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Mitteilung der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament - Umsetzung des Risikokapital-Aktionsplans (RCAP)

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52003DC0654

Mitteilung der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament - Umsetzung des Risikokapital-Aktionsplans (RCAP) /* KOM/2003/0654 endg. */


MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DEN RAT UND DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UMSETZUNG DES RISIKOKAPITAL-AKTIONSPLANS (RCAP)

1. ZUSAMMENFASSUNG

Diese Mitteilung gibt einen Überblick über die Fortschritte, die im Jahr 2002 bei der Umsetzung des RCAP erzielt wurden, und geht dabei, soweit möglich, auch auf die ersten drei Quartale 2003 ein. Es ist der fünfte Bericht seit der Verabschiedung des RCAP im Jahr 1998 und gleichzeitig auch der letzte, da verschiedene Europäische Räte festgelegt bzw. bestätigt haben, dass der RCAP im Jahr 2003 abgeschlossen sein soll. //

Dies ist der fünfte Jahresbericht

Im Jahr 2002 hat die Private Equity-Branche eine Phase der Anpassung an den anhaltenden Abschwung durchlaufen. Während die Private Equity-Investitionen gegenüber 2001 leicht gestiegen sind und damit den zweitgrößten Umfang ihrer Geschichte erreichten, hat sich der Schwerpunkt in starkem Maße auf weniger risikoreiche Buy-outs und Folgeinvestitionen verlagert, so dass die Early Stage-Finanzierung (Frühphasenfinanzierung), und hier speziell die Seed-Finanzierung (Finanzierung im Vorfeld der Unternehmensgründung), in einer schwierigen Lage ist.

Zwischen den Mitgliedstaaten bestehen nach wie vor erhebliche Unterschiede - Ausdruck eines stark fragmentierten Marktes in Europa. Das gleiche gilt für die Beitrittsländer, in denen das Risikokapital nur schwach entwickelt ist. // Erhebliche Verlagerung auf Buy-outs Stark fragmentierter Markt

Der Abstand zu den USA bleibt. In den USA ist die Investitionstätigkeit noch immer doppelt so stark ausgeprägt wie in Europa. Zwar hat sich die Lage damit gegenüber den Jahren 2001 und 2000, als in den USA dreimal bzw. viermal soviel investiert wurde, verbessert, doch haben die USA in diesem Bereich noch immer einen immensen Vorsprung. Auch fließt in den USA nach wie vor mehr Geld in die (politisch sensiblen) Early Stage-Unternehmen. // Der Investitionsabstand zu den USA bleibt

Der EU-Regulierungsrahmen hat sich erheblich verbessert. Seine Schwachstelle ist der Steuerbereich. Der unternehmerischen Initiative wird ein immer größerer Stellenwert beigemessen, was das Gemeinschaftsprogramm in den kommenden Jahren aufblähen wird. Das gleiche gilt für den Bereich F&E, in dem wichtige Maßnahmen vorbereitet werden, die 2010 abgeschlossen sein sollen. Außerdem werden, da sich die staatliche Beihilfepolitik für den Risikokapitalsektor als effizient erwiesen hat, öffentliche Finanzierungen konsequent genehmigt. // Beträchtliche Forschritte in den meisten Bereichen

Insgesamt sind über die Laufzeit des RCAP erhebliche Fortschritte zu vermelden; sämtliche politische sowie viele technische Ziele wurden erreicht. Die europäische Risikokapitalindustrie ist nun wesentlich größer, reifer und professioneller als 1998. In Europa wissen die Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen inzwischen um die strategische Bedeutung dieses Sektors und die Möglichkeiten, die diese Art der Finanzierung bietet. Durch die Unterstützung derjenigen, die direkt oder indirekt mit Risikokapitalaktivitäten zu tun haben, hat der RCAP eine politische Rolle gespielt. Die dem RCAP zugrunde liegende Philosophie hat bereits Eingang in andere regionale, einzelstaatliche und gemeinschaftliche Politiken und Programme gefunden. Auch vom Europäischen Parlament wird der RCAP nachdrücklich unterstützt, was in sich als bedeutender Erfolg zu sehen ist.

Um die Dynamik zu erhalten, wird die Kommission den europäischen Risikokapitalmarkt auch weiterhin aufmerksam verfolgen. Sie wird mit der Analyse der Bereiche fortfahren, in denen Ineffizienzen fortbestehen, mit dem Ziel, innerhalb der in Lissabon festgelegten Frist (bis 2010) angemessene Empfehlungen und Vorschläge vorzulegen. // Die meisten Ziele des RCAP wurden erreicht Mögliche Folgemaßnahmen werden analysiert

Besonderen Anlass zur Besorgnis geben die auf Wachstumsunternehmen spezialisierten Börsen. Nach dem EU-Beitritt der Kandidatenländer im Mai 2004 wird es in der EU so viele Börsen geben, dass ihr aller Überleben langfristig nicht gewährleistet ist. In den USA beispielsweise gibt es im Wesentlichen zwei große Börsen (NYSE + NASDAQ), plus einige erfolgreiche alternative Handelssysteme (ATS). // Zu viele Börsen in der EU

Das Nebeneinander so vieler - meist kleiner - Börsen hat zur Folge, dass die für in der Wachstumsphase befindliche kleine Unternehmen in der EU zur Verfügung stehende Liquidität zersplittert wird, was einen Anstieg der Kapitalkosten nach sich zieht und die Ausstiegsmöglichkeiten für Wagniskapitalanleger verringert. Für die kleineren Börsen ist es zweifellos an der Zeit, sich offiziell zu vernetzen, so dass für die europäischen Wachstumsunternehmen - auf der Grundlage gemeinsamer, rigoroser europaweiter Handels- und Corporate-Governance-Vorschriften, welche in dem Aktionsplan für Finanzdienstleistungen (FSAP) entwickelt werden - ein gemeinsamer Pool europäischer Liquidität geschaffen wird. Die Regionalbörsen könnten sich ebenfalls diesem europaweiten spezialisierten Netzwerk- und somit den größeren Börsen - anschließen. Die Kommission würde eine entsprechende strategische Initiative der Branche begrüßen. // Die Infrastruktur für Wachstums-unternehmen muss verbessert werden

2. EINLEITUNG //

Seit der Annahme des Risikokapital-Aktionsplans (RCAP) [1] im Jahr 1998 hat die Kommission dem Rat und dem Europäischen Parlament jährlich einen Bericht über die Fortschritte bei der Umsetzung des Plans vorgelegt. Dieser fünfte Fortschrittsbericht [2] bezieht sich auf das Jahr 2002 und, soweit möglich, auf die drei ersten Quartale 2003. Außerdem enthält er eine Bewertung der gesamten Laufzeit des RCAP (1998-2003 [3]) sowie einen Rahmen für mögliche künftige Maßnahmen. // Dies ist der fünfte und letzte RCAP-Fortschrittsbericht

[1] Auf der Grundlage der Kommissionsmitteilung ,Risikokapital: Schlüssel zur Schaffung von Arbeitsplätzen in der Europäischen Union", SEK(1998) 522, April 1998.

[2] Die früheren Berichte sind KOM(1999)493 vom 20. Oktober 1999, KOM(2000)658 vom 18. Oktober 2000, KOM(2001)605 vom 25. Oktober 2001 und KOM(2002)563 vom 16. Oktober 2002.

[3] Dieser Termin für den Abschluss des RCAP wurde auf dem Gipfel von Lissabon (März 2000) vorgeschlagen und auf den nachfolgenden Frühjahrsgipfeln (Stockholm und Barcelona) bestätigt.

Der RCAP wurde mit dem Ziel lanciert, in der Gemeinschaft und auf einzelstaatlicher Ebene noch vorhandene ordnungspolitische und administrative Hemmnisse zu beseitigen, die die Errichtung eines wirklich einheitlichen Marktes im Risikokapitalbereich behindern könnten. Deshalb ist der RCAP, wie auf dem Gipfel von Lissabon bestätigt, eine wichtige Komponente der Strukturreform. // Ziel ist ein einheitlicher Markt im Risikokapitalbereich

Diese Mitteilung wurde von der Arbeitsgruppe Risikokapital der Kommission erarbeitet, der auch Vertreter des EIF angehören. Nach wie vor findet eine enge Abstimmung mit der Branche (EVCA und anderen) statt, deren Ansichten die Diskussionen bereichert haben. // Laufende Kontakte mit der Branche

Kapitel 3 enthält relevante Marktanalysen und die mittelfristigen Aussichten. Kapitel 4 gibt einen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen. In Kapitel 5 geht es um Steuerangelegenheiten. Kapitel 6 legt den Schwerpunkt auf die Entwicklung der unternehmerischen Initiative. Kapitel 7 behandelt F&E-Aspekte. Kapitel 8 beschreibt verschiedene Aspekte der öffentlichen Finanzierung. Kapitel 9 enthält Schlussfolgerungen für die gesamte Laufzeit des RCAP. Kapitel 10 schlägt einen Rahmen für mögliche künftige Maßnahmen vor. Schließlich wird das Dokument durch verschiedene einschlägige Anhänge ergänzt. // Das Dokument besteht aus neun Kapiteln und den Anhängen

3. MARKTENTWICKLUNGEN [4] //

[4] Die Zahlen für die EU sind der von PwC für die EVCA durchgeführten und im EVCA-Jahrbuch 2003 veröffentlichten Studie entnommen. Die Zahlen für die USA stammen aus der von PwC und Venture Economics für die NVCA durchgeführten Studie (Money Tree Survey). Diese Quellen wurden anderen vorgezogen, da sie für verschiedene Länder und mehrere Jahre kohärente Daten liefern (selbst wenn man EU- und US-Zahlen nur bedingt miteinander vergleichen kann).

3.1. Die europäische Private Equity-Branche im Jahr 2002 //

Im Jahr 2002 beliefen sich die Private Equity-Investitionen - Wagniskapital- und Buy-out-Investitionen eingeschlossen - auf 27 Mrd. EUR bzw. 0,29 % des BIP, womit sie gegenüber 2001 geringfügig zunahmen. Die Private Equity-Investitionen waren auf rund 7.800 Unternehmen - ein Drittel davon Hightech-Unternehmen - konzentriert. // Geringfügige Zunahme der Kapitalbeteiligungen gegenüber 2001

>VERWEIS AUF EIN SCHAUBILD>

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Das Investitionsvolumen blieb hoch, verlagerte sich jedoch vom Wagniskapital auf Buy-out-Investitionen. Genauer gesagt, war das im Jahr 2002 insgesamt positive Wachstum der Private Equity-Investitionen in der EU den Buy-out-Investitionen zuzuschreiben, die im vergangenen Jahr um 57% von 10,7 Mrd. EUR auf 16,8 Mrd. EUR bzw. 0,18% des BIP zunahmen. Die Wagniskapitalinvestitionen verringerten sich von 12,7 Mrd. EUR auf 10,1 Mrd. EUR bzw. 0,11% des BIP. Mit Wagniskapital finanzierte Hightech-Investitionen (Anhang 4) waren besonders schwer getroffen; sie verringerten sich 41% - von 5,7 Mrd. EUR auf 3,3 Mrd. EUR. // Wagniskapital-investitionen gesunken, Buy-outs gestiegen

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Wie in den vergangenen Jahren fiel die Zunahme der Private Equity-Investitionen auch im Jahr 2002 in den einzelnen Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich aus. Eine starke Zunahme war in Frankreich (78%), Finnland (78%) und im Vereinigten Königreich (52%) zu verzeichnen. In Griechenland (-56%), Deutschland (-43%) und Portugal (-37%) entwickelten sich die Investitionen hingegen stark rückläufig. In absoluten Zahlen verfügte das Vereinigte Königreich mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 10,4 Mrd. EUR über die am stärksten entwickelte Private Equity-Branche [5] Auch bezogen auf das BIP wies das Vereinigte Königreich mit 0,63% das höchste Investitionsvolumen auf, allerdings ist ihm Schweden mit 0,58% eng auf den Fersen. Auch Frankreich (0,39 %), die Niederlande (0,39 %) und Finnland (0.33 %) verzeichneten ein hohes Investitionsvolumen. // Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten bleiben bestehen

[5] Die Zahlen der EVCA rechnen einem Land Investitionen von Private Equity-Häusern vor Ort zu, unabhängig vom Investitionsstandort. Daher sind in den Zahlen für einige Länder auch Auslandsinvestitionen enthalten. Im Falle der Beitrittsländer wurden umfangreiche Inlandsinvestitionen dem Herkunftsland des entsprechenden Private Equity-Fonds zugeschrieben.

