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Mitteilung der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament, den Wirtschafts- und Sozialausschuß, den Ausschuß der Regionen und die Europäische Zentralbank- Die Einführung der Euro Banknoten und Münzen - Bilanz des ersten Jahres

/* KOM/2002/0747 endg. */

OJ C 36, 15.2.2003, p. 2–17 (ES, DA, DE, EL, EN, FR, IT, NL, PT, FI, SV)
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52002DC0747

Mitteilung der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament, den Wirtschafts- und Sozialausschuß, den Ausschuß der Regionen und die Europäische Zentralbank- Die Einführung der Euro Banknoten und Münzen - Bilanz des ersten Jahres /* KOM/2002/0747 endg. */

Amtsblatt Nr. 036 vom 15/02/2003 S. 0002 - 0017


MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DEN RAT, DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS, DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN UND DIE EUROPÄISCHE ZENTRALBANK - Die Einführung der Euro-Banknoten und -Münzen - Bilanz des ersten Jahres

Inhalt

1. Zusammenfassung

2. Die Umstellung auf den Euro - Ein grosser Erfolg

3. Bargeldumlauf im Eurogebiet

3.1. Banknoten

3.2. Münzen

3.3. Grenzüberschreitende Ströme der Euro-Banknoten und -Münzen

3.4. Euro-Sammlermünzen

3.5. Euro-Gedenkmünzen

3.6. Nickelgehalt der Euro-Münzen

3.7. Fälschung des Euro

4. Der Bürger und der Euro

4.1. Die Wahrnehmung des Euro in der Öffentlichkeit

4.2. In Euro rechnen

4.3 Doppelte Preisauszeichnung

4.4. Zufriedenheit mit dem Euro

4.5. Die Einführung des Euro-Bargelds begünstigt grenzübergreifenden Handel und Preistransparenz

5. Die Auswirkung der Euro-Umstellung auf die Inflation

5.1. Entwicklung der Verbraucherpreise im Eurogebiet

5.2. Mögliche Auswirkung der Euro-Umstellung auf die Inflation

5.3. Diskrepanz zwischen "gefühlter" und tatsächlicher Inflation

6. Überblick nach wirtschaftszweigen

6.1. Die Kreditwirtschaft

6.1.1. Die Wahl der Zahlungsmittel

6.1.2. Barabhebungen an Geldausgabeautomaten

6.1.3. Doppelte Angabe der Geldbeträge

6.2. Der Handel

6.3. Der Geldtransportsektors

6.4. Die Automatenwirtschaft

7. Die Bedeutung des Euro-Bargelds außerhalb des Euro-Gebiets

7.1. Die Lage in den drei Mitgliedstaaten, die nicht dem Euro-Gebiet angehören

7.2. Die Lage in den Beitrittsländern

7.3. Der Euro in der Welt

7.3.1. Andere Teile Europas

7.3.2. Afrika...

7.3.3. Amerika

7.3.4. Asien und Ozeanien

1. Zusammenfassung

Kaum ein Jahr nach Einführung der Euro-Banknoten und -Münzen hat der Euro seinen festen Platz im täglichen Leben der europäischen Bürger.

Nach der Eurobarometer-Umfrage vom November 2002 ist die Mehrheit der Europäer zufrieden mit dem Euro. Fünf von sechs Befragten geben an, keine Schwierigkeiten mit der Verwendung des Euro zu haben und nur jeder sechste verspürt nach wie vor gewisse Schwierigkeiten. Die überwiegende Mehrheit der Menschen hat sich rasch an das Euro-Bargeld gewöhnt: 92,8 % empfinden den Umgang mit den neuen Banknoten, 68,8 % den Umgang mit den neuen Münzen als einfach. Auch hält eine große Mehrheit der Europäer (83,7 % bzw. 53,5 %) die Zahl und Stückelung der Banknoten und Münzen für genau richtig.

Die Bürger sind inzwischen gut mit den Münzen aus anderen Euro-Ländern vertraut. Insbesondere in Grenzregionen, Großstädten und Touristengebieten stammt ein zunehmender Teil der umlaufenden Münzen aus dem 'Ausland'. Die unterschiedlichen nationalen Seiten wecken Interesse und 92,6 % der Befragten geben an, keine Schwierigkeit in der Vielzahl der Münzen zu sehen. Vielmehr haben viele Bürger begonnen, die Münzen zu sammeln. Das Interesse der Münzsammler wurde durch die 80 "echten" Euro-Sammlermünzen geweckt, die im Laufe des Jahres 2002 von verschiedenen Mitgliedstaaten ausgegeben wurden und nicht für reguläre Zahlungszwecke bestimmt sind.

Die Einführung des Euro-Bargelds hat sich auch auf die Verwendung des Euro außerhalb des Eurogebiets, und zwar nicht nur in Europa, sondern auch in anderen Teilen der Welt, ausgewirkt. Begünstigt wird diese Entwicklung unter anderem durch das Verhalten der europäischen Reisenden: 53 % von ihnen geben an, beim Verlassen des Eurogebiets Euro-Bargeld mit sich zu führen, gegenüber 16 %, die bei dieser Gelegenheit den US-Dollar vorziehen. Offenbar wird Euro-Bargeld auch in den drei nicht der Währungsunion angehörenden Mitgliedstaaten (DK, S, und UK) und in den zwölf Beitrittsländern akzeptiert, auch wenn dies in der Regel nur für die Hauptstädte und für Touristengebiete gilt. Einige Geschäftsleute zeichnen sogar ihre Waren in Euro aus. In bestimmten Gebieten des Balkans, wie in Montenegro und im Kosovo, ist der Euro de facto Landeswährung und ersetzt häufig die alte D-Mark. Auch auf den anderen Kontinenten hatte die Einführung des Euro-Bargelds gewisse Auswirkungen, wenngleich in begrenzterem Maße. Neben den französischen Übersee-Departements (die geographisch nicht zu Europa gehören, aber trotzdem Teil der EU sind), in denen der Euro den französischen Francs ersetzt hat, wird der Euro auch in den Touristengebieten einiger amerikanischer, asiatischer und afrikanischer Länder als Zahlungsmittel akzeptiert, eine Praxis, die teilweise mit der Preisauszeichnung in Euro in Verbindung steht.

In einigen Ländern verbinden die Bürger mit der Währungsumstellung einen deutlichen Preisanstieg. Dieses Empfinden lässt sich allerdings nicht durch Fakten belegen. So ergibt eine ausführliche statistische Analyse der Preisentwicklung auf der Grundlage des harmonisierten Verbraucherpreisindexes (HVPI), dass sich die Preise mit der Euro-Einführung nur um 0,0 bis 0,20 % verändert haben. Weitere Analysen belegen, dass eine erhebliche Diskrepanz zwischen der gefühlten und der gemessenen Inflation besteht, was auf einen deutlichen Preisanstieg bei bestimmten, häufig nachgefragten Gütern und Dienstleistungen zurückzuführen ist, die das Empfinden der Verbraucher in stärkerem Maße beeinflussen (so gibt es in der Tat klare Hinweise darauf, dass die Preise im Dienstleistungssektor, insbesondere in Restaurants, Hotels, Bars usw. in die Höhe gegangen sind).

Ob die Einführung des Euro-Bargelds die Zahlungsgewohnheiten beeinflusst hat, ist noch unklar. Zwar war im Laufe des Jahres 2002 ein deutlicher Anstieg bei der Verwendung bargeldloser Zahlungsmittel zu verzeichnen, doch ist es schwer, dies ausschließlich auf die Einführung des Euro zurückzuführen. Ebenfalls erhöht zu haben scheint sich der Betrag, der im Durchschnitt am Geldautomaten abgehoben wird.

Die jüngste Eurobarometer-Umfrage bestätigt, dass die "innere Umstellung" der Europäer zwar im Gange, aber noch lange nicht abgeschlossen ist: 42,2 % der Verbraucher rechnen bereits vorwiegend in Euro, doch fällt dieser Wert bei größeren Anschaffungen (wie Haus oder Auto) auf 12,5 % zurück, da die meisten Menschen bei Käufen dieser Größenordnung nach wie vor in ihrer alten Landeswährung rechnen. Die Einzelhändler zeichnen ihre Waren nach wie vor doppelt aus, da dies von bestimmten Verbrauchergruppen, vor allem solchen, die die innere Umstellung noch nicht vollzogen haben, geschätzt wird. Während eine geringfügige Mehrheit der Verbraucher (50,6 %) keine doppelte Preisauszeichnung mehr will, sprechen sich 47,2 % für eine Beibehaltung aus. Doch sollte dabei nicht vergessen werden, dass eine Fortführung der doppelten Auszeichnung die innere Umstellung auf den Euro zwangsläufig verzögert und einen reibungslosen Übergang sogar behindern könnte. Aus diesem Grund empfiehlt die Kommission dem Einzelhandel in Übereinstimmung mit Eurocommerce, die doppelte Preisauszeichnung spätestens zum 30. Juni 2003 einzustellen und die Kunden lange im Voraus über diese Änderung in Kenntnis zu setzen. Gleiches wird für andere Bereiche empfohlen, in denen Preise und Beträge nach wie vor in Landeswährung und in Euro ausgewiesen werden, wie bei Rechnungen bestimmter Unternehmen oder Bankauszügen.

