97-101
Andere Angaben 102
Zeitpunkt des Inkrafttretens 103-104

Die fett und kursiv gedruckten Vorschriften sind in Verbindung mit den Hintergrundmaterialien und den Anwendungsleitlinien dieses Standards sowie in Verbindung mit dem Vorwort zu den International Accounting Standards zu betrachten. International Accounting Standards brauchen nicht auf unwesentliche Sachverhalte angewendet zu werden (siehe Paragraph 12 des Vorwortes).

ZIELSETZUNG

Zielsetzung dieses Standards ist es, die Grundlagen für die Darstellung eines allgemeinen Abschlusses vorzuschreiben, um die Vergleichbarkeit sowohl mit den Abschlüssen des eigenen Unternehmens aus vorangegangenen Perioden, als auch mit den Abschlüssen anderer Unternehmen zu Gewähr leisten. Um diese Zielsetzung zu erreichen, legt dieser Standard grundlegende Überlegungen für die Darstellung von Abschlüssen, Anwendungsleitlinien für deren Struktur und Mindestanforderungen an deren Inhalt dar. Die Erfassung, Bewertung und Angabe von spezifischen Geschäftsvorfällen und Ereignissen wird in anderen International Accounting Standards behandelt.

ANWENDUNGSBEREICH

1.

Dieser Standard ist bei der Darstellung aller allgemeinen Abschlüsse, die in Übereinstimmung mit den International Accounting Standards aufgestellt und dargestellt werden, anzuwenden.

2.

Ein allgemeiner Abschluss soll den Bedürfnissen von Adressaten gerecht werden, die nicht in der Lage sind, Berichte anzufordern, die auf ihre spezifischen Informationsbedürfnisse zugeschnitten sind. Allgemeine Abschlüsse schließen solche mit ein, die getrennt oder innerhalb eines anderen publizierten Dokuments, wie einem Geschäftsbericht oder einem Emissionsprospekt, veröffentlicht werden. Dieser Standard ist nicht auf verkürzte Zwischenberichtsinformationen anzuwenden. Dieser Standard gilt gleichermaßen für den Abschluss eines einzelnen Unternehmens und für konsolidierte Abschlüsse eines Konzerns. Es ist dabei jedoch nicht ausgeschlossen, einen konsolidierten Abschluss, der den IAS entspricht, und einen nach nationalen Erfordernissen aufgestellten Abschluss der Muttergesellschaft innerhalb desselben Dokuments darzustellen, solange die Grundlagen der Aufstellung für jeden Abschluss bei der Darstellung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden deutlich angegeben werden.

3.

Dieser Standard gilt für alle Unternehmensformen einschließlich Banken und Versicherungsunternehmen. Zusätzliche Anforderungen an Banken und ähnliche Finanzinstitutionen sind in Übereinstimmung mit den Anforderungen dieses Standards in IAS 30, Angaben im Abschluss von Banken und ähnlichen Finanzinstitutionen, dargestellt.

4.

Die Terminologie dieses Standards ist für erfolgswirtschaftliche Unternehmen geeignet. Erfolgswirtschaftliche Unternehmen des öffentlichen Sektors dürfen deshalb diesen Standard anwenden. Nicht erfolgswirtschaftliche, staatliche und andere Unternehmen des öffentlichen Sektors, die diesen Standard anwenden möchten, müssen gegebenenfalls Bezeichnungen für einzelne Posten im Abschluss und für den Abschluss selbst anpassen. Solche Unternehmen können auch zusätzliche Abschlussbestandteile darstellen.

ZWECK DES ABSCHLUSSES

5.

Ein Abschluss ist eine strukturierte finanzielle Darstellung der Vermögens- und Finanzlage und der durchgeführten Transaktionen eines Unternehmens. Die Zielsetzung eines allgemeinen Abschlusses ist es, Informationen über die Vermögens- und Finanzlage, die Ertragskraft und die Cashflows eines Unternehmens bereitzustellen, die für eine breite Palette von Adressaten nützlich sind, um wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen. Ein Abschluss zeigt ebenfalls die Ergebnisse der Verwaltung des dem Management anvertrauten Vermögens. Um diese Zielsetzung zu erfüllen, stellt ein Abschluss Informationen über

(a)

Vermögenswerte;

(b)

Schulden;

(c)

Eigenkapital;

(d)

Erträge und Aufwendungen, einschließlich Gewinne und Verluste; und

(e)

Cashflows

eines Unternehmens zur Verfügung.

Diese Informationen helfen den Adressaten zusammen mit den anderen Informationen in den Anhangangaben, die künftigen Cashflows des Unternehmens sowie insbesondere Zeitpunkt und Sicherheit des Entstehens von Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten vorauszusagen.

VERANTWORTUNG FÜR DEN ABSCHLUSS

6.

Das Geschäftsführungs- und/oder Aufsichtsorgan und/oder andere Leitungsorgane eines Unternehmens sind für die Aufstellung und Darstellung seines/ihres Abschlusses verantwortlich.

BESTANDTEILE DES ABSCHLUSSES

7.

Ein vollständiger Abschluss enthält die folgenden Bestandteile:

(a)

Bilanz;

(b)

Gewinn- und Verlustrechnung;

(c)

eine Aufstellung, die entweder

(i)

sämtliche Veränderungen des Eigenkapitals oder

(ii)

Veränderungen des Eigenkapitals, die nicht durch Kapitaltransaktionen mit Eigentümern und Ausschüttungen an Eigentümer entstehen, darstellt;

(d)

Kapitalflussrechnung; und

(e)

Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sowie erläuternde Anhangangaben.

8.

Unternehmen wird empfohlen, außerhalb des Abschlusses einen Bericht über die Unternehmenslage durch das Management zu veröffentlichen, der die wesentlichen Merkmale der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens sowie die wichtigsten Unsicherheiten beschreibt und erläutert, denen sich das Unternehmen gegenübersieht. Ein solcher Bericht könnte einen Überblick geben über:

(a)

die Hauptfaktoren und Einflüsse, welche die Ertragskraft bestimmen, einschließlich Veränderungen des Umfelds, in dem das Unternehmen operiert, die Reaktionen des Unternehmens auf diese Veränderungen und deren Auswirkungen sowie die Investitionspolitik des Unternehmens, um die Ertragskraft zu erhalten und zu verbessern, einschließlich der Dividendenpolitik;

(b)

die Finanzierungsquellen des Unternehmens, die Grundsätze bezüglich des Verschuldungsgrades sowie die Grundsätze des Risikomanagements; und

(c)

die Stärken und Ressourcen des Unternehmens, deren Wert sich nicht in einer nach International Accounting Standards erstellten Bilanz widerspiegelt.

9.

Viele Unternehmen veröffentlichen außerhalb ihres Abschlusses zusätzliche Angaben, wie Umweltberichte und Wertschöpfungsrechnungen, insbesondere in Branchen, in denen Umweltfaktoren von Bedeutung sind und wenn Arbeitnehmer als eine bedeutende Adressatengruppe betrachtet werden. Unternehmen werden zu solchen zusätzlichen Angaben ermutigt, wenn das Management davon ausgeht, dass diese die Adressaten bei ihren wirtschaftlichen Entscheidungen unterstützen werden.

GRUNDLEGENDE ÜBERLEGUNGEN

Vermittlung eines den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes und Übereinstimmung mit den International Accounting Standards

10.

Abschlüsse haben die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie die Cashflows eines Unternehmens den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend darzustellen. Die korrekte Anwendung der International Accounting Standards, gegebenenfalls ergänzt um zusätzliche Angaben, führt in nahezu allen Fällen zu Abschlüssen, die ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild vermitteln.

11.

Ein Unternehmen, dessen Abschluss mit den International Accounting Standards in Einklang steht, hat diese Tatsache anzugeben. Ein Abschluss darf nicht als mit den International Accounting Standards übereinstimmend bezeichnet werden, solange er nicht sämtlichen Anforderungen jedes anzuwendenden Standards und jeder anzuwendenden Interpretation des Standing Interpretations Committee erfüllt  (1) .

12.

Die Anwendung unangemessener Rechnungslegungsmethoden kann weder durch die Angabe der angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden noch durch Anhangangaben oder zusätzliche Erläuterungen geheilt werden.

13.

In den äußerst seltenen Umständen, in denen das Management zu dem Ergebnis gelangt, dass die Befolgung einer Anforderung in einem Standard irreführend wäre und deshalb das Abweichen von einer Vorschrift notwendig ist, um ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild zu vermitteln, hat ein Unternehmen Folgendes anzugeben:

(a)

dass die Unternehmensleitung zu dem Schluss gekommen ist, dass der Abschluss die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie Cashflows des Unternehmens den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend darstellt;

(b)

dass es in allen wesentlichen Punkten den anzuwendenden International Accounting Standards nachgekommen ist, mit der Ausnahme, dass von einem Standard abgewichen wurde, um ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild zu vermitteln;

(c)

den Standard, von dem das Unternehmen abgewichen ist, die Art der Abweichung einschließlich der Bilanzierungsweise, die der Standard fordern würde, den Grund, warum diese Bilanzierungsweise unter den gegebenen Umständen irreführend wäre, und die Bilanzierungsweise, die angewandt wurde; sowie

(d)

die finanzielle Auswirkung der Abweichung auf das Periodenergebnis, die Vermögenswerte, die Schulden, das Eigenkapital sowie die Cashflows des Unternehmens für jede dargestellte Periode.

14.

Abschlüsse sind manchmal als „auf der Grundlage von“ oder „übereinstimmend mit den wesentlichen Anforderungen der“ oder „in Übereinstimmung mit den Rechnungslegungsbestimmungen nach“ International Accounting Standards beschrieben worden. Oft gibt es keine weiteren Informationen, obwohl klar ist, dass wesentlichen Angabeerfordernissen, oder sogar Bilanzierungs- oder Bewertungserfordernissen, nicht entsprochen wird. Solche Angaben sind irreführend, da sie von der Verlässlichkeit und der Verständlichkeit des Abschlusses ablenken. Um sicherzustellen, dass ein Abschluss, der eine Übereinstimmung mit den International Accounting Standards vorgibt, dem von Adressaten international geforderten Qualitätsniveau genügt, enthält dieser Standard eine allgemeine Forderung, dass ein Abschluss ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild zu vermitteln hat. Des Weiteren enthält er Anwendungsleitlinien, wie dieser Forderung entsprochen werden kann. Weitere Anwendungsleitlinien dienen dazu, die äußerst seltenen Umstände festzulegen, unter denen eine Abweichung von Vorschriften notwendig ist. Außerdem verlangt er deutlich erkennbare Angaben zu den Umständen, die zu einer Abweichung führen. Die Existenz von entgegenstehenden nationalen Rechnungslegungsgrundsätzen ist für sich allein betrachtet nicht ausreichend, um eine Abweichung im Abschluss zu rechtfertigen, der auf Basis der International Accounting Standards aufgestellt wurde.

15.

Unter nahezu allen Umständen wird ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild durch Übereinstimmung mit allen wesentlichen Punkten der anzuwendenden International Accounting Standards erreicht. Die Vermittlung eines den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes verlangt:

(a)

die Auswahl und die Anwendung von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden in Übereinstimmung mit Paragraph 20;

(b)

die Darstellung von Informationen, einschließlich der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, auf eine Weise, die zu relevanten, verlässlichen, vergleichbaren und verständlichen Informationen führt; und

(c)

die Bereitstellung zusätzlicher Angaben, wenn die Anforderungen in den International Accounting Standards unzureichend sind, um es den Adressaten zu ermöglichen, die Auswirkungen von einzelnen Geschäftsvorfällen oder Ereignissen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens zu verstehen.

16.

Unter äußerst seltenen Umständen kann die Anwendung einer spezifischen Anforderung eines International Accounting Standards zu einem irreführenden Abschluss führen. Dies wird nur der Fall sein, wenn die von dem Standard geforderte Bilanzierungsweise offensichtlich nicht angemessen ist und darum ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild weder durch die Anwendung des Standards noch durch zusätzliche Angaben allein vermittelt werden kann. Eine Abweichung ist nicht angemessen, nur weil eine andere Bilanzierungsweise ebenfalls ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild vermitteln würde.

17.

Bei der Entscheidung, ob eine Abweichung von einer speziellen Vorschrift in den International Accounting Standards notwendig ist, muss Folgendes beachtet werden:

(a)

die Zielsetzung der Vorschrift und der Grund, warum diese Zielsetzung nicht erreicht wird oder unter den gegebenen Umständen nicht von Bedeutung ist; und

(b)

die Art und Weise, in der die Umstände des Unternehmens von denen anderer Unternehmen abweichen, die die Vorschriften befolgen.

18.

Da zu erwarten ist, dass die Umstände, die eine Abweichung rechtfertigen, in äußerst seltenen Fällen eintreten und die Notwendigkeit einer Abweichung Gegenstand für eine erhebliche Diskussion und subjektive Beurteilung sein wird, ist es wichtig, dass sich die Adressaten der Tatsache bewusst sind, dass das Unternehmen nicht in allen wesentlichen Gesichtspunkten den International Accounting Standards entspricht. Außerdem ist es wichtig, dass ihnen ausreichende Informationen zur Verfügung gestellt werden, um ihnen eine fundierte Entscheidung zu ermöglichen, ob die Abweichung notwendig ist, und um die Änderungsbeträge zu berechnen, die erforderlich wären, um mit dem Standard übereinzustimmen. Das IASC wird abweichende Fälle, auf die es (beispielsweise durch Unternehmen, deren Wirtschaftsprüfer und Aufsichtsbehörden) aufmerksam gemacht wird, überwachen und gegebenenfalls die Notwendigkeit von Klarstellungen durch Interpretationen oder Änderung der Standards in Betracht ziehen, um sicherzustellen, dass Abweichungen nur in äußerst seltenen Fällen notwendig bleiben.

19.

Wenn in Übereinstimmung mit besonderen Vorschriften im jeweiligen Standard ein International Accounting Standard vor dem Zeitpunkt seines Inkrafttretens angewandt wird, ist diese Tatsache anzugeben.

BILANZIERUNGS- UND BEWERTUNGSMETHODEN

20.

Das Management hat die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden so auszuwählen und anzuwenden, dass der Abschluss mit allen Vorschriften jedes anzuwendenden International Accounting Standards und der Interpretationen des Standing Interpretations Committee übereinstimmt. Wo keine speziellen Vorschriften existieren, hat das Management Bilanzierungs- und Bewertungsrichtlinien zu entwickeln, die sicherstellen, dass der Abschluss Informationen liefert, die:

(a)

für die Bedürfnisse der Entscheidungsfindung der Adressaten von Bedeutung sind und

(b)

dadurch verlässlich sind, dass sie:

(i)

das Ergebnis sowie die Vermögens- und Finanzlage des Unternehmens zutreffend darstellen;

(ii)

den wirtschaftlichen Gehalt von Ereignissen und Geschäftsvorfällen widerspiegeln und nicht nur deren rechtliche Form  (2) ;

(iii)

neutral sind, das heißt frei von verzerrenden Einflüssen;

(iv)

vorsichtig sind; und

(v)

in allen wesentlichen Gesichtspunkten vollständig sind.

21.

Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sind die besonderen Prinzipien, grundlegende Überlegungen, Konventionen, Regeln und Praktiken, die ein Unternehmen bei der Aufstellung und Darstellung eines Abschlusses anwendet.

22.

Wenn ein spezifischer International Accounting Standard und eine Interpretation des Standing Interpretations Committee fehlt, entwickelt das Management nach eigenem Urteil Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, die den Abschlussadressaten die jeweils nützlichsten Informationen zur Verfügung stellen. Bei diesem Urteil beachtet das Management Folgendes:

(a)

die Anforderungen und Anwendungsleitlinien in International Accounting Standards, die ähnliche und verwandte Fragen behandeln;

(b)

die Definitionen sowie die Ansatz- und Bewertungskriterien für Vermögenswerte, Schulden, Erträge und Aufwendungen, die im IASC Rahmenkonzept dargelegt sind; und

(c)

Erklärungen anderer Standardsetter und anerkannte Branchenpraktiken, soweit, aber nur soweit, als diese mit (a) und (b) dieses Paragraphen übereinstimmen.

UNTERNEHMENSFORTFÜHRUNG

23.

Bei der Aufstellung eines Abschlusses hat das Management eine Einschätzung über die Fähigkeit des Unternehmens vorzunehmen, den Geschäftsbetrieb fortzuführen. Ein Abschluss ist solange auf der Grundlage der Annahme der Unternehmensfortführung aufzustellen, bis das Management entweder beabsichtigt, das Unternehmen aufzulösen, das Geschäft einzustellen oder keine realistische Alternative mehr hat, als so zu handeln. Wenn dem Management bei seiner Einschätzung wesentliche Unsicherheiten in Verbindung mit Ereignissen und Bedingungen bekannt sind, die erhebliche Zweifel an der Fortführungsfähigkeit des Unternehmens aufwerfen, sind diese Unsicherheiten anzugeben. Werden die Abschlüsse nicht auf der Grundlage der Annahme der Unternehmensfortführung aufgestellt, ist diese Tatsache gemeinsam mit den Grundlagen anzugeben, auf denen der Abschluss basiert, und der Grund, warum von einer Fortführung des Unternehmens nicht ausgegangen wird.

24.

Bei der Einschätzung, ob die Annahme der Unternehmensfortführung angemessen ist, zieht das Management sämtliche verfügbaren Informationen für die vorhersehbare Zukunft in Betracht, die mindestens zwölf Monate nach dem Bilanzstichtag zu liegen hat, aber nicht auf diesen Zeitraum beschränkt ist. Der Umfang der Berücksichtigung ist von den Gegebenheiten jedes einzelnen Sachverhaltes abhängig. Verfügte ein Unternehmen in der Vergangenheit über einen rentablen Geschäftsbetrieb und hat es schnellen Zugriff auf Finanzquellen, kann ohne eine detaillierte Analyse die Schlussfolgerung gezogen werden, dass die Annahme der Unternehmensfortführung als Grundlage der Rechnungslegung angemessen ist. In anderen Fällen wird das Management eine breite Palette von Faktoren im Zusammenhang mit der laufenden und künftigen Rentabilität, Schuldentilgungsplänen und potenziellen Refinanzierungsquellen in Betracht ziehen müssen, bevor es selbst davon überzeugt ist, dass die Annahme der Unternehmensfortführung angemessen ist.

KONZEPT DER PERIODENABGRENZUNG

25.

Ein Unternehmen hat seinen Abschluss, mit Ausnahme der Kapitalflussrechnung, nach dem Konzept der Periodenabgrenzung aufzustellen.

26.

Gemäß dem Konzept der Periodenabgrenzung werden Geschäftsvorfälle und andere Ereignisse erfasst, wenn sie auftreten (und nicht wenn Zahlungsmittel oder Zahlungsmitteläquivalente zugehen oder bezahlt werden), und sie werden in der Periode erfasst und im Abschluss ausgewiesen, der sie zuzurechnen sind. Aufwendungen werden in der Gewinn- und Verlustrechnung auf der Grundlage eines direkten Zusammenhangs zwischen den angefallenen Kosten und den entsprechenden Ertragsposten erfasst (sachliche Abgrenzung). Die Anwendung dieses Konzeptes der sachlichen Abgrenzung gestattet jedoch nicht den Ansatz von Sachverhalten in der Bilanz, die nicht die Definition von Vermögenswerten oder Schulden erfüllen.

DARSTELLUNGSSTETIGKEIT

27.

Die Darstellung und der Ausweis von Posten im Abschluss sind von einer Periode zur nächsten beizubehalten, es sei denn:

(a)

eine wesentliche Änderung des Tätigkeitsfeldes des Unternehmens oder eine Überprüfung der Darstellung seines Abschlusses zeigt, dass eine Änderung zu einer angemesseneren Darstellungsweise von Ereignissen und Geschäftsvorfällen führt; oder

(b)

eine Änderung der Darstellungsweise wird von einem International Accounting Standard oder einer Interpretation des Standing Interpretations Committee verlangt  (3) .

28.

Ein bedeutender Erwerb, eine bedeutende Veräußerung oder eine Überprüfung der Darstellungsweise des Abschlusses könnte nahe legen, dass der Abschluss auf eine andere Art und Weise aufzustellen ist. Nur wenn es wahrscheinlich ist, dass die geänderte Struktur beibehalten wird oder der Nutzen einer geänderten Darstellung eindeutig ist, hat ein Unternehmen die Darstellung von Abschlüssen zu ändern. Werden solche Änderungen bei der Darstellung vorgenommen, gliedert ein Unternehmen seine Vergleichsinformationen gemäß Paragraph 40 um. Eine Änderung in der Darstellung, um nationalen Vorschriften zu entsprechen, wird gestattet, solange die überarbeitete Darstellung mit den Vorschriften dieses Standards übereinstimmt.

WESENTLICHKEIT UND ZUSAMMENFASSUNG VON POSTEN

29.

Jeder wesentliche Posten ist im Abschluss gesondert darzustellen. Unwesentliche Beträge sind mit Beträgen ähnlicher Natur oder Funktion zusammenzufassen und brauchen nicht gesondert dargestellt zu werden.

30.

Abschlüsse resultieren aus der Abwicklung großer Mengen von Geschäftsvorfällen, die strukturiert werden, indem sie gemäß ihrer Art oder ihrer Funktion zu Gruppen zusammengefasst werden. Die abschließende Phase beim Prozess der Zusammenfassung und Gliederung ist die Darstellung von verdichteten und klassifizierten Daten, die als Posten entweder in einem bestimmten Abschlussbestandteil oder in den Anhangangaben dargestellt werden. Ist ein Posten für sich allein betrachtet nicht von wesentlicher Bedeutung, wird er mit anderen Posten entweder in einem bestimmten Abschlussbestandteil oder in den Anhangangaben zusammengefasst. Ein Posten, der nicht wesentlich genug ist, um eine gesonderte Darstellung in einem bestimmten Abschlussbestandteil zu rechtfertigen, kann dennoch wesentlich genug sein, um gesondert in den Anhangangaben dargestellt werden zu müssen.

31.

In diesem Zusammenhang sind Informationen wesentlich, wenn deren unterlassene Angabe die wirtschaftlichen Entscheidungen beeinflussen könnte, die Adressaten auf der Grundlage des Abschlusses treffen. Wesentlichkeit hängt vom Umfang und der Art eines Postens ab, der jeweils unter den besonderen Umständen der Unterlassung einer Angabe beurteilt wird. Bei der Entscheidung, ob ein Posten oder eine Summe von Posten wesentlich ist, werden Art und Umfang des Postens gemeinsam beurteilt. Abhängig von den jeweiligen Umständen kann sowohl die Art als auch der Umfang der entscheidende Faktor sein. Es werden beispielsweise einzelne Vermögenswerte mit gleicher Art und Funktion zusammengefasst, auch wenn die einzelnen Beträge groß sind. Umfangreiche Posten, die sich in ihrer Art oder Funktion unterscheiden, werden jedoch gesondert dargestellt.

32.

Wesentlichkeit sieht vor, dass den spezifischen Angabeerfordernissen der International Accounting Standards nicht entsprochen werden muss, wenn die daraus resultierenden Informationen nicht wesentlich sind.

SALDIERUNG VON POSTEN

33.

Vermögenswerte und Schulden dürfen nicht miteinander saldiert werden, soweit nicht die Saldierung von einem anderen International Accounting Standard gefordert oder erlaubt wird.

34.

Ertrags- und Aufwandsposten sind dann, und nur dann, miteinander zu saldieren, wenn:

(a)

ein International Accounting Standard es fordert oder erlaubt; oder

(b)

Gewinne, Verluste und damit verbundene Aufwendungen, die durch gleiche oder ähnliche Geschäftsvorfälle und Ereignisse entstehen, nicht wesentlich sind. Diese Beträge sind gemäß Paragraph 29 zusammenzufassen.

35.

Es ist wichtig, dass sowohl Vermögenswerte und Schulden als auch Erträge und Aufwendungen gesondert dargestellt werden, wenn sie wesentlich sind. Saldierungen, sei es in der Gewinn- und Verlustrechnung oder in der Bilanz, vermindern die Fähigkeit der Adressaten, Geschäftsvorfälle zu verstehen und die künftigen Cashflows des Unternehmens abzuschätzen, es sei denn, die Saldierung spiegelt den wirtschaftlichen Gehalt eines Geschäftsvorfalles oder eines Ereignisses wider. Die Darstellung von Vermögenswerten nach Abzug von Wertberichtigungen, beispielsweise Gängigkeitsabschlägen auf Vorräte und Wertberichtigungen zweifelhafter Forderungen, ist keine Saldierung.

36.

IAS 18, Erträge, definiert den Begriff Erträge und verlangt, dass sie zum beizulegenden Zeitwert der erhaltenen oder zu beanspruchenden Gegenleistung, abzüglich der vom Unternehmen gewährten Preisnachlässe und Mengenrabatte, zu bewerten sind. Ein Unternehmen unternimmt im Verlaufe seiner gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auch solche Geschäftsvorfälle, die selbst zu keinen Erträgen führen, die aber zusammen mit den Hauptumsatzträgern anfallen. Die Ergebnisse solcher Geschäftsvorfälle sind durch Saldierung aller Erträge mit den dazugehörigen Aufwendungen, die durch den gleichen Geschäftsvorfall entstehen, darzustellen, wenn diese Darstellung den Gehalt des Geschäftsvorfalles oder Ereignisses widerspiegelt. Beispielsweise:

(a)

Gewinne und Verluste aus der Veräußerung von langfristigen Vermögenswerten, einschließlich Finanzinvestitionen und betriebliche Vermögenswerte, werden erfasst, indem von den Veräußerungserlösen der Buchwert der Vermögenswerte und die damit in Zusammenhang stehenden Veräußerungskosten abgezogen werden;

(b)

Ausgaben, die auf Grund einer vertraglichen Vereinbarung mit Dritten zurückerstattet werden (beispielsweise ein Untermietvertrag), werden mit dem zugehörigen Erstattungsbetrag verrechnet; und

(c)

außerordentliche Posten können nach der Verrechnung mit den zugehörigen Steuern und Minderheitsanteilen dargestellt werden, wenn die Bruttobeträge in den Anhangangaben gezeigt werden.

37.

Außerdem werden Gewinne und Verluste, die aus einer Gruppe von ähnlichen Geschäftsvorfällen entstehen, saldiert dargestellt, beispielsweise Gewinne und Verluste aus der Währungsumrechnung oder solche, die aus Finanzinstrumenten entstehen, die zu Handelszwecken gehalten werden. Solche Gewinne und Verluste sind jedoch gesondert darzustellen, wenn deren Umfang, Art oder Häufigkeit eine gesonderte Angabe nach IAS 8, Periodenergebnis, grundlegende Fehler und Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, erfordern.

VERGLEICHSINFORMATIONEN

38.

Sofern ein International Accounting Standard nichts anderes erlaubt oder vorschreibt, sind im Abschluss Vergleichsinformationen hinsichtlich der vorangegangenen Periode für alle quantitativen Informationen anzugeben. Vergleichsinformationen sind in die verbalen und beschreibenden Informationen einzubeziehen, wenn es für das Verständnis des Abschlusses der Berichtsperiode von Bedeutung ist.

39.

In manchen Fällen sind verbale Informationen, die in den Abschlüssen der vorangegangenen Periode(n) gemacht wurden, auch für die Berichtsperiode von Bedeutung. Beispielsweise sind Einzelheiten eines Rechtsstreits, dessen Ausgang zum letzten Bilanzstichtag unsicher war und der noch entschieden werden muss, in der Berichtsperiode anzugeben. Adressaten ziehen Nutzen aus der Information, dass zum letzten Bilanzstichtag eine Unsicherheit bestand, und über die Schritte, die unternommen worden sind, um diese Unsicherheit zu beseitigen.