>VERWEIS AUF EIN SCHAUBILD>

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Betrachtet man die Private Equity-Investitionen unter dem Aspekt der Anzahl der Beteiligungsnehmer (Anhang 5), so ergibt sich ein komplexeres Muster. Die von Private Equity-Häusern aus der EU unterstützten Buy-outs stiegen um 13%, was darauf hindeutet, dass die 59%ige Zunahme des Investitionsvolumens möglicherweise auf eine Reihe von Transaktionen im Umfang von mehreren Milliarden Euro zurückzuführen ist. Auch die Anzahl der Wagniskapitalnehmer erhöhte sich - wenn auch nur geringfügig, obwohl sich das Investitionsvolumen im Jahr 2002 um 26% verringerte. //

Im Jahr 2002 beliefen sich die von den europäischen Private Equity-Häusern aufgenommenen Mittel auf 27,5 Mrd. EUR, und somit auf knapp zwei Drittel des Vorjahresniveaus, womit sich die seit dem Rekordjahr 2000 zu beobachtende rückläufige Entwicklung fortsetzte. Dennoch wurden 2002 immer noch erheblich mehr Mittel aufgenommen als in den Jahren 1997-1998, in denen der europäische Private Equity-Markt ein erhebliches Wachstum verbuchte. Dies scheint darauf hinzudeuten, dass die europäische Private Equity-Branche eine gewisse Reife erlangt hat. // Aufgenommene Mittel rückläufig

Im vergangenen Jahrzehnt haben Banken, Pensionsfonds und Versicherungsgesellschaften - mit 50 Mrd. EUR, 40 Mrd. EUR bzw. 25 Mrd. EUR in den Jahren 1993-2002 - den Großteil der für Private Equity-Investitionen aufgenommen Mittel bereitgestellt. Auf sie entfielen zwischen 67% (1997) und 56% (2002) der insgesamt aufgenommenen Mittel. Mit Ausnahme der staatlichen Stellen haben alle Investoren 2001 und 2002 ihr Engagement im Bereich Private Equity eingeschränkt, wobei die Pensionsfonds ihre Investitionen am stärksten zurückführten. Im Jahr 2002 stellten Pensionsfonds nur noch 4,3 Mrd. EUR für Private Equity-Finanzierungen bereit, nach 10,2 Mrd. im Jahr 2001, während Versicherungsgesellschaften 3,6 Mrd. EUR investierten, nach 4,7 Mrd. EUR im Jahr zuvor. Die Banken stellten 2002 noch 6,8 Mrd. EUR für Private Equity-Beteiligungen bereit, nach 9,2 Mrd. EUR im Jahr 2001. Es kann jedoch angenommen werden, dass der größte Teil der von den Banken bereitgestellten Mittel für ihre Captives bestimmt war. // Starker Rückgang der Private Equity-Investitionen der Pensionsfonds

Im Jahr 2002 wurden 8,5 Mrd. EUR für Wagniskapitalinvestitionen aufgenommen, erheblich weniger als 2001 (15,0 Mrd. EUR). Die Mittelaufnahme für Buy-out-Aktivitäten schnitt besser ab: im vergangenen Jahr wurden 18,3 Mrd. EUR für diese Zwecke bereitgestellt, gegenüber 23,3 Mrd. EUR im Jahr 2001. //

Von den in Europa im Jahr 2002 getätigten Wagniskapitalinvestitionen im Umfang von 10,7 Mrd. EUR entfielen rund 3 Mrd. auf Frühphasen- und 8 Mrd. EUR auf Expansionsfinanzierungen (Anhang 6). Von den Frühphaseninvestitionen gingen 305 Mio. EUR in die Vorbereitungsphase (seed investment) und 2,6 Mrd. in die Gründungsphase (start-up investment), 43 % bzw. 28 % weniger als im Jahr zuvor. Über 500 in der Vorgründungsphase befindliche Unternehmen wurden mit Beteiligungskapital in Höhe von durchschnittlich 570.000 EUR ausgestattet. Über 2.700 in der Gründungsphase befindliche Unternehmen erhielten Finanzmittel im Umfang von durchschnittlich knapp 1 Mio. EUR. Fast 3.900 in der Expansionsphase befindliche Unternehmen wurden mit Wagniskapitalinvestitionen im Volumen von durchschnittlich 1,8 Mio. EUR gefördert. // Seed-Finanzierung durch Abschwung stärker in Mitleidenschaft gezogen

Als Indikator für das Wachstum und die Reife der europäischen Private Equity-Branche mag dienen, dass es zu Ende 2002 in der EU nur etwas mehr als 5.500 Beteiligungsmanager gab (Anhang 7), 6,6 % weniger als im Jahr zuvor, jedoch 68 % mehr als 1998 (3.275). // Anzahl der Beteiligungs-manager konsolidiert

Seit 2001 hat das Abschreibungsvolumen (Anhang 8), berechnet auf der Grundlage der Investitionskosten, eine völlig andere Größenordnung als im Zeitraum 1993-2000. 2002 erfolgten 31% der Unternehmensausstiege, berechnet zu den Kosten der ursprünglichen Investition, durch Abschreibung. // Abschreibungen haben zugenommen

3.2. Die Private Equity-Branche in den Beitrittsländern //

In den Beitrittsländern befinden sich die Private Equity-Branchen auf einem völlig anderen Entwicklungsstand. Unter dem Aspekt der Investitionen im Verhältnis zum BIP ist die ungarische Branche die größte. 2001 beliefen sich die ungarischen Private Equity-Investitionen lokaler Private Equity-Häuser auf 0,23% des BIP, und entsprachen damit in etwa dem damaligen EU-Durchschnitt von 0,27 % des BIP. Entsprechend den Marktentwicklungen in Europa gingen sie jedoch im Jahr 2002 sehr stark zurück (auf 0,03% des BIP). In absoluten Zahlen verringerten sich die Investitionen, die im Vorjahr bei 143 Mio. EUR gelegen hatten, um 88% auf 17 Mio. EUR. // Unterschiedlicher Entwicklungsstand in den Beitrittsländern

Der polnische Markt ist, was das Verhältnis der Investitionen zum BIP anbelangt, mit 0,06 % im Jahr 2002 und 0,08 im Jahr 2001 nach wie vor sehr klein. In absoluten Zahlen entsprach das Investitionsvolumen des Jahres 2002 mit 137 Mio. EUR in etwa demjenigen der kleinen Mitgliedstaaten. Der tschechische und der slowakische Private Equity-Markt dürften eine kritische Masse erreicht haben. Dort beliefen sich die Investitionen auf 27 Mio. EUR bzw. 5 Mio. EUR. //

Ähnlich wie bei den kleineren Märkten der Mitgliedstaaten erfolgten die Private Equity-Investitionen in der Tschechoslowakei, in Ungarn, Polen sowie der Slowakei in Form von Wagniskapitalbeteiligungen; hier spielten Buy-out-Investitionen nur eine untergeordnete oder überhaupt keine Rolle. Insgesamt gesehen stellten die Banken im Jahr 2002 die wichtigste Finanzierungsquelle dar, auch wenn in der Slowakei die staatlichen Stellen eine wichtige Rolle spielten. Im Jahr 2002 beliefen sich die Private Equity-Investitionen in Estland, Lettland, Litauen und Slowenien zusammengenommen auf weniger als 5 Mio. EUR. Für Zypern und Malta waren keine Informationen verfügbar. // Keinerlei Buy-outs

3.3. Vergleich des Private Equity-Marktes der EU und der USA //

Die europäischen Wagniskapitalinvestitionen sind nicht so stark geschrumpft wie die amerikanischen, so dass sich die Differenz verringert und eine ausgewogenere Situation entstanden ist. Jedoch ist der Rückstand zu den USA im Bereich der Wagniskapitalinvestitionen noch nicht aufgeholt. Trotz des Rückgangs um fast 50% haben die Wagniskapitalinvestitionen in den USA (Anhang 2) noch immer einen Anteil von 0,2% am BIP, verglichen mit einem Anteil von nur 0,1% des BIP in der EU. In absoluten Zahlen war das Volumen der Wagniskapitalinvestitionen in den USA (20 Mrd. EUR) im Jahr 2002 doppelt so hoch wie in der EU (10 Mrd. EUR). // Stärkere Schrumpfung in den USA

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In Europa entfällt ein etwas größerer Anteil der Wagniskapitalinvestitionen auf Early Stage-Finanzierungen als in den USA. Dies widerspricht offensichtlich der generell vertretenen Ansicht, dass Unternehmen in der Frühphase in Europa leichter Kapital aufnehmen können als in den USA. Da jedoch der relative Umfang der Wagniskapitalinvestitionen in den USA in der Vergangenheit häufig größer war als in Europa, ist die Wagniskapital gestützte Frühphasenfinanzierung in den USA stärker ausgeprägt. // Frühphasen-finanzierung in den USA stärker ausgeprägt

Zudem befinden sich in den USA rund 60% der Unternehmen, in die Wagniskapital investiert wird, in der Frühphase, während die entsprechende Zahl in Europa bei rund 40% liegt. In den USA werden rund 20% des Wagniskapitalaufkommens in Unternehmen investiert, die erstmals dergestalt finanziert werden, während 80% an Unternehmen gehen, die bereits Beteiligungskapital erhalten haben. Die entsprechenden Zahlen für Europa sind 75% bzw. 25%. Dies könnte darauf hindeuten, dass der US-amerikanische Wagniskapitalgeber generell erfahrener und eher bereit ist, eine langfristige Strategie zu verfolgen, d.h. in mehreren aufeinanderfolgenden Tranchen zu investieren, anstatt eine einzige große Kapitalspritze zu verabreichen, wie es bei dem offensichtlich weniger erfahrenen Einmalanleger in Europa eher üblich zu sein scheint. Da jede Auszahlung an die Überprüfung des Beteiligungsnehmers geknüpft werden kann, wird der US-amerikanische Wagniskapitalgeber seine Investition vielleicht eher mit einer Verpflichtung bezüglich Überwachung und Verwaltungsunterstützung verknüpfen. // USA fokussieren stärker af Folgeinvestitionen

