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Document 52016DC0942

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MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN EIN EUROPÄISCHES SOLIDARITÄTSKORPS

COM/2016/0942 final
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Brüssel, den 7.12.2016

COM(2016) 942 final

MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN

EIN EUROPÄISCHES SOLIDARITÄTSKORPS


Auf dem Weg zu einem Europäischen Solidaritätskorps

 

I. Solidarität in Europa

Die Europäische Union ist auf Solidarität gebaut: Solidarität zwischen ihren Bürgerinnen und Bürgern, Solidarität über Grenzen hinweg zwischen ihren Mitgliedstaaten und Solidarität bei ihren Maßnahmen inner- und außerhalb der Union. Solidarität ist ein gemeinsamer Wert, der in der gesamten europäischen Gesellschaft stark zu verspüren ist. Sie definiert das europäische Projekt, das immer wieder neu formuliert und gestärkt werden sollte. Sie ist Teil des Gefüges, das den europäischen Traum Generation für Generation aufleben lässt. Bei der Europäischen Union geht es um mehr als nur um gemeinsame Regeln, Institutionen oder Märkte: Sie ist eine Wertegemeinschaft.

Mehr Solidarität wird Europa zusammenhalten. Sie bietet die Einheit, die notwendig ist, um mithilfe eines soliden moralischen Fundaments heutige wie künftige Krisen zu bewältigen. Sie ist die Kompassnadel, die der europäischen Jugend bei ihrem Streben nach einer besseren Union den Weg zeigt. Denn in den Gedanken und den Herzen der Jugend liegen die Stärke und der Verstand, um das europäische Projekt weiter voranzubringen. Und es ist die moralische Pflicht der derzeitigen Führung, dafür den Weg zu ebnen.

Präsident Juncker kündigte in seiner Rede zur Lage der Union vom 14. September 2016 die Idee eines Europäischen Solidaritätskorps an:

„[...] [E]s gibt viele junge und sozial denkende Menschen in Europa, die sich in die Gesellschaft einbringen und Solidarität zeigen wollen – und wir können für sie die Möglichkeiten schaffen, dies zu tun [...] Die Solidarität ist der Kitt, der unsere Union zusammenhält. [...] Junge Menschen aus der ganzen EU sollen als Freiwillige in Krisensituationen [...] dort Hilfe leisten können, wo sie am dringendsten gebraucht wird. [...] [D]iese jungen Menschen [werden] neue Kompetenzen erwerben und nicht nur Arbeitserfahrung, sondern auch wertvolle Lebenserfahrung sammeln.“

Junge Europäerinnen und Europäer müssen öfter und leichter Gelegenheit haben, ihre Solidarität zum Ausdruck bringen zu können. Das Europäische Solidaritätskorps wird begeisterte und engagierte junge Menschen vermitteln, die bereit und willens sind, an einem gemeinsamen Solidaritätsprojekt zu arbeiten. Es wird junge Menschen, die helfen, lernen und sich entwickeln wollen und dabei wertvolle Erfahrungen sammeln möchten, inspirieren und ihnen Fähigkeiten an die Hand geben. Ziel ist es, dass sich bis Ende 2020 die ersten 100 000 jungen Europäer und Europäerinnen dem Europäischen Solidaritätskorps anschließen.

Das Europäische Solidaritätskorps wird die Grundfesten für Solidaritätsarbeit in ganz Europa stärken. Es wird das Fundament für die Unterstützung von Organisationen in ganz Europa ausbauen, die jungen Menschen Gelegenheit geben, Solidarität zu üben. Es wird schutzbedürftige Gemeinschaften sowie öffentliche nationale und lokale Strukturen in vielerlei Bereichen unterstützen, z. B. Essen für Bedürftige, Aufräumaktionen in Wäldern und an Stränden, Hilfe in von Katastrophen heimgesuchten Regionen oder Unterstützung der Integration von Flüchtlingen.

II. Höchste Zeit für ein Europäisches Solidaritätskorps

Viele engagieren sich bereits, …

Junge Europäerinnen und Europäer möchten sich in ihren Gemeinschaften engagieren. Etwa die Hälfte von ihnen ist Mitglied in mindestens einer Organisation. Zu den beliebtesten Aktivitäten zählen Sportvereine (29 %), Jugendclubs oder organisationen (16 %), lokale Organisationen zur Unterstützung der Gemeinde (11 %) und Kulturorganisationen (10 %). Jeder vierte junge Mensch in der Europäischen Union hat sich in den vergangenen zwölf Monaten an einer organisierten Freiwilligenaktivität beteiligt, vor allem in den Bereichen Wohltätigkeit, humanitäre Hilfe und Entwicklungshilfe, Umweltschutz, Bildung, Berufsbildung und Sport. 1

Im Rahmen des Europäischen Sozialfonds und der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen erhalten junge Menschen viele verschiedene Gelegenheiten, sich in ihrem Heimatland bei der sozialen Inklusion und Integration zu engagieren, und sammeln so Arbeitserfahrungen und drücken ihre Solidarität mit schutzbedürftigen Gemeinschaften und Bedürftigen in der ganzen Union aus.