40.

Werden Darstellung oder Klassifizierung von Posten im Abschluss geändert, sind, außer wenn dies praktisch nicht durchführbar oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist, auch die Vergleichsbeträge neu zu gliedern, um die Vergleichbarkeit mit der Berichtsperiode sicherzustellen, ferner sind Art, Betrag und Grund für jede Änderung anzugeben. Sofern es nicht durchführbar oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist, die Vergleichsbeträge neu zu gliedern, hat ein Unternehmen die Gründe für die unterlassene Anpassung und die Art der Änderungen anzugeben, die vorgenommen worden wären, hätte man Beträge umgegliedert.

41.

Unter bestimmten Umständen ist es möglicherweise nicht durchführbar oder wirtschaftlich nicht vertretbar, Vergleichsinformationen neu zu gliedern, um eine Vergleichbarkeit mit der Berichtsperiode zu erreichen. Beispielsweise ist es möglich, dass Daten in der(n) vorangegangenen Periode(n) auf eine Art gesammelt worden sind, die eine Neugliederung nicht zulässt, und eine nachträgliche Erstellung der Informationen nicht praktikabel ist. Unter diesen Umständen wird die Art der Anpassungen der Vergleichsbeträge, die vorgenommen worden wäre, angegeben. IAS 8 behandelt die erforderlichen Anpassungen von Vergleichsinformationen, die bei einer rückwirkenden Änderung von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden erfolgen.

STRUKTUR UND INHALT

Einführung

42.

Dieser Standard verlangt bestimmte Angaben in einem bestimmten Abschlussbestandteil, schreibt die Angabe weiterer Posten wahlweise in dem entsprechenden Abschlussbestandteil oder im Anhang vor und zeigt in einer Anlage zu diesem Standard empfohlene Darstellungsweisen, denen ein Unternehmen folgen kann, soweit es unter seinen Umständen angemessen ist. IAS 7 enthält eine Struktur für die Darstellung der Kapitalflussrechnung.

43.

Dieser Standard benutzt den Begriff „Angabe“ in einer weiten Bedeutung, der Posten umfasst, die in einem bestimmten Abschlussbestandteil oder im Anhang dargestellt werden können. Von anderen International Accounting Standards vorgeschriebene Angaben erfolgen in Übereinstimmung mit den Vorschriften dieser Standards. Solange dieser oder ein anderer Standard nichts Gegenteiliges vorschreibt, werden diese Angaben entweder in einem bestimmten Abschlussbestandteil oder im Anhang gemacht.

Identifikation des Abschlusses

44.

Ein Abschluss muss eindeutig als solcher zu identifizieren sein und hat von anderen Informationen, die im gleichen Dokument veröffentlicht werden, unterscheidbar zu sein.

45.

International Accounting Standards werden nur auf den Abschluss angewandt und nicht auf andere Informationen, die in einem Geschäftsbericht oder einem anderen Dokument dargestellt werden. Daher ist es wichtig, dass Adressaten in der Lage sind, die auf der Grundlage der International Accounting Standards erstellten Informationen von anderen Informationen zu unterscheiden, die für Adressaten nützlich sein können, aber nicht Gegenstand der Standards sind.

46.

Jeder Bestandteil des Abschlusses ist eindeutig zu bezeichnen. Zusätzlich sind die folgenden Informationen deutlich sichtbar darzustellen und zu wiederholen, falls es für das richtige Verständnis der dargestellten Informationen notwendig ist:

(a)

der Name des berichtenden Unternehmens oder andere Mittel der Identifizierung;

(b)

ob sich ein Abschluss auf das einzelne Unternehmen oder einen Konzern bezieht;

(c)

der Bilanzstichtag oder die Berichtsperiode, auf die sich der Abschluss bezieht, je nachdem, was für den entsprechenden Bestandteil des Abschlusses angemessen ist;

(d)

die Berichtswährung; und

(e)

der Präzisionsgrad, der bei der Darstellung von Beträgen im Abschluss angewandt wird.

47.

Die Vorschriften in Paragraph 46 werden normalerweise erfüllt, indem Seitenüberschriften und abgekürzte Spaltenüberschriften auf jeder Seite des Abschlusses aufgeführt werden. Die Wahl der besten Darstellungsweise solcher Informationen erfordert ein ausgewogenes Urteil. Werden Abschlüsse beispielsweise elektronisch gelesen, werden möglicherweise keine getrennten Seiten verwendet; die oben aufgeführten Angaben werden dann ausreichend oft gezeigt, um das richtige Verständnis der gegebenen Information sicherzustellen.

48.

Ein Abschluss wird häufig verständlicher, wenn Informationen in Tausend- oder Millioneneinheiten der Berichtswährung dargestellt werden. Dies ist solange akzeptabel, wie der Präzisionsgrad der Darstellung angegeben wird und relevante Informationen nicht verloren gehen.

Berichtszeitraum

49.

Ein Abschluss ist mindestens jährlich aufzustellen. Wenn sich unter besonderen Umständen der Bilanzstichtag eines Unternehmens ändert, und der Abschluss für einen Zeitraum aufgestellt wird, der länger oder kürzer als ein Jahr ist, hat ein Unternehmen zusätzlich zur Berichtsperiode, auf die sich der Abschluss bezieht, anzugeben:

(a)

den Grund für die Verwendung einer anderen Berichtsperiode als ein Jahr; und

(b)

die Tatsache, dass Vergleichsbeträge der Gewinn- und Verlustrechnung, der Veränderungen des Eigenkapitals, der Cashflows und die dazugehörigen Anhangangaben nicht vergleichbar sind.

50.

Unter besonderen Umständen kann sich ein Unternehmen dazu veranlasst sehen oder sich dazu entscheiden, seinen Bilanzstichtag zu ändern, beispielsweise als Folge des Erwerbs des Unternehmens durch ein anderes Unternehmen mit einem abweichenden Bilanzstichtag. Wenn dies der Fall ist, ist es wichtig, dass sich die Adressaten bewusst sind, dass die Beträge, die für die Berichtsperiode angegeben werden, und die Vergleichsbeträge nicht vergleichbar sind, und dass der Grund für die Änderung des Bilanzstichtages angegeben wird.

51.

Normalerweise werden Abschlüsse stetig aufgestellt und umfassen einen Zeitraum von einem Jahr. Einige Unternehmen ziehen es jedoch beispielsweise aus praktischen Gründen vor, über eine Berichtsperiode von 52 Wochen zu berichten. Dieser Standard schließt dieses Vorgehen nicht aus, da sich der daraus resultierende Abschluss wahrscheinlich nicht wesentlich von denen unterscheidet, die für den Zeitraum eines vollen Jahres aufgestellt werden würden.

Zeitnähe

52.

Die Nützlichkeit eines Abschlusses wird gemindert, wenn er den Adressaten nicht innerhalb eines angemessenen Zeitraumes nach dem Bilanzstichtag zugänglich gemacht wird. Ein Unternehmen muss in der Lage sein, seinen Abschluss innerhalb von sechs Monaten nach dem Bilanzstichtag zu veröffentlichen. Unabänderliche Gegebenheiten, wie die Komplexität der Geschäftstätigkeit eines Unternehmens, sind kein ausreichender Grund, nicht zeitnah zu berichten. In vielen rechtlichen Hoheitsgebieten sind die Fristen durch Gesetzgebung und Marktverordnungen näher geregelt.

Bilanz

Die Unterscheidung von Kurz- und Langfristigkeit

53.

Jedes Unternehmen hat entsprechend der Art seiner Geschäftstätigkeit zu bestimmen, ob es kurzfristige und langfristige Vermögenswerte sowie kurzfristige und langfristige Schulden als getrennte Gliederungsgruppen in der Bilanz darstellt oder nicht. Die Paragraphen 57 bis 65 dieses Standards finden Anwendung, wenn diese Unterscheidung gemacht wird. Entscheidet sich ein Unternehmen, diese Untergliederung nicht zu machen, sind die Vermögenswerte und Schulden grob nach ihrer Liquiditätsnähe anzuordnen.

54.

Unabhängig davon, welche Methode der Darstellung gewählt wird, hat ein Unternehmen für jeden Vermögens- und Schuldposten, der Beträge zusammenfasst, von denen erwartet wird, dass sie sowohl innerhalb als auch außerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten nach dem Bilanzstichtag realisiert oder erfüllt werden, den Betrag anzugeben, von dem erwartet wird, dass er nach mehr als zwölf Monaten realisiert oder erfüllt wird.

55.

Bietet ein Unternehmen Güter oder Dienstleistungen innerhalb eines eindeutig identifizierbaren Geschäftszyklus an, so liefert eine getrennte Untergliederung von kurzfristigen und langfristigen Vermögenswerten und Schulden in der Bilanz nützliche Informationen, indem Nettovermögenswerte, die fortlaufend als kurzfristiges Nettobetriebskapital im Umlauf sind, von denen unterschieden werden, die langfristigen Tätigkeiten des Unternehmens dienen. Eine Untergliederung hebt auch Vermögenswerte, deren Erfüllung innerhalb des laufenden Geschäftszyklus erwartet wird, und Schulden, deren Rückzahlung in der gleichen Berichtsperiode fällig wird, hervor.

56.

Informationen über die Fälligkeitstermine von Vermögenswerten und Schulden sind nützlich, um die Liquidität und Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens einzuschätzen. IAS 32, Finanzinstrumente: Angaben und Darstellung, verlangt die Angabe der Fälligkeitstermine sowohl von finanziellen Vermögenswerten als auch von finanziellen Schulden. Finanzielle Vermögenswerte enthalten Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie sonstige Forderungen, und finanzielle Schulden enthalten Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie sonstige Verbindlichkeiten. Informationen über den erwarteten Zeitpunkt der Erfüllung von nicht monetären Vermögenswerten und Schulden, wie z. B. Vorräte und Rückstellungen, sind ebenfalls nützlich im Hinblick darauf, ob die Vermögenswerte und Schulden in langfristige und kurzfristige unterteilt werden oder nicht. Beispielsweise gibt ein Unternehmen den Buchwert der Vorräte an, deren Realisation nach mehr als einem Jahr nach dem Bilanzstichtag erwartet wird.

Kurzfristige Vermögenswerte

57.

Ein Vermögenswert ist als kurzfristiger Vermögenswert zu klassifizieren, wenn:

(a)

seine Realisation innerhalb des normalen Verlaufs des Geschäftszyklus des Unternehmens erwartet wird oder er zum Verkauf oder Verbrauch innerhalb dieses Zeitraums gehalten wird; oder

(b)

er primär für Handelszwecke oder für einen kurzen Zeitraum gehalten wird und seine Realisation innerhalb von zwölf Monaten nach dem Bilanzstichtag erwartet wird; oder

(c)

es sich um Zahlungsmittel oder Zahlungsmitteläquivalente handelt, deren Verwendung keiner Beschränkung unterliegt.

Alle anderen Vermögenswerte sind als langfristig zu klassifizieren.

58.

Dieser Standard benutzt den Begriff „langfristig“, um materielle, immaterielle, betriebliche und finanzielle Vermögenswerte mit langfristigem Charakter einzuschließen. Er untersagt nicht die Verwendung anderer Beschreibungen, solange deren Bedeutung eindeutig ist.

59.

Der Geschäftszyklus eines Unternehmens ist der Zeitraum zwischen dem Erwerb von Materialien, die in einen Prozess eingehen und deren Realisation in Zahlungsmitteln oder eines Instruments, das leicht in Zahlungsmittel umzuwandeln ist. Kurzfristige Vermögenswerte umfassen Vorräte und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, die als Teil des gewöhnlichen Geschäftszyklus verkauft, verbraucht und realisiert werden, selbst wenn deren Realisation nicht innerhalb von zwölf Monaten nach dem Bilanzstichtag erwartet wird. Marktfähige Wertpapiere werden als kurzfristige Vermögenswerte klassifiziert, wenn deren Realisation innerhalb von zwölf Monaten nach dem Bilanzstichtag erwartet wird, andernfalls werden sie als langfristige Vermögenswerte klassifiziert.

Kurzfristige Schulden

60.

Eine Schuld ist als kurzfristige Schuld zu klassifizieren, wenn:

(a)

ihre Tilgung innerhalb des gewöhnlichen Verlaufes des Geschäftszyklus des Unternehmens erwartet wird; oder

(b)

die Tilgung innerhalb von zwölf Monaten nach dem Bilanzstichtag fällig ist.

Alle anderen Schulden sind als langfristige Schulden zu klassifizieren.

61.

Kurzfristige Schulden können auf eine ähnliche Art und Weise eingeordnet werden wie kurzfristige Vermögenswerte. Einige kurzfristige Schulden, wie Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie Rückstellungen für personalbezogene Aufwendungen und andere betriebliche Aufwendungen bilden einen Teil des kurzfristigen Betriebskapitals, das im normalen Geschäftszyklus des Unternehmens gebraucht wird. Solche betrieblichen Posten werden als kurzfristige Schulden klassifiziert, selbst wenn sie später als zwölf Monate nach dem Bilanzstichtag fällig werden.

62.

Andere kurzfristige Schulden werden nicht als Teil des laufenden Geschäftszyklus beglichen, ihre Tilgung ist aber innerhalb von zwölf Monaten nach dem Bilanzstichtag fällig. Beispiele sind der kurzfristige Teil verzinslicher Schulden, Kontokorrentkredite, Dividendenverbindlichkeiten, Ertragsteuern und andere Verbindlichkeiten, die nicht aus Lieferungen und Leistungen resultieren. Verzinsliche Schulden, die langfristig der Finanzierung des Umlaufvermögens zur Verfügung stehen und deren Tilgung nicht innerhalb von zwölf Monaten fällig ist, sind langfristige Schulden.

63.

Ein Unternehmen hat seine langfristigen verzinslichen Schulden weiterhin als langfristig zu klassifizieren, auch wenn deren Tilgung innerhalb von zwölf Monaten nach dem Bilanzstichtag fällig wird, falls:

(a)

die ursprüngliche Laufzeit einen Zeitraum von mehr als zwölf Monaten umfasst;

(b)

das Unternehmen beabsichtigt, die Verpflichtung auf einer langfristigen Basis zu refinanzieren; und

(c)

diese Absicht von einer Vereinbarung, Zahlungsverpflichtungen zu refinanzieren oder umzuschulden, getragen wird, die abgeschlossen wurde, bevor der Abschluss zur Veröffentlichung freigegeben wird.

Der Betrag jeder einzelnen Schuld, die in Übereinstimmung mit diesem Paragraphen aus den kurzfristigen Schulden ausgegliedert wurde, ist gemeinsam mit Informationen zur Unterstützung dieser Darstellung in den Anhangangaben zur Bilanz anzugeben.

64.

Einige Verbindlichkeiten, die innerhalb des nächsten Geschäftszyklus zur Rückzahlung fällig werden, können erwartungsgemäß nach dem Ermessen des Unternehmens refinanziert oder „verlängert“ werden; deshalb wird nicht erwartet, dass sie gegenwärtiges kurzfristiges Betriebskapital des Unternehmens in Anspruch nehmen. Solche Verpflichtungen werden als Bestandteil der langfristigen Finanzierung des Unternehmens betrachtet und sind als langfristig zu klassifizieren. In Situationen, in denen jedoch eine Refinanzierung nicht im Ermessen des Unternehmens liegt (was der Fall wäre, wenn keine Refinanzierungsvereinbarung vorläge), kann die Refinanzierung nicht als selbstverständlich betrachtet werden, und die Verpflichtung wird als kurzfristig eingestuft, wenn nicht die Vollendung einer Refinanzierungsvereinbarung vor der Freigabe zur Veröffentlichung des Abschlusses den substanziellen Hinweis liefert, dass die Art der Schuld zum Bilanzstichtag langfristig war.

65.

Manche Darlehensvereinbarungen enthalten Zusicherungen des Kreditnehmers (Vertragsklauseln), die den Effekt haben, dass die Schuld auf Anforderung zu zahlen ist, falls bestimmte Bedingungen, die an die Vermögens- und Finanzlage des Kreditnehmers geknüpft sind, verletzt werden. Unter diesen Umständen wird die Schuld nur dann als langfristig klassifiziert, wenn:

(a)

der Kreditgeber vor der Freigabe zur Veröffentlichung des Abschlusses zugesagt hat, die Rückzahlung nicht als eine Folge des Verstoßes einzufordern, und

(b)

es nicht wahrscheinlich ist, dass weitere Vertragsverletzungen innerhalb von zwölf Monaten nach dem Bilanzstichtag eintreten.

Informationen, die in der Bilanz darzustellen sind

66.

In der Bilanz sind zumindest nachfolgende Posten darzustellen:

(a)

Sachanlagen;

(b)

immaterielle Vermögenswerte;

(c)

finanzielle Vermögenswerte (ausschließlich der Beträge, die unter (d), (f) und (g) ausgewiesen werden);

(d)

nach der Equity-Methode bilanzierte Finanzanlagen;

(e)

Vorräte;

(f)

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Forderungen;

(g)

Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente;

(h)

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Verbindlichkeiten;

(i)

Steuerschulden und -erstattungsansprüche, wie von IAS 12, Ertragsteuern, gefordert;

(j)

Rückstellungen;

(k)

langfristige verzinsliche Schulden;

(l)

Minderheitsanteile; und

(m)

gezeichnetes Kapital und Rücklagen.

67.

Zusätzliche Posten, Überschriften und Zwischensummen sind in der Bilanz darzustellen, wenn ein International Accounting Standard dies verlangt, oder wenn eine solche Darstellung notwendig ist, um die Vermögens- und Finanzlage des Unternehmens den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend darzustellen.

68.

Dieser Standard schreibt nicht die Reihenfolge oder die Struktur vor, in der Posten darzustellen sind. Paragraph 66 liefert lediglich eine Liste von Posten, die in ihrem Wesen oder ihrer Funktion so unterschiedlich sind, dass sie einen getrennten Ausweis in der Bilanz erforderlich machen. Beispielhafte Strukturschemata werden im Anhang zu diesem Standard gezeigt. Anpassungen an die oben aufgeführten Posten enthalten Folgendes:

(a)

Posten werden hinzugefügt, wenn ein anderer International Accounting Standard eine gesonderte Darstellung in der Bilanz verlangt, oder wenn der Umfang, die Art oder die Funktion eines Postens so sind, dass eine gesonderte Darstellung die Darstellung eines den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes der Vermögens- und Finanzlage des Unternehmens unterstützen würde; und

(b)

die verwendeten Bezeichnungen und die Reihenfolge der Posten können dem Wesen des Unternehmens und seinen Geschäftsvorfällen entsprechend geändert werden, um Informationen zu liefern, die für ein Gesamtverständnis der Vermögens- und Finanzlage des Unternehmens notwendig sind. Beispielsweise ändert eine Bank die oben aufgeführten Bezeichnungen, um die spezifischeren Anforderungen in den Paragraphen 18 bis 25 des IAS 30, Angaben im Abschluss von Banken und ähnlichen Finanzinstitutionen, zu erfüllen.

69.

Die in Paragraph 66 aufgelisteten Sachverhalte sind in ihrer Art umfassend und brauchen nicht auf Gegenstände beschränkt zu werden, die in den Anwendungsbereich anderer Standards fallen. Beispielsweise enthält der Posten immaterielle Vermögenswerte Geschäfts- oder Firmenwerte und Vermögenswerte, die sich aus Entwicklungsausgaben ergeben.

70.

Die Entscheidung, ob zusätzliche Posten gesondert ausgewiesen werden, basiert auf einer Einschätzung:

(a)

der Art und Liquidität von Vermögenswerten und deren Wesentlichkeit, was in den meisten Fällen zu der getrennten Darstellung von Geschäfts- oder Firmenwerten und Vermögenswerten, die durch Entwicklungsausgaben entstehen, von monetären und nicht monetären Vermögenswerten sowie kurzfristigen und langfristigen Vermögenswerten führt;

(b)

ihrer Funktion innerhalb des Unternehmens, was beispielsweise zu der getrennten Darstellung von betrieblichen und finanziellen Vermögenswerten, Vorräten, Forderungen, Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten führt; und

(c)

der Beträge, der Art und des Fälligkeitszeitpunktes von Schulden, was beispielsweise zu einer getrennten Darstellung von verzinslichen und nicht verzinslichen Schulden sowie Rückstellungen führt, die gegebenenfalls als kurzfristig oder langfristig klassifiziert werden.

71.

Vermögenswerte und Schulden, die sich nach Art oder Funktion unterscheiden, unterliegen manchmal unterschiedlichen Bewertungsgrundlagen. Beispielsweise können bestimmte Gruppen von Sachanlagen zu Anschaffungskosten oder zu neubewerteten Beträgen in Übereinstimmung mit IAS 16 fortgeführt werden. Die Anwendung unterschiedlicher Bewertungsgrundlagen für verschiedene Gruppen von Vermögenswerten lässt vermuten, dass sie sich in ihrer Art und Funktion unterscheiden und sie deshalb als gesonderte Posten auszuweisen sind.

Informationen, die entweder in der Bilanz oder im Anhang darzustellen sind

72.

Ein Unternehmen hat die dargestellten Posten entweder in der Bilanz oder in den Anhangangaben zur Bilanz in einer der Geschäftstätigkeit des Unternehmens angemessenen Weise weiter zu untergliedern. Jeder Posten ist, falls angemessen, gemäß seiner Art zu untergliedern, und Beträge, die an das Mutterunternehmen, Schwesterunternehmen, assoziierte Unternehmen und andere nahe stehende Unternehmen und Personen zu zahlen sind oder von diesen gefordert werden, sind gesondert anzugeben.

73.

Der entweder in der Bilanz oder im Anhang durch Untergliederungen gegebene Detaillierungsgrad hängt von den Anforderungen der International Accounting Standards und von Größe, Art und Funktion der einbezogenen Beträge ab. Die in Paragraph 70 aufgestellten Entscheidungskriterien werden auch zur Ermittlung der Grundlage von Untergliederungen genutzt. Die Angabepflichten werden für jeden Posten variieren, beispielsweise:

(a)

materielle Vermögenswerte werden nach Gruppen untergliedert, wie in IAS 16, Sachanlagen, beschrieben;

(b)

Forderungen werden gegliedert in Beträge, die von Handelskunden, anderen Konzernunternehmen oder nahe stehenden Unternehmen und Personen gefordert werden, sowie in Vorauszahlungen und sonstige Beträge;

(c)

Vorräte werden in Übereinstimmung mit IAS 2, Vorräte, in Klassen wie etwa Handelswaren, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, unfertige Erzeugnisse und Fertigerzeugnisse gegliedert;

(d)

Rückstellungen zeigen gesondert Rückstellungen für Personalaufwand und für alle anderen Posten, die den spezifischen Ausprägungen der Geschäftstätigkeit des Unternehmens entsprechend gebildet werden;

(e)

beim gezeichneten Kapital und bei den Rücklagen werden die verschiedenen Gruppen von eingezahltem Kapital, Agio und Rücklagen gesondert dargestellt.

74.

Ein Unternehmen hat Folgendes entweder in der Bilanz oder im Anhang anzugeben:

(a)

für jede Klasse von Anteilen:

(i)

die Anzahl der genehmigten Anteile;

(ii)

die Anzahl der ausgegebenen und voll eingezahlten Anteile und die Anzahl der ausgegebenen und nicht voll eingezahlten Anteile;

(iii)

den Nennwert der Anteile oder, dass die Anteile keinen Nennwert haben;

(iv)

eine Überleitungsrechnung der Anzahl der im Umlauf befindlichen Anteile am Anfang und am Ende der Periode;

(v)

die Rechte, Vorzugsrechte und Beschränkungen für die jeweilige Kategorie von Anteilen, einschließlich Beschränkungen bei der Ausschüttung von Dividenden und der Rückzahlung des Kapitals;

(vi)

Anteile am Unternehmen, die vom Unternehmen selbst, von Tochterunternehmen oder von assoziierten Unternehmen gehalten werden; und

(vii)

Anteile, die für eine Ausgabe auf Grund von Optionen und Verkaufsverträgen vorgehalten werden, unter Angabe der Modalitäten und Beträge;

(b)

eine Beschreibung von Art und Zweck jeder Rücklage innerhalb des Eigenkapitals;

(c)

den Betrag der Dividenden, der nach dem Bilanzstichtag, jedoch vor der Freigabe zur Veröffentlichung des Abschlusses vorgeschlagen oder angekündigt wurde; und

(d)

den Betrag der aufgelaufenen, noch nicht bilanzierten Vorzugsdividenden.

Ein Unternehmen ohne gezeichnetes Kapital, wie etwa eine Personengesellschaft, hat Informationen anzugeben, die dem oben Geforderten gleichwertig sind und Bewegungen während der Periode in jeder Eigenkapitalkategorie sowie die Rechte, Vorzugsrechte und Beschränkungen jeder Eigenkapitalkategorie zu beschreiben.

Gewinn- und Verlustrechnung

Informationen, die in der Gewinn- und Verlustrechnung darzustellen sind

75.

In der Gewinn- und Verlustrechnung sind zumindest nachfolgende Posten darzustellen:

(a)

Erlöse;

(b)

Ergebnisse der betrieblichen Tätigkeit;

(c)

Finanzierungsaufwendungen;

(d)

Gewinn- und Verlustanteile an assoziierten Unternehmen und Joint Ventures, die nach der Equity-Methode bilanziert werden;

(e)

Steueraufwendungen;

(f)

Ergebnis aus der gewöhnlichen Tätigkeit;

(g)

außerordentliche Posten;

(h)

auf Minderheiten entfallende Ergebnisanteile; und

(i)

Periodenergebnis

Zusätzliche Posten, Überschriften und Zwischensummen sind in der Gewinn- und Verlustrechnung darzustellen, wenn es von einem International Accounting Standard gefordert wird, oder wenn eine solche Darstellung notwendig ist, um die Ertragslage des Unternehmens den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend darzustellen.

76.

Die Auswirkungen der verschiedenartigen Tätigkeiten, Geschäftsvorfälle und Ereignisse eines Unternehmens, unterscheiden sich in Beständigkeit, Risiko und Vorhersehbarkeit, und die Angabe der Bestandteile des Periodenergebnisses fördert das Verständnis für die erreichte Ertragskraft und das Abschätzen künftiger Ergebnisse. Zusätzliche Posten werden in der Gewinn- und Verlustrechnung gezeigt und die ausgewählten Bezeichnungen sowie die Anordnung einzelner Posten geändert, wenn dies notwendig ist, um die Elemente der Ertragskraft zu erklären. Dabei müssen Faktoren wie Wesentlichkeit, Art und Funktion der verschiedenen Bestandteile von Erträgen und Aufwendungen in Betracht gezogen werden. Beispielsweise ändert eine Bank die Bezeichnungen, um die spezifischeren Vorschriften in den Paragraphen 9 bis 17 des IAS 30 zu erfüllen. Ertrags- und Aufwandsposten werden nur saldiert, wenn die Bedingungen in Paragraph 34 erfüllt werden.

Informationen, die entweder in der Gewinn- und Verlustrechnung oder im Anhang darzustellen sind

77.

Ein Unternehmen hat entweder in der Gewinn- und Verlustrechnung oder in den Anhangangaben zur Gewinn- und Verlustrechnung eine Analyse der Aufwendungen zu geben, die entweder auf der Art der Aufwendungen oder auf deren Funktion innerhalb des Unternehmens beruht.

78.

Unternehmen wird empfohlen, die Analyse aus Paragraph 77 in der Gewinn- und Verlustrechnung darzustellen.

79.

Aufwandsposten werden weiter unterteilt, um eine Bandbreite der Erfolgsbestandteile, die sich bezüglich Nachhaltigkeit, Gewinn- oder Verlustpotenzial und Vorhersagbarkeit unterscheiden können, hervorzuheben. Diese Informationen können auf zwei verschiedene Arten dargestellt werden.