Schließlich hat sich auch am US-Markt die Beschaffung von privatem Beteiligungskapital stark rückläufig entwickelt. 2002 wurden 30,9 Mrd. USD aufgenommen, nach 82,6 Mrd. USD im Jahr 2001 und 180,2 Mrd. USD im Rekordjahr 2000. Der Überhang aufgenommener, jedoch nicht investierter Mittel, ist besonders offenkundig. 2002 wurden Wagniskapitalmittel im Umfang von gerade einmal 6,9 Mrd. USD aufgenommen, nach 40,7 Mrd. USD im Jahr 2001 und 106,9 Mrd. USD im Jahr 2000. Parallel zu der geringen Aufnahme neuen Kapitals für Wagniskapitalinvestitionen im Jahr 2002 strichen 26 Wagniskapitalfonds Zusagen im Umfang von rund 5 Mrd. USD, weil es an attraktiven Anlagemöglichkeiten fehlte. Die im Jahr 2002 für Wagniskapitalinvestitionen eingesetzten Nettomittel beliefen sich somit auf nur 1,9 Mrd. USD, ein Niveau, das dem Wagniskapitalaufkommen von 1991 entspricht. // Gewaltiger Überhang zu investierender Mittel

3.4. Ausstiege und Aktienmärkte für Wachstumsunternehmen //

In Europa stiegen im Jahr 2002 Beteiligungskapitalgeber aus 4.911 Unternehmen aus, nach 6.293 im Jahr 2001. Es wurden 821 Unternehmen veräußert, gegenüber 1.233 im Vorjahr. Bezogen auf die Investitionskosten, machten die Trade Sales (Verkäufe an strategische Investoren) 17% aller im Jahr 2002 erfolgten Veräußerungen aus, nach 34% im Jahr zuvor. Mit privatem Beteiligungskapital unterstützte Erstemissionen (IPO) (einschließlich Buy-out-Gründungen) machten im Jahr 2002 - bezogen auf die Investitionskosten - 703 Mio. EUR aus, nach 250 Mio.EUR im Jahr 2001. Im Jahr 2002 wurden 41 mit Beteiligungskapital finanzierte Unternehmen an europäische Börsen gebracht, nach 47 im Jahr zuvor. 2003 entwickelten sich diese Börsengänge weiter rückläufig. // Weniger Ausstiege

Wie in Anhang 9 verdeutlicht wird, haben der Frankfurter Neue Markt, der Nouveau Marché der Euronext, der Londoner AIM und Nasdaq Europe in den letzten drei Jahren den größten Teil ihres Wertes verloren, womit ihre Verluste diejenigen der größten europäischen Börsen noch übertrafen. Zudem hat bis dato (Mitte 2003) keiner der Wachstumsmärkte sein Ausgangsniveau von Anfang 1998 wieder erreicht. Ein durch mangelndes Investoreninteresse an kleinen Wachstumsunternehmen bedingtes geringes Handelsvolumen führte zu der Entscheidung, das Marktsegment Neuer Markt und die Nasdaq Europe zu schließen. Die europäischen Wachstumsbörsen werden häufig mit der Nasdaq verglichen, welche allerdings schon 1971 gegründet wurde und an der mehr als 4000 Unternehmen gelistet sind, einschließlich einiger der größten globalen Unternehmen, die immer einen wichtigen Platz in den Portfolios der Anleger einnehmen werden. Dies mag erklären, warum die Nasdaq nach dem Börsenkrach zu Beginn des Jahres 2000 einen vergleichsweise geringeren Anteil der Börsenkapitalisierung einbüßte und warum sie sich kräftiger erholte. // NASDAQ schneidet besser ab als Wachstumsbörsen der EU

2002 hat sich die Anzahl der IPO (Börseneinführungen) erneut rückläufig entwickelt. Am Nouveau Marché wurden 2002 nur zwei neue Unternehmen gelistet, nach 10 im Jahr 2001 und 52 im Jahr 2000. Im Marktsegment Neuer Markt wurde 2002 ein neues Unternehmen gelistet, nach 11 im Jahr zuvor und 133 in 2000. Am Nuovo Mercato gab es 2002 keinen Börsengang, gegenüber 5 in 2001 und 30 in 2000. Am Nuevo Mercado wurden 2002 keine neuen Unternehmen gelistet, während 2001 noch 6 Börsengänge zu verzeichnen gewesen waren. Am AIM gab es 2002 60 neue Börsengänge, nach 94 bzw. 179 in den beiden Vorjahren. Ende 2002 waren am AIM 704 (Ende 2001: 629), am Nouveau Marché 135 (164), am Nuovo Mercato 45 (45), am Nuevo Mercado 13 (13) und im Marktsegment Neuer Markt 240 (Ende 2001: 326) Unternehmen gelistet. Die Handelsvolumina sind Anhang 10 zu entnehmen. Die für 2003 verfügbaren Daten sind nicht ermutigend. Bis zur Mitte des Jahres waren nur ein IPO am Nuevo Mercado und 12 Börsengänge am AIM zu verzeichnen. // IPO noch weiter zurückgegangen

Durch die fortschreitenden Integration zwischen den - sowohl nationalen als auch regionalen - europäischen Börsen wird sich der grenzüberschreitende Aktienhandel für die Anleger immer effizienter gestalten. Die Liquidität des europäischen Marktes wird zunehmen. Dies wird die Bedingungen für die Börsennotierung von Wachstumsunternehmen verbessern, kann jedoch das Vertrauen der Anleger in die Zukunftsaussichten der neu gelisteten Wachstumsunternehmen als treibende Kraft der Investitionsentscheidungen nicht ersetzen. // Erholung durch gestiegenes Anlegervertrauen

3.5. Ausblick für die Private Equity-Branche der EU //

Im Jahr 2002 erreichten die Private Equity-Investitionen ihren zweithöchsten jemals verzeichneten Stand (Anhang 1) und nahezu dreimal das Volumen von 1997, dem ersten Jahr sehr starken Wachstums auf dem europäischen Markt. Dies deutet darauf hin, dass der europäische Private Equity-Markt ein Volumen und eine Reife erlangt hat, die es ihm ermöglicht haben, die jüngsten Rückschläge relativ gut wegzustecken. // 2002 wurde der zweithöchste jemals verzeichnete Stand erreicht

1997 beliefen sich sowohl die Wagniskapital- als auch die Buy-out-Investitionen auf 4,8 Mrd. EUR. 2002 beliefen sich die Wagniskapitalinvestitionen in der EU auf 10,1 Mrd. EUR, nach 12,7 Mrd. EUR im Jahr zuvor, während die Buy-out-Investitionen mit 16,8 Mrd. EUR den höchsten jemals verzeichneten Stand erreichten. Offenbar entwickeln sich die Wagniskapitalinvestitionen noch immer rückläufig, wenn auch nicht mehr so stark, während die Buy-out-Investitionen wieder an Boden gewinnen. // Verlagerung auf Buy-outs

Während im Zeitraum 1997-2001 der Umfang der für neue Investitionen aufgenommenen Mittel denjenigen der Investitionen erheblich überschritt, entsprachen die aufgenommenen Mittel im Jahr 2002 dem Investitionsvolumen, wie dies in der Zeit vor 1997 der Fall war. Im Jahr 2003 wurde die Mittelaufnahme auch für gut eingeführte Private Equity-Fonds mit einer überzeugenden Erfolgsbilanz allmählich schwieriger. // Mittelaufnahme schwieriger

Im Jahr 2002 bildete sich bei den Banken der Trend heraus, sich aus ihren Captiven im Bereich Private Equity zurückzuziehen. In den vergangenen fünf Jahre wurden durchschnittlich 26% aller in Europa aufgenommenen Mittel von Banken bereitgestellt. Nach dem Rückzug der Banken aus ihren Captiven ist damit zu rechnen, dass ihr Interesse an der zukünftigen Finanzierung dieser Unternehmen schwinden wird, und es ist nicht klar, ob das Buy-out- oder das Wagniskapital-Segment hierunter stärker zu leiden hätte. // Banken stoßen Teil ihres Private Equity-Geschäfts ab

Der Anteil der von Pensionsfonds in den vergangenen fünf Jahren bereitgestellten Mittel blieb auch in dem wachsenden Markt mit durchschnittlich 23% unverändert. Die Diversifikation auf eine eigenkapitalähnliche Anlage mit einem anderen Lebenszyklus als dem notierter Aktien wird in der Regel positiv gesehen. Infolge des Zusammenbruchs der Kurse notierter Aktien übersteigt der Anteil privaten Beteiligungskapitals in den Portfolios der Pensionsfonds nun jedoch häufig die angestrebte Aufteilung, so dass sie möglicherweise kurzfristig nicht bereit sein werden, weitere Mittel für Private Equity-Investitionen bereitzustellen. Zwar könnten auf mittlere und lange Sicht die Finanzierung der steigenden europäischen Rentenverpflichtungen das Private Equity-Angebot beträchtlich erhöhen, doch könnte der in einigen Mitgliedstaaten zu beobachtende Trend zu beitragsorientierten Versorgungssystemen gegenteilige Auswirkungen haben. // Ausgewogenere Investitionen seitens Pensionsfonds erwartet

Es gibt Belege dafür, dass die private Kapitalbeteiligung als eine eigene Kategorie von Vermögenswerten an Akzeptanz gewinnt. Das erforderliche Benchmarking stellt jedoch eine große Herausforderung dar. Auf Branchenebene werden vielversprechende Anstrengungen unternommen, um allgemein anerkannte Vereinbarungen und Statistiken für die Messung der Rentabilität dieser Anlageform zu entwickeln. // Angemessene Benchmarks in der Entwicklung

Unzureichende Ausstiegsmöglichkeiten stellen nach allgemeiner Auffassung das einzige echte Hindernis für die Erholung der Private Equity-Märkte, und insbesondere die Wagniskapitalfinanzierung von Frühphasen- und Technologieunternehmen, dar. Das geringe Niveau der Unternehmensausstiege ist besonders beunruhigend, wenn man bedenkt, dass in den Jahren 1998-2000 umfangreiche Investitionen getätigt wurden, die unter normalen Umständen in Kürze veräußerungsreif sein dürften. Daher sind die Unternehmen zunehmend von wagniskapitalfinanzierten Folgeinvestitionen abhängig, was die Nachfrage nach dieser Finanzierungsform vorübergehend erhöht [6]. // Unzureichende Ausstiegs-möglichkeiten als wichtigstes Problem empfunden

[6] Dies gilt insbesondere für Life Science-Unternehmen mit langen Produktentwicklungszeiten und hohem Kapitalbedarf.

4. RECHTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN //

Seit Anlaufen des RCAP im Jahr 1998 hat die Erarbeitung eines angemessenen rechtlichen Rahmens auf gemeinschaftlicher und nationaler Ebene höchste politische Priorität. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass ohne einen modernes und flexibles Bündel von Rechts- und Verwaltungsvorschriften, das den Erfordernissen der Risikokapitalgeber (Angebotsseite) und Unternehmen (Nachfrageseite) Rechnung trägt, die Risikokapitalmärkte in Europa nicht florieren werden. Wie oben beschrieben (siehe auch Anhang 11), sind bei der Verwirklichung dieses Ziels seit 1998 bereits beträchtliche Fortschritte erzielt worden [7]. // Beträchtliche Fortschritte bei der Erarbeitung eines angemessenen rechtlichen Rahmens

[7] Siehe hierzu Ziffer 8 der Schlussfolgerungen des Vorsitzes der Frühjahrstagung des Europäischen Rates in Brüssel (20./21. März 2003).

