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Document 32013H0179

Title and reference
2013/179/EU: Empfehlung der Kommission vom 9. April 2013 für die Anwendung gemeinsamer Methoden zur Messung und Offenlegung der Umweltleistung von Produkten und Organisationen Text von Bedeutung für den EWR
  • In force
OJ L 124, 4.5.2013, p. 1–210 (BG, ES, CS, DA, DE, ET, EL, EN, FR, IT, LV, LT, HU, MT, NL, PL, PT, RO, SK, SL, FI, SV)

ELI: http://data.europa.eu/eli/reco/2013/179/oj
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Text

4.5.2013   

DE

Amtsblatt der Europäischen Union

L 124/1


EMPFEHLUNG DER KOMMISSION

vom 9. April 2013

für die Anwendung gemeinsamer Methoden zur Messung und Offenlegung der Umweltleistung von Produkten und Organisationen

(Text von Bedeutung für den EWR)

(2013/179/EU)

DIE EUROPÄISCHE KOMMISSION -

gestützt auf den Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union, insbesondere auf die Artikel 191 und 292,

in Erwägung nachstehender Gründe:

(1)

Zuverlässige und korrekte Messdaten und Informationen über die Umweltleistung von Produkten und Organisationen sind für umweltbezogene Entscheidungen vieler Wirtschaftsakteure ausschlaggebend.

(2)

Die derzeitige Wildwuchs an unterschiedlichen Methoden und Initiativen zur Bewertung und Offenlegung von Umweltleistungen ist irreführend und führt zu Misstrauen gegenüber Umweltleistungsdaten. Er kann zugleich zusätzlichen Kostenaufwand für die Wirtschaft bedeuten, wenn diese die Umweltleistung des betreffenden Produkts bzw. der betreffenden Organisation nach unterschiedlichen Methoden bewerten muss, die von Behörden, Geschäftspartnern, Privatinitiativen und Investoren vorgegeben werden. Derartige Kosten mindern die Chancen für einen grenzüberschreitenden Handel mit „grünen“ Produkten. Es besteht ein Risiko, dass diese Marktlücke für „grüne“ Produkte immer größer wird (1).

(3)

In ihrer Mitteilung an den Rat und das Europäische Parlament zum Thema „Integrierte Produktpolitik - Auf den ökologischen Lebenszyklus-Ansatz aufbauen“ (2) erkannte die Kommission, dass die Umweltauswirkungen eines Produkts während des gesamten Lebenszyklus unbedingt einheitlich behandelt werden müssen.

(4)

In seinen Schlussfolgerungen vom 20. Dezember 2010 (3) zum Thema „Nachhaltige Materialwirtschaft und Nachhaltigkeit in Produktion und Verbrauch: ein maßgeblicher Beitrag für ein ressourcenschonendes Europa“ forderte der Rat die Kommission auf, eine gemeinsame Methodik für die quantitative Bewertung der Umweltauswirkungen von Produkten während ihres gesamten Lebenszyklus zu entwickeln, um die Bewertung und Kennzeichnung von Produkten zu erleichtern.

(5)

In ihrer Mitteilung an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen zum Thema „Auf dem Weg zu einer Binnenmarktakte - Für eine in hohem Maße wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft. 50 Vorschläge, um gemeinsam besser zu arbeiten, zu unternehmen und Handel zu treiben“ (4) wies die Kommission darauf hin, dass Möglichkeiten zur Festlegung einer gemeinsamen europäischen Bewertungs- und Kennzeichnungsmethode für Produkte geprüft würden, um das Problem der ökologischen Auswirkungen von Produkten, einschließlich der CO2-Emissionen, anzugehen. Die Notwendigkeit einer solchen Initiative wurde in den beiden Binnenmarktakten (5) erneut bekräftigt.

(6)

In der Mitteilung „Eine Europäische Verbraucheragenda für mehr Vertrauen und mehr Wachstum“ wurde hervorgehoben, dass Verbraucher ein Recht darauf haben, über die Umweltbilanz eines Produkts, das sie kaufen möchten, während dessen gesamter Lebensdauer Bescheid zu wissen, und dass ihnen dabei geholfen werden sollte, sich für wirklich nachhaltige Produkte zu entscheiden. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Kommission harmonisierte Methoden zur Ermittlung der Umweltbilanz über die gesamte Lebensdauer von Produkten und Unternehmen entwickeln wird, um den Verbrauchern zuverlässige Informationen bereitstellen zu können.

(7)

In der Mitteilung „Eine stärkere europäische Industrie bringt Wachstum und wirtschaftliche Erholung – Aktualisierung der Mitteilung zur Industriepolitik“ (6) heißt es, dass die Kommission derzeit prüft, wie ökologische Produkte und Dienstleistungen am besten in den Binnenmarkt integriert werden können, und dass der ökologische Fußabdruck dafür eine Möglichkeit darstellt.

(8)

In ihrer Mitteilung an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen über den „Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa“ (7) plädierte die Europäische Kommission dafür, einen gemeinsamen methodischen Ansatz festzulegen, damit die Mitgliedstaaten und der Privatsektor ihre Umweltbilanz in Bezug auf Erzeugnisse, Dienstleistungen und Unternehmen auf der Grundlage einer umfassenden Bewertung der Umweltauswirkungen während des gesamten Lebenszyklus bewerten, anzeigen und vergleichen können („ökologischer Fußabdruck“).

(9)

Im selben Dokument werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, Anreize dafür zu schaffen, dass eine große Mehrheit von Unternehmen ihre Ressourceneffizienz systematisch misst, vergleichend bewertet und verbessert.

(10)

Um diesen politischen Vorgaben gerecht zu werden, hat die Kommission auf der Grundlage bereits existierender und weithin anerkannter Methodiken Methoden für die Berechnung des Umweltfußabdrucks von Produkten und des Umweltfußabdrucks von Organisationen entwickelt. Die Mitteilung zum Thema „Schaffung eines Binnenmarktes für grüne Produkte“ enthält Rahmenbestimmungen für die Weiterentwicklung dieser Methoden und ihre Verfeinerung im Test durch verschiedene Interessenträger (darunter auch die Industrie und vor allem KMU). Dabei sollen auch mögliche Lösungen für praktische Herausforderungen wie den Zugang zu Lebenswegdaten und deren Qualität sowie kostenwirksame Überprüfungsmethoden erforscht werden.

(11)

Das letztendliche Ziel der Initiative besteht darin, der Zersplitterung des Binnenmarktes durch uneinheitliche Methoden zur Messung der Umweltleistung entgegenzuwirken. Die Kommission ist der Auffassung, dass für eine verbindliche Anwendung weitere Entwicklungen erforderlich sind, um den Verwaltungsaufwand zu minimieren. Da, wie dies stets bei der Einführung einer neuen Methode der Fall ist, mit Investitionskosten gerechnet werden muss, empfiehlt die Kommission, dass die Unternehmen, die sich für eine freiwillige Anwendung der Methodik entscheiden, zuvor eine sorgfältige Bewertung der Folgen für ihre Wettbewerbsfähigkeit vornehmen sollten, ebenso wie die Methodik anwendende Mitgliedstaaten die Kosten und Nutzen für KMU abwägen sollten.

(12)

Die Kommission erarbeitet zurzeit maßgeschneiderte Ansätze für Sektor- und Produktkategorien, die mit den Anforderungen der Umweltfußabdruckmethoden in Einklang stehen und auch der Notwendigkeit, die besonderen Merkmale komplexer Produkte, die Flexibilität der Lieferketten und die Dynamik der Märkte zu berücksichtigen, Rechnung tragen.

(13)

Es wird davon ausgegangen, dass sich der derzeitige Wildwuchs an Methoden und Kennzeichnungen zum Vorteil sowohl der Anbieter als auch der Nutzer von Umweltleistungsdaten reduzieren lässt, wenn von den Mitgliedstaaten, von Privatgesellschaften und Vereinigungen, von Betreibern von Programmen zur Messung oder Offenlegung von Umweltleistungen und im Finanzsektor künftig die empfohlenen Methoden für die Berechnung des Umweltfußabdrucks angewandt werden. Der Klarheit halber sind in Anhang I dieser Empfehlung potenzielle Anwendungsbereiche für die Methoden aufgelistet.

(14)

Die Kommission stellt fest, dass, wenngleich der Schwerpunkt dieser Initiative auf Umweltauswirkungen liegt, global gesehen auch andere Leistungsindikatoren wie wirtschaftliche und soziale Auswirkungen sowie Arbeitspraktiken eine zunehmend wichtige Rolle spielen und Kompromisslösungen erfordern. Sie wird diese Entwicklungen und andere methodische Ansätze auf internationaler Ebene (wie die Global Reporting Initiative/Sustainability Reporting Guidance) genau verfolgen.

(15)

Den meisten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fehlen die notwendigen Erfahrungen und Mittel, um der Forderung nach Umweltleistungsdaten nachzukommen. Mitgliedstaaten und Industrieverbände sollten die KMU daher in diesem Punkt unterstützen.

(16)

Ergänzend zur Pilotphase werden auf Ebene der Europäischen Union und in den Mitgliedstaaten Unterstützungsinstrumente (wie Qualitätskriterien für Sachbilanzdatenbanken, Datenmanagementsysteme, wissenschaftliche Streitbeilegungs-, Konformitäts- und Überprüfungssysteme, Koordinierungsbehörden) entwickelt, die zum Erreichen der strategischen Ziele beitragen sollen. Die Kommission, die sich der diesbezüglichen Bedeutung des Weltmarkts bewusst ist, wird internationale Organisationen regelmäßig über diese freiwillige Initiative unterrichten -

HAT FOLGENDE EMPFEHLUNG ABGEGEBEN:

1.   ZIEL UND GELTUNGSBEREICH

1.1.

Mit dieser Empfehlung wird nahegelegt, bei maßgeblichen Maßnahmen und Programmen, die die Messung oder Offenlegung der Umweltleistung von Produkten oder Organisationen entlang ihres Lebenswegs betreffen, nach den Methoden für die Berechnung des Umweltfußabdrucks vorzugehen.

1.2.

Diese Empfehlung ist an die Mitgliedstaaten sowie an private und öffentliche Organisationen gerichtet, die die Umweltleistung entlang des gesamten Lebenswegs ihrer Produkte/Dienstleistungen bzw. ihrer Organisation messen oder messen wollen oder die Informationen über diese Umweltleistung entlang des Lebenswegs gegenüber privaten, öffentlichen und zivilgesellschaftlichen Interessenträgern im Binnenmarkt offenlegen oder offenlegen wollen.

1.3.

Diese Empfehlung berührt nicht die Durchführung verbindlicher EU-Regelungen, die für die Berechnung der Umweltleistung von Produkten entlang ihres Lebenswegs eine bestimmte Methodik vorsehen.

2.   BEGRIFFSBESTIMMUNGEN

Für die Zwecke dieser Empfehlung gelten die folgenden Begriffsbestimmungen:

(a)   Methode für die Berechnung des Umweltfußabdrucks von Produkten (Product Environmental Footprint, PEF): das in Anhang II festgelegte allgemeine Verfahren zur Messung und Offenlegung der potenziellen Umweltauswirkungen eines Produkts entlang seines Lebenswegs.

(b)   Methode für die Berechung des Umweltfußabdrucks von Organisationen (Organisation Environmental Footprint, OEF): das in Anhang III festgelegte allgemeine Verfahren zur Messung und Offenlegung der potenziellen Umweltauswirkungen einer Organisation entlang ihres Lebenswegs.

(c)   Umweltfußabdruck von Produkten: das Ergebnis einer nach der PEF-Methode durchgeführten Studie über den Umweltfußabdruck von Produkten.

(d)   Umweltfußabdruck von Organisationen: das Ergebnis einer nach der OEF-Methode durchgeführten Studie über den Umweltfußabdruck von Organisationen.

(e)   Umweltleistung entlang des Lebenswegs: quantitativer Messwert der potenziellen Umweltleistung eines Produkts oder einer Organisation entlang seines bzw. ihres Lebenswegs, für den alle maßgeblichen Lebenswegphasen entlang der Lieferkette berücksichtigt werden.

(f)   Offenlegung der Umweltleistung entlang des Lebenswegs: die Bekanntgabe von Daten über die Umweltleistung eines Produkts oder einer Organisation entlang seines bzw. ihres Lebenswegs, auch gegenüber Geschäftspartnern, Investoren, öffentlichen Stellen oder Verbrauchern.

(g)   Organisation: eine Gesellschaft, eine Körperschaft, ein Betrieb, ein Unternehmen, eine Behörde oder eine Einrichtung bzw. ein Teil oder eine Kombination hiervon, mit oder ohne Rechtspersönlichkeit, öffentlich oder privat, mit eigenen Funktionen und eigener Verwaltung.

(h)   Programm: gewinnnorientierte oder nicht gewinnorientierte Initiative einer Privatgesellschaft oder einer Vereinigung von Privatgesellschaften, einer öffentlich-privaten Partnerschaft oder einer Nichtregierungsorganisation, die die Messung oder Offenlegung der Umweltleistungen von Produkten oder Organisationen entlang ihres Lebenswegs voraussetzt.

(i)   Industrieverband: eine Organisation, die ihr als Mitglieder angehörende Privatgesellschaften oder lokale, regionale, nationale oder internationale Privatgesellschaften eines bestimmten Sektors repräsentiert.

(j)   Finanzsektor: alle Finanzdienstleistungen (auch Finanzberatung) anbietenden Akteure, einschließlich Banken, Investoren und Versicherungsgesellschaften.

(k)   Lebenswegdaten: Informationen über den Lebensweg eines bestimmten Produkts, einer bestimmten Organisation oder einer anderen Bezugsgröße, die deskriptive Metadaten, quantitative Sachbilanzdaten sowie Daten über die Wirkungsabschätzung umfassen.

(l)   Sachbilanzdaten: quantifizierte Inputs und Outputs für ein bestimmtes Produkt oder eine bestimmte Organisation entlang seines (ihres) Lebenswegs, wobei es sich um spezifische (direkt gemessene bzw. erhobene) oder generische (nicht direkt gemessene bzw. erhobene durchschnittliche) Daten handeln kann.

3.   ANWENDUNG DER PEF-/OEF-METHODE BEI MASSNAHMEN DER MITGLIEDSTAATEN

Die Mitgliedstaaten sollten

3.1.

bei freiwilligen Maßnahmen, die die Messung oder Offenlegung der Umweltleistung von Produkten bzw. Organisationen entlang ihres Lebenswegs betreffen, die PEF-Methode bzw. die OEF-Methode anwenden und gleichzeitig sicherstellen, dass derartige Maßnahmen den freien Warenverkehr im Binnenmarkt nicht beeinträchtigen;

3.2.

bei relevanten nationalen Programmen, die die Messung oder Offenlegung der Umweltleistung von Produkten bzw. Organisationen entlang ihres Lebenswegs betreffen, die Gültigkeit von Informationen oder Aussagen anerkennen, die die nach der PEF-Methode bzw. nach der OEF-Methode auf Basis des Lebenswegs berechnete Umweltleistung des Produkts bzw. der Organisation betreffen;

3.3.

sich bemühen, qualitativ hochwertige Lebenswegdaten verfügbarer zu machen, und auf der Grundlage der Datenqualitätsanforderungen der PEF- und der OEF-Methode nationale Datenbanken entwickeln, überarbeiten und zugänglich machen sowie existierende öffentliche Datenbanken mit Daten speisen;

3.4.

KMU behilflich sein, die Umweltleistung ihrer Produkte bzw. ihrer Organisation entlang ihres Lebenswegs auf Basis der PEF-Methode bzw. der OEF-Methode zu messen und zu verbessern, auch durch Bereitstellung von Instrumenten;

3.5.

die Anwendung der OEF-Methode für die Messung oder Offenlegung der Umweltleistung öffentlicher Organisationen entlang ihres Lebenswegs fördern.

4.   ANWENDUNG DER PEF-/OEF-METHODE DURCH GESELLSCHAFTEN UND ANDERE PRIVATE ORGANISATIONEN

Gesellschaften und andere private Organisationen, die beschließen, die Umweltleistung entlang des Lebenswegs ihrer Produkte bzw. ihrer Organisation zu messen oder offenzulegen, sollten

4.1.

die Umweltleistung ihrer Produkte bzw. ihrer Organisation entlang ihres Lebenswegs nach der PEF-Methode bzw. nach der OEF-Methode messen oder offenlegen;

4.2.

zur Überarbeitung öffentlicher Datenbanken beitragen und diese mit Lebenswegdaten einer Qualität speisen, die den Datenqualitätsanforderungen der PEF- bzw. der OEF-Methode zumindest gleichwertig ist;

4.3.

in Betracht ziehen, KMU entlang ihrer Lieferkette bei der Bereitstellung PEF- und OEF-basierter Informationen und bei der Verbesserung der Umweltleistung ihrer Organisation und ihrer Produkte entlang ihres Lebenswegs zu unterstützen.

Industrieverbände sollten:

4.4.

ihren Mitgliedern die Anwendung der PEF-Methode und der OEF-Methode nahelegen;

4.5.

zur Überarbeitung öffentlicher Datenbanken beitragen und diese mit Lebenswegdaten einer Qualität speisen, die der in der PEF- bzw. in der OEF-Methode vorgesehenen Datenqualität zumindest gleichwertig ist;

4.6.

ihren KMU-Mitgliedern durch Bereitstellung vereinfachter Berechnungsinstrumente und Sachverständigenrat helfen, bei der Berechnung der Umweltleistung ihrer Produkte oder ihrer Organisation entlang ihres Lebenswegs nach der PEF-Methode bzw. der OEF-Methode vorzugehen.

5.   ANWENDUNG DER PEF-/OEF-METHODE IN PROGRAMMEN ZUR MESSUNG ODER OFFENLEGUNG VON UMWELTLEISTUNGEN ENTLANG DES LEBENSWEGS

Programme für die Messung oder Offenlegung Umweltleistungen entlang des Lebenswegs sollten

5.1.

als Referenzmethode für die Messung oder Offenlegung der Umweltleistung entlang des Lebenswegs von Produkten und Organisationen die PEF-Methode und die OEF-Methode zugrunde legen.

6.   ANWENDUNG DER PEF- UND DER OEF-METHODE DURCH DEN FINANZSEKTOR

Mitglieder des Finanzsektors sollten, soweit angemessen,

6.1.

bei der Bewertung finanzieller Risiken im Zusammenhang mit Umweltleistungen entlang des Lebenswegs von Produkten oder Organisationen die Verwendung von Informationen über lebenswegbasierte Umweltleistungen fördern, die nach der PEF-Methode oder der OEF-Methode berechnet wurden;

6.2.

bei ihrer Bewertung der Leistungsebenen für die Umweltkomponente von Nachhaltigkeitsindizes die Verwendung von auf OEF-Studien basierenden Informationen fördern.

7.   ÜBERPRÜFUNG

7.1.

Soweit für Offenlegungszwecke PEF- und OEF-Studien herangezogen werden sollen, sollten die Studien unter Berücksichtigung der Überprüfungsanforderungen der PEF- und der OEF-Methode verifiziert worden sein.

7.2.

Die Überprüfung sollte sich an folgenden Grundsätzen orientieren:

(a)

hohes Maß an Glaubwürdigkeit für die Messung und Offenlegung;

(b)

Angemessenheit der Kosten und Nutzen der Überprüfung entsprechend der beabsichtigten Verwendung der PEF- und OEF-Ergebnisse;

(c)

Überprüfbarkeit der Lebenswegdaten und der Rückverfolgbarkeit von Produkten und Organisationen.

8.   BERICHTERSTATTUNG ÜBER DIE UMSETZUNG DER EMPFEHLUNG

8.1.

Die Mitgliedstaaten werden gebeten, der Kommission die zur Umsetzung dieser Empfehlung getroffenen Maßnahmen jährlich mitzuteilen. Die ersten Informationen sollten ein Jahr nach der Annahme dieser Empfehlung übermittelt werden und sollten u.a. Folgendes umfassen:

(a)

Angaben über die Art und Weise, wie die PEF- und die OEF-Methode bei politischen Initiativen zum Einsatz kommen;

(b)

die Zahl der unter die Initiative fallenden Produkte und Organisationen;

(c)

Anreize auf Basis der Umweltleistung entlang des Lebenswegs;

(d)

Initiativen zur Entwicklung qualitativ hochwertiger Lebenswegdaten;

(e)

Unterstützung von KMU, damit diese Umweltinformationen auf Basis des Lebenswegs vorlegen und ihre Umweltleistung entlang des Lebenswegs verbessern können;

(f)

Angaben über etwaige Probleme oder Engpässe, die im Zuge der Anwendung der Methoden zutage getreten sind.

Brüssel, den 9. April 2013

Für die Kommission

Janez POTOČNIK

Mitglied der Kommission


(1)  Folgenabschätzung zur Mitteilung der Kommission „Schaffung eines Binnenmarktes für grüne Produkte: Erleichterung einer besseren Information über die Umweltleistung von Produkten und Organisationen“, (SWD(2013) 111 endgültig).

(2)  KOM(2003) 302 endgültig.

(3)  3 061. UMWELTRAT, Brüssel, 20. Dezember 2010.

(4)  KOM(2010) 608 endgültig/2.

(5)  KOM(2011) 206 endgültig. Binnenmarktakte - Zwölf Hebel zur Förderung von Wachstum und Vertrauen „Gemeinsam für neues Wachstum“ und COM(2012) 573 final „Binnenmarktakte II - Gemeinsam für neues Wachstum“.

(6)  COM(2012) 582 final.

(7)  KOM(2011) 571 endgültig.


ANHANG I

POTENZIELLE ANWENDUNGSGEBIETE FÜR DIE PEF- UND DIE OEF-METHODE UND DEREN ERGEBNISSE

Potenzielle Anwendungsgebiete für die PEF-Methode und PEF-Ergebnisse:

Optimierung von Prozessen entlang des Lebenswegs eines Produktes;

Förderung eines Produktdesigns, das die Umweltauswirkungen entlang des Produktlebenswegs minimiert;

Offenlegung von Informationen über die Umweltleistung von Produkten entlang ihres Lebenswegs (z. B. durch den Produkten beigefügte Informationsblätter, Websites und Apps) durch einzelne Unternehmen oder im Rahmen freiwilliger Regelungen;

Regelungen für Umweltaussagen, vor allem in Bezug auf die Stichhaltigkeit (Robustheit) und Vollständigkeit dieser Aussagen;

Reputationsförderungsprogramme zur „Sichtbarmachung“ von Produkten, deren Umweltleistung auf Basis des Lebenswegs berechnet wird;

Ermittlung signifikanter Umweltauswirkungen zwecks Festlegung von Umweltzeichenkriterien;

gegebenenfalls Schaffung von Anreizen auf Basis der Umweltleistung eines Produkts entlang seines Lebenswegs (soweit relevant).

Potenzielle Anwendungsgebiete für die OEF-Methode und OEF-Ergebnisse:

Optimierung von Prozessen entlang der gesamten Lieferkette des Produktportfolios einer Organisation;

Offenlegung von Informationen über die Umweltleistung einer Organisation entlang ihres Lebenswegs gegenüber interessierten Kreisen (z. B. in Jahresberichten, im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung, in Beantwortung von Fragebögen von Investoren oder Interessenträgern;

Reputationsförderungsprogramme zur „Sichtbarmachung“ von Organisationen, die ihre Umweltleistung auf Basis ihres Lebensweg berechnen, oder von Organisationen, die ihre Umweltleistung entlang des Lebenswegs im Laufe der Zeit (z. B. von Jahr zu Jahr) verbessern;

Programme, die eine Berichterstattung über die Umweltleistung einer Organisation entlang ihres Lebenswegs vorsehen;

Bereitstellung von Informationen über die Umweltleistung einer Organisation entlang ihres Lebenswegs und das Erreichen der Ziele eines Umweltmanagementsystems;

gegebenenfalls Schaffung von Anreizen auf Basis der Verbesserung der nach der OEF-Methode berechneten Umweltleistung entlang des Lebenswegs der Organisation.


ANHANG II

LEITFADEN FÜR DEN UMWELTFUSSABDRUCK VON PRODUKTEN

ZUSAMMENFASSUNG

Hintergrund

Ziele und Zielgruppe

Vorgehen und Ergebnisse

Bezug zum Leitfaden für den Umweltfußabdruck von Organisationen

Terminologie: „muss“, „sollte“ und „kann“

1.

ALLGEMEINE ERWÄGUNGEN ZU PEF-STUDIEN FÜR DIE BERECHNUNG DES UMWELTFUSSABDRUCKS VON PRODUKTEN (PEF)

1.1

Ansatz und Beispiele potenzieller Anwendungen

1.2

Hinweise für die Verwendung dieses Leitfadens

1.3

Grundsätze für PEF-Studien

1.4

Aufbau einer PEF-Studie (Ökobilanz)

2.

BEDEUTUNG DER PEFCR-REGELN

2.1

Allgemeines

2.2

Bedeutung von PEFCR-Regeln und Bezug zu vorhandenen Produktkategorieregeln (PCR-Regeln)

2.3

Strukturierung von PEFCR-Regeln auf Basis der Güterklassifikation in Verbindung mit den Wirtschaftszweigen (CPA)

3.

FESTLEGUNG DES ZIELS DER PEF-STUDIE

3.1

Allgemeines

4.

FESTLEGUNG DES UNTERSUCHUNGSRAHMENS DER PEF-STUDIE

4.1

Allgemeines

4.2

Untersuchungseinheit und Referenzfluss

4.3

Systemgrenzen für PEF-Studien

4.4

Wahl der EF-Wirkungskategorien und der EF-Wirkungsabschätzungs-methoden

4.5

Auswahl zusätzlicher Umweltinformationen, die für den PEF zu berücksichtigen sind

4.6

Annahmen/Grenzen

5.

ERSTELLUNG UND AUFZEICHNUNG DES RESSOURCENNUTZUNGS- UND EMISSIONSPROFILS

5.1

Allgemeines

5.2

Screening (empfohlen)

5.3

Datenmanagementplan (fakultativ)

5.4

Daten für das Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil

5.4.1

Beschaffung und Vorbehandlung von Rohstoffen (Cradle-to-Gate)

5.4.2

Investitionsgüter

5.4.3

Produktion

5.4.4

Produktvertrieb und Lagerung

5.4.5

Nutzungsphase

5.4.6

Modellierung der Logistik für das untersuchte Produkt

5.4.7

Ende des Lebenswegs

5.4.8

Anrechnung des Stromverbrauchs (einschließlich der Nutzung erneuerbarer Energien)

5.4.9

Zusätzliche Erwägungen für die Erstellung des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils

5.5

Nomenklatur für das Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil

5.6

Anforderungen an die Datenqualität

5.7

Erhebung spezifischer Daten

5.8

Erhebung generischer Daten

5.9

Vorgehen bei noch bestehenden Prozessmoduldatenlücken/fehlenden Daten

5.10

Vorgehen bei multifunktionalen Prozessen

5.11

Erhebung von Daten für die nächsten methodischen Phasen einer PEF-Studie

6.

EF-Wirkungsabschätzung

6.1

Klassifikation und Charakterisierung (obligatorisch)

6.1.1

Klassifikation von PEF-Flüssen

6.1.2

Charakterisierung von PEF-Flüssen

6.2

Normierung und Gewichtung (empfohlen/fakultativ)

6.2.1

Normierung der EF-Wirkungsabschätzungsergebnisse (empfohlen)

6.2.2

Gewichtung der EF-Wirkungsabschätzungsergebnisse (fakultativ)

7.

AUSWERTUNG VON PEF-ERGEBNISSEN

7.1

Allgemeines

7.2

Bewertung der Robustheit des PEF-Modells

7.3

Identifizierung von kritischen Punkten (Hotspots)

7.4

Unsicherheitsschätzung

7.5

Schlussfolgerungen, Empfehlungen und Grenzen

8.

BERICHTERSTATTUNG ÜBER DEN UMWELTFUSSABDRUCK VON PRODUKTEN

8.1

Allgemeines

8.2

Aufbau des Berichts

8.2.1

Erster Teil: Zusammenfassung

8.2.2

Zweiter Teil: Hauptbericht

8.2.3

Dritter Teil: Anhang

8.2.4

Vierter Teil: Vertraulicher Bericht

9.

KRITISCHE PRÜFUNG DES UMWELTFUSSABDRUCKS VON PRODUKTEN

9.1

Allgemeines

9.2

Art der Prüfung

9.3

Qualifikation der Prüfer

10.

AKRONYME UND ABKÜRZUNGEN

11.

GLOSSAR

12.

QUELLEN

Anhang I:

Zusammenfassung der wichtigsten Auflagen für den Umweltfußabdruck von Produkten (PEF) und die Aufstellung von Kategorieregeln für die Berechnung des Umweltfußabdrucks von Produkten (PEFCR-Regeln)

Anhang II:

Datenmanagementplan (in Anlehnung an die Treibhausgasprotokoll-Initiative)

Anhang III:

Checkliste für die Datenerhebung

Anhang IV:

Bestimmung einer geeigneten Nomenklatur und geeigneter Eigenschaften für spezifische Flüsse

Anhang V:

Vorgehen bei Multifunktionalität in Recycling-Situationen

Anhang VI:

Leitlinien für die Bilanzierung klimaänderungsrelevanter Emissionen infolge direkter Landnutzungsänderungen

Anhang VII:

Beispiel einer PEFCR-Regel für Papierzwischenprodukte – Datenqualitätsanforderungen

Anhang VIII:

Zuordnung der in diesem PEF-Leitfaden verwendeten Terminologie zur ISO-Terminologie

Anhang IX:

PEF-Leitfaden und ILCD-Handbuch – Die wichtigsten Abweichungen

Anhang X:

Vergleich der wichtigsten Anforderungen des PEF-Leitfadens mit anderen Methoden

ZUSAMMENFASSUNG

Der Umweltfußabdruck von Produkten (Product Environmental Footprint, PEF) ist ein auf mehreren Kriterien basierendes Maß für die Umweltleistung eines Produktes oder einer Dienstleistung entlang seines bzw. ihres Lebenswegs. PEF-Informationen werden erhoben mit dem übergeordneten Ziel, die Umweltauswirkungen von Waren und Dienstleistungen unter Berücksichtigung aller Tätigkeiten entlang der Lieferkette (1) (von der Gewinnung der Rohstoffe über Produktion und Nutzung bis hin zur abschließenden Abfallbewirtschaftung) zu verringern. Dieser PEF-Leitfaden gibt eine Methode für die Modellierung der Umweltauswirkungen von Stoff-/Energieströmen sowie Emissionen und Abfallströmen vor, die entlang des gesamten Lebenswegs eines Produktes auftreten.

Der Leitfaden enthält Anleitungen für die Berechnung des Umweltfußabdrucks von Produkten und die Entwicklung von Berechnungsmethoden für bestimmte Produktkategorien, die in sogenannte Produktkategorieregeln eingebettet werden sollen (Product Environmental Footprint Category Rules, PEFCR). Umweltfußabdrücke von Produkten ergänzen andere Instrumente, deren Schwerpunkt auf Standorten und Schwellen liegt.

Hintergrund

Dieser Leitfaden für die Berechnung des Umweltfußabdrucks von Produkten wurde im Rahmen eines der Bausteine der Leitinitiative der Strategie Europa 2020 – „Ressourcenschonendes Europa“ (2) entwickelt. Im „Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa“ (3) der Europäischen Kommission werden bei Betrachtung des Lebenswegs von Produkten Möglichkeiten vorgeschlagen, um die Ressourcenproduktivität zu verbessern und das Wirtschaftswachstum von Ressourcennutzung und Umweltauswirkungen abzukoppeln. Eines der Ziele des Fahrplans besteht darin, „einen gemeinsamen methodischen Ansatz festlegen, damit die Mitgliedstaaten und der Privatsektor ihre Umweltbilanz in Bezug auf Erzeugnisse, Dienstleistungen und Unternehmen auf der Grundlage einer umfassenden Bewertung der Umweltauswirkungen während des gesamten Lebenszyklus bewerten, anzeigen und vergleichen können“. Der Europäische Rat hat die Kommission aufgefordert, eine entsprechende Methodik zu entwickeln.

Somit wurde das Projekt zur Ermittlung des Umweltfußabdrucks (Environmental Footprint, EF) von Produkten (P) und Organisationen (O) ins Leben gerufen mit dem Ziel, eine einheitliche europäische Methodik für Studien zur Berechnung des Umweltfußabdrucks zu entwickeln, die durch Zugrundelegung eines Lebenswegkonzepts ein breitere Palette relevanter Umweltleistungskriterien abdecken kann (4). Lebenswegkonzept bedeutet, dass alle mit einem Produkt oder einer Organisation assoziierten Ressourcenflüsse und Umwelteingriffe entlang der Lieferkette berücksichtigt werden. Betrachtet werden alle Stufen der Lieferkette von der Rohstoffbeschaffung über die Verarbeitung, den Vertrieb und die Nutzung bis hin zu den Prozessen am Ende des Lebenswegs eines Produkts sowie alle damit verbundenen relevanten Umweltwirkungen, Gesundheitsfolgen, ressourcenbedingten Gefahren und Belastungen für die Gesellschaft. Die Lebenswegbetrachtung ist auch wichtig, um zwischen verschiedenen Arten von Umweltwirkungen abwägen zu können, die mit bestimmten Politik- und Managemententscheidungen verbunden sind (Trade-off). Sie trägt auch dazu bei, unbeabsichtigte Verschiebungen von Umweltlasten zu vermeiden.

Ziele und Zielgruppe

Mit diesem Leitfaden sollen ausführliche und umfassende technische Leitlinien für die Durchführung einer PEF-Studie gegeben werden. PEF-Studien können einer Vielzahl von Zwecken dienen, z. B. dem internen Management oder der Teilnahme an freiwilligen oder obligatorischen Programmen. Der Leitfaden ist hauptsächlich für technische Sachverständige wie Ingenieure und Umweltmanager in Unternehmen und anderen Einrichtungen bestimmt, die eine PEF-Studie konzipieren müssen. Um den Leitfaden für eine PEF-Studie verwenden zu können, ist kein Fachwissen über Methoden der Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich.

Der PEF-Leitfaden soll nicht direkte Grundlage für Vergleiche oder vergleichende Aussagen (d. h. Behauptungen, dass ein Produkt einem anderen in Bezug auf seine Umweltleistung insgesamt überlegen oder gleichwertig ist - ISO-Norm 14040:2006) sein. Derartige Vergleiche setzen, ergänzend zu den hier gegebenen allgemeineren Leitlinien, zusätzliche PEFCR-Regeln voraus, um die Einheitlichkeit, Spezifität, Relevanz und Reproduzierbarkeit der Methodik für einen bestimmten Produkttyp weiter zu verbessern. PEFCR-Regeln werden außerdem dazu beitragen, dass die wichtigsten Parameter stärker berücksichtigt werden, wodurch auch der Zeit-, Arbeits- und Kostenaufwand einer PEF-Studie geringer wird. Neben allgemeinen Leitlinien und Anforderungen für PEF-Studien sind in diesem Leitfaden auch Anforderungen an die Aufstellung von PEFCR-Regeln festgelegt.