80.

Die erste Analyse wird als Gesamtkostenverfahren (Aufwandsartenmethode) bezeichnet. Aufwendungen werden in der Gewinn- und Verlustrechnung nach ihrer Art zusammengefasst (beispielsweise Abschreibungen, Materialeinkauf, Transportaufwand, Löhne und Gehälter, Werbeaufwendungen) und sind nicht nach ihrer Zugehörigkeit zu einzelnen Funktionsbereichen des Unternehmens gruppiert. Diese Methode ist von vielen kleineren Unternehmen einfach anzuwenden, da keine Zuordnung von betrieblichen Aufwendungen zu einzelnen Funktionsbereichen notwendig ist. Ein Beispiel für eine Unterteilung bei Anwendung des Gesamtkostenverfahrens ist:

Erlöse

 

X

Sonstige betriebliche Erträge

 

X

Veränderung des Bestandes an Fertigerzeugnissen undunfertigen Erzeugnissen

X

 

Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe

X

 

Personalaufwand

X

 

Aufwand für planmäßige Abschreibungen

X

 

Sonstige betriebliche Aufwendungen

X

 

Gesamte betriebliche Aufwendungen

 

(X)

Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit

 

X

81.

Die Bestandsveränderung der Fertigerzeugnisse und unfertigen Erzeugnisse während der Periode stellt eine Anpassung an die Produktionsaufwendungen dar, um die Tatsache widerzuspiegeln, dass entweder die Produktion die Vorräte erhöht hat, oder die über die Produktion hinausgehenden Verkäufe die Vorräte reduziert haben. In einigen rechtlichen Hoheitsgebieten wird eine Zunahme von Fertigerzeugnissen und unfertigen Erzeugnissen während der Periode in der obigen Analyse unmittelbar unter den Umsatzerlösen ausgewiesen. Die gewählte Darstellung darf jedoch nicht den Eindruck vermitteln, dass diese Beträge Erträge darstellen.

82.

Die zweite Analyse wird als Umsatzkostenverfahren bezeichnet und unterteilt Aufwendungen nach ihrer funktionellen Zugehörigkeit als Teile der Umsatzkosten, der Vertriebs- oder Verwaltungsaktivitäten. Diese Darstellungsform liefert den Adressaten oft wichtigere Informationen als die Aufteilung nach den Aufwandsarten, aber die Zuordnung von Aufwendungen zu Funktionen kann willkürlich sein und enthält erhebliche Ermessensentscheidungen. Ein Beispiel für die Darstellung nach dem Umsatzkostenverfahren ist:

Umsatzerlöse

X

Umsatzkosten

(X)

Bruttogewinn

X

Sonstige betriebliche Erträge

X

Vertriebskosten

(X)

Verwaltungsaufwendungen

(X)

Sonstige betriebliche Aufwendungen

(X)

Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit

X

83.

Unternehmen, die das Umsatzkostenverfahren anwenden, haben zusätzliche Informationen über die Art der Aufwendungen, einschließlich des Aufwandes für planmäßige Abschreibungen sowie des Personalaufwands, anzugeben.

84.

Die Wahl der Analyse zwischen dem Umsatzkosten- und dem Gesamtkostenverfahren hängt sowohl von historischen und branchenbezogenen Faktoren, als auch von der jeweiligen Organisation ab. Beide Verfahren liefern Hinweise auf die Kosten, die sich erwartungsgemäß direkt oder indirekt mit der Höhe des Umsatzes oder der Produktion des Unternehmens verändern. Da jede der beiden Darstellungsformen für unterschiedliche Unternehmenstypen vorteilhaft ist, schreibt dieser Standard die Wahl derjenigen Darstellungsform vor, welche die Bestandteile der Ertragskraft des Unternehmens am besten darstellt. Da Informationen über die Art von Aufwendungen für die Vorhersage von zukünftigen Cashflows nützlich sind, werden bei Anwendung des Umsatzkostenverfahrens zusätzliche Angaben gefordert.

85.

Ein Unternehmen hat entweder in der Gewinn- und Verlustrechnung oder im Anhang den Betrag der beschlossenen oder vorgeschlagenen Dividende je Aktie für den Zeitraum anzugeben, auf den sich der Abschluss bezieht.

VERÄNDERUNGEN DES EIGENKAPITALS

86.

Ein Unternehmen hat als gesonderten Bestandteil seines Abschlusses eine Aufstellung anzugeben, die zeigt:

(a)

das Periodenergebnis;

(b)

jeden Ertrags- und Aufwands-, Gewinn- oder Verlustposten, der nach anderen Standards direkt im Eigenkapital erfasst wird, sowie die Summe dieser Posten; und

(c)

die Gesamtauswirkungen der Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden und der Berichtigung grundlegender Fehler, die als Benchmark-Methode in IAS 8 behandelt wird.

Zusätzlich hat ein Unternehmen entweder in dieser Aufstellung oder im Anhang anzugeben:

(d)

Kapitaltransaktionen mit Anteilseignern und Ausschüttungen an Anteilseigner;

(e)

den Betrag der angesammelten Ergebnisse zu Beginn der Periode und zum Bilanzstichtag sowie die Bewegungen während der Periode; und

(f)

eine Überleitungsrechnung der Buchwerte jeder Kategorie des gezeichneten Kapitals, des Agios und sämtlicher Rücklagen zu Beginn und am Ende der Periode, die jede Bewegung gesondert angibt.

87.

Veränderungen des Eigenkapitals eines Unternehmens zwischen zwei Bilanzstichtagen spiegeln die Zu- oder Abnahme seines Reinvermögens während der Periode, unter den im Abschluss angewandten und angegebenen besonderen Bewertungsprinzipien, wider. Mit Ausnahme der Veränderungen, die aus Transaktionen mit den Anteilseignern resultieren, wie etwa Kapitaleinlagen und Dividenden, stellt die Gesamtveränderung des Eigenkapitals das Ergebnis der Tätigkeit des Unternehmens in der Periode dar.

88.

IAS 8, Periodenergebnis, grundlegende Fehler und Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, fordert, dass alle in einer Periode erfassten Aufwands- und Ertragsposten in die Bestimmung des Periodenergebnisses einbezogen werden, außer ein International Accounting Standard verlangt oder erlaubt etwas Anderes. Andere Standards schreiben vor, dass Gewinne und Verluste, wie etwa Überschüsse und Fehlbeträge aus Neubewertungen und bestimmte Währungsumrechnungsdifferenzen, direkt als Veränderungen des Eigenkapitals zusammen mit Kapitaltransaktionen und Ausschüttungen an die Eigentümer des Unternehmens erfasst werden. Da es für die Beurteilung der Veränderungen der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens zwischen zwei Bilanzstichtagen wichtig ist, sämtliche Gewinne und Verluste zu erfassen, fordert dieser Standard einen eigenständigen Abschlussbestandteil, der die gesamten Gewinne und Verluste eines Unternehmens hervorhebt, einschließlich jener, die direkt im Eigenkapital erfasst werden.

89.

Die Vorschriften in Paragraph 86 können auf verschiedene Weise erfüllt werden. Viele Länder folgen in ihrer Gesetzgebung einem Spaltenformat, das die Anfangsbilanzwerte jeder Kategorie des Eigenkapitals, einschließlich der Posten (a) bis (f), in die Schlussbilanzwerte überleitet. Eine Alternative ist die Darstellung eines gesonderten Abschlussbestandteils, der nur die Posten (a) bis (c) ausweist. Bei diesem Ansatz werden die in (d) bis (f) beschriebenen Posten in den Anhangangaben zum Abschluss dargestellt. Beide Ansätze sind im Anhang zu diesem Standard erläutert. Unabhängig davon, welcher Ansatz angewandt wird, verlangt Paragraph 86 eine Zwischensumme der Posten in (b), um es den Adressaten zu ermöglichen, die sich aus der Tätigkeit des Unternehmens ergebenden Gesamtgewinne und -verluste der Periode abzuleiten.

Kapitalflussrechnung

90.

IAS 7 legt Anforderungen an die Darstellung der Kapitalflussrechnung und der zugehörigen Angaben fest. Der Standard besagt, dass Informationen über Kapitalzuflüsse und -abflüsse nützlich sind, indem sie den Abschlussadressaten eine Grundlage für die Beurteilung der Fähigkeit des Unternehmens bieten, Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente zu erwirtschaften, und den Bedarf des Unternehmens zur Nutzung dieser Kapitalflüsse zu ermessen.

Anhangangaben im Abschluss

Struktur

91.

Die Anhangangaben im Abschluss eines Unternehmens haben:

(a)

Informationen über die Grundlagen der Aufstellung des Abschlusses und die besonderen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, die für bedeutsame Geschäftsvorfälle und Ereignisse ausgewählt und angewandt worden sind, zu geben;

(b)

die Informationen anzugeben, die von International Accounting Standards verlangt werden, und an keiner anderen Stelle im Abschluss dargestellt werden; und

(c)

zusätzliche Informationen zu liefern, die nicht in den anderen Abschlussbestandteilen dargestellt werden, aber für die Darstellung eines den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes notwendig sind  (4) .

92.

Anhangangaben im Abschluss sind systematisch darzustellen. Jeder Posten in der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung und der Kapitalflussrechnung muss einen Querverweis zu sämtlichen dazugehörenden Informationen im Anhang haben.

93.

Anhangangaben im Abschluss enthalten sowohl verbale Beschreibungen oder detailliertere Aufschlüsselungen von Beträgen, die in der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung, der Kapitalflussrechnung und der Aufstellung über Veränderungen des Eigenkapitals gezeigt werden, als auch zusätzliche Informationen, wie etwa Eventualschulden und Verpflichtungen. Sie enthalten Informationen, deren Darstellung von International Accounting Standards verlangt oder empfohlen wird, sowie andere Angaben, die notwendig sind, um ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild zu vermitteln.

94.

Anhangangaben werden normalerweise in der folgenden Reihenfolge dargestellt, die den Adressaten hilft, den Abschluss zu verstehen und ihn mit denen anderer Unternehmen zu vergleichen:

(a)

Aussage zur Übereinstimmung mit den International Accounting Standards (siehe Paragraph 11);

(b)

Darstellung der angewandten Bewertungsgrundlage(n) und der angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden;

(c)

ergänzende Informationen zu den in den Abschlussbestandteilen dargestellten Posten in der Reihenfolge, in der jeder Posten und jeder Abschlussbestandteil dargestellt wird; und

(d)

andere Angaben, einschließlich:

(i)

Erfolgsunsicherheiten, Verpflichtungen und andere finanzielle Angaben, und

(ii)

nicht finanzielle Angaben.

95.

Unter bestimmten Umständen kann es notwendig oder wünschenswert sein, die Reihenfolge bestimmter Posten innerhalb des Anhangs zu ändern. Beispielsweise können Informationen über Zinssätze und Anpassungen des beizulegenden Zeitwerts mit Informationen über Fälligkeitstermine von Finanzinstrumenten kombiniert werden, obwohl erstere Angaben zur Gewinn- und Verlustrechnung sind, und letztere zur Bilanz gehören. Eine systematische Struktur für den Anhang ist jedoch beizubehalten, soweit es praktikabel ist.

96.

Informationen über die Grundlagen der Erstellung des Abschlusses und die spezifischen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden können als gesonderter Teil des Anhangs dargestellt werden.

Darstellung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden

97.

Der Abschnitt des Anhangs zu den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden hat Folgendes zu beschreiben:

(a)

die bei der Erstellung des Abschlusses herangezogene(n) Bewertungsgrundlage(n); und

(b)

jede spezifische Bilanzierungs- und Bewertungsmethode, die für ein richtiges Verständnis des Abschlusses notwendig ist.

98.

Zusätzlich zu den spezifischen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, die im Abschluss angewandt werden, ist es für Adressaten wichtig, die verwendete(n) Bewertungsgrundlage(n) (historische Anschaffungs- oder Herstellungskosten, Tageswert, Veräußerungswert, beizulegender Zeitwert oder Barwert) zu kennen, da sie die Grundlage bilden, auf der der gesamte Abschluss aufgestellt ist. Wird mehr als eine Bewertungsgrundlage im Abschluss angewandt, wenn beispielsweise bestimmte langfristige Vermögenswerte neu bewertet werden, ist es ausreichend, einen Hinweis auf die Gruppen von Vermögenswerten und Schulden zu geben, auf die die jeweilige Bewertungsgrundlage angewandt wird.

99.

Bei der Entscheidung, ob eine spezifische Bilanzierungs- und Bewertungsmethode anzugeben ist, wägt das Management ab, ob die Angaben den Adressaten zu verstehen helfen, auf welche Art und Weise Geschäftsvorfälle und Ereignisse in der dargestellten Vermögens-, Finanz- und Ertragslage wiedergegeben werden. Die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, die ein Unternehmen für die Darstellung in Betracht ziehen kann, enthalten, ohne darauf beschränkt zu sein, Folgendes:

(a)

Erfassung von Erlösen;

(b)

Konsolidierungsgrundsätze, einschließlich Tochterunternehmen und assoziierter Unternehmen;

(c)

Unternehmenszusammenschlüsse;

(d)

Joint Ventures;

(e)

Aktivierung und planmäßige Abschreibung von materiellen und immateriellen Vermögenswerten;

(f)

Aktivierung von Fremdkapitalkosten und anderen Aufwendungen;

(g)

Fertigungsaufträge;

(h)

als Finanzinvestitionen gehaltene Grundstücke und Bauten;

(i)

Finanzinstrumente und –investitionen;

(j)

Leasingverhältnisse;

(k)

Forschungs- und Entwicklungskosten;

(l)

Vorräte;

(m)

Steuern, einschließlich latenter Steuern;

(n)

Rückstellungen;

(o)

Zuwendungen an Arbeitnehmer;

(p)

Fremdwährungsumrechnung und Sicherungsgeschäfte;

(q)

Definition von Geschäftsfeldern und geografischen Segmenten sowie die Grundlagen der Zurechnung von Aufwendungen zwischen Segmenten;

(r)

Definition von Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten;

(s)

Inflationsrechnungslegung; und

(t)

Zuwendungen der öffentlichen Hand.

Andere International Accounting Standards schreiben besondere Angaben zu Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden in vielen dieser Bereiche vor.

100.

Jedes Unternehmen berücksichtigt die Art seiner Geschäftstätigkeit und die Rechnungslegungsmethoden, von denen der Adressat erwarten würde, dass sie für diesen Unternehmenstyp angegeben werden. Beispielsweise wird von allen privatrechtlichen Unternehmen erwartet, dass sie eine Bilanzierungs- und Bewertungsmethode bezüglich Ertragsteuern, einschließlich latenter Steuern und Steueransprüchen, angeben. Wenn ein Unternehmen bedeutende Geschäftsvorfälle und Transaktionen in Fremdwährungen tätigt, wird erwartet, dass Angaben bezüglich der Erfassung der Gewinne und Verluste aus der Währungsumrechnung und der Absicherung solcher Gewinne und Verluste gemacht werden. In konsolidierten Abschlüssen wird die Methode zur Bestimmung des Geschäfts- oder Firmenwertes und der Minderheitsanteile angegeben.

101.

Eine Bilanzierungs- und Bewertungsmethode kann auch dann bedeutsam sein, wenn die ausgewiesenen Beträge für die laufende und die vorangegangenen Perioden nicht wesentlich sind. Es ist ebenfalls angemessen, eine Bilanzierungs- und Bewertungsmethode für jede Verfahrensweise anzugeben, die zwar nicht von bestehenden International Accounting Standards behandelt wird, aber in Übereinstimmung mit Paragraph 20 ausgewählt und angewendet wird.

Andere Angaben

102.

Ein Unternehmen hat Folgendes anzugeben, wenn es nicht an anderer Stelle in Informationen angegeben wird, die zusammen mit dem Abschluss veröffentlicht werden:

(a)

den Sitz und die Rechtsform des Unternehmens, das Land, in dem es als juristische Person registriert ist, und die Adresse des eingetragenen Sitzes (oder des Hauptsitzes der Geschäftstätigkeit, wenn dieser vom eingetragenen Sitz abweicht);

(b)

eine Beschreibung der Art der Geschäftstätigkeit des Unternehmens und seiner Hauptaktivitäten;

(c)

den Namen des Mutterunternehmens und des obersten Mutterunternehmens des Konzerns; und

(d)

entweder die Anzahl der Arbeitnehmer am Ende der Periode oder den Durchschnitt der Periode.

ZEITPUNKT DES INKRAFTTRETENS

103.

Dieser International Accounting Standard ist erstmals in der ersten Berichtsperiode eines nach dem 1. Juli 1998 beginnenden Geschäftsjahrs anzuwenden. Eine frühere Anwendung wird empfohlen.

104.

Dieser International Accounting Standard ersetzt IAS 1, Angabe der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, IAS 5, Angabepflichten im Abschluss, und IAS 13, Darstellung der kurzfristigen Vermögenswerte und Schulden, die vom Board 1994 in umgegliederter Form genehmigt wurden.

INTERNATIONAL ACCOUNTING STANDARD IAS 2

(ÜBERARBEITET 1993)

Vorräte

Dieser überarbeitete International Accounting Standard ersetzt den vom Board im Oktober 1975 genehmigten IAS 2, Bewertung und Darstellung von Vorräten im Zusammenhang mit dem historischen Anschaffungs- oder Herstellungskostenprinzip. Der überarbeitete Standard war erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 1995 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

Im Mai 1999 änderte IAS 10 (überarbeitet 1999), Ereignisse nach dem Bilanzstichtag, Paragraph 28. Der geänderte Text trat in Kraft, als IAS 10 (überarbeitet 1999) in Kraft trat — d. h. er war erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 2000 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

Im Dezember 2000 änderte IAS 41, Landwirtschaft, den Paragraphen 1 und fügte den Paragraphen 16A ein. Der geänderte Text ist erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 2003 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

Eine SIC-Interpretation bezieht sich auf IAS 2:

SIC-1: Stetigkeit — Unterschiedliche Verfahren zur Zuordnung der Anschaffungs-oder Herstellungskosten von Vorräten.

INHALTSVERZEICHNIS

Zielsetzung

Anwendungsbereich 1-3
Definitionen 4-5
Bewertung von Vorräten 6
Anschaffungs- und Herstellungskosten von Vorräten 7-18
Anschaffungskosten 8-9
Herstellungskosten 10-12
Sonstige Kosten 13-15
Herstellungskosten der Vorräte eines Dienstleistungsunternehmens 16
Herstellungskosten der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die von biologischen Vermögenswerten geerntet wurden 16A
Verfahren zur Bemessung der Anschaffungs- und Herstellungskosten 17-18
Verfahren zur Zuordnung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten 19-24
Benchmark-Methode 21-22
Alternativ zulässige Methode 23-24
Nettoveräußerungswert 25-30
Erfassung als aufwand 31-33
Angaben 34-40
Zeitpunkt des Inkrafttretens 41

Die fett und kursiv gedruckten Vorschriften sind in Verbindung mit den Hintergrundmaterialien und den Anwendungsleitlinien dieses Standards sowie in Verbindung mit dem Vorwort zu den International Accounting Standards zu betrachten. International Accounting Standards brauchen nicht auf unwesentliche Sachverhalte angewendet zu werden (siehe Paragraph 12 des Vorwortes).

ZIELSETZUNG

Die Zielsetzung dieses Standards ist es, die Behandlung von Vorräten unter Beachtung des Anschaffungskostenprinzips zu regeln. Die primäre Fragestellung ist dabei die Höhe der Anschaffungs- oder Herstellungskosten, die als Vermögenswert anzusetzen und fortzuschreiben sind, bis die entsprechenden Erlöse realisiert sind. Dieser Standard gibt praktische Anleitungen für die Ermittlung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten und deren nachfolgende Erfassung als Aufwand einschließlich etwaiger Abwertungen auf den Nettoveräußerungswert. Er enthält außerdem Anleitungen hinsichtlich der Verfahren, nach denen die Anschaffungs- oder Herstellungskosten den Vorräten zugeordnet werden.

ANWENDUNGSBEREICH

1.

Dieser Standard ist in Abschlüssen, die unter Beachtung des historischen Anschaffungs- oder Herstellungskostenprinzips erstellt werden, auf die Bilanzierung von Vorräten anzuwenden; davon ausgenommen sind:

(a)

Unfertige Erzeugnisse im Rahmen von Fertigungsaufträgen einschließlich damit unmittelbar zusammenhängender Dienstleistungsverträge (siehe IAS 11, Fertigungsaufträge);

(b)

Finanzinstrumente;

(c)

Vorräte von Erzeugern land- und forstwirtschaftlicher Erzeugnisse, Erze und landwirtschaftliche Erzeugnisse jeweils insoweit, als diese Erzeugnisse in Übereinstimmung mit der gut eingeführten Praxis bestimmter Industriezweige mit dem Nettoveräußerungswert bewertet werden; und

(d)

Biologische Vermögenswerte, die mit einer landwirtschaftlichen Tätigkeit im Zusammenhang stehen (siehe IAS 41, Landwirtschaft).

2.

Dieser Standard ersetzt den 1975 genehmigten IAS 2, Bewertung und Darstellung der Vorräte im Rahmen des historischen Anschaffungs- oder Herstellungskostenprinzips.

3.

Die in Paragraph 1(c) genannten Vorräte werden in bestimmten Stadien der Erzeugung mit dem Nettoveräußerungswert bewertet. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn landwirtschaftliche Erzeugnisse geerntet oder Erze gefördert worden sind und ihr Verkauf durch ein Termingeschäft oder eine staatliche Garantie gesichert ist; des Weiteren, wenn ein homogener Markt besteht, auf dem das Risiko der Unverkäuflichkeit vernachlässigt werden kann. Diese Vorräte sind aus dem Anwendungsbereich dieses Standards ausgeschlossen.

DEFINITIONEN

4.

Die folgenden Begriffe werden in diesem Standard mit der angegebenen Bedeutung verwendet:

Vorräte sind Vermögenswerte,

(a)

die zum Verkauf im normalen Geschäftsgang gehalten werden;

(b)

die sich in der Herstellung für einen solchen Verkauf befinden; oder

(c)

die als Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe dazu bestimmt sind, bei der Herstellung oder der Erbringung von Dienstleistungen verbraucht zu werden.

Der Nettoveräußerungswert ist der geschätzte, im normalen Geschäftsgang erzielbare Verkaufserlös abzüglich der geschätzten Kosten bis zur Fertigstellung und der geschätzten notwendigen Vertriebskosten.

5.

Vorräte umfassen zum Weiterverkauf erworbene Waren, wie beispielsweise von einem Einzelhändler zum Weiterverkauf erworbene Handelswaren, oder Grundstücke und Gebäude, die zum Weiterverkauf gehalten werden. Des Weiteren umfassen Vorräte vom Unternehmen hergestellte Fertigerzeugnisse und unfertige Erzeugnisse sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe vor Eingang in den Herstellungsprozess. Im Falle eines Dienstleistungsunternehmens beinhalten Vorräte die Kosten der Leistungen, wie in Paragraph 16 beschrieben, für die das Unternehmen noch keine entsprechenden Erlöse vereinnahmt hat (siehe IAS 18, Erträge).

BEWERTUNG VON VORRÄTEN

6.

Vorräte sind mit dem niedrigeren Wert aus Anschaffungs- oder Herstellungskosten und Nettoveräußerungswert zu bewerten.

Anschaffungs- und Herstellungskosten von Vorräten

7.

In die Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Vorräten sind alle Kosten des Erwerbes und der Be- und Verarbeitung sowie sonstige Kosten einzubeziehen, die angefallen sind, um die Vorräte an ihren derzeitigen Ort und in ihren derzeitigen Zustand zu versetzen.

Anschaffungskosten

8.

Die Anschaffungskosten von Vorräten umfassen den Kaufpreis, Einfuhrzölle und andere Steuern (sofern es sich nicht um solche handelt, die das Unternehmen später von den Steuerbehörden zurückerlangen kann), Transport- und Verbringungskosten sowie sonstige Kosten, die der Beschaffung von Fertigerzeugnissen, Materialien und Leistungen unmittelbar zugerechnet werden können. Skonti, Rabatte und andere vergleichbare Beträge werden bei der Ermittlung der Anschaffungskosten abgezogen.

9.

Die Anschaffungskosten können Fremdwährungsdifferenzen einschließen, die sich unmittelbar aus der zuvor erfolgten Beschaffung von Vorräten in Fremdwährung ergeben, jedoch nur unter den seltenen Umständen, unter denen dies nach der alternativ zulässigen Methode gemäß IAS 21, Auswirkungen von Änderungen der Wechselkurse, zugelassen ist. Diese Währungsdifferenzen beschränken sich auf solche, die aus einer erheblichen Abwertung oder dem Verfall einer Währung resultieren, gegen die praktisch keine Sicherungsgeschäfte möglich sind, und die Verbindlichkeiten aus einer kurz vorher erfolgten Beschaffung von Vorräten betreffen, die nicht beglichen werden können.

Herstellungskosten

10.

Die Herstellungskosten von Vorräten umfassen die Kosten, die den Produktionseinheiten direkt zuzurechnen sind, wie beispielsweise Fertigungslöhne. Weiterhin umfassen sie systematisch zugerechnete fixe und variable Produktionsgemeinkosten, die bei der Verarbeitung der Ausgangsstoffe zu Fertigerzeugnissen anfallen. Fixe Produktionsgemeinkosten sind solche nicht direkt zurechenbaren Kosten der Produktion, die unabhängig vom Produktionsvolumen relativ konstant anfallen, wie beispielsweise Abschreibungen und Instandhaltungskosten von Betriebsgebäuden und -einrichtungen sowie die Kosten des Managements und der Verwaltung. Variable Produktionsgemeinkosten sind solche nicht direkt zurechenbaren Kosten der Produktion, die unmittelbar oder nahezu unmittelbar mit dem Produktionsvolumen variieren, wie beispielsweise Materialgemeinkosten und Fertigungsgemeinkosten.

11.

Die Zurechnung fixer Produktionsgemeinkosten zu den Herstellungskosten basiert auf der normalen Kapazität der Produktionsanlagen. Die normale Kapazität ist das Produktionsvolumen, das im Durchschnitt über eine Anzahl von Perioden oder Saisons unter normalen Umständen und unter Berücksichtigung von Ausfällen auf Grund planmäßiger Instandhaltungen erwartet werden kann. Das tatsächliche Produktionsniveau kann zu Grunde gelegt werden, wenn es der Normalkapazität nahe kommt. Der auf die einzelne Produktionseinheit entfallende Betrag der fixen Gemeinkosten erhöht sich infolge eines geringen Produktionsvolumens oder eines Betriebsstillstandes nicht. Nicht zugerechnete fixe Gemeinkosten sind in der Periode ihres Anfalls als Aufwand zu erfassen. In Perioden mit ungewöhnlich hohem Produktionsvolumen mindert sich der auf die einzelne Produktionseinheit entfallende Betrag der fixen Gemeinkosten, so dass die Vorräte nicht über den Herstellungskosten bewertet sind. Variable Produktionsgemeinkosten werden den einzelnen Produktionseinheiten auf der Grundlage des tatsächlichen Einsatzes der Produktionsmittel zugerechnet.

12.