4.1. Im Aktionsplan für Finanzdienstleistungen vorgesehene Maßnahmen [8] //

[8] Diese Maßnahmen betreffen vorwiegend die Angebotsseite des Risikokapitals.

Die Umsetzung des Aktionsplans für Finanzdienstleistungen schreitet stetig voran [9] und dürfte - wie anlässlich der Frühjahrstagung des Europäischen Rates in Brüssel verlangt - bis April 2004 abgeschlossen sein. Dies fällt mit der letzten Tagung des Europäischen Parlaments in seiner aktuellen Zusammensetzung zusammen und lässt genug Zeit (normalerweise 18 Monate), um die zuletzt verabschiedeten Maßnahmen bis Ende 2005 in nationales Recht umzusetzen. Nach Abschluss der Verhandlungen über die verbleibenden FSAP-Maßnahmen sollte der Schwerpunkt der Gemeinschaftsmaßnahmen folgerichtig darauf verlagert werden, die gemeinsame Umsetzung und Durchsetzung auf europäischer Ebene - einschließlich der neuen Mitgliedstaaten - zu gewährleisten. Insbesondere bei den auch in dem FSAP enthaltenden RCAP-Maßnahmen sind beträchtliche Fortschritte zu verzeichnen: // Die volle Umsetzung des RCAP erfolgt planmäßig

[9] Siehe "Achter Fortschrittsbericht - Finanzdienstleistungen/Noch neun Monate bis zur vollständigen Verabschiedung des Aktionsplans für Finanzdienstleistungen (FSAP)", 3. Juni 2003, www.europa.eu.int/comm (Binnenmarkt, Finanzdienstleistungen).

Maßnahme: Aktualisierung der Prospektrichtlinien mit dem Ziel, den Unternehmen die grenzübergreifende Aufnahme von Kapital zu erleichtern (z.B. IPO) //

Die neue Prospektrichtlinie wurde am 15. Juli 2003 verabschiedet. Ist diese Richtlinie erst einmal umgesetzt, so wird es leichter und preiswerter sein, überall in der EU Geld aufzunehmen, sofern die Regelungsbehörde eines Mitgliedstaats die entsprechende Genehmigung erteilt hat. Dadurch wird der Ausstieg aus einem Risikokapitalengagement (IPO) und den Unternehmen der Gang an die Wachstumsbörsen erleichtert. // Die Prospektlinie wurde im Sommer 2003 verabschiedet

Maßnahme: Verabschiedung von Aufsichtsvorschriften, die institutionellen Anlegern Risikokapitalbeteiligungen ermöglichen //

Die Richtlinie über Einrichtungen zur betrieblichen Altersversorgung wurde am 13.05.03 verabschiedet. Nach ihrer Umsetzung (24 Monate) wird sie der Risikokapitalindustrie zusätzliche Möglichkeiten bieten. In diesem Zusammenhang ersuchte der Europäische Rat auf seiner Frühjahrstagung in Brüssel Rat und Kommission ausdrücklich, zu prüfen, welche Hindernisse für Investitionen seitens Rentenfonds auf Wagniskapitalmärkten bestehen (Ziffer 31 zweiter Gedankenstrich der Schlussfolgerungen des Vorsitzes). Zum anderen hätte die Umsetzung der neuen OGAW-Richtlinien aus dem Jahr 2001 bis August 2003 erfolgen sollen. // Die lange erwartete Richtlinie zur betrieblichen Altersversorgung ist endlich verabschiedet

Maßnahme: Bewertung bestehender Bilanzierungs- und Prüfungspflichten //

Neben der bereits erwähnten Annahme der Verordnung des Rates über die Anwendung internationaler Rechnungslegungsgrundsätze (IAS) hat die Kommission am 19. Mai 2003 eine Richtlinie [10] verabschiedet, die es den Mitgliedstaaten gestattet, eine größere Anzahl von KMU von bestimmten Rechnungslegungsvorschriften zu befreien. Auch die 4. sowie die 7. Rechnungslegungsrichtlinie sind modernisiert worden [11]. Angesichts der jüngsten Finanzskandale hat die Kommission außerdem am 21. Mai 2003 eine Mitteilung zur vorrangigen Durchführung von Maßnahmen im Bereich der gesetzlichen Abschlussprüfung, die notwendig sind, um die Qualität der Abschlussprüfung zu verbessern und die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers zu verstärken, verabschiedet [12]. // Der Rechnungslegungs- und Prüfungsrahmen wurden modernisiert

[10] Richtlinie 2003/38/EG vom 13. Mai 2003, ABl. L 120 vom 15/05/2003, S. 22-23.

[11] Richtlinie 2003/51/EG vom 18. Juni 2003, ABl. L 178 vom 15/05/2003, S. 16-22.

[12] KOM(2003) 286 endg.

Maßnahme: Verbreitung bewährter Verfahren der Unternehmensführung //

Um die zerstörerischen Auswirkungen der weithin publik gemachten Finanzskandale zu vermeiden, hat die Kommission am 21. Mai 2003 eine Mitteilung zu Gesellschaftsrecht und Corporate Governance [13] verabschiedet, die einen Aktionsplan enthält. Nach Abschluss des diesbezüglichen Konsultationsprozesses dürfte die Kommission im Herbst 2003 spezifische Maßnahmen vorschlagen. // Ein Aktionsplan besteht bereits

[13] KOM(2003) 284 endg.

4.2. Über den FSAP hinausgehende Maßnahmen [14] //

[14] Diese regulativen Maßnahmen betreffen vorwiegend die Nachfrageseite des Risikokapitals.

Bei den im RCAP enthaltenen legislativen Maßnahmen, die nicht in den Aktionsplan für Finanzdienstleistungen aufgenommen wurden, sind ebenfalls einige Fortschritte zu verzeichnen: //

Maßnahme: Reform des Insolvenz- und Konkursrechts [15] //

[15] Ein Überblick zu diesem Thema findet sich in ,The European Restructuring and Insolvency Guide 2002/2003", White Page, 2002, und in ,Bankruptcy and Insolvency", EVCA, Mai 2002.

Die fünfte und letzte Zusammenkunft der Expertengruppe des "BEST-Verfahrens" Umstrukturierung, Konkurs und Neubeginn fand am 16. Mai 2003 statt. Der Schlussbericht zu diesem "BEST-Verfahren" wird im Herbst 2003 veröffentlicht und - auf der Grundlage der Arbeiten der Expertengruppe - für jedes der behandelten Themen eine Reihe von Indikatoren (Frühwarnung, Rechtssystem, Neubeginn, insolvenzbedingte Stigmatisierung) sowie - anhand von Beispielen für bewährte Verfahren - eine Verbesserungsstrategie liefern. // Ein "BEST-Verfahren" ist abgeschlossen

Maßnahme: Reform des Europäischen Patentschutzsystems //

Nach über 30jährigen Verhandlungen erzielte der Rat am 3. März 2003 politisches Einvernehmen über ein Gemeinschaftspatent. U.a. wird damit gerechnet, dass das Gemeinschaftspatent die Übersetzungskosten im Durchschnitt um die Hälfte senken wird. Auch werden Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit Gemeinschaftspatenten nur von einem spezialisierten Rechtsprechungsorgan der Gemeinschaft entschieden werden. // Planmäßige Entwicklung des Gemeinschafts-patents

5. STEUERLICHE ASPEKTE //

Die Steuern sind für die Entwicklung der Risikokapitalmärkte von überragender Bedeutung. Dies gilt für die Körperschaftsteuer (auf Dividenden und auf Veräußerungsgewinne) und für die Einkommensteuer (auf Dividenden, auf Veräußerungsgewinne und auf Aktienoptionen). Ebenso wichtig sind die Bedingungen für Steueranreize zur Förderung der Innovation sowie der F&E. Auch wenn das Gesamtbild bei weitem nicht zufriedenstellend ist, sind doch auch hier bedeutende Fortschritte zu vermelden. // Das Gesamtbild verbessert sich

5.1. Entwicklungen in den Mitgliedstaaten

Da die Besteuerung weitgehend in nationaler Kompetenz verbleibt, sehen sich europaweit tätige Marktteilnehmer mit einem zersplitterten System, unterschiedlichen effektiven Körperschaftsteuersätzen, vielen steuerlichen Hemmnissen und hohen Entrichtungskosten konfrontiert. Hinzu kommt, dass Beteiligungsfinanzierung generell schlechter behandelt wird als Fremdfinanzierung. Die Unterschiede in den jeweiligen Steuersystemen erklären die unterschiedliche Performance der Mitgliedstaaten im Risikokapitalbereich, deren sich die Politiker zunehmend bewußt werden. Insbesondere scheint inzwischen allgemein anerkannt zu sein, dass sowohl eine angemessen konzipierte allgemeine Steuerpolitik als auch spezifische Steueranreize (einschließlich Anreize für F&E sowie Innovation) in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielen können. Wie bereits in früheren Mitteilungen ausgeführt, haben viele Mitgliedstaaten in den vergangenen Jahren angemessene Gesetze erlassen (z.B. Anhang 12), ein Trend, der sich im Jahr 2003 fortgesetzt hat. // Viele Mitgliedstaaten haben angemessene Gesetze erlassen

5.2. Entwicklungen auf Gemeinschaftsebene //

Steuerinitiativen auf Gemeinschaftsebene sind für ein einwandfreies Funktionieren des Binnenmarktes notwendig. Wie bereits berichtet, gelangte eine Studie der Kommission zu dem Ergebnis [16], dass die Unternehmen in Bereichen wie beispielsweise Transaktionen innerhalb multilateraler Konzerne, grenzüberschreitende Dividendenströme, Zins- und Lizenzgebührenzahlungen, grenzüberschreitender Verlustabzug und Unternehmensumstrukturierung oft hohen Entrichtungskosten und internationaler Doppelbesteuerung unterliegen. Das politische Endziel bestände darin, all diese Hindernisse zu beseitigen. // Grenz-überschreitende Hindernisse sollten beseitigt werden

[16] "Company Taxation in the Internal Market", SEC(2001) 1681 of 23.10.2001

Das anlässlich der Tagung des ECOFIN-Rats vom Juni 2003 verabschiedete Steuerpaket beinhaltete die Richtlinie über eine gemeinsame Steuerregelung für Zahlungen von Zinsen und Lizenzgebühren zwischen verbundenen Unternehmen, die ab 1. Januar 2004 anwendbar ist. Außerdem beinhaltete das Steuerpaket einen Verhaltenskodex für die Unternehmensbesteuerung in der EU. Ziel ist es, gleiche Voraussetzungen zu garantieren, um unfairen Steuerwettbewerb zu vermeiden, der zu Steuerausfällen führt und effiziente wirtschaftliche Entscheidungen verzerrt.

Zum anderen hat die Kommission kürzlich einen Vorschlag für eine Richtlinie des Rates [17] verabschiedet, die auf die Verbesserung und Erweiterung des Anwendungsbereichs der Mutter-/Tochter-Richtlinie abzielt. Sie sieht die Beseitigung der internationalen Doppelbesteuerung von Dividendenzahlungen vor, welche zur Reduzierung der internationalen Kapitalkosten führen wird. // Unfairer Steuerwettbewerb sollte vermieden werden Die Mutter-/Tochter-Richtlinie sollte modernisiert werden

[17] "Vorschlag für eine Richtlinie des Rates zur Änderung der Richtlinie 90/435/EWG über das gemeinsame Steuersystem der Mutter- und Tochtergesellschaften verschiedener Mitgliedstaaten", KOM(2003) 462 endg. Vom 20.07.2003.