Einführung des euro-Bargelds

- Ein Jahr danach -

- Zahlen und Fakten für das Eurogebiet

Oktober 2002

Banknoten Münzen

Gesamtumlauf

Bargeldumlauf insgesamt (Menge) 7,42 Mrd. Banknoten 38,2 Mrd. Münzen

Bargeldumlauf insgesamt (Wert) 320,9 Mrd EUR 11,9 Mrd. EUR

Gesamtwert in % des BIP 4,54 % 0,17 %

Pro-Kopf-Werte

Durchschnittliche Menge pro Kopf 24,7 Banknoten 126,5 Münzen

Durchschnittlicher Wert pro Kopf 1.062,8 EUR 39,4 EUR

Gängigste Euro-Banknoten/-Münzen

Anteil an der Gesamtmenge (in %) 50 EUR (28,8 %) 1 Cent (17,4%)

Anteil am Gesamtwert (in %) 50 EUR (33,4 %) 2 EUR (39,8 %)

Sammlermünzen*

Gesamtzahl unterschiedlicher Münzen 80 (davon 30 Gold- und 20 Silbermünzen)

Kleinster Nennwert 25 Cent

Größter Nennwert 400 EUR

* Die Zahlen für Sammlermünzen beziehen sich auf das gesamte Jahr 2002.

2. Die Umstellung auf den Euro - Ein grosser Erfolg

Ein Jahr nach Einführung des Euro-Bargelds ist der Euro Teil unseres Alltags. Gegenstand dieser Mitteilung sind die praktischen Aspekte des Euro, insbesondere die Euro-Banknoten und -Münzen. Sie schließt sich an die Mitteilung KOM(2002) 124 vom 6.3.2002 an, in der die Kommission die Einführung des Euro-Bargelds rückblickend bewertet. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Währungsunion der zwölf Staaten des Eurogebiets werden an dieser Stelle nicht behandelt; sie sind Gegenstand der Kommissionsmitteilung 'Das Eurogebiet innerhalb der Weltwirtschaft - Entwicklungen in den ersten drei Jahren' (KOM(2002)332 vom 19.6.2002). Darüber hinaus sollte die Einführung des Euro auch als wichtiger Schritt zur Vollendung des Binnenmarkts betrachtet werden. Anlässlich des zehnten Jahrestages dieses bedeutsamen Ereignisses wird die Kommission in Kürze die Mitteilung 'Der Binnenmarkt - Zehn Jahre ohne Grenzen' veröffentlichen.

3. Bargeldumlauf im Eurogebiet

3.1. Banknoten

Anfang Januar 2002 brachten die Zentralbanken des Eurogebiets nahezu 7,8 Mrd. Euro-Banknoten in Umlauf. Bis zum Frühjahr ging die Zahl der umlaufenden Noten zunächst auf 7,16 Mrd. zurück, stieg bis Ende Oktober dann aber kontinuierlich auf 7,42 Mrd. an (siehe Schaubild 1).

Grund für diesen vorübergehenden mengenmäßigen Rückgang beim Banknoten-Umlauf war in erster Linie eine gewisse Vorsicht bei der Vorabausstattung: so hatten die meisten Banken und Einzelhändler, deren Bedarf an Euro-Banknoten zwangsläufig auf Schätzungen beruhte, erhebliche Mengen geordert, um eine reibungslose Umstellung zu gewährleisten. Überschüssige Bestände flossen in der Folge an die Zentralbanken zurück. Zum anderen hatten sich die Einzelhändler dazu verpflichtet, Wechselgeld ausschließlich in Euro herauszugeben, so dass viele Bürger den Einzelhandel zum Umtausch der alten in die neue Währung nutzten (und zu diesem Zweck kleine Käufe zuweilen mit großen Banknoten tätigten) und die Einzelhändler, da das eingehende Bargeld nicht als Wechselgeld verwendet werden konnte, viel mehr Banknoten benötigten als gewöhnlich.

Schaubild 1

>VERWEIS AUF EIN SCHAUBILD>

Der Wert der umlaufenden Banknoten betrug Ende Januar 2002 insgesamt 221,5 Mrd. Euro und erhöhte sich bis Oktober kontinuierlich auf 320,9 Mrd. Diese Diskrepanz zwischen mengen- und wertmäßiger Entwicklung ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass bei der Vorabausstattung und in der Phase des Parallelumlaufs der Schwerpunkt auf Noten mit kleiner Stückelung gelegt worden war. Offensichtlich waren mehr Banknoten kleiner Stückelung ausgegeben worden als benötigt, so dass diese in der Folge an die Zentralbanken zurückflossen.

Demnach befanden sich Ende Oktober pro Kopf 24,7 Banknoten im Wert von 1062,8 EUR im Umlauf. Der Gesamtwert der im Umlauf befindlichen Banknoten entsprach 4,5 % des im gesamten Eurogebiet erwirtschafteten BIP.

Schaubild 2 gibt einen nach Stückelungen aufgeschlüsselten Überblick über den Banknotenumlauf im Eurogebiet (Stand Ende Oktober).

Schaubild 2

>VERWEIS AUF EIN SCHAUBILD>

Der 50-Euro-Schein ist sowohl mengen- als auch wertmäßig die geläufigste Banknote: auf ihn entfällt ein Drittel des Werts des Gesamtnotenumlaufs. In den meisten Ländern ist er der am häufigsten von Geldautomaten ausgegebene Schein. Dies spiegelt zweifellos die Präferenz der Bargeldbenutzer und eine gängige Ausgabenhöhe wider. Die zweithäufigste Note ist der 20-Euro-Schein, der fast ein Viertel aller Banknoten ausmacht. Wertmäßig steht allerdings der 500-Euro-Schein an zweiter Stelle. Die beiden großen Stückelungen (200 Euro und 500 Euro) machen lediglich 1,5 % bzw. 2 % der insgesamt im Umlauf befindlichen Banknoten aus.

In einigen Mitgliedstaaten, insbesondere in Italien und Griechenland, wurde die Frage aufgeworfen, ob die 1- und 2-Euro-Münzen durch 1- und 2-Euro-Scheine ergänzt oder sogar ersetzt werden sollten. Die neuesten Eurobarometer-Zahlen (November) lassen keine solche Notwendigkeit erkennen. Vielmehr gaben 83,7 % der Befragten an, Zahl und Stückelung der Banknoten sei genau richtig. Diesen Standpunkt vertraten sogar 78 % der Italiener und 68,5 % der Griechen.

3.2. Münzen

Anfang 2002 brachten die Zentralbanken des Eurogebiets 40,4 Mrd. Münzen in Umlauf. Schon im Laufe des Januar ging die Zahl der in Umlauf befindlichen Münzen auf 37,8 Mrd. zurück (siehe folgendes Schaubild), ein Trend, der sich bis April fortsetzte. Danach erhöhte sich die Menge kontinuierlich, bis Ende Oktober 2002 ein Stand von 38,2 Mrd. Stück erreicht war. Bei den Münzen verliefen wertmäßige und mengenmäßige Entwicklung sehr ähnlich (siehe Schaubild 3). Der Wert der ursprünglich im Eurogebiet in Umlauf gebrachten Münzen betrug insgesamt 13 Mrd. Euro. Ging dieser Wert in der Folge zurück, um im April einen Tiefststand von etwa 11 Mrd. Euro zu erreichen, so war Ende Oktober 2002 erneut ein Stand von 11,9 Mrd. Euro zu verzeichnen.

In der Gesamtmenge enthalten sind auch die von Monaco (1/500stel der von Frankreich geprägten Münzen), San Marino (1.944,000 EUR) und dem Vatikanstaat (670,000 EUR) ausgegebenen Münzen.

Schaubild 3

>VERWEIS AUF EIN SCHAUBILD>

In den Staaten des Eurogebiets wurden pro Kopf sehr unterschiedliche Mengen an Münzen in Umlauf gebracht, was auf die unterschiedlichen nationalen Zahlungsgewohnheiten zurückzuführen ist. Im Schnitt wurden im Eurogebiet zu Jahresbeginn 134 Euro-Münzen pro Kopf im Wert von durchschnittlich 43 Euro pro Person in Umlauf gebracht. Der Gesamtwert der im Umlauf befindlichen Münzen entsprach im Oktober 0,17 % des im Eurogebiet erwirtschafteten BIP.

Die umlaufenden Münzen verteilen sich recht gleichmäßig auf die verschiedenen Stückelungen. Die Münze mit der geringsten Verbreitung ist das 2-Euro-Stück, das wertmäßig 40 % der im Umlauf befindlichen Münzen ausmacht. Auf die beiden Bimetallmünzen (1- und 2-Euro-Münzen) entfallen 68 % des Werts aller in Umlauf befindlicher Münzen. Die kleinen Stückelungen (1- und 2-Cent-Münzen) haben einen mengenmäßigen Anteil von 16,6 % bzw. 17,4 %, machen wertmäßig jedoch nur 1,1 % bzw. 0,6 % aus.

Schaubild 4

>VERWEIS AUF EIN SCHAUBILD>

In Griechenland und Italien wurde die Frage des Nutzens der kleinen Cent-Münzen, insbesondere der 1- und 2-Cent-Stücke aufgeworfen, doch lässt die Zahl der in den einzelnen Ländern umlaufenden Münzen nicht darauf schließen, dass diese Münzen von der Bevölkerung nicht genutzt werden. So liegt der mengenmäßige Anteil der 1-Cent-Münzen in den einzelnen Ländern des Eurogebiets zwischen 9,1 % und 21,3 %. Bei den 2-Cent-Münzen ist die Verteilung gleichmäßiger und variiert lediglich zwischen 12,7 % und 18,8 %. In Finnland sind die 1- und 2-Cent-Münzen nur von begrenztem Nutzen, da einem finnischen Gesetz zufolge Barzahlungen in Euro auf den nächsthöheren bzw. -niedrigeren 5-Cent-Betrag gerundet werden müssen. Aus diesem Grund legte die finnische Prägeanstalt die beiden kleinsten Münzen nur in begrenzter, weit unter dem Durchschnitt der anderen Länder liegender Menge auf.