Ein Produktionsprozess kann dazu führen, dass mehr als ein Produkt gleichzeitig produziert wird. Dies ist beispielsweise bei der Kuppelproduktion von zwei Hauptprodukten oder eines Haupt- und eines Nebenproduktes der Fall. Wenn die Herstellungskosten jedes Produktes nicht einzeln feststellbar sind, werden sie den Produkten auf einer vernünftigen und sachgerechten Basis zugerechnet. Die Zurechnung kann beispielsweise auf den jeweiligen Verkaufswerten der Produkte basieren, und zwar entweder in der Produktionsphase, in der die Produkte einzeln identifizierbar werden, oder nach Beendigung der Produktion. Die meisten Nebenprodukte sind ihrer Art nach unbedeutend. Wenn dies der Fall ist, werden sie häufig zum Nettoveräußerungswert bewertet und wird dieser Wert von den Herstellungskosten des Hauptproduktes abgezogen. Damit unterscheidet sich der Buchwert des Hauptproduktes nicht wesentlich von seinen Herstellungskosten.

Sonstige Kosten

13.

Sonstige Kosten werden nur insoweit in die Anschaffungs- oder Herstellungskosten der Vorräte einbezogen, als sie angefallen sind, um die Vorräte an ihren derzeitigen Ort und in ihren derzeitigen Zustand zu versetzen. Beispielsweise kann es sachgerecht sein, nicht produktionsbezogene Gemeinkosten oder die Kosten der Produktentwicklung für bestimmte Kunden in die Herstellungskosten der Vorräte einzubeziehen.

14.

Beispiele für Kosten, die aus den Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Vorräten ausgeschlossen sind und in der Periode ihres Anfalls als Aufwand behandelt werden, sind:

(a)

anomale Beträge für Materialabfälle, Fertigungslöhne oder andere Produktionskosten;

(b)

Lagerkosten, soweit diese nicht im Produktionsprozess vor einer weiteren Produktionsstufe erforderlich sind;

(c)

Verwaltungsgemeinkosten, die nicht dazu beitragen, die Vorräte an ihren derzeitigen Ort und in ihren derzeitigen Zustand zu versetzen; und

(d)

Vertriebskosten.

15.

Unter bestimmten Umständen können Fremdkapitalkosten in die Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Vorräten einbezogen werden. Diese Umstände sind unter der alternativ zulässigen Methode gemäß IAS 23, Fremdkapitalkosten, im Einzelnen dargestellt.

Herstellungskosten der Vorräte eines Dienstleistungsunternehmens

16.

Die Herstellungskosten der Vorräte eines Dienstleistungsunternehmens bestehen in erster Linie aus Löhnen und Gehältern sowie sonstigen Kosten des Personals, das unmittelbar für die Leistungserbringung eingesetzt ist; sie umfassen darüber hinaus die entsprechenden Kosten des Aufsichtspersonals und zurechenbare Gemeinkosten. Löhne und Gehälter sowie sonstige Kosten des Vertriebspersonals und des Personals der allgemeinen Verwaltung werden nicht einbezogen, sondern in der Periode ihres Anfalls als Aufwand erfasst.

Kosten der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die von biologischen Vermögenswerten geerntet wurden

16A.

Gemäß IAS 41, Landwirtschaft, werden Vorräte, die landwirtschaftliche Erzeugnisse umfassen und die ein Unternehmen von seinen biologischen Vermögenswerten geerntet hat, beim erstmaligen Ansatz im Zeitpunkt der Ernte zum beizulegenden Zeitwert abzüglich der geschätzten Kosten zum Verkaufszeitpunkt bewertet. Dies sind die Kosten der Vorräte zum Zeitpunkt der Anwendung dieses Standards.

Verfahren zur Bemessung der Anschaffungs- und Herstellungskosten

17.

Zur Bemessung der Anschaffungs- und Herstellungskosten von Vorräten können vereinfachend Verfahren, wie beispielsweise die Standardkostenmethode oder die retrograde Methode angewandt werden, wenn die Ergebnisse den tatsächlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten nahe kommen. Standardkosten berücksichtigen die normale Höhe des Materialeinsatzes und der Löhne sowie die normale Leistungsfähigkeit und Kapazitätsauslastung. Sie werden regelmäßig überprüft und, falls notwendig, an die aktuellen Gegebenheiten angepasst.

18.

Die retrograde Methode wird häufig im Einzelhandel angewandt, um eine große Anzahl rasch wechselnder Vorratsposten zu bewerten, die ähnliche Bruttogewinnspannen aufweisen und für die ein anderes Verfahren zur Bemessung der Anschaffungskosten nicht durchführbar oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist. Die Anschaffungskosten der Vorräte werden durch Abzug einer angemessenen prozentualen Bruttogewinnspanne vom Verkaufspreis der Vorräte ermittelt. Der angewandte Prozentsatz berücksichtigt dabei auch solche Vorräte, deren ursprünglicher Verkaufspreis herabgesetzt worden ist. Häufig wird ein Durchschnittsprozentsatz für jede Einzelhandelsabteilung verwendet.

Verfahren zur Zuordnung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten

19.

Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten solcher Vorräte, die normalerweise nicht austauschbar sind, und solcher Erzeugnisse, Waren oder Leistungen, die für spezielle Projekte hergestellt und ausgesondert werden, sind durch Einzelzuordnung ihrer individuellen Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu bestimmen.

20.

Eine Einzelzuordnung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten bedeutet, dass bestimmten Vorräten spezielle Anschaffungs- oder Herstellungskosten zugeordnet werden. Dies ist ein geeignetes Verfahren für solche Gegenstände, die für ein spezielles Projekt ausgesondert worden sind, unabhängig davon, ob sie angeschafft oder hergestellt worden sind. Eine Einzelzuordnung ist jedoch ungeeignet, wenn es sich um eine große Anzahl von Vorräten handelt, die normalerweise untereinander austauschbar sind. Unter diesen Umständen könnten die Gegenstände, die in den Vorräten verbleiben, danach ausgewählt werden, vorher bestimmte Auswirkungen auf das Periodenergebnis zu erzielen.

Benchmark-Methode

21.

Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Vorräten, die nicht in Paragraph 19 behandelt sind, sind nach dem First-in-First-out-Verfahren (FIFO) oder nach der Durchschnittsmethode zu ermitteln  (5) .

22.

Das FIFO-Verfahren geht von der Annahme aus, dass die zuerst angeschafften Vorräte zuerst verkauft worden sind und folglich die am Ende der Berichtsperiode verbleibenden Vorräte diejenigen sind, die unmittelbar vorher gekauft oder hergestellt worden sind. Bei Anwendung der Durchschnittsmethode werden die Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Vorräten als durchschnittlich gewichtete Kosten ähnlicher Vorräte zu Beginn der Periode und der Anschaffungs- oder Herstellungskosten ähnlicher, während der Periode gekaufter oder hergestellter Vorratsgegenstände ermittelt. Der gewogene Durchschnitt kann je nach den Gegebenheiten des Unternehmens auf Basis der Berichtsperiode oder gleitend bei jeder zusätzlich erhaltenen Lieferung berechnet werden.

Alternativ zulässige Methode

23.

Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Vorräten, die nicht in Paragraph 19 behandelt sind, sind nach dem Last-in-First-out-Verfahren (LIFO) zu ermitteln  (5) .

24.

Das LIFO-Verfahren geht von der Annahme aus, dass die zuletzt angeschafften oder hergestellten Vorräte zuerst verkauft worden sind und folglich die am Ende der Berichtsperiode in den Vorräten verbleibenden Gegenstände diejenigen sind, die zuerst angeschafft oder hergestellt worden sind.

Nettoveräußerungswert

25.

Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Vorräten sind unter Umständen nicht werthaltig, wenn die Vorräte beschädigt, ganz oder teilweise veraltet sind oder wenn ihr Verkaufspreis zurückgegangen ist. Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Vorräten können nicht zu erzielen sein, wenn die geschätzten Kosten der Fertigstellung oder die geschätzten, bis zum Verkauf anfallenden Kosten gestiegen sind. Die Abwertung der Vorräte auf den niedrigeren Nettoveräußerungswert folgt der Ansicht, dass Vermögenswerte nicht mit höheren Beträgen angesetzt werden dürfen, als bei ihrem Verkauf oder Gebrauch voraussichtlich zu realisieren sind.

26.

Abwertungen von Vorräten auf den Nettoveräußerungswert erfolgen im Regelfall in Form von Einzelwertberichtigung. In einigen Fällen kann es jedoch sinnvoll sein, ähnliche oder miteinander zusammenhängende Vorräte zusammenzufassen. Dies kann etwa bei Vorräten der Fall sein, die derselben Produktlinie angehören und einen ähnlichen Zweck oder Endverbleib haben, in demselben geografischen Gebiet produziert und vermarktet werden und praktisch nicht unabhängig von anderen Gegenständen aus dieser Produktlinie bewertet werden können. Es ist nicht sachgerecht, Vorräte auf Grundlage einer Untergliederung, wie zum Beispiel Fertigerzeugnisse oder Vorräte eines bestimmten Industriezweiges oder eines bestimmten geografischen Segmentes, abzuwerten. Dienstleistungsunternehmen erfassen im Allgemeinen die Herstellungskosten für jede mit einem gesonderten Verkaufspreis abzurechnende Leistung. Aus diesem Grund wird jede derartige Leistung als ein gesonderter Gegenstand des Vorratsvermögens behandelt.

27.

Schätzungen des Nettoveräußerungswertes basieren auf den verlässlichsten substanziellen Hinweisen, die zum Zeitpunkt der Schätzungen im Hinblick auf den für die Vorräte voraussichtlich erzielbaren Betrag verfügbar sind. Diese Schätzungen berücksichtigen Preis- oder Kostenänderungen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit Vorgängen nach der Berichtsperiode stehen insoweit, als diese Vorgänge Verhältnisse aufhellen, die bereits am Ende der Berichtsperiode bestanden haben.

28.

Schätzungen des Nettoveräußerungswertes berücksichtigen weiterhin den Zweck, zu dem die Vorräte gehalten werden. Zum Beispiel basiert der Nettoveräußerungswert der Vorräte, die zur Erfüllung abgeschlossener Liefer- und Leistungsverträge gehalten werden, auf den vertraglich vereinbarten Preisen. Wenn die Verkaufsverträge nur einen Teil der Vorräte betreffen, basiert der Nettoveräußerungswert für den darüber hinausgehenden Teil auf allgemeinen Verkaufspreisen. Rückstellungen oder Eventualschulden können von abgeschlossenen Verkaufsverträgen über Vorräte, die über die vorhandenen Bestände hinausgehen, oder von abgeschlossenen Einkaufsverträgen entstehen. Diese Rückstellungen oder Eventualschulden werden nach IAS 37, Rückstellungen, Eventualschulden und Eventualforderungen, behandelt.

29.

Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, die für die Herstellung von Vorräten bestimmt sind, werden nicht auf einen unter ihren Anschaffungs- oder Herstellungskosten liegenden Wert abgewertet, wenn die Fertigerzeugnisse, in die sie eingehen, voraussichtlich zu den Herstellungskosten oder darüber verkauft werden können. Wenn jedoch ein Preisrückgang für diese Stoffe darauf hindeutet, dass die Herstellungskosten der Fertigerzeugnisse über dem Nettoveräußerungswert liegen werden, werden die Stoffe auf den Nettoveräußerungswert abgewertet. Unter diesen Umständen können die Wiederbeschaffungskosten für die Stoffe die beste verfügbare Bemessungsgrundlage für den Nettoveräußerungswert sein.

30.

Der Nettoveräußerungswert wird in jeder Folgeperiode neu ermittelt. Wenn die Umstände, die früher zu einer Abwertung der Vorräte auf einen Wert unter ihren Anschaffungs- oder Herstellungskosten geführt haben, nicht länger bestehen, wird der Betrag der Abwertung insoweit rückgängig gemacht, dass der neue Buchwert dem niedrigeren Wert aus Anschaffungs- oder Herstellungskosten und berichtigtem Nettoveräußerungswert entspricht. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn sich Vorräte, die auf Grund eines Rückganges ihres Verkaufspreises zum Nettoveräußerungswert angesetzt waren, in einer Folgeperiode noch im Bestand befinden und sich ihr Verkaufspreis wieder erhöht hat.

ERFASSUNG ALS AUFWAND

31.

Wenn Vorräte verkauft worden sind, ist der Buchwert dieser Vorräte in der Berichtsperiode als Aufwand zu erfassen, in der die zugehörigen Erträge realisiert sind. Alle Abwertungen von Vorräten auf den Nettoveräußerungswert sowie alle Verluste bei den Vorräten sind in der Periode als Aufwand zu erfassen, in der die Abwertungen vorgenommen worden oder die Verluste eingetreten sind. Alle Wertaufholungen bei Vorräten, die sich aus einer Erhöhung des Nettoveräußerungswertes ergeben, sind als Verminderung des Materialaufwandes in der Periode zu erfassen, in der die Wertaufholung eintritt.

32.

Das Vorgehen, den Buchwert der verkauften Vorräte als Aufwand zu erfassen, führt zu einer sachgerechten Zuordnung von Aufwendungen und Erträgen.

33.

Vorräte können auch anderen Vermögenswerten zugerechnet werden, zum Beispiel dann, wenn Vorräte als Teil selbsterstellter Sachanlagen verwendet werden. Vorräte, die auf diese Weise einem anderen Vermögenswert zugeordnet worden sind, werden über die Nutzungsdauer dieses Vermögenswertes als Aufwand erfasst.

ANGABEN

34.

Die Abschlüsse müssen folgende Angaben enthalten:

(a)

die angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden für Vorräte einschließlich der Zuordnungsverfahren;

(b)

den Gesamtbuchwert der Vorräte und die Buchwerte in einer unternehmensspezifischen Untergliederung;

(c)

den Buchwert der zum Nettoveräußerungswert angesetzten Vorräte;

(d)

den Betrag von vorgenommenen Wertaufholungen der gemäß Paragraph 31 in der Berichtsperiode als Ertrag erfasst wird;

(e)

die Umstände oder Ereignisse, die zu der Wertaufholung der Vorräte gemäß Paragraph 31 geführt haben; und

(f)

den Buchwert der Vorräte, die als Sicherheit für Verbindlichkeiten verpfändet sind.

35.

Eine Information über die Buchwerte unterschiedlicher Arten von Vorräten und das Ausmaß der Veränderungen dieser Vermögenswerte sind für die Adressaten der Abschlüsse nützlich. Verbreitet sind Untergliederungen der Vorräte in Handelswaren, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, unfertige Erzeugnisse und Fertigerzeugnisse. Die Vorräte eines Dienstleistungsunternehmens können einfach als unfertige Leistungen bezeichnet werden.

36.

Wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Vorräten gemäß der alternativ zulässigen Methode in Paragraph 23 nach dem Lifo-Verfahren ermittelt worden sind, ist im Abschluss die Differenz zwischen dem Buchwert der Vorräte in der Bilanz und entweder:

(a)

dem niedrigeren Wert des gemäß Paragraph 21 ermittelten Betrages und des Nettoveräußerungswertes; oder

(b)

dem niedrigeren Betrag der Wiederbeschaffungs- oder Wiederherstellungskosten zum Bilanzstichtag und des Nettoveräußerungswertes anzugeben.

37.

Im Abschluss sind weiterhin anzugeben:

(a)

die Anschaffungs- und Herstellungskosten der Vorräte, die als Aufwand der Berichtsperiode erfasst worden sind; oder

(b)

die den Erträgen zuzurechnenden betrieblichen Aufwendungen, die während der Berichtsperiode als Aufwand erfasst worden sind, unterteilt nach Aufwandsarten.

38.

Die Anschaffungs- und Herstellungskosten von Vorräten, die während der Periode als Aufwand erfasst worden sind, umfassen die Kosten, die zuvor Teil der Bewertung der verkauften Vorräte waren, sowie die nicht zugerechneten Produktionsgemeinkosten und anomale Produktionskosten der Vorräte. Die unternehmensspezifischen Umstände können die Einbeziehung weiterer Kosten, wie beispielsweise Vertriebskosten, rechtfertigen.

39.

Einige Unternehmen verwenden eine abweichende Gliederung für die Gewinn- und Verlustrechnung, die dazu führt, dass an Stelle der Anschaffungs- und Herstellungskosten der Vorräte, die während der Berichtsperiode als Aufwand erfasst wurden, andere Beträge angegeben werden. Nach dieser abweichenden Gliederung gibt ein Unternehmen die Beträge der betrieblichen Aufwendungen an, die den Erträgen dieser Periode zuzurechnen sind, unterteilt nach Aufwandsarten. In diesem Fall gibt das Unternehmen die als Aufwand erfassten Kosten für Rohstoffe und Verbrauchsgüter, Personalkosten und andere betriebliche Kosten zusammen mit dem Betrag der Bestandsveränderungen des Vorratsvermögens in der Berichtsperiode an.

40.

Eine Abwertung auf den Nettoveräußerungswert kann von solcher Größenordnung, Häufigkeit oder Art sein, dass Angaben gemäß IAS 8, Periodenergebnis, grundlegende Fehler und Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, erforderlich sind.

ZEITPUNKT DES INKRAFTTRETENS

41.

Dieser International Accounting Standard ist erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 1995 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

INTERNATIONAL ACCOUNTING STANDARD IAS 7

(ÜBERARBEITET 1992)

Kapitalflussrechnungen

Dieser überarbeitete International Accounting Standard ersetzt den IAS 7, Kapitalflussrechnungen, der im Oktober 1977 vom Board genehmigt worden ist. Der überarbeitete Standard war erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 1994 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

INHALTSVERZEICHNIS

Zielsetzung

Anwendungsbereich 1-3
Nutzen von Kapitalflussinformationen 4-5
Definitionen 6-9
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 7-9
Darstellung einer Kapitalflussrechnung 10-17
Betriebliche Tätigkeit 13-15
Investitionstätigkeit 16
Finanzierungstätigkeit 17
Darstellung der Cashflows aus der Betrieblichen Tätigkeit 18-20
Darstellung der Cashflows aus Investitions- und Finanzierungstätigkeit 21
Saldierte darstellung der Cashflows 22-24
Cashflows in Fremdwährung 25-28
Ausserordentliche Posten 29-30
Zinsen und Dividenden 31-34
Ertragsteuern 35-36
Anteile an Tochterunternehmen, assoziierten Unternehmen und Joint Ventures 37-38
Erwerb und Veräusserung von Tochterunternehmen und sonstigen Geschäftseinheiten 39-42
Nicht zahlungswirksame Transaktionen 43-44
Bestandteile der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 45-47
Sonstige Angaben 48-52
Zeitpunkt des Inkrafttretens 53

Die fett und kursiv gedruckten Vorschriften sind in Verbindung mit den Hintergrundmaterialien und den Anwendungsleitlinien dieses Standards sowie in Verbindung mit dem Vorwort zu den International Accounting Standards zu betrachten. International Accounting Standards brauchen nicht auf unwesentliche Sachverhalte angewendet zu werden (siehe Paragraph 12 des Vorwortes).

ZIELSETZUNG

Informationen über die Cashflows eines Unternehmens vermitteln den Abschlussadressaten eine Grundlage zur Beurteilung der Fähigkeit des Unternehmens, Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente zu erwirtschaften, sowie zur Abschätzung des Liquiditätsbedarfes des Unternehmens. Die von den Adressaten getroffenen wirtschaftlichen Entscheidungen setzen eine Einschätzung der Fähigkeit eines Unternehmens zum Erwirtschaften von Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten sowie des Zeitpunktes und der Wahrscheinlichkeit des Erwirtschaftens voraus.

Die Zielsetzung dieses Standards besteht darin, Informationen über die Bewegungen der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente eines Unternehmens bereitzustellen. Diese Informationen werden durch eine Kapitalflussrechnung zur Verfügung gestellt, welche die Cashflows der Berichtsperiode nach der betrieblichen Tätigkeit, der Investitions- und der Finanzierungstätigkeit klassifiziert.

ANWENDUNGSBEREICH

1.

Ein Unternehmen hat eine Kapitalflussrechnung gemäß den Anforderungen dieses Standards zu erstellen und als integralen Bestandteil des Abschlusses für jede Periode darzustellen, für die Abschlüsse aufgestellt werden.

2.

Dieser Standard ersetzt den im Juli 1977 verabschiedeten IAS 7, Kapitalflussrechnung.

3.

Die Abschlussadressaten eines Unternehmens sind daran interessiert, auf welche Weise das Unternehmen Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente erwirtschaftet und verwendet. Dies gilt unabhängig von der Art der Tätigkeiten des Unternehmens und unabhängig davon, ob Zahlungsmittel als das Produkt des Unternehmens betrachtet werden können, wie es bei einer Finanzinstitution der Fall ist. Im Grunde genommen benötigen Unternehmen Zahlungsmittel aus denselben Gründen, wie unterschiedlich ihre wesentlichen erlöswirksamen Tätigkeiten sein mögen. Sie benötigen Zahlungsmittel zur Durchführung ihrer Tätigkeiten, zur Erfüllung ihrer finanziellen Verpflichtungen sowie zur Zahlung von Dividenden an ihre Investoren. Demnach sind nach diesem Standard sämtliche Unternehmen zur Aufstellung von Kapitalflussrechnungen verpflichtet.

NUTZEN VON KAPITALFLUSSINFORMATIONEN

4.

In Verbindung mit den übrigen Bestandteilen des Abschlusses liefert die Kapitalflussrechnung Informationen, anhand derer die Abschlussadressaten die Änderungen im Reinvermögen eines Unternehmens und seine Vermögens- und Finanzstruktur (einschließlich Liquidität und Solvenz) bewerten können. Weiterhin können die Adressaten die Fähigkeit des Unternehmens zur Beeinflussung der Höhe und des zeitlichen Anfalles von Cashflows bewerten, die es ihm erlaubt, auf veränderte Umstände und Möglichkeiten zu reagieren. Kapitalflussinformationen sind hilfreich für die Beurteilung der Fähigkeit eines Unternehmens, Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente zu erwirtschaften, und ermöglichen den Abschlussadressaten die Entwicklung von Modellen zur Beurteilung und zum Vergleich des Barwertes der künftigen Cashflows verschiedener Unternehmen. Darüber hinaus verbessert eine Kapitalflussrechnung die Vergleichbarkeit der Darstellung der Ertragskraft verschiedener Unternehmen, da die Auswirkungen der Verwendung verschiedener Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden für dieselben Geschäftsvorfälle und Ereignisse eliminiert werden.

5.

Historische Kapitalflussinformationen werden häufig als Indikator für den Betrag, den Zeitpunkt und die Wahrscheinlichkeit künftiger Cashflows herangezogen. Außerdem sind die Informationen nützlich, um die Genauigkeit in der Vergangenheit vorgenommener Beurteilungen künftiger Cashflows zu prüfen und die Beziehung zwischen der Rentabilität und dem Netto-Cashflow sowie die Auswirkungen von Preisänderungen zu untersuchen.

DEFINITIONEN

6.

Folgende Begriffe werden in diesem Standard mit der angegebenen Bedeutung verwendet:

 

Zahlungsmittel umfassen Barmittel und Sichteinlagen.

 

Zahlungsmitteläquivalente sind kurzfristige, äußerst liquide Finanzinvestitionen, die jederzeit in bestimmte Zahlungsmittelbeträge umgewandelt werden können und nur unwesentlichen Wertschwankungsrisiken unterliegen.

 

Cashflows sind Zuflüsse und Abflüsse von Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten.

 

Betriebliche Tätigkeiten sind die wesentlichen erlöswirksamen Tätigkeiten des Unternehmens sowie andere Aktivitäten, die nicht den Investitions- oder Finanzierungstätigkeiten zuzuordnen sind.

 

Investitionstätigkeiten sind der Erwerb und die Veräußerung langfristiger Vermögenswerte und sonstiger Finanzinvestitionen, die nicht zu den Zahlungsmitteläquivalenten gehören.

 

Finanzierungstätigkeiten sind Aktivitäten, die sich auf den Umfang und die Zusammensetzung der Eigenkapitalposten und der Ausleihungen des Unternehmens auswirken.

Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente

7.

Zahlungsmitteläquivalente dienen dazu, kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Sie werden gewöhnlich nicht zu Investitions- oder anderen Zwecken gehalten. Damit eine Finanzinvestition als Zahlungsmitteläquivalent klassifiziert wird, muss sie ohne weiteres in einen bestimmten Zahlungsmittelbetrag umgewandelt werden können und darf nur unwesentlichen Wertschwankungsrisiken unterliegen. Aus diesem Grund gehört eine Finanzinvestition im Regelfall nur dann zu den Zahlungsmitteläquivalenten, wenn sie — gerechnet vom Erwerbszeitpunkt — eine Restlaufzeit von nicht mehr als etwa drei Monaten besitzt. Kapitalbeteiligungen gehören grundsätzlich nicht zu den Zahlungsmitteläquivalenten, es sei denn, sie sind ihrem wirtschaftlichen Gehalt nach Zahlungsmitteläquivalente, wie beispielsweise im Fall von Vorzugsaktien mit kurzer Restlaufzeit und festgelegtem Einlösungszeitpunkt.

8.

Verbindlichkeiten gegenüber Banken gehören grundsätzlich zu den Finanzierungstätigkeiten. In einigen Ländern bilden Kontokorrentkredite, die auf Anforderung rückzahlbar sind, jedoch einen integralen Bestandteil der Zahlungsmitteldisposition des Unternehmens. In diesen Fällen werden Kontokorrentkredite den Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten zugerechnet. Ein Merkmal solcher Vereinbarungen sind häufige Schwankungen des Kontosaldos zwischen Soll- und Haben-Beständen.

9.

Bewegungen zwischen den Komponenten der Zahlungsmittel oder Zahlungsmitteläquivalente sind nicht als Cashflows zu betrachten, da diese Bewegungen Teil der Zahlungsmitteldisposition eines Unternehmens sind und nicht Teil der betrieblichen Tätigkeit, der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit. Zur Zahlungsmitteldisposition gehört auch die Investition überschüssiger Zahlungsmittel in Zahlungsmitteläquivalente.

DARSTELLUNG DER KAPITALFLUSSRECHNUNG

10.

Die Kapitalflussrechnung hat Cashflows während der Berichtsperiode zu enthalten, die nach betrieblichen Tätigkeiten, Investitions- und Finanzierungstätigkeiten klassifiziert werden.

11.

Ein Unternehmen stellt die Cashflows aus betrieblicher Tätigkeit, Investitions- und Finanzierungstätigkeit in einer Weise dar, die seiner jeweiligen wirtschaftlichen Betätigung möglichst angemessen ist. Die Klassifizierung nach Tätigkeitsbereichen liefert Informationen, anhand derer die Adressaten die Auswirkungen dieser Tätigkeiten auf die Vermögens- und Finanzlage des Unternehmens und die Höhe der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente beurteilen können. Weiterhin können diese Informationen eingesetzt werden, um die Beziehungen zwischen diesen Tätigkeiten zu bewerten.

12.

Ein Geschäftsvorfall umfasst unter Umständen Cashflows, die unterschiedlichen Tätigkeiten zuzurechnen sind. Wenn die Rückzahlung eines Darlehens beispielsweise sowohl Zinsen als auch Tilgung umfasst, kann der Zinsanteil unter Umständen als betriebliche Tätigkeit, der Tilgungsanteil als Finanzierungstätigkeit klassifiziert werden.

Betriebliche Tätigkeit

13.

Die Cashflows aus der betrieblichen Tätigkeit sind ein Schlüsselindikator dafür, in welchem Ausmaß es durch die Unternehmenstätigkeit gelungen ist, Zahlungsmittelüberschüsse zu erwirtschaften, die ausreichen, um Verbindlichkeiten zu tilgen, die Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten, Dividenden zu zahlen und Investitionen zu tätigen, ohne dabei auf Quellen der Außenfinanzierung angewiesen zu sein. Informationen über die spezifischen Bestandteile der Cashflows aus betrieblicher Tätigkeit sind in Verbindung mit anderen Informationen von Nutzen, um künftige Cashflows aus betrieblicher Tätigkeit zu prognostizieren.

14.