… noch viele mehr könnten folgen …

Nicht jeder, der bereit ist, Freiwilligengenarbeit zu leisten, findet Gelegenheit dazu. Nur 6 % der jungen Menschen sind nach eigenen Aussagen ins Ausland gegangen, um dort Freiwilligenarbeit zu leisten; von denen, die dies nicht getan haben, geben 88 % an, ihnen hätte die Gelegenheit dazu gefehlt. Im Allgemeinen meinen vier von zehn jungen Europäerinnen und Europäern, sie würden gern in einem anderen Unionsland arbeiten, studieren oder eine Ausbildung machen. 2

Eine derzeit noch nicht abgeschlossene Studie 3 zeigt, dass die Branchen mit Solidaritätsbezug in der Union im Jahr 2015 mehr als 40 Millionen Menschen beschäftigten. Ein Beispiel: Im Bereich soziale Integration und Sozialarbeit, einschließlich der Aufnahme und Integration von Asylsuchenden und Migranten, arbeiten derzeit geschätzt 170 000 Menschen. In Bereichen wie Bildung und Gesundheitswesen sind es noch mehr. Und es besteht potenziell Interesse – die Daten des EURES-Portals 4 zeigen, dass etwa 80 000 Arbeitsuchende in Branchen mit Solidaritätsbezug nach einer Stelle im Ausland suchen.

… und manche engagieren sich mehr als andere; …

Umfragen zeigen, dass die Beteiligung junger Menschen aus allen soziodemografischen Gruppen an Freiwilligentätigkeiten verbessert werden könnte. Junge Menschen, die ihre Ausbildung im Alter von mindestens 20 Jahren abgeschlossen haben, haben eher an organisierten Freiwilligentätigkeiten mitgewirkt (26 %) als die, die ihre Ausbildung im Alter von 16-19 Jahren (20 %) oder höchstens 15 Jahren beendet haben (15 %). Im Jahr 2014 erhielt nur gut ein Viertel der jungen Menschen, die an organisierten Freiwilligentätigkeiten teilgenommen haben, eine formale Anerkennung (z. B. Bescheinigung oder Abschlusszeugnis).

Junge Menschen haben ein erhebliches Interesse daran, in einem anderen Unionsland zu arbeiten; die bestehenden Programme reichen dafür jedoch nicht aus. Seit Beginn des Programms „Dein erster EURES-Arbeitsplatz“ im Rahmen des Programms EaSI (2014-2020) konnten bei 8615 Registrierungen und Anfragen auf Unterstützung nur 1469 Stellen vermittelt werden.

… deshalb muss das Europäische Solidaritätskorps ehrgeizig angelegt und auf alle ausgerichtet sein.

Insgesamt ergibt sich somit das Bild, dass die Nachfrage junger Menschen nicht nur nach freiwilligen Solidaritätsdiensten sondern auch nach Arbeitsstellen mit Solidaritätsbezug – im Heimatland oder im Ausland – nicht gedeckt ist. Der gemeinsame Nenner dabei sind solidaritätsorientierte Maßnahmen. Es sollten mehr und bessere Gelegenheiten geschaffen werden, die eine große Palette an Tätigkeiten abdecken und dabei die richtige Ausbildung anbieten und eine formale Anerkennung der erworbenen Kompetenzen und Erfahrungen vorsehen. Die Aktivitäten sollten vielerlei verschiedene Kompetenzen abdecken, damit eine breite Beteiligung gewährleistet wird. Für die Mitglieder des Europäischen Solidaritätskorps, die ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz verbessern und gleichzeitig zu einem Solidaritätsprojekt beitragen möchten, brauchen wir mehr Gelegenheiten.

III. Ziele, Grundsätze und Mehrwert

Oberstes Ziel des Europäischen Solidaritätskorps ist die Stärkung der Kohäsion und die Förderung der Solidarität in der europäischen Gesellschaft. Es wird mehr jungen Menschen die Möglichkeit bieten, an vielerlei Solidaritätsaktivitäten teilzunehmen und entweder durch Freiwilligenarbeit oder in Beschäftigungsprojekten dabei zu helfen, Herausforderungen in ganz Europa zu meistern. Das Europäische Solidaritätskorps wird nationale und lokale Behörden und Stellen sowie nichtstaatliche Organisationen und Unternehmen dabei unterstützen, die unterschiedlichsten Herausforderungen und Krisen zu bewältigen, ebenso wie die teilnehmenden jungen Menschen. Das Fundament für das Europäische Solidaritätskorps wird der Wert „Solidarität“ sein. Das Europäische Solidaritätskorps bringt, wie in seiner Aufgabenbeschreibung festgelegt, junge Menschen zusammen, um eine inklusivere Gesellschaft aufzubauen, bedürftigen Menschen zu helfen und auf gesellschaftliche Herausforderungen zu reagieren. Es bietet jungen Menschen, die helfen, lernen und etwas bewegen möchten, eine inspirierende und verantwortungsvolle Aufgabe.