Nach dem jüngsten Eurobarometer halten die meisten Menschen im Eurogebiet (53,5 %) Zahl und Stückelung für genau richtig. Auch sei daran erinnert, dass die kleinen Münzen für eine korrekte und centgenaue Umrechnung aus den nationalen Währungen von zentraler Bedeutung waren.

3.3. Grenzüberschreitende Ströme der Euro-Banknoten und -Münzen

Euro-Banknoten und -Münzen können nicht nur in ihrem Herkunftsland, sondern im gesamten Eurogebiet verwendet werden. Dies hat dazu geführt, dass Banknoten und Münzen "gewandert" sind und die Bürger des Eurogebiets in der Regel einen Bargeld-Mix aus unterschiedlichen Mitgliedstaaten in ihren Börsen haben.

Für die Wanderung des Euro-Bargelds gibt es mehrere Gründe. Erstens nehmen Bürger bei Reisen ins Ausland - ob Geschäfts- oder Urlaubsreise oder lediglich ein kurzer Einkauf im benachbarten Ausland - immer etwas Bargeld mit. Darüber hinaus können Banknoten und Münzen im Rahmen der Umverteilung zwischen nationalen Zentralbanken, Geschäftsbanken und Einzelhändlern über Grenzen wandern. Auch Besucher und Touristen aus Nicht-Euro-Staaten tragen zur Durchmischung bei. Wenn sie vor Reiseantritt bei ihrer heimischen Bank Euro ordern, so hat diese die Euro häufig in einem anderen Land als dem Reiseziel ihres Kunden angekauft.

Der Mix aus Euro-Banknoten und -Münzen aus unterschiedlichen Ländern wird sich im Laufe der Zeit verstärken und vielleicht ein ausgewogenes Maß erreichen, wobei der Münzenmix mehr oder weniger dem Anteil der einzelnen Länder an der Gesamtausgabemenge im Eurogebiet entsprechen wird. Unklar ist allerdings, in welchem Tempo dies vonstatten gehen wird, wenngleich sich gewisse Muster schon jetzt abzeichnen. So scheinen sich Münzen je nach Wert unterschiedlich stark zu vermischen und die höherwertigen Münzen eher zu wandern als die kleinen. Auch ist die Mischung bis zu einem gewissen Grad ortsabhängig. So wird der Anteil ausländischer Münzen in städtischen Gebieten in der Regel höher sein als auf dem Land. Ebenfalls mehr ausländische Münzen in ihrer Börse haben werden die Bewohner von Grenzgebieten innerhalb der Eurozone. Eine Studie der österreichischen Zentralbank ergab, dass am 10. September 2002 11,8 % der in Österreich umlaufenden Münzen aus Deutschland stammten, während der Anteil der deutschen Münzen in grenznahen Gebieten 23,4 % betrug.

3.4. Euro-Sammlermünzen

Für viele europäische Bürger und ausländische Touristen sind die Euro-Münzen wegen der zahlreichen nationalen Seiten mittlerweile zum Sammelobjekt geworden. Doch darf nicht vergessen werden, dass viele Mitgliedstaaten auf eine lange und reiche Tradition bei der Ausgabe von Sammlermünzen zurückblicken, mit denen besonderer Anlässe oder nationaler Symbole gedacht wird. Wie die für den Umlauf bestimmten Münzen werden auch Sammlermünzen offiziell von den Mitgliedstaaten ausgegeben, haben einen Nennwert und sind gesetzliche Zahlungsmittel, auch wenn sie - da ihr Marktwert in der Regel weit über ihrem Nennwert liegt - nur selten für Zahlungszwecke verwendet werden. Die meisten Sammlermünzen sind aus Edelmetall, wie Gold oder Silber.

Diese Tradition wird fortgeführt, mit dem einzigen Unterschied, dass alle von den Mitgliedstaaten des Eurogebiets ausgegebenen Sammlermünzen nunmehr auf Euro lauten. Während die für den Umlauf bestimmten Münzen im gesamten Eurogebiet gesetzliches Zahlungsmittel sind, haben die Mitgliedstaaten beschlossen, dass Euro-Sammlermünzen lediglich im Land ihrer Prägung den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels besitzen. Um Verwechslungen zu vermeiden, haben die Mitgliedstaaten ferner vereinbart, in der Übergangszeit (1999-2001) keine Euro-Sammlermünzen zu prägen, da die für den Umlauf bestimmten Euro-Münzen zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgegeben waren. Im Jahr 2002 haben die meisten Länder des Eurogebiets damit begonnen, auf Euro lautende Sammlermünzen auszugeben. Wie von den Mitgliedstaaten vereinbart, unterscheiden sich deren technische Merkmale in mehrerlei Hinsicht von denen «normaler» Münzen, um für die Öffentlichkeit jede Verwechslung auszuschließen. So müssen sich Sammlermünzen in mindestens zwei der drei technischen Merkmale Farbe, Durchmesser und Gewicht von den für den Umlauf bestimmten Euro-Münzen unterscheiden. Darüber hinaus sind Nennwert und Gestaltung von Sammlermünzen stets anders als bei den für den Umlauf bestimmten Euro-Münzen.

Bis Ende 2002 wird sich die Zahl der auf Euro lautenden Sammlermünzen auf insgesamt 80 erhöhen (davon etwa 30 Goldmünzen). Der Nennwert dieser Münzen reicht von 25 Cent bis 400 Euro, wenngleich Münzen im Wert von 5, 10 und 20 Euro am häufigsten sind. Ihr Nennwert entspricht in der Regel weder dem Materialwert noch dem Verkaufspreis. Der Marktwert dieser Sammlerstücke hängt selbstverständlich von der Ausgabemenge ab, die in der Regel beim Kauf angegeben wird. Das Spektrum reicht von äußerst geringen Stückzahlen (z.B. 99) bis hin zu unlimitierten Auflagen.

Neben diesen offiziellen Münzen prägen und verkaufen viele öffentliche Münzanstalten und private Emittenten Medaillen, die nicht den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels besitzen. Um jede Verwechslung mit diesen Medaillen zu vermeiden, hat die Kommission eine Empfehlung zum Schutz der Euro-Münzen an die Mitgliedstaaten gerichtet. Demnach dürfen diese Medaillen, wenn sie die gleiche Größe wie Euro-Münzen besitzen, weder auf Euro lauten noch das Euro-Symbol tragen oder in anderer Weise wie die Euro-Münzen gestaltet sein.

3.5. Euro-Gedenkmünzen

Gedenkmünzen stellen eine weitere, ebenfalls von den Mitgliedstaaten offiziell ausgegebene Kategorie von Münzen dar. Diese für den Umlauf bestimmten Münzen sind im gesamten Eurogebiet offizielles Zahlungsmittel, auch wenn bislang keine Euro-Gedenkmünzen ausgegeben wurden. Ihre technischen Merkmale, Abmessungen und ihr Nennwert entsprechen exakt den umlaufenden Euro-Münzen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die nationale Seite durch die Darstellung eines besonderen Ereignisses oder eines nationalen Wahrzeichens ersetzt wird. Zwar sind die Auflagen von Gedenkmünzen in der Regel limitiert, doch reichen sie aus, um einen Umlauf Seite an Seite mit den "normalen" Münzen zu ermöglichen. Um den europäischen Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich mit den verschiedenen nationalen Seiten vertraut zu machen und mögliche Verwechslungen zu vermeiden, haben die Mitgliedstaaten vereinbart, in den ersten Jahren nach Einführung des Euro-Bargelds keine Gedenkmünzen auszugeben.

3.6. Nickelgehalt der Euro-Münzen

Nickel löst bei einem geringen Teil der Bevölkerung bekanntermaßen Hautreaktionen aus; ein länger anhaltender Kontakt kann sogar Allergien hervorrufen. Auch wenn einige wenige Euro-Münzen nach wie vor etwas Nickel enthalten, sind doch 85 % aller umlaufenden Münzen inzwischen nickelfrei. Vor der Umstellung auf den Euro enthielten 75 % der nationalen Münzen Nickel (vier von acht Münzen in Deutschland, vier von fünf in Belgien, neun von zehn in Frankreich und sieben von neun in Spanien). Viele dieser Münzen bestanden sogar gänzlich aus Nickel. Damit hat sich die Zahl der nickelhaltigen Münzen drastisch verringert. Die Ein- und Zwei-Euro-Stücke enthalten - hauptsächlich aus Sicherheitsgründen - eine geringe Menge Nickel, die sich größtenteils im Innern und nicht auf der Außenseite der Münze befindet. Der Einsatz von Nickel erschwert die Fälschung der Euro-Münzen und gewährleistet eine verlässliche Erkennung der Münzen in Verkaufsautomaten.

Während sich noch Anfang des Jahres einige Fragen hinsichtlich des Nickel-Gehalts der Euro-Münzen und seiner möglichen Auswirkungen auf empfindliche Benutzer stellten, steht nun zweifelsfrei fest, dass der Gebrauch von Euro-Münzen absolut unbedenklich ist, und zwar noch unbedenklicher als bei den meisten nationalen Münzen. In einer kürzlich von Physik-Nobelpreisträger Prof. Pierre-Gilles de Gennes vorgelegten Studie wird die geringere Freisetzung von Nickel bestätigt. [1] Diese Studie, die unter Bedingungen durchgeführt wurde, die einem normalen Gebrauch von Münzen entsprechen, belegt, dass die Ein- und Zwei-Euro-Münzen nur etwa halb so viel Nickel abgeben wie einige nationale Münzen.