Was die Initiativen im Bereich Risikokapital anbelangt, verdient die Idee der Kommission [18], das Konzept der "Sitzlandbesteuerung" in ein Pilotprojekt für kleine und mittlere Unternehmen zu integrieren, besondere Aufmerksamkeit. Nach diesem Prinzip kann ein Unternehmen dafür optieren, seine EU-Steuerbemessungsgrundlage, einschließlich ausländischer Tochtergesellschaften oder Betriebsstätten, nach den Vorschriften des Mitgliedstaats zu ermitteln, in dem sich sein Hauptsitz befindet. Dieses Projekt soll insbesondere eine deutliche Reduzierung der Steuerentrichtungskosten mit sich bringen, die den KMU durch die Internationalisierung im Binnenmarkt entstehen. // Ein Pilotprojekt für KMU könnte diesen große Vorteile bringen

[18] Siehe die Ergebnisse der Konsultation, die am 7. Juli 2003 unter folgender Adresse veröffentlicht wurden : http://europa.eu.int/comm/ taxation_customs/taxation/company_tax/index.htm

5.3. Steuerpolitik auf internationaler Ebene //

Die Wechselwirkung einzelner Maßnahmen, die auf einzelstaatlicher Ebene kohärent und gerechtfertigt sein mögen, und unterschiedliche Konzepte bei der Anwendung internationaler Steuergrundsätze können zu Doppelbesteuerung führen, wenn Gebietsansässige aus mehr als einem Mitgliedstaat beteiligt sind. Leider ist dies beispielsweise im Falle der Aktienbezugsrechte häufig der Fall, wenn die emittierende Gesellschaft und der Arbeitnehmer, dem sie gewährt werden, in verschiedenen Ländern ansässig sind. In diesem Zusammenhang ist es ermutigend zu beobachten, dass diesen Fragen unter anderem auch auf OECD-Ebene zunehmende Aufmerksamkeit gewidmet wird. Es liegt auf der Hand, dass es aus Sicht der Gemeinschaft wichtig wäre, in diesen internationalen Foren ein koordiniertes Konzept zu verfolgen. // Die Mitgliedstaaten sollten ihre in internationalen Foren vertretenen Positionen koordinieren

6. UNTERNEHMERGEIST //

Projekte nach dem Best-Verfahren (das auf der Ermittlung und dem Austausch der besten Verfahren zwischen den Mitgliedstaaten beruht) haben den Rahmen für die im RCAP enthaltenen Maßnahmen im Bereich der unternehmerischen Initiative geliefert. Es liegen Projektberichte [19] zum Unternehmenstransfer, zur Aus- und Fortbildung im Bereich Unternehmergeist, zum Benchmarking des Managements von Gründerzentren, zu den Investitionen privater Anleger (business angels), zu Konkurs und Neubeginn sowie zu anderen Themen vor. Zwar ist die Bedeutung des Unternehmergeistes für die Schaffung von Arbeitsplätzen [20], Innovation und Wirtschaftswachstum bereits weithin anerkannt, doch schöpft Europa sein unternehmerisches Potenzial noch nicht voll aus.

[19] Siehe http://europa.eu.int/comm/enterprise/ index_en.htm.

[20] In der neuen Beschäftigungsleitlinie Nr 2 über Arbeitsplatzschaffung und Unternehmertätigkeit (siehe Beschluss des Rates 2003/578/EG, ABl. L 197 vom 5/08/2003, S. 13) wird der Bedarf nach erleichtertem Zugang zu Kapital für Frühphasenunternehmen, neue und bestehende KMU und Unternehmen mit einem hohen Wachstums- und Arbeitsplatzschaffungspotential hervorgehoben.

In dem Bestreben, eine breite öffentliche Diskussion über die zukünftige Agenda für die Förderung des Unternehmergeistes anzustoßen, hat die Kommission im Januar 2003 ein Grünbuch verabschiedet [21]. Als Folgemaßnahme und auf ein entsprechendes Ersuchen hin, das im Rahmen der Frühjahrstagung des Europäischen Rates in Brüssel an sie herangetragen wurde [22], arbeitet die Kommission nun an einem Aktionsplan für unternehmerische Initiative, der Ende 2003 vorgelegt werden soll. // Das unternehmerische Potenzial in Europa wird noch nicht voll ausgeschöpft Ein Aktionsplan ist in Vorbereitung

[21] "Grünbuch - Unternehmergeist in Europa", KOM(2003) 27 endg. vom 21.01.2003.

[22] Siehe Ziffer 23 erster Gedankenstrich der Schlussfolgerungen des Vorsitzes.

Der Bericht aus dem Jahr 2003 über die Umsetzung der Europäischen Charta für Kleinunternehmen [23] gelangt zu dem Schluss, dass ermutigende Fortschritte erzielt worden sind. Viele Mitgliedstaaten haben die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln weit oben auf ihren nationalen Arbeitsprogrammen angesiedelt, und im Jahr 2002 sind die Anstrengungen zur Förderung unternehmerischer Fähigkeiten in den Schulen erheblich verstärkt worden. Der erste Bericht über die Umsetzung der Charter in den Beitrittsländern [24] zeigt, dass diese Länder auf dem richtigen Wege sind. Ihre wichtigste Herausforderung besteht nun im Aufbau einer Unternehmenskultur. Die Beschaffung von Finanzmitteln bleibt für KMU schwierig, und das Wagniskapitalangebot ist noch unzureichend. Daher bedarf es bildungspolitischer Maßnahmen in diesem Bereich. Bei dem Gipfeltreffen von Thessaloniki im Juni 2003 unterstützten die westlichen Balkanstaaten diese Charta. // Die Charta für Kleinunternehmen macht ermutigende Fortschritte

[23] KOM(2003) 21 endg. vom 21.1.2003.

[24] KOM(2003) 57 endg. vom 21.1.2003.

6.1. Informelle Investoren und gemeinschaftliches Wagniskapital //

Die Zahl der ,Business-Angel"-Netze nimmt rapide zu (siehe Anhang 3). Besonders hervorzuheben ist die Explosion der Netzwerke in Frankreich und Deutschland, die nun zahlenmäßig mit dem Vereinigten Königreich gleichgezogen haben. // Die "Business-Angel"-Netze nehmen weiter zu

In dem Maße, in dem sich die europäischen Risikokapitalmärkte entwickeln, haben sich umfassendere Ziele herauszubilden begonnen. In mehreren Mitgliedstaaten beteiligt sich die öffentliche Hand an regionalen Wagniskapitalfonds, die sich die Entwicklung des Gemeinwesens - wie Schaffung von Arbeitsplätzen oder lokale Entwicklung - zum Ziel gesetzt haben. Im Vereinigten Königreich beispielsweise beteiligt sich die Regierung mit 50% am Bridges Community Development Venture Fund, der in den am stärksten benachteiligten Regionen Englands investiert. Diesen Fonds kommen auch die im Vereinigten Königreich bestehenden steuerlichen Vergünstigungen für Investitionen im Rahmen von Gemeinschaftsvorhaben zugute. // Wagniskapital zur Förderung der Entwicklung des Gemeinwesens

6.2. Finanzielle Beteiligung der Arbeitnehmer //

Nach Veröffentlichung der Mitteilung zu den Rahmenbedingungen für die Förderung der finanziellen Beteiligung der Arbeitnehmer [25] sind verschiedene einschlägige Maßnahmen und Projekte (Konferenzen, Benchmarking-Projekte, Studien usw.) durchgeführt worden. Eine von der Kommission eingesetzte Ad-hoc-Sachverständigengruppe [26], die die grenzübergreifenden Hindernisse für die Umsetzung verschiedener Programme untersucht, wird ihren Bericht voraussichtlich im Frühherbst 2003 vorlegen. // Die Hindernisse für die finanzielle Beteiligung der Arbeitnehmer werden untersucht

[25] ,Rahmenbedingungen für die Förderung der finanziellen Beteiligung der Arbeitnehmer", KOM(2002)364 vom 5. Juli 2002.

[26] Die High level Group on transnational obstacles to financial participation of employees for companies having a transfrontier dimension hat bis Juli 2003 sieben Sitzungen abgehalten.

Eine weitere von der Kommission eingesetzte Sachverständigengruppe hat die geltenden Bestimmungen für Aktienbezugsrechte von Arbeitnehmern analysiert und Schlussfolgerungen zur Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen vorgelegt [27]. Dem Bericht zufolge liegt der effektive Steuersatz, mit dem Arbeitnehmeraktienoptionen (und der nachfolgende Aktienbesitz) in der EU belegt sind, zwischen rund 15% und über 70% und können Arbeitnehmern, die beim Umzug in ein anderes Land ihre Aktienoptionen behalten, aufgrund der unterschiedlichen Steuersysteme beträchtliche Probleme erwachsen. // Es wurde ein Bericht über Arbeitnehmer-Aktienbezugsrechteveröffentlicht

[27] "Arbeitnehmeraktienoptionen - Die rechtlichen und administrativen Rahmenbedingungen für Arbeitnehmeraktienoptionen in der EU". Abschlussbericht der Sachverständigengruppe, Juni 2003 ; www.europa.eu.int/comm (Unternehmen)

7. EUROPÄISCHER FORSCHUNGS- UND INNOVATIONSRAUM //

Die innerhalb des 5. Rahmenprogramms eingeleiteten Aktivitäten, wie Vernetzung und Initiativbündelung auf lokaler Ebene (clustering) zwischen Universitäten, Forschungszentren, Unternehmern, Anlegern, Juristen auf europäischer Ebene werden innerhalb des 6. Rahmenprogramms fortgeführt [28]. Dieses beinhaltet die "Gate2Growth Initiative" [29] und das "Forum Biotechnologie und Finanzen", über die bereits in früheren Mitteilungen berichtet wurde. // Eine Reihe von Initiativen wird fortgesetzt

[28] "6. Rahmenprogramm (2002-2006)", 27. Juni 2002, www.european.eu.int/comm (Forschung)

[29] Siehe www.gate2growth.com

Gemäß dem 6. Rahmenprogramm wird außerdem mehr Gewicht auf die Integration der Innovation als wichtige Dimension der Konzeption und Umsetzung eines Forschungsprojekts sowie der Nutzung der Forschungsergebnisse durch die Partner selbst in Form von Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft (so genannte "Spin-off-Gründungen") oder Technologietransfer gelegt. Daher werden die Teilnehmer ermutigt, in ihre Projekte "innovationsbezogene Aktivitäten", die ebenso stark unterstützt werden können wie Forschungsaktivitäten, und Studien zur Durchführbarkeit der Forschungsnutzung durch "Spin-off-Gründungen" einzubeziehen. Die Verbände kleiner und mittlerer Unternehmen können im Namen ihrer Mitglieder teilnehmen. // Besonderer Nachdruck auf der Integration der Innovation

Organisationen, die externe Finanzquellen für ihr Projekt, andere Forschungstätigkeiten oder die Nutzung der Forschungsergebnisse suchen, werden Informationen zu den verschiedenen Finanzinstrumenten des EIF und der EIB geliefert (z.B. beinhaltet die neue Innovation 2010 Initiative der EIB mit einem vorläufigen Finanzrahmen von 20 Mrd. EUR für den Zeitraum 2003-2006 Darlehensfinanzierung für Initiativen in den Bereichen Innovation sowie F&E). // Informationen zur Finanzierung werden geliefert

7.1. Hin zu 3% des BIP //

Im Frühjahr 2003 verabschiedete die Kommission eine Mitteilung [30], in der ein Aktionsplan vorgestellt wurde, der es ermöglichen soll, das auf der Tagung des Europäischen Rates von Barcelona (März 2002) festgelegte Ziel zu erreichen, die Gesamtausgaben für F&E in der EU bis zum Jahr 2010 auf etwa 3% des BIP zu erhöhen, welche zu zwei Dritteln von der Privatwirtschaft finanziert werden sollten. Der Aktionsplan wurde in Abstimmung mit allen Interessengruppen - insbesondere der Industrie und der Finanzgemeinschaft - entwickelt und berücksichtigt die Empfehlungen, die fünf Sachverständigengruppen abgegeben haben, um die Wirksamkeit der öffentlichen Finanzierungsmechanismen (einschließlich Risikokapital) für die Forschung zu verbessern. // Eine Mitteilung wurde verabschiedet

[30] "In die Forschung investieren: Ein Aktionsplan für Europa", KOM(2003) 226 endg. vom 30. April 2003.