Vorgehen und Ergebnisse

Alle in dem PEF-Leitfaden genannten Anforderungen wurden unter Berücksichtigung der Empfehlungen ähnlicher und allgemein anerkannter Umweltbilanzierungsmethoden und -leitfäden festgelegt. Sie stützen sich insbesondere auf die folgenden Methodik-Leitlinen: ISO-Normen (5) (insbesondere: ISO 14044:2006), Entwurf ISO/DIS 14067:2012), ISO 14025:2006), ISO 14020:2000)), das ILCD-Handbuch (International Reference Life Cycle Data System) (6), die Ecological Footprint Standards  (7), das Treibhausgasprotokoll (8) (WRI/WBCSD), die allgemeinen Grundregeln für eine Umweltkommunikation über Massenprodukte BPX 30-323-0 (ADEME) (9) und die Spezifikation für die Bewertung der Lebenszyklus-Treibhausgasemissionen von Gütern und Dienstleistungen (PAS 2050, 2011) (10).

Das Ergebnis dieses Methodikvergleichs ist in Anhang X zusammengefasst. Eine ausführlichere Beschreibung finden Sie in folgendem Dokument: „Analysis of Existing Environmental Footprint Methodologies for Products and Organizations: Recommendations, Rationale and Alignment“ (EC-JRC-IES 2011b) (11). Die existierenden Methoden sehen zwar möglicherweise für einen bestimmten methodischen Entscheidungspunkt mehrere Anforderungen vor, mit diesem PEF-Leitfaden soll jedoch für jeden Entscheidungspunkt (wo immer möglich) nur eine einzige Anforderung zur Auflage gemacht werden oder es sollen zusätzliche Anleitungen für konsistere, robustere und reproduzierbarere PEF-Studien gegeben werden. Vergleichbarkeit hat somit Vorrang vor Flexibilität.

Wie bereits erwähnt sind PEFCR-Regeln eine notwendige Erweiterung und Ergänzung der eher allgemeinen Anleitungen dieses PEF-Leitfadens für PEF-Studien (was die Vergleichbarkeit von PEF-Studien anbelangt). Mit fortschreitender Entwicklung werden sie für die Verbesserung der Reproduzierbarkeit, Qualität, Konsistenz und Relevanz von PEF-Studien eine wichtige Rolle spielen.

Bezug zum Leitfaden für den Umweltfußabdruck von Organisationen

Bei der Ermittlung des Umweltfußabdrucks sowohl von Organisationen (OEF) als auch von Produkten (PEF) wird die Umweltleistung entlang des Lebenswegs des Produkts bzw. der Organisation quantifiziert. Während die PEF-Methode gezielt auf einzelne Waren oder Dienstleistungen ausgerichtet ist, gilt die OEF-Methode für den gesamten Tätigkeitsbereich von Organisationen – mit anderen Worten, für alle Tätigkeiten, die lieferkettenseitig (von der Gewinnung der Rohstoffe über die Nutzung bis hin zu den Optionen für die abschließende Abfallbewirtschaftung) mit den von der Organisation produzierten Waren und/oder erbrachten Dienstleistungen zusammenhängen. Die Berechnungen der Fußabdrücke von Organisationen und Produkten können daher als sich einander ergänzende Tätigkeiten angesehen werden, von denen jede ganz bestimmte Anwendungen unterstützt.

Zur Berechnung des OEF sind keine multiplen Produktanalysen erforderlich. Der OEF wird vielmehr anhand aggregierter Daten berechnet, die für Ressourcen- und Abfallströme repräsentativ sind, welche über eine festgelegte Organisationsgrenze hinausgehen. Einmal ermittelt, kann der OEF jedoch mithilfe geeigneter Allokationsschlüssel auf Produktebene disaggregiert werden. Theoretisch sollte die Summe der Umweltfußabdrücke von Produkten, die eine Organisation im Laufe eines bestimmten Berichtsintervalls (z. B. ein Jahr) berechnet, ungefähr mit dem Umweltfußabdruck der Organisation für denselben Zeitraum übereinstimmen (12). Die methodischen Ansätze dieses PEF-Leitfadens wurden speziell für diesen Zweck entwickelt. Der OEF kann außerdem dazu beitragen, jene Bereiche des Produktportfolios der Organisation zu identifizieren, in denen die Umweltwirkungen am größten sind und folglich detaillierte Analysen einzelner Produkte erforderlich werden können.

Terminologie: „muss“, „sollte“ und „kann“

In diesem Leitfaden wird eine präzise Terminologie verwendet, um zwischen Anforderungen, Empfehlungen und Optionen zu differenzieren, für die sich Unternehmen entscheiden können.

Das Wort „muss“ zeigt an, welche Anforderungen erfüllt werden müssen, damit eine PEF-Studie diesem Leitfaden entspricht.

Das Wort „sollte“ zeigt an, dass es sich nicht um eine Anforderung, sondern um eine Empfehlung handelt. Jede Abweichung von einer „sollte“-Auflage ist vom Studienträger zu begründen und transparent zu machen.

Das Wort „kann“ zeigt eine zulässige Option an.

1.   ALLGEMEINE ERWÄGUNGEN ZU PEF-STUDIEN FÜR DIE BERECHNUNG DES UMWELTFUSSABDRUCKS VON PRODUKTEN (PEF)

1.1   Ansatz und Beispiele potenzieller Anwendungen

Der Umweltfußabdruck von Produkten (Product Environmental Footprint, PEF) ist ein auf mehreren Kriterien basierendes Maß für die Umweltleistung eines Produktes oder einer Dienstleistung entlang seines bzw. ihres Lebenswegs. PEF-Daten werden erhoben mit dem übergeordneten Ziel, zur Verringerung der Umweltauswirkungen von Waren und Dienstleistungen beizutragen (13).

Dieser Leitfaden enthält Anleitungen für die Berechnung des Umweltfußabdrucks von Produkten und für die Entwicklung von Berechnungsmethoden für bestimmte Produktkategorien, die in sog. Produktkategorieregeln eingebettet werden sollen (Product Environmental Footprint Category Rules, PEFCR). PEFCR-Regeln sind eine notwendige Erweiterung und Ergänzung der allgemeinen Leitlinien für PEF-Studien. Sie werden für die Verbesserung der Reproduzierbarkeit, Konsistenz und Relevanz von PEF-Studien eine wichtige Rolle spielen und tragen dazu bei, dass wichtige Parameter stärker berücksichtigt werden, wodurch möglicherweise auch der mit einer PEF-Studie verbundene Zeit-, Arbeits- und Kostenaufwand geringer wird.

Ausgehend von einem Lebenswegkonzept (14) gibt der PEF-Leitfaden eine Methode für die Modellierung der Umweltauswirkungen der Stoff-/Energieströme und der damit zuusammenhängendem Emissionen und Abfallströme (15) vor, die mit einem Produkt (16) aus Lieferkettenperspektive (17) (d. h. von der Gewinnung der Rohstoffe (18) über die Nutzung bis zur abschließenden Abfallbewirtschaftung) verbunden sind. Lebenswegkonzept bedeutet Betrachtung aller mit einem Produkt oder einer Organisation verbundenen Ressourcenströme und Umwelteingriffe entlang der Lieferkette. Das Konzept umfasst sämtliche Stufen der Lieferkette von der Rohstoffbeschaffung über die Verarbeitung, den Vertrieb und die Nutzung bis hin zu den Prozessen am Ende der Lebenszyklus eines Produkts sowie alle damit verbundenen relevanten Umweltauswirkungen, Gesundheitsfolgen, ressourcenbedingten Gefahren und Belastungen für die Gesellschaft.

Dieser Leitfaden ist hauptsächlich für technische Sachverständige wie Ingenieure und Umweltmanager bestimmt, die mit der Durchführung einer PEF-Studie betraut sind. Um den Leitfaden für eine PEF-Studie verwenden zu können, ist kein Fachwissen über Methoden der Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich.

Die PEF-Methode basiert auf dem Lebenswegkonzept. Lebenswegbasiertes Umweltmanagement und Lebenswegdenken im Allgemeinen beruhen auf der Betrachtung aller relevanten, mit Waren, Dienstleistungen, Tätigkeiten oder Einrichtungen verbundenen umweltbeeinflussenden Interaktionen entlang der Lieferkette. Im Gegensatz zur alleinigen Betrachtung standortbedingter Auswirkungen oder einzelner Umweltwirkungen besteht das Ziel darin, etwaige unbeabsichtigte Verschiebungen von Umweltlasten, d. h. Verlagerungen von Umweltwirkungen von einer Stufe der Lieferkette auf eine andere, von einer Wirkungskategorie auf eine andere, zwischen Wirkungen und Ressourceneffizienz und/oder zwischen Ländern zu vermeiden.

Um ein Modell zu entwickeln, das diese physikalischen Flüsse und Wirkungen auf realistische Weise repräsentiert, müssen Modellierungsparameter festgelegt werden, die - soweit möglich – auf klaren physikalischen Begriffen und Beziehungen beruhen.

Jede Anforderung dieses PEF-Leitfadens wurde unter Berücksichtigung der Empfehlungen allgemein anerkannter ähnlicher Umweltbilanzierungsmethoden und -leitfäden gewählt. Herangezogen wurden insbesondere die folgenden Methodik-Leitfäden:

ISO-Normen (19), insbesondere: ISO 14044:2006), Entwurf ISO/DIS 14067:2012); ISO 14025:2006), ISO 14020:2000);

das „International Reference Life Cycle Data System (ILCD) Handbook  (20)“.

die Ecological Footprint Standards  (21);

das Treibhausgasprotokoll (22) (WRI/WBCSD);

die allgemeinen Grundsätze für eine Umweltkommunikation über Massenprodukte BPX 30-323-0 (ADEME) (23);

die Spezifikation für die Bewertung der Treibhausgasemissionen entlang des Lebenswegs von Waren und Dienstleistungen (PAS 2050, 2011) (24).

Anhang X gibt einen Überblick über einige wichtige Anforderungen dieses PEF-Leitfadens im Vergleich zu den Anforderungen/Spezifikationen in den vorgenannten Methodik-Leitfäden. Für eine ausführlichere Beschreibung der analysierten Methoden und der Analyseergebnisse siehe „Analysis of Existing Environmental Footprint Methodologies for Products and Organizations: Recommendations, Rationale, and Alignment (25). Vorhandene Methoden sehen für einen bestimmten methodischen Entscheidungspunkt möglicherweise mehrere Anforderungen vor, mit diesem PEF-Leitfaden soll jedoch (soweit möglich) für jeden Entscheidungspunkt nur eine Anforderung festgelegt bzw. sollen zusätzliche Anleitungen für konsistere, robustere und reproduzierbarere PEF-Studien gegeben werden.

Potenzielle Anwendungen von PEF-Studien lassen sich je nach internen oder externen Zielen unterteilen in

interne Anwendungen: Hierzu können u. a. die Unterstützung von Umweltmanagementmaßnahmen, die Identifizierung von unter Umweltgesichtspunkten kritischen Punkten (Hotspots) und die Verbesserung und Überwachung der Umweltleistung gehören; es besteht die Möglichkeit von Kosteneinsparungen;

externe Anwendungen (z. B. Business-to-Business (B2B)- oder Business-to-Consumers (B2C)-Transaktionen): Sie decken ein breites Spektrum an Möglichkeiten ab, die von der Berücksichtigung von Kunden- und Verbraucherwünschen bis hin zu Marketing, Benchmarking, Umweltkennzeichnung, Unterstützung von Ökodesign entlang gesamter Lieferketten, umweltgerechter öffentlicher Beschaffung und der Reaktion auf umweltpolitische Vorgaben auf europäischer oder nationaler Ebene reichen;

Benchmarking: Hierzu könnte z. B. die Definition (anhand der von Interessenträgern zur Verfügung gestellten Daten oder von generischen Daten oder Schätzwerten) eines Produkts mit durchschnittlicher Umweltleistung (Benchmark) und die anschließende an dieser Benchmark orientierte Leistungseinstufung anderer Produkte gehören.

Tabelle 1 gibt einen Überblick über die vorgesehenen Anwendungen von PEF-Studien, bezogen auf die wichtigsten Anforderungen an die Durchführung von PEF-Studien laut diesem PEF-Leitfaden.

Tabelle 1

Hauptkriterien für PEF-Studien, bezogen auf die beabsichtigte Anwendung

Beabsichtigte Anwendungen

Festlegung von Ziel und Untersuchungsrahmen

Screening

Erfüllung von Anforderungen an die Datenqualität

Multifunktionalitätshierarchie

Wahl der Wirkungsabschätzungsmethoden

Klassifikation und Charakterisierung

Normierung

Gewichtung

Auswertung der PEF-Ergebnisse

Berichterstattungsanforderungen

Kritische Prüfung (1 Person)

Kritische Prüfung (3 Personen)

Erfordert PEFCR-Regel

Intern

(behauptete Konformität mit dem PEF-Leitfaden)

O

E

E

O

O

O

E

F

O

F

O

F

F

Extern

B2B/B2C ohne Vergleiche/vergleichende Aussagen

O

E

O

O

O

O

E

F

O

O

O

E

E

B2B/B2C ohne Vergleiche/vergleichende Aussagen

O

E

O

O

O

O

E

F

O

O

/

O

O

„O“

=

obligatorisch;

„E“

=

empfohlen (nicht obligatorisch);

„F“

=

fakultativ (nicht obligatorisch);

„/“

=

gegenstandslos

Anforderung an PEF-studien

PEF-Studien müssen auf einem Lebenswegkonzept basieren.

1.2   Hinweise für die Verwendung dieses Leitfadens

Dieser Leitfaden enthält die zur Durchführung einer PEF-Studie erforderlichen Informationen. Das Informationsmaterial wird in der Reihenfolge der einzelnen Methodenphasen gegeben, die zur PEF-Berechnung durchlaufen werden müssen. Jeder Abschnitt beginnt mit einer allgemeinen Beschreibung der Phase sowie einem Überblick über die zu berücksichtigenden Aspekte, die anhand von Beispielen illustriert werden. „Anforderungen“ beschreiben die methodologischen Vorgaben, die zur Durchführung einer ordnungsgemäßen Studie eingehalten werden „müssen/sollten“. Sie stehen in einfach umrandeten Kästen und folgen auf Abschnitte mit einer allgemeinen Beschreibung. „Tipps“ verweisen auf nicht verbindliche, aber empfohlene bewährte Praktiken. Sie finden sich in hellblau unterlegten, mit einer durchgezogenen Linie umrandeten Kästen. Werden zusätzliche Anforderungen an die Aufstellung von PEFCR-Regeln gegeben, so finden sich diese am Ende des jeweiligen Abschnitts in doppelt umrandeten Kästen.

1.3   Grundsätze für PEF-Studien

Im Interesse konsistenter, robuster und reproduzierbarer PEF-Studien müssen bestimmte Kernprinzipien eingehalten werden. Diese Grundsätze fungieren als übergeordnete Leitlinien für die Anwendung der PEF-Methode. Sie müssen in jeder Phase einer PEF-Studie (bei der Festlegung der Ziele und des Untersuchungsrahmens, bei der Datenerhebung und Wirkungsabschätzung sowie bei der Berichterstattung und Überprüfung der Studienergebnisse) befolgt werden.

Anforderung an PEF-studien

Benutzer dieses Leitfadens müssen bei der Durchführung einer PEF-Studie folgende Grundsätze befolgen:

(1)

Relevanz

Alle Methoden und Daten, die zur PEF-Quantifizierung angewandt bzw. erhoben werden, müssen so weit wie möglich studienrelevant sein.

(2)

Vollständigkeit

Zur PEF-Quantifizierung müssen alle unter Umweltgesichtspunkten relevanten Stoff-/Energieflüsse und andere Umwelteingriffe erfasst werden, die zur Einhaltung der festgelegten Systemgrenzen (26), der Datenanforderungen und der angewandten Wirkungsabschätzungsmethoden erforderlich sind.

(3)

Konsistenz

Bei allen Schritten der PEF-Studie muss dieser Leitfaden streng eingehalten werden, um interne Konsistenz und Vergleichbarkeit mit ähnlichen Analysen zu gewährleisten.

(4)

Genauigkeit

Es müssen alle erforderlichen Vorkehrungen getroffen werden, um Unsicherheiten in der Modellierung des Produktsystems (27) und bei der Ergebnisberichterstattung zu minimieren.

(5)

Transparenz

PEF-Informationen müssen so offengelegt werden, dass potenzielle Nutzer die für die Entscheidungsfindung notwendigen Basisinformationen erhalten und Interessenträger die Robustheit und Zuverlässigkeit dieser Informationen beurteilen können.

Grundsätze für PEFCR-Regeln

1.   Bezug zum PEF-Leitfaden

Zusätzlich zu den Anforderungen dieses PEF-Leitfadens gelten für PEF-Studien auch die in PEFCR-Regeln festgelegten Anforderungen an die Methode. Sind letztere spezifischer als die Anforderungen des PEF-Leitfadens, so müssen diese spezifischeren Anforderungen eingehalten werden.

2.   Beteiligung ausgewählter Interessenträger

Der Prozess der Aufstellung von PEFCR-Regeln muss offen und transparent sein, und alle relevanten Interessenträger müssen gehört werden. Es sollten alle erforderlichen Vorkehrungen getroffen werden, um während des Prozesses Einigung zu erzielen (nach ISO 14020:2000, 4.9.1, Grundsatz 8). Die PEFCR-Regeln müssen einer Prüfung durch Fachkollegen (Peer Review) unterzogen werden.

3.   Streben nach Vergleichbarkeit

Die Ergebnisse von PEF-Studien, die im Einklang mit diesem PEF-Leitfaden und der maßgeblichen PEFCR-Regel durchgeführt wurden, können als Grundlage für den Vergleich (bei Lebenswegbetrachtung) der Umweltleistung von Produkten ein und derselben Produktkategorie und als Grundlage für vergleichende Aussagen (28) (die für die Öffentlichkeit bestimmt sind) herangezogen werden. Die Vergleichbarkeit der Ergebnisse ist daher von entscheidender Bedeutung. Die für den Vergleich zur Verfügung gestellten Informationen müssen transparent sein, damit der Nutzer die immanenten Grenzen der Vergleichbarkeit des berechneten Ergebnisses verstehen kann (nach ISO 14025).

1.4   Aufbau einer PEF-Studie (Ökobilanz)

Zur Durchführung einer PEF-Studie im Einklang mit diesem Leitfaden müssen folgende Phasen durchlaufen werden – Festlegung der Ziele, Festlegung des Untersuchungsrahmens, Erstellung des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils (Sachbilanz), Wirkungsabschätzung sowie Auswertung und Berichterstattung (Abbildung 1).

Abbildung 1

Phasen einer PEF-Studie

Image

2.   BEDEUTUNG DER PEFCR-REGELN

2.1   Allgemeines

Über die allgemeinen Leitlinien und Anforderungen für PEF-Studien hinaus enthält dieser Leitfaden auch Anforderungen an die Aufstellung der Kategorieregeln zur Berechnung des Umweltfußabdrucks von Produkten (Product Environmental Footprint Category Rules, PEFCR). Diese PEFCR-Regeln werden für die Verbesserung der Reproduzierbarkeit, der Konsistenz (und somit der Vergleichbarkeit von PEF-Berechnungen innerhalb einer Produktkategorie (29)) und der Relevanz von PEF-Studien eine wichtige Rolle spielen. Sie werden dazu beitragen, dass die wichtigsten Parameter der PEF-Studie stärker berücksichtigt werden, wodurch auch der Zeit-, Arbeits- und Kostensaufwand geringer wird.

Es sollte sichergestellt werden, dass PEFCR-Regeln in Einklang mit dem PEF-Leitfaden entwickelt werden und dass sie die Auflagen enthalten, die erfüllt sein müssen, um die Vergleichbarkeit, eine bessere Reproduzierbarkeit, die Konsistenz, Relevanz, Genauigkeit und Effizienz von PEF-Studien zu gewährleisten. PEFCR-Regeln sollten zum Ziel haben, den Schwerpunkt von PEF-Studien auf diejenigen Aspekte und Parameter zu lenken, die für die Ermittlung der Umweltleistung eines bestimmten Produkttyps am wichtigsten sind. Eine PEFCR-Regel kann Anforderungen dieses Leitfadens weiter präzisieren und um neue Anforderungen ergänzen, wenn der PEF-Leitfaden Wahlmöglichkeiten offen lässt.

PEF-Studien können auch ohne PEFCR-Regeln durchgeführt werden, wenn sie nicht für vergleichende Aussagen bestimmt sind, die sich an die Öffentlichkeit richten.

Anforderung an PEF-studien

Gibt es keine PEFCR-Regeln, so müssen die Kernfragen, die von diesen abgedeckt würden (wie in diesem PEF-Leitfaden aufgelistet), in der PEF-Studie spezifiziert, begründet und ausführlich erläutert werden.

2.2   Bedeutung von PEFCR-Regeln und Bezug zu vorhandenen Produktkategorieregeln (PCR-Regeln)

PEFCR-Regeln sollen ausführliche technische Anleitungen für die Durchführung einer PEF-Studie für eine bestimmte Produktkategorie enthalten. Sie müssen weitere Spezifikationen für die Prozess- und/oder Produktebene beinhalten, insbesondere weitere Spezifikationen und Anleitungen für folgende Aspekte:

Festlegung von Ziel und Untersuchungsrahmen der Studie

Festlegung relevanter/irrelevanter Wirkungskategorien

Festlegung geeigneter Systemgrenzen für die Analyse

Festlegung von Schlüsselparametern und Lebenswegphasen

Empfehlungen für mögliche Datenquellen

Abschluss des Phase der Erstellung des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils

weitere Spezifikationen zur Lösung von Multifunktionalitätsproblemen (30).

Alle diese Aspekte werden in diesem PEF-Leitfaden behandelt.

Gemäß der Definition der Norm ISO 14025:2006 beinhalten Produktkategorieregeln (PCR-Regeln) (31) Zusammenstellungen spezifischer Regeln, Anforderungen und Leitlinien, die der Erstellung von „Typ III-Umweltdeklarationen“ für Produktkategorien dienen (d. h. für Waren und/oder Dienstleistungen mit gleichwertigen Funktionen). „Typ III-Umweltdeklarationen“ sind quantitative, auf Ökobilanzen beruhende Aussagen zu den Umweltaspekten (32) einer bestimmten Ware oder Dienstleistung, z. B. quantitative Angaben zu potenziellen Umweltwirkungen.

Die Norm ISO 14025:2006 beschreibt das Verfahren für die Aufstellung und Prüfung von PCR-Regeln und enthält Anforderungen in Bezug auf die Vergleichbarkeit verschiedener sogenannter „Typ III-Umweltdeklarationen“. Typ III-Umweltdeklarationen können z. B. eine potenzielle Anwendung einer PEF-Studie sein.

Die Anleitungen für die Aufstellung von PEFCR-Regeln basieren auf dem Mindestinhalt einer PCR-Regel entsprechend den Anforderungen von ISO 14025. Nach ISO 14025 umfassen PCR-Regeln unter anderem Folgendes (ohne jedoch darauf beschränkt zu sein):

Identifizierung der Produktkategorie, für die eine PCR-Regel zu entwickeln ist, einschließlich einer Beschreibung beispielsweise der Funktion(en), technischen Leistung und Verwendung(en) des Produkts;

Festlegung des Ziels und des Untersuchungsrahmens der Ökobilanz (33) des Produkts entsprechend der ISO-Normenreihe 14040, beispielsweise in Bezug auf die funktionelle Einheit, die Systemgrenze, die Anforderungen an die Datenqualität (34);

Beschreibung der Sachbilanz mit besonderem Schwerpunkt auf der Phase der Datenerhebung, den Berechnungsverfahren und den Allokationsregeln (35);

Wahl der in die Ökobilanz aufzunehmenden EF-Wirkungskategorie-Indikatoren;

Beschreibung etwaiger im voraus festgelegter Parameter für die Mitteilung von Ökobilanzdaten, z. B. bestimmte im voraus festgelegte Kategorien für Sachbilanzdaten und/oder EF-Wirkungskategorie-Indikatoren;

soweit die Ökobilanz nicht alle Phasen des Lebenswegs berücksichtigt: Informationen dazu bzw. Begründung, warum bestimmte Phasen nicht erfasst wurden;

Gültigkeitsdauer der in Entwicklung befindlichen PEFCR-Regel.

Stehen PCR-Regeln aus anderen Systemen zur Verfügung, so können diese im Einklang mit den Anforderungen dieses PEF-Leitfadens als Grundlage für die Aufstellung einer PEFCR-Regel herangezogen werden. (36)

Anforderung an die aufstellung von PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln sollten soweit möglich und unter Berücksichtung der unterschiedlichen Anwendungskontexte mit bestehenden internationalen Leitfäden für Produktkategorieregeln im Einklang stehen.

2.3   Strukturierung von PEFCR-Regeln auf Basis der Güterklassifikation in Verbindung mit den Wirtschaftszweigen (CPA)

PEFCR-Regeln beschreiben, welche Art von Lebensweginformationen über ein Produkt anzugeben ist und wie diese Informationen generiert werden müssen. Für die Codierung und Definition der Informationsmodule, die zur Repräsentation des Produktlebenswegs verwendet werden, muss die Güterklassifikation in Verbindung mit den Wirtschaftszweigen (CPA, siehe Abbildung 2) verwendet werden.

CPA-Produktkategorien beziehen sich auf Tätigkeiten, wie sie nach NACE-Codes (d. h. nach der statistischen Klassifikation der Wirtschaftstätigkeiten in der Europäischen Gemeinschaft) definiert sind. Da jedes CPA-Produkt nur einer NACE-Tätigkeit zugeordnet ist, entspricht die CPA-Struktur auf allen Ebenen der NACE-Struktur.

NACE hat folgende hierarchische Struktur (NACE Rev. 2, 2008 (37), Seite 15):

1.

Positionen, die mit einem alphabetischen Code gekennzeichnet sind (Abschnitte)

2.

Positionen, die mit einem zweistelligen numerischen Code gekennzeichnet sind (Abteilungen)

3.

Positionen, die mit einem dreistelligen numerischen Code gekennzeichnet sind (Gruppen)

4.

Positionen, die mit einem vierstelligen numerischen Code gekennzeichnet sind (Klassen)

Die Internationale Standardklassifikation der Wirtschaftszweige (International Standard Industrial Classification, ISIC) und NACE haben auf den höchsten Ebene denselben Code; NACE ist auf den unteren Ebenen jedoch detaillierter. Da der NACE-Code im Kontext dieser Studie für die Sektorebene gilt, muss mindestens ein zweistelliger numerischer Code (d. h. Abteilungsebene) zugeteilt werden (38). Dies steht im Einklang mit dem ISIC-System.

Die Anwendung dieses Ansatzes auf eine PEFCR-Regel wird nachstehend am Beispiel „Milch und Erzeugnisse auf Milchbasis“ illustriert. Der zweistellige Code (Abteilungen) definiert eine industriespezifische Produktgruppe (z. B. Abteilung 10 – Nahrungsmittel), unter der eine Reihe einzelner Erzeugnisse codiert ist (z. B. Gruppe 10.51.1 - Flüssige Milch und flüssiger Rahm, verarbeitet) (siehe Abbildung 2). Der zweistellige Code (und manchmal der einstellige Code) können also benutzt werden, um industriespezifische Informationsmodule zu definieren, die miteinander kombiniert spezifische Produktlebenswege horizontal strukturieren. Jeder dieser Codes umfasst auch eine eingebettete vertikale Struktur, die von einer allgemeinen Produktgruppe bis hin zu spezifischeren individuellen Produkten reicht.

Abbildung 2

Grundzüge des CPA-Systems

Image

anforderung an die aufstellung von PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen sich mindestens auf einen zweistelligen CPA-Nummerncode (Abteilung) stützen (Standardoption). (Berechtigte) Abweichungen sind jedoch zulässig (z. B. dreistellige Codes). Beispielsweise sind mehr als zwei Stellen notwendig, um die Komplexität des Sektors zu demonstrieren. Werden mit unterschiedlichen CPA-Codes multiple Produktionsmethoden für ähnliche Produkte definiert, so muss die PEFCR-Regel all diesen CPA-Codes Rechnung tragen.

3.   FESTLEGUNG DES ZIELS DER PEF-STUDIE

3.1   Allgemeines

Die Festlegung des Ziels ist der erste Schritt einer PEF-Studie und gibt den Gesamtstudienkontext vor. Eine genaue Zielvorgabe gewährleistet, dass die Untersuchungsziele, methoden und ergebnisse sowie die beabsichtigten Anwendungen optimal aufeinander abgestimmt sind und alle Studienteilnehmer eine gemeinsame Vision verfolgen. Sich für die Benutzung des PEF-Leitfadens zu entscheiden, bedeutet, dass bestimmte Aspekte der Zielfestlegung bereits im Voraus feststehen. Dennoch ist es wichtig, sich die Zeit zu nehmen, Ziele sorgfältig zu erwägen und auszuformulieren, um den Erfolg der PEF-Studie zu gewährleisten.

Bei der Zielfestlegung ist es wichtig, die vorgesehenen Anwendungen, den Grad der Untersuchungstiefe und die Stringenz der Studie vorzugeben. Dies sollte sich in den festgelegten Studiengrenzen widerspiegeln (Phase der Festlegung des Untersuchungsrahmens). Für Untersuchungen, die z. B. auf Beschaffung zu geringsten Umweltkosten, Produktdesign, Benchmarking und Berichterstattung ausgerichtet sind, werden quantitative Studien erforderlich sein, die mit den Untersuchungsanforderungen dieses PEF-Leitfadens in Einklang stehen. Innerhalb einer PEF-Studie sind auch kombinierte Ansätze möglich, wenn beispielsweise nur bestimmte Teile der Lieferkette quantitativ untersucht werden müssen, während bei anderen Teilen eine qualitative Beschreibung potenziell kritischer Punkte (Hotspots) ausreicht (Beispiel: quantitative Cradle-to-Gate-Untersuchung (39) kombiniert mit qualitativen Beschreibungen von Gate-to-Grave  (40)-Umweltaspektenoder mit quantitativen Untersuchungen der Nutzungs- und Lebensendphasen bei ausgewählten repräsentativen Produkttypen).

Anforderung an PEF-studien

Bei der Festlegung der Ziele einer PEF-Studie muss Folgendes berücksichtigt werden:

beabsichtigte Anwendung(en)

Gründe für die Durchführung der Studie und Entscheidungskontext

Zielgruppe

Angaben dazu, ob Vergleichsergebnisse und/oder vergleichende Aussagen (41) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen

Auftraggeber der Studie

Prüfverfahren (falls zutreffend)

Beispiel - Umweltfußabdruck eines T-Shirts: Zielfestlegung

Aspekte

Detail

Beabsichtigte Anwendung(en):

Weitergabe von Produktinformationen an Kunden

Gründe für die Durchführung der Studie und Entscheidungskontext:

Reaktion auf eineKundenforderung

Offenlegung der Vergleichsergebnisse gegenüber der Öffentlichkeit:

Nein, Angaben werden zwar öffentlich zugänglich gemacht, sollen aber nicht für Vergleiche oder vergleichende Aussagen verwendet werden.

Zielgruppe:

Externes Fachpublikum, Business-to-Business.

Prüfung:

Unabhängiger externer Prüfer, Herr Y

Auftraggeber der Studie:

Unternehmen G GmbH

Zusätzliche anforderung an die aufstellung von PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen die Prüfungsauflagen für eine PEF-Studie spezifizieren.

4.   FESTLEGUNG DES UNTERSUCHUNGSRAHMENS DER PEF-STUDIE

4.1   Allgemeines

Im Rahmen der Festlegung des Untersuchungsrahmens der PEF-Studie werden das zu bewertende System und die Untersuchungsauflagen ausführlich beschrieben.

Anforderung an PEF-studien

Die Festlegung des Untersuchungsrahmens einer PEF-Studie muss sich nach den festgelegten Studienzielen richten und Folgendes einschließen (siehe ausführlichere Erläuterung in den folgenden Abschnitten):

Untersuchungseinheit (42) und Referenzfluss (43)

Systemgrenzen

EF-Wirkungskategorien

Annahmen/Grenzen.

4.2   Untersuchungseinheit und Referenzfluss

Die Benutzer dieses PEF-Leitfadens müssen die Untersuchungseinheit und den Referenzfluss für die PEF-Studie festlegen. Die Untersuchungseinheit entspricht einer qualitativen und quantitativen Beschreibung der Funktion(en) und der Lebensdauer des Produkts.

Anforderung an PEF-studien

Die Untersuchungseinheit für eine PEF-Studie muss unter Berücksichtigung folgender Aspekte festgelegt werden:

gebotene Funktion(en)/erbrachte Dienstleistung(en): „was“

Umfang der Funktion oder Dienstleistung: „wie viel“

erwartetes Qualitätsniveau: „wie gut“

Lebensdauer des Produkts: „wie lange“

NACE-Code(s)

Zusätzliche anforderung an die aufstellung von PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen die Untersuchungseinheit(en) spezifizieren.

Beispiel:

Anleitung/Anforderung: Funktionelle Einheit definieren Bezeichnet und beziffert die qualitativen und quantitativen Aspekte der Funktion(en) des Produkts in Beantwortung der Fragen „was“, „wie viel“, „wie gut“ und „wie lange “.

Beispiel: Funktionelle Einheit definieren

Funktionelle Einheit T-Shirt

 

(WAS) T-Shirt (Durchschnitt für Größen S, M, L) aus Polyester,

 

(WIE VIEL) Ein T-Shirt,

 

(WIE GUT) Einmal wöchentlich tragen und bei 30 Grad in der Waschmaschine waschen

 

(WIE LANGE) 5 Jahre.

Anmerkung:

Bestimmte Zwischenprodukte können mehrere Funktionen haben. Es kann erforderlich sein, diese zu ermitteln und eine Auswahl zu treffen.

Der Referenzfluss ist die Produktmenge, die nötig ist, um die festgelegte Funktion zu bieten. Alle anderen Input (44)- und Output (45)-Flüsse im Rahmen der Untersuchung beziehen sich quantitativ auf diesen Referenzfluss. Dieser kann als direkter Bezug zur Untersuchungseinheit oder produktorientierter ausgedrückt werden.

Anforderung an PEF-studien

Bezogen auf die Untersuchungseinheit muss ein angemessener Referenzfluss bestimmt werden. Die quantitativen Input- und Output-Daten, die unterstützend zur Untersuchung erhoben werden, müssen mit Bezug auf diesen Referenzfluss berechnet werden.

Beispiel:

Referenzfluss: 160 g Polyester

4.3   Systemgrenzen für PEF-Studien

Die Grenzen des Produktionssystems bestimmen, welche Abschnitte des Lebenswegs des Produkts und welche damit verbundenen Prozesse zum untersuchten System gehören (d. h. erforderlich sind, damit das System seine Funktion, wie durch die Untersuchungseinheit definiert, erfüllen kann). Die Grenze des zu bewertenden Produktsystems muss daher genau festgelegt werden.

Diagramm der Systemgrenzen (empfohlen)

Ein Diagramm der Systemgrenzen oder ein Fließdiagramm ist eine schematische Darstellung des untersuchten Systems. Es illustriert, welche Abschnitte des Lebensweges des Produkts in die Untersuchung aufgenommen und welche ausgeschlossen werden. Ein solches Diagramm kann nützlich sein, um die Grenzen des Systems zu bestimmen und die anschließende Datenerhebung zu organisieren.

TIPP: Die Erstellung eines Systemgrenzendiagramms ist nicht obligatorisch, wird aber dringend empfohlen. Das Diagramm erleichtert die Definition des Untersuchungsgegenstands und die Strukturierung der Untersuchung.