[1] Siehe Fournier, P-G., Govers, T.R., Fournier, J. und Abani, M.: Contamination by nickel and other metals resulting from the manipulation of coins - Comparison between French Francs and euro, veröffentlicht in: Comptes Rendu de l' Académie des Sciences: C.R. Physique, Vol. 3 (2002), N° 6, S. 749-758.

3.7. Fälschung des Euro

2002 begannen zahlreiche Banken und Wechselstuben, ihre Mitarbeiter in Bezug auf die Sicherheitsmerkmale der neuen Banknoten und Münzen zu schulen, um die Erkennung von Fälschungen zu erleichtern und die Betrugsbekämpfung zu verbessern. Die Kommission und die Mitgliedstaaten haben ein Netz von Institutionen eingerichtet, um gegen Fälschungen vorzugehen. Dieses Netz sorgt in Zusammenarbeit mit der EZB und Europol für die Sammlung aller in diesem Zusammenhang maßgeblichen Informationen.

Dank modernster Sicherheitsmerkmale wurden Euro-Banknoten und -Münzen 2002 in erheblich geringerem Umfang gefälscht als andere gesetzliche Zahlungsmittel in den Vorjahren. Bislang wurden nur sehr wenig gefälschte Euro-Banknoten und -Münzen entdeckt, die - von wenigen Ausnahmen abgesehen - das Werk von «Amateuren» sind. Bei den Banknoten verzeichnete die EZB in der ersten Jahreshälfte etwa 22.000 Fälschungen, wobei es sich zu 65 % um 50-Euro-Scheine handelte. Dies entspricht in etwa 7 % der im selben Vorjahreszeitraum von den nationalen Zentralbanken des Eurogebiets insgesamt verzeichneten Fälschungen gesetzlicher Zahlungsmittel. Auf 59 Millionen Banknoten ist dies weniger als eine Fälschung pro Tag. Auch die Zahl der gefälschten Münzen ist äußerst gering. So wurden in der ersten Jahreshälfte 2002 nur 68 gefälschte Münzen entdeckt, was angesichts einer Zahl von 38 Milliarden umlaufender Münzen ein verschwindend geringer Anteil ist.

4. Der Bürger und der Euro [2]

[2] Die in den Abschnitten 4.1.-4.5 verwendeten Daten sind dem letzten Eurobarometer (Flash EB 139, Bd. AB, November 2002) entnommen.

4.1. Die Wahrnehmung des Euro in der Öffentlichkeit

Bei der Eurobarometer-Umfrage vom November 2002, bei der 1200 Personen befragt wurden, gab die Mehrheit (51,5 %) der Befragten im Eurogebiet an, nicht die geringsten Schwierigkeiten mit der Verwendung des Euro zu haben. Diese Zustimmung reicht von 71,7 % in Irland bis zu 36,5 % in Frankreich. Nur 9,5 % der Befragten gab an, große Schwierigkeiten zu haben (einen nach Ländern aufgeschlüsselten Überblick liefert das folgende Schaubild). Bei den Männern ist der Anteil derjenigen, die nicht die geringsten Schwierigkeiten empfinden, mit 57 % höher als bei den Frauen (46,4 %). Umgekehrt geben mehr Frauen (nämlich 11,8 % gegenüber 7,0 % bei den Männern) an, große Schwierigkeiten mit der Verwendung des Euro zu haben.

Frage: Bereitet Ihnen der Euro gegenwärtig noch große Probleme, gewisse Probleme oder gar keine Probleme mehr?

Schaubild 5

>VERWEIS AUF EIN SCHAUBILD>

4.2. In Euro rechnen

Im November 2002 gaben 42,2 % der Befragten an, beim täglichen Einkauf hauptsächlich in Euro zu rechnen, während 32,4 % nach wie vor zumeist in nationaler Währung rechnen. In dieser Hinsicht am weitesten fortgeschritten scheinen die Iren, von denen 85,5 % angeben, ihre Entscheidungen in den meisten Fällen auf Berechnungen in Euro zu stützen. Bei größeren Anschaffungen ist dieser Anteil jedoch deutlich geringer. Bei teuren Anschaffungen, wie einem Haus oder einem Auto, rechnen nur 12,5 % meistens in Euro. Auch hier liegt der irische Wert (43,1 %) am weitesten über dem Durchschnitt.

Frage: Wenn Sie heute einkaufen gehen, rechnen sie dann häufiger in Euro, häufiger in ihrer alten Landeswährung oder ebenso oft in Euro wie in Landeswährung? (am häufigsten in Euro in %).

Schaubild 6

>VERWEIS AUF EIN SCHAUBILD>

4.3. Doppelte Preisauszeichnung

Die doppelte Preisauszeichnung hat es den Verbrauchern ermöglicht, die Umrechnung zu kontrollieren, und so den Übergang zum Euro wesentlich erleichtert. Im November gab eine knappe Mehrheit der Befragten (50,6 %) an, keine doppelte Preisauszeichnung mehr zu wollen. Für eine Beibehaltung sprachen sich dagegen 47,2 % aus. Frauen optierten mit 50,9 % stärker für eine Beibehaltung als Männer (43,1 %). Die Weiterführung der doppelten Preisauszeichnung ist eine zweischneidige Angelegenheit. Auf der einen Seite erleichtert sie bestimmten Bürgern die Anpassung an den Euro, auf der anderen Seite behindert sie aber auch die innere Umstellung auf den Euro. In einigen Ländern könnte sie sich sogar als problematisch erweisen und zwar insbesondere dann, wenn der Umrechnungskurs die Verbraucher zu einer zu ungenauen Umrechnung verleiten könnte. In Übereinstimmung mit Eurocommerce empfiehlt die Kommission deshalb, sie allmählich auslaufen zu lassen und spätestens zum 30. Juni 2003 endgültig einzustellen. Diese Empfehlung gilt auch für die doppelte Betragsangabe auf Bankauszügen.

4.4. Zufriedenheit mit dem Euro

49,7% der Bürger des Eurogebiets geben an, "sehr" oder "ziemlich" zufrieden zu sein, dass der Euro ihre Währung wurde. 11,1% stehen der Euro-Einführung neutral gegenüber, während 38,7% nach eigenen Worten nicht sehr zufrieden oder überhaupt nicht zufrieden sind. In den Ländern des Eurogebiets ist die Zustimmung in Luxemburg am höchsten (84,2%) und in Deutschland am geringsten (27,8%). Wie sich die Situation in den einzelnen Ländern darstellt, ist nachstehendem Schaubild zu entnehmen.

Frage: Fühlen Sie sich sehr zufrieden oder ziemlich zufrieden, dass der Euro unsere Währung wurde?

Schaubild 7

>VERWEIS AUF EIN SCHAUBILD>

Aus den Fragen zur Verwendung der Banknoten und Münzen ergibt sich eine positivere Einstellung gegenüber dem Euro. Nach den letzten Eurobarometer-Umfrageergebnissen (Nov. 2002) ist die überwiegende Mehrheit der Europäer der Ansicht, dass die Euro-Banknoten und -Münzen ziemlich leicht oder sehr leicht zu unterscheiden und zu handhaben sind. Für über zwei Drittel (68,8%) ist die Handhabung der Euro-Münzen einfach. In Bezug auf die Banknoten ist der entsprechende Anteil sogar noch höher (92,8%). Dieses Bild wird ergänzt durch das positive Urteil, das die Bürger auf die Frage nach der Anzahl der verschiedenen Stückelungen abgeben. Die Mehrheit der Europäer (53,5%) hält die Anzahl der Stückelungen für genau richtig. Bezüglich der Banknoten ist die Zahl der positiven Antworten deutlich höher, denn 83,7% der Befragten halten die Anzahl der Stückelungen der neu in Umlauf gebrachten Banknoten für richtig.

Weil die nationalen Seiten der Münzen unterschiedlich gestaltet sind, kam es mit der Einführung der Euro-Münzen zu einer breiten Palette umlaufender Münzen. Insgesamt wurden 120 verschiedene Euro-Münzen in Umlauf gebracht. Durch diese Typenvielfalt entstand ein hohes Sammlerinteresse an den Euro-Münzen. 92,6% der Befragten geben an, mit den verschiedenen nationalen Münzseiten keine Probleme zu haben. Offenbar begrüßt somit die überwiegende Mehrheit der Münzverwender die unterschiedlichen nationalen Münzseiten und sieht darin einen Ausdruck der kulturellen Vielfalt.

4.5. Die Einführung des Euro-Bargelds begünstigt grenzübergreifenden Handel und Preistransparenz

Die Einführung der Euro-Banknoten und -Münzen trägt zur Integration der Märkte in der EU bei. Die einheitliche Währung führte nicht nur zum Wegfall des Wechselkursrisikos und der Transaktionskosten, sie beseitigte darüber hinaus ein psychologisches Hemmnis für den grenzüberschreitenden Handel, da die Preistransparenz den Preisvergleich erleichtert. Seit Einführung der Euro-Banknoten und -Münzen ist die Anzahl der Verbraucher, die gern Waren in einem anderen EU-Land einkaufen würden, um 12% gestiegen. Der Anteil der Personen, die sich durch die Euro-Einführung ermuntert sehen, im Ausland einzukaufen, liegt zwischen 31% in den Niederlanden und 6% in Dänemark. Offensichtlich sind die entsprechenden Zahlen in den kleineren Ländern, wie z.B. Österreich (27%), Luxemburg (22%) und Irland (22%), wo viele Menschen grenzübergreifende Einkäufe sehr positiv sehen, höher. Dagegen hat sich die Einstellung der Finnen (7%) nur sehr wenig verändert. Das relativ geringe Interesse der Briten (7%) und Dänen (6%) überrascht nicht, da der Euro in diesen Ländern nicht eingeführt worden ist.