Der Aktionsplan zeigt eine Reihe von Maßnahmen - verschiedene Politiken und Instrumente - auf, die auf europäischer und nationaler Ebene getroffen bzw. entwickelt werden sollten, um das 3%-Ziel zu erreichen. Ein Teil dieser Maßnahmen zielt darauf ab, den Zugang zu Finanzmitteln für Forschung und Innovation zu verbessern: (i) Unterstützung der Garantiemechanismen für Forschung und Innovation in KMU; (ii) Risikokapitalunterstützung für forschungsintensive KMU und (iii) Vorhandensein effizienter, unterstützender und effizienter Finanzmärkte. Der Aktionsplan definiert noch weitere Maßnahmen, die zur Förderung der Gründung und des Wachstums neuer technologieorientierter Unternehmen und somit zur Steigerung der Nachfrage nach Risikokapital beitragen werden: // Sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene sollten Maßnahmen getroffen werden

Fortführung oder Inangriffnahme der rechtlichen und administrativen Reformen und Unterstützungsmaßnahmen, um den öffentlichen Forschungseinrichtungen die Möglichkeit effizienter Verbindungen mit der Industrie zu bieten; zu behandeln sind insbesondere die Fragen der Einrichtung von Gründerzentren und Startkapitalfonds;

Ausarbeitung europäischer Leitlinien für die Handhabung und Nutzung von Urheberrechten bei staatlich finanzierter Forschung, mit dem Ziel, den Technologietransfer in die Industrie wie auch produktive Nebeneffekte zu fördern; und

Förderung des konzertierten Einsatzes steuerlicher und anderer Anreize, um u.a. die Gründung und die Anlaufphase forschungsintensiver Unternehmen zu fördern. // Eine Reihe von Maßnahmen wird die Nachfrage nach Risikokapital erhöhen

8. ÖFFENTLICHE MITTEL //

8.1. Staatliche Beihilfen und Risikokapital //

Die Mitteilung über staatliche Beihilfen und Risikokapital [31] hat sich als wirksames Instrument erwiesen, um die Bereitstellung öffentlicher Mittel in Form von Beteiligungskapital bei Marktversagen zu fördern und gleichzeitig privates Kapital anzuziehen. Einzelstaatliche Behörden und Industrie schätzen die Flexibilität und den innovativen Ansatz dieses Instruments. Insbesondere haben die Mitgliedstaaten zur Förderung von in benachteiligten Regionen angesiedelten oder in der High-Tech-Branche bzw. im Dienstleistungssektor tätigen KMU oder im Rahmen anderer Vorhaben von gemeinschaftlichen Interesse häufig auf innovative Risikokapital-Programme zurückgegriffen. Der Erfolg einer Reihe von öffentlich-privaten Partnerschaften - gefördert durch den pari passu-Grundsatz - hat wiederholt zu gemeinsamen Investitionen privater Anleger und öffentlicher Behörden geführt und es leichter gemacht, erfahrene unabhängige Manager aus dem privaten Sektor einzustellen, deren Bezüge an die Kapitalrendite und/oder die Performance des jeweiligen Investmentfonds geknüpft sind. // Die Mitteilung über staatliche Beihilfen und Risikokapital hatte positive Konsequenzen

[31] Mitteilung über ,Staatliche Beihilfen und Risikokapital", ABl. C 235 vom 21.08.2001, S. 3).

Im Rahmen der Mitteilung [32] wurden u.a. folgende Regelungen genehmigt: der im Vereinigten Königreich eingerichtete Small and medium enterprise venture capital and loan Fund [33] mit Schwerpunkt auf der Bereitstellung von Eigenkapital und Quasi-Eigenkapital sowie von Kleinstkrediten für KMU; der griechische TANEO - Fonds zur Entwicklung der New economy [34], ein Dachfonds zur Finanzierung von Wagniskapitalfonds, welche KMU, die in den Sektoren der New economy - wie Telekommunikation und Biotechnologie - tätig sind, finanzieren; das italienische Programm Risikokapital für die Gründung innovativer Unternehmen [35], mit dem innovative Unternehmen in der Gründungsphase unterstützt werden sollen, und der österreichische Fonds für die Bereitstellung von Eigenkapital für kleine und mittlere Unternehmen im Burgenland [36] sowie das Wagniskapitalprogramm für die Steiermark [37]. // Beispiele aus jüngerer Zeit

[32] Siehe www.europa.eu.int/comm/secretariat_general/sgb/state_aids

[33] Staatliche Beihilfe N 620/2002, Entscheidung der Kommission vom 4/2/2003.

[34] Staatliche Beihilfe N 548/2002, Entscheidung der Kommission vom 18/9/2002.

[35] Staatliche Beihilfe N 292/2002, Entscheidung der Kommission vom 11/12/2002.

[36] Staatliche Beihilfe N 677/2002, Entscheidung der Kommission vom 4/4/2003.

[37] Staatliche Beihilfe N 403/2002, Entscheidung der Kommission vom 19/2/2003.

8.2. Der Europäische Investitionsfonds //

Der EIF verfolgt das Ziel, die EU-Risikokapitalmärkte zu unterstützen, und investiert in erster Linie in technologiegestützte regionale und europaweit tätige Fonds. Im Technologiebereich legt der EIF den Schwerpunkt auf Early- und Mid-Stage-Beteiligungen, bezieht allerdings nach dem jüngst ermittelten starken Mangel an Finanzmitteln, der dazu führt, dass vielversprechende europäische Mid- bis Late-Stage-Technologieunternehmen keine angemessenen Finanzierung erhalten, auch Unternehmen ein, die sich in einer fortgeschritteneren Entwicklungsphase befinden. // Der EIF investiert in andere Fonds

Im Jahr 2002 engagierte sich der EIF mit 471,5 Mio. EUR in 36 Risikokapitalfonds. Dieser Rückgang gegenüber 2001 (800 Mio. EUR in 57 Fonds) ist auf die derzeit rückläufige Marktentwicklung zurückzuführen, aufgrund deren angemessene Investitionsmöglichkeiten nur in begrenztem Maße zur Verfügung stehen. Dennoch nimmt der EIF, der zum 30.4.2003 ein Portfolio von 185 Fonds verwaltete, das einem Gesamtengagement von 2,45 Mrd. EUR entsprach - welches zu 73% auf die Frühphasen- und zu 61% auf die Hightech-Finanzierung entfiel - nach wie vor eine Schlüsselposition auf dem Risikokapitalmarkt der Frühphasen- und Hightech-Finanzierungen ein. // Neue Engagements im Jahr 2002 rückläufig

Der EIF wird entweder aus eigenen Mitteln oder im Rahmen der Mandate tätig, die ihm von der EIB oder der Europäischen Kommission erteilt worden sind. Seit Beginn der Innovation 2000 Initiative hat der EIF alle für Risikokapitalfinanzierungen bestimmten Mittel der EIB verwaltet. Insgesamt werden die Risikokapitalaktivitäten des EIF zu 88% aus EIB-Mitteln finanziert. In diesem Zusammenhang und als Reaktion auf die Forderung nach einem verstärkten Tätigwerden im Risikokapitalbereich, hat die EIB die notwendigen Verfahren eingeleitet, um den dem EIF für Beteiligungsfinanzierungen zur Verfügung gestellten Betrag um 500 Mio. EUR aufzustocken.

Im Auftrag der Europäischen Kommission verwaltet der EIF das Mehrjahresprogramm für Unternehmen und unternehmerische Initiative 2001/2005, das auf die Initiative für Wachstum und Beschäftigung 1998-2000 folgte, in deren Rahmen die ETF-Startkapitalfazilität für Seed- und Early Stage-Finanzierungen sowie die Startkapitalaktion zur Gewährung von Zuschüssen eingeführt werden. Auf die ETF-Startkapitalfazilität entfallen 5% des gesamten Wagniskapitalengagements des EIF (Engagement per 30.04.2003). Die EIF-Investitionen werden nach marktüblichen Grundsätzen durchgeführt. // Eine Vielfalt von Finanzquellen

Schließlich bietet der EIF seit kurzem unabhängige Beratungsdienstleistungen an. Im Rahmen dieser neuen und ergänzenden Tätigkeit erteilt er Ratschläge, wobei er sich auf sein Know-how als Investor und Garantiegeber stützt. Diese entgeltlich und in enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission ausgeübte Tätigkeit konzentriert sich derzeit auf regionale Stellen und Behörden, dürfte jedoch schon bald auf andere Sektoren wie Forschung ausgedehnt werden. // Beratungs-tätigkeiten als ergänzende Aufgaben

8.3. Regionalfonds //

Wie bereits im vergangenen Jahr berichtet, wurde in den Leitlinien der Kommission für den Einsatz der Strukturfonds im Zeitraum 2000-2006 [38] gefordert, die traditionellen Subventionen für KMU zum Teil durch modernere und aktivere Finanzierungsarten wie Wagniskapital oder Garantiefonds zu ersetzen. Dies hat den Vorteil, dass die öffentlichen Beiträge, die in diese Fonds fließen, nach einigen Jahren, wenn die Investition in die KMU liquidiert wird, zurückgefordert werden können (revolvierender Fonds). // Traditionelle Subventionen werden durch modernere Finanzinstrumente ersetzt

[38] www.europa.eu.int/comm/regional_policy/sources/docoffic/official/guidelines/coord_en.htm

Die Programmplanung für die Strukturfonds zeigt, dass die Leitlinien befolgt werden und dass im Zeitraum 2000-2006 im Ergebnis rund 1,4 Mrd. EUR, und somit mehr als doppelt soviel wie im Zeitraum 1994-1999, für Risikokapitalfonds und Garantiefonds bereitgestellt werden. Davon entfallen rund zwei Drittel auf die im Sinne von Ziel 1 und ein Drittel auf die im Sinne von Ziel 2 förderungswürdigen Regionen. Von den Mitgliedstaaten ist das Vereinigte Königreich zweifellos das Land, das diese Möglichkeiten am besten nutzt. // Die Risikokapital- und Garantiefonds werden ihre Mittel mehr als verdoppeln

