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Ratingagenturen

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Ratingagenturen

Ratingagenturen erbringen unabhängige Stellungnahmen zur Bonität eines Unternehmens, eines Schuldtitels oder einer finanziellen Verpflichtung bzw. eines Finanzinstruments.

Ihre Bewertungen haben eine direkte Auswirkung auf die Märkte und die Wirtschaft.

RECHTSAKT

Verordnung (EG) Nr. 1060/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. September 2009 über Ratingagenturen (Text mit Bedeutung für den EWR).

ZUSAMMENFASSUNG

Mit dieser Verordnung sollen die Tätigkeiten von Ratingagenturen geregelt werden, um Anleger und europäische Finanzmärkte vor dem Risiko der Misswirtschaft zu schützen. Sie soll die Unabhängigkeit und Integrität der Ratingverfahren garantieren und die Qualität der erstellten Bewertungen verbessern.

Registrierung, Verhaltenskodex und Beaufsichtigung: Für eine Registrierung in der Europäischen Union müssen Ratingagenturen:

  • Interessenkonflikte vermeiden: beispielsweise dürfen Ratinganalysten keine Unternehmen bewerten, an denen sie beteiligt sind;
  • die Qualität von Ratings und der Ratingmethoden sicherstellen;
  • einen hohen Grad an Transparenz sicherstellen: beispielsweise durch die alljährliche Veröffentlichung eines Transparenzberichts.

Seit Juli 2011 obliegt der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde (ESMA) die Zuständigkeit für die Registrierung von Ratingagenturen sowie für die exklusiven Aufsichtsbefugnisse in Verbindung mit diesen Agenturen.

Änderungen durch diese neuen Regelungen:

Geringere Abhängigkeit von Ratings

  • Finanzinstitute und Anleger müssen ihre eigene Kreditrisikobewertung durchführen und dürfen sich nicht länger ausschließlich oder automatisch auf die externen Ratings verlassen, um die Bonität eines Unternehmens oder eines Finanzinstruments zu bewerten.

Qualitative Verbesserung der Ratings von Staatsanleihen der Mitgliedstaaten

  • Ratingagenturen müssen einen Zeitplan aufstellen, aus dem die Termine für die Bewertung der EU-Länder hervorgehen, die mindestens alle sechs Monate durchgeführt werden müssen.
  • Um ein Marktversagen zu verhindern, dürfen diese Ratings erst nach Handelsschluss aller Handelsplätze in Europa und spätestens eine Stunde vor ihrer nächsten Öffnung veröffentlicht werden.
  • Anleger und Mitgliedstaaten müssen über die zugrunde liegenden Fakten und Annahmen aller Ratings informiert werden.

Verstärkte Verantwortung von Ratingagenturen

  • Eine Ratingagentur trägt möglicherweise Rechnung, wenn es zu einem vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Verstoß der Verordnung kommt, der zu Schäden für einen Anleger oder Emittenten führt.

Mehr Unabhängigkeit und weniger Interessenkonflikte

  • Eine obligatorische Rotation erfordert von Emittenten komplex strukturierter Finanzinstrumente (Wiederverbriefungen) einen Wechsel der Agentur alle vier Jahre.
  • Ratingagenturen müssen Situationen offenlegen, in denen Anteilseigner mindestens 5 % des Kapitals oder der Stimmrechte der Agentur halten und zu mindestens 5 % an einem von ihnen bewerteten Unternehmen beteiligt sind. Wenn beide Beteiligungen bei 10 % oder mehr liegen, ist der Ratingagentur die Bewertung des betreffenden Unternehmens nicht gestattet.
  • Es ist untersagt, Beteiligungen am Kapital oder den Stimmrechten von 5 % oder mehr bei mehr als einer Ratingagentur zu haben, es sei denn, die betreffenden Agenturen gehören derselben Gruppe an.

Alle verfügbaren Ratings werden auf einer europäischen Ratingplattform veröffentlicht, die ab Juni 2015 zur Verfügung stehen wird.

Hintergrund

Die EU-Verordnung über Ratingagenturen gehört zu den Maßnahmen im Zusammenhang mit den Zusagen, die auf dem G20-Gipfel vom November 2008 in Washington gemacht wurden.