Für seine Aktivitäten wird eine Reihe von Grundsätzen gelten, die die jungen Mitglieder einhalten müssen. Diese Grundsätze beziehen sich u. a. auf die Achtung der menschlichen Würde und der Menschrechte, auf die Förderung einer gerechten, auf Chancengleichheit bedachten Gesellschaft, auf die Beisteuerung wichtiger Beiträge zur Gesellschaft, auf die Einhaltung der Regeln und Praktiken, die für die teilnehmenden Organisationen gelten, und auf den freiwilligen Entschluss einer jungen Person, sich im Europäischen Solidaritätskorps zu engagieren. Alle jungen Menschen sollten in der Lage sein teilzunehmen; Hintergrund, Ausbildung, Kompetenzniveau oder Behinderung sollten keine Rolle spielen.

Jede teilnehmende Organisation, oder zwischengeschaltete Organisation, die einen Einsatz im Rahmen der Beschäftigungsprojekte unterstützt (z. B. öffentliche Arbeitsverwaltung), muss sich einer Charta verpflichten, in der ihre jeweiligen Rechte und Pflichten während allen Phasen der Solidaritätserfahrung – Registrierung, Auswahl und Tätigkeiten vor, während und nach dem Einsatz – festgelegt sind. Die teilnehmenden Organisationen sind laut der Charta verpflichtet, sichere Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Mitglieder des Europäischen Solidaritätskorps zu gewährleisten. Außerdem bieten sie, bzw. die den Einsatz unterstützenden zwischengeschalteten Organisationen, Schulungen und Hilfestellung, damit die Mitglieder ihre Aufgaben leichter erfüllen können. Die teilnehmenden Organisationen stellen den Mitgliedern nach ihrem Einsatz eine Bescheinigung aus und, wenn möglich, dokumentieren sie auch die während der Tätigkeiten erzielten Lernergebnisse. Darüber hinaus dürfen sie von den Mitgliedern des Europäischen Solidaritätskorps keinerlei Finanzbeitrag oder Gebühren verlangen.

Das Europäische Solidaritätskorps umfasst zwei sich gegenseitig ergänzende Komponenten: Freiwilligenprojekte und Beschäftigungsprojekte.

Die Freiwilligenprojekte werden den bereits bestehenden Europäischen Freiwilligendienst, der im Rahmen des Programms „Erasmus+“ finanziert wird, stärken und erweitern. Dort engagierten sich in den vergangenen 20 Jahren etwa 100 000 junge Menschen; er basiert auf klaren Qualitätsstandards wie der Akkreditierung von Organisationen und hat bewiesen, dass er zur Entwicklung der Fähigkeiten und Kompetenzen junger Menschen, die für ein Engagement in der Gesellschaft und bei der Arbeitssuche vonnöten sind, beitragen kann. 70 % der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Europäischen Freiwilligendienst sind der Meinung, dass diese Erfahrung ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt gesteigert hat, 74 % erweiterten ihre unternehmerischen Fähigkeiten und 85 % erwarben auch Kompetenzen in der Teamarbeit.

Die Freiwilligenprojekte im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps sollten für alle jungen Menschen eine wertvolle Erfahrung bieten und ein Pluspunkt im Lebenslauf sein, wenn sie sich auf eine Stelle bewerben. Für viele junge Menschen in Europa wäre das Europäische Solidaritätskorps eine neue Möglichkeit, sich an sinnvollen Aktivitäten zu beteiligen; dies könnte sich bei der Bewerbung auf eine Stelle positiv auswirken.

Basierend auf der Rechtsgrundlage der jeweiligen Programme wird das Europäische Solidaritätskorps junge Menschen bei der Ausführung freiwilliger Tätigkeiten von zwei bis zwölf Monaten Dauer im Ausland unterstützen. Zunächst wird die Durchführung hauptsächlich auf dem gut verankerten und wirksamen Netz der nationalen Agenturen von Erasmus+ fußen. Andere Freiwilligenprojekte werden aus bestehenden Programmen wie LIFE, „Europa für Bürgerinnen und Bürger“, dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds, dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums, den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sowie dem Gesundheitsprogramm finanziert. Wer sich in einem Freiwilligenprojekt engagiert, erhält in der Regel Kost und Logis, die Reisekosten, eine Versicherung und ein Taschengeld aus Unionsmitteln.

Im Rahmen der Beschäftigungsprojekte werden junge Menschen einen Arbeits-, Praktikums- oder Ausbildungsplatz in Organisationen verschiedenster Ausrichtung erhalten, die für ihre Solidaritätsprojekte im In- und Ausland hochmotivierte und sozial eingestellte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen benötigen. Die Projekte werden Schritt für Schritt in Partnerschaften mit öffentlichen Stellen und Diensten (insbesondere öffentliche Arbeitsverwaltungen), etablierten nichtstaatlichen Organisationen und anderen in diesen Branchen tätigen Organisationen eingerichtet und bauen z. B. auf Partnerschaften auf, die bereits für die Freiwilligenprojekte bestehen. Über diese Partnerschaften werden den Mitgliedern des Europäischen Solidaritätskorps die angebotenen Stellen vermittelt. Eine Arbeitsanstellung wird zwischen zwei und zwölf Monaten dauern und kann in Voll- oder Teilzeit angetreten werden. Die Aktivitäten werden zunächst durch das Programm für Beschäftigung und soziale Innovation und andere bestehende Unionsprogramme wie dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds oder „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ finanziert.