Anforderung an PEF-studien

Die Systemgrenze muss unter Berücksichtigung der beabsichtigten Anwendung der Studie und der logischen Reihenfolge der Lieferkette bestimmt werden und von Cradle-to-Grave  (46), d. h. von der Wiege bis zur Bahre, sämtliche Phasen (von der Gewinnung der Rohstoffe (47) über Verarbeitung, Produktion, Vertrieb, Lagerung und Nutzung bis hin zur Behandlung des Produkts am Ende seiner Lebensdauer einschließen. Die Systemgrenzen müssen alle Prozesse umfassen, die die Produktlieferkette betreffen, auf die sich die Untersuchungseinheit bezieht.

Die innerhalb der Systemgrenzen ablaufenden Prozesse müssen in Vordergrundprozesse (d. h. Kernprozesse des Produktlebenswegs, bei denen ein direkter Zugang zu Informationen möglich ist (48)) und Hintergrundprozesse (d. h. die Prozesse des Produktlebenswegs ohne direkten Zugang zu Informationen (49)) unterteilt werden.

Der Untersuchungsrahmen sollte ein Diagramm der Systemgrenzen einschließen.

Zusätzliche anforderungen an die aufstellung von PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen die Systemgrenzen für PEFCR-Studien spezifizieren, einschließlich der relevanten Lebenswegphasen und -prozesse, die generell jeder Phase zugeordnet werden sollten (dazu gehören auch zeitliche, räumliche und technologische Spezifikationen). Jede Abweichung vom Standardansatz „Cradle to Grave“ (von Wiege zu Bahre) muss genau erläutert und begründet werden, z. B. der Ausschluss der Nutzungsphase, wenn die Nutzung unbekannt ist, oder der Ausschluss der Lebensendphase bei Zwischenprodukten (50).

PEFCR-Regeln müssen nachgelagerte (51) Szenarien (Nachketten) spezifizieren, damit Vergleichbarkeit und Konsistenz der PEF-Studien gewährleistet sind.

Kompensationsprojekte (Offsets)

Aktivitäten dritter Parteien zur Minderung von Treibhausgasemissionen, z. B. im Rahmen von Regelungen des Kyoto-Protokolls - wie der Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (Clean Development Mechanism, CDM), die gemeinsame Projektumsetzung (Joint Implementation, JI), Emissionshandelssysteme (EHS) - oder im Rahmen von freiwilligen Regelungen, werden oft als „Kompensationprojekte“ oder „Offsets“ bezeichnet. „Offsets“ sind für sich stehende THG-Emissionsreduktionen, die genutzt werden, um Treibhausgasemissionen andernorts wieder wettzumachen (d. h. zu kompensieren), z. B. um freiwillige oder verbindliche Reduktionsziele oder Emissionsobergrenzen einzuhalten. Sie werden anhand eines Referenzwertes berechnet, der der hypothetischen Menge an Treibhausgasen entspricht, die ohne das Kompensationsprojekt ausgestoßen worden wären. Beispiele für Kompensationsprojekte sind Emissionsneutralisierungen im Rahmen des CDM-Mechanismus, CO2-Gutschriften und andere systemexterne Kompensationsprojekte.

Anforderung an PEF-studien

„Offsets“ dürfen nicht in die PEF-Studie aufgenommen werden, können aber als „Zusätzliche Umweltinformation“ separat angeführt werden.

4.4   Wahl der EF-Wirkungskategorien und der EF-Wirkungsabschätzungs-methoden

EF-Wirkungskategorien (52) sind bestimmte Kategorien von Wirkungen, die im Rahmen einer PEF-Studie untersucht werden. Sie betreffen in der Regel die Ressourcennutzung und Emissionen umweltschädlicher Stoffe (wie Treibhausgase und toxische Chemikalien), die auch der menschlichen Gesundheit schaden können. EF-Wirkungsabschätzungsmethoden basieren auf Modellen für die Quantifizierung der Kausalzusammenhänge zwischen den Stoff-/Energieinputs und den Emissionen, die für den (im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil bilanzierten) Produktlebensweg und die jeweils untersuchten EF-Wirkungskategorie (53) relevant sind. Jeder Kategorie entspricht somit ein bestimmtes unabhängiges EF-Wirkungsabschätzungsmodell.

Zweck der EF-Wirkungsabschätzung (54) ist es, die bilanzierten Daten des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils entsprechend ihrem jeweiligen Beitrag zur betreffenden EF-Wirkungskategorie zu gruppieren und zu aggregieren. So entsteht die notwendige Basis für die Auswertung der EF-Ergebnisse und die Erfüllung der Ziele der PEF-Studie (z. B. Identifizierung von kritischen Punkten (Hotspots) in der Lieferkette oder „Optionen“ für Verbesserungen). Die gewählten EF-Wirkungskategorien sollten daher umfassend sein und alle relevanten Umweltaspekte der Lieferkette des untersuchten Produkts abdecken.

Tabelle 2 zeigt eine Standardliste der EF-Wirkungskategorien und der anzuwendenden Wirkungsabschätzungsmethoden (55). Kapitel 6 enthält genauere Anleitungen zur Berechnung dieser Wirkungen.

Tabelle 2

Standard-EF-Wirkungskategorien (mit den jeweiligen EF-Wirkungskategorie-Indikatoren) und EF-Wirkungsabschätzungsmodellen für PEF-Studien

EF-Wirkungs-kategorie

EF-Wirkungs-abschätzungsmodell

EF-Wirkungskategorie-Indikatoren

Quelle

Klimaänderung

Berner Modell - Treibhauspotenziale (Global Warming Potential, GWP) über einen Zeithorizont von 100 Jahren

kg CO2-Äquivalent

Weltklimarat (IPCC), 2007.

Abbau der Ozonschicht

EDIP-Modell auf Basis der ODP-Werte der Weltorganisation für Meteorologie (WOM) über einen unbegrenzten Zeithorizont

kg CFC-11 (56)-Äquivalent

WOM, 1999

Ökotoxizität - Süßwasser

USEtox-Modell

CTUe (Toxizitätsvergleichseinheit für Ökosysteme)

Rosenbaum et al., 2008

Humantoxizität - kanzerogene Folgen

USEtox-Modell

CTUh (Toxizitätsvergleichseinheit für Menschen)

Rosenbaum et al., 2008

Humantoxizität - nichtkanzerogene Folgen

USEtox-Modell

CTUh (Toxizitätsvergleichseinheit für Menschen)

Rosenbaum et al., 2008

Feinstaub/anorganische Emissionen

RiskPoll-Modell

kg PM2,5- (57) Äquivalent

Humbert, 2009

Ionisierende Strahlung - Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit

Human Health effect model

kg U235-Äquivalent (Luft)

Dreicer et al., 1995

Fotochemische Bildung von Ozon

LOTOS-EUROS-Modell

kg NMVOC- (58) Äquivalent

Van Zelm et al., 2008, wie implementiert in ReCiPe

Versauerung

Accumulated Exceedance model

mol H+-Äquivalent

Seppälä et al.,2006; Posch et al., 2008

Eutrophierung – Land

Accumulated Exceedance model

mol N-Äquivalent

Seppälä et al.,2006; Posch et al., 2008

Eutrophierung – Wasser

EUTREND-Modell

Süßwasser: kg CO2-Äquivalent Meerwasser: kg N-Äquivalent

Struijs et al., 2009; wie implementiert in ReCiPe

Ressourcenerschöpfung - Wasser

Schweizer Methode der ökologischen Knappheit

m3 Wasserverbrauch im Verhältnis zur lokaler Wasserknappheit

Frischknecht et al., 2008

Ressourcenerschöp-fung - mineralisch, fossil

CML2002-Modell

kg Antimon-Äquivalent

van Oers et al., 2002

Landnutzungs-änderungen

Organische Materie im Boden (SOM-Modell)

kg (Defizit)

Milà i Canals et al., 2007

Die Benutzer dieses PEF-Leitfadens können sich je nach Produktsystem oder beabsichtigter Anwendung für ein engeres Spektrum an EF-Wirkungskategorien entscheiden. Derartige Ausschlüsse sollten durch geeignete Dokumente beispielsweise aus folgenden Quellen unterstützt werden (die Liste ist nicht erschöpfend):

internationale Konsensfindung;

unabhängige externe Prüfung;

multilaterale Prozesse;

Ökobilanzstudien, die einem Peer-Review unterzogen wurden;

Screening (siehe Abschnitt 5.2).

Anforderung an PEF-studien

Die Auswahl der EF-Wirkungskategorien sollte umfassend sein und alle relevanten Umweltaspekte der Lieferkette des untersuchten Produktes abdecken. Bei einer PEF-Studie müssen alle angegebenen Standard-EF-Wirkungskategorien und die entsprechenden angegebenen EF-Wirkungsabschätzungsmodelle angewendet werden. Jeder Ausschluss muss im PEF-Bericht ausführlich dokumentiert, begründet, beschrieben und durch geeignete Unterlagen belegt werden.

Der Einfluss eines Ausschlusses auf die Endergebnisse, insbesondere in Bezug auf die reduzierte Vergleichbarkeit mit anderen PEF-Studien, muss in der Auswertungsphase erörtert und angegeben werden. Ausschlüsse dieser Art sind prüfungspflichtig.

Zusätzliche anforderung an die aufstellung von PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen jeden Ausschluss von Standard-EF-Wirkungskategorien spezifizieren und begründen; dies gilt vor allem für Ausschlüsse, die die Vergleichbarkeit betreffen.

4.5   Auswahl zusätzlicher Umweltinformationen, die für den PEF zu berücksichtigen sind

Ein Produkt kann potenziell relevante Umweltauswirkungen haben, die von den allgemein anerkannten lebenswegbasierten EF-Wirkungsabschätzungsmodellen nicht erfasst werden. Es ist wichtig, dass diese Umweltauswirkungen soweit wie möglich berücksichtigt werden. Beispielsweise können sich Landnutzungsänderungen an einem bestimmten Standort oder im Rahmen einer bestimmten Tätigkeit auf die Biodiversität auswirken. Dies kann die Anwendung zusätzlicher EF-Wirkungskategorien, die nicht auf der Standardliste dieses PEF-Leitfadens stehen, oder sogar zusätzliche qualitative Beschreibungen erforderlich machen, wenn sich die Verbindung der Auswirkungen zur Produktlieferkette nicht quantifizieren lässt. Solche zusätzlichen Methoden sollten als Ergänzung der Standardliste von EF-Wirkungskategorien angesehen werden.

Bestimmte Produkte werden möglicherweise in Unternehmen produziert, die in Meeresnähe liegen. Ihre Emissionen könnten sich daher anstatt auf Süßwasser direkt auf die Meeresgewässer auswirken. Da die Standardliste der EF-Wirkungskategorien nur Ökotoxizität infolge von Emissionen in Süßgewässer vorsieht, ist es wichtig, auch Emissionen zu berücksichtigen, die direkt in Meeresgewässer erfolgen. Diese Emissionen müssen auf Elementarebene erfasst werden, da es zurzeit kein entsprechendes Wirkungsabschätzungsmodell gibt.

Zusätzliche Umweltinformationen können Folgendes umfassen (die Liste ist nicht erschöpfend):

(a)

Stücklistendaten;

(b)

Informationen über Zerlegbarkeit, Recylingfähigkeit, Verwertbarkeit, Wiederverwendbarkeit und Ressourceneffizienz;

(c)

Informationen über die Verwendung gefährlicher Stoffe;

(d)

Informationen über die Entsorgung gefährlicher/nicht gefährlicher Abfälle;

(e)

Informationen über den Energieverbrauch;

(f)

Informationen über lokale/standortspezifische Auswirkungen, z. B. lokale Auswirkungen auf Versauerung, Eutrophierung und Biodiversität;

(g)

Andere relevante Umweltinformationen über die betreffenden Tätigkeiten und/oder Standorte sowie über den Produktoutput.

Anforderung an PEF-studien

Wenn die Standardliste der EF-Wirkungskategorien oder die Standard-Wirkungsabschätzungs-modelle die potenziellen Umweltauswirkungen des untersuchten Produkts nicht ausreichend abdecken, müssen alle produktrelevanten (qualitativen/quantitativen) Umweltaspekte auch unter „Zusätzliche Umweltinformationen“ erfasst werden. Sie dürfen die verbindlichen Wirkungsabschätzungsmodelle für die Standard-EF-Wirkungskategorien jedoch nicht ersetzen. Die unterstützenden Modelle für diese zusätzlichen Kategorien sowie die entsprechenden Indikatoren müssen mit eindeutigen Verweisen versehen und dokumentiert werden.

Zusätzliche Umweltinformationen müssen

auf fundierten Informationen beruhen, die gemäß den Anforderungen der ISO 14020 und Abschnitt 5 der ISO 14021:1999 überprüft oder verifiziert wurden;

spezifisch und genau sein und dürfen nicht irreführend sein;

für die betreffende Produktkategorie relevant sein.

Direkt ins Meerwasser erfolgende Emissionen müssen (auf Sachbilanzebene) unter „Zusätzliche Umweltinformationen“ erfasst werden.

Werden zur Unterstützung der Auswertung einer PEF-Studie zusätzliche Umweltinformationen herangezogen, so müssen alle Daten, die zur Beschaffung dieser Informationen erforderlich sind, dieselben Qualitätsanforderungen erfüllen, die auch für die Daten zur Berechnung der PEF-Ergebnisse gelten (siehe Abschnitt 5.6 (59)).

Zusätzliche Umweltinformationen dürfen sich nur auf Umweltprobleme beziehen. Informationen und Anweisungen, z. B. Sicherheitsdatenblätter, die keinen Bezug zur Umweltleistung des Produkts haben, dürfen nicht Teil eines PEF sein. Auch Informationen über rechtliche Anforderungen dürfen nicht erfasst werden.

Zusätzliche anforderung an die aufstellung von PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen in die PEF-Studie aufzunehmende zusätzliche Umweltinformationen spezifizieren und begründen. Diese zusätzlichen Informationen müssen separat von den lebenswegbasierten PEF-Ergebnissen angegeben und alle Methoden und Annahmen müssen genau dokumentiert werden. Bei zusätzlichen Umweltinformationen kann es sich um quantitative und/oder qualitative Angaben handeln.

Zusätzliche Umweltinformationen können Folgendes umfassen (die Liste ist nicht erschöpfend):

andere relevante Umweltwirkungen für die betreffenden Produktkategorie;

andere relevante technische Parameter, die zur Bewertung des untersuchten Produkts verwendet werden können und Gesamteffizienzvergleiche mit anderen Produkten ermöglichen. Diese technischen Parameter können z. B. die Nutzung erneuerbarer oder nicht erneuerbarer Energien, erneuerbarer oder nicht erneuerbarer Brennstoffe, Sekundärrohstoffe, oder Süßwasserressourcen betreffen oder die Entsorgung gefährlicher oder nicht gefährlicher Abfälle;

andere relevante Ansätze für die Charakterisierung (60) der Flüsse aus dem Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil, wenn Charakterisierungsfaktoren (61) (CF) in der Standardmethode für bestimmte Flüsse (z. B. Gruppen von Chemikalien) nicht zur Verfügung stehen;

Umweltindikatoren oder Produkthaftungsindikatoren (gemäß der Global Reporting Initiative, GRI);

Energieverbrauch entlang des Lebenswegs, aufgeschlüsselt nach Primärenergiequellen, wobei der Verbrauch von „erneuerbaren“ Energien separat anzugeben ist;

direkter Energieverbrauch, aufgeschlüsselt nach Primärenergiequellen, wobei der Verbrauch von „erneuerbaren“ Energien separat anzugeben ist;

für „Werkstor-zu-Werkstor“-Phasen (Gate-to-Gate): Zahl der Arten auf der roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) und auf nationalen Naturschutzlisten in durch den Organisationsbetrieb betroffenen Gebieten, aufgeschlüsselt nach Höhe des Aussterbensrisikos;

Beschreibung bedeutender Auswirkungen von Tätigkeiten, Produkten und Dienstleistungen auf die Biodiversität in geschützten Gebieten und in Gebieten von hohem Biodiversitätswert außerhalb geschützter Gebiete;

Gesamtgewicht des Abfalls, aufgeschlüsselt nach Arten und Entsorgungsmethoden;

Gewicht der transportierten, eingeführten, ausgeführten oder behandelten Abfälle, die nach den Anhängen I, II, II und VIII des Baseler Übereinkommens als gefährlich eingestuft sind, und Prozentsatz der transportierten Abfälle, die international versandt werden.

4.6   Annahmen/Grenzen

Da die Untersuchungen im Rahmen einer PEF-Studie an bestimmte Grenzen stoßen können, müssen Annahmen aufgestellt werden. So ist es beispielsweise möglich, dass generische Daten (62) die Realität des untersuchten Produkts nicht vollständig repräsentieren und angepasst werden müssen.

Anforderung an PEF-studien

Alle Grenzen und Annahmen müssen auf transparente Weise angegeben werden.

Zusätzliche anforderungen an PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen auf produktkategoriespezifische Grenzen verweisen und die zur Überwindung dieser Grenzen notwendigen Annahmen aufstellen.

5.   ERSTELLUNG UND AUFZEICHNUNG DES RESSOURCENNUTZUNGS- UND EMISSIONSPROFILS

5.1   Allgemeines

Als Grundlage für die Modellierung des Umweltfußabdrucks von Produkten muss eine Bilanz (Profil) aller Stoff-/Energieströme auf der Inputseite und aller Emissionen in Luft, Wasser und Boden auf der Outputseite der Produktlieferkette erstellt werden, die als Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil bezeichnet wird (63).

Idealerweise sollte das Modell für die „Produktlieferkette“ auf Basis einrichtungs- oder produktspezifischer Daten erstellt werden (d. h. Modellierung des genauen Lebenswegs mit Illustration der Lieferkette und der Nutzungs- und Lebensendphasen). In der Praxis sollten grundsätzlich und wannimmer möglich direkt erhobene einrichtungsspezifische Bilanzdaten verwendet werden. Für Prozesse, bei denen das Unternehmen keinen direkten Zugang zu spezifischen Daten hat (d. h. Hintergrundprozesse), werden in der Regel generische Daten (64) verwendet. Es gilt jedoch als gute Praxis, auf Daten zuzugreifen, die bei den Lieferanten der relevantesten Produkte direkt erhoben wurden, es sei denn, generische Daten sind repräsentativer oder besser geeignet.

Das Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil muss sich auf die folgenden Klassifikationen (65) der untersuchten Flüsse stützen:

Elementarflüsse sind (nach ISO 14040:2006, 3.12) „Stoffe oder Energien, die dem untersuchten System zugeführt werden und der Umwelt ohne vorherige Behandlung durch den Menschen entnommen wurden, oder Stoffe oder Energien, die das untersuchte System verlassen und ohne anschließende Behandlung durch den Menschen an die Umwelt abgegeben werden.“ Elementarflüsse sind beispielsweise der Natur entnommene Ressourcen oder Emissionen in die Luft, ins Wasser oder in den Boden, die unmittelbar mit den Charakterisierungsfaktoren der EF-Wirkungskategorien zusammenhängen;

Nichtelementare (oder komplexe) Flüsse sind alle restlichen Inputs (z. B. Elektrizität, Materialien, Transportprozesse) und Outputs (z. B. Abfälle, Nebenprodukte) eines Systems, die weiterer Modellierungsschritte bedürfen, um in Elementarflüsse umgewandelt zu werden.

Alle nichtelementaren Flüsse im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil müssen in Elementarflüsse umgewandelt werden. So sind beispielsweise Abfallströme nicht nur in Kilogramm Haushaltsabfall oder gefährlicher Abfall anzugeben, sondern müssen auch die auf die Behandlung der festen Abfälle zurückzuführenden Emissionen in Wasser, Luft und Boden umfassen. Dies ist für die Vergleichbarkeit von PEF-Studien unerlässlich. Diese Erstellung des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils ist abgeschlossen, wenn alle Flüsse als Elementarflüsse ausgedrückt sind.

TIPP: Dokumentierung der Datenerhebung ist sinnvoll, um die Datenqualität im Zeitverlauf zu verbessern, eine kritische Prüfung (66) vorzubereiten und künftige Produktbilanzen zu überarbeiten, um Änderungen der Produktionsmethoden Rechnung zu tragen. Um sicherzustellen, dass alle relevanten Informationen dokumentiert werden, kann die Aufstellung eines Datenmanagementplans bereits zu Beginn der Bilanzierung hilfreich sein (siehe Anhang II).

Das Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil für eine PEF-Studie kann, wie in Abbildung 3 erläutert, in einem Zwei-Schritt-Verfahren erstellt werden. Der erste Schritt ist nicht verbindlich, wird aber dringend empfohlen.

Abbildung 3

Zwei-Schritt-Verfahren zur Erstellung des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils

Image

Anforderung an PEF-studien

Alle Ressourcennutzungen und Emissionen, die mit den Lebenswegphasen innerhalb der festgelegten Systemgrenzen verbunden sind, müssen im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil erfasst werden. Die Flüsse müssen in „Elementarflüsse“ und „nichtelementare (d. h. komplexe) Flüsse“ gruppiert werden. Alle nichtelementaren Flüsse im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil müssen anschließend in Elementarflüsse umgewandelt werden.

5.2   Screening (empfohlen)

Als erster Schritt für die Erstellung des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils wird dringend ein „Screening“ empfohlen, denn es hilft, die Datenerhebung und die Datenqualitätsanforderungen auf das Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil als solches zu fokussieren.

Anforderung an PEF-studien

Für die Durchführung eines (dringend empfohlenen) Screenings müssen leicht zugängliche spezifische und/oder generische Daten verwendet werden, die die Anforderungen an die Datenqualität gemäß Abschnitt 5.6 erfüllen. Alle für das Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil zu berücksichtigenden Prozesse und Aktivitäten müssen beim Screening erfasst werden. Jeder Ausschluss von Lieferkettenphasen muss ausführlich begründet und dem Prüfverfahren unterzogen werden; der Einfluss ausgeschlossenen Phasen auf die Endergebnisse muss argumentiert werden.

Bei Lieferkettenphasen, für die keine quantitative EF-Wirkungsabschätzung vorgesehen ist, muss für das Screening auf die vorhandene Literatur und andere Quellen zurückgegriffen werden, um für die Umwelt potenziell bedeutsame Prozesse qualitativ beschreiben zu können. Diese qualitativen Beschreibungen müssen unter „Zusätzliche Umweltinformationen“ angegeben werden.

Zusätzliche anforderung an die aufstellung von PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen alle zu berücksichtigenden Prozesse und die entsprechenden Datenqualitäts- und Prüfungsanforderungen spezifizieren, wobei letztere über die Anforderungen dieses PEF-Leitfadens hinausgehen können. Sie müssen auch vorgeben, für welche Prozesse spezifische Daten erforderlich sind und für welche Prozesse generische Daten verwendet werden dürfen oder müssen.

5.3   Datenmanagementplan (fakultativ)

Ein Datenmanagementplan kann für die Verwaltung der Daten und die Überwachung des Prozesses der Erstellung des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils für ein Produkt sinnvoll sein.

Der Datenmanagementplan kann Folgendes umfassen:

eine Beschreibung des Verfahrens der Datenerhebung

Datenquellen

Berechnungsmethoden

Datenübertragungs-, -speicherungs- und -sicherungsverfahren

Qualitätskontroll- und Prüfverfahren für die Datenerhebung, Input- und Datenverarbeitungstätigkeiten, Datendokumentation und Emissionsberechnungen.

Weitere Empfehlungen für mögliche Ansätze zur Aufstellung eines Datenmanagementplans finden Sie in Anhang II.

5.4   Daten für das Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil

Anforderung an PEF-studien

Jede Ressourcennutzung und alle Emissionen, die mit den Lebenswegphasen innerhalb der festgelegten Systemgrenzen verbunden sind, müssen im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil erfasst werden.

Die folgenden Elemente müssen für das Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil berücksichtigt werden:

Beschaffung und Vorbehandlung von Rohstoffen;

Investitionsgüter: lineare Abschreibung und Berücksichtigung der erwarteten Lebensdauer der Investitionsgüter (und nicht etwa der Zeit, bis ein ökonomischer Buchwert von 0 erreicht ist)

Produktion;

Produktvertrieb und Lagerung;

Nutzungsphase;

Logistik;

Ende der Lebensdauer.

Zusätzliche anforderung an die aufstellung von PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln sollten ein oder mehrere Beispiele für die Erstellung des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils geben und Folgendes spezifizieren:

Stofflisten für erfasste Tätigkeiten/Prozesse;

Einheiten;

Nomenklatur für Elementarflüsse.

Diese Spezifikationen können auf eine oder mehrere Lieferkettenphasen, Prozesse oder Aktivitäten angewendet werden, damit die Einheitlichkeit der Datenerhebung und Berichterstattung gewährleistet ist. Die PEFCR-Regel kann für wichtige vorgelagerte, Gate-to-Gate  (67)- oder nachgelagerte Phasen strengere Datenanforderungen spezifizieren, als sie in diesem PEF-Leitfaden festgelegt sind.

Für Modellierungsprozesse/-tätigkeiten innerhalb des Kernmoduls (d. h. Gate-to-Gate-Phase) muss die PEFCR-Regel auch Folgendes vorgeben:

Prozesse/Tätigkeiten;

Spezifikationen für die Zusammenstellung von Daten für Schlüsselprozesse, einschließlich der Ermittlung einrichtungsübergreifender Durchschnittsdaten;

etwaige standortspezifische Daten, die für die Berichterstattung als „Zusätzliche Umweltinformationen“ erforderlich sind;

spezifische Datenqualitätsanforderungen, z. B. für die Messung spezifischer Tätigkeitsdaten.

Sieht die PEFCR-Regel auch Abweichungen von der Standard-Cradle-to-Grave-Systemgrenze vor (sieht sie beispielsweise eine Cradle-to-Gate-Systemgrenze vor), so muss spezifiziert werden, wie die Stoff-/Energiebilanzen im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil zu verrechnen sind.

5.4.1   Beschaffung und Vorbehandlung von Rohstoffen (Cradle-to-Gate)  (68)

Die Phase der Beschaffung und Vorbehandlung von Rohstoffen beginnt, wenn Ressourcen aus der Natur (cradle) entnommen werden, und endet, wenn die Produktbestandteile durch das Werkstor (gate) in die Einrichtung gelangen, in der das Produkt hergestellt wird. Prozesse in dieser Phase umfassen u. a.

Bergbau und Abbau von Bodenschätzen;

Vorbehandlung aller Inputstoffe für das untersuchte Produkt, z. B.

Formung von Metallen zu Barren;

Aufbereitung von Kohle;

Umwandlung von Recyclingmaterial;

Photosynthese für biogenes Material;

Anbau und Ernte von Bäumen oder Kulturpflanzen;

Beförderung innerhalb und zwischen Abbau- und Vorbehandlungseinrichtungen und zur Produktionseinrichtung.

5.4.2   Investitionsgüter

Beispiele für Investitionsgüter, die berücksichtigt werden müssen:

in Produktsprozessen eingesetzte Maschinen

Gebäude

Büroausstattung

Transportfahrzeuge

Verkehrsinfrastruktur

Investitionsgüter müssen linear abgeschrieben werden. Berücksichtigt werden muss die erwartete Lebensdauer der Investitionsgüter (und nicht die Zeit, die erforderlich ist, um einen ökonomischen Buchwert von 0 zu erreichen).

5.4.3   Produktion(68)

Die Produktionsphase beginnt, wenn die Produktbestandteile am Produktionsstandort eintreffen, und endet, wenn das fertige Produkt die Produktionseinrichtung verlässt. Beispiele für produktionsbezogene Tätigkeiten:

Chemische Bearbeitung;

Herstellung;

Beförderung von halbfertigen Produkten zwischen Herstellungsprozessen;

Montage von Bestandteilen;

Verpackung,

Abfallbehandlung;

Beförderung von Mitarbeitern (falls relevant);

Dienstreisen (falls relevant).

5.4.4   Produktvertrieb und Lagerung(68)

Die Produkte werden an Nutzer vertrieben und können an verschiedenen Punkten entlang der Lieferkette gelagert werden. Beispiele für mit Vertrieb und Lagerung zusammenhängende, zu berücksichtigende Prozesse (die Liste ist nicht erschöpfend):

Energieinputs für die Beleuchtung und Beheizung von Lagerhäusern;

Verwendung von Kältemitteln in Lagerhäusern und Transportfahrzeugen;

Verbrauch von Kraftstoffen durch Fahrzeuge.

5.4.5   Nutzungsphase(68)

Die Nutzungsphase beginnt, wenn der Verbraucher oder Endnutzer das Produkt in Besitz nimmt, und endet, wenn das benutzte Produkt ausrangiert wird, um zu einer Recycling- oder Abfallbehandlungseinrichtung verbracht zu werden. Beispiele für zu berücksichtigende Prozesse der Nutzungsphase (die Liste ist nicht erschöpfend):

Nutzungs-/Verbrauchsmuster, Ort, Zeit (Tag/Nacht, Sommer/Winter, Woche/Wochenende) und angenommene Lebensdauer von Produkten in der Nutzungsphase;

Beförderung zum Ort der Nutzung;

Kühlung am Ort der Nutzung;

Vorbereitung zur Nutzung (z. B. Mikrowelle);

Ressourcenverbrauch während der Nutzung (z. B. Reinigungsmittel, Energie- und Wasserverbrauch der Waschmaschine);

Reparatur und Instandhaltung des Produkts während der Nutzungsphase.

Das Nutzungsszenario muss auch berücksichtigen, ob die Nutzung der untersuchten Produkte die Systeme, in denen sie benutzt werden, möglicherweise verändert. Energieverbrauchende Produkte könnten z. B. Einfluss auf die für die Heizung/Kühlung eines Gebäudes erforderliche Energie haben, oder das Gewicht einer Autobatterie könnte den Kraftstoffverbrauch des Autos beeinflussen. Die folgenden Quellen für technische Informationen über das Nutzungsszenario sollten berücksichtigt werden (die Liste ist nicht erschöpfend):

Veröffentlichte internationale Normen, die Anleitungen und Anforderungen für die Ausarbeitung von Szenarien für die Nutzungsphase und Szenarien für die (d. h. für die Schätzung der) Nutzungslebensdauer des Produkts enthalten;

veröffentlichte nationale Leitlinien für die Ausarbeitung von Szenarien für die Nutzungsphase und Szenarien für die (d. h. für die Schätzung der) Nutzungslebensdauer des Produkts;

veröffentlichte Leitlinien der Industrie für die Ausarbeitung von Szenarien für die Nutzungsphase und Szenarien für die (d. h. für die Schätzung der) Nutzungslebensdauer des Produkts;

Markterhebungen oder andere Marktdaten.

Anmerkung: Die vom Hersteller empfohlene Methode für die Nutzungsphase (z. B. Backen in einem Ofen bei einer bestimmten Temperatur für eine bestimmte Zeit) kann als Grundlage für die Festlegung der Nutzungsphase eines Produkts dienen. Das tatsächliche Nutzungsmuster kann jedoch von der Empfehlung abweichen; es sollte in jedem Fall verwendet werden, wenn entsprechende Informationen vorliegen.

Anforderung an PEF-studien

Wenn keine Methode für die Festlegung der Nutzungsphase von Produkten nach den Verfahrensregeln dieses PEF-Leitfaden festgelegt wurde, muss die die Studie durchführende Organisation bestimmen, nach welchem Ansatz die Nutzungsphase von Produkten festgelegt wird. Das tatsächliche Nutzungsmuster kann jedoch von den Empfehlungen abweichen; es sollte in jedem Fall verwendet werden, wenn entsprechende Informationen vorliegen. Relevante Auswirkungen der Produktnutzung auf andere Systeme müssen berücksichtigt werden.

Methoden und Annahmen müssen dokumentiert werden. Alle relevanten Annahmen für die Nutzungsphase müssen ebenfalls dokumentiert werden.

Zusätzliche anforderung an die aufstellung von PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen Folgendes spezifizieren:

gegebenenfalls die in die Studie aufzunehmenden Szenarien der Nutzungsphase;

die für die Nutzungsphase zu berücksichtigende Zeitspanne.

5.4.6   Modellierung der Logistik für das untersuchte Produkt

Die folgenden Parameter sind wichtig und sollten oder müssen (je nach Fall, siehe unten) für die Modellierung des Transports berücksichtigt werden:

1.

Transportart: Die Art des Transports (z. B. Landweg (Straße, Schiene, Rohrleitung), Wasserweg (Schiff, Fähre) oder Luftweg (Flugzeug)) muss berücksichtigt werden.

2.

Fahrzeugtyp und Kraftstoffverbrauch: Je nach Transportart müssen der Fahrzeugtyp sowie der Kraftstoffverbrauch des Fahrzeugs in voll beladenem oder leerem Zustand berücksichtigt werden. Dabei muss der Verbrauchswert eines voll beladenen Fahrzeugs angepasst werden, um der tatsächlichen Beladungsrate (69) Rechnung zu tragen.

3.

Beladungsrate: Umweltauswirkungen stehen in direktem Zusammenhang mit der tatsächlichen Lademenge, die folglich berücksichtigt werden muss.

4.

Zahl der Leerfahrten: Die Zahl der Leerfahrten (d. h. das Verhältnis der Strecke, die zurückgelegt wird, um nach Entladung des Produkts die nächste Ladung abzuholen, zu der Strecke, die zum Transport des Produkts zurückgelegt wurde) muss, sofern zutreffend und relevant, berücksichtigt werden. Die Leerkilometer des Fahrzeugs müssen dem Produkt zugeordnet werden. Je nach Land und Art des transportierten Produkts müssen spezifische Werte festgelegt werden.

5.

Transportstrecke: Transportstrecken müssen dokumentiert werden, wobei fallspezifische Streckenmittelwerte zugrunde zu legen sind.

6.

Allokation von Transportauswirkungen: Ein Teil der Umweltauswirkungen von Transporttätigkeiten muss auf Basis des Grenzlastfaktors der Untersuchungseinheit (dem untersuchten Produkt) zugeordnet werden. Dabei sollten die folgenden Modellierungsgrundsätze beachtet werden:

Warentransport: Zeit oder Strecke UND Masse oder Volumen (oder in Sonderfällen: Stücke/Paletten) der transportierten Ware:

a)

wenn das höchstzulässige Gewicht erreicht ist, bevor das Fahrzeug volumenmäßig zu 100 % beladen ist (Produkte mit hoher Dichte), muss die Allokation auf Basis der Masse der transportierten Produkte erfolgen;

b)

wenn das Fahrzeug volumenmäßig zu 100 % beladen ist, das höchstzulässige Gewicht jedoch nicht erreicht ist (Produkte mit niedriger Dichte), muss die Allokation auf Basis des Volumens der transportierten Produkte erfolgen.

Beförderung von Personen: Zeit und Strecke;

Dienstreisen: Zeit, Strecke oder ökonomischer Wert;

7.

Kraftstoffproduktion: Die Kraftstoffproduktion muss berücksichtigt werden. Standardwerte für die Kraftstoffproduktion sind z. B. in der Europäischen Referenzdatenbank für Lebenszyklusdaten (ELCD) (70) zu finden.

8.

Infrastruktur: Die Transportinfrastruktur (Straße, Schiene, Wasser) sollte berücksichtigt werden.

9.

Ressourcen und Instrumente: Menge und Art zusätzlicher Ressourcen und Instrumente, die für logistische Vorgänge erforderlich sind (z. B. Kräne und Transporter), sollten berücksichtigt werden.