Cashflows aus der betrieblichen Tätigkeit stammen in erster Linie aus der erlöswirksamen Tätigkeit des Unternehmens. Daher resultieren sie im Allgemeinen aus Geschäftsvorfällen und anderen Ereignissen, die als Ertrag oder Aufwand das Periodenergebnis beeinflussen. Im Folgenden werden Beispiele für Cashflows aus der betrieblichen Tätigkeit angeführt:

(a)

Zahlungseingänge aus dem Verkauf von Gütern und der Erbringung von Dienstleistungen;

(b)

Zahlungseingänge aus Nutzungsentgelten, Honoraren, Provisionen und anderen Erlösen;

(c)

Auszahlungen an Lieferanten von Gütern und Dienstleistungen;

(d)

Auszahlungen an und für Beschäftigte;

(e)

Einzahlungen und Auszahlungen von Versicherungsunternehmen für Prämien, Schadensregulierungen, Renten und andere Versicherungsleistungen;

(f)

Zahlungen oder Rückerstattungen von Ertragsteuern, es sei denn, die Zahlungen können der Finanzierungs- und Investitionstätigkeit zugeordnet werden; und

(g)

Einzahlungen und Auszahlungen für Handelsverträge.

Einige Geschäftsvorfälle, wie beispielsweise der Verkauf eines Postens aus dem Anlagevermögen, führen zu einem Gewinn bzw. Verlust, der sich auf das Periodenergebnis auswirkt. Die entsprechenden Cashflows sind jedoch Cashflows aus dem Bereich der Investitionstätigkeit.

15.

Ein Unternehmen hält unter Umständen Wertpapiere und Anleihen zu Handelszwecken. In diesem Fall ähneln diese Posten den zur Weiterveräußerung bestimmten Vorräten. Aus diesem Grund werden Cashflows aus dem Erwerb und Verkauf derartiger Wertpapiere als betriebliche Tätigkeit klassifiziert. Ähnlich gelten von Finanzinstitutionen gewährte Kredite und Darlehen im Regelfall als betriebliche Tätigkeit, da sie mit der wesentlichen erlöswirksamen Tätigkeit dieses Unternehmens in Zusammenhang stehen.

Investitionstätigkeit

16.

Die gesonderte Angabe der Cashflows aus der Investitionstätigkeit ist von Bedeutung, da die Cashflows das Ausmaß angeben, in dem Aufwendungen für Ressourcen getätigt wurden, die künftige Erträge und Cashflows erwirtschaften sollen. Im Folgenden werden Beispiele für Cashflows aus Investitionstätigkeit angeführt:

(a)

Auszahlungen für die Beschaffung von Sachanlagen, immateriellen und anderen langfristigen Vermögenswerten. Hierzu zählen auch Auszahlungen für aktivierte Entwicklungskosten und für selbst erstellte Sachanlagen;

(b)

Einzahlungen aus dem Verkauf von Sachanlagen, immateriellen und anderen langfristigen Vermögenswerten;

(c)

Auszahlungen für den Erwerb von Eigenkapital oder Schuldinstrumenten anderer Unternehmen und von Anteilen an Joint Ventures (sofern diese Titel nicht als Zahlungsmitteläquivalente betrachtet werden oder zu Handelszwecken gehalten werden);

(d)

Einzahlungen aus der Veräußerung von Eigenkapital- oder Schuldinstrumenten anderer Unternehmen und von Anteilen an Joint Ventures (sofern diese Titel nicht als Zahlungsmitteläquivalente betrachtet werden oder zu Handelszwecken gehalten werden);

(e)

Auszahlungen für Dritten gewährte Kredite und Darlehen (mit Ausnahme der von einer Finanzinstitution gewährten Kredite und Darlehen);

(f)

Einzahlungen aus der Tilgung von Dritten gewährten Krediten und Darlehen (mit Ausnahme der von einer Finanzinstitution gewährten Kredite und Darlehen);

(g)

Auszahlungen für standardisierte und andere Termingeschäfte, Options- und Swap-Geschäfte, es sei denn, diese Verträge werden zu Handelszwecken gehalten oder die Auszahlungen werden als Finanzierungstätigkeit klassifiziert;

(h)

Einzahlungen aus standardisierten und anderen Termingeschäften, Options- und Swap-Geschäften, es sei denn, diese Verträge werden zu Handelszwecken gehalten oder die Einzahlungen werden als Finanzierungstätigkeit klassifiziert.

Wenn ein Kontrakt als Sicherungsgeschäft, das sich auf ein bestimmbares Grundgeschäft bezieht, behandelt wird, werden die Cashflows des Kontraktes auf dieselbe Art und Weise klassifiziert wie die Cashflows des gesicherten Grundgeschäftes.

Finanzierungstätigkeit

17.

Die gesonderte Angabe der Cashflows aus der Finanzierungstätigkeit ist von Bedeutung, da sie nützlich sind für die Abschätzung zukünftiger Ansprüche der Kapitalgeber gegenüber dem Unternehmen. Im Folgenden werden Beispiele für Cashflows aus der Finanzierungstätigkeit angeführt:

(a)

Einzahlungen aus der Ausgabe von Anteilen oder anderen Eigenkapitalinstrumenten;

(b)

Auszahlungen an Eigentümer zum Erwerb oder Rückerwerb von (eigenen) Anteilen an dem Unternehmen;

(c)

Einzahlungen aus der Ausgabe von Schuldverschreibungen, Schuldscheinen und Rentenpapieren sowie aus der Aufnahme von Darlehen und Hypotheken oder aus der Aufnahme anderer kurz- oder langfristiger Ausleihungen;

(d)

Auszahlungen für die Rückzahlung von Ausleihungen; und

(e)

Auszahlungen von Leasingnehmern zur Tilgung von Verbindlichkeiten aus Finanzierungs-Leasingverträgen.

DARSTELLUNG DER CASHFLOWS AUS DER BETRIEBLICHEN TÄTIGKEIT

18.

Ein Unternehmen hat Cashflows aus der betrieblichen Tätigkeit in einer der beiden folgenden Formen darzustellen:

(a)

direkte Darstellung, wobei die Hauptklassen der Bruttoeinzahlungen und Bruttoauszahlungen angegeben werden; oder

(b)

indirekte Darstellung, wobei das Periodenergebnis um Auswirkungen von nicht zahlungswirksamen Geschäftsvorfällen, Abgrenzungen oder Rückstellungen von vergangenen oder künftigen betrieblichen Ein- oder Auszahlungen sowie um Ertrags- und Aufwandsposten, die dem Investitions- oder Finanzierungsbereich zuzurechnen sind, berichtigt wird.

19.

Unternehmen wird empfohlen, die Cashflows aus der betrieblichen Tätigkeit nach der direkten Methode darzustellen. Die direkte Darstellung stellt Informationen zur Verfügung, welche die Abschätzung künftiger Cashflows erleichtern und bei Anwendung der indirekten Darstellungsform nicht verfügbar sind. Bei Anwendung der direkten Methode können Informationen über die Hauptgruppen der Bruttoeinzahlungen und Bruttoauszahlungen folgendermaßen erhalten werden:

(a)

aus der Buchhaltung des Unternehmens; oder

(b)

durch Korrekturen der Umsatzerlöse und der Umsatzkosten (Zinsen und ähnliche Erträge sowie Zinsaufwendungen und ähnliche Aufwendungen bei einer Finanzinstitution) sowie anderer Posten der Gewinn- und Verlustrechnung, um

(i)

Bestandsveränderungen der Periode bei den Vorräten und bei den Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen;

(ii)

andere zahlungsunwirksame Posten; und

(iii)

andere Posten, die Cashflows in den Bereichen der Investition oder der Finanzierung darstellen.

20.

Bei Anwendung der indirekten Methode wird der Netto-Cashflow aus der betrieblichen Tätigkeit durch Korrektur des Periodenergebnisses um die folgenden Größen ermittelt:

(a)

Bestandsveränderungen der Periode bei den Vorräten und den Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen;

(b)

zahlungsunwirksame Posten, wie beispielsweise Abschreibungen, Rückstellungen, latente Steuern, unrealisierte Fremdwährungsgewinne und -verluste, nicht ausgeschüttete Gewinne von assoziierten Unternehmen und Minderheitsanteile; sowie

(c)

alle anderen Posten, die Cashflows in dem Bereich der Investition oder Finanzierung darstellen.

Alternativ kann der Netto-Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit auch in der indirekten Darstellungsform durch Gegenüberstellung der Aufwendungen und Erträge aus der Gewinn- und Verlustrechnung sowie der Änderungen der Vorräte und der Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen ermittelt werden.

DARSTELLUNG DER CASHFLOWS AUS INVESTITIONS- UND FINANZIERUNGSTÄTIGKEIT

21.

Ein Unternehmen hat die Hauptgruppen der Bruttoeinzahlungen und Bruttoauszahlungen separat auszuweisen, die aus Investitions- und Finanzierungstätigkeiten entstehen, ausgenommen in den Fällen, in denen die in den Paragraphen 22 und 24 beschriebenen Cashflows saldiert ausgewiesen werden.

SALDIERTE DARSTELLUNG DER CASHFLOWS

22.

Für Cashflows, die aus den folgenden betrieblichen Tätigkeiten, Investitions- oder Finanzierungstätigkeiten entstehen, ist ein saldierter Ausweis zulässig:

(a)

Einzahlungen und Auszahlungen im Namen von Kunden, wenn die Cashflows eher auf Aktivitäten des Kunden als auf Aktivitäten des Unternehmens zurückzuführen sind;

(b)

Einzahlungen und Auszahlungen für Posten mit großer Umschlagshäufigkeit, großen Beträgen und kurzen Laufzeiten.

23.

Beispiele für die in Paragraph 22(a) erwähnten Ein- und Auszahlungen sind:

(a)

Annahme und Rückzahlung von Sichteinlagen bei einer Bank;

(b)

von einer Anlagegesellschaft für Kunden gehaltene Finanzmittel;

(c)

Mieten, die für Grundstückseigentümer eingezogen und an diese weitergeleitet werden.

Beispiele für die in Paragraph 22(b) erwähnten Einzahlungen und Auszahlungen sind Einzahlungen und Auszahlungen für:

(a)

Darlehensbeträge gegenüber Kreditkartenkunden;

(b)

den Kauf und Verkauf von Finanzinvestitionen;

(c)

andere kurzfristige Ausleihungen, wie beispielsweise Kredite mit einer Laufzeit von bis zu drei Monaten.

24.

Für Cashflows aus einer der folgenden Tätigkeiten einer Finanzinstitution ist eine saldierte Darstellung möglich:

(a)

Einzahlungen und Auszahlungen für die Annahme und die Rückzahlung von Einlagen mit fester Laufzeit;

(b)

Platzierung von Einlagen bei und Rücknahme von Einlagen von anderen Finanzinstitutionen;

(c)

Kredite und Darlehen für Kunden und die Rückzahlung dieser Kredite und Darlehen.

CASHFLOWS IN FREMDWÄHRUNG

25.

Cashflows, die aus Geschäftsvorfällen in einer Fremdwährung entstehen, sind in der Berichtswährung des Unternehmens zu erfassen, indem der Fremdwährungsbetrag mit dem zum Zahlungszeitpunkt gültigen Umrechnungskurs zwischen der Berichtswährung und der Fremdwährung in die Berichtswährung umgerechnet wird.

26.

Die Cashflows eines ausländischen Tochterunternehmens sind mit dem zum Zahlungszeitpunkt geltenden Wechselkurs zwischen der Berichtswährung und der Fremdwährung in die Berichtswährung umzurechnen.

27.

Cashflows, die in einer Fremdwährung abgewickelt werden, sind gemäß IAS 21, Auswirkungen von Änderungen der Wechselkurse, auszuweisen. Dabei ist die Verwendung eines Wechselkurses zulässig, der dem tatsächlichen Kurs in etwa entspricht. So kann beispielsweise für die Erfassung von Fremdwährungstransaktionen oder für die Umrechnung der Cashflows eines ausländischen Tochterunternehmens ein gewogener Periodendurchschnittskurs verwendet werden. Eine Umrechnung der Cashflows eines ausländischen Tochterunternehmens zum Kurs am Bilanzstichtag ist jedoch gemäß IAS 21 nicht zulässig.

28.

Nicht realisierte Gewinne und Verluste aus Wechselkursänderungen sind nicht als Cashflows zu betrachten. Die Auswirkungen von Wechselkursänderungen auf Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente, die in Fremdwährung gehalten werden oder fällig sind, werden jedoch in der Kapitalflussrechnung erfasst, um den Bestand an Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten zu Beginn und am Ende der Periode abzustimmen. Der Unterschiedsbetrag wird getrennt von den Cashflows aus betrieblicher Tätigkeit, Investitions- und Finanzierungstätigkeit ausgewiesen und umfasst die Differenzen etwaiger Wechselkursänderungen, die entstanden wären, wenn diese Cashflows mit dem Stichtagskurs umgerechnet worden wären.

AUSSERORDENTLICHE POSTEN

29.

Die Cashflows aus außerordentlichen Posten sind als Cashflows aus der betrieblichen Tätigkeit, Investitions- oder Finanzierungstätigkeit zu klassifizieren und gesondert anzugeben.

30.

Die Cashflows aus außerordentlichen Posten werden in der Kapitalflussrechnung als Cashflows aus der betrieblichen Tätigkeit, Investitions- oder Finanzierungstätigkeit gesondert angegeben. Dadurch können die Adressaten die Art dieser Cashflows und die Auswirkungen auf gegenwärtige und künftige Cashflows des Unternehmens einschätzen. Diese Angaben erfolgen zusätzlich zur gesonderten Angabe von Art und Höhe der außerordentlichen Posten, die gemäß IAS 8, Periodenergebnis, grundlegende Fehler und Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, erforderlich ist.

ZINSEN UND DIVIDENDEN

31.

Cashflows aus erhaltenen und gezahlten Zinsen und Dividenden sind jeweils gesondert anzugeben. Jede Ein- und Auszahlung ist stetig von Periode zu Periode entweder als betriebliche Tätigkeit, Investitions- oder Finanzierungstätigkeit zu klassifizieren.

32.

Der Gesamtbetrag der während einer Periode gezahlten Zinsen wird in der Kapitalflussrechnung angegeben unabhängig davon, ob der Betrag als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst oder gemäß der alternativ zulässigen Methode aus IAS 23, Fremdkapitalkosten, aktiviert wird.

33.

Gezahlte Zinsen sowie erhaltene Zinsen und Dividenden werden bei einer Finanzinstitution im Normalfall als Cashflows aus der betrieblichen Tätigkeit klassifiziert. Im Hinblick auf andere Unternehmen besteht jedoch kein Einvernehmen über die Zuordnung dieser Cashflows. Gezahlte Zinsen und erhaltene Zinsen und Dividenden können als Cashflows aus betrieblicher Tätigkeit klassifiziert werden, da sie in die Ermittlung des Periodenergebnisses eingehen. Alternativ können gezahlte Zinsen und erhaltene Zinsen und Dividenden als Cashflows aus Finanzierungs- bzw. Investitionstätigkeit klassifiziert werden, da sie Finanzierungsaufwendungen oder Erträge aus Investitionen sind.

34.

Gezahlte Dividenden können dem Finanzierungsbereich zugeordnet werden, da es sich um Finanzierungsaufwendungen handelt. Alternativ können gezahlte Dividenden als Bestandteil der Cashflows aus der betrieblichen Tätigkeit klassifiziert werden, damit die Fähigkeit eines Unternehmens, Dividenden aus laufenden Cashflows zu zahlen, leichter beurteilt werden kann.

ERTRAGSTEUERN

35.

Cashflows aus Ertragsteuern sind gesondert anzugeben und als Cashflows aus der betrieblichen Tätigkeit zu klassifizieren, es sei denn, sie können bestimmten Finanzierungs- und Investitionsaktivitäten zugeordnet werden.

36.

Ertragsteuern entstehen aus Geschäftsvorfällen, die zu Cashflows führen, die in einer Kapitalflussrechnung als betriebliche Tätigkeit, Investitions- oder Finanzierungstätigkeit klassifiziert werden. Während Investitions- oder Finanzierungstätigkeiten in der Regel der entsprechende Steueraufwand zugeordnet werden kann, ist die Bestimmung der damit verbundenen steuerbezogenen Cashflows häufig nicht durchführbar oder wirtschaftlich nicht vertretbar und die Cashflows erfolgen unter Umständen in einer anderen Periode als die Cashflows des zugrunde liegenden Geschäftsvorfalles. Aus diesem Grund werden gezahlte Steuern im Regelfall als Cashflows aus der betrieblichen Tätigkeit klassifiziert. Wenn die Zuordnung der steuerbezogenen Cashflows zu einem Geschäftsvorfall, der zu Cashflows aus Investitions- oder Finanzierungstätigkeiten führt, jedoch praktisch möglich ist, werden die steuerbezogenen Cashflows ebenso als Investitions- bzw. Finanzierungstätigkeit klassifiziert. Wenn die steuerbezogenen Cashflows mehr als einer Tätigkeit zugeordnet werden, wird der Gesamtbetrag der gezahlten Steuern angegeben.

ANTEILE AN TOCHTERUNTERNEHMEN, ASSOZIIERTEN UNTERNEHMEN UND JOINT VENTURES

37.

Bei der Bilanzierung von Anteilen an einem assoziierten Unternehmen oder an einem Tochterunternehmen nach der Equity- oder Anschaffungskostenmethode beschränkt ein Anteilseigner seine Angaben in der Kapitalflussrechnung auf die Cashflows zwischen ihm und dem Beteiligungsunternehmen, beispielsweise auf Dividenden und Kredite.

38.

Ein Unternehmen, das seine Anteile an einem Joint Venture (siehe IAS 31, Rechnungslegung über Anteile an Joint Ventures) gemäß der Quotenkonsolidierung bilanziert, stellt in die konsolidierte Kapitalflussrechnung nur den entsprechenden Anteil an den Cashflows des Joint Ventures ein. Ein Unternehmen, das solche Anteile nach der Equity-Methode bilanziert, nimmt nur die Cashflows in die Kapitalflussrechnung auf, die mit den Anteilen an dem Joint Venture sowie den Ausschüttungen und anderen Ein- und Auszahlungen zwischen ihm und dem Joint Venture in Zusammenhang stehen.

ERWERB UND VERÄUSSERUNG VON TOCHTERUNTERNEHMEN UND SONSTIGEN GESCHÄFTSEINHEITEN

39.

Die Summe der Cashflows aus dem Erwerb und der Veräußerung von Tochterunternehmen oder sonstigen Geschäftseinheiten ist gesondert darzustellen und als Investitionstätigkeit zu klassifizieren.

40.

Ein Unternehmen hat im Hinblick auf den während der Berichtsperiode erfolgten Erwerb und die Veräußerung von Tochterunternehmen oder sonstigen Geschäftseinheiten folgende Angaben zu machen:

(a)

gesamter Kauf- oder Veräußerungspreis;

(b)

Teil des Kauf- oder Veräußerungspreises, der durch Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente beglichen wurde;

(c)

Betrag der Zahlungsmittel oder Zahlungsmitteläquivalente des Tochterunternehmens oder der Geschäftseinheit, die mit dem Erwerb übernommen oder im Zusammenhang mit dem Verkauf abgegeben wurden; und

(d)

Beträge der nach Hauptgruppen gegliederten Vermögenswerte und Schulden mit Ausnahme der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente des Tochterunternehmens oder der sonstigen Geschäftseinheit, das bzw. die erworben oder veräußert wurde.

41.

Die gesonderte Darstellung der Auswirkungen der Cashflows aus Erwerb und Veräußerung von Tochterunternehmen und sonstigen Geschäftseinheiten als eigenständige Posten sowie die gesonderte Angabe der Beträge der erworbenen oder veräußerten Vermögenswerte und Schuldposten erleichtert die Unterscheidung dieser Cashflows von den Cashflows aus der übrigen betrieblichen Tätigkeit, Investitions- und Finanzierungstätigkeit. Die Auswirkungen der Cashflows aus Veräußerungen werden nicht mit denen aus dem Erwerb saldiert.

42.

Die Summe des Betrages der als Kauf- oder Verkaufspreis gezahlten oder erhaltenen Mittel wird in der Kapitalflussrechnung abzüglich der erworbenen oder veräußerten Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente ausgewiesen.

NICHT ZAHLUNGSWIRKSAME TRANSAKTIONEN

43.

Investitions- und Finanzierungsvorgänge, welche nicht zu einer Veränderung von Zahlungsmitteln oder Zahlungsmitteläquivalenten geführt haben, sind nicht Bestandteil der Kapitalflussrechnung. Solche Vorgänge sind an anderer Stelle im Abschluss derart anzugeben, dass alle notwendigen Informationen über diese Investitions- und Finanzierungsvorgänge bereitgestellt werden.

44.

Viele Investitions- und Finanzierungstätigkeiten haben keine direkten Auswirkungen auf die laufenden Cashflows, beeinflussen jedoch die Kapital- und Vermögensstruktur eines Unternehmens. Der Ausschluss nicht zahlungswirksamer Transaktionen aus der Kapitalflussrechnung geht mit der Zielsetzung der Kapitalflussrechnung konform, da sich diese Posten nicht auf Cashflows in der Berichtsperiode auswirken. Beispiele für nicht zahlungswirksame Transaktionen sind:

(a)

der Erwerb von Vermögenswerten durch Schuldübernahme oder durch Finanzierungsleasing;

(b)

der Erwerb eines Unternehmens gegen Ausgabe von Anteilen;

(c)

die Umwandlung von Schulden in Eigenkapital.

BESTANDTEILE DER ZAHLUNGSMITTEL UND ZAHLUNGSMITTELÄQUIVALENTE

45.

Ein Unternehmen hat die Bestandteile der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente anzugeben und eine Überleitungsrechnung vorzunehmen, in der die Beträge der Kapitalflussrechnung den entsprechenden Bilanzposten gegenübergestellt werden.

46.

Angesichts der Vielfalt der weltweiten Praktiken zur Zahlungsmitteldisposition und der Konditionen von Kreditinstituten und zur Erfüllung des IAS 1, Darstellung des Abschlusses, gibt ein Unternehmen die gewählte Methode für die Bestimmung der Zusammensetzung der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente an.

47.

Die Auswirkungen von Änderungen der Methode zur Bestimmung der Zusammensetzung der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente, wie beispielsweise eine Änderung in der Klassifizierung von Finanzinstrumenten, die ursprünglich dem Beteiligungsportfolio des Unternehmens zugeordnet waren, werden gemäß IAS 8, Periodenergebnis, grundlegende Fehler und Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, offen gelegt.

SONSTIGE ANGABEN

48.

Ein Unternehmen hat in Verbindung mit einer Stellungnahme des Managements den Betrag an wesentlichen Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten anzugeben, die vom Unternehmen gehalten werden und über die der Konzern nicht verfügen kann.

49.

Unter verschiedenen Umständen kann ein Unternehmen nicht über Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente verfügen. Dazu zählen beispielsweise Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente, die von einem Tochterunternehmen in einem Land gehalten werden, in dem Devisenverkehrskontrollen oder andere gesetzliche Einschränkungen zum Tragen kommen. Die Verfügbarkeit über die Bestände durch das Mutterunternehmen oder andere Tochterunternehmen ist dann eingeschränkt.

50.

Zusätzliche Angaben können für die Adressaten von Bedeutung sein, um die Vermögens- und Finanzlage und Liquidität eines Unternehmens einschätzen zu können. Die Angabe dieser Informationen (in Verbindung mit einer Stellungnahme des Managements) wird empfohlen und kann folgende Punkte enthalten:

(a)

Betrag der nicht ausgenutzten Kreditlinien, die für die künftige betriebliche Tätigkeit und zur Erfüllung von Verpflichtungen eingesetzt werden könnten, unter Angabe aller Beschränkungen der Verwendung dieser Kreditlinien;

(b)

Die Summe des Betrages der Cashflows aus der betrieblichen Tätigkeit, aus der Investitionstätigkeit und aus der Finanzierungstätigkeit, die sich auf quotal konsolidierte Anteile an Joint Ventures beziehen;

(c)

Die Summe des Betrages der Cashflows, die Erweiterungen der betrieblichen Kapazität betreffen, im Unterschied zu den Cashflows, die zur Erhaltung der Kapazität erforderlich sind; und

(d)

Betrag der Cashflows aus betrieblicher Tätigkeit, aus der Investitionstätigkeit und aus der Finanzierungstätigkeit, aufgegliedert nach Geschäftssegmenten und geografischen Segmenten (siehe IAS 14, Segmentberichterstattung).

51.

Durch die gesonderte Angabe von Cashflows, die eine Erhöhung der Betriebskapazität darstellen, und Cashflows, die zur Erhaltung der Betriebskapazität erforderlich sind, kann der Adressat der Kapitalflussrechnung beurteilen, ob das Unternehmen geeignete Investitionen zur Erhaltung seiner Betriebskapazität vornimmt. Nimmt das Unternehmen nur unzureichende Investitionen zur Erhaltung seiner Betriebskapazität vor, schadet es unter Umständen der zukünftigen Rentabilität zu Gunsten von kurzfristiger Liquidität und von Ausschüttungen an Anteilseigner.

52.

Die Angabe segmentierter Cashflows verhilft den Adressaten der Kapitalflussrechnung zu einem besseren Verständnis der Beziehung zwischen den Cashflows des Unternehmens als ganzem und den Cashflows seiner Bestandteile sowie der Verfügbarkeit und Variabilität der segmentierten Cashflows.

ZEITPUNKT DES INKRAFTTRETENS

53.

Dieser International Accounting Standard ist erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 1994 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

INTERNATIONAL ACCOUNTING STANDARD IAS 8

(ÜBERARBEITET 1993)

Periodenergebnis, grundlegende Fehler und Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden

IAS 35, Aufgabe von Geschäftsbereichen, ersetzte die Paragraphen 4 und 19-22 von IAS 8. IAS 35 ersetzte ebenso die Definition der Aufgabe von Geschäftsbereichen im Paragraphen 6 von IAS 8. IAS 35 war erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 1999 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

IAS 40, Als Finanzinvestition gehaltene Immobilien, änderte den Paragraphen 44, der jetzt auch kursiv und fett gedruckt ist. IAS 40 war erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 2001 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

Eine SIC-Interpretation bezieht sich auf IAS 8:

SIC-8: Erstmalige Anwendung der IAS als primäre Grundlage der Rechnungslegung.

INHALTSVERZEICHNIS

Zielsetzung

Anwendungsbereich 1-5
Definitionen 6
Periodenergebnis 7-30
Außerordentliche Posten 11-15
Gewinn oder Verlust der gewöhnlichen Tätigkeit 16-18
(Paragraphen gestrichen) 19-22
Änderungen von Schätzungen 23-30
Grundlegende Fehler 31-40
Benchmark-Methode 34-37
Alternativ zulässige Methode 38-40
Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden 41-57
Anwendung eines International Accounting Standard 46-48
Weitere Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden — Benchmark-Methode 49-53
Weitere Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden -Alternativ zulässige Methode 54-57
Zeitpunkt des Inkrafttretens 58

Die fett und kursiv gedruckten Vorschriften sind in Verbindung mit den Hintergrundmaterialien und den Anwendungsleitlinien dieses Standards sowie in Verbindung mit dem Vorwort zu den International Accounting Standards zu betrachten. International Accounting Standards brauchen nicht auf unwesentliche Sachverhalte angewendet zu werden (siehe Paragraph 12 des Vorwortes).