Zum anderen ist der von der Kommission erstellte Leitfaden zur Risikokapitalfinanzierung in der Regionalpolitik bereits in allen Sprachen der Gemeinschaft erhältlich [39] und dürfte ein praktisches Instrument für all jene werden, die auf regionaler und nationaler Ebene Risikokapitalaktivitäten entfalten. // Der neue Leitfaden steht schon zur Verfügung

[39] www.europa.eu.int/comm/regional_policy/sources/docoffic/official/guidelines/coord_en.htm

9. FAZIT //

In den letzten 18 Monaten hat Europa eine Phase der Anpassung durchlaufen, und viele Marktteilnehmer sind der Überzeugung, dass wir bereits am Ende eines anhaltenden Konjunkturabschwungs angelangt sind. Das Zerplatzen der Spekulationsblase und die Finanzskandale liegen hinter uns, und es scheint, als ob nach dem baldigen Abschluss eines Konsolidierungs- und Rationalisierungsprozesses, viele Unternehmen für einen Aufschwung bereit sind. // Ein neuer Konjunkturzyklus könnte bald beginnen

Betrachtet man die gesamte Laufzeit des RCAP (1998-2003), so sind erhebliche Fortschritte zu vermelden. Aus politischer Sicht steht das Problem des Risikokapitals nun in allen regionalen und nationalen Institutionen sowie den Gemeinschaftsorganen ganz oben auf der Tagesordnung. Unter technischen Gesichtspunkten sind die meisten der im Jahr 1998 im RCAP vorgesehenen Maßnahmen abgeschlossen. Natürlich gibt es Maßnahmen, die in der Praxis naturgemäß nicht für die Festlegung einer spezifischen Frist geeignet sind (z.B. solche, die mit kulturellen Hemmnissen verbunden sind), doch können hier qualitative Fortschritte vermeldet werden. // Die meisten im Jahr 1998 gesteckten Ziele wurden erreicht

Auch die europäische Risikokapitalbranche hat sich in den letzten fünf Jahren ganz erheblich verändert. Sie ist nun größer (auch wenn der Abstand zu den USA bleibt), globaler, reifer und professioneller, was zur Folge hat, dass sich das Risikokapital in immer mehr Mitgliedstaaten zu einer eigenen Kategorie von Vermögenswerten entwickelt. Die Herausforderung besteht nun darin, diese positiven Entwicklungen auf die gesamte Gemeinschaft und insbesondere die zukünftigen neuen Mitgliedstaaten auszudehnen. // Das Risikokapital sollte sich überall in Europa zu einer eigenen Kategorie von Vermögenswerten entwickeln

10. AUSBLICK //

Die Welt von heute unterscheidet sich aus wirtschaftlicher, finanzieller und politischer Sicht beträchtlich von derjenigen des Jahres 1998. Die Risikokapitalbranche hat sich erheblich verändert, eine schwierige Bewährungsprobe durchlaufen und bedeutende Erfolge verbucht. Daher verdienen viele der im RCAP verankerten Prämissen und Ziele eine Überprüfung. Außerdem wird Europa, um die in Lissabon für 2010 festgelegten Ziele zu erreichen, eine moderne Wirtschaft und einen starken innovativen Sektor entwickeln müssen, und dies wird einen beträchtlich effizienteren und ausgereifteren paneuropäischen Risikokapitalmarkt erfordern. // Das Risikokapitalumfeld hat sich in den letzten fünf Jahren grundlegend verändert

Unter Berücksichtigung dieser Erwägungen beabsichtigt die Kommission, um diese Dynamik zu erhalten und auf den Erfahrungen der letzten fünf Jahre aufzubauend, die Entwicklungen auf dem europäischen Risikokapitalmarkt auch in Zukunft aufmerksam zu verfolgen und im Jahr 2004 solche Aspekte des Marktes weiter zu analysieren, bei denen Ineffizienzen fortbestehen. In diesem Sinne wird sie der an sie gerichtete Aufforderung des Europäischen Rates von Brüssel vom März 2003 nachkommen, "auf einen Abbau der Hindernisse für einen echten europäischen Risikokapitalmarkt hinzuarbeiten, der in der Lage ist, unternehmerische Initiative zu unterstützen, und unter anderem zu prüfen, welche Hindernisse für Investitionen seitens institutioneller Anleger (Rentenfonds) auf Wagniskapitalmärkten bestehen." (Ziffer 31 zweiter Gedankenstrich der Schlussfolgerungen des Vorsitzes). // Weitere Analysen auf der Grundlage der mit dem RCAP gemachten Erfahrungen

Auch wenn die Problematik der Risikokapitalinvestitionen vielfältige Aspekte hat und eine Vielzahl von Fragen aufwirft, sollte sich die erwähnte Analyse auf folgende Elemente konzentrieren:

(i) Beseitigung der Hindernisse, denen sich institutionelle Investoren bei Wagniskapitalinvestitionen gegenübersehen

Hierzu ist es erforderlich, der vorerwähnten Aufforderung des Europäischen Rates nachzukommen.

(ii) Weitere Verbesserungen der rechtlichen Rahmenbedingungen

Daran sollte ständig gearbeitet werden, mit dem Hauptziel sicherzustellen, dass der Risikokapitalbedarf in den Verhandlungen (z.B. Fusionsverordnung oder neue Eigenkapitalvorschriften-Basel II) sowie bei der Anwendung und Durchsetzung der neuen Vorschriften berücksichtigt wird.

Eine von der Branche häufig geforderte spezifische Maßnahme ist die Schaffung einer harmonisierten europäischen rechtlichen Fondsstruktur, die Steuertransparenz in ganz Europa gewährleistet. In Abschnitt 6.4 der Mitteilung KOM(2003) 226 endg. vom 30. April 2003 "In die Forschung investieren: Aktionsplan für Europa" hat die Kommission bereits zugesagt, "die Verdienste und die Möglichkeit (einer solchen Maßnahme) zu berücksichtigen". Auch wenn sich dies auf den Bereich der Forschung und Entwicklung bezog, handelt es sich doch um eine horizontale Frage, die in allen Fällen berücksichtigt werden sollte, in denen es um Risikokapitalinvestitionen geht. // Einige mögliche Elemente Risikokapital-investitionen sollten bei jeder neuen Initiative berücksichtigt werden Die Branche braucht transparente Strukturen

(iii) Förderung von Ausstiegsmechanismen

Das Vorhandensein effizienter Ausstiegsmechanismen ist eine wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Risikokapitalmarkt. In diesem Zusammenhang sollten Merkmale, Struktur und Rolle der spezialisierten Börsen sowie der Börsenlisten der Nebenbörsen für Wachstumsunternehmen wie auch die Faktoren, überprüft werden, die das Interesse der Anleger an wagniskapitalfinanzierten Unternehmen wecken. // Es sollte ein kontinuierlicher Risikokapital-Zyklus sichergestellt sein

(iv) Schließung der Informationslücke zwischen Finanzgemeinschaft (Angebotsseite) sowie Unternehmen und Unternehmern (Nachfrageseite) Diese Maßnahme, bei der es nur Gewinner geben kann, hat zwei unterschiedliche Aspekte:

Vorhandensein von Kontaktmechanismen

Risikokapitalgeber müssen sich rasch und kostengünstig einen Überblick darüber verschaffen können, welche Unternehmen bzw. Unternehmer an einer Finanzierung interessiert sind, und umgekehrt. Diese sollte je nach Größe, Strategie und Zielen der verschiedenen Teilnehmer auf regionaler, nationaler und gesamteuropäischer Ebene bereitgestellt werden (siehe KOM(2002) 563, Abschnitt 6.2).

Entwicklung eines KMU-Ratings, einschließlich eines Technologieratings

Vor Durchführung ihrer Investitionen müssen sich die Kapitalgeber ein Bild davon machen können, welche Chancen und Risiken mit ihrem Engagement verbunden sind. Ist es kostspielig oder schwierig, an diese Informationen heranzukommen, so werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit von diesen Investitionen Abstand nehmen. Für Unternehmen einer gewissen Größe, die schon mehrere Jahre am Markt sind, kann auf klassische Methoden (z.B. Finanzierungsgeschichte, internes Rating der Bank, Durchführbarkeitsstudien, Due Diligence) zurückgegriffen werden. Schwieriger ist der Fall, wenn es - wie bei Risikokapitalinvestitionen häufig zu beobachten - um Technologieinvestitionen geht oder wenn es sich um ein neues oder innovatives Unternehmen handelt, das möglicherweise nur ein einziges technologiegestütztes Produkt oder eine solche Dienstleistung anbietet, keine Geschichte hat und über knappe Mittel verfügt. Für all diese Fälle wäre es wichtig, Rating-Methoden zu entwickeln, die glaubwürdig, verlässlich und kostengünstig sind. // Investoren und Unternehmer sollten leicht zueinander finden Es sollten Rating-Methoden für Technologie-Unternehmen entwickelt werden

(v) Strategisches Ziel : Schließen der Lücke zu den USA

Dies wird eine eingehende Analyse der in den USA erfolgreich verwendeten Politikinstrumente zur Förderung sowohl der formellen als auch der informellen privaten und/oder öffentlichen Risikokapitalaktivitäten erfordern, die vielleicht eine Erklärung beispielsweise dafür liefern wird, warum in Europa vergleichsweise weniger Menschen Unternehmer werden und warum neue Unternehmen in den USA schneller wachsen und größer werden als in Europa. // Erfolgreiche Politiken sollten in Europa übernommen werden

(vi) Die Unterstützung der Gemeinschaft in den Mittelpunkt rücken

Mit den bisherigen Gemeinschaftsmaßnahmen, mit denen finanzielle Mittel in Wagniskapitalfonds gelenkt wurden, die den Schwerpunkt auf Early Stage-Investitionen legten, ist es gelungen, das Wachstum der europäischen Wagniskapitalindustrie zu fördern. Damit der Markt, der so entstanden ist, erhalten bleibt, sollte an dieser Strategie festgehalten und sollte diese im Rahmen von MAP umgesetzt werden. Priorität sollte weiterhin der Seed- und Early Stage-Finanzierung eingeräumt werden, doch sollten die Gemeinschaftsinstrumente (insbesondere der EIF) auch dafür sorgen, dass potenziell erfolgreichen Unternehmen in einer späteren Phase ihrer Entwicklung angemessene Finanzmittel bereitgestellt werden. Damit würde das Ziel verfolgt, die Auswirkungen des derzeit reduzierten Mittelangebots für spätere Entwicklungsphasen zu kompensieren, welches aus der noch nicht abgeschlossenen Anpassung der Risikokapitalmärkte nach dem Platzen der Internet-Blase resultiert. // Die Unterstützung der Gemeinschaft sollte sich auf alle Phasen beziehen

Bei dem bevorstehenden Beitritt der neuen Mitgliedstaaten werden deren Finanzmärkte mit demjenigen der EU-15 verschmolzen werden. Die Beziehungen zu den auf den gesamteuropäischen Markt hin orientierten Akteuren sind bereits weitgehend etabliert. Die Erweiterung des EU-Marktes wird allen Betroffenen neue Möglichkeiten eröffnen. In diesem Zusammenhang sollte man sich bei der Errichtung neuer Fonds außerhalb des unmittelbar positiven Einflusses der größten Finanzzentren die reichen Erfahrungen des EIF in vollem Umfang zunutze machen. // Der EIF sollte sich auch um die neuen Mitgliedstaaten kümmern