Anforderung an PEF-studien

Folgende Transportparameter müssen berücksichtigt werden: Art des Transports, Fahrzeugtyp und Kraftstoffverbrauch, Beladungsrate, Zahl der Leerfahrten (falls relevant), Transportstrecke, Allokation der Auswirkungen des Warentransports auf Basis eines Grenzlastfaktors (d. h. Masse bei Produkten mit hoher Dichte und Volumen bei Produkten mit niedriger Dichte) sowie Kraftstoffproduktion.

Folgende Transportparameter sollten berücksichtigt werden: Transportinfrastruktur, zusätzliche Ressourcen und Instrumente wie Kräne und Transporter, Allokation der Auswirkungen des Personentransports auf Zeit- oder Streckenbasis, Allokation der Auswirkungen von Dienstreisen auf Zeitbasis, Streckenbasis oder Basis des ökonomischen Werts.

Die transportbedingten Auswirkungen müssen in Standardreferenzeinheiten ausgedrückt werden, d. h. in Tonnenkilometern (tkm) für den Waren- und in Personenkilometern (Pkm) für den Personentransport. Jede Abweichung von diesen Standardreferenzeinheiten muss begründet und angegeben werden.

Die transportbedingten Umweltauswirkungen müssen berechnet werden durch Multiplikation der Auswirkung je Referenzeinheit und Fahrzeugtyp

a)

bei Waren: mit Strecke und Last;

b)

bei Personen: mit Strecke und Zahl der transportierten Personen, auf Basis der festgelegten Transportszenarien.

Zusätzliche anforderung an die aufstellung von PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen die gegebenenfalls in die Studie aufzunehmenden Transport-, Vertriebs- und Lagerszenarien spezifizieren.

5.4.7   Ende des Lebenswegs  (71)

Die Lebensendphase beginnt, wenn der Benutzer das gebrauchte Produkt ausrangiert/wegwirft, und endet, wenn das Produkt als Abfallprodukt wieder in die Natur gelangt oder (als recycelter Input) in den Lebensweg eines anderen Produkts einfließt. Zu den Lebensendprozessen, die von der PEF-Studie berücksichtigt werden müssen, zählen beispielsweise Folgende:

Sammlung und Transport von Altprodukten und -verpackungen;

Zerlegung von Bestandteilen;

Schreddern und Sortieren;

Umwandlung zu Recyclingmaterial;

Kompostierung oder andere Methoden zur Behandlung organischer Abfälle;

Vermüllung;

Verbrennung und Entsorgung der Rost- und Kesselasche;

Lagerung auf Deponien, Deponiebetrieb und Instandhaltung;

Beförderung zu Altprodukt-Behandlungseinrichtungen.

Da oft nicht genau bekannt ist, was am Ende der Lebensdauer eines Produkts geschieht, müssen Szenarien für die Lebensendphase festgelegt werden.

Anforderung an PEF-studien

Abfallflüsse aus Prozessen innerhalb der Systemgrenzen müssen auf Ebene der Elementarflüsse modelliert werden.

Zusätzliche anforderung an die aufstellung von PEFCR-regeln

Etwaige Szenarien für die Lebensendphase müssen in den PEFCR–Regeln festgelegt werden. Die Szenarien müssen auf aktuellen (d. h. im Untersuchungsjahr angewandten) Praktiken, Technologien und Daten basieren.

5.4.8   Anrechnung des Stromverbrauchs (einschließlich der Nutzung erneuerbarer Energien)

Strom aus dem Netz, der in vorgelagerten Bereichen oder innerhalb der festgelegten PEF-Grenze verbraucht wird, muss so genau wie möglich modelliert werden, wobei lieferantenspezifischen Daten der Vorzug zu geben ist. Wenn der Strom (zum Teil) aus erneuerbaren Quellen stammt, darf es nicht zu Doppelzählungen kommen. Der Lieferant muss daher garantieren, dass der der Organisation zur Herstellung des Produkts gelieferte Strom tatsächlich aus erneuerbaren Quellen stammt und nicht in das Netz eingespeist wird, um von anderen Verbrauchern genutzt zu werden (z. B. Herkunftsnachweis für die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energieträgern (72)).

Anforderung an PEF-studien

Für Strom aus dem Netz, der in vorgelagerten Bereichen oder innerhalb der festgelegten PEF-Grenze verbraucht wird, müssen - sofern vorhanden - lieferantenspezifische Daten verwendet werden. Liegen keine lieferantenspezifischen Daten vor, so müssen landesspezifische Daten über den Verbrauchsmix des Landes verwendet werden, in dem die Lebenswegsphasen ablaufen. Bei Strom, der während der Nutzungsphase von Produkten verbraucht wird, muss der Energiemix die Verkaufsverhältnisse zwischen den Ländern oder Regionen widerspiegeln. Liegen keine derartigen Daten vor, so muss der durchschnittliche EU-Verbrauchsmix oder der anderweitig repräsentativste Mix verwendet werden.

Es muss gewährleistet sein, dass Netzstrom aus erneuerbaren Energiequellen (und dessen Wirkungen), der in vorgelagerten Bereichen oder innerhalb der festgelegten PEF-Grenze verbraucht wird, nicht doppelt angerechnet wird. Dem PEF-Bericht muss als Anhang eine Bestätigung des Lieferanten beigefügt werden, aus der hervorgeht, dass der gelieferte Strom tatsächlich aus erneuerbaren Energiequellen stammt und an keine andere Organisation verkauft wird.

5.4.9   Zusätzliche Erwägungen für die Erstellung des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils

Bindung und Emissionen von biogenem CO2

CO2 wird z. B. im Zuge des Wachstums von Bäumen aus der Atmosphäre aufgenommen und gebunden (Charakterisierungsfaktor (73) von -1 CO2Äq Erderwärmungswirkung), beim Verbrennen von Holz hingegen freigesetzt (Charakterisierungsfaktor von +1 CO2Äq Erderwärmungswirkung).

Anforderung an PEF-studien

Die Bindung und Emissionen von CO2 aus biogenen Quellen muss im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil getrennt erfasst werden (74).

Direkte Landnutzungsänderung (Auswirkung auf die Klimaänderung): Die Auswirkung von Landnutzungsänderungen auf die Klimaänderung ist im Wesentlichen auf eine Änderung der Kohlenstoffbestände im Boden zurückzuführen. Eine direkte Landnutzungsänderung ist das Ergebnis der Umwandlung, bezogen auf einen bestimmten Bodenbedeckungstyp, einer Landnutzungsart in eine andere Nutzungsart, die Änderungen der Kohlenstoffbestände des betreffenden Landes nach sich ziehen kann, aber keine Änderung eines anderen Systems herbeiführt. Für weitere Einzelheiten siehe Anhang VI.

Indirekte Landnutzungsänderung (Auswirkung auf die Klimaänderung): Die Auswirkung von Landnutzungsänderungen auf die Klimaänderung ist im Wesentlichen auf eine Änderung der Kohlenstoffbestände im Boden zurückzuführen. Eine indirekte Landnutzungsänderung tritt ein, wenn eine bestimmte Landnutzungsänderung Änderungen außerhalb der Systemgrenzen, d. h. Änderungen anderer Landnutzungsarten, herbeiführt. Da es keine vereinbarte Methodik für indirekte Landnutzungsänderungen im Kontext des Umweltfußabdrucks gibt, werden indirekte Landnutzungsänderungen bei den PEF-Treibhausgasberechnungen nicht berücksichtigt.

Anforderung an PEF-studien

Treibhausgasemissionen, die auf direkte Landnutzungsänderungen zurückzuführen sind, müssen Produkten i) nach der Landnutzungsänderung 20 Jahre lang zugeordnet werden oder ii) ) es muss ein einziger Erntezeitraum ab Gewinnung des untersuchten Produkts gewählt werden (auch wenn dieser länger als 20 Jahre dauert) (75), je nach dem, welcher Zeitraum der längere ist. Für weitere Einzelheiten siehe Anhang VI. Treibhausgasemissionen infolge indirekter Landnutzungsänderungen dürfen nicht erfasst werden, es sei denn, dies ist in der PEFCR-Regel ausdrücklich vorgesehen. In diesem Fall muss die indirekte Landnutzungsänderung als „Zusätzliche Umweltinformation“ separat angegeben werden; sie darf bei der Berechnung der Wirkungsabschätzungskategorie „Treibhausgase“ jedoch nicht berücksichtigt werden.

Anrechnung der Erzeugung erneuerbarer Energie

Innerhalb der Grenzen des untersuchten Systems kann Energie aus erneuerbaren Energieträgern produziert werden. Wird mehr erneuerbare Energie erzeugt, als innerhalb der festgelegten Systemgrenze verbraucht werden kann, und wird diese überschüssige Energie beispielsweise in das Stromnetz eingespeist, so darf dies dem untersuchten Produkt nur dann gutgeschrieben werden, wenn diese Gutschrift nicht bereits im Rahmen anderer Regelungen berücksichtigt wurde. Es muss ein Dokument (z. B. ein Herkunftsnachweis für aus erneuerbaren Quellen erzeugten Strom (76)) vorgelegt werden, aus dem hervorgeht, ob die Gutschrift für die Berechnung berücksichtigt wurde oder nicht.

Anforderung an PEF-studien

Gutschriften für innerhalb der Systemgrenze erzeugte erneuerbare Energie müssen auf Basis des (durch Subtraktion der von außerhalb der Systemgrenze gelieferten Menge erneuerbarer Energie) korrigierten durchschnittlichen Verbrauchsmixes (auf Landesebene) des Landes berechnet werden, dem die Energie geliefert wird. Liegen diese Daten nicht vor, so muss der korrigierte durchschnittliche EU-Verbrauchsmix oder der anderweitig repräsentativste Mix verwendet werden. Liegen keine Daten über die Berechnung korrigierter Verbrauchsmixe vor, so müssen die nicht korrigierten durchschnittlichen Verbrauchsmixe verwendet werden. Es muss auf transparente Weise angegeben werden, welche Energiemixe für die Berechnung der Gutschriften zugrunde gelegt werden und ob sie berichtigt wurden.

Anrechnung temporärer (CO2-)Speicherung und verzögerter Emissionen

Temporäre CO2-Speicherung erfolgt, wenn ein Produkt „der Atmosphäre THG entzieht“ oder „negative Emissionen“ generiert, indem es CO2 für eine begrenzte Zeit aus der Atmosphäre aufnimmt und speichert.

Verzögerte Emissionen sind Emissionen, die über einen bestimmten Zeitraum, z. B. infolge langer Nutzungs- oder Entsorgungsphasen, freigesetzt werden, im Gegensatz zu einer einzelnen Emission zum Zeitpunkt t.

Erläuterungsbeispiel: Wenn Sie ein Holzmöbel mit einer Lebensdauer von 120 Jahren besitzen, so speichern Sie während der 120-jährigen Lebensdauer des Möbels CO2, und die durch Entsorgung oder Verbrennung des Möbels am Ende seiner Lebensdauer entstehenden Emissionen gelten als 120 Jahre lang verzögert. Für die Herstellung des Holzmöbels wird CO2 aufgenommen, 120 Jahre lang gespeichert und wieder freigesetzt, wenn das Möbel am Ende seiner Lebensdauer entsorgt oder verbrannt wird. Das CO2 wird 120 Jahre lang gespeichert und die verzögerten CO2-Emissionen treten erst nach 120 Jahren (d. h. am Ende der Lebensdauer des Möbels) auf und nicht sofort.

Anforderung an PEF-studien

Gutschriften für vorübergehende (CO2-)Speicherung oder verzögerte Emissionen dürfen bei der Berechnung der Standard-EF-Wirkungskategorien nicht berücksichtigt werden. Sie können jedoch als „Zusätzliche Umweltinformation“ einbezogen werden. Sie müssen als „Zusätzliche Umweltinformation“ einbezogen werden, wenn dies in einer zugrunde liegenden PEFCR-Regel vorgesehen ist.

5.5   Nomenklatur für das Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil

PEF-Studienträger müssen die dokumentierte Nomenklatur und die dokumentierten Eigenschaften bestimmter Flüsse im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil mit Nomenklatur und Eigenschaften des International Reference Life Cycle Data System (ILCD) (77) abgleichen.

Anforderung an PEF-studien

Alle relevanten Ressourcennutzungen und Emissionen im Rahmen der Lebenswegphasen innerhalb der definierten Systemgrenze müssen gemäß der Beschreibung in Anhang IV mithilfe des International Reference Life Cycle Data System (ILCD) nomenclature and properties(74) dokumentiert werden.

Sind Nomenklatur und Eigenschaften eines bestimmten Flusses nicht im ILCD vorhanden, so muss eine geeignete Nomenklatur erstellt und die Flusseigenschaften müssen dokumentiert werden.

5.6   Anforderungen an die Datenqualität

In diesem Abschnitt wird beschrieben, wie die Datenqualität zu bewerten ist. Es gibt sechs Qualitätskriterien für PEF-Studien - fünf Kriterien für die Daten und ein Kriterium für die Methode. Die Kriterien sind in Tabelle 3 zusammengefasst. Die technologische, räumliche und zeitbezogene Repräsentativität gibt an, inwieweit die ausgewählten Prozesse und Produkte für das untersuchte System charakteristisch sind. Sobald die für das untersuchte System repräsentativen Prozesse und Produkte ausgewählt sind und das Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil dieser Prozesse und Produkte erstellt ist, wird anhand des Vollständigkeitskriteriums bewertet, inwieweit das Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil dieser Prozesse und Produkte alle mit diesen Prozessen und Produkten verbundenen Emissionen und Ressourcen abdeckt.

Daneben umfasst die Qualitätsbewertung noch drei weitere Aspekte - Prüfung, Dokumentation (Übereinstimmung mit dem ILCD-Format) und Einhaltung der ILCD-Nomenklatur. Die drei letztgenannten Kriterien fallen zwar nicht unter die semiquantitative Bewertung der Datenqualität, wie sie in den folgenden Absätzen beschrieben wird, müssen aber dennoch erfüllt werden.

Tabelle 3

Datenqualitätskriterien, Dokumentation, Nomenklatur und Prüfung

Datenqualitätskriterien

Technologische Repräsentativität (78)

Räumliche Repräsentativität (79)

Zeitbezogene Repräsentativität (80)

Vollständigkeit

Parameterunsicherheit (81)

Methodische Eignung und Konsistenz (82) (die Anforderungen von Tabelle 7 müssen bis Ende 2015 gelten. Ab 2016 muss die PEF-Methodik in vollem Umfang eingehalten werden.)

Dokumentation

Entspricht ILCD-Format

Nomenklatur

Entspricht ILCD-Nomenklatur (z. B. Verwendung von ILCD-Referenzelementarflüssen für IT-kompatible Bilanzen)

Prüfung

Prüfung durch einen „qualifizierten Prüfer“ (siehe Kapitel 8):

Separater Prüfbericht


Tabelle 4

Übersicht über die Anforderungen an die Datenqualität und deren Bewertung

 

Mindestdatenqualität

Art der erforderlichen Bewertung der Datenqualität

Daten betreffend mindestens 70 % der Beiträge zu jeder EF-Wirkungskategorie

Insgesamt „gute“ Datenqualität (DQR ≤ 3,0)

Semiquantitativ auf Basis von Tabelle 5

Daten betreffend die verbleibenden 20-30 % der Beiträge zu jeder EF-Wirkungskategorie

Insgesamt „mittlere“ Datenqualität

Qualitative Beurteilung durch einen Sachverständigen (Tabelle 7 kann unterstützend verwendet werden). Keine Quantifizierung erforderlich.

Näherungsdaten und Daten zum Auffüllen festgestellter Lücken (nicht mehr als 10 % der Beiträge zu jeder EF-Wirkungskategorie)

Beste verfügbare Daten

Qualitative Beurteilung durch einen Sachverständigen (Tabelle 7 kann unterstützend verwendet werden).

Semiquantitative Bewertung der Datenqualität

Die folgenden Tabellen 5 und 6 und die jeweils dazugehörige Gleichung (Formel 1) beschreiben die Kriterien, die für die semiquantitative Bewertung der Datenqualität zu verwenden sind. Anhang VII enthält ein Beispiel für die Datenqualitätsanforderungen an Papierzwischenprodukte.

Tabelle 5

Kriterien für die semiquantitative Bewertung der Gesamtqualität der in der EF-Studie verwendeten Sachbilanzdatensätze

Qualitätsniveau

Quali-tätsbe-wer-tung

Definition

Vollständigkeit

Methodische Eignung und Konsistenz

Zeitbezogene Repräsentativität

Technologische Repräsentativität

Räumliche Repräsentativität

Parameter-unsicherheit

 

 

 

Zu Beurteilen im Hinblick auf die Abdeckung jeder EF-Wirkungskategorie und gemessen an einer hypothetischen idealen Datenqualität

Die angewendeten Sachbilanzmethoden und die methodischen Entscheidungen (z. B. Allokation, Substitution usw.) entsprechen dem Ziel und Untersuchungsrahmen des Datensatzes und insbesondere den diesbezüglichen Anwendungen, die die Grundlage für die Entscheidungen bilden. Die Methoden wurden konsequent auf alle Daten angewendet (83).

Ausmaß, in dem der Datensatz die spezifischen Bedingungen des untersuchten Systems in Bezug auf die Zeit der Datenerfassung /das Alter der Daten widerspiegelt; dies gilt auch für Datensätze für Hintergrund-prozesse, falls vorhanden.

Anm.: d. h. Bedingungen des angegebenen Jahres (und ggf. der Jahres- oder Tagesdifferenzen).

Ausmaß, in dem der Datensatz die tatsächlich untersuchte Grundgesamtheit in Bezug auf die angewandte Technologie widerspiegelt; dies gilt auch für Datensätze für Hintergrund-prozesse, falls vorhanden.

Anm. d. h. die technischen Eigenschaften, einschließlich Betriebsbedingungen.

Ausmaß, in dem der Datensatz die tatsächlich untersuchte Grundgesamtheit unter räumlichen Gesichtspunkten widerspiegelt; dies gilt auch für Datensätze für Hintergrund-prozesse, falls vorhanden.

Anm.: Anlage/Standort, Region, Land, Markt, Kontinent usw.

Qualitative Beurteilung durch einen Sachverständigen oder relative Standardabweichung in Prozent bei Anwendung einer Monte-Carlo-Simulation.

Anm.: Die Unsicherheitsbewertung betrifft nur die Ressourcennutzungs- und Emissionsprofildaten; die EF-Wirkungsabschätzung fällt nicht darunter.

Sehr gut

1

Erfüllt das Kriterium in sehr hohem Maße, kein Verbesserungsbedarf

Sehr gute Vollständigkeit

(≥ 90 %)

Vollständige Einhaltung aller Anforderungen des PEF-Leitfadens

Kontextspezifisch

Kontextspezifisch

Kontextspezifisch

Sehr niedrige Unsicherheit

Sehr niedrige Unsicherheit

(≤ 10 %)

Gut

2

Erfüllt das Kriterium in hohem Maße, geringer Verbesserungsbedarf

Gute Vollständigkeit

(80 % bis 90 %)

Attributiver (84) prozessbasierter Ansatz UND:

Die drei folgenden methodischen Anforderungen des PEF-Leitfadens sind erfüllt:

Lösung von Multifunktionalitätsproblemen

Modellierung des Lebenswegendes

Systemgrenze

Kontextspezifisch

Kontextspezifisch

Kontextspezifisch

Niedrige Unsicherheit

Niedrige Unsicherheit

(10 % bis 20 %]

Mittel

3

Erfüllt das Kriterium in vertretbarem Maße, ist aber verbesserungsbedürftig.

Mittlere Vollständigkeit

(70 % bis 80 %)

Attributiver prozessbasierter Ansatz UND:

Zwei der drei folgenden methodischen Anforderungen des PEF-Leitfadens sind erfüllt:

Lösung von Multifunktionalitätsproblemen

Modellierung des Lebenswegendes

Systemgrenze

Kontextspezifisch

Kontextspezifisch

Kontextspezifisch

Mittlere Unsicherheit

Mittlere Unsicherheit

(20 % bis 30 %)

Schlecht

4

Erfüllt das Kriterium nicht in ausreichendem Maße; muss verbessert werden.

Schlechte Vollständigkeit

(50 % bis 70 %)

Attributiver prozessbasierter Ansatz UND:

Eine der drei folgenden methodischen Anforderungen des PEF-Leitfadens ist erfüllt:

Lösung von Multifunktionalitätsproblemen

Modellierung der Lebensendphase

Systemgrenze

Kontextspezifisch

Kontextspezifisch

Kontextspezifisch

Hohe Unsicherheit

Hohe Unsicherheit

(30 % bis 50 %)

Sehr schlecht

5

Erfüllt das Kriterium nicht; wesentliche Verbesserung ist notwendig. ODER:

Dieses Kriterium wurde nicht beurteilt / geprüft oder die Qualität konnte nicht überprüft werden / ist unbekannt.

Sehr schlechte oder unbekannte Vollständigkeit

(< 50 %)

Attributiver prozessbasierter Ansatz, ABER:

Keine der drei folgenden methodischen Anforderungen des PEF-Leitfadens ist erfüllt:

Lösung von Multifunktionalitätsproblemen

Modellierung der Lebensendphase

Systemgrenze

Kontextspezifisch

Kontextspezifisch

Kontextspezifisch

Sehr hohe Unsicherheit

Sehr hohe Unsicherheit

(> 50 %)

Die Gesamtdatenqualität muss durch Division der Summe der Qualitätsbewertungen für jedes Qualitätskriterium durch die Gesamtzahl der (sechs) Kriterien berechnet werden. Das Ergebnis ist der Datenqualitätswert (Data Quality Rating, DQR), der in Tabelle 6 zur Angabe des betreffenden Qualitätsniveaus verwendet wird. Die Berechnung erfolgt nach Formel 1:

Formula 1

Formula

—   DQR:

Datenqualitätswert des Datensatzes

—   TeR:

Technologische Repräsentativität

—   GR:

Räumliche Repräsentativität

—   TiR:

Zeitbezogene Repräsentativität

—   C:

Vollständigkeit

—   P:

Genauigkeit/Unsicherheit

—   M:

Methodische Eignung und Konsistenz

Formel 1 muss verwendet werden, um mit dem errechneten Datenqualitätswert das Gesamtdatenqualitätsniveau zu ermitteln.

Tabelle 6

Gesamtdatenqualitätsniveau entsprechend dem errechneten Datenqualitätswert

Gesamtdatenqualitätswert (DQR)

Gesamtdatenqualitätsniveau

≤ 1,6

„Ausgezeichnete Qualität“

1,6 bis 2,0

„Sehr gute Qualität“

2,0 bis 3,0

„Gute Qualität“

3 bis 4,0

„Mittlere Qualität“

> 4

„Schlechte Qualität“


Tabelle 7

Semiquantitative Bewertung der für wichtige Sachbilanzdatensätze erforderlichen Datenqualität am

Beispiel eines Färbeprozesses


Qualitätsniveau

Qualitätswert

Definition

Vollständigkeit

Methodische Eignung und Konsistenz

Zeitbezogene Repräsentativität

Technologische Repräsentativität

Räumliche Repräsen-tativität

Parameterunsicherheit (relative Standardabweichung bei Anwendung einer Monte-Carlo-Simulation, andernfalls qualitative Beurteilung durch einen Sachverständigen)

Sehr gut

1

Erfüllt das Kriterium in sehr hohem Maße; kein Verbesserungsbedarf

Sehr gute Vollständigkeit

(≥ 90 %)

Vollständige Einhaltung aller Anforderungen des PEF-Leitfadens

2009-2012

Diskontinuierlich bei Luftstrom-Färbemaschinen

Mitteleuro-päischer Mix

Sehr niedrige Unsicherheit

(≤ 10 %)

Gut

2

Erfüllt das Kriterium in hohem Maße; geringer Verbesserungsbedarf

Gute Vollständigkeit

(80 % bis 90 %)

Attributiver prozessbasierter Ansatz UND:

Die drei folgenden methodischen Anforderungen des PEF-Leitfadens sind erfüllt:

Lösung von Multifunktionalitätsproblemen

Modellierung der Lebensendphase

Systemgrenze

2006-2008

z. B. „Verbrauchsmix in der EU: 30 % halbkontinuierliches Färben, 50 % Färben nach dem Ausziehverfahren und 20 % kontinuierliches Färben“

EU-27-Mix; VK, DE; IT; FR

Niedrige Unsicherheit

(10 % bis 20 %]

Mittel

3

Erfüllt das Kriterium in akzeptierbarem Maße; ist aber verbesserungsbedürftig.

Mittlere Vollständigkeit

(70 % bis 80 %)

Attributiver prozessbasierter Ansatz UND:

Die zwei folgenden methodischen Anforderungen des PEF-Leitfadens sind erfüllt:

Lösung von Multifunktionalitätsproblemen

Modellierung der Lebensendphase

Die folgenden methodische Anforderungen des PEF-Leitfadens ist jedoch nicht erfüllt:

Systemgrenze

1999-2005

Z. B. „Verbrauchsmix in der EU: 35 % halbkontinuierliches Färben, 40 % Färben nach dem Ausziehverfahren und 25 % kontinuierliches Färben“

Skandinavien; andere EU-27-Länder

Mittlere Unsicherheit

(20 % bis 30 %)

Schlecht

4

Erfüllt das Kriterium nicht in ausreichendem Maße; muss verbessert werden.

Schlechte Vollständigkeit

(50 % bis 75%)

Attributiver prozessbasierter Ansatz UND:

Die folgende methodische Anforderung des PEF-Leitfadens ist erfüllt:

Lösung von Multifunktionalitätsproblemen

Die zwei folgenden methodischen Anforderungen des PEF-Leitfadens sind jedoch nicht erfüllt:

Modellierung der Lebensendphase

Systemgrenze

1990-1999

Z. B. „Färben nach dem Ausziehverfahren“

Naher Osten; USA; JP

Hohe Unsicher-heit

(30 % bis 50 %]

Sehr schlecht

5

Erfüllt das Kriterium nicht; wesentliche Verbesserung ist notwendig. ODER:

Dieses Kriterium wurde nicht beurteilt / geprüft oder die Qualität konnte nicht überprüft werden / ist unbekannt.

Sehr schlechte oder unbekannte Vollständigkeit

(< 50 %)

Attributiver prozessbasierter Ansatz, ABER:

Keine der drei folgenden methodischen Anforderungen des PEF-Leitfadens ist erfüllt:

Lösung von Multifunktionalitätsproblemen

Modellierung der Lebensendphase

Systemgrenze

<1990; unbekannt

Kontinuierliches Färben; sonstige; unbekannt

Sonstige; unbekannt

Sehr hohe Unsicherheit

(> 50 %)

Anforderung an PEF-studien

PEF-Studien, die für die externe Kommunikation, d. h. B2B und B2C, vorgesehen sind, müssen die Datenqualitätsanforderungen erfüllen. Für innerbetriebliche Anwendungen vorgesehene PEF-Studien (von denen behauptet wird, dass sie mit dem PEF-Leitfaden übereinstimmen, sollten die Datenqualitätsanforderungen erfüllen, d. h. dies wird empfohlen, ist jedoch nicht verbindlich. Jede Abweichung von den Anforderungen muss dokumentiert werden. Die Datenqualitätsanforderungen gelten sowohl für spezifische (85) als auch für generische (86) Daten.

Für die semiquantitative Bewertung der Datenqualität im Rahmen von PEF-Studien müssen die folgenden sechs Kriterien angewendet werden: technologische Repräsentativität, räumliche Repräsentativität, zeitbezogene Repräsentativität, Vollständigkeit, Parameterunsicherheit und methodische Eignung und Konsistenz.

Beim faktulativen Screening ist für Daten, die mindestens 90 % der für jede EF-Wirkungskategorie geschätzten Wirkung ausmachen, zumindest ein „mittlerer“ Datenqualitätswert erforderlich, der auf der qualitativen Beurteilung durch einen Sachverständigen beruht.

Im endgültigen Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil müssen bei Prozessen oder Tätigkeiten, die mindestens 70 % der Beiträge zu jeder EF-Wirkungskategorie ausmachen, sowohl die spezifischen als auch die generischen Daten ein insgesamt „gutes“ Qualitätsniveau erreichen (die Schwelle von 70 % wurde als Kompromiss gewählt, um eine robuste und gleichzeitig durchführbare und realistische Bewertung zu gewährleisten). Für diese Prozesse muss eine semiquantitative Bewertung der Datenqualität durchgeführt und mitgeteilt werden. Mindestens zwei Drittel der verbleibenden 30 % (d. h. 20 bis 30 %) müssen mit Daten von mindestens „mittlerer Qualität“ modelliert werden. Daten von schlechterer als mittlerer Qualität dürfen nicht mehr als 10 % der Beiträge zu jeder EF-Wirkungskategorie ausmachen.

Die Qualitätsanforderungen an die Daten über die technologische, räumliche und zeitbezogene Repräsentativität müssen im Rahmen der PEF-Studie geprüft werden. Die Qualitätsanforderungen an die Daten über die Vollständigkeit, methodische Eignung und Konsistenz sowie über die Parameterunsicherheit sollten erfüllt werden, indem generische Daten ausschließlich aus Datenquellen beschafft werden, die die Anforderungen des PEF-Leitfadens erfüllen.

Für das Datenqualitätskriterium „Methodische Eignung und Konsistenz“ gelten die in Tabelle 6 festgelegten Anforderungen bis Ende 2015. Ab 2016 muss die PEF-Methodik in jeder Hinsicht eingehalten werden.

Die Qualität generischer Daten muss auf Ebene der Inputflüsse (z. B. gekauftes Papier, das in einer Druckerei verwendet wird) bewertet werden, während die Qualität spezifischer Daten auf Ebene eines bestimmten Prozesses oder eines aggregierten Prozesses oder auf Ebene einzelner Inputflüsse bewertet werden muss.

Zusätzliche anforderungen an die aufstellung von PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen zusätzliche Anleitungen für die Qualitätsbewertung von Daten zur betreffenden Produktkategorie in Bezug auf ihre zeitbezogene, räumliche und technologische Repräsentativität enthalten. Sie müssen z. B. spezifizieren, welcher Datenqualitätswert für die zeitbezogene Repräsentativität einem für ein bestimmtes Jahr stehenden Datensatz zugeordnet werden sollte.

PEFCR-Regeln können zusätzliche Kriterien für die Bewertung der Datenqualität vorsehen (die über die Standardkriterien hinausgehen).

PEFCR-Regeln können strengere Datenqualitätsanforderungen vorgeben, wenn dies für die betreffende Produktkategorie sinnvoll ist. Sie können Folgendes betreffen:

Gate-to-Gate-Tätigkeiten/-Prozesse;

vor- oder nachgelagerte Phasen;

für die Produktkategorie wichtige Lieferkettentätigkeiten;

für die Produktkategorie wichtige EF-Wirkungskategorien.

Beispiel für die Ermittlung des Datenqualitätswerts

Komponente

Erreichtes Qualitätsniveau

Entsprechender Qualitätswert

Technologische Repräsentativität (TeR)

gut

2

Räumliche Repräsentativität (GR)

gut

2

Zeitbezogene Repräsentativität (TiR)

mittel

3

Vollständigkeit (C)

gut

2

Parameterunsicherheit (P)

gut

2

Methodische Eignung und Konsistenz (M)

gut

2

Formula

Ein DQR von 2,2 entspricht einer insgesamt „guten“ Qualitätsbewertung.

5.7   Erhebung spezifischer Daten

Dieser Abschnitt betrifft die Erhebung spezifischer Daten, d. h. von Daten, die direkt gemessen oder erhoben werden und die für die Tätigkeiten einer bestimmten Einrichtung oder Gruppe von Einrichtungen repräsentativ sind. Die Daten sollten alle bekannten Prozessinputs und Prozessoutputs umfassen. Inputs sind z. B. benötigte Energie, Wasser, Werkstoffe usw., Outputs sind die entstehenden Produkte, Koppelprodukte (87) und Emissionen. Emissionen können in vier Kategorien untergeteilt werden: Emissionen in die Luft, in Gewässer, in Böden sowie Emissionen in Form fester Abfälle. Spezifische Daten können erhoben, gemessen oder mithilfe von Tätigkeitsdaten (88) und dazugehörigen Emissionsfaktoren berechnet werden. Es wird darauf hingewiesen, dass Emissionsfaktoren von generischen Daten abgeleitet werden können, so lange die Datenqualitätsanforderungen erfüllt sind.

Datenerhebung - Messungen und maßgeschneiderte Fragebögen

Die repräsentativsten Datenquellen für spezifische Prozesse sind direkt am Prozess durchgeführte Messungen oder von Betreibern durch Befragungen oder Fragebögen eingeholte Angaben. Die Daten müssen möglicherweise skaliert, aggregiert oder in anderer Form mathematisch bearbeitet werden, um sie zur Untersuchungseinheit und zum Referenzfluss des Prozesses in Beziehung zu setzen.

Typische Quellen für spezifische Daten sind

prozess- oder anlagenbezogene Verbrauchsdaten;

Rechnungen und Veränderungen der Lagerbestände von Verbrauchsgütern;

Emissionsmessungen (Mengen und Konzentrationen der Gas- und Abwasseremissionen);

Zusammensetzung von Produkten und Abfällen;

Einkaufs- und Verkaufsabteilung(en)/-einheit(en).

Anforderung an PEF-studien

Für alle Vordergrundprozesse und gegebenenfalls für Hintergrundprozesse müssen spezifische Daten (89) erhoben werden (90). Sind generische Daten repräsentativer oder besser geeignet als spezifische Daten für Vordergrundprozesse (in diesem Falle zu begründen und mitzuteilen), müssen auch für Vordergrundprozesse generische Daten verwendet werden.

Zusätzliche anforderungen an die aufstellung von PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen

1.

spezifizieren, für welche Prozesse spezifische Daten erhoben werden müssen;

2.

die Verfahrensschritte für die Erhebung spezifischer Daten spezifizieren;

3.

die Datenerhebungsanforderungen für die einzelnen Standorten festlegen, und zwar für:

die Zieletappe(n) und den Erfassungsgrad;

den Ort der Datenerfassung (Inland, Ausland, bestimmte Fabriken usw.);

den Zeitraum der Datenerhebung (Jahr, Jahreszeit, Monat usw.);

wenn Ort oder Zeitraum der Datenerhebung auf einen bestimmten Bereich begrenzt sein müssen, ist dies zu begründen und es ist nachzuweisen, dass die erhobenen Daten für die Stichprobe ausreichen.

5.8   Erhebung generischer Daten

Generische Daten sind Daten, die nicht auf direkten Messungen oder auf Berechnung der betreffenden Systemprozesse beruhen. Sie können entweder sektorspezifisch sein, d. h. den unter die PEF-Studie fallenden Sektor betreffen, oder sich auf mehrere Sektoren beziehen. Beispiele für generische Daten sind u.a.

Daten aus der Literatur oder wissenschaftlichen Veröffentlichungen;

gemittelte Lebenswegdaten für eine bestimmte Branche aus Sachbilanzdatenbanken, Industrieverbandsberichten, Regierungsstatistiken usw.

Quellen für generische Daten

Generische Daten sollten, soweit verfügbar, aus den in diesem PEF-Leitfaden angegebenen Datenquellen beschafft werden. Ansonsten sollten generische Daten vorzugsweise beschafft werden aus

Datenbanken internationaler Regierungsorganisationen (z. B. FAO, UNEP);

länderspezifischen nationalen Sachbilanz-Datenbankprojekten (für Daten, die für das Land spezifisch sind, in dem der Datenbankbetreiber ansässig ist);

nationalen Sachbilanzdatenbankprojekten;

anderen Sachbilanzdatenbanken dritter Parteien;

Peer-Review unterzogener Literatur.