ZIELSETZUNG

Dieser Standard regelt die Klassifizierung, die Angabe und die Behandlung bestimmter Posten in der Gewinn- und Verlustrechnung, so dass alle Unternehmen ihre Gewinn- und Verlustrechnung übereinstimmend aufstellen und darstellen. Die Vergleichbarkeit der Abschlüsse sowohl mit Abschlüssen früherer Perioden desselben Unternehmens als auch mit denen anderer Unternehmen wird auf diese Weise verbessert. Demzufolge erfordert der Standard die Klassifizierung und die Angabe der außerordentlichen Posten sowie die Angabe bestimmter Posten innerhalb des Ergebnisses der gewöhnlichen Tätigkeit. Ferner spezifiziert er die Behandlung der Änderung von Schätzungen, von Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sowie die Berichtigung grundlegender Fehler.

ANWENDUNGSBEREICH

1.

Dieser Standard ist für die Darstellung des Ergebnisses aus der gewöhnlichen Tätigkeit und von außerordentlichen Posten in der Gewinn- und Verlustrechnung sowie für die Darstellung der Änderung von Schätzungen sowie von Berichtigungen grundlegender Fehler und von Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden anzuwenden.

2.

Dieser Standard ersetzt den ursprünglich 1977 genehmigten IAS 8, Ungewöhnliche Posten, Posten aus Vorperioden und Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden.

3.

Dieser Standard behandelt u. a. die Angabe bestimmter Posten des Periodenergebnisses. Diese Angaben erfolgen zusätzlich zu den von anderen International Accounting Standards, einschließlich IAS 1, Darstellung des Abschlusses.

4.

(gestrichen)

5.

Die steuerlichen Auswirkungen, die sich aus den außerordentlichen Posten, grundlegenden Fehlern und Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden ergeben, werden gemäß IAS 12, Ertragsteuern, bilanziert und angegeben. Wo IAS 12 von ungewöhnlichen Posten spricht, sind darunter die außerordentlichen Posten zu verstehen, wie sie in diesem Standard definiert sind.

DEFINITIONEN

6.

Folgende Begriffe werden in diesem Standard mit der angegebenen Bedeutung verwendet:

 

Außerordentliche Posten sind Erträge oder Aufwendungen, die aus Ereignissen oder Geschäftsvorfällen entstehen, welche sich klar von der gewöhnlichen Tätigkeit des Unternehmens unterscheiden und von denen daher nicht anzunehmen ist, dass sie häufig oder regelmäßig wiederkehren.

 

Gewöhnliche Tätigkeiten sind alle Aktivitäten, die ein Unternehmen im Rahmen seiner Geschäftstätigkeit unternimmt, sowie damit im Zusammenhang stehende Aktivitäten, die das Unternehmen zur Förderung dieser Aktivitäten unternimmt, die als Nebentätigkeiten anfallen oder die sich aus solchen Aktivitäten ergeben.

 

Grundlegende Fehler sind in der aktuellen Berichtsperiode entdeckte Fehler, die so bedeutend sind, dass die Abschlüsse einer oder mehrerer früherer Perioden zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung nicht mehr als verlässlich angesehen werden können.

 

Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sind alle Grundsätze, Grundlagen, Konventionen, Regeln und Verfahren, die ein Unternehmen bei der Aufstellung und Darstellung seiner Abschlüsse anwendet.

PERIODENERGEBNIS

7.

Alle in einer Periode erfassten Ertrags- und Aufwandsposten sind bei der Ermittlung des Periodenergebnisses zu berücksichtigen, sofern kein anderer International Accounting Standard eine Abweichung vorschreibt oder gestattet.

8.

Im Regelfall werden alle Ertrags- und Aufwandsposten, die in einer Periode erfasst werden, bei der Ermittlung des Periodenergebnisses berücksichtigt. Dazu gehören auch außerordentliche Posten und die Effekte der Änderungen von Schätzungen. Es können jedoch Umstände bestehen, auf Grund derer bestimmte Posten nicht in das Ergebnis der Periode eingehen. Dieser Standard behandelt zwei dieser Fälle: die Berichtigung grundlegender Fehler und die Auswirkungen von Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden.

9.

Andere International Accounting Standards behandeln Posten, die im Sinne des Rahmenkonzeptes als Erträge und Aufwendungen zu definieren sind, die jedoch im Regelfall bei der Ermittlung des Periodenergebnisses nicht berücksichtigt werden. Zu den Beispielen gehören Neubewertungsrücklagen (siehe IAS 16, Sachanlagen) sowie Gewinne und Verluste aus der Währungsumrechnung der Abschlüsse einer wirtschaftlich selbständigen ausländischen Teileinheit (siehe IAS 21, Auswirkungen von Änderungen der Wechselkurse).

10.

Das Periodenergebnis umfasst die folgenden Bestandteile, die jeweils in der Gewinn- und Verlustrechnung anzugeben sind:

(a)

Ergebnis aus der gewöhnlichen Tätigkeit; und

(b)

außerordentliche Posten.

Außerordentliche Posten

11.

Art und Betrag eines jeden außerordentlichen Postens sind gesondert anzugeben.

12.

Im Allgemeinen stammen nahezu alle Erträge und Aufwendungen bei der Ermittlung des Periodenergebnisses aus der gewöhnlichen Tätigkeit des Unternehmens. Daher führt ein Ereignis oder ein Geschäftsvorfall nur selten zu einem außerordentlichen Posten.

13.

Ob ein Ereignis oder ein Geschäftsvorfall klar von der gewöhnlichen Tätigkeit eines Unternehmens zu unterscheiden ist, wird durch die Art des Ereignisses oder Geschäftsvorfalls im Hinblick auf die gewöhnlich vom Unternehmen betriebenen Geschäfte und weniger durch die Häufigkeit, mit der solche Ereignisse erwartet werden oder auftreten können, bestimmt. Daher kann ein Ereignis oder Geschäftsvorfall für ein Unternehmen außerordentlich, für ein anderes Unternehmen jedoch auf Grund von Unterschieden der jeweiligen gewöhnlichen Tätigkeiten nicht außerordentlich sein. Beispielsweise sind Verluste infolge eines Erdbebens für viele Unternehmen ein außerordentlicher Posten. Entschädigungsansprüche eines Policeninhabers für ein Erdbeben sind jedoch für ein Versicherungsunternehmen, das gegen diese Risiken versichert, kein außerordentlicher Posten.

14.

Beispiele für Ereignisse oder Geschäftsvorfälle, die für die meisten Unternehmen in der Regel zu außerordentlichen Posten führen, sind:

(a)

Enteignung von Vermögenswerten; oder

(b)

Erdbeben oder andere Naturkatastrophen.

15.

Die Angabe von Art und Betrag eines jeden außerordentlichen Postens kann in der Gewinn- und Verlustrechnung erfolgen, oder, wenn diese Angaben im Anhang zum Abschluss gemacht werden, wird der Gesamtbetrag aller außerordentlichen Posten im Rahmen der Gewinn- und Verlustrechnung angegeben.

Gewinn oder Verlust der gewöhnlichen Tätigkeit

16.

Wenn Ertrags- oder Aufwandsposten innerhalb des Ergebnisses aus der gewöhnlichen Tätigkeit von einer derartigen Größe, Art oder Häufigkeit sind, dass ihre Angabe relevant für die Erklärung der Ertragskraft des Unternehmens in der Periode ist, sind Art und Betrag dieser Posten gesondert anzugeben.

17.

Obwohl es sich bei den in Paragraph 16 beschriebenen Ertrags- und Aufwandsposten nicht um außerordentliche Posten handelt, können Art und Größe dieser Posten für die Abschlussadressaten für das Verständnis der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens und für die Erstellung von Prognosen der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage relevant sein. Im Regelfall werden diese Angaben im Anhang des Abschlusses gemacht.

18.

Zu den Umständen, die im Allgemeinen zu einer gesonderten Angabe von Ertrags- und Aufwandsposten gemäß Paragraph 16 führen, gehören:

(a)

außerplanmäßige Abschreibung der Vorräte auf den Nettoveräußerungswert oder der Sachanlagen auf den erzielbaren Betrag sowie die Wertaufholung solcher außerplanmäßigen Abschreibungen;

(b)

eine Restrukturierung der Tätigkeiten eines Unternehmens und die Auflösung von Rückstellungen für Restrukturierungsaufwand;

(c)

Abgang von Vermögenswerten der Sachanlagen;

(d)

Abgang langfristiger Finanzinvestitionen;

(e)

Aufgabe von Geschäftsbereichen;

(f)

Beendigung von Rechtsstreitigkeiten; und

(g)

sonstige Auflösung von Rückstellungen.

19-22.

(gestrichen — siehe IAS 35, Aufgabe von Geschäftsbereichen)

Änderungen von Schätzungen

23.

Als Ergebnis der mit Geschäftstätigkeiten verbundenen Ungewissheiten können viele Posten in den Abschlüssen nicht präzise bewertet, sondern nur geschätzt werden. Eine Schätzung erfolgt immer auf der Grundlage der letzten verfügbaren Informationen. Schätzungen können beispielsweise bei der Bewertung von Not leidenden Forderungen, Überalterung von Vorräten oder der Nutzungsdauer oder des erwarteten Abschreibungsverlaufes bei abschreibungsfähigen Vermögenswerten erforderlich sein. Die Verwendung vernünftiger Schätzungen ist ein notwendiger Beitrag zur Aufstellung von Abschlüssen, deren Verlässlichkeit dadurch nicht beeinträchtigt wird.

24.

Eine Schätzung kann überarbeitungsbedürftig sein, wenn sich die Umstände, auf deren Grundlage die Schätzung erfolgt ist, ändern oder als Ergebnis von neuen Informationen, mehr Erfahrung oder nachfolgenden Entwicklungen. Die Überarbeitung der Schätzung führt jedoch nicht dazu, dass die Anpassung als außerordentlicher Posten oder als grundlegender Fehler einzuordnen ist.

25.

Manchmal ist es schwierig zu unterscheiden, ob eine Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode oder eine Schätzung verändert wird. In diesem Fall wird die Änderung als Änderung einer Schätzung mit entsprechenden Angaben behandelt.

26.

Der Effekt der Änderung einer Schätzung ist bei der Ermittlung des Ergebnisses zu berücksichtigen, und zwar

(a)

in der Periode der Änderung, wenn die Änderung nur diese Periode betrifft; oder

(b)

in der Periode der Änderung und in späteren Perioden, sofern die Änderung sowohl die Berichtsperiode als auch spätere Perioden betrifft.

27.

Die Änderung einer Schätzung kann nur die Berichtsperiode oder sowohl die Berichtsperiode als auch spätere Perioden betreffen. Beispielsweise betrifft die Änderung der Einschätzung einer Not leidenden Forderung nur die Berichtsperiode und wird daher sofort erfasst. Dagegen betrifft die Änderung einer Schätzung hinsichtlich der Nutzungsdauer oder des erwarteten Abschreibungsverlaufes eines abschreibungsfähigen Vermögenswertes den Abschreibungsaufwand der Berichtsperiode und jeder folgenden Periode der verbleibenden Restnutzungsdauer. In beiden Fällen werden die Erträge oder Aufwendungen in der Berichtsperiode berücksichtigt, soweit sie diese betreffen. Etwaige Auswirkungen auf künftige Perioden werden jeweils in den künftigen Perioden berücksichtigt.

28.

Der Effekt der Änderung einer Schätzung ist im selben Posten der Gewinn- und Verlustrechnung zu berücksichtigen, für die die Schätzung ursprünglich erfolgt ist.

29.

Damit die Vergleichbarkeit der Abschlüsse verschiedener Perioden gewährleistet ist, wird der Effekt einer Änderung von Schätzungen, die vorher im Ergebnis aus der gewöhnlichen Tätigkeit enthalten waren, auch in diesem Bestandteil des Periodenergebnisses berücksichtigt. Der Effekt einer Änderung einer Schätzung, die vorher als außerordentlicher Posten berücksichtigt wurde, wird als außerordentlicher Posten dargestellt.

30.

Art und Betrag der Änderung einer Schätzung sind anzugeben, wenn die Änderung für die Periode eine wesentliche Bedeutung hat oder wenn von ihr erwartet wird, dass sie für nachfolgende Perioden von wesentlicher Bedeutung sind. Falls eine Quantifizierung des Betrages nicht durchführbar oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist, ist diese Tatsache anzugeben.

GRUNDLEGENDE FEHLER

31.

Fehler in der Aufstellung der Abschlüsse einer oder mehrerer früherer Perioden können in der Berichtsperiode aufgedeckt werden. Fehler können das Ergebnis von Rechenfehlern, von Fehlern bei der Anwendung von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, einer Fehlbeurteilung von Sachverhalten, eines Betruges oder eines Versehens sein. Die Berichtigung dieser Fehler wird im Regelfall bei der Ermittlung des Ergebnisses der Berichtsperiode berücksichtigt.

32.

In seltenen Fällen hat ein Fehler so große Auswirkungen auf den Abschluss einer oder mehrerer früherer Perioden, dass diese Abschlüsse zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung nicht länger als verlässlich angesehen werden können. Solche Fehler werden als grundlegende Fehler bezeichnet. Ein Beispiel für einen grundlegenden Fehler ist die Bilanzierung eines wesentlichen Betrages für unfertige Leistungen und Forderungen in einer früheren Periode, der wegen betrügerischer Verträge nicht geltend gemacht werden kann. Die Berichtigung grundlegender Fehler einer früheren Periode erfordert auch die Anpassung vergleichender Informationen oder die Darstellung ergänzender Informationen.

33.

Man kann zwischen der Berichtigung grundlegender Fehler und der Änderung von Schätzungen unterscheiden. Schätzungen sind ihrer Natur nach Annäherungen, die überarbeitungsbedürftig sein können, sobald zusätzliche Informationen bekannt werden. Beispielsweise ist der Gewinn oder Verlust, der als Ergebnis einer Erfolgsunsicherheit, die früher nicht verlässlich geschätzt werden konnte, berücksichtigt wird, keine Berichtigung eines grundlegenden Fehlers.

Benchmark-Methode

34.

Der Betrag der Berichtigung eines grundlegenden Fehlers aus einer früheren Periode ist durch eine Anpassung des Eröffnungsbilanzwertes der Gewinnrücklagen zu berücksichtigen. Die vergleichenden Informationen sind anzupassen, es sei denn, dass dies nicht durchführbar oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist.

35.

Die Abschlüsse einschließlich der vergleichenden Informationen für frühere Perioden werden so dargestellt, als sei der grundlegende Fehler in der Periode berichtigt worden, in der er gemacht wurde. Deshalb wird der auf jede dargestellte Periode entfallende Berichtigungsbetrag in das jeweilige Periodenergebnis einbezogen. Der Korrekturbetrag, der sich auf frühere Perioden bezieht, die nicht in die vergleichenden Informationen des Abschlusses einbezogen sind, wird im Eröffnungsbilanzwert der Gewinnrücklagen der frühesten dargestellten Periode berichtigt. Jede andere Information, die sich auf frühere Perioden bezieht, wie beispielsweise Zeitreihen von Kennzahlen, wird ebenfalls angepasst.

36.

Die Anpassung von vergleichenden Informationen führt nicht zwingend zur Änderung von Abschlüssen, die von den Anteilseignern genehmigt oder bei einem Register hinterlegt oder bei einer Aufsichtsbehörde eingereicht worden sind. Das nationale Recht kann jedoch die Änderung solcher Abschlüsse verlangen.

37.

Folgende Angaben sind erforderlich:

(a)

die Art des grundlegenden Fehlers;

(b)

der Betrag der Berichtigung für die Berichtsperiode und für jede dargestellte frühere Periode;

(c)

der Betrag der Berichtigung für frühere Perioden, die nicht in vergleichenden Informationen berücksichtigt worden sind; und

(d)

die Tatsache, dass die vergleichenden Informationen angepasst worden sind oder dass ihre Anpassung nicht durchführbar oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist.

Alternativ zulässige Methode

38.

Der Betrag der Berichtigung auf Grund eines grundlegenden Fehlers ist im Ergebnis der Berichtsperiode zu berücksichtigen. Die vergleichenden Informationen sind wie im Abschluss der früheren Perioden darzustellen. Ergänzende Vergleichsinformationen, die gemäß Paragraph 34 aufgestellt wurden, sind ebenfalls darzustellen, es sei denn, dass ihre Aufstellung nicht durchführbar oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist.

39.

Die Berichtigung auf Grund eines grundlegenden Fehlers wird im Ergebnis der Berichtsperiode berücksichtigt. Allerdings werden häufig in gesonderten Spalten ergänzende Informationen gegeben, um das Ergebnis der Berichtsperiode und früherer Perioden so darzustellen, als sei der grundlegende Fehler in der Periode berichtigt worden, in der er gemacht worden ist. Es kann erforderlich sein, diese Bilanzierungsmethode in den Ländern zu wählen, in denen verlangt wird, dass die in den Abschluss einbezogenen vergleichenden Informationen mit den in früheren Perioden dargestellten Abschlüssen übereinstimmen.

40.

Folgende Angaben sind erforderlich:

(a)

die Art des grundlegenden Fehlers;

(b)

der Betrag der Berichtigung, der im Ergebnis der Berichtsperiode erfasst wurde; und

(c)

der Betrag der Berichtigung für jede Periode, für die zusätzliche Informationen gegeben werden, und der Betrag der Berichtigung für Perioden vor denjenigen, die in die ergänzenden Informationen einbezogen sind. Sofern die Darstellung der zusätzlichen Informationen nicht durchführbar oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist, ist diese Tatsache anzugeben.

ÄNDERUNGEN DER BILANZIERUNGS- UND BEWERTUNGSMETHODEN

41.

Die Adressaten der Abschlüsse müssen in der Lage sein, die Abschlüsse eines Unternehmens im Zeitablauf zu vergleichen, um Tendenzen in der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie des Cashflows erkennen zu können. Daher werden im Regelfall für jede Periode dieselben Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden angewendet.

42.

Eine Änderung einer Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode ist nur dann vorzunehmen, wenn dies von einer Satzung oder einem Standardsetter verlangt wird oder wenn diese Änderung zu einer besseren Darstellung von Ereignissen oder Geschäftsvorfällen in den Abschlüssen des Unternehmens führt.

43.

Eine bessere Darstellung von Ereignissen oder Geschäftsvorfällen in den Abschlüssen ist dann gegeben, wenn die neue Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode zu einer besseren oder verlässlicheren Information über die Vermögens-, Finanz- oder Ertragslage sowie über die Cashflows des Unternehmens führt.

44.

Die folgenden Fälle sind keine Änderung einer Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode:

(a)

die Wahl einer Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode für Ereignisse oder Geschäftsvorfälle, die sich grundsätzlich von früheren Ereignissen oder Geschäftsvorfällen unterscheiden; und

(b)

die Wahl einer neuen Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode für Ereignisse oder Geschäftsvorfälle, die früher nicht vorgekommen sind oder unwesentlich waren.

Die erstmalige Anwendung der Neubewertungsmethode für Vermögenswerte gemäß der alternativ zulässigen Methode in IAS 16, Sachanlagen, oder IAS 38, Immaterielle Vermögenswerte, ist eine Änderung der Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode, sie wird als Neubewertung aber je nach Sachverhalt gemäß IAS 16 oder 38 und nicht nach diesem Standard behandelt. Daher sind die Paragraphen 49 bis 57 dieses Standards auf diese Änderungen der Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode nicht anwendbar.

45.

Die Änderung einer Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode wird gemäß diesem Standard entweder retrospektiv oder prospektiv durchgeführt. Die retrospektive Anwendung führt dazu, dass die neu gewählte Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode auf Ereignisse und Geschäftsvorfälle so angewendet wird, als sei sie immer verwendet worden. Daher wird die Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode auf die Ereignisse und Geschäftsvorfälle ab deren Entstehungstag angewendet. Prospektive Anwendung bedeutet, dass die neue Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode auf Ereignisse und Geschäftsvorfälle, die nach dem Zeitpunkt der Änderung eintreten, angewendet wird. Es erfolgen keine Anpassungen für frühere Perioden beim Eröffnungsbilanzwert der Gewinnrücklagen oder in der Darstellung des Ergebnisses der Berichtsperiode, weil die vorhandenen Salden nicht neu berechnet werden. Allerdings wird die neue Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode auf die vorhandenen Salden ab dem Zeitpunkt der Änderung angewendet. Beispielsweise kann ein Unternehmen beschließen, die Bilanzierungsmethode für Darlehenszinsen zu ändern und diese Aufwendungen künftig gemäß der alternativ zulässigen Methode aus IAS 23, Fremdkapitalkosten, zu aktivieren. Bei der prospektiven Anwendung betrifft die neue Bilanzierungsmethode nur den Darlehensaufwand, der nach dem Zeitpunkt der Änderung der Bilanzierungsmethode anfällt.

Anwendung eines International Accounting Standard

46.

Eine Änderung einer Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode, die mit der erstmaligen Anwendung eines International Accounting Standards erfolgt, ist gegebenenfalls gemäß den besonderen Übergangsvorschriften in diesem International Accounting Standard vorzunehmen. Fehlen derartige Übergangsvorschriften, so ist die Änderung der Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode gemäß der Benchmark-Methode aus den Paragraphen 49, 52 und 53 oder der alternativ zulässigen Methode aus den Paragraphen 54, 56 und 57 vorzunehmen.

47.

Die Übergangsvorschriften in einem International Accounting Standard können entweder eine retrospektive oder eine prospektive Anwendung der Änderung einer Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode fordern.

48.

Falls ein Unternehmen einen neuen International Accounting Standard nicht anwendet, der vom International Accounting Standards Committee verabschiedet wurde, aber noch nicht in Kraft getreten ist, wird dem Unternehmen empfohlen, die Art der künftigen Änderung der Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode sowie eine Schätzung der Auswirkungen dieser Änderung auf seine Vermögens-, Finanz- und Ertragslage anzugeben.

Weitere Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden — Benchmark-Methode

49.

Eine Änderung einer Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode ist retrospektiv vorzunehmen, es sei denn, dass der auf frühere Perioden entfallende Anpassungsbetrag nicht vernünftig bestimmt werden kann. Jede daraus resultierende Anpassung ist als eine Anpassung des Eröffnungsbilanzwertes der Gewinnrücklagen darzustellen. Vergleichsinformationen sind anzupassen, es sei denn, dies ist nicht durchführbar oder wirtschaftlich nicht vertretbar  (6) .

50.

Der Abschluss einschließlich der vergleichenden Informationen für frühere Perioden wird so dargestellt, als sei die neu gewählte Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode von Anfang an angewendet worden. Daher werden auch die vergleichenden Informationen angepasst, um die neue Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode widerzuspiegeln. Der Anpassungsbetrag für frühere Perioden, die in den Abschluss nicht einbezogen worden sind, wird im Eröffnungsbilanzwert der Gewinnrücklagen der frühesten dargestellten Periode verrechnet. Alle anderen Informationen, die frühere Perioden betreffen, wie beispielsweise Zeitreihen von Kennzahlen, werden ebenfalls angepasst.

51.

Die Anpassung von vergleichenden Informationen führt nicht zwingend zu einer Änderung von Abschlüssen, die von den Anteilseignern genehmigt oder bei einem Register hinterlegt oder bei einer Aufsichtsbehörde eingereicht worden sind. Das nationale Recht kann jedoch die Änderung solcher Abschlüsse verlangen.

52.

Die Änderung einer Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode ist prospektiv vorzunehmen, wenn der gemäß Paragraph 49 geforderte Anpassungsbetrag des Eröffnungsbilanzwertes der Gewinnrücklagen nicht vernünftig bestimmt werden kann.

53.

Hat eine Änderung einer Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode wesentliche Auswirkungen auf die Berichtsperiode oder eine frühere dargestellte Periode oder kann sie wesentliche Auswirkungen auf spätere Perioden haben, so sind folgende Angaben erforderlich:

(a)

die Gründe für die Änderung;

(b)

der Betrag der Anpassung in der Berichtsperiode und für jede dargestellte frühere Periode;

(c)

der Betrag der Anpassung, der sich auf frühere Perioden bezieht, die im Abschluss nicht durch Vergleichsinformationen berücksichtigt sind; und

(d)

die Tatsache, dass die vergleichenden Informationen angepasst worden sind oder dass eine Anpassung nicht durchführbar oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist.

Weitere Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden — Alternativ zulässige Methode

54.

Eine Änderung einer Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode ist retrospektiv vorzunehmen, es sei denn, dass der auf frühere Perioden entfallende Anpassungsbetrag nicht vernünftig bestimmt werden kann. Jede daraus resultierende Anpassung ist im Ergebnis der Berichtsperiode zu erfassen. Vergleichsinformationen sind so darzustellen, wie sie in den Abschlüssen der früheren Perioden enthalten sind. Zusätzliche geeignete Vergleichsinformationen, die gemäß Paragraph 49 aufgestellt werden, sind ebenfalls anzugeben, es sei denn, dass dies nicht durchführbar oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist  (7) .

55.

Anpassungen aus einer Änderung der Bilanzierungs- oder Bewertungsmethoden werden im Periodenergebnis berücksichtigt. Allerdings werden zusätzliche Vergleichsinformationen, häufig in gesonderten Spalten, angegeben, um die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Berichtsperiode und früherer Perioden so darzustellen, als sei die neue Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode schon immer angewendet worden. Es kann erforderlich sein, diese Bilanzierungsmethode in den Ländern zu wählen, in denen verlangt wird, dass die in den Abschluss einbezogenen vergleichenden Informationen mit den in früheren Perioden dargestellten Abschlüssen übereinstimmen.

56.

Die Änderung der Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode ist prospektiv vorzunehmen, wenn der gemäß Paragraph 54 geforderte Anpassungsbetrag für das Periodenergebnis nicht vernünftig bestimmt werden kann.

57.

Hat eine Änderung einer Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode wesentliche Auswirkungen auf die Berichtsperiode oder eine frühere dargestellte Periode oder kann sie wesentliche Auswirkungen auf spätere Perioden haben, so sind folgende Angaben erforderlich:

(a)

die Gründe für die Änderung;

(b)

der Betrag der Anpassung, der im Ergebnis der Berichtsperiode berücksichtigt worden ist; und

(c)

der Betrag der Anpassung für jede Periode, für die zusätzliche Informationen gegeben werden, und der Betrag der Anpassung für Perioden vor denjenigen, die in die ergänzenden Informationen einbezogen sind. Sofern es nicht durchführbar oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist die zusätzlichen Informationen darzustellen, ist diese Tatsache anzugeben.

ZEITPUNKT DES INKRAFTTRETENS

58.

Dieser International Accounting Standard ist erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 1995 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

INTERNATIONAL ACCOUNTING STANDARD IAS 10

(ÜBERARBEITET 1999)

Ereignisse nach dem Bilanzstichtag

Dieser International Accounting Standard wurde im März 1999 vom Board des IASC genehmigt und war erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 2000 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

EINFÜHRUNG

IAS 10, Ereignisse nach dem Bilanzstichtag, ersetzt die Teile von IAS 10, Erfolgsunsicherheiten und Ereignisse nach dem Bilanzstichtag, die nicht bereits durch IAS 37, Rückstellungen, Eventualschulden und Eventualforderungen, ersetzt worden sind. Der neue Standard enthält die folgenden Änderungen:

(a)

Neue Angaben über den Zeitpunkt der Freigabe des Abschlusses zur Veröffentlichung;

(b)

Streichung der Wahlmöglichkeit, Dividenden für die Berichtsperiode als Schuld anzusetzen, die nach dem Bilanzstichtag, jedoch vor der Freigabe zur Veröffentlichung des Abschlusses vorgeschlagen oder beschlossen werden. Ein Unternehmen kann die geforderten Angaben zu solchen Dividenden entweder in der Bilanz als gesonderten Bestandteil des Eigenkapitals oder im Anhang zum Abschluss machen;

(c)

Bestätigung, dass ein Unternehmen die Angaben zu am Bilanzstichtag bereits bestehenden Gegebenheiten angesichts neuer, nach dem Bilanzstichtag erlangter Informationen zu aktualisieren hat;

(d)

Streichung der Bestimmung, den Abschluss zu ändern, wenn sich aus einem Ereignis nach dem Bilanzstichtag ergibt, dass die Annahme der Unternehmensfortführung für Teile des Unternehmens unangemessen ist. Gemäß IAS 1, Darstellung des Abschlusses, gilt die Annahme der Unternehmensfortführung für das gesamte Unternehmen;

(e)

Verdeutlichung der Beispiele zu berücksichtigungspflichtigen und nicht zu berücksichtigenden Ereignissen; und

(f)

verschiedene Formulierungsverbesserungen.