O O O O O //

VERZEICHNIS DER ANHÄNGE

Anhang 1 - Historische Daten für Risikokapital in der EU

Anhang 2 - Historische Daten für Risikokapitalinvestitionen in den USA

Anhang 3 - ,Business Angel"-Netze in Europa

Anhang 4 - Gesamtumfang der Private Equity- und Hightech-Investitionen in Europa, 1993-2002

Anhang 5 - Anzahl der mit Wagniskapital finanzierten Unternehmen und Buy-outs in Europa, 1997-2002

Anhang 6 - Wagniskapitalinvestitionen in verschiedenen Phasen, 2002

Anhang 7 - Anzahl der Beteiligungsmanager je 1 Mio. Einwohner

Anhang 8 - Abschreibungen (zu Kosten) in Europa

Anhang 9 - Wachstumsbörsen (Indizes), 1998-2003

Anhang 10 - Durchschnittliches tägliches Handesvolumen - Stand 9/2002

Anhang 11 -Stand der Umsetzung der gemeinschaftlichen Rechtsvorschriften im Finanzdienstleistungsbereich

Anhang 12 - Überblick über die Besteuerung von Veräußerungsgewinnen in den Mitgliedstaaten

Anhang 13 - Umsetzung des RCAP (nach Maßnahmen)

Anhang 14 - In der Mitteilung verwendete Abkürzungen

Anhang 15 - Glosar - In der Mitteilung verwendete Begriffen

ANHANG 1

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HISTORISCHE DATEN FÜR RISIKOKAPITAL in der EU ANHANG 2

HISTORISCHE DATEN FÜR RISIKOKAPITALINVESTITIONEN in den USA

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ANHANG 3

,BUSINESS-ANGEL"-NETZE in der EU

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Quelle : EBAN

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ANHANG 4

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ANHANG 5

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ANHANG 6

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ANHANG 7

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ANHANG 8

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ANHANG 9

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ANHANG 10

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ANHANG 11

STAND DER UMSETZUNG DER GEMEINSCHAFTLICHEN RECHTSVORSCHRIFTEN IM FINANZDIENSTLEISTUNGSBEREICH

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September 2003

ANHANG 12

ÜBERBLICK ÜBER DIE BESTEUERUNG VON VERÄUSSERUNGSGEWINNEN IN DEN MITGLIEDSTAATEN

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Quelle : - EVCA : Taxation of Corporate Profits, Dividends and Capital gains in Europe

- Kommissionsdienststellen (von den Mitgliedstaaten gelieferte Daten).

ANHANG 13

RCAP (RISIKOKAPITAL-AKTIONSPLAN), VERABSCHIEDET AUF DEM GIPFEL VON CARDIFF (JUNI 1998)

ELEMENTE NACH ART DER HEMMNISSE - STAND OKTOBER 2003

Der RCAP umfasst sechs (6) Arten von Hemmnissen, die in der EU beseitigt werden sollen:

( ZERSPLITTERUNG DES EUROPÄISCHEN MARKTES

( INSTITUTIONELLER UND RECHTLICHER RAHMEN

( BESTEUERUNG

( MANGEL AN TECHNOLOGIEINTENSIVEN KMU

( HUMANRESSOURCEN

( KULTURELLE HEMMNISSE

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ANHANG 14

IN DER MITTEILUNG VERWENDETE ABKÜRZUNGEN

AIM : // Alternative Investment Market (www.londonstockexchange.com/aim)

ATS : // Alternative Handelssysteme ("Alternative Trading Systems")

BEST : // Business Environment Simplification Task Force. Im September 1997 von der Kommission geschaffen

EIB // Europäische Investitionsbank

EIF : // Europäischer Investitionsfonds

EVCA : // European Private Equity and Venture Capital Association (www.evca.com)

F&E // Forschung und Entwicklung

FSAP : // Aktionsplan für Finanzdienstleistungen

IAS // Internationale Rechnungslegungsgrundsätze

KMU // Kleine und mittlere Unternehmen

MAP : // Mehrjahresprogramm für Unternehmen und unternehmerische Initiative

NASDAQ : // National Association of Securities Dealers Automated Quotation system (www.nasdaq.com)

NYSE : // New York Stock Exchange

OGAW: // Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (Investmentfonds)

ANHANG 15

Glossar - in der Mitteilung verwendete Begriffe

Aktienbezugsrecht: // Mitarbeitern und/oder Führungskräften eingeräumte Möglichkeit, Aktien zu einem festgesetzten Preis zu erwerben.

Bilanzrichtlinie: // Richtlinien 78/660/EWG (4.Richtlinie) und 83/349/EWG (7. Richtlinie) in der geänderten Fassung

Börse: // Markt für den Handel mit Wertpapieren. Die Hauptaufgabe besteht darin, Aktiengesellschaften, Staat und Kommunen die Aufnahme von Kapital durch den Verkauf von Wertpapieren an Kapitalanleger zu ermöglichen.

Business Angels: // Privatpersonen, die Kapital direkt in neue und aufstrebende Unternehmen ohne Börsennotierung investieren (Finanzierung der Vorbereitungsphase - seed financing). In vielen Fällen unterstützen sie auch die Finanzierung der nächsten Phase junger Unternehmen (Anlaufphase - start-up phase). Sie erwerben dafür in der Regel Beteiligungsrechte am Unternehmen, bieten aber häufig auch andere langfristige Finanzierungsmöglichkeiten. Dieses Kapital kann eine sinnvolle Ergänzung der Risikokapital*-Branche darstellen, denn die zumeist kleineren Beträge (in der Regel weniger als 150.000 EUR) stehen zu einem früheren Zeitpunkt zur Verfügung, als dies bei den meisten Wagniskapitalfirmen möglich ist.

Corporate Governance: (Verfahren der Unternehmensführung) // Organisationsform der Leitung von Unternehmen, insbesondere Kapitalgesellschaften, und der Rechenschaftspflicht der leitenden Angestellten gegenüber den Kapitaleignern. Dieses Thema hat seit Anfang der neunziger Jahre immer mehr an Bedeutung gewonnen, denn externe Geldgeber wollen sichergehen, dass die Unternehmensleitung nicht ihren Interessen zuwiderhandelt.

Corporate Venturing: // Risikokapital*: Ein größeres Unternehmen erwirbt aus strategischen oder finanziellen Gründen oder sozialer Verantwortung eine direkte Minderheitsbeteiligung an einem kleineren Unternehmen ohne Börsennotierung. Vorwiegend von Großunternehmen zur Unterstützung externer Technologieentwicklung genutzt.

Eigenkapital: // Das Stamm- bzw. Grundkapital eines Unternehmens.

Entwicklungsfinanzierung: // Bereitstellung von Finanzmitteln für Wachstum und Expansion eines Unternehmens.

Ersatzfinanzierung: // Erwerb vorhandener Beteiligungen an einem Unternehmen von einer anderen Wagniskapital-Investmentgesellschaft oder von einem anderen Anteilseigner bzw. anderen Anteilseignern.

Frühphasenfinanzierung: // Bereitstellung von Finanzmitteln an Unternehmen vor Aufnahme der gewerblichen Produktions- und Absatztätigkeit und vor der Erzielung von Gewinnen. Setzt sich aus Finanzierung der Vorbereitungsphase* und Finanzierung der Anlaufphase* zusammen.

Institutionelle Anleger: // Damit sind vornehmlich Versicherungsgesellschaften, Pensionsfonds und Investmentfonds gemeint, die als Kapitalsammelstellen fungieren und Finanzierungsmittel auf den Markt bringen, aber auch andere institutionelle Vermögensformen (z. B. Stiftungen).

IPO: // (Intitial public offering) Erstes öffentliches Zeichnungsangebot (Aktienemission, Börsengang): Börseneinführung einer Aktiengesellschaft durch öffentliches Angebot zur Wertpapierzeichnung.

Kapitalmarkt: // Markt für langfristige Finanzierungsmittel, den Industrie und Handel, Staat und Kommunen in Anspruch nehmen. Börsen sind Teil des Kapitalmarktes.

Management Buy-out: // Bereitstellung von Finanzmitteln, um dem derzeitigen Management und Kapitalanlegern den Erwerb einer vorhandenen Produktlinie oder Geschäftssparte zu ermöglichen. Auch als MBO bezeichnet.

Marktkapitalisierung: // Anzahl der Aktien multipliziert mit dem aktuellen Börsenkurs zur Feststellung des Gesamtwertes einer AG. Auch Gesamtbetrag aus den Kurswerten aller an einer Börse notierten Gesellschaften.

Private Equity: (Private Kapitalbeteiligung) // Im Gegensatz zum Aktienkapital Beteiligungen am Eigenkapital nicht börsennotierter Unternehmen. Schließt Wagniskapitalund Buy-out-Finanzierungen ein.

Prospekt: // Formales schriftliches Angebot zur Zeichnung von Aktien, in dem das Konzept für ein neues Unternehmen vorgestellt bzw. Angaben zu einem bereits bestehenden Unternehmen gemacht werden, damit ein Anleger eine sachgerechte Entscheidung zu treffen vermag.

Prospektrichtlinie: // Erstellung nach der Richtlinie 89/298/EWG (Öffentliche Angebote) und/oder 80/390/EWG (Einzelheiten). Diese Richtlinien werden durch die am 15. Juli 2003 von der Kommission angenommene neue Richtlinie ersetzt.

Risikokapital: (Wagniskapital) // Investitionen in nicht börsennotierte Unternehmen durch Wagniskapitalgesellschaften, die private, institutionelle oder eigene Gelder verwalten. Es sind folgende Finanzierungsphasen zu unterscheiden: Frühphase*, Expansionsfinanzierung* und Ersatzfinanzierung*, während die Finanzierung von Buy-outs* nicht unter diesen Begriff fällt.

Risikokapitalmärkte: // Märkte zur Bereitstellung von Beteiligungskapital für Unternehmen in der Frühphase (Finanzierung der Vorbereitungsphase*, der Anlaufphase* und Entwicklungsfinanzierung*). Im Rahmen dieser Mitteilung geht es dabei um drei Finanzierungsarten:

* Informelle Kapitalanlagen durch Business Angels* und Firmen (,Corporate Venturing")

* Risikokapital

* Börsen, die sich auf KMU und Wachstumsunternehmen spezialisieren.

Seed capital: (Finanzierung der Vorbereitungsphase) // Finanzmittel für Forschung, Lagebeurteilung und Entwicklung eines ersten Unternehmenskonzepts.

Sekundärmarkt: // Markt für den Handel mit Wertpapieren nach ihrer ursprünglichen Emission. Die Existenz eines florierenden und liquiden Sekundärmarktes schafft die Voraussetzungen für einen gesunden Primärmarkt.

Start-up capital: (Finanzierung der Anlaufphase) // Bereitstellung von Finanzmitteln an Unternehmen für die Produktentwicklung und Absatzplanung.

Wagniskapitalfonds: // Geschlossene Fonds für die Bereitstellung von Wagniskapital.

Wertpapiere: // Vermögenswerte, u. a. Aktien, Staatsanleihen, Schuldverschreibungen, Obligationen, Anteile an Investmentgesellschaften und Rechte an Krediten oder Einlagen.

(*) Dieses Wort wird im Glossar oder Abkürzungsverzeichnis definiert.

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