Weitere potenzielle Quellen für generische Daten sind beispielsweise das Resource Directory of the European Platform on LCA  (91). Wenn die notwendigen Daten nicht aus den genannten Quellen bezogen werden können, können auch andere Quellen herangezogen werden.

Anforderung an PEF-studien

Generische Daten sollten nur für Prozesse im Hintergrundsystem verwendet werden, es sei denn, sie sind für Vordergrundprozesse repräsentativer oder geeigneter; in diesem Fall müssen generische Daten auch für Prozesse im Vordergrundsystem verwendet werden. Sofern verfügbar, müssen anstelle von mehrere Sektoren betreffenden generischen Daten sektorspezifische generische Daten verwendet werden. Alle generischen Daten müssen die Datenqualitätsanforderungen dieses Leitfadens erfüllen. Die verwendeten Datenquellen müssen deutlich dokumentiert und im PEF-Bericht angegeben werden.

Generische Daten (vorausgesetzt, sie erfüllen die Datenqualitätsanforderungen dieses Leitfadens) sollten, soweit verfügbar, aus folgenden Quellen beschafft werden:

Daten, die nach Maßgabe der einschlägigen PEFCR-Regeln entwickelt wurden;

Daten, die nach Maßgabe von PEF-Studien entwickelt wurden;

International Reference Life Cycle Data System (ILCD) Data Network  (92) (wobei Datensätze, die in jedem Punkt mit dem ILCD Data Network übereinstimmen, Daten vorzuziehen sind, die nur eintragskonform sind);

Der European Reference Life Cycle Database (ELCD)  (93).

Zusätzliche anforderung an PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen Folgendes spezifizieren:

in welchen Fällen generische Daten als Näherungswerte für einen Stoff, über den keine spezifischen Daten vorliegen, zulässig sind;

den Grad der erforderlichen Ähnlichkeiten zwischen dem tatsächlich verwendeten Stoff und dem generischen Stoff;

erforderlichenfalls die Kombination mehrerer generischer Datensätze.

5.9   Vorgehen bei noch bestehenden Prozessmoduldatenlücken/fehlenden Daten

Datenlücken bestehen, wenn es keine spezifischen oder generischen Daten gibt, die für den betreffenden Prozess entlang des Lebenswegs des betreffenden Produkts ausreichend repräsentativ sind. Bei den meisten Prozessen, für die Daten fehlen, sollte es möglich sein, ausreichende Informationen einzuholen, um die fehlenden Daten angemessen zu schätzen. Deshalb sollte es im endgültigen Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil, wenn überhaupt, nur wenige Datenlücken geben. Die fehlenden Informationen können unterschiedlicher Art sein und unterschiedliche Merkmale aufweisen, so dass jeweils unterschiedliche Lösungsansätze erforderlich sind.

Datenlücken können bestehen,

wenn es für einen bestimmten Input/Output keine Daten gibt oder

wenn es Daten für einen ähnlichen Prozess gibt, diese aber

in einer anderen Region generiert wurden;

mit einer anderen Technik generiert wurden;

in einem anderen Zeitraum generiert wurden.

Anforderung an PEF-studien

Alle Datenlücken müssen mit den besten verfügbaren generischen oder extrapolierten Daten (94) geschlossen werden. Der Beitrag dieser Daten (einschließlich Lücken in generischen Daten) darf nicht mehr als 10 % des Gesamtbeitrags zur jeweils untersuchten EF-Wirkungskategorie ausmachen. Dies spiegelt sich in den Datenqualitätsanforderungen wider, wonach 10 % der Daten aus den besten verfügbaren Daten gewählt werden können (ohne weitere Datenqualitätsanforderungen).

Zusätzliche anforderung an die aufstellung von PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen potenzielle Datenlücken spezifizieren und ausführliche Anleitungen zur Schließung dieser Lücken enthalten.

5.10   Vorgehen bei multifunktionalen Prozessen

Hat ein Prozess oder eine Einrichtung mehrere Funktionen, d. h. liefert bzw. erbringt er mehrere Waren und/oder Dienstleistungen („Koppelprodukte“), so ist er/sie „multifunktional“. In diesem Fall müssen alle Prozessinputs und Prozessemissionen dem untersuchten Produkt und den anderen Koppelprodukten zugeordnet werden. Systeme mit multifunktionalen Prozessen müssen nach der nachstehenden Entscheidungshierarchie modelliert werden - mit zusätzlichen Anleitungen aus PEFCR-Regeln, soweit verfügbar.

Entscheidungshierarchie

I)   Unterteilung oder Systemerweiterung

Um eine Allokation zu vermeiden, sollte wo immer möglich eine Unterteilung oder Systemerweiterung vorgenommen werden. Unterteilung bedeutet Disaggregierung multifunktionaler Prozesse oder Einrichtungen, um die Inputflüsse zu isolieren, die direkt mit dem Output des jeweiligen Prozesses oder der jeweiligen Einrichtung verbunden sind. Systemerweiterung bedeutet Erweiterung des Systems durch Einbeziehung zusätzlicher, die Koppelprodukte betreffende Funktionen. Zunächst muss geprüft werden, ob der untersuchte Prozess unterteilt oder erweitert werden kann. Ist eine Unterteilung möglich, so sollten Bilanzdaten nur für die Prozessmodule (95) erhoben werden, die den betreffenden Waren/Dienstleistungen direkt zugeordnet (96) werden können. Ist Systemerweiterung möglich, so müssen die zusätzlichen Funktionen in die Untersuchung einbezogen werden, wobei die Ergebnisse nicht für die individuellen Koppelprodukte, sondern für das gesamte erweiterte System mitzuteilen sind.

II)   Allokation auf Basis einer relevanten zugrunde liegenden physikalischen Beziehung

Wenn eine Unterteilung oder Systemerweiterung nicht möglich ist, sollte eine Allokation vorgenommen werden, d. h. die Inputs und Outputs des Systems sollten dessen verschiedenen Produkten oder Funktionen so zugeordnet werden, dass die zugrunde liegenden physikalischen Beziehungen zwischen ihnen widergespiegelt werden. (ISO 14044:2006, 14).

Allokation auf Basis einer relevanten zugrunde liegenden physikalischen Beziehung bedeutet Aufteilung der Input- und Outputflüsse eines multifunktionalen Prozesses oder einer multifunktionalen Einrichtung entsprechend einer relevanten quantifizierbaren physikalischen Beziehung zwischen den Prozessinputs und den Koppelproduktoutputs (z. B. einer physikalischen Eigenschaft der Inputs und Outputs, die für die Funktion des betreffenden Koppelprodukts relevant ist). Eine Allokation auf Basis einer physikalischen Beziehung kann durch direkte Substitution modelliert werden, wenn ein direkt substituierbares (97) Produkt identifiziert werden kann.

Kann ein direkter Substitutionseffekt robust modelliert werden? Dies lässt sich demonstrieren, indem nachgewiesen wird, dass 1) ein direkter, empirisch nachweisbarer Substitutionseffekt besteht UND dass 2) das substituierte Produkt modellierbar ist und die Daten des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils auf direkt repräsentative Weise subtrahiert werden können:

Wenn ja (d. h. wenn beide Bedingungen erfüllt sind) modellieren Sie den Substitutionseffekt.

oder

Können die Input-/Outputflüsse auf Basis einer anderen relevanten zugrunde liegenden physikalischen Beziehung zugeordnet werden, die die Inputs und Outputs zur Systemfunktion in Beziehung setzt? Dies lässt sich demonstrieren, indem nachgewiesen wird, dass eine relevante physikalische Beziehung definiert werden kann, auf deren Grundlage die Allokation der der festgelegten Funktion des Produktsystems zuordenbaren Flüsse erfolgen kann (98).

Wenn ja, nehmen Sie eine Allokation auf Basis dieser physikalischen Beziehung vor.

III)   Allokation auf Basis einer anderen Beziehung

Allokation auf Basis einer anderen Beziehung kann möglich sein. Wirtschaftliche Allokation z. B. bedeutet Zuordnung der mit multifunktionalen Prozessen verbundenen Inputs und Outputs zu den Koppelproduktoutputs im Verhältnis zu ihrem relativen Marktwert. Der Marktpreis der Koppelfunktionen sollte sich auf die spezifische Bedingung und den Punkt beziehen, unter der bzw. an dem die Koppelprodukte hergestellt werden. Allokation auf Basis des ökonomischen Wertes darf nur vorgenommen werden, wenn I) und II) nicht möglich sind. In jedem Fall muss - um die physikalische Repräsentativität der PEF-Ergebnisse weitestgehend zu gewährleisten - genau begründet werden, warum I) und II) verworfen und in Schritt III eine bestimmte Allokationsregel gewählt wurde.

Eine Allokation auf Basis einer anderen Beziehung kann auch nach einem der folgenden alternativen Verfahren vorgenommen werden:

Lässt sich ein indirekter Substitutionseffekt (99) feststellen? UND kann das substituierte Produkt modelliert und die Bilanz auf eine angemessen repräsentative Weise subtrahiert werden?

Wenn ja (d. h. beide Bedingungen sind nachsweislich erfüllt), modellieren Sie den indirekten Substitutionseffekt.

Oder

Können die Input-/Outputflüsse zwischen den Produkten und Funktionen auf Basis einer anderen Beziehung zugeordnet werden (z. B. des relativen ökonomischen Wertes der Koppelprodukte)?

Wenn ja, nehmen Sie die Allokation der Produkte und Funktionen auf Basis der identifizierten Beziehung vor.

Die Lösung von Multifunktionalitätsproblemen ist bei Produkten eine besonders große Herausforderung, wenn auch das Recycling oder die energetische Verwertung eines (oder mehrerer) dieser Produkte betroffen sind, da das System dann recht komplex werden kann. Anhang V gibt den Ansatz vor, nach dem die Gesamtemissionen aus einem bestimmten Prozess berechnet werden müssen, zu dem auch das Recycling und/oder die energetische Verwertung gehören. Dies gilt im Übrigen auch für die innerhalb der Systemgrenzen generierten Abfallflüsse.

Beispiele einer direkten und einer indirekten Substitution

Direkte Substitution:

Die direkte Substitution kann als Form der Allokation auf Basis einer zugrunde liegenden physikalischen Beziehung modelliert werden, wenn ein direkter, empirisch nachweisbarer Substitutionseffekt festgestellt werden kann. Wenn z. B. Stickstoff aus Tierdung auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht wird und somit direkt eine gleichwertige Menge spezifischen Düngemittelstickstoffs ersetzt, den der Landwirt andernfalls ausgebracht hätte, erhält das Tierhaltungssystem, aus dem der Tierdung stammt, eine Gutschrift für die „verdrängte“ Düngemittelproduktion (unter Berücksichtigung der Unterschiede bei Transport, Handhabung und Emissionen).

Indirekte Substitution:

Die indirekte Substitution kann als Form der „Allokation auf Basis einer anderen Beziehung“ modelliert werden, wenn angenommen wird, dass ein Koppelprodukt ein marginales oder durchschnittliches marktäquivalentes Produkt im Wege marktvermittelter Prozesse verdrängt. Wenn z. B. Tierdung verpackt und zur Verwendung im privaten Garten verkauft wird, erhält das Tierhaltungssystem, aus dem der Tierdung stammt, eine Gutschrift für das marktdurchschnittliche Gartendüngemittel, das als „verdrängt“ angesehen wird (unter Berücksichtigung der Unterschiede bei Transport, Handhabung und Emissionen).

Anforderung an PEF-studien

Für die Lösung sämtlicher PEF-Multifunktionalitätsprobleme muss die folgende Entscheidungshierarchie angewendet werden: 1) Unterteilung oder Systemerweiterung; 2) Allokation auf Basis einer relevanten zugrunde liegenden physikalischen Beziehung (einschließlich direkte Substitution oder eine relevante zugrunde liegende physikalische Beziehung); 3) Allokation auf Basis einer anderen Beziehung (einschließlich indirekter Substitution oder einer anderen relevanten zugrunde liegenden Beziehung).

Jede in diesem Kontext getroffene Wahl muss gemeldet und begründet werden, wobei das übergeordnete Ziel der Gewährleistung physikalisch repräsentativer, ökologisch relevanter Ergebnisse zu berücksichtigen ist. Bei Multifunktionalität von Produkten, die dem Recycling oder der energetischen Verwertung zugeführt werden, muss die in Anhang V beschriebene Formel verwendet werden. Der oben beschriebene Entscheidungsprozess gilt auch für Multifunktionalität am Ende des Lebenswegs.

Zusätzliche anforderung an die aufstellung von PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen Lösungen für Multifunktionalitätsprobleme innerhalb der festgelegten Systemgrenzen und gegebenenfalls für vor- und nachgelagerte Phasen genauer spezifizieren. Soweit machbar/sinnvoll, können PEFCR-Regeln außerdem spezielle Faktoren für Allokationslösungen vorsehen. Alle Lösungsansätze einer PEFCR-Regel für Multifunktionalitätsprobleme sind mit Verweis auf die Lösungshierarchie für PEF-Multifunktionalitätsprobleme genau zu begründen.

Bei Unterteilung muss die PEFCR-Regel spezifizieren, welche Prozesse zu unterteilen sind und welche Grundsätze bei dieser Unterteilung eingehalten werden sollten.

Bei Allokation auf Basis einer physikalischen Beziehung muss die PEFCR-Regel die zu berücksichtigenden relevanten physikalischen Beziehungen spezifizieren und die relevanten Allokationsfaktoren festlegen.

Bei Allokation auf Basis einer anderen Beziehung muss die PEFCR-Regel diese Beziehung spezifizieren und die relevanten Allokationsfaktoren festlegen. Bei ökonomischer Allokation beispielsweise muss die PEFCR-Regel die Regeln für die Bestimmung des ökonomischen Wertes von Koppelprodukten vorgeben.

Bei Multifunktionalität am Ende des Lebenswegs muss die PEFCR-Regel spezifizieren, wie die unterschiedlichen Komponenten mit der vorgesehenen obligatorischen Formel zu berechnen sind.

Abbildung 4

Entscheidungsbaum für das Vorgehen bei multifunktionalen Prozessen

Image

5.11   Erhebung von Daten für die nächsten methodischen Phasen einer PEF-Studie

bildung 5 veranschaulicht die Erhebung von Daten für eine PEF-Studie und fasst die „Muss-, Soll- und Kann“-Anforderungen sowohl für spezifische als auch für generische Daten zusammen. Die Abbildung zeigt ferner den Zusammenhang zwischen den einzelnen Schritten der Datenerhebung, der Erstellung des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils und der anschließenden EF-Wirkungsabschätzung auf.

Abbildung 5

Zusammenhang zwischen Datenerhebung, Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil und EF-Wirkungsabschätzung

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6.   EF-WIRKUNGSABSCHÄTZUNG

Sobald das Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil erstellt ist, muss anhand der ausgewählten EF-Wirkungskategorien und EF-Wirkungsabschätzungsmodelle die Umweltleistung des Produkts berechnet werden. Die EF-Wirkungsabschätzung besteht aus zwei obligatorischen und zwei faktultativen Schritten. Ihr Ziel ist nicht, andere (Regelungs-) Instrumente mit unterschiedlichem Untersuchungsrahmen oder unterschiedlicher Zielsetzung (wie beispielsweise die Bewertung von Umweltrisiken (Environmental Risk Assessment, ERA), die standortspezifische Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) oder produktspezifische Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften bzw. Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften für die Sicherheit am Arbeitsplatz) zu ersetzen. Vor allem soll die EF-Wirkungsabschätzung nicht prognostizieren, ob an einen bestimmten Standort zu einem bestimmten Zeitpunkt Schwellen überschritten werden oder tatsächliche Wirkungen eintreten. Sie beschreibt vielmehr die bestehenden Umweltbelastungen und ergänzt andere bewährte Instrumente, indem der Aspekt des Lebenswegs miteinbezogen wird.

6.1   Klassifikation und Charakterisierung (obligatorisch)

Anforderung an PEF-studien

Die EF-Wirkungsabschätzung muss eine Klassifikation und Charakterisierung der PEF-Flüsse beinhalten.

6.1.1   Klassifikation von PEF-Flüssen

Klassifikation setzt voraus, dass die im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil erfassten Material-/Energieinputs und outputs der relevanten EF-Wirkungskategorie zugeordnet werden. Während der Klassifikationsphase werden z. B. alle Treibhausgasemissionen herbeiführenden Inputs/Outputs der Kategorie „Klimaänderung“ zugeordnet. Gleichermaßen werden Inputs/Outputs, die Emissionen ozonabbauender Stoffen bewirken, der Kategorie „Abbau der Ozonschicht“ zugeteilt. In bestimmten Fällen kann ein Input/Output mehreren EF-Wirkungskategorien zugeordnet werden; (so tragen beispielsweise Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) sowohl zur Klimaänderung als auch zum Abbau der Ozonschicht bei).

Es ist wichtig, die Daten bezogen auf die Inhaltsstoffe auszudrücken, für die Charakterisierungsfaktoren (siehe nächster Abschnitt) verfügbar sind. Beispielsweise sollten die Daten für einen NPK-Mehrnährstoffdünger disaggregiert und nach dessen N-, P- und K-Fraktionen klassifiziert werden, weil jeder Inhaltsstoff zu unterschiedlichen EF-Wirkungskategorien beiträgt. In der Praxis kann ein Großteil der Daten des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils aus bestehenden öffentlichen oder kommerziellen Sachbilanzdatenbanken bezogen werden, bei denen die Klassifikation bereits erfolgt ist. In derartigen Fällen muss sichergestellt werden, dass die Klassifikation und die entsprechenden EF-Wirkungsabschätzungspfade den Anforderungen dieses PEF-Leitfadens genügen.

Anforderung an PEF-studien

Alle für die Erstellung des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils erfassten Inputs/Outputs müssen anhand der unter http://lct.jrc.ec.europa.eu/assessment/projects abrufbaren Klassifikationsdaten den EF-Wirkungskategorien zugeordnet werden, zu denen sie beitragen („Klassifikation“).

Für die Klassifikation des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils sollten die Daten bezogen auf die Inhaltsstoffe ausgedrückt werden, für die Charakterisierungsfaktoren verfügbar sind.

Beispiel: Klassifikation von Daten für eine T-Shirt-Studie

Klassifikation von Daten in der Wirkungskategorie „Klimaänderung“:

CO2

Ja

CH4

Ja

SO2

Nein

NOx

Nein


Klassifikation von Daten in der Wirkungskategorie „Versauerung“:

CO2

Nein

CH4

Nein

SO2

Ja

NOx

Ja

6.1.2   Charakterisierung von PEF-Flüssen

Charakterisierung bedeutet Berechnung der Größenordnung des Beitrags jedes klassifizierten Inputs/Outputs zu den jeweiligen EF-Wirkungskategorien und Aggregation der Beiträge innerhalb jeder Kategorie. Dazu werden die Werte im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil mit dem einschlägigen Charakterisierungsfaktor für jede EF-Wirkungskategorie multipliziert.

Charakterisierungsfaktoren sind stoff- oder ressourcenspezifisch. Sie repräsentieren die Wirkungsintensität eines Stoffs gemessen an einem gemeinsamen Referenzstoff für eine EF-Wirkungskategorie (Wirkungskategorie-Indikator). Beispiel: Bei der Berechnung der Auswirkungen auf die Klimaänderung werden alle im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil erfassten Treibhausgasemissionen nach ihrer Wirkungsintensität bezogen auf Kohlendioxid (dem Referenzstoff für diese Kategorie), gewichtet. Dies gestattet die Aggregation der Wirkungspotenziale, ausgedrückt in Form eines einzigen Äquivalenzwertes für die betreffende EF-Wirkungskategorie (in diesem Beispielfall als CO2-Äquivalent). So entspricht der als Treibhauspotenzial ausgedrückte Charakterisierungsfaktor (CF) für Methan 25 CO2-Äquivalenten, dessen Treibhauspotenzial folglich 25 Mal größer ist als das Treibhauspotenzial von CO2 (CF von 1 CO2-Äquivalent).

Anforderung an PEF-studien

Allen klassifizierten Inputs/Outputs in jeder EF-Wirkungskategorie müssen Charakterisierungsfaktoren (online abrufbar unter http://lct.jrc.ec.europa.eu/assessment/projects) zugeordnet werden, die dem Beitrag je Input-/Outputeinheit zu dieser Kategorie entsprechen. Anschließend müssen die EF-Wirkungsabschätzungsergebnisse für die einzelnen EF-Wirkungskategorie berechnet werden, und zwar durch Multiplikation der jeweiligen Input-/Outputmenge mit dem zugehörigen Charakterisierungsfaktor und Addition der Beiträge der Inputs/Outputs innerhalb jeder Kategorie, um ein in der relevanten Referenzeinheit ausgedrücktes einheitlichen Maß zu erhalten.

Wenn für bestimmte Flüsse (z. B. eine Gruppe von Chemikalien) des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils keine Charakterisierungsfaktoren (CF) aus dem Standardmodell zur Verfügung stehen, können zur Charakterisierung dieser Flüsse andere Ansätze verwendet werden, die in diesen Fall unter „Zusätzliche Umweltinformationen“ beschrieben werden müssen. Die Charakterisierungsmodelle müssen wissenschaftlich und technisch fundiert sein und auf eindeutig identifizierbaren Umweltwirkungsmechanismen (100) oder reproduzierbaren empirischen Beobachtungen basieren.

Beispiel: Berechnung der EF-Wirkungsabschätzungsergebnisse

Treibhauseffekt

CF

CO2

g

5,132

×

1

=

5,132 kg CO2-Äq.

CH4

g

8,2

×

25

=

0,205 kg CO2-Äq.

SO2

g

3,9

×

0

=

0 kg CO2-Äq.

NOx

g

26,8

×

0

=

0 kg CO2-Äq.

Insgesamt

=

5,337 kg CO2-Äq.


Versauerung

CF

CO2

g

5,132

×

0

=

0 Mol H+Äq.

CH4

g

8,2

×

0

=

0 Mol H+Äq.

SO2

g

3,9

×

1,31

=

0,005 Mol H+Äq.

NOx

g

26,8

×

0,74

=

0,019 Mol H+Äq.

Insgesamt

=

0,024 Mol H+Äq.

6.2   Normierung und Gewichtung (empfohlen/fakultativ)

Nach den beiden obligatorischen Schritten (Klassifikation und Charakterisierung) kann die EF-Wirkungsabschätzung durch die empfohlenen/fakultativen Schritte Normierung und Gewichtung noch ergänzt werden.

6.2.1   Normierung der EF-Wirkungsabschätzungsergebnisse (empfohlen)

Die Normierung ist kein obligatorischer, sondern ein empfohlener Schritt, bei dem die Ergebnisse der EF-Wirkungsabschätzungsergebnisse mit Normierungsfaktoren multipliziert werden, um die Größenordnung ihrer Beiträge zu den EF-Wirkungskategorien gemessen an einer Referenzeinheit (in der Regel die mit dieser Kategorie verbundene Umweltbelastung, die durch die Emissionen eines ganzen Landes oder eines durchschnittlichen Bürgers im Laufe eines Jahres verursacht wird) zu berechnen und zu vergleichen. Das Resultat sind dimensionslose, normierte EF-Ergebnisse, die die dem Produkt zuzuordnenden Belastungen bezogen auf die Referenzeinheit (z. B. pro Kopf für ein bestimmtes Jahr oder eine bestimmte Region) widerspiegeln. Auf diese Weise kann die Relevanz der Beiträge einzelner Prozesse mit der Referenzeinheit der untersuchten EF-Wirkungskategorien verglichen werden. Die EF-Wirkungsabschätzungsergebnisse können z. B. mit den gleichen EF-Wirkungsabschätzungsergebnissen für eine bestimmte Region wie die EU-27 und auf Pro-Kopf-Basis verglichen werden. In diesem Fall würden sie Personen-Äquivalente für die Emissionen der EU-27 widerspiegeln. Normierte EF-Ergebnisse geben jedoch keinen Aufschluss über den Schweregrad/die Bedeutung der jeweiligen Wirkungen.

Anforderung an PEF-studien

Die Normierung ist kein obligatorischer, sondern ein empfohlener Schritt für PEF-Studien. Wird auf Normierung zurückgegriffen, so müssen die normierten EF-Ergebnisse unter „Zusätzliche Umweltinformationen“ angegeben und alle diesbezüglichen Methoden und Annahmen müssen dokumentiert werden.

Normierte Ergebnisse dürfen nicht aggregiert werden, da dies automatisch Gewichtung impliziert. Vor der Normierung vorliegende EF-Wirkungsabschätzungsergebnisse müssen zusammen mit den normierten Ergebnissen angegeben werden.

6.2.2   Gewichtung der EF-Wirkungsabschätzungsergebnisse (fakultativ)

Die Gewichtung ist kein obligatorischer, sondern ein fakultativer Schritt, der die Auswertung und die Mitteilung der Untersuchungsergebnisse erleichtern kann. Dabei werden EF-Ergebnisse, z. B. normierte Ergebnisse, mit einer Reihe von Gewichtungsfaktoren multipliziert, die die empfundene relative Bedeutung der untersuchten EF-Wirkungskategorien widerspiegeln. Die gewichteten EF-Ergebnisse können sodann verglichen werden, um ihre relative Bedeutung zu ermitteln. Sie können auch kategorienübergreifend aggregiert werden, um mehrere aggregierte Werte oder einen einzigen Gesamtwirkungsindikator zu erhalten.

Gewichtung setzt voraus, dass Werturteile über die jeweilige Bedeutung der untersuchten EF-Wirkungskategorien gefällt werden. Diese Werturteile können sich auf Sachverständigengutachten, kulturelle/politische Standpunkte oder wirtschaftliche Gesichtspunkte stützen (101).

Anforderung an PEF-studien

Die Gewichtung ist kein verbindlicher, sondern ein fakultativer Schritt für PEF-Studien. Wird auf Gewichtung zurückgegriffen, so müssen die Methoden und Ergebnisse unter „Zusätzliche Umweltinformationen“ angegeben werden. Vor der Gewichtung vorliegende EF-Wirkungsabschätzungsergebnisse müssen zusammen mit den gewichteten Ergebnissen angegeben werden.

Normierungen und Gewichtungen im Rahmen von PEF-Studien dürfen den festgelegten Zielen und dem Untersuchungsrahmen der Studie, einschließlich den beabsichtigten Anwendungen (102), nicht zuwiderlaufen.

7.   AUSWERTUNG VON PEF-ERGEBNISSEN

7.1   Allgemeines

Mit der Auswertung der Ergebnisse der PEF-Studie (103) werden zweierlei Ziele verfolgt:

Zum einen soll sichergestellt werden, dass die Leistung des PEF-Modells den Zielen und Qualitätsanforderungen der Studie entspricht. Unter diesem Gesichtspunkt kann die PEF-Auswertung als Grundlage für iterative Verbesserungen des PEF-Modells dienen, bis alle Ziele und Anforderungen erfüllt sind;

zum anderen sollen aus der Untersuchung robuste Schlussfolgerungen und Empfehlungen abgeleitet werden, beispielsweise um Umweltverbesserungen zu fördern.

Dazu muss die PEF-Auswertung in vier Schritten ablaufen, die im nachstehenden Kapitel beschrieben sind.

Anforderung an PEF-studien

Die Auswertungsphase muss folgende Schritte umfassen: „Bewertung der Robustheit des PEF-Modells“, „Identifizierung kritischer Punkte“ (Hotspots), „Unsicherheitsschätzung“ und „Schlussfolgerungen, Grenzen und Empfehlungen“.

7.2   Bewertung der Robustheit des PEF-Modells

Bei der Bewertung der Robustheit des PEF-Modells wird beurteilt, inwieweit methodische Entscheidungen (über Systemgrenzen, Datenquellen, Allokation und Erfassung von EF-Wirkungskategorien) die Untersuchungsergebnisse beeinflussen.

Die Robustheit des PEF-Modells sollte u.a. anhand folgender Instrumente bewertet werden sollte:

Vollständigkeitsprüfungen: Bewertung der Ressourcennutzungs- und Emissionsprofildaten, um sicherzustellen, dass das Profil bezogen auf die festgelegten Ziele, den Untersuchungsrahmen, die Systemgrenzen und die Qualitätskriterien vollständig ist. Dazu gehören auch die Prüfung der vollständigen Prozesserfassung (d. h. Erfassung aller Prozesse in jeder untersuchten Lieferkettenphase) und der vollständigen Input/Outputerfassung (d. h. Erfassung aller mit allen Prozessen verbundenen Stoff- oder Energieinputs und Emissionen).

Sensitivitätsprüfungen: Beurteilung, inwieweit die Ergebnisse durch bestimmte methodische Entscheidungen beeinflusst werden, und Bewertung der Folgen des Rückgriffs auf Alternativen, sofern diese vorhanden sind. Es ist sinnvoll, Sensitivitätsprüfungen für jede Phase der PEF-Studie einzuplanen, auch bei der Festlegung von Ziel und Untersuchungsrahmen, bei der Erstellung des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils und bei der EF-Wirkungsabschätzung.

Konsistenzprüfungen: Bewertung, inwieweit Annahmen, Methoden und Datenqualitätserwägungen im Verlaufe der PEF-Studie konsistent angewandt wurden.

Etwaige Fragen, die bei dieser Bewertung aufgeworfen werden, können als Grundlage für iterative Verbesserungen der PEF-Studie dienen.

Anforderung an PEF-studien

Bei der Bewertung der Robustheit des PEF-Modells muss beurteilt werden, inwieweit die methodische Entscheidungen die Ergebnisse beeinflussen. Diese Entscheidungen müssen den Anforderungen dieses PEF-Leitfadens genügen und dem Kontext angemessen sein. Zur Beurteilung der Robustheit des PEF-Modells sollten Vollständigkeits-, Sensitivitäts- und Konsistenzprüfungen durchgeführt werden.

7.3   Identifizierung von kritischen Punkten (Hotspots)

Sobald feststeht, dass das PEF-Modell robust ist und allen Aspekten des festgelegten Ziels und Untersuchungsrahmens genügt, ist als nächster Schritt zu identifizieren, welche Elemente die PEF-Ergebnisse im Wesentlichen beeinflussen. Dieser Schritt kann auch als Untersuchung der „kritischen Punkte“ (Hotspots) oder der „Schwachstellen“ bezeichnet werden. Einflussfaktoren können spezifische Lebenswegphasen, Prozesse oder einzelne Stoff- oder Energieinputs/-outputs sein, die mit einer bestimmten Phase oder einem bestimmten Prozess der Produktlieferkette verbunden sind. Sie werden durch systematische Überprüfung der Ergebnisse der PEF-Studie identifiziert. Grafische Instrumente können hier besonders nützlich sein. Derartige Untersuchungen bilden die notwendige Grundlage für die Herausarbeitung der Verbesserungspotenziale bestimmter Managementinterventionen.

Anforderung an PEF-studien

PEF-Ergebnisse müssen evaluiert werden, um die Wirkung von kritischen Punkten (Hotspots)/Schwachstellen auf Ebene der Input-/Output-, Prozess- und Lieferkettenphasen sowie Verbesserungspotenziale zu bewerten.

Anforderung an PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen die wichtigsten EF-Wirkungskategorien für den betreffenden Sektor identifizieren. Für diese Priorisierung kann auf die Instrumente Normierung und Gewichtung zurückgegriffen werden.

7.4   Unsicherheitsschätzung

Die Schätzung der Unsicherheiten der endgültigen PEF-Ergebnisse erleichtert die iterative Verbesserung von PEF-Studien. Sie trägt auch dazu bei, dass die Zielgruppe die Robustheit und Anwendbarkeit der PEF-Ergebnisse besser bewerten kann.

Es gibt zwei Hauptursachen für Unsicherheiten in PEF-Studien:

1.)

Stochastische Unsicherheiten bei „Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil“-Daten

Stochastische Unsicherheiten (sowohl beim Parameter als auch beim Modell) sind statistische Beschreibungen der Varianz um einen Mittelwert/Durchschnittswert. Für normal verteilte Daten wird diese Varianz in der Regel als Durchschnitt oder Standardabweichung beschrieben. PEF-Ergebnisse, die mithilfe von Durchschnittsdaten (d. h. dem Mittelwert multipler Datenpunkte für einen bestimmten Prozess) berechnet werden, spiegeln die mit dieser Varianz verbundene Unsicherheit nicht wider. Die Unsicherheit kann jedoch mit geeigneten statistischen Instrumenten geschätzt und angegeben werden.

2.)

Auswahlbedingte Unsicherheiten

Auswahlbedingte Unsicherheiten ergeben sich aus methodischen Entscheidungen u. a. über Modellierungsgrundsätze, Systemgrenzen, Allokation, die Auswahl von EF-Wirkungsabschätzungsmethoden sowie aus anderen zeit-, technologie-, raumbezogenen Annahmen usw. Sie lassen sich nur schwer statistisch beschreiben und lassen sich vielmehr nur über Szenarienmodelle (z. B. Worst-Case- und Best-Case-Szenarien für wichtige Prozesse) und Sensitivitätsanalysen charakterisieren.

Anforderung an PEF-studien

Um die Unsicherheiten der PEF-Ergebnisse insgesamt leichter abschätzen zu können, muss sowohl für auswahlbezogene Unsicherheiten als auch für Unsicherheiten von Bilanzdaten mindestens eine qualitative Beschreibung der Unsicherheiten der PEF-Studienergebnisse erstellt werden.

Anforderung an PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen die für die gesamte Produktkategorie gängigen Unsicherheiten beschreiben, und sollten die Bandbreite identifizieren, innerhalb der Ergebnisse in Vergleichen oder in vergleichenden Aussagen als nicht wesentlich unterschiedlich angesehen werden könnten.

TIPP: Bei Varianz im Zusammenhang mit Ressourcennutzungs- und Emissionsprofildaten können quantitative Unsicherheitsbewertungen vorgenommen werden, beispielsweise mithilfe von Monte-Carlo-Simulationen. Der Einfluss auswahlbedingter Unsicherheiten sollte an den Ober- und Untergrenzen geschätzt werden, und zwar durch Sensitivitätsanalysen auf Basis von Szenariobewertungen. Diese sollten genau dokumentiert und angegeben werden.

7.5   Schlussfolgerungen, Empfehlungen und Grenzen

Der letzte Schritt der Auswertungsphase der EF-Berechnung besteht darin, Schlussfolgerungen aus den Untersuchungsergebnissen zu ziehen, die zu Beginn der PEF-Studie aufgeworfenen Fragen zu beantworten sowie zielgruppen- und kontextspezifische Empfehlungen abzugeben und dabei etwaige Grenzen der Robustheit und Anwendbarkeit der Ergebnisse zu berücksichtigen. Der PEF muss als Ergänzung zu anderen Bewertungen und Instrumenten wie standortspezifischen Umweltverträglichkeitsprüfungen oder Stoffrisikobeurteilungen gesehen werden.

Es sollten Verbesserungsmöglichkeiten wie sauberere Techniken, Änderungen des Produktdesigns, Umweltmanagementsysteme (z. B. Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung (EMAS) oder ISO 14001) oder andere systematische Ansätze herausgearbeitet werden.