INHALTSVERZEICHNIS

Zielsetzung

Anwendungsbereich 1
Definitionen 2-6
Ansatz und Βewertung 7-12
Berücksichtigungspflichtige Ereignisse nach dem Bilanzstichtag 7-8
Nicht zu berücksichtigende Ereignisse nach dem Bilanzstichtag 9-10
Dividenden 11-12
Unternehmensfortführung 13-15
Angaben 16-21
Zeitpunkt der Freigabe zur Veröffentlichung 16-17
Aktualisierung von Angaben über Gegebenheiten am Bilanzstichtag 18-19
Nicht zu berücksichtigende Ereignisse nach dem Bilanzstichtag 20-21
Zeitpunkt des Inkrafttretens 22-23

Die fett und kursiv gedruckten Vorschriften sind in Verbindung mit den Hintergrundmaterialien und den Anwendungsleitlinien dieses Standards sowie in Verbindung mit dem Vorwort zu den International Accounting Standards zu betrachten. International Accounting Standards brauchen nicht auf unwesentliche Sachverhalte angewendet zu werden (siehe Paragraph 12 des Vorwortes).

ZIELSETZUNG

Die Zielsetzung dieses Standards ist die Regelung:

(a)

wann ein Unternehmen Ereignisse nach dem Bilanzstichtag in seinem Abschluss zu berücksichtigen hat; und

(b)

der Angaben, die ein Unternehmen über den Zeitpunkt, zu dem der Abschluss zur Veröffentlichung freigegeben wurde, und über Ereignisse nach dem Bilanzstichtag zu machen hat.

Der Standard verlangt außerdem, dass ein Unternehmen seinen Abschluss nicht auf der Grundlage der Annahme der Unternehmensfortführung aufstellt, wenn Ereignisse nach dem Bilanzstichtag anzeigen, dass die Annahme der Unternehmensfortführung unangemessen ist.

ANWENDUNGSBEREICH

1.

Dieser Standard ist auf die Bilanzierung und Angabe von Ereignissen nach dem Bilanzstichtag anzuwenden.

DEFINITIONEN

2.

Folgende Begriffe werden in diesem Standard mit der angegebenen Bedeutung verwendet:

Ereignisse nach dem Bilanzstichtag sind vorteilhafte oder nachteilige Ereignisse, die zwischen dem Bilanzstichtag und dem Tag eintreten, an dem der Abschluss zur Veröffentlichung freigegeben wird. Es wird dabei zwischen zwei Arten von Ereignissen unterschieden:

(a)

Ereignisse, die weitere substanzielle Hinweise zu Gegebenheiten liefern, die bereits am Bilanzstichtag vorgelegen haben (berücksichtigungspflichtige Ereignisse nach dem Bilanzstichtag); und

(b)

Ereignisse, die Gegebenheiten anzeigen, die nach dem Bilanzstichtag eingetreten sind (nicht zu berücksichtigende Ereignisse).

3.

Verfahren für die Freigabe zur Veröffentlichung des Abschlusses können sich voneinander unterscheiden, je nach Managementstruktur, gesetzlichen Vorschriften und den Abläufen bei den Vorarbeiten und der Erstellung des Abschlusses.

4.

In einigen Fällen ist ein Unternehmen verpflichtet, seinen Abschluss den Anteilseignern zur Genehmigung vorzulegen, nachdem der Abschluss bereits veröffentlicht wurde. In solchen Fällen gilt der Abschluss zum Zeitpunkt der ursprünglichen Veröffentlichung als zur Veröffentlichung freigegeben, und nicht erst, wenn die Anteilseigner den Abschluss genehmigen.

Beispiel

Das Management erstellt den Abschluss zum 31. Dezember 20X1 am 28. Februar 20X2 im Entwurf. Am 18. März 20X2 prüft das Geschäftsführungs- und/oder Aufsichtsorgan den Abschluss und gibt ihn zur Veröffentlichung frei. Das Unternehmen gibt sein Ergebnis und andere ausgewählte finanzielle Informationen am 19. März 20X2 bekannt. Der Abschluss wird den Anteilseignern und anderen Personen am 1. April 20X2 zugänglich gemacht. Der Abschluss wird auf der Jahresversammlung der Anteilseigner am 15. Mai 20X2 genehmigt und der genehmigte Abschluss wird dann am 17. Mai 20X2 bei einer Aufsichtsbehörde eingereicht.

Der Abschluss wird am 18. März 20X2 zur Veröffentlichung freigegeben (Tag der Freigabe zur Veröffentlichung durch den Board).

5.

In einigen Fällen ist das Unternehmen verpflichtet den Abschluss einem Aufsichtsrat (ausschließlich aus Personen bestehend, die keine Vorstandsmitglieder sind) zur Genehmigung vorzulegen. In solchen Fällen ist der Abschluss zur Veröffentlichung freigegeben, wenn das Management die Vorlage an den Aufsichtsrat genehmigt hat.

Beispiel

Am 18. März 20X2 gibt das Management den Abschluss zur Weitergabe an seinen Aufsichtsrat frei. Der Aufsichtsrat besteht ausschließlich aus Personen, die keine Vorstandsmitglieder sind, und kann Arbeitnehmervertreter und andere externe Interessenvertreter einschließen. Der Aufsichtsrat genehmigt den Abschluss am 26. März 20X2. Der Abschluss wird den Anteilseignern und anderen Personen am 1. April 20X2 zugänglich gemacht. Die Anteilseigner erhalten den Abschluss bei ihrer Jahresversammlung am 15. Mai 20X2 und der Abschluss wird dann am 17. Mai 20X2 bei einer Aufsichtsbehörde eingereicht.

Der Abschluss wird am 18. März 20X2 zur Veröffentlichung freigegeben (Tag der Freigabe zur Vorlage an den Aufsichtsrat durch das Management).

6.

Ereignisse nach dem Bilanzstichtag schließen alle Ereignisse bis zu dem Zeitpunkt ein, an dem der Abschluss zur Veröffentlichung freigegeben wird, auch wenn diese Ereignisse nach Ergebnisbekanntgabe oder der Veröffentlichung anderer ausgewählter finanzieller Informationen eintreten.

ANSATZ UND BEWERTUNG

Berücksichtigungspflichtige Ereignisse nach dem Bilanzstichtag

7.

Ein Unternehmen hat die in seinem Abschluss erfassten Beträge anzupassen, damit berücksichtigungspflichtige Ereignisse nach dem Bilanzstichtag abgebildet werden.

8.

Im Folgenden werden Beispiele von berücksichtigungspflichtigen Ereignissen nach dem Bilanzstichtag genannt, die ein Unternehmen dazu verpflichten, die im Abschluss erfassten Beträge anzupassen, oder Sachverhalte zu erfassen, die bislang nicht erfasst waren:

(a)

der Beschluss in einem gerichtlichen Verfahren nach dem Bilanzstichtag, wodurch das Unternehmen verpflichtet wird, eine bereits angesetzte Rückstellung anzupassen oder eine Rückstellung an Stelle der bloßen Angabe einer Eventualschuld anzusetzen, weil hiermit bestätigt wird, dass das Unternehmen bereits am Bilanzstichtag eine gegenwärtige Verpflichtung hatte;

(b)

das Erlangen von Informationen nach dem Bilanzstichtag darüber, dass ein Vermögenswert am Bilanzstichtag wertgemindert war, oder dass der Betrag eines früher erfassten Wertminderungsaufwandes für diesen Vermögenswert angepasst werden muss. Zum Beispiel:

(i)

das nach dem Bilanzstichtag begonnene Insolvenzverfahren eines Kunden, das im Regelfall bestätigt, dass bereits am Bilanzstichtag ein Wertverlust einer Forderung aus Lieferungen und Leistungen vorgelegen hat und dass das Unternehmen den Buchwert der Forderung aus Lieferungen und Leistungen anzupassen hat; und

(ii)

der Verkauf von Vorräten nach dem Bilanzstichtag kann den Nachweis über den Nettoveräußerungswert am Bilanzstichtag erbringen;

(c)

die nach dem Bilanzstichtag erfolgte Ermittlung der Anschaffungskosten für erworbene Vermögenswerte oder der Erlöse für vor dem Bilanzstichtag verkaufte Vermögenswerte;

(d)

die nach dem Bilanzstichtag erfolgte Ermittlung der Beträge für Zahlungen aus Gewinn- oder Erfolgsbeteiligungsplänen, wenn das Unternehmen am Bilanzstichtag eine gegenwärtige rechtliche oder faktische Verpflichtung hatte, solche Zahlungen auf Grund von vor diesem Zeitpunkt liegenden Ereignissen zu leisten (siehe IAS 19, Leistungen an Arbeitnehmer); und

(e)

die Entdeckung eines Betrugs oder Fehlers, die zeigt, dass der Abschluss falsch war.

Nicht zu berücksichtigende Ereignisse nach dem Bilanzstichtag

9.

Ein Unternehmen darf die im Abschluss erfassten Beträge nicht anpassen, um nicht zu berücksichtigende Ereignisse nach dem Bilanzstichtag abzubilden.

10.

Ein Beispiel von nicht zu berücksichtigenden Ereignissen nach dem Bilanzstichtag ist das Sinken des Marktwertes einer Finanzinvestition zwischen dem Bilanzstichtag und dem Tag, an dem der Abschluss zur Veröffentlichung freigegeben wird. Das Sinken des Marktwertes hängt in der Regel nicht mit der Beschaffenheit der Finanzinvestition am Bilanzstichtag zusammen, sondern spiegelt Umstände wider, die in der darauf folgenden Periode eingetreten sind. Daher passt ein Unternehmen die im Abschluss für Finanzinvestitionen erfassten Beträge nicht an. Gleichermaßen aktualisiert ein Unternehmen nicht die für Finanzinvestitionen angegebenen Beträge zum Bilanzstichtag, obwohl es notwendig sein kann, zusätzliche Angaben gemäß Paragraph 20 zu machen.

Dividenden

11.

Wenn nach dem Bilanzstichtag Dividenden für Inhaber von Eigenkapitalinstrumenten (wie in IAS 32, Finanzinstrumente: Angaben und Darstellung, definiert) vorgeschlagen oder beschlossen werden, darf ein Unternehmen diese Dividenden nicht zum Bilanzstichtag als Schulden erfassen.

12.

IAS 1, Darstellung des Abschlusses, verpflichtet ein Unternehmen, den Betrag von Dividenden anzugeben, die nach dem Bilanzstichtag, aber vor der Freigabe des Abschlusses zur Veröffentlichung, vorgeschlagen oder beschlossen wurden. IAS 1 erlaubt einem Unternehmen, diese Angaben zu machen, entweder:

(a)

in der Bilanz als gesondertem Bestandteil des Eigenkapitals; oder

(b)

im Anhang zum Abschluss.

UNTERNEHMENSFORTFÜHRUNG

13.

Ein Unternehmen darf seinen Abschluss nicht auf der Grundlage der Annahme der Unternehmensfortführung aufstellen, wenn das Management nach dem Bilanzstichtag entweder beabsichtigt, das Unternehmen aufzulösen, den Geschäftsbetrieb einzustellen oder keine realistische Alternative mehr hat, als so zu handeln.

14.

Eine Verschlechterung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage nach dem Bilanzstichtag kann auf die Notwendigkeit der Untersuchung hinweisen, ob es angemessen ist, den Abschluss weiterhin unter der Annahme der Unternehmensfortführung aufzustellen. Ist die Annahme der Unternehmensfortführung nicht länger angemessen, ist die Auswirkung so durchgreifend, dass dieser Standard eine fundamentale Änderung der grundlegenden Rechnungslegungsprämisse fordert und nicht lediglich die Anpassung der im Rahmen der ursprünglich unterstellten Prämisse der Rechnungslegung erfassten Beträge.

15.

IAS 1, Darstellung des Abschlusses, fordert bestimmte Angaben, wenn

(a)

der Abschluss nicht unter der Annahme der Unternehmensfortführung erstellt wird; oder

(b)

dem Management wesentliche Unsicherheiten in Verbindung mit Ereignissen und Gegebenheiten bekannt sind, die erhebliche Zweifel an der Fortführbarkeit des Unternehmens aufwerfen. Die anzugebenden Ereignisse und Gegebenheiten können nach dem Bilanzstichtag entstehen.

ANGABEN

Zeitpunkt der Freigabe zur Veröffentlichung

16.

Ein Unternehmen hat den Zeitpunkt anzugeben, wann der Abschluss zur Veröffentlichung freigegeben wurde und wer die Freigabe genehmigt hat. Wenn die Eigentümer des Unternehmens oder andere die Möglichkeit haben, den Abschluss nach der Veröffentlichung zu ändern, hat das Unternehmen diese Tatsache anzugeben.

17.

Für die Abschlussadressaten ist es wichtig zu wissen, wann der Abschluss zur Veröffentlichung freigegeben wurde, da der Abschluss keine Ereignisse nach diesem Zeitpunkt widerspiegelt.

Aktualisierung der Angaben über Gegebenheiten am Bilanzstichtag

18.

Wenn ein Unternehmen Informationen über Gegebenheiten, die bereits am Bilanzstichtag vorgelegen haben, nach dem Bilanzstichtag erhält, hat das Unternehmen die betreffenden Angaben auf der Grundlage der neuen Informationen zu aktualisieren.

19.

In einigen Fällen ist es notwendig, dass ein Unternehmen die Angaben im Abschluss aktualisiert, um die nach dem Bilanzstichtag erhaltenen Informationen widerzuspiegeln, auch wenn die Informationen nicht die Beträge betreffen, die das Unternehmen im Abschluss erfasst. Ein Beispiel für die Notwendigkeit der Aktualisierung der Angaben ist ein substanzieller Hinweis nach dem Bilanzstichtag über das Vorliegen einer Eventualschuld, die bereits am Bilanzstichtag bestanden hat. Zusätzlich zu der Betrachtung, ob sie nun als Rückstellung gemäß IAS 37, Rückstellungen, Eventualschulden und Eventualforderungen, zu erfassen ist, aktualisiert ein Unternehmen seine Angaben über die Eventualschuld auf der Grundlage dieses substanziellen Hinweises.

Nicht zu berücksichtigende Ereignisse nach dem Bilanzstichtag

20.

Sind nicht zu berücksichtigende Ereignisse nach dem Bilanzstichtag von solcher Wichtigkeit, dass ein Unterlassen von Angaben die Möglichkeit der Abschlussadressaten zur angemessenen Einschätzung und Entscheidungsfindung beeinträchtigen würde, hat das Unternehmen die folgenden Informationen über jede bedeutende Art von nicht zu berücksichtigenden Ereignissen nach dem Bilanzstichtag anzugeben:

(a)

die Art des Ereignisses; und

(b)

eine Schätzung der finanziellen Auswirkungen oder eine Aussage darüber, dass eine solche Schätzung nicht vorgenommen werden kann.

21.

Im Folgenden werden Beispiele von nicht zu berücksichtigenden Ereignissen nach dem Bilanzstichtag genannt, die von derartiger Bedeutung sind, dass ein Unterlassen von Angaben die Möglichkeit der Abschlussadressaten zur angemessenen Einschätzung und Entscheidungsfindung beeinträchtigen würde:

(a)

ein umfangreicher Unternehmenszusammenschluss nach dem Bilanzstichtag (IAS 22, Unternehmenszusammenschlüsse, erfordert in solchen Fällen besondere Angaben) oder die Veräußerung eines umfangreichen Tochterunternehmens;

(b)

Bekanntgabe eines Plans für die Aufgabe von Geschäftsbereichen, Veräußerung von Vermögenswerten oder Begleichung von Schulden im Zuge der Aufgabe von Geschäftsbereichen oder der Abschluss verbindlicher Vereinbarungen, um solche Vermögenswerte zu veräußern oder solche Schulden zu begleichen (siehe IAS 35, Aufgabe von Geschäftsbereichen);

(c)

umfangreiche Einkäufe und Veräußerungen von Vermögenswerten oder Enteignung von umfangreichen Vermögenswerten durch die öffentliche Hand;

(d)

die Zerstörung einer bedeutenden Produktionsstätte durch einen Brand nach dem Bilanzstichtag;

(e)

Bekanntgabe oder Beginn der Durchführung einer umfangreichen Umstrukturierung (siehe IAS 37, Rückstellungen, Eventualschulden und Eventualforderungen);

(f)

umfangreiche Transaktionen in Bezug auf Stammaktien und potenzielle Stammaktien nach dem Bilanzstichtag (IAS 33, Ergebnis je Aktie, empfiehlt einem Unternehmen, eine Beschreibung solcher Transaktionen anzugeben mit Ausnahme der Ausgabe von Gratisanteilen oder Neustückelungen von Anteilen);

(g)

ungewöhnlich große Änderungen der Preise von Vermögenswerten oder der Wechselkurse nach dem Bilanzstichtag;

(h)

Änderungen der Steuersätze oder Steuervorschriften, die nach dem Bilanzstichtag in Kraft treten oder angekündigt werden, und die wesentliche Auswirkungen auf tatsächliche und latente Steueransprüche und -schulden haben (siehe IAS 12, Ertragsteuern);

(i)

Eingehen wesentlicher Verpflichtungen oder Eventualschulden, zum Beispiel durch Zusage bedeutsamer Gewährleistungen; und

(j)

Beginn umfangreicher Rechtsstreitigkeiten, die ausschließlich auf Grund von Ereignissen entstehen, die nach dem Bilanzstichtag eingetreten sind.

ZEITPUNKT DES INKRAFTTRETENS

22.

Dieser International Accounting Standard ist erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 2000 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

23.

Im Jahr 1998 ersetzte IAS 37, Rückstellungen, Eventualschulden und Eventualforderungen, die Teile aus IAS 10, Erfolgsunsicherheiten und Ereignisse nach dem Bilanzstichtag, die Erfolgsunsicherheiten behandelten. Dieser Standard ersetzt den Rest des Standards.

INTERNATIONAL ACCOUNTING STANDARD IAS 11

(ÜBERARBEITET 1993)

Fertigungsaufträge

Dieser überarbeitete International Accounting Standard ersetzt den vom Board im März 1978 genehmigten IAS 11, Bilanzierung von Fertigungsaufträgen. Der überarbeitete Standard war erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 1995 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

Im Mai 1999 änderte IAS 10 (überarbeitet 1999), Ereignisse nach dem Bilanzstichtag, den Paragraph 45. Der geänderte Text trat in Kraft, als IAS 10 (überarbeitet 1999) in Kraft trat — d. h. er war erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 2000 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

INHALTSVERZEICHNIS

Zielsetzung

Anwendungsbereich 1-2
Definitionen 3-6
Zusammenfassung und Segmentierung von Fertigungsaufträgen 7-10
Auftragserlöse 11-15
Auftragskosten 16-21
Erfassung von Auftragserlösen und Auftragskosten 22-35
Erfassung erwarteter Verluste 36-37
Veränderungen von Schätzungen 38
Angaben 39-45
Zeitpunkt des Inkrafttretens 46

Die fett und kursiv gedruckten Vorschriften sind in Verbindung mit den Hintergrundmaterialien und den Anwendungsleitlinien dieses Standards sowie in Verbindung mit dem Vorwort zu den International Accounting Standards zu betrachten. International Accounting Standards brauchen nicht auf unwesentliche Sachverhalte angewendet zu werden (siehe Paragraph 12 des Vorwortes).

ZIELSETZUNG

Dieser Standard regelt die Bilanzierung von Erträgen und Aufwendungen in Verbindung mit Fertigungsaufträgen. Auf Grund der Natur der Tätigkeit bei Fertigungsaufträgen fallen das Datum, an dem die Tätigkeit begonnen wird, und das Datum, an dem sie beendet wird, in der Regel in verschiedene Berichtsperioden. Die primäre Fragestellung bei der Bilanzierung von Fertigungsaufträgen besteht daher in der Verteilung der Auftragserlöse und der Auftragskosten auf Berichtsperioden, in denen die Fertigungsleistung erbracht wird. Dieser Standard verwendet die Ansatzkriterien, die im Rahmenkonzept für die Aufstellung und Darstellung von Abschlüssen festgelegt sind, um zu bestimmen, wann Auftragserlöse und Auftragskosten in der Gewinn- und Verlustrechnung als Erträge und Aufwendungen zu berücksichtigen sind. Er gibt außerdem praktische Anleitungen zur Anwendung dieser Voraussetzungen.

ANWENDUNGSBEREICH

1.

Dieser Standard ist auf die Bilanzierung von Fertigungsaufträgen bei Auftragnehmern anzuwenden.

2.

Dieser Standard ersetzt den 1978 genehmigten IAS 11, Bilanzierung von Fertigungsaufträgen.

DEFINITIONEN

3.

Folgende Begriffe werden in diesem Standard mit der angegebenen Bedeutung verwendet:

 

Ein Fertigungsauftrag ist ein Vertrag über die kundenspezifische Fertigung einzelner Gegenstände oder einer Anzahl von Gegenständen, die hinsichtlich Design, Technologie und Funktion oder hinsichtlich ihrer Verwendung aufeinander abgestimmt oder voneinander abhängig sind.

 

Ein Festpreisvertrag ist ein Fertigungsauftrag, für den der Auftragnehmer einen festen Preis bzw. einen festgelegten Preis pro Outputeinheit vereinbart, wobei diese an eine Preisgleitklausel gekoppelt sein können.

 

Ein Kostenzuschlagsvertrag ist ein Fertigungsauftrag, bei dem der Auftragnehmer abrechenbare oder anderweitig festgelegte Kosten zuzüglich eines vereinbarten Prozentsatzes dieser Kosten oder ein festes Entgelt vergütet bekommt.

4.

Ein Fertigungsauftrag kann für die Fertigung eines einzelnen Gegenstandes, beispielsweise einer Brücke, eines Gebäudes, eines Dammes, einer Pipeline, einer Straße, eines Schiffes oder eines Tunnels, geschlossen werden. Ein Fertigungsauftrag kann sich auch auf die Fertigung von einer Anzahl von Leistungen beziehen, die hinsichtlich Design, Technologie und Funktion oder hinsichtlich ihrer Verwendung aufeinander abgestimmt oder voneinander abhängig sind; Beispiele für solche Verträge sind diejenigen über den Bau von Raffinerien oder anderen komplexen Anlagen oder Ausrüstungen.

5.

Im Sinne dieses Standards umfassen die Fertigungsaufträge:

(a)

Verträge über die Erbringung von Dienstleistungen, die direkt im Zusammenhang mit der Fertigung eines Vermögenswertes stehen, beispielsweise Dienstleistungen von Projektleitern und Architekten; und

(b)

Verträge über den Abriss oder die Restaurierung von Vermögenswerten sowie die Wiederherstellung der Umwelt nach dem Abriss der Vermögenswerte.

6.

Fertigungsaufträge werden auf mehrere Arten formuliert, die im Sinne dieses Standards in Festpreisverträge und Kostenzuschlagsverträge eingeteilt werden. Manche Fertigungsaufträge können sowohl Merkmale von Festpreisverträgen als auch von Kostenzuschlagsverträgen aufweisen, beispielsweise im Fall eines Kostenzuschlagsvertrages mit einem vereinbarten Höchstpreis. Unter solchen Umständen hat der Auftragnehmer alle Bedingungen aus den Paragraphen 23 und 24 zu beachten, um zu bestimmen, wann Auftragserlöse und Auftragskosten ergebniswirksam zu berücksichtigen sind.

ZUSAMMENFASSUNG UND SEGMENTIERUNG VON FERTIGUNGSAUFTRÄGEN

7.

Die Anforderungen aus diesem Standard sind in der Regel einzeln auf jeden Fertigungsauftrag anzuwenden. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es jedoch erforderlich, den Standard auf die einzeln abgrenzbaren Teile eines einzelnen Vertrages oder einer Gruppe von Verträgen anzuwenden, um den wirtschaftlichen Gehalt eines Vertrages oder einer Gruppe von Verträgen zu bestimmen.

8.

Umfasst ein Vertrag mehrere Einzelleistungen, so ist jede Leistung als eigener Fertigungsauftrag zu behandeln, wenn:

(a)

getrennte Angebote für jede Einzelleistung unterbreitet wurden;

(b)

über jede Einzelleistung separat verhandelt wurde und der Auftragnehmer sowie der Kunde die Vertragsbestandteile, die jede einzelne Leistung betreffen, separat akzeptieren oder ablehnen konnten; und

(c)

Kosten und Erlöse jeder einzelnen vertraglichen Leistung getrennt ermittelt werden können.

9.

Eine Gruppe von Verträgen mit einem einzelnen oder mehreren Kunden ist als ein einziger Fertigungsauftrag zu behandeln, wenn:

(a)

die Gruppe von Verträgen als ein einziges Paket verhandelt wird;

(b)

die Verträge so eng miteinander verbunden sind, dass sie im Grunde Teil eines einzelnen Projektes mit einer Gesamtgewinnspanne sind; und

(c)

die Verträge gleichzeitig oder unmittelbar aufeinander folgend abgearbeitet werden.

10.

Ein Vertrag kann einen Folgeauftrag auf Wunsch des Kunden zum Gegenstand haben oder kann um einen Folgeauftrag ergänzt werden. Der Folgeauftrag ist als separater Fertigungsauftrag zu behandeln, wenn

(a)

er sich hinsichtlich Design, Technologie oder Funktion wesentlich von dem ursprünglichen Vertrag unterscheidet; oder

(b)

die Preisverhandlungen für den Vertrag losgelöst von den ursprünglichen Verhandlungen geführt werden.

AUFTRAGSERLÖSE

11.

Die Auftragserlöse umfassen:

(a)

den ursprünglich im Vertrag vereinbarten Erlös; und

(b)

Zahlungen für Abweichungen im Gesamtwerk, Nachforderungen für Kosten, die im Preis nicht kalkuliert waren, und Prämien,

(i)

sofern es wahrscheinlich ist, dass sie zu Erlösen führen; und

(ii)

soweit sie verlässlich ermittelt werden können.

12.

Die Auftragserlöse werden zum beizulegenden Zeitwert der erhaltenen oder ausstehenden Gegenleistung bewertet. Diese Bewertung wird von einer Reihe von Ungewissheiten beeinflusst, die vom Ausgang zukünftiger Ereignisse abhängen. Häufig müssen die Schätzungen bei Eintreten von Ereignissen und der Klärung der Unsicherheiten angepasst werden. Daher kann es von einer Periode zur nächsten zu einer Erhöhung oder Minderung der Auftragserlöse kommen. Zum Beispiel:

(a)

Auftragnehmer und Kunde können Abweichungen oder Nachforderungen vereinbaren, durch die die Auftragserlöse in einer späteren Periode als der Periode der Preisvereinbarung erhöht oder gemindert werden;

(b)

der in einem Festpreisauftrag vereinbarte Erlös kann sich auf Grund von Preisgleitklauseln erhöhen;

(c)

der Betrag der Auftragserlöse kann durch Vertragsstrafen bei Verzug bei der Vertragserfüllung seitens des Auftragnehmers gemindert werden; oder

(d)

die Auftragserlöse erhöhen sich im Falle eines Festpreisauftragspreises pro Outputeinheit, wenn die Anzahl dieser Einheiten steigt.

13.