Frage: Sind Sie nach erfolgter Euro-Einführung stärker daran interessiert, Ihre Waren im Ausland zu kaufen / den Auslandsabsatz ihrer Produkte zu fördern? (JA-Stimmen in %)

Schaubild 8

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Die Einstellung der Unternehmen hat sich sogar noch stärker verändert. Im Schnitt geben 32% der Unternehmen in den EU-15 an, dass sie nach der Einführung der Euro-Banknoten und -Münzen stärker als zuvor daran interessiert sind, ihre Waren im Ausland abzusetzen. Diesbezüglich nehmen die portugiesischen Unternehmer den ersten Platz ein; 57% von ihnen sind nun stärker als zuvor an der Förderung des grenzüberschreitenden Absatzes ihrer Produkte interessiert, gefolgt von den irischen (50%), schwedischen (48%) und österreichischen Unternehmen (47%). Die Unternehmen aus Großbritannien (16%), Dänemark (15%) und Finnland (8%) finden sich am Ende der Skala.

5. Die Auswirkung der Euro-Umstellung auf die Inflation

In den meisten Ländern haben die vermeintlichen Auswirkungen der Bargeldumstellung auf die Preise in der Öffentlichkeit Besorgnis hervorgerufen. Dieser Abschnitt gelangt - gestützt auf die entsprechenden Belege - zu der Schlussfolgerung, dass es nach den verfügbaren offiziellen Daten in einigen Sektoren tatsächlich zu Preissteigerungen gekommen ist. Unter dem Strich ist die Rückwirkung der Euro-Bargeldumstellung auf die Verbraucherpreisinflation jedoch recht gering.

Gleichzeitig sei daran erinnert, dass sich die Euro-Einführung mittel- bis langfristig grundsätzlich vorteilhaft auf die Preisentwicklung auswirken wird. Durch den Euro wird es nämlich leichter, Preisvergleiche innerhalb des Eurogebiets anzustellen. Diese verbesserte Preistransparenz führt zu einem besseren Funktionieren des Binnenmarkts und zu mehr Wettbewerb, und damit letzten Endes zu mehr wirtschaftlicher Effizienz und niedrigeren Verbraucherpreisen.

5.1. Entwicklung der Verbraucherpreise im Eurogebiet

Nachdem die Verbraucherpreise im Eurogebiet gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) mit einer Jahresrate von 3,3% im Mai 2001 ihren höchsten Stand erreicht hatten, entwickelten sie sich bis zum Jahresende rückläufig (Schaubild 9). Im Januar 2002, als im Eurogebiet die Euro-Banknoten und -Münzen eingeführt wurden, nahm die HVPI-Inflation insgesamt - mit einem Anstieg von 2,0% im Dezember 2001 auf 2,7% im Januar 2002 - eine beeindruckende Aufwärtsentwicklung. Danach entwickelte sie sich allmählich wieder zurück und lag im Juni bei 1,8%, der niedrigsten Rate seit mehr als 2 ½ Jahren.

Schaubild 9

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5.2. Mögliche Auswirkung der Euro-Umstellung auf die Inflation

Eurostat hat im laufenden Jahr drei Schätzungen zu den Rückwirkungen der Euro-Bargeldumstellung auf die Inflation veröffentlicht. [3] Aus den beiden ersten Untersuchungen wurde deutlich, dass sich der beobachtete Inflationsanstieg bei den meisten Produkten durch einen normalen Inflationsverlauf und einige eurounabhängigen Sonderfaktoren erklären lässt, wie die schlechten Witterungsverhältnissen, die Obst und Gemüse verteuerten, die höheren Energiepreise, die gestiegenen administrierten Preise sowie deutliche Steuererhöhungen bei Tabak. Somit hat sich die Einführung der Euro-Banknoten und -Münzen nur mit 0-0,16 Prozentpunkten (PP) ausgewirkt.

[3] Siehe die Anlagen zu den Pressemitteilungen von Eurostat Nr. 23/2002 (28. Februar 2002), Nr. 58/2002 (16. Mai 2002) und Nr. 84/2002 (17. Juli 2002).

In seiner jüngsten Analyse hat Eurostat die möglichen inflationären Auswirkungen der Währungsumstellung im Eurogebiet geringfügig auf 0-0,20 PP revidiert. Auch wenn diese Untersuchungen nicht immer auf identischen Methoden oder Stichproben beruhen, so finden sich die von Eurostat vorgelegten Ergebnisse in vielen Studien, welche von den nationalen statistischen Ämtern und/oder nationalen Zentralbanken auf Ebene der Mitgliedstaaten erstellt worden sind, tendenziell bestätigt.

Aus den meisten dieser Studien geht jedoch auch hervor, dass die Preise im Dienstleistungssektor, insbesondere bei den Fremdenverkehrsdienstleistungen (Hotels, Beherbergungsdienstleistungen) sowie bei den kleineren Dienstleistungen für Privathaushalte (Reparaturen, Frisöre etc.) und bestimmten häufig gekauften Niedrigpreiswaren (Zeitungen und Zeitschriften), stärker gestiegen sind. So beträgt beispielsweise der im Sektor Cafés und Restaurants zu verzeichnende Preisanstieg 4,3% (im Jahresvergleich) und ist damit fast doppelt so hoch wie der am HVPI gemessene allgemeine Preisauftrieb.

Dass sich die Euro-Einführung nicht nennenswert auf die Gesamtinflation ausgewirkt hat, lässt sich außerdem anhand eines Vergleichs der Entwicklung belegen, die die Preisindizes im Eurogebiet bzw. in den Mitgliedstaaten außerhalb des Eurogebiets genommen haben. [4] Die Entwicklungen sind recht ähnlich (Schaubild 10) und bestätigen somit die begrenzte Auswirkung der Euro-Bargeldumstellung.

[4] Dieser Vergleich kann nur eine grobe Annäherung darstellen, da er unter statistischen Gesichtspunkten Nachteile aufweist. Beispielsweise könnte eine Gesamtheit verschiedener Elemente, die nichts mit der Euro-Einführung zu tun haben, in den verschiedenen Ländern zu einer vorgegebenen Entwicklung führen.

Schaubild 10

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5.3. Diskrepanz zwischen "gefühlter" und tatsächlicher Inflation

Viele Verbraucher assoziieren die Umstellung auf den Euro mit einer Erhöhung der Preise. In den Medien wurde ausführlich über Einzelfälle berichtet, in denen die Euro-Einführung zur Preistreiberei genutzt wurde, was zu dem Eindruck beitrug, dass sich der Preisanstieg durch die Euro-Bargeldumstellung verstärkt habe.

Die deutsche Bundesregierung beraumte eine Sitzung mit den Einzelhandels- und Verbraucherverbänden an, um sich mit dieser Angelegenheit (die in Deutschland auch unter dem Stichwort "Teuro-Debatte" diskutiert wird) auseinander zu setzen. In Griechenland und Italien organisierten die Verbraucherverbände landesweite "Euro-Streiks", und in Frankreich und den Niederlanden wurde scharfe Kritik an den amtlichen Preisindizes geübt.

Die aktuelle Einstellung der Öffentlichkeit zum Euro wurde in der Eurobarometer-Umfrage vom November 2002 deutlich. [5] Während 84,4% der Befragten im Eurogebiet der Ansicht waren, die Preise seien eher zum Nachteil der Verbraucher umgerechnet worden, hielten sich Preiserhöhungen und -senkungen nach Meinung von 10,9% die Waage. Nur 2,7% vertraten die gegenteilige Ansicht, dass die Preise zum Vorteil des Verbrauchers abgerundet worden seien.

[5] Flash Eurobarometer 139, November 2002.

Schaubild 11

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Über die Hälfte der Befragten vertraten die Meinung, in kleinen Lebensmittelgeschäften (80%), im Dienstleistungsbereich (80%), in Cafés und Restaurants (85%), bei den öffentlichen Verkehrsmitteln (55%), den Freizeitaktivitäten (Kino, Schwimmbäder etc.), den Verkaufsautomaten (62%) und den Bankgebühren (53%) seien die Preise stets aufgerundet worden.

Aus den Antworten auf die im Rahmen der Verbraucherumfrage der EU gestellten Frage zur jüngsten Preisentwicklung im Eurogebiet wird klar ersichtlich, welche Diskrepanz seit der Bargeldumstellung zwischen "gefühlter" und tatsächlicher Inflation besteht. [6] Wie Schaubild 12 verdeutlicht, hat dieser Indikator die tatsächliche Inflation in der Vergangenheit recht gut nachgezeichnet, ist jedoch seit Anfang 2002 auf ein bis dahin unerreichtes Niveau angestiegen, obgleich die tatsächliche Inflation zurückgegangen ist

[6] "Quarterly Report on the Euro Area", Kommissionsdienststellen, Ausgaben vom Juli und September 2002; EZB "Monatsbericht", Juli und Oktober 2002.

Schaubild 12

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Für die divergierende Entwicklung der tatsächlichen und der "gefühlten" Inflation gibt es verschiedene Erklärungen. Die plausibelste ist die, dass sich die Verbraucher bei der Einschätzung des allgemeinen Preisauftriebs von der Preisentwicklung bei den häufig erworbenen Waren und Dienstleistungen leiten lassen. [7] Offenbar sind nach der Euro-Einführung gerade bei diesen Waren und Dienstleistungen ungewöhnlich starke Preiserhöhungen festzustellen (z.B. Cafés und Restaurants, Reparaturen, Frisöre, Zeitungen und Zeitschriften etc.). Dagegen sind die Preise anderer seltener gekaufter Waren und Dienstleistungen weniger stark gestiegen, bzw. im Falle von Computern, Fotoausrüstungen oder Aufnahmegeräten sogar gefallen. Bei einem umfassenden Messkonzept wie dem HVPI können sogar ungewöhnlich starke Preiserhöhungen in einigen Produktkategorien durch geringere Preiserhöhungen oder Preissenkungen in anderen Kategorien ausgeglichen werden, die ein höheres Gewicht haben, jedoch von den Verbrauchern seltener gekauft werden.