Anforderung an PEF-studien

Schlussfolgerungen, Empfehlungen und Grenzen müssen dem festgelegten Ziel und Untersuchungsrahmen der PEF-Studie Rechnung tragen. PEF-Studien, die die Grundlage für zur Veröffentlichung bestimmte vergleichende Aussagen (d. h. Angaben über die ökologische Überlegenheit oder Gleichwertigkeit des Produkts) bilden sollen, müssen sowohl diesen PEF-Leitfaden als auch die dazugehörigen PEFCR-Regeln berücksichtigen. Schlussfolgerungen sollten eine Zusammenfassung der entlang der Lieferkette identifizierten Hotspots und der potenziellen Verbesserungen durch Managementinterventionen beinhalten.

8.   BERICHTERSTATTUNG ÜBER DEN UMWELTFUSSABDRUCK VON PRODUKTEN

8.1   Allgemeines

Ein PEF-Bericht legt unter den Gesichtspunkten der Relevanz, Vollständigkeit, Konsistenz, Genauigkeit und Transparenz Rechenschaft über die Studie und die auf das Produkt zurückzuführenden Umweltauswirkungen ab. Er präsentiert die besten verfügbaren Informationen so, dass sein Nutzen für Zielnutzer heute und in Zukunft optimiert wird, und zeigt gleichzeitig auf ehrliche und transparente Weise Grenzen auf. Für eine wirksame PEF-Berichterstattung müssen mehrere Kriterien erfüllt sein, die sowohl das Verfahren (Qualität) als auch die Substanz (Inhalt) des Berichts betreffen.

8.2   Aufbau des Berichts

Ein PEF-Bericht besteht aus mindestens drei Teilen - Zusammenfassung, Hauptteil und Anhang. Vertrauliche und unternehmensinterne Angaben können in einem vierten Teil - einem ergänzenden vertraulichen Bericht - gemacht werden. Prüfungsberichte werden entweder als Anhang angefügt oder es wird auf sie verwiesen.

8.2.1   Erster Teil: Zusammenfassung

Die Zusammenfassung muss, ohne dass dies die Ergebnisse und Schlussfolgerungen/Empfehlungen (falls enthalten) beeinträchtigt, für sich alleine stehen können. Sie muss in Bezug auf Transparenz, Konsistenz usw. dieselben Kriterien erfüllen wie der ausführliche Bericht. Die Zusammenfassung muss mindestens folgende Angaben enthalten:

Hauptaspekte von Ziel und Untersuchungsrahmen der Studie einschließlich Grenzen und Annahmen;

Beschreibung der Systemgrenze;

wichtigste Ergebnisse des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils und Komponenten der EF-Wirkungsabschätzung: Diese Angaben müssen so präsentiert werden, dass die Informationen richtig genutzt werden können;

falls zutreffend, Umweltverbesserungen gegenüber früheren Zeiträumen;

relevante Aussagen über Datenqualität, Annahmen und Werturteile;

Beschreibung der Errungenschaften der Studie, etwaige Empfehlungen und Schlussfolgerungen;

Gesamteinschätzung der Unsicherheiten der Ergebnisse.

8.2.2   Zweiter Teil: Hauptbericht

Der Hauptbericht (104) muss mindestens folgende Angaben enthalten:

Ziel der Studie:

Die Pflichtangaben umfassen zumindest:

die beabsichtigte(n) Anwendung(en);

die Grenzen der Methodik oder der EF-Wirkungskategorie;

die Gründe für die Durchführung der Studie;

die Zielgruppe;

Angaben dazu, ob die Studie Vergleichen oder vergleichenden Aussagen dienen soll, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind;

die PEFCR-Bezugsregeln;

den Auftraggeber der Studie.

Untersuchungsrahmen der Studie:

Der Untersuchungsrahmen der Studie muss das untersuchte System im Einzelnen beschreiben und den zur Festlegung der Systemgrenzen verfolgten Gesamtansatz erläutern. Er muss auch die Datenqualitätsanforderungen nennen und die für die Beurteilung potenzieller Umweltauswirkungen angewandten Methoden beschreiben und die berücksichtigten EF-Wirkungskategorien, Methoden, Normierungs- und Gewichtungskriterien nennen.

Die Pflichtangaben umfassen zumindest:

die Untersuchungseinheit und den Referenzfluss;

die Systemgrenzen, einschließlich Auslassungen von Lebenswegphasen, Prozessen oder Datenerfordernissen, die Quantifizierung von Energie- und Stoffinputs und -outputs, die Annahmen bezüglich Stromerzeugung, Nutzungs- und Lebensendphasen;

die Gründe für etwaige Ausschlüsse und ihre potenzielle Bedeutung;

alle Annahmen und Werturteile mit Begründung der Annahmen;

die Repräsentativität von Daten, die Eignung von Daten sowie Art und Quellen erforderlicher Daten und Informationen;

die PEF-Wirkungskategorien, -modelle und -indikatoren;

die Normierungs- und Gewichtungsfaktoren (falls verwendet);

das Vorgehen bei Multifunktionalitätsproblemen im Zusammenhang mit der PEF-Modellierung.

Erstellung und Aufzeichnung des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils

Die Pflichtangaben umfassen zumindest:

die Beschreibung und Dokumentierung aller erhobenen Daten über Prozessmodule (105);

die Datenerhebungsverfahren;

die Quellen veröffentlichter Literatur;

Angaben zu allen Nutzungsszenarien und Lebensendszenarien, die in nachgelagerten Phasen berücksichtigt wurden;

die Berechnungsmethoden;

die Datenvalidierung, einschließlich Dokumentation und Begründung von Allokationsverfahren;

falls eine Sensitivitätsanalyse (106) durchgeführt wurde, muss dies angegeben werden.

Berechnung der Ergebnisse der PEF-Wirkungsabschätzung:

Die Pflichtangaben umfassen zumindest:

das EF-Wirkungsabschätzungsverfahren, Berechnungen und Ergebnisse der PEF-Studie;

die Grenzen der EF-Ergebnisse in Bezug auf das festgelegte Ziel und den Untersuchungsrahmen der PEF-Studie;

den Bezug der Ergebnisse der EF-Wirkungsabschätzung zum festgelegten Ziel und Untersuchungsrahmen;

bei etwaigen Ausschlüssen von den Standard-EF-Wirkungskategorien: die Begründung des Ausschlusses;

bei Abweichung von den Standardmethoden für die EF-Wirkungsabschätzung: (was begründet und unter „Zusätzliche Umweltinformationen“ angegeben werden muss), Folgendes:

die berücksichtigten Wirkungskategorien und Wirkungskategorie-Indikatoren, einschließlich der Gründe für ihre Auswahl und eines Verweises auf ihre Quelle;

die Beschreibung aller angewandten Charakterisierungsmodelle, Charakterisierungsfaktoren und Methoden, einschließlich aller Annahmen und Grenzen;

die Beschreibung aller Wertentscheidungen im Zusammenhang mit EF-Wirkungskategorien, Charakterisierungsmodellen und –faktoren, Normierung, Gruppierung oder Gewichtung mit Angabe der Gründe für ihre Anwendung und ihren Einfluss auf Ergebnisse, Schlussfolgerungen und Empfehlungen;

eine Erklärung und Begründung jeder Gruppierung von EF-Wirkungskategorien;

etwaige Untersuchungen der Indikatorergebnisse, z. B. Sensitivitäts- und Unsicherheitsanalysen der Anwendung anderer Wirkungskategorien oder zusätzlicher Umweltinformationen, einschließlich etwaiger Auswirkungen für die Ergebnisse;

zusätzliche Umweltinformationen, falls vorhanden;

Informationen über Kohlenstoffspeicherung in Produkten;

Informationen über verzögerte Emissionen;

die vor einer etwaigen Normierung erzielte Daten und Indikatorergebnisse;

falls einbezogen: Faktoren und Ergebnisse der Normierung und Gewichtung.

Auswertung von PEF-Ergebnissen:

Die Pflichtangaben umfassen zumindest:

die Bewertung der Datenqualität;

die vollständige Transparenz von Wertentscheidungen, Grundsätzen und Expertenurteilen;

die Identifizierung von Hotspots,

die Unsicherheit (zumindest eine qualitative Beschreibung);

Schlussfolgerungen, Empfehlungen, Grenzen und Verbesserungsmöglichkeiten

8.2.3   Dritter Teil: Anhang

Der Anhang listet die Grundlagendokumente für den Hauptbericht auf, die eher technischer Art sind. Er muss Folgendes umfassen:

Beschreibungen aller aufgestellten Annahmen, einschließlich derjenigen, die sich als irrelevant erwiesen haben;

Bericht über die kritische Prüfung, einschließlich (falls zutreffend) Namen und Zugehörigkeit des Prüfers oder Prüferteams, der Prüfungsergebnisse, Reaktionen auf Empfehlungen (falls vorhanden);

das Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil (fakultativ, falls es für vertraulich gehalten und im vertraulichen Bericht (siehe unten) gesondert mitgeteilt wird);

die Eigenerklärung der Prüfer zu ihrer Qualifikation mit Angabe der Punktezahl, die sie für jedes Kriterium gemäß Abschnitt 10.3 dieses PEF-Leitfadens erzielt haben.

8.2.4   Vierter Teil: Vertraulicher Bericht

Der vertrauliche Bericht ist fakultativ, muss jedoch alle vertraulichen und unternehmensinternen Daten (einschließlich Rohdaten) und Informationen enthalten, die nicht extern bekannt gemacht werden dürfen. Er muss den kritischen Prüfern vertraulich zur Verfügung gestellt werden.

Anforderung an PEF-studien

Jede für die externe Kommunikation bestimmte PEF-Studie muss einen Bericht umfassen, der eine robuste Grundlage für die Bewertung, Überwachung und Verbesserung der Umweltleistung des Produkts im Zeitverlauf darstellt. Der Bericht über die PEF-Studie muss mindestens eine Zusammenfassung, einen Hauptteil und einen Anhang umfassen. Diese Berichtsteile müssen alle in diesem Kapitel genannten Angaben enthalten. Etwaige zusätzliche Informationen können auch in einen vertraulichen Bericht aufgenommen werden.

Zusätzliche anforderungen an die aufstellung von PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen jede Abweichung von den Standardberichtspflichten (siehe Kapitel 8) sowie alle zusätzlichen Berichtspflichten spezifizieren und begründen und/oder die Berichtspflichten je nach - beispielsweise - der Art der Anwendungen der PEF-Studie und der Art des untersuchten Produkts differenzieren. PEFCR-Regeln müssen spezifizieren, ob die PEF-Ergebnisse für jede der ausgewählten Lebenswegphasen separat mitgeteilt werden müssen.

9.   KRITISCHE PRÜFUNG DES UMWELTFUSSABDRUCKS VON PRODUKTEN

9.1   Allgemeines  (107)

Die kritische Prüfung ist von entscheidender Bedeutung, um die Zuverlässigkeit der PEF-Ergebnisse sicherzustellen und die Qualität der PEF-Studie zu verbessern.

Anforderung an PEF-studien

Jede für die interne Kommunikation bestimmte PEF-Studie, von der behauptet wird, dass sie mit dem PEF-Leitfaden übereinstimmt, und jede für die externe Kommunikation (z. B. B2B oder B2C) bestimmte PEF-Studie muss kritisch geprüft werden, um sicherzustellen, dass

die Methoden, nach denen die PEF-Studie durchgeführt wurden, mit diesem PEF-Leitfaden übereinstimmen;

die Methoden, nach denen die PEF-Studie durchgeführt wurden, wissenschaftlich und technisch fundiert sind;

die verwendeten Daten angemessen und aussagekräftig sind und die festgelegten Datenqualitätsanforderungen erfüllen;

die Auswertung der Ergebnisse die identifizierten Grenzen widerspiegelt;

der Studienbericht transparent, genau und konsistent ist.

9.2   Art der Prüfung

Die geeignetste Art von Prüfung, die das erforderliche Mindestmaß an Qualitätssicherung gewährleistet, ist eine unabhängige Prüfung durch externe Sachverständige. Welche Art von Prüfung durchgeführt wird, sollte sich nach den Zielen und beabsichtigten Anwendungen der PEF-Studie richten.

Anforderung an PEF-studien

Soweit in maßgeblichen politischen Instrumenten nicht anders geregelt, muss jede für die externe Kommunikation (108) bestimmte Studie von mindestens einem unabhängigen und qualifizierten externen Prüfer (oder Prüfteam) kritisch geprüft werden. Eine PEF-Studie, die als Grundlage für Veröffentlichung bestimmte vergleichende Aussagen dienen soll, muss auf relevanten PEFCR-Regeln basieren und von einem unabhängigen Prüfteam aus drei qualifizierten externen Prüfern kritisch geprüft werden. Jede für die interne Kommunikation bestimmte PEF-Studie, von der behauptet wird, dass sie mit dem PEF-Leitfaden übereinstimmt, muss von mindestens einem unabhängigen und qualifizierten externen Prüfer (oder Prüfteam) kritisch geprüft werden.

Welche Art von Prüfung durchgeführt wird, sollte sich nach den Zielen und beabsichtigten Anwendungen der PEF-Studie richten.

Anforderungen an PEFCR-regeln

PEFCR-Regeln müssen die Prüfungsanforderungen an PEF-Studien spezifizieren, die als Grundlage für vergleichende Aussagen dienen sollen, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind (sie müssen z. B. vorgeben, ob eine Prüfung durch mindestens drei unabhängige, qualifizierte externe Prüfer ausreicht).

9.3   Qualifikation der Prüfer

Die Eignung potenzieller Prüfer wird mithilfe eines Punktesystems bewertet, das die Prüf- und Auditerfahrung, Kompetenzen in den Bereichen PEF- oder Ökobilanz-Methodik und Praxis sowie Kenntnisse der relevanten Techniken, Prozesse oder anderer Tätigkeiten in Zusammenhang mit dem/den untersuchten Produkt(en) berücksichtigt. Tabelle 8 gibt einen Überblick über das Punktesystem für jeden Kompetenz- und Erfahrungsbereich.

Sofern im Kontext der beabsichtigten Anwendung nichts anderes geregelt, stellt die auf dem Punktesystem basierende Eigenerklärung des Prüfers die Mindestanforderung dar.

Tabelle 8

Punktesystem für qualifizierte Prüfer/Prüfteams

 

Punktzahl

 

Thema

Kriterien

0

1

2

3

4

Verbindliche Kriterien

Prüfungs-, Verifizierungs- und Auditpraxis

Jahre Berufs-erfahrung (109)

0 – 2

3 – 4

5 – 8

9 – 14

> 14

Anzahl Prüfungen (110)

0 – 2

3 – 5

6 – 15

16 – 30

> 30

Ökobilanz-methodik und praxis

Jahre Berufserfahrung (111)

0 – 2

3 – 4

5 –8

9 – 14

> 14

„Erfahrungen“ mit Beteiligung an Ökobilanzarbeiten

0 – 4

5 – 8

9 – 15

16 – 30

> 30

Technologien oder andere für die PEF-Studie relevante Tätigkeiten

Jahre Berufserfahrung im Privatsektor (112)

0 – 2

(innerhalb der letzten 10 Jahre)

3 – 5

(innerhalb der letzten 10 Jahre)

6 – 10

(innerhalb der letzten 20 Jahre)

11 – 20

> 20

Jahre Berufserfahrung im öffentlichen Sektor (113)

0 – 2

(innerhalb der letzten 10 Jahre)

3 – 5

(innerhalb der letzten 10 Jahre)

6 –10

(innerhalb der letzten 20 Jahre)

11 – 20

> 20

Sonstige (114)

Prüfungs-, Verifizierungs- und Auditpraxis

fakultative Punkte für Audits

2 Punkte: Akkreditierung als Drittprüfer für mindestens eines der folgenden Programme: EPD, ISO 14001 oder anderes Umweltmanagementsystem.

1 Punkt: Absolvierte Kurse zum Thema Umweltaudits (mindestens 40 Stunden)

1 Punkt: Vorsitz in mindestens einem Prüfteam (für Ökobilanzstudien oder andere Umweltanwendungen)

1 Punkt: qualifizierter Ausbilder in einem Umweltauditkurs

Anforderung an PEF-studien

Kritische Prüfungen von PEF-Studien werden entsprechend den Anforderungen der beabsichtigten Anwendung durchgeführt. Sofern nicht anders geregelt, beträgt die erforderliche Mindestpunktzahl für die Qualifikation als Prüfer oder Prüfteam sechs Punkte, darunter jeweils mindestens ein Punkt für jedes der drei verbindlichen Kriterien (d. h. Verifizierungs- und Auditpraxis, Ökobilanz-Methodik und –Praxis sowie Kenntnisse der für die PEF-Studie relevanten Technologien oder anderen Tätigkeiten). Bei Einzelpersonen müssen die Punktstände pro Kriterium erreicht werden; bei Prüfgremien dagegen können die Punktestände für die einzelnen Kriterien addiert werden. Prüfer oder Prüfgremien müssen eine Eigenerklärung über ihre Qualifikationen und ihre für jedes Kriterium erreichte Punktzahl sowie die Gesamtpunktzahl abgeben. Diese Eigenerklärung muss Teil des PEF-Berichts sein.

10.   AKRONYME UND ABKÜRZUNGEN

ADEME

Französische Agentur für Umwelt und Kontrolle des Energieverbrauchs

B2B

Business to Business (Beziehungen zwischen mindestens zwei Unternehmen)

B2C

Business to Consumer (Beziehungen zwischen Unternehmen und Konsumenten)

BSI

Britisches Institut für Normung

CF

Charakterisierungsfaktor

CPA

Statistische Güterklassifikation in Verbindung mit den Wirtschaftszweigen

DQR

Datenqualitätswert

EF

Umweltfußabdruck (Environmental Footprint, EF)

ELCD

Europäische Referenzdatenbank für Lebenszyklusdaten

EMAS

EU-System für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung

EMS

Umweltmanagementsystem

EoL

Ende der Lebensdauer

FCKW

Fluorchlorkohlenwasserstoffe

GRI

Global Reporting Initiative (Nachhaltigkeitsberichterstattung)

ILCD

International Reference Life Cycle Data System

IPCC

Weltklimarat

ISIC

Internationale Systematik der Wirtschaftszweige

ISO

Internationale Organisation für Normung.

IUCN

Internationale Union für die Erhaltung der Natur und der natürlichen Hilfsquellen

LCA

Ökobilanz

LCI

Sachbilanz

LCIA

Wirkungsabschätzung

LCT

Lebenswegdenken

NACE

Statistische Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Union

OEF

Umweltfußabdruck von Organisationen

PAS

Publicly Available Specification (Öffentlich zugängliche Spezifikation)

PCR

Produkt-Kategorieregel

PEF

Umweltfußabdruck von Produkten

PEFCR

Kategorieregel für die Berechnung des Umweltfußabdrucks von Produkten

THG

Treibhausgas

UPD

Umweltproduktdeklaration

UVP

Umweltverträglichkeitsprüfung

WRI

Weltressourceninstitut WBCSD Weltwirtschaftsrat für nachhaltige Entwicklung

11.   GLOSSAR

 

Abbau der Ozonschicht - EF-Wirkungskategorie für den Abbau des stratosphärischen Ozons aufgrund von Emissionen ozonabbauender Stoffe wie langlebiges Chlor und Brom enthaltende Gase (z. B. FCKW, H-FCKW, Halone).

 

Abfall - Substanzen oder Gegenstände, die der Eigentümer für die Beseitigung vorgesehen hat oder die er beseitigen muss (ISO 14040:2006).

 

Allokation – Ein Ansatz zur Lösung von Multifunktionalitätsproblemen. Entspricht der „Zuordnung der Input- oder Outputflüsse eines Prozesses oder eines Produktsystems zum untersuchten Produktsystem und zu einem oder mehreren anderen Produktsystemen“ (ISO 14040:2006).

 

Untersuchungseinheit – Die Untersuchungseinheit definiert die qualitativen und quantitativen Aspekte der Funktion(en) und/oder Dienstleistung(ein) des untersuchten Produkts; die Definition der Untersuchungseinheit beantwortet die Fragen „was?“, „wie viel?“, „wie gut?“ und „wie lange?“.

 

Attributiv – Bezieht sich auf die prozessbezogene Modellierung zur statischen Repräsentation durchschnittlicher Bedingungen, ausgenommen marktvermittelte Effekte.

 

Beladungsrate – Verhältnis zwischen der tatsächlichen Beladung und der Vollbeladung bzw. dem Gesamtfassungsvermögen (nach Masse oder Volumen) eines Fahrzeugs je Fahrt.

 

Business to Business (B2B) –Transaktionen zwischen Unternehmen, z. B. zwischen einem Hersteller und einem Großhändler oder zwischen einem Großhändler und einem Einzelhändler.

 

Business to Consumers (B2C) –Transaktionen zwischen Unternehmen und Verbrauchern, z. B. zwischen Einzelhändlern und Verbrauchern. In der ISO-Norm 14025:2006 ist ein Verbraucher definiert als „natürliche Person, welche Waren, Immobilien, Vermögen oder Dienstleistungen für private Zwecke kauft oder nutzt“.

 

Charakterisierung - Berechnung der Größenordnung des Beitrags jedes klassifizierten Inputs/Outputs zu seiner jeweiligen EF-Wirkungskategorie und Aggregation der Beiträge innerhalb jeder Kategorie. Dies setzt eine lineare Multiplikation der Bilanzdaten mit den Charakterisierungsfaktoren für jeden Stoff und die maßgebliche EF-Wirkungskategorie voraus. Für die EF-Wirkungskategorie „Klimaänderung“ beispielsweise wird als Referenzstoff „CO2“ und als Referenzeinheit „kg CO2-Äquivalent“ gewählt.

 

Charakterisierungsfaktor - Faktor, der aus einem Charakterisierungsmodell abgeleitet wurde, das für die Umwandlung des zugeordneten Ressourcennutzungs- und Emissionsprofilergebnisses in die gemeinsame Einheit des EF-Wirkungsindikators angewendet wird (nach ISO 14040:2006).

 

Cradle to Gate („von Wiege zu Werkstor“) - Betrachtung einer partiellen Produktlieferkette von der Gewinnung der Rohstoffe (Wiege) bis zum Werkstor des Herstellers. Die Lieferkettenphasen Vertrieb, Lagerung, Nutzung und Ende der Lebensdauer werden nicht erfasst.

 

Cradle-to-Grave („von Wiege zu Bahre“) - Betrachtung des gesamten Lebenswegs eines Produktes von der Rohstoffgewinnung über Verarbeitung, Vertrieb, Lagerung und Nutzung bis bin zur Entsorgung oder zum Recycling. Betrachtet werden alle relevanten Inputs und Outputs in allen Phasen des Produktlebenswegs.

 

Datenqualität - Eigenschaften von Daten in Bezug auf ihre Eignung, festgelegte Anforderungen zu erfüllen (ISO 14040:2006). Die Datenqualität betrifft Aspekte wie technologische, räumliche und zeitliche Repräsentativität sowie Vollständigkeit und Genauigkeit der Sachdaten.

 

Direkte Landnutzungsänderung – Auf einer bestimmten Fläche stattfindender Übergang von einer Art der Landnutzung zu einer anderen, der keine Änderung in einem anderen System bewirkt.

 

Direkt zuordenbar - Bezogen auf Prozesse, Tätigkeiten oder Wirkungen innerhalb der festgelegten Systemgrenze.

 

Durchschnittsdaten - ein produktionsgewichteter Durchschnitt spezifischer Daten.

 

Elementarflüsse – Im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil sind Elementarflüsse „Stoffe oder Energien, die dem untersuchten System zugeführt werden und der Umwelt ohne vorherige Behandlung durch den Menschen entnommen wurden, oder Stoffe oder Energien, die das untersuchte System verlassen und ohne anschließende Behandlung durch den Menschen an die Umwelt abgegeben werden“ (ISO 14040:2006, 3.12). Elementarflüsse sind beispielsweise der Natur entnommene Ressourcen oder Emissionen in Luft, Wasser oder Boden, die unmittelbar mit den Charakterisierungsfaktoren der EF-Wirkungskategorien zusammenhängen.

 

EF-Wirkungsabschätzung - Bestandteil der PEF-Analyse, der dem Erkennen und der Beurteilung von Größe und Bedeutung der potenziellen Umweltwirkungen eines Produktsystems im Verlauf des Lebensweges des Produktes dient (nach ISO 14044:2006). Die EF-Wirkungsabschätzungsmethoden sehen Wirkungscharakterisierungsfaktoren für Elementarflüsse vor, um die Wirkung zu aggregieren und eine begrenzte Anzahl von Midpoint- und/oder Schadensindikatoren zu erhalten.

 

EF-Wirkungsabschätzungsmethode – Protokoll für die quantitative Umrechnung von Ressourcennutzungs- und Emissionsprofildaten in Beiträge zu einer relevanten Umweltwirkung.

 

EF-Wirkungskategorie – Klasse der Ressourcennutzung oder Umweltwirkung, auf die sich die Ressourcennutzungs- und Emissionsprofildaten beziehen.

 

EF-Wirkungskategorie-Indikator – Quantifizierbare Darstellung einer EF-Wirkungskategorie (nach ISO 14000:2006).

 

Eutrophierung - Nährstoffe (hauptsächlich Stickstoff und Phosphor) aus Abwässerkanälen und von gedüngten landwirtschaftlichen Flächen beschleunigen das Wachstum von Algen und anderer Vegetation im Wasser. Der Abbau organischen Materials verbraucht Sauerstoff, was zu einem Sauerstoffdefizit und in einigen Fällen zu Fischsterben führt. Mit der Eutrophierung wird die Menge der eingetragenen Stoffe in ein einheitliches Maß umgerechnet, das dem zum Abbau abgestorbener Biomasse erforderlichen Sauerstoff entspricht.

 

Extrapolierte Daten - Daten aus einem bestimmten Prozess, die repräsentierend für einen ähnlichen Prozess verwendet werden, für den keine Daten zur Verfügung stehen, in der Annahme, dass sie ausreichend repräsentativ sind.

 

Feinstaub/Anorganische Emissionen - EF-Wirkungskategorie für die schädlichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, die durch Emissionen von Feinstaub (PM) und seinen Vorläuferstoffen (NOx, SOx, NH3) verursacht werden.

 

Fließdiagramm - Schematische Darstellung der Flüsse, die in einer oder mehreren Prozessphasen entlang des Lebenswegs des untersuchten Produktes vorkommen.

 

Fotochemische Bildung von Ozon – EF-Wirkungskategorie für die Bildung von bodennahem Ozon in der Troposphäre durch fotochemische Oxidation von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) und Kohlenmonoxid (CO), wenn Stickoxide (NOx) und Sonnenlicht vorhanden sind. Hohe Konzentrationen von bodennahem troposphärischem Ozon wirken sich schädlich auf die Vegetation, die menschlichen Atemwege und künstliche Materialien aus, indem sie mit organischen Stoffen reagieren.

 

Freisetzung - Emission in Luft, Einleitungen in Wasser und Verunreinigung von Boden (ISO 14040:2006).

 

Gate to Gate („von Werkstor zu Werkstor”) – Betrachtung einer partiellen Produktlieferkette, die nur Produktprozesse innerhalb einer bestimmten Organisation oder an einem bestimmten Standort berücksichtigt.

 

Gate to Grave („von Werkstor zu Bahre“) – Betrachtung einer partiellen Produktlieferkette, die Phasen Vertrieb, Lagerung, Nutzung und Entsorgung oder Recycling eines Produkts berücksichtigt.

 

Generische Daten - Daten, die nicht direkt erhoben, gemessen oder geschätzt werden, sondern vielmehr aus der Sachbilanzdatenbank einer dritten Partei oder einer anderen Quelle stammen, die den Datenqualitätsanforderungen der PEF-Methode entspricht.

 

Gewichtung - Zusätzlicher, aber nicht obligatorischer Schritt, der die Auswertung und die Offenlegung der Untersuchungsergebnisse erleichtern kann. Die PEF-Ergebnisse werden mit einer Reihe von Gewichtungsfaktoren multipliziert, die die empfundene relative Bedeutung der untersuchten Wirkungskategorien widerspiegeln. Gewichtete EF-Ergebnisse können für alle Wirkungskategorien direkt verglichen und hochgerechnet werden, um einen einzigen Gesamtwirkungsindikator zu erhalten. Die Gewichtung setzt voraus, dass Werturteile über die jeweilige Bedeutung der untersuchten EF-Wirkungskategorien gefällt werden. Diese Werturteile können sich auf Sachverständigengutachten, sozialwissenschaftliche Methoden, kulturelle/politische Standpunkte oder wirtschaftliche Erwägungen stützen.

 

Hintergrundprozesse – Diejenigen Prozesse entlang des Lebenswegs des Produktes, bei denen kein direkter Zugang zu Informationen möglich ist. Beispielsweise gelten die meisten vorgelagerten Prozesse entlang des Lebenswegs und generell alle nachgelagerten Prozesse als Teil der Hintergrundprozesse.

 

Humantoxizität - kanzerogen - EF-Wirkungskategorie für die schädlichen Auswirkungen der Aufnahme toxischer Stoffe durch Einatmen von Luft, Aufnahme mit Nahrungsmitteln/Wasser, Eindringen durch die Haut auf die Gesundheit des Menschen, soweit sie mit Krebs zusammenhängen.

 

Humantoxizität - nicht kanzerogen - EF-Wirkungskategorie für die schädlichen Auswirkungen der Aufnahme toxischer Stoffe durch Einatmen von Luft, Aufnahme mit Nahrungsmitteln/Wasser, Eindringen durch die Haut auf die Gesundheit des Menschen, soweit sie nicht kanzerogene Wirkungen betreffen, die nicht durch Feinstaub/Emissionen anorganischer Stoffe oder ionisierende Strahlung verursacht werden.

 

Indirekte Landnutzungsänderung – Findet statt, wenn die Nachfrage nach einer bestimmten Art der Landnutzung Änderungen außerhalb der Systemgrenzen bewirkt, d. h. bei anderen Landnutzungsarten. Diese indirekten Wirkungen können vor allem durch die ökonomische Modellierung des Flächenbedarfs oder durch die Modellierung der Verlagerung von Tätigkeiten auf globaler Ebene dargestellt werden. Der wesentliche Nachteil dieser Modelle liegt in ihrer Abhängigkeit von Trends, die nicht notwendigerweise zukünftige Entwicklungen widerspiegeln. Sie dienen häufig als Grundlage für politische Entscheidungen.

 

Input - Produkt-, Stoff- oder Energiefluss, der einem Prozessmodul zugeführt wird. Produkte und Stoffe schließen Rohstoffe, Zwischenprodukte und Koppelprodukte ein (ISO 14040:2006).

 

Ionisierende Strahlung, menschliche Gesundheit - EF-Wirkungskategorie für die nachteiligen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, die durch die Freisetzung radioaktiver Stoffe verursacht werden.

 

Klassifikation - Zuordnung der im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil aufgeführten Inputs und Outputs an Stoff/Energie zu EF-Wirkungskategorien, und zwar abhängig vom Potenzial jedes Stoffs, zu den betreffenden EF-Wirkungskategorien beizutragen.

 

Koppelfunktion – Eine von zwei oder mehreren Funktionen aus demselben Prozessmodul oder Produktsystem.

 

Koppelprodukt – Eines von zwei oder mehreren Produkten aus demselben Prozessmodul oder Produktsystem (ISO 14040:2006).

 

Kritische Prüfung – Verfahren, das dazu dient, die Konsistenz einer PEF-Studie mit den Grundsätzen und Anforderungen dieses PEF-Leitfaden und den PEFCR-Regeln (falls vorhanden) sicherzustellen (nach ISO 14040:2006).

 

Landnutzung – EF-Wirkungskategorie für die Nutzung (Belegung) und Umwandlung (Änderung) von Landflächen im Rahmen von Tätigkeiten wie Landwirtschaft, Straßen- und Wohnungsbau, Bergbau usw. Bei Flächenbelegung sind die Art der Landnutzung, die Größe der beanspruchten Fläche und die Dauer der Beanspruchung von Belang (Qualitätsänderungen multipliziert mit Fläche und Dauer). Bei Flächenänderung werden das Ausmaß der Änderung des Eigenschaftenprofils der Landfläche und die Größe der betroffenen Fläche betrachtet (Qualitätsänderungen multipliziert mit Fläche).

 

Lebensweg - Aufeinander folgende und miteinander verbundene Stufen eines Produktsystems von der Rohstoffgewinnung oder Rohstofferzeugung bis hin zur endgültigen Beseitigung (ISO 14040:2006).

 

Lebenswegkonzept – Betrachtung des gesamten Spektrums der Ressourcenströme und Umwelteingriffe, die mit einem Produkt entlang der Lieferkette verbunden sind und alle Phasen von der Beschaffung der Rohstoffe über die Verarbeitung, den Vertrieb, die Nutzung bis hin zu Prozessen am Ende des Lebenswegs des Produktes sowie alle relevanten damit verbundenen Umweltauswirkungen (und nicht nur einen einzigen Aspekt) umfassen.

 

Multifunktionalität - Ein Prozess oder eine Einrichtung mit mehreren Funktionen, d. h. der bzw. die mehrere Waren und/oder Dienstleistungen liefert bzw. erbringt („Koppelprodukte“), ist „multifunktional“. In derartigen Fällen müssen alle Inputs und prozessbedingten Emissionen grundsätzlich dem untersuchten Produkt und den anderen Koppelprodukten zugeordnet werden.

 

Nachgelagert – Phase innerhalb der Produktlieferkette nach dem Bezugspunkt.

 

Nichtelementare (oder komplexe) Flüsse - Im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil sind nichtelementare Flüsse sämtliche Inputs (z. B. Elektrizität, Stoffe, Transportprozesse) und Outputs (z. B. Abfall, Nebenprodukte) eines Systems, die weiterer Modellierungsschritte bedürfen, um in Elementarflüsse umgewandelt zu werden.

 

Normierung - Nach der Charakterisierung ist die Normierung ein fakultativer Schritt, bei dem die Ergebnisse der EF-Wirkungsabschätzung mit Normierungsfaktoren multipliziert werden, die die Gesamtbilanz einer Referenzeinheit (z. B. ein ganzes Land oder einen durchschnittlichen Bürger) repräsentieren. Normierte EF-Wirkungsabschätzungsergebnisse geben die relativen Beiträge der Wirkungen des untersuchten Systems zu den Gesamtbeiträgen zu jeder Wirkungskategorie je Referenzeinheit an. Werden die normierten EF-Wirkungsabschätzungsergebnisse der verschiedenen Wirkungsbereiche nebeneinander angezeigt, so wird deutlich, welche Wirkungskategorien durch das untersuchte System am meisten und am wenigsten betroffen sind. Normierte EF-Wirkungsabschätzungsergebnisse spiegeln nur den Beitrag des untersuchten Systems zum Gesamtwirkungspotenzial wider, nicht den Schweregrad/die Bedeutung der jeweiligen Gesamtwirkung. Normierte Ergebnisse sind dimensionslos, aber nicht additiv.

 

Ökobilanz - Zusammenstellung und Beurteilung der Input- und Outputflüsse und der potenziellen Umweltwirkungen eines Produktsystems im Verlauf seines Lebensweges (ISO 14040:2006).