Weitere Informationen finden Sie nachstehend:

BEZUG

Rechtsakt

Datum des Inkrafttretens

Termin für die Umsetzung in den Mitgliedstaaten

Amtsblatt der Europäischen Union

Verordnung (EG) Nr. 1060/2009

7.12.2009

-

ABl. L 302 vom 17.11.2009

Ändernde(r) Rechtsakt(e)

Datum des Inkrafttretens

Termin für die Umsetzung in den Mitgliedstaaten

Amtsblatt der Europäischen Union

Verordnung (EU) Nr. 513/2011

1.6.2011

-

ABl. L 145 vom 31.5.2011

Richtlinie 2011/61/EU

21.7.2011

22.7.2013.

ABl. L 174 vom 1.7.2011

Verordnung (EU) Nr. 462/2013/

20.6.2013

-

ABl. L 146 vom 31.5.2013

Richtlinie 2014/51/EU

23.5.2014

31.3.2015

ABl. L 153 vom 22.5.2014

VERBUNDENE RECHTSAKTE

Delegierte Verordnung (EU) Nr. 272/2012 der Kommission vom 7. Februar 2012 zur Ergänzung der Verordnung (EG) Nr. 1060/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates in Bezug auf die Gebühren, die den Ratingagenturen von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde in Rechnung gestellt werden (Amtsblatt L 90 vom 28.3.2012).

Delegierte Verordnung (EU) Nr. 446/2012 der Kommission vom 21. März 2012 zur Ergänzung der Verordnung (EG) Nr. 1060/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates in Bezug auf technische Regulierungsstandards für Inhalt und Format der periodischen Übermittlung von Ratingdaten durch die Ratingagenturen an die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ABl. L 140 vom 30.5.2012).

Delegierte Verordnung (EU) Nr. 447/2012 der Kommission vom 21. März 2012 zur Ergänzung der Verordnung (EG) Nr. 1060/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates über Ratingagenturen durch Festlegung technischer Regulierungsstandards für die Bewertung der Normgerechtheit der Ratingmethoden (ABl. L 140 vom 30.5.2012).

Delegierte Verordnung (EU) Nr. 448/2012 der Kommission vom 21. März 2012 zur Ergänzung der Verordnung (EG) Nr. 1060/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates im Hinblick auf technische Regulierungsstandards für die Präsentation der Informationen, die Ratingagenturen in einem von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde eingerichteten zentralen Datenspeicher zur Verfügung stellen (ABl. L 140 vom 30.5.2012).

Delegierte Verordnung (EU) Nr. 449/2012 der Kommission vom 21. März 2012 zur Ergänzung der Verordnung (EG) Nr. 1060/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates im Hinblick auf technische Regulierungsstandards für Informationen zur Registrierung und Zertifizierung von Ratingagenturen (ABl. L 140 vom 30.5.2012).

Delegierte Verordnung (EU) Nr. 946/2012 der Kommission vom 12. Juli 2012 zur Ergänzung der Verordnung (EG) Nr. 1060/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates im Hinblick auf Verfahrensvorschriften für von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) Ratingagenturen auferlegte Geldbußen, einschließlich der Vorschriften über das Recht auf Verteidigung und Fristen (ABl. L 282 vom 16.10.2012).

Richtlinie 2013/14/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 21. Mai 2013 zur Änderung der Richtlinie 2003/41/EG über die Tätigkeiten und die Beaufsichtigung von Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge, der Richtlinie 2009/65/EG zur Koordinierung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften betreffend bestimmte Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW) und der Richtlinie 2011/61/EU über die Verwalter alternativer Investmentfonds im Hinblick auf übermäßigen Rückgriff auf Ratings (ABl. L 145 vom 31.5.2013):

Mit dieser Richtlinie soll verhindert werden, dass sich Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge, Verwalter und Investmenteinrichtungen von Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren und Verwalter alternativer Investmentfonds ausschließlich oder automatisch auf Ratings stützen oder sie als einziges Kriterium zur Risikobewertung verwenden.

Bericht der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament über die Realisierbarkeit eines Netzes kleiner Ratingagenturen (COM(2014) 248 final)

Der Bericht bewertet die Realisierbarkeit eines Netzes kleiner Ratingagenturen in der EU sowie die Art und Weise, auf die ein solches Netzwerk zur Stärkung der kleineren Agenturen beitragen und diese zu wettbewerbsfähigeren Akteuren machen könnte. Der Bericht empfiehlt die Auswertung des Mehrwertes eines Netzes kleiner Ratingagenturen auf mittlere und lange Sicht, basierend auf der Analyse der Auswirkungen der neuen Verordnung.

Letzte Änderung: 25.09.2014

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