[7] Siehe beispielsweise J. Walschots (2002) "Why does inflation feel so high?", CBS Webmagazine, 10. Juni 2002. http:// www.cbs.nl.

Eine zweite Erklärung für den Eindruck, dass sich die Preise im Zusammenhang mit der Euro-Einführung erhöht haben, könnte aus dem sogenannten "Menükostenansatz" abgeleitet werden. Die Tatsache, dass eine Preisänderung mit fixen Kosten verbunden ist, könnte einen höheren als den üblichen Prozentsatz der Unternehmen dazu bewogen haben, ihre Preise zur Jahreswende neu festzusetzen. Dass bei den relativen Preisen weitaus mehr Anpassungen vorgenommen wurden als üblich, trägt zu der verzerrten Einschätzung der mit der Euro-Einführung verbundenen inflationären Auswirkungen seitens der Verbraucher bei. Für diese Erklärung gibt es verschiedene Belege. So stellten beispielsweise in Deutschland die Preisbeobachter bei dem Standardwarenkorb der von den privaten Haushalten während der ersten Monate der Euro-Einführung konsumierten Güter und Dienstleistungen weitaus mehr Preisanpassungen als üblich fest. [8] Wenn diese Preisanpassungen Rundungen nach oben beinhalteten und sich auf die Produkte bezogen, an denen die Verbraucher ihren Eindruck festmachen, so ist die Diskrepanz zwischen tatsächlicher und "gefühlter" Inflation nicht überraschend.

[8] Deutsche Bundesbank, Monatsbericht, März 2002.

6. Überblick nach wirtschaftszweigen

6.1. Die Kreditwirtschaft

Der Banksektor meldet geringfügige Änderungen des Kunden- und Verbraucherverhaltens, die insbesondere bei der Bargeldverwendung und der Wahl der Zahlungsmittel zum Ausdruck kommen.

6.1.1. Die Wahl der Zahlungsmittel

Die Einführung des Euro scheint das Verhalten des Durchschnittskunden in bezug auf die Wahl des Zahlungsmittels leicht beeinflusst zu haben. Den vorliegenden Informationen zufolge hat die Nutzung der unbaren Zahlungsmittel 2002 zugenommen. So ist in Italien die Verwendung von Debitkarten um 30%, die von Kreditkarten um 15% gestiegen. Aus Finnland liegen ähnliche Zahlen vor: Ein Anstieg zwischen 15 und 20% bei Kredit- und Debitkarten-Zahlungen. Auch in Belgien sind unbare Zahlungen mithilfe von Debitkarten um 17% gestiegen [9]. Während Zahlungen mittels Kreditkarten im gleichen Zeitraum um 2% angestiegen sind, ist beim Laden elektronischer Geldbörsen ein Anstieg um 120% zu verzeichnen [10]. Ähnliche Ergebnisse liegen aus Österreich vor, wo die unbaren Zahlungen um 15% angestiegen sind.

[9] Die Zahlen beziehen sich auf Bancontact/MisterCash-Transaktionen.

[10] Die Zahlen beziehen sich auf Zahlungen mit der elektronischen Geldbörse "Proton".

Die vorgenannten Zahlen beziehen sich auf die jüngsten Entwicklungen im Jahr 2002. Allerdings lässt sich nicht eindeutig feststellen, welche Veränderungen tatsächlich im direkten Zusammenhang mit der Euro-Einführung stehen. Denn man darf nicht vergessen, dass die Wahl der Zahlungsmittel durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird. Dazu gehören Kampagnen für den bargeldlosen Zahlungsverkehr ebenso wie die Einführung moderner Automaten, welche Kreditkarten, Debitkarten oder elektronische Geldbörsen annehmen. Durch den Wegfall der Eurocheque-Garantie seit Ende 2001 und die Tatsache, dass die Banken in einigen Mitgliedstaaten keine Schecks mehr ausstellen, ist die Verwendung von Schecks in den meisten Ländern des Euro-Gebiets auf ein Minimum geschrumpft. Auch dies könnte die Nutzung anderer Zahlungsmittel gefördert haben. Hinzu kommt, dass bereits vor der Einführung des Euro ein Trend zu einer stärkeren Verwendung unbarer Zahlungsmittel zu erkennen war.

6.1.2. Barabhebungen an Geldausgabeautomaten

Nach den vorliegenden Informationen ist zumindest in einigen Ländern ein Anstieg der an Geldautomaten abgehobenen Durchschnittsbeträge zu verzeichnen. In Deutschland beispielsweise sind die mit Kredit- und Debitkarten des Maestro Systems abgehobenen Beträge um durchschnittlich 12,4% angestiegen. Ähnliche Zahlen liegen von den italienischen Banken vor, wo der Durchschnittsbetrag um 10 bis 20% angestiegen ist. Eine große belgische Bank meldet einen Anstieg um 9%. Auch die Zahlen aus Frankreich, Österreich und den Niederlanden deuten auf einen leichten Anstieg hin. Eine Erklärung dieses möglicherweise nicht im gesamten Eurogebiet einheitlichen Wandels liegt in der Auf- oder Abrundung der Beträge: Betrug der in Österreich abgehobene Durchschnittsbetrag vorher 1.000 S - (72,67 EUR), so könnte er heute entweder 50 EUR- (688,02 S) oder 100 EUR- (1.376,03 S) betragen. Bei diesem Beispiel hätte das Ab- bzw. Aufrunden einen Rückgang um 31,2% oder einen Anstieg um 37,6% zur Folge.

Bei den grenzüberschreitenden Barabhebungen an Geldautomaten bietet sich ein vielfältiges Bild: Während in Deutschland und Belgien ein leichter Anstieg zu verzeichnen ist, meldet Mastercard Europe [11] einen Rückgang der grenzüberschreitenden Barabhebungen an Geldautomaten. Den österreichischen öffentlichen Banken zufolge sind Barabhebungen an Geldautomaten durch Ausländer in Österreich um 30% zurückgegangen. Das Verhalten der Österreicher im Ausland hingegen ist unverändert. Dieses uneinheitliche Bild ist nicht überraschend und lässt sich damit erklären, dass die europäischen Bürger dank der Währungsunion Bargeld mit ins Ausland nehmen dürfen. Ob ein Anreiz besteht, mehr Bargeld zu Hause oder im Ausland abzuheben, ist also von der Höhe der zu entrichtenden Gebühr abhängig, d.h., dass es Anreize sowohl für mehr als auch für weniger grenzüberschreitende Barabhebungen an Geldautomaten gibt. Diese Auswirkungen der Währungsumstellung könnten sich letztlich die Waage halten. Darüber hinaus ist am 1. Juli 2002 die EU-Verordnung betreffend grenzüberschreitende Zahlungen in Kraft getreten, nach der für grenzüberschreitende und inländische Barabhebungen die gleichen Gebühren zu entrichten sind. Vor dem 1. Juli waren im Euro-Gebiet durchschnittlich Gebühren in Höhe von 4 EUR pro Überweisung zu zahlen. Verbrauchern, die für Abhebungen "zu Hause" keine Gebühren zahlen, bietet sich jetzt ein weiterer Anreiz, Bargeld im Ausland abzuheben. Verbraucher, die z.B. für inländische Abhebungen an Geldautomaten, die nicht zu ihrer Bank gehören, Gebühren entrichten müssen, werden für grenzüberschreitende Abhebungen die gleichen Gebühren zu zahlen haben. Allerdings könnten sie es dennoch vorziehen, nicht mehr Abhebungen im Ausland vorzunehmen als vorher. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt lässt sich noch nicht sagen, ob diese Maßnahme zu einer Zunahme der grenzüberschreitenden Barabhebungen an Geldautomaten geführt hat oder nicht.

[11] Umfasst Mastercard- und Maestro-Debitkarten.

6.1.3. Doppelte Angabe der Geldbeträge

Um ihren Kunden die Umstellung auf den Euro zu erleichtern, haben die Banken insbesondere bei den Kontoauszügen von der doppelten Angabe der Geldbeträge Gebrauch gemacht. Zahlreiche Banken haben die doppelte Angabe 2002 als Kundenservice beibehalten; einige erwägen sogar, diesen Service auch 2003 anzubieten. In einigen Fällen haben sich die Banken noch nicht entschieden, wann sie die doppelte Angabe der Beträge auslaufen lassen werden.

6.2. Der Handel

Die Vorhersage, dass die europäischen Verbraucher darauf "brennen würden", die neuen Euro-Geldscheine und -Münzen in den Händen zu halten und ihr "altes" Bargeld auszugeben, hat sich bestätigt. Dies führte zum Jahresanfang zu einer Zunahme der Barzahlungen. Nachdem sich die Lage nach dem ersten Ansturm beruhigt hatte, änderte sich das Kundenverhalten, und den Angaben des Handels zufolge hat der Anteil der bargeldlosen Zahlungen mittlerweile zugenommen.