Die Tätigkeiten im Rahmen der Beschäftigungsprojekte werden die Arbeit ergänzen, die nationale Arbeitsvermittlungen und insbesondere das Europäische Arbeitsvermittlungsnetz (EURES) leisten, das generell die Information und Vermittlung von Arbeitskräften in allen Unionsmitgliedstaaten unterstützt. Dank der Ausrichtung auf Solidaritätswerte wird das Europäische Solidaritätskorps bestehende Rekrutierungspraktiken auf nationaler Ebene bereichern und Kategorien junger Menschen, die bislang noch nicht von einer Unterstützung profitiert haben, neue Gelegenheiten bieten.

Wer eine Stelle, ein Praktikum oder eine Ausbildung antritt, erhält einen Beschäftigungsvertrag, der im Einklang mit dem im Aufnahmeland geltenden Regulierungsrahmen ausgefertigt wird. Für Ausbildungen und Praktika ist eine Unionsunterstützung für eine Unterhaltsbeihilfe vorgesehen. Benachteiligte junge Menschen, die zusätzliche Hürden beim Eintritt in den Arbeitsmarkt bewältigen müssen (z. B. solche, die in Armut leben oder eine Behinderung haben), könnten noch weiter unterstützt werden. Wer sich in einem Beschäftigungsprojekt engagiert, erhält einen Arbeitsvertrag und einen Lohn im Einklang mit den örtlichen gesetzlichen und tariflichen Rahmenbedingungen. Daher werden die Mitglieder über das nationale Sozialschutzsystem versichert. Um Ergebnisse zu erzielen, die den jungen Mitgliedern bei der Integration in den Arbeitsmarkt zugutekommen, wird ein aktives Mitwirken der öffentlichen Arbeitsverwaltungen benötigt.

Bei den Freiwilligen- wie den Beschäftigungsprojekten werden die Mitglieder eine Bescheinigung erhalten, in der ihre Tätigkeiten während ihres Engagements detailliert festgehalten werden. Darüber hinaus wird die Kommission die Bewertung und Validierung von Kompetenzen fördern, die im Rahmen des Europäischen Solidaritätskops erworben wurden.

Der Mehrwert des Europäischen Solidaritätskorps wird in der Hervorhebung von Solidaritätsaktivitäten in der gesamten Europäischen Union bestehen. In Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und den Interessenvertretern auf nationaler und Unionsebene wird das Korps die bestehenden nationalen Programme ergänzen und deren Grundfesten stärken; dazu werden die Finanzierungsinstrumente konzentriert. Die Kombination aus einer einzigen Anlaufstelle, zwei Projektarten, einem wirksamen und effizienten Auswahl- und Vermittlungssystem, Beihilfen, Versicherungen und Bescheinigungen wird es jungen Menschen ermöglichen, in ganz Europa Solidarität zu zeigen.

Die teilnehmenden Organisationen 5 werden auf das Europäische Solidaritätskorps zurückgreifen und dessen Mitglieder einsetzen können, um mit dieser wertvollen Ressource ihre Aktivitäten vor Ort zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger und der Gesellschaft insgesamt zu stärken. Aufgrund der Beteiligung am Europäischen Solidaritätskorps steht den teilnehmenden Organisationen unter Umständen eine größere Auswahl an potenziellen Angestellten/Freiwilligen mit den von ihnen nachgefragten Kompetenzen zur Verfügung. Sie könnten außerdem davon profitieren, die sozialverantwortliche Seite ihrer Organisation oder ihres Unternehmens ins Licht zu rücken.

IV. Zeitplan und wichtigste Merkmale des Europäischen Solidaritätskorps

Ein Schritt-für-Schritt-Ansatz

Das Europäische Solidaritätskorps wird schrittweise aufgebaut, in enger Zusammenarbeit mit Interessenvertretern auf allen Ebenen. In der ersten Phase, die mit der vorliegenden Mitteilung beginnt, erhalten junge Menschen, die ihr Interesse an einem Engagement im Europäischen Solidaritätskorps bekunden möchten, auf der speziellen Registrierungsseite im Europäischen Jugendportal Gelegenheit dazu ( http://europa.eu/solidarity-corps ). Die Registrierung wird schnell und unkompliziert vonstattengehen. Erste Dienstleistungen, wie Schulungen und Online-Sprachunterstützung werden bereits während der ersten Durchführungsphase bereitgestellt.

In dieser ersten Phase werden auch bestehende Finanzierungsprogramme und Ressourcen zur Unterstützung des Engagements der Mitglieder des Europäischen Solidaritätskorps eingesetzt. Die teilnehmenden Organisationen werden im Rahmen dieser Programme Projektfinanzierungen beantragen können, sodass sie Mitglieder des Europäischen Solidaritätskops engagieren können.