Eine Abweichung ist eine Anweisung des Kunden zu einer Änderung des vertraglich zu erbringenden Leistungsumfanges. Eine Abweichung kann zu einer Erhöhung oder Minderung der Auftragserlöse führen. Beispiele für Abweichungen sind Änderungen an der Spezifikation oder dem Design der Leistung sowie Änderungen der Vertragsdauer. Ein Anspruch auf eine Abweichungszahlung ist in den Auftragserlösen enthalten, wenn

(a)

es wahrscheinlich ist, dass der Kunde die Abweichung sowie den daraus resultierenden Erlös akzeptiert; und

(b)

wenn dieser Erlös verlässlich ermittelt werden kann.

14.

Eine Nachforderung ist ein Betrag, den der Auftragnehmer dem Kunden oder einer anderen Partei als Vergütung für Kosten in Rechnung stellt, die nicht im Vertragspreis enthalten sind. Eine Nachforderung kann beispielsweise aus einer vom Kunden verursachten Verzögerung, Fehlern in Spezifikation oder Design oder durch strittige Abweichungen vom Vertrag erwachsen. Die Bestimmung der Erlöse aus den Nachforderungen ist mit einem hohen Maß an Unsicherheit behaftet und häufig vom Ergebnis von Verhandlungen abhängig. Daher sind Nachforderungen nur dann in den Auftragserlösen enthalten, wenn

(a)

die Verhandlungen so weit fortgeschritten sind, dass der Kunde die Nachforderung wahrscheinlich akzeptieren wird; und

(b)

der Betrag, der wahrscheinlich vom Kunden akzeptiert wird, verlässlich bewertet werden kann.

15.

Prämien sind Beträge, die zusätzlich an den Auftragnehmer gezahlt werden, wenn bestimmte Leistungsanforderungen erreicht oder überschritten werden. Beispielsweise kann ein Vertrag eine Prämie für vorzeitige Erfüllung vorsehen. Die Prämien sind als Teil der Auftragserlöse zu berücksichtigen, wenn

(a)

das Projekt so weit fortgeschritten ist, dass die Erreichung oder Überschreitung der Leistungsanforderungen wahrscheinlich ist; und

(b)

der Betrag der Prämie verlässlich bewertet werden kann.

AUFTRAGSKOSTEN

16.

Die Auftragskosten umfassen:

(a)

die direkten Kosten in Verbindung mit dem bestimmten Vertrag;

(b)

alle indirekten und allgemein dem Vertrag zurechenbaren Kosten; und

(c)

sonstige Kosten, die dem Kunden vertragsgemäß gesondert in Rechnung gestellt werden können.

17.

Die mit einem einzelnen Vertrag direkt zusammenhängenden Kosten umfassen:

(a)

Fertigungslöhne einschließlich der Löhne bzw. Gehälter für die Auftragsüberwachung;

(b)

Kosten für Fertigungsmaterial;

(c)

planmäßige Abschreibungen der für die Vertragsleistung eingesetzten Maschinen und Anlagen;

(d)

Kosten für den Transport von Maschinen, Anlagen und Material zum und vom Erfüllungsort;

(e)

Kosten aus der Anmietung von Maschinen und Anlagen;

(f)

Kosten für die Ausgestaltung und die technische Unterstützung, die mit dem Projekt direkt zusammenhängen;

(g)

die geschätzten Kosten für Nachbesserung und Garantieleistungen einschließlich erwartetem Gewährleistungsaufwand; und

(h)

Nachforderungen Dritter.

Diese Kosten können durch zusätzliche Erträge reduziert werden, die nicht in den Auftragserlösen enthalten sind, wie Verkaufserträge von überschüssigem Material oder von nicht mehr benötigten Anlagen nach Beendigung des Projektes.

18.

Die indirekten und allgemein der Vertragserfüllung zurechenbaren Kosten umfassen:

(a)

Versicherungsprämien;

(b)

Kosten für die Ausgestaltung und die technische Unterstützung, die nicht direkt in Zusammenhang mit dem Auftrag stehen; und

(c)

Fertigungsgemeinkosten.

Diese Kosten werden mittels planmäßiger und sachgerechter Methoden zugerechnet, welche einheitlich und stetig auf alle Kosten mit ähnlichen Merkmalen angewendet werden. Die Zurechnung erfolgt auf der Basis einer normalen Kapazitätsauslastung. Zu den Fertigungsgemeinkosten zählen beispielsweise auch Kosten für die Lohnabrechnung der Beschäftigten im Fertigungsbereich. Zu den indirekten und allgemein der Vertragserfüllung zurechenbaren Kosten zählen auch die Fremdkapitalkosten, wenn der Auftragnehmer die alternativ zulässige Methode gemäß IAS 23, Fremdkapitalkosten, anwendet.

19.

Kosten, die dem Kunden vertragsgemäß gesondert in Rechnung gestellt werden können, können Kosten für die allgemeine Verwaltung sowie Entwicklungskosten umfassen, wenn ihre Erstattung in den Vertragsbedingungen vereinbart ist.

20.

Kosten, die einzelnen Aufträgen nicht zugeordnet werden können, dürfen nicht als Kosten des Fertigungsauftrages berücksichtigt werden. Dazu gehören:

(a)

Kosten der allgemeinen Verwaltung, sofern für sie keine Erstattung im Vertrag vereinbart wurde;

(b)

Vertriebskosten;

(c)

Forschungs- und Entwicklungskosten, sofern für sie keine Erstattung im Vertrag vereinbart wurde; und

(d)

planmäßige Abschreibungen auf ungenutzte Anlagen und Maschinen, die nicht für die Abwicklung eines bestimmten Auftrages verwendet werden.

21.

Die Auftragskosten umfassen alle dem Vertrag zurechenbaren Kosten ab dem Tag der Auftragserlangung bis zur Erfüllung des Vertrages. Kosten, die zur Erlangung eines konkreten Auftrages erforderlich sind, gehören ebenfalls zu den Auftragskosten, wenn sie einzeln identifiziert und verlässlich bewertet werden können und es wahrscheinlich ist, dass der Auftrag erhalten wird. Werden Kosten, die zur Erlangung eines Auftrages entstanden sind, in der Periode ihres Anfallens als Aufwand erfasst, so sind sie nicht den Auftragskosten zuzuordnen, wenn der Auftrag in einer späteren Periode eingeht.

ERFASSUNG VON AUFTRAGSERLÖSEN UND AUFTRAGSKOSTEN

22.

Ist das Ergebnis eines Fertigungsauftrages verlässlich zu schätzen, so sind die Auftragserlöse und Auftragskosten in Verbindung mit diesem Fertigungsauftrag entsprechend dem Leistungsfortschritt am Bilanzstichtag jeweils als Erträge und Aufwendungen zu erfassen. Ein erwarteter Verlust durch den Fertigungsauftrag ist gemäß Paragraph 36 sofort als Aufwand zu erfassen.

23.

Im Falle eines Festpreisvertrages kann das Ergebnis eines Fertigungsauftrages verlässlich geschätzt werden, wenn alle folgenden Kriterien erfüllt sind:

(a)

Die gesamten Auftragserlöse können verlässlich bewertet werden;

(b)

es ist wahrscheinlich, dass der wirtschaftliche Nutzen aus dem Vertrag dem Unternehmen zufließt;

(c)

sowohl die bis zur Fertigstellung des Auftrages noch anfallenden Kosten als auch der Grad der erreichten Fertigstellung können am Bilanzstichtag verlässlich bewertet werden; und

(d)

die dem Vertrag zurechenbaren Kosten können eindeutig bestimmt und verlässlich bewertet werden, so dass die bislang entstandenen Kosten mit früheren Schätzungen verglichen werden können.

24.

Im Falle eines Kostenzuschlagsvertrages kann das Ergebnis eines Fertigungsauftrages verlässlich geschätzt werden, wenn alle folgenden Kriterien erfüllt sind:

(a)

Es ist wahrscheinlich, dass der wirtschaftliche Nutzen aus dem Vertrag dem Unternehmen zufließt; und

(b)

die dem Vertrag zurechenbaren Auftragskosten können eindeutig bestimmt und verlässlich bewertet werden, unabhängig davon, ob sie gesondert abrechenbar sind.

25.

Die ergebniswirksame Berücksichtigung von Erträgen und Aufwendungen gemäß dem Leistungsfortschritt wird häufig als Gewinnrealisierung nach dem Fertigstellungsgrad bezeichnet. Gemäß dieser Methode werden die entsprechend dem Fertigstellungsgrad angefallenen Auftragskosten den Auftragserlösen zugeordnet. Hieraus ergibt sich eine Erfassung von Erträgen, Aufwendungen und Ergebnis entsprechend dem Leistungsfortschritt. Diese Methode liefert nützliche Informationen zum Stand der Vertragsarbeit sowie zur Leistung während einer Periode.

26.

Gemäß der Gewinnrealisierungsmethode nach dem Fertigstellungsgrad werden die Auftragserlöse in der Gewinn- und Verlustrechnung in den Berichtsperioden, in denen die Leistung erbracht wird, als Ertrag erfasst. Auftragskosten werden in der Gewinn- und Verlustrechnung im Regelfall in der Periode als Aufwand erfasst, in der die dazugehörige Leistung erbracht wird. Doch jeder erwartete Überschuss der gesamten Auftragskosten über die gesamten Auftragserlöse für den Auftrag wird gemäß Paragraph 36 sofort als Aufwand erfasst.

27.

Einem Auftragnehmer können Auftragskosten entstehen, die mit einer zukünftigen Tätigkeit im Rahmen des Vertrages verbunden sind. Derartige Auftragskosten werden als Vermögenswert erfasst, wenn sie wahrscheinlich abrechenbar sind. Diese Kosten stellen einen vom Kunden geschuldeten Betrag dar und werden häufig als unfertige Leistungen bezeichnet.

28.

Das Ergebnis eines Fertigungsauftrages kann nur dann verlässlich geschätzt werden, wenn die wirtschaftlichen Vorteile aus dem Vertrag dem Unternehmen wahrscheinlich zufließen. Entsteht jedoch eine Unsicherheit hinsichtlich der Möglichkeit, den Betrag zu vereinnahmen, der bereits in den Auftragserlösen enthalten und bereits in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst ist, wird der nicht einbringbare Betrag oder der Betrag, für den eine Bezahlung nicht mehr wahrscheinlich ist, als Aufwand und nicht als Anpassung der Auftragserlöse erfasst.

29.

Ein Unternehmen kann im Allgemeinen verlässliche Schätzungen vornehmen, wenn es einen Vertrag abgeschlossen hat, der:

(a)

jeder Vertragspartei durchsetzbare Rechte und Pflichten bezüglich der zu erbringenden Leistung einräumt;

(b)

die zu erbringende Gegenleistung festlegt; und

(c)

Art und Bedingungen der Erfüllung festlegt.

Im Regelfall ist es für das Unternehmen auch erforderlich, dass es über ein wirksames internes Budgetierungs- und Berichtssystem verfügt. Das Unternehmen überprüft und überarbeitet erforderlichenfalls mit Fortschreiten der Leistungserfüllung die Schätzungen der Auftragserlöse und der Auftragskosten. Die Notwendigkeit derartiger Korrekturen ist nicht unbedingt ein Hinweis darauf, dass das Ergebnis des Auftrages nicht verlässlich geschätzt werden kann.

30.

Der Fertigstellungsgrad eines Auftrages kann mittels verschiedener Verfahren bestimmt werden. Das Unternehmen setzt die Methode ein, mit der die erbrachte Leistung verlässlich bewertet wird. Je nach Vertragsart umfassen diese Methoden:

(a)

das Verhältnis der bis zum Stichtag angefallenen Auftragskosten zu den am Stichtag geschätzten gesamten Auftragskosten;

(b)

eine Begutachtung der erbrachten Leistung; oder

(c)

die Vollendung eines physischen Teiles des Vertragswerkes.

Vom Kunden erhaltene Abschlagszahlungen und Anzahlungen spiegeln die erbrachte Leistung häufig nicht wider.

31.

Wird der Leistungsfortschritt entsprechend den angefallenen Auftragskosten bestimmt, sind nur diejenigen Auftragskosten, die die erbrachte Leistung widerspiegeln, in diesen Kosten zu berücksichtigen. Beispiele für hier nicht zu berücksichtigende Kosten sind:

(a)

Kosten für zukünftige Tätigkeiten in Verbindung mit dem Auftrag, beispielsweise Kosten für Materialien, die zwar an den Erfüllungsort geliefert oder dort zum Gebrauch gelagert, jedoch noch nicht installiert, gebraucht oder verwertet worden sind, mit Ausnahme von Materialien, die speziell für diesen Auftrag angefertigt wurden; und

(b)

Vorauszahlungen an Subunternehmen für zu erbringende Leistungen im Rahmen des Untervertrages.

32.

Sofern das Ergebnis eines Fertigungsauftrages nicht verlässlich geschätzt werden kann:

(a)

ist der Erlös nur in Höhe der angefallenen Auftragskosten zu erfassen, die wahrscheinlich einbringbar sind; und

(b)

sind die Auftragskosten in der Periode, in der sie anfallen, als Aufwand zu erfassen.

Ein erwarteter Verlust durch den Fertigungsauftrag ist gemäß Paragraph 36 sofort als Aufwand zu erfassen.

33.

In den frühen Phasen eines Auftrages kann sein Ergebnis häufig nicht verlässlich geschätzt werden. Dennoch kann es wahrscheinlich sein, dass das Unternehmen die angefallenen Auftragskosten decken wird. Daher werden die Auftragserlöse nur so weit ergebniswirksam, wie die angefallenen Kosten erwartungsgemäß gedeckt werden können. Da das Ergebnis des Auftrages nicht verlässlich geschätzt werden kann, wird kein Gewinn erfasst. Doch obwohl das Ergebnis des Auftrages nicht verlässlich zu schätzen ist, kann es wahrscheinlich sein, dass die gesamten Auftragskosten die gesamten Auftragserlöse übersteigen werden. In solchen Fällen wird dieser erwartete Differenzbetrag zwischen den gesamten Auftragskosten und dem gesamten Auftragserlös gemäß Paragraph 36 sofort als Aufwand erfasst.

34.

Auftragskosten, die wahrscheinlich nicht gedeckt werden, werden sofort als Aufwand erfasst. Beispiele für solche Fälle, in denen die Einbringbarkeit angefallener Auftragskosten nicht wahrscheinlich ist und diese eventuell sofort als Aufwand zu erfassen sind, umfassen Verträge,

(a)

die nicht in vollem Umfang durchsetzbar sind, d. h. Verträge mit sehr zweifelhafter Gültigkeit;

(b)

deren Fertigstellung vom Ergebnis eines schwebenden Prozesses oder eines laufenden Gesetzgebungsverfahrens abhängig ist;

(c)

die in Verbindung mit Vermögenswerten stehen, die wahrscheinlich beschlagnahmt oder enteignet werden;

(d)

bei denen der Kunde seine Verpflichtungen nicht erfüllen kann; oder

(e)

bei denen der Auftragnehmer nicht in der Lage ist, den Auftrag fertig zu stellen oder seine vertraglichen Verpflichtungen anderweitig zu erfüllen.

35.

Wenn die Unsicherheiten, die eine verlässliche Schätzung des Ergebnisses des Auftrages behinderten, nicht länger bestehen, sind die zu dem Fertigungsauftrag gehörigen Erträge und Aufwendungen gemäß Paragraph 22 statt gemäß Paragraph 32 zu erfassen.

ERFASSUNG ERWARTETER VERLUSTE

36.

Ist es wahrscheinlich, dass die gesamten Auftragskosten die gesamten Auftragserlöse übersteigen werden, sind die erwarteten Verluste sofort als Aufwand zu erfassen.

37.

Die Höhe eines solchen Verlustes wird unabhängig von den folgenden Punkten bestimmt:

(a)

ob mit der Auftragsarbeit bereits begonnen wurde;

(b)

vom Fertigstellungsgrad der Auftragserfüllung; oder

(c)

vom erwarteten Gewinnbetrag aus anderen Verträgen, die gemäß Paragraph 9 nicht als einzelner Fertigungsauftrag behandelt werden.

VERÄNDERUNGEN VON SCHÄTZUNGEN

38.

Die Gewinnrealisierungsmethode nach dem Fertigstellungsgrad wird auf kumulierter Basis in jeder Berichtsperiode auf die laufenden Schätzungen von Auftragserlösen und Auftragskosten angewandt. Daher wird der Effekt einer veränderten Schätzung der Auftragserlöse und Auftragskosten oder der Effekt einer veränderten Schätzung des Ergebnisses aus einem Auftrag als Änderung einer Schätzung behandelt (siehe IAS 8, Periodenergebnis, grundlegende Fehler und Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden). Die veränderten Schätzungen gehen in die Berechnung des Betrages für Erträge und Aufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung der Berichtsperiode, in der die Änderung vorgenommen wurde, sowie der nachfolgenden Berichtsperioden ein.

ANGABEN

39.

Folgende Angaben sind erforderlich:

(a)

die in der Berichtsperiode erfassten Auftragserlöse;

(b)

die Methoden zur Ermittlung der in der Berichtsperiode erfassten Auftragserlöse; und

(c)

die Methoden zur Ermittlung des Fertigstellungsgrades laufender Projekte.

40.

Ein Unternehmen hat jede der folgenden Angaben für am Bilanzstichtag laufende Projekte zu machen:

(a)

die Summe der angefallenen Kosten und ausgewiesenen Gewinne (abzüglich etwaiger ausgewiesener Verluste);

(b)

den Betrag erhaltener Anzahlungen; und

(c)

den Betrag von Einbehalten.

41.

Einbehalte sind Beträge für Teilabrechnungen, die erst bei Erfüllung von im Vertrag festgelegten Bedingungen oder bei erfolgter Fehlerbehebung bezahlt werden. Teilabrechnungen sind für eine vertragsgemäß erbrachte Leistung in Rechnung gestellte Beträge, unabhängig davon, ob sie vom Kunden bezahlt wurden oder nicht. Anzahlungen sind Beträge, die beim Auftragnehmer eingehen, bevor die dazugehörige Leistung erbracht ist.

42.

Ein Unternehmen hat Folgendes anzugeben:

(a)

Fertigungsaufträge mit aktivischem Saldo gegenüber Kunden als Vermögenswert; und

(b)

Fertigungsaufträge mit passivischem Saldo gegenüber Kunden als Schulden.

43.

Fertigungsaufträge mit aktivischem Saldo gegenüber Kunden setzen sich aus den Nettobeträgen

(a)

der angefallenen Kosten plus ausgewiesenen Gewinnen; abzüglich

(b)

der Summe der ausgewiesenen Verluste und der Teilabrechnungen

für alle laufenden Aufträge zusammen, für die die angefallenen Kosten plus der ausgewiesenen Gewinne (abzüglich der ausgewiesenen Verluste) die Teilabrechnungen übersteigen.

44.

Fertigungsaufträge mit passivischem Saldo gegenüber Kunden setzen sich aus den Nettobeträgen

(a)

der angefallenen Kosten plus ausgewiesenen Gewinnen; abzüglich

(b)

der Summe der ausgewiesenen Verluste und der Teilabrechnungen

für alle laufenden Aufträge zusammen, bei denen die Teilabrechnungen die angefallenen Kosten plus die ausgewiesenen Gewinne (abzüglich der ausgewiesenen Verluste) übersteigen.

45.

Gemäß IAS 37, Rückstellungen, Eventualschulden und Eventualforderungen, gibt das Unternehmen alle Eventualschulden und Eventualforderungen an. Diese können beispielsweise aus Gewährleistungskosten, Nachforderungen, Vertragsstrafen oder möglichen Verlusten erwachsen.

ZEITPUNKT DES INKRAFTTRETENS

46.

Dieser International Accounting Standard ist erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 1995 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

INTERNATIONAL ACCOUNTING STANDARD IAS 12

(ÜBERARBEITET 2000)

Ertragsteuern

Dieser überarbeitete International Accounting Standard ersetzt den IAS 12, Bilanzierung von Ertragsteuern, welcher 1994 in einer umgegliederten Fassung vom Board genehmigt worden ist. Der überarbeitete Standard war erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 1998 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

Im Mai 1999 änderte IAS 10 (überarbeitet 1999), Ereignisse nach dem Bilanzstichtag, den Paragraph 88. Der geänderte Text trat in Kraft, als IAS 10 (überarbeitet 1999) in Kraft trat — d. h. er war erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 2000 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

Im April 2000 wurden die Paragraphen 20, 62(a), 64 und der Anhang A sowie die Paragraphen A10, A11 und B8 an die entsprechenden Querverweise und Definitionen des verabschiedeten IAS 40, Als Finanzinvestition gehaltene Immobilien, angepasst.

Im Oktober 2000 hat der Board Änderungen des IAS 12 verabschiedet, wodurch die Paragraphen 52A, 52B, 65A, 81(i), 82A, 87A, 87B, 87C und 91 hinzugefügt und die Paragraphen 3 und 50 gestrichen wurden. Die begrenzten Überarbeitungen legen die Bilanzierung der Ertragsteuern auf Dividenden fest. Der überarbeitete Text war erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 2001 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden.

Die folgenden SIC Interpretationen beziehen sich auf IAS 12:

SIC-21: Ertragsteuern — Realisierung von neubewerteten, planmäßig abzuschreibenden Vermögenswerten; und

SIC-25: Ertragsteuern — Änderungen im Steuerstatus eines Unternehmens oder seiner Anteilseigner.

EINFÜHRUNG

Dieser Standard („IAS 12 (überarbeitet)“) ersetzt IAS 12, Bilanzierung von Ertragsteuern („der ursprüngliche IAS 12“). IAS 12 (überarbeitet) war erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 1998 oder danach beginnenden Geschäftsjahres anzuwenden. Die wichtigsten Änderungen gegenüber dem ursprünglichen IAS 12 sind wie folgt.

1.

Nach dem ursprünglichen IAS 12 war ein Unternehmen verpflichtet, latente Steuern unter Verwendung entweder der Abgrenzungs-Methode oder der Verbindlichkeits-Methode, mitunter auch als „GuV-orientierte Verbindlichkeits-Methode“ bekannt, anzusetzen. IAS 12 (überarbeitet) untersagt die Abgrenzungs-Methode und fordert die Verwendung einer anderen Verbindlichkeits-Methode, die manchmal als bilanzorientierte Verbindlichkeits-Methode bezeichnet wird.

Die GuV-orientierte Verbindlichkeits-Methode konzentriert sich auf zeitliche Ergebnisunterschiede, während die bilanzorientierte Verbindlichkeits-Methode sich auf temporäre Differenzen konzentriert. Zeitliche Ergebnisunterschiede sind Unterschiedsbeträge zwischen dem zu versteuernden Einkommen und dem handelsrechtlichen Periodenergebnis (vor Ertragsteuern), die in einer Periode entstehen und sich in einer oder mehreren Folgeperioden umkehren. Temporäre Differenzen sind Unterschiedsbeträge zwischen dem Steuerwert eines Vermögenswertes oder einer Schuld und seinem (ihrem) Buchwert in der Bilanz. Der Steuerwert eines Vermögenswertes oder einer Schuld ist der diesem Vermögenswert oder dieser Schuld für steuerliche Zwecke beizulegende Betrag.

Alle zeitlichen Ergebnisunterschiede sind temporäre Differenzen. Temporäre Differenzen entstehen darüber hinaus auch in folgenden Fällen, in denen keine zeitlichen Ergebnisunterschiede entstehen, auch wenn der ursprüngliche IAS 12 diese in der gleichen Weise wie Geschäftsvorfälle, bei denen zeitliche Ergebnisunterschiede entstehen, behandelt hat:

(a)

Tochterunternehmen, assoziierte Unternehmen oder Joint Ventures haben nicht ihre gesamten Gewinne an das Mutterunternehmen oder den Anteilseigner ausgeschüttet;

(b)

Vermögenswerte wurden neubewertet, und es wurde für steuerliche Zwecke keine entsprechende Bewertungsanpassung durchgeführt; und

(c)

die Anschaffungskosten bei einem Unternehmenszusammenschluss in Form eines Unternehmenserwerbes werden den erworbenen identifizierbaren Vermögenswerten und Schulden unter Bezugnahme auf die beizulegenden Zeitwerte zugewiesen, für steuerliche Zwecke wird jedoch keine entsprechende Bewertungsanpassung durchgeführt.

Außerdem gibt es einige temporäre Differenzen, die keine zeitlichen Ergebnisunterschiede darstellen, beispielsweise solche temporären Differenzen, die auftreten, wenn:

(a)

nicht-monetäre Vermögenswerte und Schulden eines ausländischen Geschäftsbetriebes, der in den Geschäftsbetrieb des berichtenden Unternehmens integriert ist, zu historischen Wechselkursen umgerechnet werden;

(b)

nicht-monetäre Vermögenswerte und Schulden gemäß IAS 29, Rechnungslegung in Hochinflationsländern, angepasst werden; oder

(c)

der Buchwert eines Vermögenswertes oder einer Schuld sich bei erstmaligem Ansatz von dem anfänglichen Steuerwert unterscheidet.

2.

Gemäß dem ursprünglichen IAS 12 war es einem Unternehmen gestattet, aktivische oder passivische latente Steuern nicht anzusetzen, wenn vernünftige substanzielle Hinweise dafür vorhanden waren, dass zeitliche Ergebnisunterschiede sich nicht innerhalb eines längeren Zeitraumes umkehren. Gemäß IAS 12 (überarbeitet) ist ein Unternehmen verpflichtet, eine latente Steuerschuld oder (unter bestimmten Bedingungen) einen latenten Steueranspruch für alle temporären Differenzen anzusetzen, Ausnahmen hiervon sind im Folgenden aufgeführt.

3.

Gemäß dem ursprünglichen IAS 12 wurde Folgendes verlangt:

(a)

aktivische latente Steuern aus zeitlichen Ergebnisunterschieden waren zu bilanzieren, wenn vernünftigerweise eine spätere Realisierung erwartet werden konnte; und

(b)

aktivische latente Steuern infolge steuerlicher Verluste waren nur als Vermögenswert zu bilanzieren, wenn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zukünftiges zu versteuerndes Ergebnis in ausreichender Höhe vorhanden sein wird, damit der Steuervorteil dieses Verlustes realisiert werden kann. Gemäß dem ursprünglichen IAS 12 war es einem Unternehmen gestattet (jedoch nicht zwingend vorgeschrieben), den Ansatz des Vorteils aus steuerlichen Verlusten bis zur Periode der Realisierung aufzuschieben.

IAS 12 (überarbeitet) verlangt die Bilanzierung latenter Steueransprüche, wenn es wahrscheinlich ist, dass das zu versteuernde Ergebnis zur Verfügung stehen wird, das zur Realisierung des latenten Steueranspruches verwendet werden kann. Weist ein Unternehmen eine Historie steuerlicher Verluste auf, kann es latente Steueransprüche nur in dem Maße bilanzieren, in dem es über ausreichende zu versteuernde temporäre Differenzen verfügt oder überzeugende andere substanzielle Hinweise dafür vorliegen, dass in ausreichendem Umfang zu versteuerndes Ergebnis zur Verfügung stehen wird.

4.

IAS 12 (überarbeitet) untersagt als Ausnahme zu der im obigen Paragraph 2 beschriebenen generellen Anforderung den Ansatz von latenten Steuerschulden und latenten Steueransprüchen hinsichtlich bestimmter Vermögenswerte oder Schulden, deren Buchwert sich beim erstmaligen Ansatz von dem anfänglichen Steuerwert unterscheidet. Da solche Fälle auch keine zeitlichen Ergebnisunterschiede verursachen, führten sie auch nach dem ursprünglichen IAS 12 nicht zu latenten Steueransprüchen oder latenten Steuerschulden.