Die doppelte Preisauszeichnung sowohl in der Phase des Parallelumlaufs als auch in der Zeit danach hat den Verbrauchern die Währungsumstellung stark erleichtert. Es war gemeinhin geplant gewesen, die doppelte Preisauszeichnung bis zum zweiten Quartal 2002 beizubehalten, doch da zahlreiche Verbraucher diesen Extra-Service besonders schätzen, haben viele Händler beschlossen, die doppelte Preisauszeichnung bis Ende 2002 beizubehalten, was von einigen als Wettbewerbsinstrument angesehen wird. Einige Händler haben ihren Angaben zufolge noch nicht festgelegt, zu welchem Zeitpunkt sie die doppelte Preisauszeichnung beenden werden; wenigstens für Gesamtbeträge auf Rechnungen soll sie in 2003 beibehalten werden (s. Pkt. 4.3.).

6.3. Der Geldtransportsektors

Der Geldtransportsektor hat bei der Einführung der Euro-Geldscheine und -Münzen eine wichtige Rolle gespielt. Die für das Zählen und Sortieren des Bargelds zuständigen Stellen waren vor allem wegen des raschen Rückflusses des "alten" Bargelds mehrere Monate lang unter starkem Druck. Jetzt, wo alle Länder des Eurogebiets die gleiche Währung haben, ist die Schwierigkeit, den grenzüberschreitenden Geldtransport zu gewährleisten, deutlicher zu erkennen als vorher. Da die Regelungen für den Geldtransport in den Ländern des Eurogebiets noch nicht harmonisiert sind und somit unterschiedliche Bestimmungen gelten, ist die Durchführung derartiger Transporte so gut wie unmöglich.

6.4. Die Automatenwirtschaft

Obwohl die Automatenwirtschaft sich bemüht hat, zur Vermeidung von Einkommensverlusten ihre Automaten möglichst früh auf die neue Währung umzustellen, melden einige Automatenbetreiber Einkommenseinbußen von bis zu 20% zu Jahresanfang [12].

[12] Die Zahlen in diesem Abschnitt stützen sich auf eine Umfrage, die in fünf Ländern des Euro-Gebiets (Deutschland, Frankreich, Irland, Italien und die Niederlande) durchgeführt wurde; diese fünf Länder decken 80% des Automatenmarktes ab.

Die Umrüstung münzbetätigter Automaten, die den Großteil der Automaten ausmachen (85-95% in einigen Ländern), stellte die größte Herausforderung dar. Im Vergleich dazu war die Umrüstung von Automaten, die mit Karten oder Metallmarken betrieben werden, und bei denen lediglich eine Neuprogrammierung und eine neue Preisauszeichnung erforderlich waren, mit einem relativ geringen Aufwand verbunden. Viele Automatenbetreiber nutzten die Einführung des Euro-Bargelds, um ihre elektronischen Münzprüfer auszutauschen. In Frankreich und Deutschland beispielsweise wurden 90% bzw. 70% der Münzprüfer ersetzt. Die verbleibenden Münzprüfer mussten umgerüstet werden. In Irland wurden 50%, in Italien 25% der Münzprüfer ersetzt. Der Austausch der alten Münzprüfer kann als Zukunftsinvestition angesehen werden, da dadurch die "Fähigkeit" der Geräte erhöht wird, Geldscheine und Münzen zu erkennen (insbesondere die neuen Sicherheitsmerkmale) und sie somit zur Betrugsprävention beitragen können. Andererseits stellt die Anschaffung neuer Münzprüfer eine beträchtliche Investition dar, die zwischen 375 und 600 EUR pro Automat liegt. Im Vergleich dazu sind die Kosten für den Einbau eines bargeldlosen Systems niedriger: Sie liegen bei durchschnittlich 400 EUR.

In den Mitgliedstaaten, in denen die Nutzung der elektronischen Geldbörse gebräuchlich ist (Belgien, Luxemburg, die Niederlande), sind zahlreiche Automaten, die vorher Münzen angenommen haben, auf das System der elektronischen Geldbörse umgerüstet worden. Dabei verursachte insbesondere die rasche Umstellung von Parkuhren Probleme für Bürger und Touristen, da diese in der Regel nicht über die elektronische Geldbörse des Landes verfügen, in dem sie sich befinden.

Wie die Automatenwirtschaft betont, sind die Euro-Münzen in ausreichender Quantität verfügbar und qualitativ gut. Dies bestätigt, dass die Euro-Münzen, d.h. die Münzen aus den verschiedenen Ländern des Euro-Gebiets, den steigenden Anforderungen der Münzprüfer moderner Automaten genügen. In der Regel nehmen Automaten alle Münzen außer den 1-Cent- und 2-Cent-Münzen an. Bei der Preisbildung werden üblicherweise die Vielfachen von fünf Cent zugrundegelegt. Bei den im Zuge der Euro-Einführung vorgenommenen Preisänderungen bietet sich ein vielfältiges Bild: Um ,runde" Preise beibehalten zu können, wurden die Preise entweder auf- oder abgerundet.

7. Die Bedeutung des Euro-Bargelds außerhalb des Euro-Gebiets

In diesem Abschnitt wird untersucht, in welchem Umfang die Euro-Geldscheine und -Münzen außerhalb des Euro-Gebiets bereits im Umlauf sind und verwendet werden. Den Angaben zufolge hat die Verwendung des Euro in den europäischen Ländern, die nicht dem Euro-Gebiet angehören, zugenommen. In anderen Kontinenten ist die Verwendung meist auf touristisch erschlossene Gebiete beschränkt.

In diesem Zusammenhang kommt auch dem Verhalten der europäischen Reisenden eine wichtige Rolle zu. Der jüngsten Eurobarometer-Umfrage zufolge nahmen 53% der Reisenden aus dem Euro-Gebiet für Reisen in Gebiete außerhalb des Euro-Gebiets Euro-Bargeld mit; denen stehen 16% der Reisenden gegenüber, die für den gleichen Zweck US $ mitnahmen.

7.1. Die Lage in den drei Mitgliedstaaten, die nicht dem Euro-Gebiet angehören

Die drei Mitgliedstaaten, die dem Euro-Gebiet nicht angehören, haben die Einführung der Euro-Geldscheine und -Münzen aufmerksam verfolgt. Einer Umfrage vom September 2002 zufolge ist die Mehrheit der Bürger in diesen drei Ländern gut oder sehr gut über den Euro informiert (68% in Dänemark, 56% in Schweden und 53% im VK). Während der größte Teil der Bevölkerung bereits Euro-Geldscheine und -Münzen in den Händen gehalten hat (55% in Dänemark, 56% in Schweden und 55% im VK), haben viele Befragte in Euro ausgezeichnete Waren in ihrem Land bemerkt (47% der Befragten in Dänemark, 37% in Schweden und 38% im VK). Die große Mehrheit der Bürger dieser drei Länder ist sich bewusst, dass der Euro Preisvergleiche zwischen den Ländern stark erleichtert.

In Dänemark ist eine große Bereitschaft, Euro-Bargeld anzunehmen, zu beobachten [13]. Im September 2002 waren 83% der dänischen Geschäftsleute bereit, Euro-Bargeld von Touristen anzunehmen, 72% akzeptierten Euro-Bargeld auch von Dänen. 15% derer, die Euro annehmen, informieren ihre Kunden durch entsprechende Hinweise, und 35% geben den Gesamtbetrag neben der dänischen Krone auch in Euro an. Während 13% der dänischen Geschäftsleute, die den Euro akzeptieren, zumindest einen Teil ihres Sortiments in dänischer Krone und in Euro ausgezeichnet haben, geben 12% das Wechselgeld in Euro heraus.

[13] Den Zahlen in diesem Absatz liegt eine Umfrage der 'Danish Commerce & Services' zugrunde.

In Schweden wird der Euro in zahlreichen Geschäften, Hotels und Restaurants - nicht nur in größeren Städten und Touristikorten - akzeptiert. Dies ist umso bemerkenswerter, als die nationalen europäischen Währungen vorher nicht angenommen worden waren. Allerdings akzeptieren die meisten Geschäftsleute lediglich Euro-Geldscheine und geben das Wechselgeld in schwedischer Krone heraus. In den Orten an der Grenze zu Finnland wird der Euro stärker verwendet. Die tief im Norden des Landes gelegene Stadt Haparanda, die in der Nähe der finnischen Stadt Tornio, aber sehr weit von den schwedischen Siedlungen entfernt liegt, nimmt eine Sonderposition ein. Haparanda ist so gut wie auf den Euro umgestiegen. Der Euro ist zum gängigen Zahlungsmittel geworden, sämtliche Preise sind in Euro angegeben. Sogar die Zahlen im Haushaltsplan der Stadt für 2002 waren - neben der schwedischen Krone - bereits in Euro angegeben. Der schwedische Handelsverband setzt sich stark für eine größere Akzeptanz des Euro in Geschäften ein und fordert die Geschäftsleute auf, in ihren Geschäften einen Aufkleber mit dem Wortlaut 'Wir akzeptieren Euro' anzubringen. Am 14. September 2003 wird in einem Referendum über die Einführung des Euro in Schweden entschieden werden.

Auch im Vereinigten Königreich, insbesondere in London und einigen Touristikgebieten, wird der Euro als Zahlungsmittel angenommen. Das Wechselgeld wird in der Regel in britischem Pfund herausgegeben. Gelegentlich findet man auch doppelte Preis auszeichnungen. 74% der Briten haben erkannt, dass eine gemeinsame Währung Preis vergleiche erleichtert. Für 83% der Bevölkerung war die Einführung des Euro in zwölf Mitgliedstaaten der EU ein historisches Ereignis.

7.2. Die Lage in den Beitrittsländern

Die Einführung des Euro-Bargelds ist nicht ohne Auswirkungen auf die Beitrittsländer geblieben. Da diese Länder in Nähe zum Euro-Gebiet liegen, wurde die Euro-Einführung von den Medien mit Interesse verfolgt. Die ohnehin sehr rezeptive öffentliche Meinung beobachtet das Geschehen genau, weil diese Länder nach ihrem Beitritt längerfristig auch einen Beitritt zum Euro-Gebiet beabsichtigen.