Eine Übersicht über der die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten für Freiwilligen- und für Beschäftigungsprojekte findet sich nachstehend. 6

a) Erasmus+ (Europäischer Freiwilligendienst)

Das Budget für 2017 für den Europäischen Freiwilligendienst beläuft sich auf etwa 58 Mio. EUR für Aktivitäten im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps. Das Arbeitsprogramm 2017 für Erasmus+ wird es ermöglichen, dass große Teile der derzeitigen Strukturen und Möglichkeiten des Programms zur Unterstützung der Freiwilligenprojekte des Europäischen Solidaritätskorps genutzt werden können.

b) Programm für Beschäftigung und soziale Innovation

Im Rahmen der Beschäftigungsprojekte des Europäischen Solidaritätskorps wird das Arbeitsprogramm 2017 für das Programm für Beschäftigung und soziale Innovation ein Pilotprojekt ins Leben rufen, um die Beschäftigungsaufnahme in einem anderen Land zu unterstützen; dabei werden die Erfahrungen mit dem Programm „Dein erster EURES-Arbeitsplatz“ und die Fachkenntnisse der öffentlichen Arbeitsverwaltungen herangezogen. Ein Konsortium aus zwischengeschalteten Organisationen wie den öffentlichen Arbeitsverwaltungen, nichtstaatlichen Organisationen und Ausbildungsinstituten wird in verschiedenen Unionsländern eingerichtet. Die Organisationen, die das Konsortium stellen, werden Outreach- und Informationstätigkeiten für junge Menschen und Arbeitgeber, die an der Unterstützung von Solidaritätsmaßnahmen interessiert sind, durchführen, bei der Vermittlung der registrierten jungen Menschen an Arbeitgeber beraten und helfen und aufgabenbezogene Schulungen und Beratungen anbieten. Insgesamt sollen 14,2 Mio. EUR bereitgestellt werden; die Projekte könnten im Juni 2017 anlaufen. Das Konsortium wird unter anderem Arbeitsmarktinformationen in Bezug auf bei den öffentlichen Arbeitsverwaltungen gemeldete und bearbeitete freie Stellen heranziehen.

c) Programm „LIFE“

Bei allen derzeit durchgeführten Projekten wird das Programm die Begünstigten aufrufen, junge Menschen aus dem Europäischen Solidaritätskorps einzubinden. Im Jahr 2016 wird eine Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen über 2 Mio. EUR speziell zu Freiwilligentätigkeiten für den Erhalt von Natura 2000, dem unionsweiten Netz an Naturschutzgebieten, veröffentlicht, damit Mitglieder des Europäischen Solidaritätskorps im Land eingesetzt werden können. Im Jahr 2017 wird sich LIFE mit Erasmus+ zusammentun, um den Umweltaspekt des Europäischen Freiwilligendienstes zu stärken und diesen auf Engagements in Umwelt- und Klimamaßnahmen im Ausland auszuweiten. Weitere Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen für die sogenannten klassischen Projekte werden im April 2017 veröffentlicht und werden die Bewerber ermuntern, die Entwicklung und die Unterstützung von Netzwerken junger Freiwilliger einzubinden. Darüber hinaus wird auch eruiert werden, wie LIFE die Beschäftigungsprojekte im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps unterstützen kann.

d) Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“

Für Projekte, die im August 2017 anlaufen, wird dieses Programm die Projektförderer dazu aufrufen, junge Menschen, die im Europäischen Solidaritätskorps registriert sind, zu engagieren. Für 2018 ist eine neue Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen für operative Finanzhilfen mit der Zusatzbedingung vorgesehen, dass die ausgewählten Organisationen Mitglieder des Europäischen Solidaritätskorps einstellen. Die Zivilgesellschaftsprojekte werden dabei von Bedeutung sein. Das Budget wird sich auf etwa 3,5 Mio. EUR pro Jahr belaufen.

e) Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds

Im Jahr 2016 werden mindestens a 9,5 Mio. EUR für Projekte bereitgestellt, die die Integration von Drittstaatsangehörigen fördern; die Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen wird die Einbindung von Mitgliedern des Europäischen Solidaritätskorps fördern. Die Projekte könnten ab Mitte 2017 anlaufen. Im Jahr 2017 wird es eine weitere wichtige Aufforderung zur Unterstützung der Integration von Drittstaatsangehörigen geben. Die Prioritäten werden explizit auf das Europäische Solidaritätskorps Bezug nehmen. Die Projekte könnten ab Ende 2017 anlaufen.

f) Europäischer Fonds für regionale Entwicklung Ab 2017, werden 1 Mio. EUR im Rahmen der operationellen technischen Hilfe des EFRE für junge Europäerinnen und Europäer im Alter von 18 bis 30 Jahren bereitgestellt, die zwei bis sechs Monate in einem grenzübergreifenden, transnationalen oder interregionalen Interreg-Programm tätig sein möchten. Das Programm wird die Freiwilligenprojekte des Europäischen Solidaritätskorps ergänzen, entweder über „Interreg-Projektpartner“ zur Unterstützung eines konkreten Projektes oder über „Interreg-Berichterstatter“ zur Unterstützung eines Interreg-Programms durch Bewerbung konkreter Ergebnisse früherer Projekte.

g) Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums

Aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) werden Projekte mit Bezug zur Landwirtschaft oder zur Entwicklung des ländlichen Raums, die Mitglieder des Europäischen Solidaritätskorps beschäftigen, unterstützt. Für diese Projekte sind 1,3 Mio. EUR aus dem Haushalt 2016 und bis zu 0,5 Mio. EUR aus dem Haushalt 2017 vorgesehen. Ergänzen wird diese Unterstützung aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums vor allem die Freiwilligenprojekte des Solidaritätskorps, bei denen es um Naturschutz im Rahmen des Programms „LIFE“ geht.

h) Gesundheitsprogramm

Im Jahr 2017 werden die Begünstigten der operationellen Finanzhilfen aufgefordert, das Europäische Solidaritätskorps einzusetzen. Geschätzt 60 000 EUR werden für nichtstaatliche Organisationen bereitgestellt, damit diese aktiv Mitglieder des Europäischen Solidaritätskorps im Gesundheitswesen einbinden. Basierend auf dem Ergebnis einer zielgerichteten Kontaktaufnahme mit Interessenvertretern aus dem Gesundheitswesen könnten weitere Vorschläge erarbeitet werden.

In einer zweiten Phase wird es unter Berücksichtigung der Rückmeldung der Interessenvertreter zu einem Konsolidierungsverfahren und einer stabilen Durchführung des Europäischen Solidaritätskorps bis 2020 kommen. Für die Beschäftigungsprojekte werden auch Finanzierungsmöglichkeiten im Rahmen der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen eruiert. Das Europäische Solidaritätskorps sollte vollumfänglich (Freiwilligen- wie auch Beschäftigungsprojekte) aus einer eigenen Haushaltslinie auf der Grundlage einer eigenen, bis zum Frühjahr 2017 vorzuschlagenden Rechtsgrundlage, mit möglichen budgetären Anpassungen innerhalb des bestehenden Finanzrahmens finanziert werden. Die Kommission wird die hierfür notwendigen Vorkehrungen treffen.

Ein breites Tätigkeitsfeld

Junge Menschen werden die Möglichkeit erhalten, an einem breiten Spektrum von Tätigkeiten mitzuwirken. Diese könnten mit Diensten von allgemeinem Interesse zusammenhängen und beispielsweise folgende Gebiete betreffen: Bildung und Jugend, Gesundheitswesen, Integration in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt, Unterstützung bei der Bereitstellung von Nahrungsmitteln und anderen Gütern, Bau von Unterkünften und Einrichtungen, Renovierung und Verwaltung, Aufnahme, Unterstützung und Integration von Migranten und Flüchtlingen, Versöhnungsmaßnahmen nach Konflikten, Umwelt- und Naturschutz oder Prävention von Naturkatastrophen (Ausnahme: Sofortmaßnahmen im Katastrophenfall, da hierfür speziellere Kompetenzen und Ausbildung benötigt werden).

Geografisch wird das Europäische Solidaritätskorps vor allem die Union und gegebenenfalls auch andere Länder abdecken, die an den verschiedenen bestehenden Finanzinstrumenten beteiligt sind, welche zum Europäischen Solidaritätskorps beitragen. Registrieren können sich junge Menschen – Unionsbürger und Einwohner 7 der Union – zwischen 17 und 30 Jahren. Der tatsächliche Einsatz im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps sollte ab 18 Jahren erfolgen.

Mehrsprachiger Internetauftritt mit verbesserten Diensten und einer starken visuellen Identität

Das Registrierungssystem des Europäischen Solidaritätskorps befindet sich auf dem Europäischen Jugendportal und wird über Internetsuchmaschinen gefunden. Junge Menschen können ihr Interesse bekunden und sich mit ihren wichtigsten persönlichen Daten registrieren; dabei werden die Datenschutzregeln vollumfänglich beachtet. Weitergehende Informationen, die zur Erstellung eines umfassenderen Profils benötigt werden, werden später erhoben.

Das Registrierungssystem steht in allen 24 Amtssprachen der EU zur Verfügung. Bei der Registrierung können die jungen Menschen angeben, in welchen Ländern sie gerne tätig wären, ob ein Freiwilligen- oder ein Beschäftigungsprojekt gewünscht wird, welche Aktivitäten sie interessieren und welche Erfahrungen und Fähigkeiten sie in die Tätigkeiten des Europäischen Solidaritätskorps einbringen können.

Alle teilnehmenden Organisationen, oder die sie vertretenden zwischengeschalteten Organisationen, die Projekte im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps durchführen möchten, müssen der Charta des Europäischen Solidaritätskorps beitreten. Je nach Durchführungsinstrument werden sie entweder für eine Akkreditierung überprüft oder aufgefordert, hohe Qualitätsstandards zu erfüllen, um solche Projekte durchzuführen. Dann können sie aus den in der Datenbank des Europäischen Solidaritätskorps registrierten jungen Menschen geeignete Kandidatinnen und Kandidaten auswählen. Die Materialien und Werkzeuge für die gebotenen Dienstleistungen, z. B. entsprechende Schulungen, Sprachunterrichttools und die Bescheinigung werden nach und nach entwickelt.