 

Ökologischer Fußabdruck – „Die biologisch produktive Fläche an Land- oder Wasserökosystemen, die unabhängig von ihrer geographischen Lage benötigt wird, um den Bedarf einer bestimmten Bevölkerungsgruppe im Hinblick auf Ressourcenverbrauch und Abfallentsorgung zu decken“ (Wackernagel und Rees, 1996). Nach dem PEF-Leitfaden ist der Umweltfußabdruck nicht identisch mit dem ökologischen Fußabdruck nach Wackernagel und Rees; die Hauptunterschiede sind in Anhang X erläutert.

 

Ökotoxizität – EF-Wirkungskategorie für die toxischen Auswirkungen auf ein Ökosystem, die einzelnen Arten schaden und die Struktur und Funktion des Ökosystems verändern. Ökotoxizität ist das Ergebnis einer Vielfalt verschiedener toxikologischer Mechanismen, die durch die Freisetzung von Stoffen mit direktem Einfluss auf die Gesundheit des Ökosystems ausgelöst werden.

 

Organische Bodensubstanz (Soil Organic Matter, SOM) – Maß für den Gehalt an organischer Substanz im Erdreich. Sie stammt von Pflanzen und Tieren und umfasst alle organischen Substanzen im Boden, ausgenommen noch nicht abgebaute Materie.

 

Output - Produkt-, Stoff- oder Energiefluss, der von einem Prozessmodul abgegeben wird. Produkte und Stoffe schließen Rohstoffe, Zwischenprodukte, Koppelprodukte und Emissionen ein (ISO 14040:2006).

 

PCR-Regeln (Produktkategorieregeln; EN: Product Category Rules) - Zusammenstellung spezifischer Regeln, Anforderungen oder Leitlinien, um Typ III-Umweltdeklarationen für eine oder mehrere Produktkategorien zu erstellen (ISO 14025:2006).

 

PEFCR-Regeln (Kategorieregeln für die Berechnung des Umweltfußabdruck von Produkten; EN: Product Environmental Footprint Category Rules) - sind produkttypspezifische, auf dem Konzept der Lebenswegbetrachtung basierende Regeln, die allgemeine methodologische Leitlinien für PEF-Studien ergänzen, indem sie weitere Spezifikationen für spezifische Produktkategorien enthalten. PEFCR-Regeln können dazu beitragen, den Schwerpunkt der PEF-Studie auf diejenigen Aspekte und Parameter zu lenken, die am wichtigsten sind, und somit Relevanz, Reproduzierbarkeit und Kohärenz verbessern.

 

Produkt – Jede Ware oder Dienstleistung (ISO 14040:2006).

 

Produktfluss - Produkte, die von einem anderen Produktsystem zugeführt oder an ein anderes Produktsystem abgegeben werden (ISO 14040:2006).

 

Produktkategorie - Gruppe von Produkten mit gleichwertiger Funktion (ISO 14025:2006).

 

Produktsystem – Zusammenstellung von Prozessmodulen mit Elementar- und Produktflüssen, die den Lebensweg eines Produktes modelliert und die eine oder mehrere festgelegte Funktionen erfüllt (ISO 14040:2006).

 

Prozessmodul - Kleinster im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil berücksichtigter Bestandteil, für den Input- und Outputdaten quantifiziert werden (nach ISO 14040:2006).

 

Referenzfluss - Maß für die Outputs von Prozessen eines vorhandenen Produktsystems, die zur Erfüllung der Funktion, ausgedrückt durch die Analyseeinheit, erforderlich sind (nach ISO 14040:2006).

 

Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil – Bilanz erhobener Daten, die für die Inputs und Outputs in jeder Phase der untersuchten Produktlieferkette repräsentativ sind. Die Erstellung des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils ist abgeschlossen, wenn nichtelementare (d. h. komplexe) Flüsse in Elementarflüsse umgewandelt sind.

 

Ressourcennutzungs- und Emissionsprofilergebnisse - Ergebnis eines Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils, das die Flüsse, die in die Systemgrenze eintreten, katalogisiert und als Ausgangspunkt für die EF-Wirkungsabschätzung dient.

 

Ressourcenverbrauch - EF-Wirkungskategorie für die Erschöpfung erneuerbarer, nicht erneuerbarer, biotischer oder abiotischer natürlicher Ressourcen.

 

Rohstoff – Primäres oder sekundäres Material, das zur Herstellung eines Produktes verwendet wird (ISO 14040:2006).

 

Sensitivitätsanalyse - Systematisches Verfahren zur Einschätzung der Wirkungen der getroffenen Auswahl an Methoden und Daten auf die Ergebnisse einer PEF-Studie (nach ISO 14040:2006).

 

Spezifische Daten - Direkt gemessene oder erhobene Daten, die für die Tätigkeiten einer bestimmten Einrichtung oder Gruppe von Einrichtungen repräsentativ sind. Synonym: „Primärdaten“.

 

Systemgrenze – Definition von in die Studie aufgenommenen oder aus ihr ausgeschlossenen Aspekten. Beispiel: Bei einer EF-Analyse mit dem Betrachtungsrahmen „von Wiege zu Bahre“ (Cradle-to-Grave) sollte die Systemgrenze alle Tätigkeiten von der Gewinnung der Rohstoffe bis hin zu Verarbeitung, Vertrieb, Lagerung, Nutzung, Entsorgung oder Recycling einschließen.

 

Systemgrenzendiagramm - grafische Darstellung der für die PEF-Studie festgelegten Systemgrenze.

 

Temporäre Kohlenstoffspeicherung erfolgt, wenn ein Produkt „der Atmosphäre THG entzieht“ oder „negative Emissionen“ generiert, indem es Kohlenstoff für eine begrenzte Zeit aus der Atmosphäre aufnimmt und speichert.

 

Treibhauspotenzial – Fähigkeit eines Treibhausgases, den Strahlungsantrieb des Klimas zu beeinflussen, ausgedrückt als Referenzstoff (z. B. CO2-Äquivalent-Einheiten) mit Zeithorizont (z. B. GWP 20, GWP 100, GWP 500, für 20, 100 bzw. 500 Jahre). Das Treibhauspotenzial entspricht der Fähigkeit, Änderungen der globalen mittleren Oberflächenlufttemperatur und die daraus resultierende Änderung diverser Klimaparameter und ihrer Wirkungen (wie Häufigkeit und Intensität von Stürmen, Niederschlagsintensität und Häufigkeit von Überschwemmungen usw.) herbeizuführen.

 

Typ III-Umweltproduktdeklaration – Erklärung über die Umweltauswirkungen von Produkten, die quantitative umweltbezogene Daten auf der Grundlage festgelegter Parameter bereitstellt und, falls notwendig, ergänzende Umweltinformationen (ISO 14025:2006). Die festgelegten Parameter gründen sich auf die ISO 14040 Normenreihe, die aus ISO 14040 und ISO 14044 zusammengestellt ist.

 

Umweltaspekt - Bestandteil der Tätigkeiten oder Produkte einer Organisation, der Auswirkungen auf die Umwelt hat oder haben kann (EMAS-Verordnung).

 

Umweltwirkung - Jede positive oder negative Veränderung der Umwelt, die ganz oder teilweise auf Tätigkeiten, Produkte oder Dienstleistungen einer Organisation zurückzuführen ist (EMAS-Verordnung).

 

Umweltwirkungsmechanismus - System physikalischer, chemischer und biologischer Prozesse für eine vorgegebene EF-Wirkungskategorie, das die Ressourcennutzungs- und Emissionsprofilergebnisse mit den EF-Wirkungskategorieindikatoren verbindet (nach ISO 14040:2006).

 

Unsicherheitsanalyse - Verfahren zur Bewertung der Unsicherheit, die aufgrund von Datenvariabilität und wahlbedingter Unsicherheit in die Ergebnisse einer PEF-Studie einfließt.

 

Unterteilung - Disaggregierung multifunktionaler Prozesse oder Einrichtungen zur Isolierung von Inputflüssen, die unmittelbar mit jedem Prozess- oder Einrichtungsoutput zusammenhängen. Der Prozess wird untersucht, um festzustellen, ob er unterteilt werden kann. Ist eine Unterteilung möglich, so sollten nur für diejenigen Prozessmodule Bilanzdaten erhoben werden, die den betreffenden Produkten/Dienstleistungen direkt zuordenbar sind.

 

Vergleich - Ein (grafischer oder anderweitiger) Vergleich zweier oder mehrerer Produkte in Bezug auf ihre PEF-Ergebnisse und unter Berücksichtigung der für sie geltenden PEFCR-Regeln, der jedoch keine vergleichende Aussage beinhaltet.

 

Vergleichende Aussage – Eine Umweltaussage zur Überlegenheit oder zur Gleichwertigkeit von Produkten auf der Grundlage der Ergebnisse einer PEF-Studie und unterstützender PEFCR-Regeln (nach ISO 14040:2006).

 

Versauerung - EF-Wirkungskategorie, bei der es um die Wirkungen aufgrund von Säurebildnern in der Umwelt geht. Emissionen von NOx, NH3 und SOx führen zur Freisetzung von Wasserstoffionen (H++), wenn die Gase mineralisiert werden. Die Protonen tragen zur Versauerung von Böden und Gewässern bei, wenn sie in Gebieten mit geringer Pufferkapazität freigesetzt werden; dies führt zu Waldsterben und Seenversauerung.

 

Verzögerte Emissionen sind Emissionen, die über einen bestimmten Zeitraum, z. B. infolge langer Nutzungs- oder Entsorgungsphasen, freigesetzt werden, im Gegensatz zu einer einzelnen Emission zum Zeitpunkt t.

 

Vordergrundprozesse – Diejenigen Prozesse im Verlauf des Lebenswegs des Produkts, bei denen ein direkter Zugang zu Informationen besteht. Beispielsweise gehören der Standort des Herstellers und andere vom Hersteller oder seinen Auftragnehmern durchgeführte Prozesse (Warentransport, Dienstleistungen der Hauptverwaltung) zu den Vordergrundprozessen.

 

Vorgelagert – Phase in der Lieferkette eingekaufter Waren/Dienstleistungen vor Eintritt in die Systemgrenze.

 

Wirkungsabschätzung - Bestandteil der Ökobilanz, der dem Erkennen und der Beurteilung der Größe und Bedeutung von potenziellen Umweltwirkungen eines Produktsystems im Verlauf des Lebensweges des Produktes dient (ISO 14040:2006). Die Wirkungsabschätzungsmethoden liefern Wirkungscharakterisierungsfaktoren für Elementarflüsse, die es gestatten, die Wirkung auf eine begrenzte Zahl von Midpoint- und/oder Schadensindikatoren zu konzentrieren.

 

Zusätzliche Umweltinformationen - EF-Wirkungskategorien und andere Umweltindikatoren, die neben PEF-Ergebnissen berechnet und mitgeteilt werden.

 

Zwischenprodukt - Output aus einem Prozessmodul, der der Input in andere Prozessmodule ist und der eine weitere Bearbeitung innerhalb des Systems erfordert (ISO 14040:2006).

12.   QUELLEN

ADEME (2011): General principles for an environmental communication on mass market products BPX 30-323-0. Online unter http://www2.ademe.fr/servlet/getDoc?id=38480&m=3&cid=96

BSI (2011): PAS 2050:2011 Specification for the assessment of the life cycle greenhouse gas emissions of goods and services. BSI, London, S. 38 ff.

CE Delft (2010). Biofuels: GHG impact of indirect land use change. Online unter http://www.birdlife.org/eu/pdfs/PPT_carbon_bomb_CE_delft.pdf

Rat der Europäischen Union (2008): Schlussfolgerungen des Rates zum „Aktionsplan für Nachhaltigkeit in Produktion und Verbrauch und für eine nachhaltige Industriepolitik“. http://www.eu2008.fr/webdav/site/PFUE/shared/import/1204_Conseil_Environnement/Council_conclusions_Sustainable_consumption_and_production_EN.pdf

Rat der Europäischen Union (2010): Schlussfolgerungen des Rates zum Thema „Nachhaltige Materialwirtschaft und Nachhaltigkeit in Produktion und Verbrauch: ein maßgeblicher Beitrag für ein ressourcenschonendes Europa ”.

http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_data/docs/pressdata/en/envir/118642.pdf

Dreicer M., Tort V. and Manen P. (1995): ExternE, Externalities of Energy, Vol. 5 Nuclear, Centre d'étude sur l'Evaluation de la Protection dans le domaine nucléaire (CEPN), herausgegeben von der GD XII der Europäischen Kommission, Wissenschaft, Forschung und Entwicklung, JOULE, Luxemburg.

Europäische Kommission – Gemeinsame Forschungsstelle - Institut für Umwelt und Nachhaltigkeit (2010): International Reference Life Cycle Data System (ILCD) Handbook - General guide for Life Cycle Assessment - Detailed guidance. Erste Ausgabe März 2010. ISBN 978-92-79-19092-6, doi: 10.2788/38479. Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Union, Luxemburg.

Europäische Kommission – Gemeinsame Forschungsstelle - Institut für Umwelt und Nachhaltigkeit (2010): International Reference Life Cycle Data System (ILCD) Handbook - Review schemes for Life Cycle Assessment. Erste Ausgabe März 2010. ISBN 978-92-79-19094-0, doi: 10.2788/39791. Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Union, Luxemburg.

Europäische Kommission – Gemeinsame Forschungsstelle - Institut für Umwelt und Nachhaltigkeit (2010): International Reference Life Cycle Data System (ILCD) Handbook - Framework and Requirements for Life Cycle Impact Assessment Models and Indicators. Erste Ausgabe März 2010. ISBN 978-92-79-17539-8, doi: 10.2788/38719. Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Union, Luxemburg.

Europäische Kommission – Gemeinsame Forschungsstelle - Institut für Umwelt und Nachhaltigkeit (2010): International Reference Life Cycle Data System (ILCD) Handbook – Nomenclature and other conventions. First edition March 2010. ISBN 978-92-79-15861-2, doi: 10.2788/96557. Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Union, Luxemburg.

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Anhang I

Zusammenfassung der wichtigsten Auflagen für den Umweltfußabdruck von Produkten (PEF) und die Aufstellung von Kategorieregeln für die Berechnung des Umweltfußabdrucks von Produkten (PEFCR-Regeln)

Die folgende Tabelle enthält eine Zusammenfassung aller verbindlichen Auflagen ( „Muss“-Anforderungen) für den PEF sowie aller zusätzlichen Auflagen („Muss“-, „Sollte“- und „Kann“-Anforderungen) für die Aufstellung von PEFCR-Regeln. Alle Auflagen sind in diesem Leitfaden ausführlich erläutert (Fundstelle siehe linke Spalte dieser der Tabelle.

Tabelle 9

Zusammenfassung der wichtigsten Anforderungen an PEF-Studien und zusätzliche Anforderungen an die Aufstellung von PEFCR-Regeln

Kapitel/Abschnitt

Kriterien

Anforderungen an PEF

Zusätzliche Anforderungen an die Aufstellung von PEFCR-Regeln

1

Allgemeiner Ansatz

PEF-Studie müssen auf einem Lebenswegkonzept basieren.

 

1.1

Grundsätze

Die Benutzer dieses Leitfadens müssen bei der Durchführung einer PEF-Studie folgende Grundsätze befolgen:

1.

Relevanz

2.

Vollständigkeit

3.

Konsistenz

4.

Genauigkeit

5.

Transparenz

Grundsätze für PEFCR-Regeln:

1.

Bezug zum PEF-Leitfaden

2.

Beteiligung ausgewählter Interessenträger

3.

Streben nach Vergleichbarkeit

2.1

Bedeutung der PEFCR-Regeln

Gibt es keine PEFCR-Regeln, so müssen die Kernfragen, die diesen abgedeckt würden (wie in diesem PEF-Leitfaden aufgelistet), in der PEF-Studie spezifiziert, begründet und ausführlich erläutert werden.

 

2.2

Bezug zu vorhandenen PCR-Regeln

 

Die PEFCR-Regeln sollten soweit möglich und unter Berücksichtung der unterschiedlichen Anwendungskontexte mit bestehenden internationalen Leitfäden für Produktkategorieregeln im Einklang stehen.

2.3

Strukturierung von PEFCR-Regeln auf Basis der Güterklassifikation in Verbindung mit den Wirtschaftszweigen (CPA)

 

PEFCR-Regeln müssen sich mindestens auf einen zweistelligen CPA-Nummerncode (Abteilung) stützen (Standardoption). (Berechtigte) Abweichungen sind jedoch zulässig (z. B. drei-stellige Codes). Beispielsweise sind mehr als zwei Stellen notwendig, um die Komplexität des Sektors aufzuzeigen. Werden mit unterschiedlichen CPA-Codes multiple Produktionsmethoden für ähnliche Produkte definiert, so muss die PEFCR-Regel all diesen CPA Rechnung tragen.

3.1

Zielfestlegung

Bei der Festlegung der Ziele einer PEF-Studie muss Folgendes berücksichtigt werden:

beabsichtigte Anwendung(en)

Gründe für die Durchführung der Studie und Entscheidungskontext

Zielgruppe

Angaben dazu, ob Vergleiche und/oder vergleichende Aussagen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen

Auftraggeber der Studie

Prüfverfahren (falls zutreffend)

PEFCR-Regeln müssen die Prüfungsauflagen für eine PEF-Studie spezifizieren.

4.1

Festlegung des Untersuchungsrahmens

Die Festlegung des Untersuchungsrahmens einer PEF-Studie muss sich nach den festgelegten Studienzielen richten und Folgendes einschließen:

Untersuchungseinheit und Referenzfluss

Systemgrenzen

EF-Wirkungskategorien

Annahmen/Grenzen

 

4.2

Analyseeinheit und Referenzfluss

Die Untersuchungseinheit für eine PEF-Studie muss unter Berücksichtigung folgender Aspekte festgelegt werden:

erbrachte Funktion(en)/Leistung(en): „was“

Umfang der Funktion oder Leistung: „wie viel“

erwartetes Qualitätsniveau: „wie gut“

Lebensdauer des Produkts: „wie lang“

NACE-Code(s)

Ein angemessener Referenzfluss muss bezogen auf die Analyseeinheit bestimmt werden. Die quantitativen Input- und Output-Daten, die zur Unterstützung der Analyse erhoben werden, müssen bezogen auf diesen Referenzfluss berechnet werden.

Die PEFCR muss die Untersuchungseinheit(en) spezifizieren.

4.3

Systemgrenzen

Die Systemgrenze muss unter Berücksichtigung der beabsichtigten Anwendung der Studie und der logischen Reihenfolge der Lieferkette bestimmt werden und von Cradle-to-Grave, d. h. von der Wiege bis zur Bahre, sämtliche Phasen (von der Gewinnung der Rohstoffe über Verarbeitung, Produktion, Vertrieb, Lagerung und Nutzung bis hin zur Behandlung des Produkts am Ende seiner Lebensdauer einschließen. Die Systemgrenzen müssen alle Prozesse umfassen, die die Produktlieferkette betreffen, auf die sich die Untersuchungseinheit bezieht.

Die innerhalb der Systemgrenzen ablaufenden Prozesse müssen in Vordergrundprozesse (d. h. Kernprozesse des Produktlebenswegs, bei denen ein direkter Zugang zu Informationen möglich ist ) und Hintergrundprozesse (d. h. die Prozesse des Produktlebenswegs ohne direkten Zugang zu Informationen ) unterteilt werden.

PEFCR-Regeln müssen die Systemgrenzen für PEFCR-Studien spezifizieren, einschließlich der relevanten Lebenswegphasen und -prozesse, die generell jeder Phase zugeordnet werden sollten (dazu gehören auch zeitliche, räumliche und technologische Spezifikationen). Jede Abweichung vom Standardansatz „Cradle-to-Grave“ (von Wiege zu Bahre) muss genau erläutert und begründet werden, z. B. der Ausschluss der Nutzungsphase, wenn die Nutzung unbekannt ist, oder der Ausschluss der Lebensendphase bei Zwischenprodukten.

PEFCR-Regeln müssen nachgelagerte Szenarien (Nachketten) spezifizieren, damit Vergleichbarkeit und Konsistenz der PEF-Studien gewährleistet sind.

4.3

Kompensationsprojekte (Offsets)

„Offsets“ dürfen nicht in die PEF-Studie aufgenommen werden, können aber separat als „Zusätzliche Umweltinformation“ angegeben werden.

 

4.4

Auswahl der EF-Wirkungskategorien und der EF-Wirkungsabschät-zungsmethoden

Die Auswahl der EF-Wirkungskategorien sollte umfassend sein und alle relevanten Umweltaspekte der Lieferkette des untersuchten Produktes abdecken.

Bei einer PEF-Studie müssen alle angegebenen Standard-EF-Wirkungskategorien und die entsprechenden angegebenen EF-Wirkungsabschätzungsmodelle angewendet werden. Der Einfluss eines Ausschlusses auf die Endergebnisse, insbesondere in Bezug auf die reduzierte Vergleichbarkeit mit anderen PEF-Studien, muss in der Auswertungsphase erörtert und angegeben werden. Ausschlüsse dieser Art sind prüfungspflichtig.

PEFCR-Regeln müssen jeden Ausschluss von Standard-EF-Wirkungskategorien spezifizieren und begründen; dies gilt vor allem für Ausschlüsse, die die Vergleichbarkeit betreffen.

4.5

Auswahl zusätzlicher Umweltinformationen

Wenn die Standardliste der EF-Wirkungskategorien oder die Standard-Wirkungsabschätzungsmodelle die potenziellen Umweltauswirkungen des untersuchten Produkts nicht ausreichend abdecken, müssen alle produktrelevanten (qualitativen/quantitativen) Umweltaspekte zusätzlich unter „Zusätzliche Umweltinformationen“ erfasst werden. Sie dürfen die verbindlichen Wirkungsabschätzungsmodelle für die Standard-EF-Wirkungskategorien jedoch nicht ersetzen. Die unterstützenden Modelle für diese zusätzlichen Kategorien sowie die entsprechenden Indikatoren müssen mit eindeutigen Verweisen versehen und dokumentiert werden..

Zusätzliche Umweltinformationen müssen

auf fundierten Informationen beruhen, die gemäß den Anforderungen der ISO 14020 und Abschnitt 5 der ISO 14021:1999 überprüft oder verifiziert wurden;

spezifisch und genau sein und dürfen nicht irreführend sein;

für die betreffende Produktkategorie relevant sein.

Direkt ins Meerwasser erfolgende Emissionen müssen (auf Sachbilanzebene) als „Zusätzliche Umweltinformation“ erfasst werden.

Werden zur Untermauerung der Auswertung einer PEF-Studie zusätzliche Umweltinformationen herangezogen, so müssen alle Daten, die zur Beschaffung dieser Informationen erforderlich sind, dieselben Qualitätsanforderungen erfüllen, die auch für die Daten zur Berechnung der PEF-Ergebnisse gelten.

Zusätzliche Umweltinformationen dürfen sich nur auf Umweltfragen beziehen. Informationen und Anweisungen, z. B. Sicherheitsdatenblätter, die keinen Bezug zur Umweltleistung des Produkts haben, dürfen nicht Teil eines PEF sein. Auch Informationen über rechtliche Anforderungen dürfen nicht erfasst werden.

Die PEFCR-Regeln müssen in die PEF-Studie aufzunehmende zusätzliche Umweltinformationen spezifizieren und begründen. Diese zusätzlichen Informationen müssen separat von den lebenswegbasierten PEF-Ergebnissen angegeben und alle Methoden und Annahmen müssen genau dokumentiert werden. Bei zusätzlichen Umweltinformationen kann es sich um quantitative und/oder qualitative Angaben handeln. Zusätzliche Umweltinformationen können Folgendes umfassen (die Liste ist nicht erschöpfend):

andere relevante Umweltwirkungen der betreffenden Produktkategorie;

andere relevante technische Parameter, die zur Bewertung des untersuchten Produkts verwendet werden können und Gesamteffizienzvergleiche mit anderen Produkten ermöglichen. Diese technischen Parameter können z. B. die Nutzung erneuerbarer oder nicht erneuerbarer Energien, erneuerbarer oder nicht erneuerbarer Brennstoffe, Sekundärrohstoffe, oder Süßwasserressourcen betreffen oder die Entsorgung gefährlicher oder nicht gefährlicher Abfälle;

andere relevante Ansätze für die Durchführung der Charakterisierung der Flüsse aus dem Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil, wenn Charakterisierungsfaktoren (CF) in der Standardmethode für bestimmte Flüsse (z. B. Gruppen von Chemikalien) nicht zur Verfügung stehen;

Umweltindikatoren oder Produkthaftungsindikatoren (gemäß der Global Reporting Initiative, GRI));

Energieverbrauch entlang des Lebenswegs, aufgeschlüsselt nach Primärenergiequellen, wobei der Verbrauch von „erneuerbaren“ Energien separat anzugeben ist;

direkter Energieverbrauch, aufgeschlüsselt nach Primärenergiequellen, wobei der Verbrauch von „erneuerbaren“ Energien ab Werkstor getrennt anzugeben ist;

für „Werkstor-zu-Werkstor-Phasen“: Zahl von Arten auf Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) und auf nationalen Naturschutzlisten in durch den Betrieb betroffenen Gebieten, aufgeschlüsselt nach Grad des Aussterbensrisikos;

Beschreibung bedeutender Auswirkungen von Tätigkeiten, Produkten und Dienstleistungen auf die Biodiversität in geschützten Gebieten und in Gebieten von hohem Biodiversitätswert außerhalb geschützter Gebiete;

Gesamtgewicht des Abfalls, aufgeschlüsselt nach Art und Entsorgungsmethode;

Gewicht der transportierten, eingeführten, ausgeführten oder behandelten Abfälle, die nach den Anhängen I, II, II und VIII des Baseler Übereinkommens als gefährlich eingestuft sind, und Prozentsatz der transportierten Abfälle, die international versandt werden.

4.6

Annahmen/Grenzen

Über alle Grenzen und Annahmen muss transparent Bericht erstattet werden.

PEFCR-Regeln müssen auf produktkategoriespezifische Grenzen verweisen und die zur Überwindung dieser Grenzen notwendigen Annahmen aufstellen.

5.1

Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil

Alle Ressourcennutzungen und Emissionen, die mit den Lebenswegphasen innerhalb der festgelegten Systemgrenzen verbunden sind, müssen im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil erfasst werden. Die Flüsse müssen in „Elementarflüsse“ und „nichtelementare (d. h. komplexe) Flüsse“ gruppiert werden. Alle nichtelementaren Flüsse im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil müssen anschließend in Elementarflüsse umgewandelt werden.

 

5.2

Ressourcen-nutzungs- und Emissionsprofil - Screening

Für die Durchführung eines (dringend empfohlenen) Screenings müssen leicht zugängliche spezifische und/oder generische Daten verwendet werden, die die Anforderungen an die Datenqualität gemäß Abschnitt 5.6 erfüllen. Alle für das Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil zu berücksichtigenden Prozesse und Aktivitäten müssen beim Screening erfasst werden. Jeder Ausschluss von Lieferkettenphasen muss ausführlich begründet und dem Prüfverfahren unterzogen werden; der Einfluss ausgeschlossener Phasen auf die Endergebnisse muss argumentiert werden.

Bei Lieferkettenphasen, für die keine quantitative EF-Wirkungsabschätzung vorgesehen ist, muss für das Screening auf die vorhandene Literatur und andere Quellen zurückgegriffen werden, um für die Umwelt potenziell bedeutsame Prozesse qualitativ beschreiben zu können. Diese qualitativen Beschreibungen müssen unter „Zusätzliche Umweltinformationen“ angegeben werden.

PEFCR-Regeln müssen alle zu berücksichtigenden Prozesse und die entsprechenden Datenqualitäts- und Prüfungsanforderungen spezifizieren, wobei letztere über die Anforderungen dieses PEF-Leitfadens hinausgehen können. Sie müssen auch vorgeben, für welche Prozesse spezifische Daten erforderlich sind und für welche Prozesse generische Daten verwendet werden dürfen oder müssen.

5.4

Ressourcen-nutzungs- und Emissionsprofil - Daten

Jede Ressourcennutzung und alle Emissionen, die mit den Lebenswegphasen innerhalb der festgelegten Systemgrenzen verbunden sind, müssen im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil erfasst werden.

Die folgenden Elemente müssen auf Aufnahme in das Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil berücksichtigt werden:

Beschaffung und Vorbehandlung der Rohstoffe;

Investitionsgüter: lineare Abschreibung und Berücksichtigung der erwarteten Lebensdauer der Investitionsgüter muss (und nicht etwa der Zeit, bis ein ökonomischer Buchwert von 0 erreicht ist);

Produktion;

Produktvertrieb und Lagerung;

Verwendungsphase;

Logistik;

Ende der Lebensdauer.

Die PEFCR-Regeln sollten ein oder mehrere Beispiele für die Erstellung des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils geben und Folgendes spezifizieren:

Stofflisten für erfasste Tätigkeiten/Prozesse;

Einheiten;

Nomenklatur für Elementarflüsse.

Diese Spezifikationen können auf eine oder mehrere Lieferkettenphasen, Prozesse oder Aktivitäten angewendet werden, damit die Einheitlichkeit der Datenerhebung und Berichterstattung gewährleistet ist. Die PEFCR-Regel kann für wichtige vorgelagerte, Gate-to-Gate - oder nachgelagerte Phasen strengere Datenanforderungen spezifizieren, als sie in diesem PEF-Leitfaden festgelegt sind.

Für Modellierungsprozesse/-tätigkeiten innerhalb des Kernmoduls (d. h. Gate-to-Gate-Phase) muss die PEFCR-Regel auch Folgendes spezifizieren:

Prozesse/Tätigkeiten;

die Zusammenstellung von Daten für Schlüsselprozesse, einschließlich der Ermittlung einrichtungsübergreifender Durchschnittsdaten;

etwaige standortspezifische Daten, die für die Berichterstattung als „zusätzliche Umweltinformationen“ erforderlich sind;

spezifische Datenqualitätsanforderungen, z. B. für die Messung spezifischer Tätigkeitsdaten;

Sieht die PEFCR-Regel auch Abweichungen von der Standardgrenze des „Cradle-to-Grave“-Systems vor (sieht sie beispielsweise eine Cradle-to-Gate-Systemgrenze vor), so muss spezifiziert werden, wie die Material-/Energiebilanzen im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil zu verrechnen sind.

5.4.5

Nutzungsphase

Wenn keine Methode für die Festlegung der Nutzungsphase von Produkten nach den Verfahrensregeln dieses PEF-Leitfaden festgelegt wurde, muss die die Studie durchführende Organisation bestimmen, nach welchem Ansatz die Nutzungsphase von Produkten festgelegt wird. Das tatsächliche Nutzungsmuster kann jedoch von den Empfehlungen; es sollte in jedem Fall verwendet werden, wenn entsprechende Informationen vorliegen. Relevante Auswirkungen der Produktnutzung auf andere Systeme müssen berücksichtigt werden.

Methoden und Annahmen müssen dokumentiert werden. Alle relevanten Annahmen für die Nutzungsphase müssen ebenfalls dokumentiert werden.

PEFCR-Regeln müssen Folgendes spezifizieren:

gegebenenfalls die in die Studie aufzunehmenden Szenarien der Nutzungsphase;

den für die Nutzungsphase zu berücksichtigenden Zeitraum.

5.4.6

Logistik

Folgende Transportparameter müssen berücksichtigt werden: Art des Transports, Fahrzeugtyp und Kraftstoffverbrauch, Beladungsrate, Zahl der Leerfahrten (falls relevant), Transportstrecke, Allokation der Auswirkungen des Warentransports auf Basis eines Grenzlastfaktors (d. h. Masse bei Produkten mit hoher Dichte und Volumen bei Produkten mit niedriger Dichte) sowie Kraftstoffproduktion.

Die transportbedingten Auswirkungen müssen in Standardreferenzeinheiten ausgedrückt werden, d. h. in Tonnenkilometern (tkm) für den Waren- und in Personenkilometern (Pkm) für den Personentransport. Jede Abweichung von diesen Standardreferenzeinheiten muss begründet und angegeben werden.

Die transportbedingten Umweltauswirkungen müssen berechnet werden durch Multiplikation der Auswirkung je Referenzeinheit und Fahrzeugtyp a) bei Waren: mit Strecke und Last; b) bei Personen: mit Strecke und Zahl der transportierten Personen, auf Basis der festgelegten Transportszenarien.

PEFCR-Regeln müssen die gegebenenfalls in die Studie aufzunehmenden Transport-, Vertriebs- und Lagerszenarien spezifizieren.

5.4.7

Ende des Lebenswegs

Abfallflüsse aus Prozessen innerhalb der Systemgrenzen müssen auf Ebene der Elementarflüsse modelliert werden.

Etwaige Szenarien für die Lebensendphase müssen in den PEFCR–Regeln festgelegt werden. Die Szenarien müssen auf aktuellen (d. h. im Untersuchungsjahr angewandten) Praktiken, Technologien und Daten basieren.

5.4.8

Stromverbrauch

Für Strom aus dem Netz, der in vorgelagerten Bereichen oder innerhalb der festgelegten PEF-Grenze verbraucht wird, müssen - sofern vorhanden - lieferantenspezifische Daten verwendet werden. Liegen keine lieferantenspezifischen Daten vor, so müssen landesspezifische Daten über den Verbrauchsmix des Landes verwendet werden, in dem die Lebenswegsphasen ablaufen. Bei Strom, der während der Nutzungsphase von Produkten verbraucht wird, muss der Energiemix die Verkaufsverhältnisse zwischen den Ländern oder Regionen widerspiegeln. Liegen keine derartigen Daten vor, so muss der durchschnittliche EU-Verbrauchsmix oder der anderweitig repräsentativste Mix verwendet werden.

Es muss gewährleistet sein, dass Netzstrom aus erneuerbaren Energiequellen (und dessen Wirkungen), der in vorgelagerten Bereichen oder innerhalb der festgelegten PEF-Grenze verbraucht wird, nicht doppelt angerechnet wird.Dem PEF-Bericht muss als Anhang eine Bestätigung des Lieferanten beigefügt werden, aus der hervorgeht, dass der gelieferte Strom tatsächlich aus erneuerbaren Energiequellen stammt und an keine andere Organisation verkauft wird.

 

5.4.9

Bindung und Emissionen von biogenem CO2

Die Bindung und Emissionen von CO2 aus biogenen Quellen müssen im Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil getrennt erfasst werden.

 

5.4.9

Direkte und indirekte Änderung der Landnutzung (Auswirkung auf die Klimaänderung)

Treibhausgasemissionen, die auf direkte Landnutzungsänderungen zurückzuführen sind, müssen Produkten i) nach der Landnutzungsänderung 20 Jahre lang zugeordnet werden oder ii) ) es muss ein einziger Erntezeitraum ab Gewinnung des untersuchten Produkts gewählt werden (auch wenn dieser länger als 20 Jahre dauert), je nach dem, welcher Zeitraum der längere ist. Für weitere Einzelheiten siehe Anhang VI. Treibhausgasemissionen infolge indirekter Landnutzungsänderungen dürfen nicht erfasst werden, es sei denn, dies ist in der PEFCR-Regel ausdrücklich vorgesehen. In diesem Fall muss die indirekte Landnutzungsänderung als „Zusätzliche Umweltinformation“ separat angegeben werden; sie darf bei der Berechnung der Wirkungsabschätzungskategorie „Treibhausgase“ jedoch nicht berücksichtigt werden.