In den Beitrittsländern kann man Euro problemlos in den Banken erhalten und in die Landeswährung umtauschen. In den meisten Ländern ist es möglich, mit Euro in Geschäften, Hotels und Restaurants zu bezahlen, ohne dass zwangsläufig eine Gebühr erhoben wird. In Touristenorten sind Waren und Dienstleistungen neben der Landeswährung auch in Euro ausgezeichnet. In Bulgarien und der Türkei ist die Verwendung des Euro stärker verbreitet - in manchen Teilen so weit, dass der Euro gemeinsam mit dem US $ fast als Parallelwährung betrachtet werden kann.

7.3. Der Euro in der Welt [14]

[14] Die Angaben in diesem Abschnitt stammen aus einem Fragebogen zur Rolle und Akzeptanz der neuen Währung in Ländern außerhalb des Euro-Gebiets, den die Delegationen der Europäischen Union beantwortet haben.

7.3.1. Andere Teile Europas

Die Gemeinschaft hat in der Vergangenheit Währungsvereinbarungen mit Monaco, San Marino und Vatikanstadt geschlossen, wonach der Euro die Landeswährung dieser Länder ist und den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels besitzt. Diesen Vereinbarungen zufolge dürfen die genannten Länder bestimmte Mengen an Euro-Münzen emittieren, die im gesamten Euro-Gebiet den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels haben. Allerdings dürfen sie keine Euro- (oder andere) Geldscheine herausgeben. In Andorra, das nicht über eine eigene Währung verfügt, ist der Euro an die Stelle des französischen Franc und der spanischen Peseta, die vorher parallel nebeneinander benutzt wurden, getreten.

Der Euro wird auch im Kosovo und in Montenegro, die beide zur Bundesrepublik Jugoslawien gehören, de fakto verwendet. Im unter UN-Verwaltung stehenden Kosovo wurden die Verwendung und der Besitz von Fremdwährung im September 1999 legalisiert. Die Wirtschaft dieser Region basierte weitgehend auf Bargeld und war vor 2002 stark von der Deutschen Mark abhängig. Anfang 2002 führte die Bank- und Zahlungsverkehrsbehörde des Kosovo (BPK) zur Erleichterung der Währungsumstellung Euro-Geldscheine im Wert von 413,3 Millionen Euro und Euro-Münzen im Wert von 5,5 Millionen Euro ein; Privatbanken des Kosovo importierten weitere 142 Millionen Euro. Die BPK unternahm besondere Anstrengungen, um die Währungsumstellung in den serbischen Enklaven im Kosovo zu erleichtern. In diesen Enklaven wird der jugoslawische Dinar weiterhin als Zahlungsmittel verwendet. Eine positive Nebenwirkung der Euro-Umstellung war die Stärkung des Banksystems, da zahlreiche Bürger ihr Geld während der Währungsumstellung auf Bankkonten eingezahlt haben. Auch in Montenegro hat der Euro die Deutsche Mark ersetzt, die 1999 als Zahlungsmittel eingeführt worden war. Im Gegensatz zum Kosovo besitzt der Euro dort den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels.

In den übrigen europäischen Ländern spielt der Euro sogar eine wichtigere Rolle als die frühere DM, die als Zahlungsmittel mittlerweile überall vom Euro ersetzt worden ist. Man kann sich in diesen Ländern problemlos Euro-Bargeld beschaffen und in die Landeswährung umtauschen. In der Regel wird der Euro in Geschäften, Hotels und Restaurants gebührenfrei oder gegen eine geringe Gebühr als Zahlungsmittel akzeptiert. In vielen Ländern, insbesondere in den Balkan-Ländern und im östlichen Europa, wird der Euro neben dem US $ für Transaktionen verwendet; beide Währungen haben den Status von Parallelwährungen. Folglich sind die Preise von Waren und Dienstleistungen vor allem in Touristikorten auch in Euro angegeben.

7.3.2. Afrika

Aufgrund der engen historischen Beziehungen zwischen einigen Ländern Afrikas und einigen europäischen Ländern hat der Marktanteil des Euro bei internationalen Transaktionen insbesondere in den Ländern, deren Landeswährung über ein festes Wechselkurssystem an den Euro gebunden ist, beträchtliche Ausmaße. Dies ist in allen Ländern des CFA-Raums der Fall, d.h. den Ländern der Central African Economic and Monetary Union (CEMAC) und den Ländern der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (WAEMU) sowie in Kap Verde. In diesen Ländern ist das öffentliche Interesse an eurobezogenen Themen größer als in den anderen Ländern.

Die Währungsumstellung an sich hat kaum Auswirkungen auf Afrika gehabt. So ist es in Afrika nicht ohne weiteres möglich, an Euro-Bargeld zu kommen oder Euro in die Landeswährung umzutauschen. Dies ist um so schwieriger, seitdem einige Länder Devisenbeschränkungen eingeführt haben. In der Regel sind Euro-Geldscheine und -Münzen nur in großen Banken und Flughäfen erhältlich, und dies auch nicht so leicht wie US $. In den meisten Ländern kann man aber mit Euro bezahlen. Die doppelte Preisangabe gibt es nur in den Touristikgebieten einiger afrikanischer Länder wie Kamerun und Ägypten.

Die im Indischen Ozean gelegene Insel Réunion hat als französisches Überseedepartement den Euro offiziell eingeführt. Mayotte, eine weitere französische Insel im Indischen Ozean, hat den Status eines überseeischen Gebietes ("collectivité territoriale") und als solches den Euro ebenfalls offiziell eingeführt. Dieser hat den französischen Franc als gesetzliches Zahlungsmittel abgelöst.

7.3.3. Amerika

Der gesamte amerikanische Kontinent ist stark auf den US $ ausgerichtet. Daran hat sich auch nach der Einführung des Euro-Bargelds nichts geändert. In den meisten Ländern ist es nicht einmal problemlos möglich, Euro in die Landeswährung umzutauschen oder Euro in den Banken zu erhalten. Folglich wird der Euro auch nur in wenigen Fällen als Zahlungsmittel in Hotels oder Restaurants akzeptiert. Ausnahmen bilden die Dominikanische Republik, Cuba und Surinam, eine ehemals holländische Kolonie, in der Zahlungen in Euro normalerweise gegen eine Gebühr akzeptiert werden und die Preise in Touristikorten auch in Euro angegeben sind. Eine Erklärung für die besondere Situation in Surinam könnte das angrenzende Französisch-Guayana sein, das zu Frankreich gehört und deshalb den Euro als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt hat. Darüber hinaus wird der Euro in den französischen Überseedepartments Guadeloupe und Martinique verwendet, die geografisch gesehen zur Karibik gehören. Saint-Pierre und Miquelon, eine im Nordatlantik vor der kanadischen Küste gelegene Halbinsel mit dem Status einer französischen "collectivité territoriale", hat den Euro ebenfalls eingeführt.

7.3.4. Asien und Ozeanien

Die Einführung des Euro hatte nur sehr geringfügige Auswirkungen auf den Mittleren Osten. Euro-Bargeld ist mehr oder weniger leicht erhältlich, der Umtausch in die Landeswährung ist mehr oder weniger problematisch. In einigen Ländern kann der Euro als Zahlungsmittel in Geschäften, Hotels und Restaurants verwendet werden. In Israel wird der Euro gemeinhin akzeptiert. Obwohl seine Verwendung nicht offiziell erlaubt ist, wird er in den großen Touristikorten gebührenfrei oder gegen eine geringe Gebühr angenommen.

Im übrigen Asien waren die Auswirkungen der Euro-Umstellung spürbarer. In den meisten asiatischen Ländern kann man sich Euro-Bargeld besorgen und in die Landeswährung umtauschen, sofern es keine Devisenbeschränkungen gibt. In einigen Ländern (z.B. Thailand, Südkorea und Laos) wird der Euro in zahlreichen Geschäften, Restaurants und Hotels in der Regel gegen eine geringe Gebühr als Zahlungsmittel akzeptiert. Wenn auch nicht häufig, kann man in einigen asiatischen Ländern (z.B. in Thailand und auf den Philippinen), insbesondere in Touristikgebieten, die doppelte Preisauszeichnung finden. Wird neben der Landeswährung ein zweites Zahlungsmittel verwendet, so ist dies in der Regel der US $ oder die Währung eines Nachbarlandes. Da Asien hauptsächlich auf den US $ ausgerichtet ist, spielt der Euro als Zahlungsmittel keine große Rolle bei internationalen Transaktionen. Gleichwohl hat der Euro bei den Medien ein gewisses Interesse geweckt. Insbesondere in Japan wird der Wechselkurs mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.

Überall in Ozeanien kann man Euro-Bargeld in die Landeswährung umtauschen. In der Regel ist neben der Landeswährung keine Fremdwährung als Zahlungsmittel im Umlauf, und es ist nicht möglich, in Geschäften, Hotels und Restaurants mit Euro zu bezahlen. In den französischen Überseegebieten Neukaledonien und Französisch-Polynesien stellt sich die Lage etwas anders dar. Da in diesen Gebieten der CFP-Franc benutzt wird, der zu einer festen Parität an den Euro gebunden ist, besteht ein natürliches Interesse am Euro; in Hotels, Restaurants und Geschäften werden Euro-Zahlungen generell akzeptiert. Australier und Neuseeländer stehen dem Euro in der Regel positiv gegenüber; sie sehen in ihm eine Alternative zum US $ auf internationalen Märkten und damit die Möglichkeit, die Abhängigkeit ihrer Länder von der amerikanischen Währung zu verringern.

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