Junge Menschen werden über die Solidaritätsaktivitäten regelmäßig informiert und aktiv an sie herangeführt. Die internetbasierte Anwendung wird verbessert, damit eine Community derer, die sich an den Tätigkeiten des Europäischen Solidaritätskorps beteiligen, aufgebaut werden kann. Diverse Initiativen sind ebenfalls bereits in Planung, um die registrierten jungen Menschen in der Zeit zwischen der Registrierung und dem ersten Einsatz auf dem Laufenden zu halten, z. B. elektronische Newsletter mit den neuesten Entwicklungen zum Europäischen Solidaritätskorps und Aktivitäten, die die Vertretungen der Kommission organisieren und zu denen die registrieren jungen Menschen eingeladen werden. Darüber hinaus ist ein Online-Forum vorgesehen, in dem die Mitglieder des Europäischen Solidaritätskorps, junge Menschen und Organisationen, ihre Erfahrungen austauschen können.

Die IT-Tools werden weiterentwickelt, um den Mitgliedern des Europäischen Solidaritätskorps dabei zu helfen, miteinander in Kontakt zu bleiben und Projekte zu finden, und Organisationen und zwischengeschalteten Organisationen 8 die Möglichkeit zu geben, Teilnehmer und Teilnehmerinnen für ihre Projekte auszuwählen.

In Kombination mit einer starken visuellen Identität wird in allen Mitgliedstaaten eine Kommunikationskampagne durchgeführt, um das Europäische Solidaritätskorps bekannt zu machen und Interesse daran zu wecken. Die Kampagne wird das ganze Jahr 2017 laufen, und u. a. über die ersten Einsätze und Erfahrungen der jungen Mitglieder und Organisationen informieren.

V. Fazit: Vorbereitung des Europäischen Solidaritätskorps

Arbeiten mit allen Interessenvertretern

Der Aufbau des Europäischen Solidaritätskorps erfordert die Unterstützung von und die enge Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Interessenträgern, darunter öffentliche Stellen und Verbände auf internationaler, europäischer, regionaler und lokaler Ebene, Netze auf verschiedenen Ebenen (u. a. Unionsebene), nichtstaatliche Organisationen und Unternehmen. Diese Interessenvertreter sind an Aktivitäten beteiligt, die die Bereiche Solidarität und Freiwilligendienste betreffen oder eine Schlüsselrolle bei der Einbindung junger Menschen in einen Einsatz des Europäischen Solidaritätskorps übernehmen könnten. Viele Unionsmitgliedstaaten verfügen über eine lange Tradition und langjährige Erfahrungen mit freiwilligem Engagement, und die Europäische Union selbst kann auf 20 Jahre Erfahrung bei der Verwaltung des Europäischen Freiwilligendienstes als grenzübergreifende Maßnahme zurückblicken. Dem Europäischen Solidaritätskorps wird all dies zugutekommen; allerdings ersetzt es keine bestehenden Freiwilligenprogramme der Mitgliedstaaten. Ziel ist es, ungedeckten Bedarf zu ermitteln, erfolgreiche Projekte zu wiederholen und noch mehr Organisationen einzubinden.

Zur Vorbereitung der ersten Phase des Europäischen Solidaritätskorps hat die Kommission bereits mit der Kontaktarbeit begonnen und gezielte Konsultationen durchgeführt. Die vorliegende Mitteilung basiert auf der wertvollen Rückmeldung im Rahmen dieser Konsultationen.

Die meisten Antworten sprachen sich für ein Europäisches Solidaritätskorps aus und betonten dessen Potenzial bei der Unterstützung der Integration, der Förderung der Solidarität innerhalb Europas und der generationenübergreifenden Solidarität, der Förderung gemeinsamer Werte, der Minderung vom Nationalismus und allgemein der Verbesserung des Bürgerschaftskonzepts. Folgende wichtige Punkte wurden angesprochen: i) es bedarf eines Ansatzes für eine schrittweise Umsetzung, ii) bestehende Programme müssen – durch Thematisierung des ungedeckten Bedarfs – ergänzt und nicht kopiert werden, iii) es müssen durch Hochskalierung, Erweiterung und Gewährleistung geeigneter Finanzierung mehr Gelegenheiten für junge Menschen geschaffen werden, iv) das Europäische Solidaritätskorps soll inklusiv und nicht elitär sein, die Teilnahme von Minderheiten und schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen wird unterstützt, v) es braucht maßgeschneiderte Schulungen und eine klar definierte Bescheinigung der erworbenen Kompetenzen, vi) das Akkreditierungsverfahren soll gründlich, aber unbürokratisch ablaufen und vii) es muss gewährleistet sein, dass die Freiwilligentätigkeit bezahlte Arbeitsplätze nicht ersetzt, sondern ergänzt.

