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Schutz von Versuchstieren

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Schutz von Versuchstieren

Das Endziel der Europäischen Union (EU) besteht in der Abschaffung von Tierversuchen und deren Ersatz durch alternative Methoden. Da es diese aber bisher noch nicht in ausreichendem Maße gibt, ergreift sie Maßnahmen, die die Situation von Tieren verbessern sollen, die nach wie vor für Tierversuche verwendet werden. Dabei ist es ihr Ziel, Tierversuche zu vermeiden, einzuschränken oder zu verbessern.

RECHTSAKT

Richtlinie 2010/63/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. September 2010 zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere.

ZUSAMMENFASSUNG

Um Versuchstiere zu schützen und um gleichzeitig die Entwicklung der Forschung voranzubringen, legt die EU verpflichtende Standards fest, um Tierversuche zu begrenzen und Mindestanforderungen im Hinblick auf die Unterbringung und die Pflege der Tiere vorzuschreiben.

Anwendungsbereich

Das Hauptziel der Richtlinie besteht in der Bereitstellung von Maßnahmen zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere, besonders in der Grundlagenforschung und in der angewandten Forschung, insbesondere im Hinblick auf die Herstellung von Medikamenten. Sie soll auch Schutzmaßnahmen für Tiere, die zu Ausbildungszwecken verwendet werden, einführen.

Sie gilt für alle lebenden nichtmenschlichen Wirbeltiere und für einige wirbellose Tiere, von denen angenommen wird, dass sie Schmerzen empfinden (Tintenfisch, Krake usw.).

Für die Verwendung nichtmenschlicher Primaten gelten Einschränkungen, und Tierversuche an Menschenaffen (Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utan) sind verboten.

Bereiche, in denen Tierversuche erlaubt sind

Tierversuche dürfen ausschließlich zu folgenden Zwecken durchgeführt werden:

  • für die Grundlagenforschung;
  • für die translationale oder angewandte Forschung mit dem Ziel der Verhütung, Vorbeugung, Diagnose oder Behandlung von Krankheiten bei Menschen oder Tieren;
  • für die Entwicklung und Herstellungvon Arzneimitteln sowie Qualitäts-, Wirksamkeits- und Unbedenklichkeitsprüfungvon Arzneimitteln , Lebensmitteln und Futtermitteln und anderen Stoffen oder Produkten zu einem der vorgenannten Zwecke;
  • für den Schutz der natürlichen Umwelt im Interesse der Gesundheit von Mensch und Tier;
  • Forschung im Hinblick auf die Erhaltung der Arten;
  • für die Ausbildung an Hochschulen oder die berufliche Aus- und Weiterbildung;
  • forensische Untersuchungen.

Bewertung von Projekten, die einen Tierversuch vorsehen

Der Einsatz von Tieren zu Versuchszwecken ist nur zulässig, wenn es keine zufriedenstellenden alternativen Methoden gibt. Die Projekte, die Tierversuche vorsehen, werden von der zuständigen Behörde geprüft. Sie dürfen nur dann durchgeführt werden, wenn es eine positive Projektbeurteilung erhalten hat, in der nachgewiesen werden muss, dass die Verwendung von Tieren gerechtfertigt ist und dass der erwartete Nutzen größer ist als der Schaden, der den Tieren zugefügt wird.

Die Anzahl der in Projekten verwendeten Versuchstiere muss auf ein Minimum reduziert werden, ohne dass die Ziele des Projekts beeinträchtigt werden. Die Lebensbedingungen und die in den Verfahren angewandten Methoden müssen so sein, dass unnötige Schmerzen, Leiden oder Ängste der Tiere auf ein Minimum reduziert werden.

Wohlergehen der Tiere

Tiere, die zu Versuchszwecken verwendet werden, müssen eine angemessene Pflege und Behandlung erhalten. Sie müssen in Käfigen untergebracht werden, die groß genug sind, und in einer artgerechten Umgebung entsprechend den in Anhang III der Richtlinie genannten Standards gehalten werden. Die Unterbringung in Gruppen wird bevorzugt und Ausgestaltungsmöglichkeiten werden angewandt, um die den Tieren zur Verfügung stehende Palette von Tätigkeiten zu erweitern und insbesondere Bewegung, Futtersuche, manipulatives und kognitives Verhalten zu fördern.

Die Tiere müssen unter geringstmöglichen Schmerzen, Leiden und Ängsten getötet werden. Sie dürfen in der Einrichtung eines Züchters, Lieferanten oder Verwenders nur von einer sachkundigen Person und nach einer Methode getötet werden, die in Anhang IV der Richtlinie vorgesehen ist. Generell muss jeder Mitarbeiter, der mit den Tieren interagiert, über eine entsprechende Ausbildung verfügen und unter der Aufsicht einer Aufsichtsperson arbeiten, die seine Fähigkeiten bescheinigen kann.

Verfahren

Es dürfen nur Verfahren angewandt werden, die im Rahmen eines genehmigten Projekts zugelassen wurden. Diese Verfahren werden nach ihrem Schweregrad, auf der Grundlage von Anhang VIII der Richtlinie, eingestuft. Sie müssen unter Betäubung durchgeführt werden, oder es muss eine andere Methode (Analgesie usw.) angewandt werden, es sei denn, diese Methode ist nicht geeignet oder die Betäubung wird für das Tier für traumatischer gehalten als das Verfahren selbst. Das Tier soll nach Möglichkeit am Leben bleiben. Das Verfahren muss so gestaltet sein, dass möglichst wenige Tiere sterben und die Dauer und Intensität des Leidens des Tieres auf das geringstmögliche Maß reduziert wird.

Die erneute Verwendung eines Tieres ist eine Möglichkeit, die Gesamtzahl der Versuchstiere zu reduzieren. Jede erneute Verwendung eines Tieres in einem neuen Verfahren ist reglementiert. Bevor ein Tier erneut verwendet werden darf, müssen der Schweregrad aller Verfahren, der Gesundheitszustand des Tieres und die tierärztliche Empfehlung berücksichtigt werden.

Am Ende des Verfahrens entscheidet ein Tierarzt oder eine andere sachkundige Person darüber, ob ein Tier am Leben bleiben soll. Die Tiere, die am Leben bleiben, erhalten eine angemessene Pflege und Unterbringung, wie in Anhang III festgelegt.

Zulassung

Alle Züchter, Lieferanten und Verwender und ihre Einrichtungen müssen von einer zuständigen Behörde zugelassen und dort registriert werden.

Die zugelassenen Einrichtungen müssen über Anlagen und Ausstattungen verfügen, die für die dort untergebrachten Tierarten geeignet sind, und sofern Verfahren durchgeführt werden, müssen Anlagen und Ausstattungen für die Durchführung der Verfahren geeignet sein.

Sie müssen Aufzeichnungen führen, in denen eine Reihe von Angaben über die Tiere, deren Herkunft und Verwendung enthalten sind. Diese Aufzeichnungen müssen mindestens fünf Jahre lang aufbewahrt werden und der Öffentlichkeit zugänglich sein.

Außerdem muss für jeden Hund, jede Katze und jeden nichtmenschlichen Primaten eine Kennzeichnung vorhanden sowie eine eigene Akte über dessen Werdegang geführt werden, die alle relevanten fortpflanzungsbezogenen, veterinärmedizinischen und sozialen Informationen zu dem jeweiligen Tier und zu den Projekten, in denen es verwendet wurde, enthält.

Inspektionen

Die zuständigen Behörden müssen bei allen Züchtern, Lieferanten und Verwendern, einschließlich ihrer Einrichtungen, regelmäßige Inspektionen durchführen, um die Einhaltung der Bestimmungen dieser Richtlinie zu überprüfen.

Die Häufigkeit dieser Inspektionen richtet sich nach dem Risiko jeder Einrichtung. Allerdings werden jährlich bei mindestens einem Drittel der Verwender Inspektionen durchgeführt, und ein angemessener Teil der Inspektionen erfolgt ohne Vorankündigung.

Bei Züchtern, Lieferanten und Verwendern von nichtmenschlichen Primaten werden jedoch mindestens einmal jährlich Inspektionen durchgeführt.

Hintergrund

Diese Richtlinie, die seit dem 1. Januar 2013 Richtlinie 86/609/EG ersetzt, fügt sich in den Rahmen einer EU-Politik ein, die das Ziel hat, Tierversuche so weit wie möglich einzuschränken und vollständig abzuschaffen, wenn diese sich nicht als unbedingt notwendig herausstellen. So sind Tierversuche für die Herstellung von kosmetischen Mitteln, für die diese Richtlinie nicht gilt, daher seit 2009 vollständig verboten (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009).

BEZUG

Rechtsakt

Datum des Inkrafttretens

Termin für die Umsetzung in den Mitgliedstaaten

Amtsblatt

Richtlinie 2010/63/EU

9.11.2010

10.11.2012

ABl. L 276 vom 20.10.2010

VERBUNDENE RECHTSAKTE

Empfehlung der Kommission vom 18. Juni 2007 mit Leitlinien für die Unterbringung und Pflege von Tieren, die für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendet werden (2007/526/EG) [Amtsblatt L 197 vom 30.07.2007].

2012/707/EU: Durchführungsbeschluss der Kommission vom 14. November 2012 zur Festlegung eines gemeinsamen Formats für die Vorlage der Informationen gemäß der Richtlinie 2010/63/EU des Europäischen Parlaments und des Rates zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere [Amtsblatt L 320 vom 17.11.2012].

2014/11/EU: Durchführungsbeschluss der Kommission vom 20. Dezember 2013 zur Berichtigung von Anhang II des Durchführungsbeschlusses 2012/707/EU zur Festlegung eines gemeinsamen Formats für die Vorlage der Informationen gemäß der Richtlinie 2010/63/EU des Europäischen Parlaments und des Rates [Amtsblatt L 10 vom 15.1.2014].

Letzte Änderung: 05.06.2014

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