Vertreter der konsultierten nationalen Behörden hoben hervor, wie wichtig eine klare strategische Vision für das Europäische Solidaritätskorps ist, die sich auf Hilfe für die Bedürftigen konzentrieren könnte. Deshalb könnten Bedarf und Nachfrage der lokalen Gemeinschaften ein wichtiges Qualitätskriterium für förderfähige Projekte sein. Die konsultierten Verbände, zumeist auf europäischer Ebene angesiedelt, schlugen ebenfalls ein virtuelles Netz für die teilnehmenden Organisationen vor, über das Erfahrungen und bewährte Verfahren geteilt werden können. Einzelne nichtstaatliche Organisationen sahen das Europäische Solidaritätskorps als große Chance für Europa, junge Leute wieder vermehrt zur Freiwilligentätigkeit zu bewegen. Darüber hinaus betonten die nichtstaatlichen Organisationen den Bedarf an finanzieller Unterstützung, wenn das Europäische Solidaritätskorps sowohl lokalen als auch nationalen nichtstaatlichen Organisationen offen stehen soll, und an einem extra Internetportal für das Programm. Sie schlugen außerdem vor, die teilnehmenden Organisationen zu ihrem genauen Bedarf zu befragen.

Der Dialog mit den Interessenvertretern wird in allen Phasen des Aufbaus und des Einsatzes des Europäischen Solidaritätskorps intensiviert. Eine entsprechende Medienkampagne wird diesen Dialog bewerben, insbesondere bei jungen Menschen. Darüber hinaus wird die Kommission die Unionsmitgliedstaaten und zusätzliche Solidaritätsorganisationen kontaktieren, um zu gewährleisten, dass das Europäische Solidaritätskorps bestehende Solidaritätsprogramme ergänzt.

Monitoring der Fortschritte und Zusammenarbeit mit den Unionsorganen

Die Europäische Kommission wird das Interesse an einem Engagement im Europäischen Solidaritätskorps, die tatsächliche Zahl der Plätze und die von den Solidaritätsaktivitäten abgedeckten Bereiche im Auge behalten; dabei wird sie das Gesamtziel berücksichtigen, dass interessierte junge Menschen in ganz Europa die gleichen Möglichkeiten haben sollen, sich an den Aktivitäten des Europäischen Solidaritätskorps zu beteiligen, und dort eingesetzt werden sollen, wo Bedarf besteht.

Die Europäische Kommission wird sich nachhaltig darum bemühen, das Projekt des Europäischen Solidaritätskorps voranzubringen, und stützt sich dabei auf aktives Engagement und enge Zusammenarbeit mit Interessenvertretern, Mitgliedstaaten und den europäischen Organen.

Schlüsselrolle des Europäischen Parlaments, des Rates und der Mitgliedstaaten:

– Billigung des Europäischen Solidaritätskorps auf höchster Ebene;

– Aufforderung nationaler Organisationen und Stellen, sich voll und ganz bei der Ermittlung von Möglichkeiten für Mitglieder des Europäischen Solidaritätskorps und in Projekten zu dessen Unterstützung zu engagieren;

– Eruierung von Finanzierungsmöglichkeiten für das Europäische Solidaritätskorps, auch durch Programme mit geteilter Mittelverwaltung;

– Förderung der gemeinsamen Werte, die dem Europäischen Solidaritätskorps zugrunde liegen, zusammen mit der Europäischen Kommission;

– Unterstützung der Weiterentwicklung des Europäischen Solidaritätskorps.

(1) Eurobarometer der Kommission zum Thema europäische Jugend 2015 (Nr. 408).
(2) Eurobarometer des Europäischen Parlaments zum Thema Jugend in Europa 2014 (EP EB395).
(3) In Kürze erscheinender Bericht zum Thema Arbeitskräftenachfrage in Branchen mit Solidaritätsbezug in der EU.
(4) Bewertung basierend auf dem Stand im November dieses Jahres. Das Portal sammelt Stellenanzeigen und ermöglicht es Bewerberinnen und Bewerbern, nach einer Stelle zu suchen und ihren Lebenslauf online einzustellen, damit im Portal registrierte Arbeitgeber darauf zugreifen können. Bildung, Arbeitserfahrung und gewünschte Beschäftigung können im Lebenslaufformular eingegeben werden.
(5) Im Zusammenhang mit der Initiative des Europäischen Solidaritätskorps bezeichnet der Begriff „teilnehmende Organisation“ jedwede öffentliche oder private Stelle, die sich am Europäischen Solidaritätskorps beteiligt und dabei Korpsmitgliedern in beiden Projektarten der Initiative einsetzt. Das Europäische Solidaritätskorps steht jeder Art Einrichtung offen, die Freiwilligen- oder Berufserfahrungen anbietet, welche unter das Europäische Solidaritätskorps und seine Betätigungsfelder fallen (z. B. nichtstaatliche Organisationen, Behörden, öffentliche Stellen, Institutionen, Unternehmen).
(6)  Die für jedes Programm angegebenen Beträge decken auch die Teilnahmekosten und damit zusammenhängende Dienstleistungen ab. Außerdem werden Programme wie der AMIF oder „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ die Initiative des Europäischen Solidaritätskorps zunächst im Rahmen von breiter angelegten Maßnahmen unterstützen. Daher gelten die oben angeführten Beträge als Höchstbeitrag für die Initiative.
(7) Nur für Freiwilligenprojekte.
(8) Für die Beschäftigungsprojekte werden alle Vermittlungsaktivitäten über die ausgewählten Partnerschaften stattfinden, die auch die entsprechenden öffentlichen Arbeitsverwaltungen mit einschließen.
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