 

5.4.9

Erzeugung erneuerbarer Energie

Gutschriften für innerhalb der Systemgrenze erzeugte erneuerbare Energie müssen auf Basis des (durch Subtraktion der von außerhalb der Systemgrenze gelieferten Menge erneuerbarer Energie) korrigierten durchschnittlichen Verbrauchsmixes (auf Landesebene) des Landes berechnet werden, dem die Energie geliefert wird. Liegen diese Daten nicht vor, so muss der korrigierte durchschnittliche EU-Verbrauchsmix oder der anderweitig repräsentativste Mix verwendet werden. Liegen keine Daten über die Berechnung korrigierter Verbrauchsmixe vor, so müssen die nicht korrigierten durchschnittlichen Verbrauchsmixe verwendet werden. Es muss auf transparente Weise angegeben werden, welche Energiemixe für die Berechnung der Gutschriften zugrunde gelegt werden und ob sie berichtigt wurden.

 

5.4.9

Vorübergehende (CO2-)Speicherung und verzögerte Emissionen

Gutschriften für vorübergehende (CO2-) Speicherung oder verzögerte Emissionen dürfen bei der Berechnung der Standard-EF-Wirkungskategorien nicht berücksichtigt werden. Sie können jedoch als „Zusätzliche Umweltinformation“ einbezogen werden. Sie müssen als „Zusätzliche Umweltinformation“ einbezogen werden, wenn dies in einer zugrunde liegenden PEFCR-Regel vorgesehen ist.

 

5.5

Nomenklatur

Alle relevanten Ressourcennutzungen und Emissionen im Rahmen der Lebenswegphasen innerhalb der definierten Systemgrenze müssen gemäß der Beschreibung in Anhang IV mithilfe des International Reference Life Cycle Data System (ILCD) nomenclature and properties 79dokumentiert werden. Sind die Nomenklatur und die Eigenschaften für einen bestimmten Fluss nicht im ILCD vorhanden, so muss eine geeignete Nomenklatur erstellt und die Flusseigenschaften müssen dokumentiert werden.

 

5.6

Anforderungen an die Datenqualität

PEF-Studien, die für die externe Kommunikation, d. h. B2B und B2C, vorgesehen sind, müssen die Datenqualitätsanforderungen erfüllen. Für innerbetriebliche Anwendungen vorgesehene PEF-Studien (von denen behauptet wird, dass sie mit dem PEF-Leitfaden übereinstimmen, sollten die Datenqualitätsanforderungen erfüllen, d. h. dies wird empfohlen, ist jedoch nicht verbindlich. Jede Abweichung von den Anforderungen muss dokumentiert werden. Die Datenqualitätsanforderungen gelten sowohl für spezifische als auch für generische Daten.

Für die semiquantitative Bewertung der Datenqualität im Rahmen von PEF-Studien müssen die folgenden sechs Kriterien angewendet werden: technologische Repräsentativität, räumliche Repräsentativität, zeitbezogene Repräsentativität, Vollständigkeit, Parameterunsicherheit und methodische Eignung und Konsistenz.

Beim faktulativen Screening ist für Daten, die mindestens 90 % der für jede EF-Wirkungskategorie geschätzten Wirkung ausmachen, zumindest ein „mittlerer“ Datenqualitätswert erforderlich, der auf der qualitativen Beurteilung durch einen Sachverständigen beruht.

Im endgültigen Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil müssen bei Prozessen oder Tätigkeiten, die mindestens 70 % der Beiträge zu jeder EF-Wirkungskategorie ausmachen, sowohl die spezifischen als auch die generischen Daten ein insgesamt „gutes“ Qualitätsniveau erreichen (die Schwelle von 70 % wurde als Kompromiss gewählt, um eine robuste und gleichzeitig durchführbare und realistische Bewertung zu gewährleisten). Für diese Prozesse muss eine semiquantitative Bewertung der Datenqualität durchgeführt und mitgeteilt werden. Mindestens zwei Drittel der verbleibenden 30 % (d. h. 20 bis 30 %) müssen mit Daten von mindestens „mittlerer Qualität“ modelliert werden. Daten von schlechterer als mittlerer Qualität dürfen nicht mehr als 10 % der Beiträge zu jeder EF-Wirkungskategorie ausmachen.

Die Qualitätsanforderungen an die Daten über die technologische, räumliche und zeitbezogene Repräsentativität müssen im Rahmen der PEF-Studie geprüft werden. Die Qualitätsanforderungen an die Daten über die Vollständigkeit, methodische Eignung und Konsistenz sowie über die Parameterunsicherheit sollten erfüllt werden, indem generische Daten ausschließlich aus Datenquellen beschafft werden, die die Anforderungen des PEF-Leitfadens erfüllen.

Für das Datenqualitätskriterium „Methodische Eignung und Konsistenz“ gelten die in Tabelle 6 festgelegten Anforderungen bis Ende 2015. Ab 2016 muss die PEF-Methodik in jeder Hinsicht eingehalten werden.

Die Qualität generischer Daten muss auf Ebene der Inputflüsse (z. B. gekauftes Papier, das in einer Druckerei verwendet wird) bewertet werden, während die Qualität spezifischer Daten auf Ebene eines bestimmten Prozesses oder eines aggregierten Prozesses oder auf Ebene einzelner Inputflüsse bewertet werden muss.

PEFCR-Regeln müssen zusätzliche Anleitungen für die Qualitätsbewertung von Daten zur betreffenden Produktkategorie in Bezug auf ihre zeitbezogene, räumliche und technologische Repräsentativität enthalten. Sie müssen z. B. spezifizieren, welcher Datenqualitätswert für die zeitbezogene Repräsentativität einem für ein bestimmtes Jahr stehenden Datensatz zugeordnet werden sollte.

PEFCR-Regeln können zusätzliche Kriterien für die Bewertung der Datenqualität vorsehen (die über die Standardkriterien hinausgehen).

PEFCR-Regeln können strengere Datenqualitätsanforderungen vorgeben, wenn dies für die betreffende Produktkategorie sinnvoll ist. Sie können Folgendes betreffen

Gate-to-Gate-Tätigkeiten/-Prozesse;

vor- oder nachgelagerte Phasen;

für die Produktkategorie wichtige Lieferkettentätigkeiten;

für die Produktkategorie wichtige EF-Wirkungskategorien.

5.7

Erhebung spezifischer Daten

Für alle Vordergrundprozesse und gegebenenfalls für Hintergrundprozesse müssen spezifische Daten erhoben werden. Sind generische Daten repräsentativer oder besser geeignet als spezifische Daten für Vordergrundprozesse (in diesem Falle zu begründen und mitzuteilen), müssen auch für Vordergrundprozesse generische Daten verwendet werden. Es wird darauf hingewiesen, dass Emissionsfaktoren vorbehaltlich der Erfüllung der Datenqualitätsanforderungen von generischen Daten abgeleitet werden können.

PEFCR müssen

1.

spezifizieren, für welche Prozesse spezifische Daten erhoben werden müssen;

2.

die Verfahrensschritte für die Erhebung spezifischer Daten spezifizieren;

3.

die Datenerhebungsanforderungen für die einzelnen Standorte festlegen, und zwar für:

die Zielphase(n) und den Erfassungsgrad;

den Ort der Datensammlung (Inland, Ausland, repräsentative Fabriken usw.);

den Zeitraum der Datenerhebung (Jahr, Jahreszeit, Monat usw.);

wenn Ort oder Zeitraum der Datenerhebung auf einen bestimmten Bereich begrenzt sein müssen, ist dies zu begründen und es ist nachzuweisen, dass die erhobenen Daten als Stichprobe ausreichen.

5.8

Erhebung generischer Daten

Sofern verfügbar, müssen anstelle von mehrere Sektoren betreffenden generischen Daten sektorspezifische generische Daten verwendet werden.

Alle generischen Daten müssen die Datenqualitätsanforderungen dieses Leitfadens erfüllen.

Die verwendeten Datenquellen müssen deutlich dokumentiert und im PEF-Bericht angegeben werden.

Generische Daten (vorausgesetzt, sie erfüllen die Datenqualitätsanforderungen dieses Leitfadens) sollten, soweit verfügbar, aus folgenden Quellen beschafft werden:

Daten, die nach Maßgabe der einschlägigen PEFCR-Regeln entwickelt wurden;

Daten, die nach Maßgabe von PEF-Studien entwickelt wurden;

International Reference Life Cycle Data System (ILCD) Data Network (wobei Datensätze, die in vollem Umfang mit dem ILCD Data Network übereinstimmen, denjenigen vorzuziehen sind, die nur eintragskonform sind);

ELCD-Datenbank.

PEFCR-Regeln müssen Folgendes spezifizieren:

in welchen Fällen generische Daten als Näherungswerte für einen Stoff, über den keine spezifischen Daten vorliegen, zulässig sind;

den Grad der erforderlichen Ähnlichkeiten zwischen dem tatsächlichen Stoff und dem generischen Stoff;

erforderlichenfalls die Kombination mehrerer generischer Datensätze.

5.9

Vorgehen bei Datenlücken

Alle Datenlücken müssen mit den besten verfügbaren generischen oder extrapolierten Daten geschlossen werden. Der Beitrag dieser Daten (einschließlich Lücken in generischen Daten) darf nicht mehr als 10 % des Gesamtbeitrags zur jeweils untersuchten EF-Wirkungskategorie ausmachen. Dies spiegelt sich in den Datenqualitätsanforderungen wider, wonach 10 % der Daten aus den besten verfügbaren Daten gewählt werden können (ohne weitere Datenqualitätsanforderungen).

PEFCR-Regeln müssen potenzielle Datenlücken spezifizieren und ausführliche Anleitungen zur Schließung dieser Lücken enthalten.

5.10

Vorgehen bei multifunktionalen Prozessen

Für die Lösung sämtlicher PEF-Multifunktionalitätsprobleme muss die folgende Entscheidungshierarchie angewendet werden: 1) Unterteilung oder Systemerweiterung; 2) Allokation auf Basis einer relevanten zugrunde liegenden physikalischen Beziehung (einschließlich direkte Substitution oder eine relevante zugrunde liegende physikalische Beziehung); 3) Allokation auf Basis einer anderen Beziehung (einschließlich indirekter Substitution oder einer anderen relevanten zugrunde liegenden Beziehung).

Jede in diesem Kontext getroffene Wahl muss gemeldet und begründet werden, wobei das übergeordnete Ziel der Gewährleistung physikalisch repräsentativer, ökologisch relevanter Ergebnisse zu berücksichtigen ist. Bei Multifunktionalität von Produkten, die dem Recycling oder der energetischen Verwertung zugeführt werden, muss die in Anhang V beschriebene Formel verwendet werden. Der oben beschriebene Entscheidungsprozess gilt auch für Multifunktionalität am Ende des Lebenswegs.

PEFCR-Regeln müssen Lösungen für Multifunktionalitätsprobleme innerhalb der festgelegten Systemgrenzen und gegebenenfalls für vor- und nachgelagerte Phasen genauer spezifizieren. Soweit machbar/sinnvoll, können PEFCR-Regeln außerdem spezielle Faktoren für Allokationslösungen vorsehen. Alle Lösungsansätze einer PEFCR-Regel für Multifunktionalitätsprobleme sind mit Verweis auf die Lösungshierarchie für PEF-Multifunktionalitätsprobleme genau zu begründen.

Bei Unterteilung muss die PEFCR-Regel spezifizieren, welche Prozesse zu unterteilen sind und welche Grundsätze bei dieser Unterteilung eingehalten werden sollten.

Bei Allokation auf Basis einer physikalischen Beziehung muss die PEFCR-Regel die zu berücksichtigenden relevanten physikalischen Beziehungen spezifizieren und die relevanten Allokationsfaktoren festlegen.

Bei Allokation auf Basis einer anderen Beziehung muss die PEFCR-Regel diese Beziehung spezifizieren und die relevanten Allokationsfaktoren festlegen. Bei ökonomischer Allokation beispielsweise muss die PEFCR-Regel die Regeln für die Bestimmung des ökonomischen Wertes von Koppelprodukten vorgeben.

Bei Multifunktionalität am Ende des Lebenswegs muss die PEFCR-Regel spezifizieren, wie die unterschiedlichen Komponenten mit der vorgesehenen obligatorischen Formel zu berechnen sind.

6.1

EF-Wirkungsabschätzung

Die EF-Wirkungsabschätzung muss eine Klassifikation und Charakterisierung der PEF-Flüsse beinhalten.

 

6.1.1

Klassifikation

Alle für die Erstellung des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils erfassten Inputs/Outputs müssen anhand der unter http://lct.jrc.ec.europa.eu/assessment/projects abrufbaren Klassifikationsdaten den EF-Wirkungskategorien zugeordnet werden, zu denen sie beitragen („Klassifikation“).

Für die Klassifikation des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils sollten die Daten bezogen auf die Inhaltsstoffe ausgedrückt werden, für die Charakterisierungsfaktoren verfügbar sind.

 

6.1.2

Charakterisierung

Allen klassifizierten Inputs/Outputs in jeder EF-Wirkungskategorie müssen Charakterisierungsfaktoren (online abrufbar unter http://lct.jrc.ec.europa.eu/assessment/projects) zugeordnet werden, die dem Beitrag je Input-/Outputeinheit zu dieser Kategorie entsprechen. Anschließend müssen die EF-Wirkungsabschätzungsergebnisse für die einzelnen EF-Wirkungskategorie berechnet werden.

Die EF-Wirkungsabschätzungsergebnisse werden anschließend berechnet durch Multiplikation der jeweiligen Input-/Outputmenge mit dem zugehörigen Charakterisierungsfaktor und Addition der Beiträge der Inputs/Outputs innerhalb jeder Kategorie, um ein in der relevanten Referenzeinheit ausgedrücktes einheitlichen Maß zu erhalten.

Wenn für bestimmte Flüsse (z. B. eine Gruppe von Chemikalien) des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils keine Charakterisierungsfaktoren (CF) aus dem Standardmodell zur Verfügung stehen, können zur Charakterisierung dieser Flüsse andere Ansätze verwendet werden, die in diesen Fall unter „Zusätzliche Umweltinformationen“ beschrieben werden müssen. Die Charakterisierungsmodelle müssen wissenschaftlich und technisch fundiert sein und auf eindeutig identifizierbaren Umweltwirkungsmechanismen oder reproduzierbaren empirischen Beobachtungen basieren.

 

6.2.1

Normierung (falls angewandt)

Die Normierung ist kein obligatorischer, sondern ein empfohlener Schritt für PEF-Studien. Wird auf Normierung zurückgegriffen, so müssen die normierten EF-Ergebnisse unter „Zusätzliche Umweltinformationen“ angegeben und alle diesbezüglichen Methoden und Annahmen müssen dokumentiert werden.

Normierte Ergebnisse dürfen nicht aggregiert werden, da dies automatisch Gewichtung impliziert. Vor der Normierung vorliegende EF-Wirkungsabschätzungsergebnisse müssen zusammen mit den normierten Ergebnissen angegeben werden.

 

6.2.2

Gewichtung (falls angewandt)

Die Gewichtung ist kein verbindlicher, sondern ein fakultativer Schritt für PEF-Studien. Wird auf Gewichtung zurückgegriffen, so müssen die Methoden und Ergebnisse unter „Zusätzliche Umweltinformationen“ angegeben werden. Vor der Gewichtung vorliegende EF-Wirkungsabschätzungsergebnisse müssen zusammen mit den gewichteten Ergebnissen angegeben werden.

Normierungen und Gewichtungen im Rahmen von PEF-Studien dürfen den festgelegten Zielen und dem Untersuchungsrahmen der Studie, einschließlich den beabsichtigten Anwendungen, nicht zuwiderlaufen.

 

7.1

Auswertung der Ergebnisse

Die Auswertungsphase muss folgende Schritte umfassen: „Bewertung der Robustheit des PEF-Modells“, „Identifizierung kritischer Punkte“ (Hotspots), „Unsicherheitsschätzung“ und „Schlussfolgerungen, Grenzen und Empfehlungen“.

 

7.2

Robustheit des Modells

Bei der Bewertung der Robustheit des PEF-Modells muss beurteilt werden, inwieweit die methodischen Entscheidungen die Ergebnisse beeinflussen. Diese Entscheidungen müssen den Anforderungen dieses PEF-Leitfadens genügen und dem Kontext angemessen sein. Zur Beurteilung der Robustheit des PEF-Modells sollten Vollständigkeits-, Sensitivitäts- und Konsistenzprüfungen durchgeführt werden.

 

7.3

Identifizierung von Hotspots

PEF-Ergebnisse müssen evaluiert werden, um die Wirkung von kritischen Punkten (Hotspots)/Schwachstellen auf Ebene der Input-/Output-, Prozess- und Lieferkettenphasen sowie Verbesserungspotenziale zu bewerten.

PEFCR-Regeln müssen die wichtigsten EF-Wirkungskategorien für den betreffenden Sektor identifizieren. Für diese Priorisierung kann auf die Instrumente Normierung und Gewichtung zurückgegriffen werden.

7.4

Unsicherheitsschätzung

Um die Unsicherheiten der PEF-Ergebnisse insgesamt leichter abschätzen zu können, muss sowohl für auswahlbezogene Unsicherheiten als auch für Unsicherheiten von Bilanzdaten mindestens eine qualitative Beschreibung der Unsicherheiten der PEF-Studienergebnisse erstellt werden.

PEFCR-Regeln müssen die für die gesamte Produktkategorie gängigen Unsicherheiten beschreiben, und sollte die Bandbreite identifizieren, innerhalb der Ergebnisse in Vergleichen oder in vergleichenden Aussagen als nicht wesentlich unterschiedlich angesehen werden könnten.

7.5

Schlussfolgerungen, Empfehlungen und Grenzen

Schlussfolgerungen, Empfehlungen und Grenzen müssen dem festgelegten Ziel und Untersuchungsrahmen der PEF-Studie Rechnung tragen. PEF-Studien, die die Grundlage für zur Veröffentlichung bestimmte vergleichende Aussagen (d. h. Angaben über die ökologische Überlegenheit oder Gleichwertigkeit des Produkts) bilden sollen, müssen sowohl diesen PEF-Leitfaden als auch die dazugehörigen PEFCR-Regeln berücksichtigen.

Schlussfolgerungen sollten eine Zusammenfassung der entlang der Lieferkette identifizierten Hotspots und der potenziellen Verbesserungen durch Managementinterventionen beinhalten.

 

8.2

Berichterstattung

Jede für die externe Kommunikation bestimmte PEF-Studie muss einen Bericht umfassen, der eine robuste Grundlage für die Bewertung, Überwachung und Verbesserung der Umweltleistung des Produkts im Zeitverlauf darstellt. Der Bericht über die PEF-Studie muss mindestens eine Zusammenfassung, einen Hauptteil und einen Anhang umfassen. Diese Berichtsteile müssen alle in diesem Kapitel genannten Angaben enthalten. Etwaige zusätzliche Informationen können auch in einen vertraulichen Bericht aufgenommen werden.

PEFCR-Regeln müssen jede Abweichung von den Standardberichtspflichten (siehe Kapitel 8) sowie alle zusätzlichen Berichtspflichten spezifizieren und begründen und/oder die Berichtspflichten je nach - beispielsweise - der Art der Anwendungen der PEF-Studie und der Art des untersuchten Produkts differenzieren. PEFCR-Regeln müssen spezifizieren, ob die PEF-Ergebnisse für jede der ausgewählten Lebenswegphasen separat mitgeteilt werden müssen.

9.1

Prüfung

Jede für die interne Kommunikation bestimmte PEF-Studie, von der behauptet wird, dass sie mit dem PEF-Leitfaden übereinstimmt, und jede für die externe Kommunikation (z. B. B2B und B2C) bestimmte PEF-Studie muss kritisch geprüft werden, um sicherzustellen, dass

die Methoden, nach denen die PEF-Studie durchgeführt wurde, mit diesem PEF-Leitfaden übereinstimmen;

die Methoden, nach denen die PEF-Studie durchgeführt wurde, wissenschaftlich und technisch fundiert sind;

die verwendeten Daten angemessen und aussagekräftig sind und die festgelegten Datenqualitätsanforderungen erfüllen;

die Auswertung der Ergebnisse die identifizierten Grenzen widerspiegelt;

der Studienbericht transparent, genau und konsistent ist.

 

9.2

Art der Prüfung

Soweit in maßgeblichen politischen Instrumenten nicht anders geregelt, muss jede für die externe Kommunikation bestimmte Studie von mindestens einem unabhängigen und qualifizierten externen Prüfer (oder Prüfteam)kritisch geprüft werden. Eine PEF-Studie, die als Grundlage für zur Veröffentlichung bestimmte vergleichende Aussagen dienen soll, muss auf relevanten PEFCR-Regeln basieren und von einem unabhängigen Prüfteam Screenings aus drei qualifizierten externen Prüfern kritisch geprüft werden. Jede für die interne Kommunikation bestimmte PEF-Studie, von der behauptet wird, dass sie mit dem PEF-Leitfaden übereinstimmt, muss von mindestens einem unabhängigen und qualifizierten externen Prüfer (oder Prüfteam) kritisch geprüft werden.

PEFCR-Regeln müssen die Prüfungsanforderungen an PEF-Studien spezifizieren, die als Grundlage für vergleichende Aussagen dienen sollen, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind (sie müssen z. B. vorgeben, ob eine Prüfung durch mindestens drei unabhängige, qualifizierte externe Prüfer ausreicht)

9.3

Qualifikationen der Prüfer

Kritische Prüfungen von PEF-Studien werden entsprechend den Anforderungen der beabsichtigten Anwendung durchgeführt. Sofern nicht anders geregelt, beträgt die erforderliche Mindestpunktzahl für die Qualifikation als Prüfer oder Prüfteam sechs Punkte, darunter jeweils mindestens ein Punkt für jedes der drei verbindlichen Kriterien (d. h. Verifizierungs- und Auditpraxis, Ökobilanz-Methodik und –Praxis sowie Kenntnisse der für die PEF-Studie relevanten Technologien oder anderen Tätigkeiten). Bei Einzelpersonen müssen die Punktstände pro Kriterium erreicht werden; bei Prüfgremien dagegen können die Punktestände für die einzelnen Kriterien addiert werden. Prüfer oder Prüfteams müssen eine Eigenerklärung über ihre Qualifikationen und ihre für jedes Kriterium erreichte Punktzahl sowie die Gesamtpunktzahl abgeben. Diese Eigenerklärung muss Teil des PEF-Berichts sein.

 

(ZUR INFORMATION)

Anhang II

Datenmanagementplan (in Anlehnung an die Treibhausgasprotokoll-Initiative  (115))

Zur Aufstellung eines Datenmanagementplans sollten die folgenden Schritte unternommen und dokumentiert werden:

1.

Benennung einer Person/eines Teams, die/das für die Qualität der Produktbilanzierung zuständig ist. Diese Person/dieses Team sollte zuständig sein für die Durch- und Weiterführung des Datenmanagementplans, die kontinuierliche Verbesserung der Qualität der Produktbilanzen und die Koordinierung des internen Datenaustauschs und aller externen Interaktionen (z. B. mit relevanten Produktbilanzierungsprogrammen und Prüfern).

2.

Aufstellung eines Datenmanagementplans und einer Checkliste. Mit der Aufstellung des Datenmanagementplans sollte schon vor der Datenerhebung begonnen werden, um sicherzustellen, dass alle relevanten Informationen über die Bilanz festgehalten werden. Der Plan sollte im Laufe der Zeit in dem Maße weiterentwickelt werden, wie die Datenerhebung und Datenprozesse verfeinert werden. Im Plan sollten die Qualitätskriterien und etwaige Evaluierungs-/Punktesysteme festgelegt werden. Die Checkliste für den Datenmanagementplan gibt an, welche Komponenten in den Plan aufgenommen werden sollten, und kann als Leitfaden für die Aufstellung eines Plans oder für die Zusammenstellung bereits vorhandener Dokumente zu einem Plan verwendet werden.

3.

Durchführung von Datenqualitätsprüfungen. Prüfungen sollten alle Aspekte des Bilanzierungsprozesses erfassen; Datenqualität, Datenverarbeitung, Dokumentation und Berechnungsverfahren sollten dabei im Mittelpunkt stehen. Die definierten Qualitätskriterien und Punktesysteme bilden die Grundlage für die Datenqualitätsprüfungen.

4.

Überprüfung von Bilanz und Berichten der Organisation . Ausgewählte unabhängige externe Prüfer sollten die Studie prüfen - idealerweise von Anfang an.

5.

Einrichtung formeller Rückmeldungsschleifen zur Verbesserung der Datenerhebungs-, verarbeitungs- und -dokumentationsprozesse. Rückmeldungsschleifen sind notwendig, um die Bilanz der Organisation im Laufe der Zeit qualitativ zu verbessern und etwaige Fehler oder Unstimmigkeiten, die im Prüfprozess festgestellt werden, zu beheben.

6.

Festlegung von Berichts-, Dokumentations- und Archivierungsverfahren. Es sollten Archivierungssysteme festgelegt werden, mit Angabe der zu speichernden Daten sowie der Art und Weise dieser Speicherung und der im Rahmen der internen und externen Bilanzierungsberichte mitzuteilenden Informationen sowie der zur Unterstützung der Datenerhebungs- und Berechnungsmethoden zu dokumentierenden Unterlagen. Das Verfahren kann auch die Anpassung oder Entwicklung einschlägiger Datenbanken für die Archivierung beinhalten.

Der Datenmanagementplan wird voraussichtlich ein sich ständig weiterentwickelndes Dokument sein, das aktualisiert wird, sobald sich Datenquellen ändern, Datenverarbeitungsverfahren verfeinert werden, Berechnungsmethoden verbessert werden oder sich die Verantwortung für die Organisationsbilanz innerhalb einer Organisation oder die geschäftlichen Ziele der Organisation ändern.

(ZUR INFORMATION)

Anhang III

Checkliste für die Datenerhebung

Ein Modell für die Datenerhebung ist für die Organisation der Datenerhebungstätigkeiten und ergebnisse im Rahmen der Erstellung des Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils hilfreich. Die folgende nicht erschöpfende Checkliste kann als Ausgangspunkt für die Datenerhebung und die Organisation eines Datenerhebungsmodells verwendet werden:

Die wichtigsten Elemente für die Datenerhebung sind:

Einführung in die PEF-Studie, mit Überblick über die Ziele der Datenerhebung und das verwendete Modell/den verwendeten Fragebogen;

Informationen über die für die Mess- und Datenerhebungsverfahren zuständige(n) Organisation(en) oder Person(en);

Beschreibung der Anlage, für die Daten erhoben werden sollen (z. B. maximale und normale Betriebskapazität, Produktionsoutput pro Jahr, Standort, Anzahl der Mitarbeiter usw.);

Datenquellen und Datenqualitätseinstufung;

Datum/Jahr der Datenerhebung;

Beschreibung des Produkts (und der Untersuchungseinheit);

Produktsystembeschreibung und Systemgrenze;

individuelles Prozessphasendiagramm;

Input und Output je Referenzfluss und Einheit

Beispiel: Vereinfachtes Datenerhebungsmodell

Technische Übersicht

Abbildung: Prozessdiagramm für die Produktionsphase in einem T-Shirts herstellenden Unternehmen

Image

Liste der Prozesse innerhalb der Systemgrenze: Faserherstellung, Spinnen, Zwirnen, Texturieren, Weben, Vorbehandeln, Färben, Drucken, Beschichten, Veredeln.

Erhebung von Daten über Prozesseinheit/Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil

Bezeichnung des Prozesses: Veredelung

Prozessdiagram: Bei der Veredelung handelt es sich um Prozesse, die nach dem Weben oder Wirken am Garn oder Stoff vorgenommen werden, um Aussehen und Leistung des fertigen Textilprodukts zu verbessern.

Abbildung

Prozessdiagram – Veredelung

Image

Input

Code

Name

Menge

Einheit

 

 

 

 

 

 

 

 

Output (je Referenzfluss)

Code

Name

Menge

Einheit

 

 

 

 

 

 

 

 


Tabelle 10

Beispiel eines Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils  (116)

Parameter

Einheit/kg

Menge

Energieverbrauch (nicht elementar)

MJ

115,5

Elektrizität (elementar)

MJ

34,6

Fossile Brennstoffe (elementar)

MJ

76

Sonstige (nichtelementar)

MJ

4,9

Nicht erneuerbare Ressourcen (nicht elementar)

kg

2,7

Erdgas (elementar)

kg

0,59

Erdgas, Ausgangsstoff (elementar)

kg

0,16

Rohöl (elementar)

kg

0,57

Rohöl, Ausgangsstoff (elementar)

kg

0,48

Kohle (elementar)

kg

0,66

Kohle, Ausgangsstoff (elementar)

kg

0,21

LPG (elementar)

kg

0,02

Wasserkraft (MJel) (elementar)

MJ

5,2

Wasser (elementar)

kg

12 400

Emissionen in die Luft (Elementarflüsse)

CO2

g

5,132

CH4

g

8,2

SO2

g

3,9

Nox

g

26,8

CH

g

25,8

CO

g

28

Emissionen in Gewässer (Elementarflüsse)

CSB Mn

g

13,3

BSB

g

5,7

Gesamt-P

g

0,052

Gesamt-N

g

0,002

Anhang IV

Bestimmung einer geeigneten Nomenklatur und geeigneter Eigenschaften für spezifische Flüsse

Hauptzielgruppe dieses Anhangs sind Techniker und Prüfer mit Erfahrung im Bereich der Umweltfußabdruckberechnung.

Dieser Anhang beruht auf dem International Reference Life Cycle Data System (ILCD) Handbook – Nomenclature and other conventions (Europäische Gemeinschaften, JRC-IES, 2010). Sollten zusätzliche Informationen und Hintergrundwissen zum Thema Nomenklatur und Benennungsregeln erforderlich sein, konsultieren Sie bitte das genannte Dokument (online unter http://lct.jrc.ec.europa.eu/).

Unterschiedliche Gruppen arbeiten häufig mit stark voneinander abweichenden Nomenklaturen und anderen Namenskonventionen. Folglich sind Ressourcennutzungs- und Emissionsprofile (für Nutzer von Ökobilanzen: Sachbilanzdatensätze) auf verschiedenen Ebenen inkompatibel, wodurch die kombinierte Nutzung der Datensätze von Ressourcennutzungs- und Emissionsprofilen aus unterschiedlichen Quellen bzw. ein effizienter Austausch elektronischer Daten unter Nutzern deutlich eingeschränkt wird. Dieser Umstand verhindert auch ein klares Verständnis und eine effiziente Prüfung von EF- und Ökobilanz-Studienberichten.

In diesem Anhang finden Sie eine gemeinsame Nomenklatur und Bestimmungen über verwandte Themen, die die Erhebung, Dokumentation und Nutzung von Daten für Ressourcennutzungs- und Emissionsprofile und Sachbilanzen in EF- und Ökobilanz-Studien erleichtern. Das Dokument bildet auch die Grundlage für eine einheitliche Liste von Referenzelementarflüssen zur Verwendung bei EF- und Ökobilanztätigkeiten.

Dadurch wird eine effiziente Fußabdruckberechnung und Ökobilanzierung gefördert, und der Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Tools und Datenbanken wird erleichtert.

Ziel ist es, eine Anleitung für die Erhebung, Benennung und Dokumentation von Daten zu geben, damit diese

aussagekräftig, präzise und für weitere EF-Wirkungsabschätzungen, die Ergebnisauswertung und die Berichterstattung nützlich sind;

auf kostengünstige Weise kompiliert und zur Verfügung gestellt werden können;

umfassend sind und sich nicht überschneiden;

effizient unter Nutzern ausgetauscht werden können, die mit unterschiedlichen Datenbanken und Software-Systemen arbeiten, wodurch die Wahrscheinlichkeit von Fehlern reduziert wird.

In dieser Nomenklatur und in anderen Namenskonventionen liegt der Schwerpunkt auf Elementarflüssen, Flusseigenschaften und den damit verbundenen Einheiten, und es werden Anregungen für die Benennung von Prozessdatensätzen, Produkt- und Abfallflüssen sowie für die Kompatibilität zwischen unterschiedlichen Datenbanksystemen gegeben. Des Weiteren werden grundlegende Empfehlungen und Regeln für die Klassifikation von Quell- und Kontaktdatensätzen formuliert. In Tabelle 10 sind die für PEF-Studien erforderlichen ILCD-Handbuch-Regeln aufgeführt. Tabelle 12 gibt einen Überblick über die Regelkategorien und die entsprechenden Kapitel im ILCD-Handbuch.

Tabelle 11

Verbindliche Regeln, nach Flusstypen

Element

Verbindliche Regeln aus der ILCD-Nomenklatur

(siehe Tabelle 14)

Rohstoff, Input

2, 4, 5

Emission, Output

2, 4, 9

Produktfluss

10, 11, 13, 14, 15, 16, 17


Tabelle 12

Nomenklaturregeln

Regel #

Regelkategorie

Abschnitt im ILCD-Handbuch - Nomenklatur und andere Konventionen

2

„Elementarflusskategorien“ nach abgebenden/aufnehmenden Umweltkompartimenten

Abschnitt 2.1.1

4

Weitere Differenzierung der abgebenden/aufnehmenden Umweltkompartimente

Abschnitt 2.1.2

5

Zusätzliche, nicht identifizierende Klassifikation von Elementarflüssen des Typs „Bodenressourcen“

Abschnitt 2.1.3.1

9

Empfohlen sowohl für technische als auch für nicht technische Zielgruppen: zusätzliche, nicht identifizierende Klassifikation von Emissionen

Abschnitt 2.1.3.2

10

Höchste Klassifikationsebene für Produktflüsse, Abfallflüsse und Prozesse

Abschnitt 2.2

11

Zweithöchste Klassifikationsebene für Produktflüsse, Abfallflüsse und Prozesse (für die vorausgehende höchste Klassifikationsebene)

Abschnitt 2.2

13

Feld „Basisbezeichnung“

Abschnitt 3.2

14

Feld „Behandlung, Normen, Produktionsmethoden“

Abschnitt 3.2

15

Feld „Mixtyp und Standorttyp“

Abschnitt 3.2

16

Feld „quantitative Flusseigenschaften“

Abschnitt 3.2

17

Namenskonvention für Flüsse und Prozesse

Abschnitt 3.2

Beispiele für die Bestimmung eine geeigneten Nomenklatur und geeigneter Eigenschaften für spezifische Flüsse

Rohmaterial, Input: Rohöl (Regeln 2, 4, 5)

(1)

„Elementarflusskategorie“ nach abgebendem/aufnehmendem Umweltkompartiment angeben:

Beispiel: Ressourcen –Bodenressourcen

(2)

Weitere Differenzierung nach abgebenden/aufnehmenden Umweltkompartimenten

Beispiel: nicht erneuerbare Bodenressourcen

(3)

Zusätzliche, nicht identifizierende Klassifikation für Elementarflüsse des Typs „Bodenressourcen“

Beispiel: nicht erneuerbare Bodenressourcen (z. B. „Rohöl“; 42,3 MJ/kg Nettobrennwert“)

Flussdatensatz: Rohöl: 42,3 MJ/kg Nettobrennwert

Image

Emission, Output: Beispiel: Kohlendioxid (Regeln 2, 4, 9)

(1)

„Elementarflusskategorien“ nach abgebendem/aufnehmendem Umweltkompartiment angeben:

Beispiel: Emissionen – Emissionen in die Luft - Emissionen in die Luft, nicht spezifiziert

(2)

Weitere Differenzierung nach abgebenden/aufnehmenden Umweltkompartimenten

Beispiel: „Emissionen in die Luft, DE“

(3)

Zusätzliche, nicht identifizierende Klassifikation von Emissionen

Beispiel: Anorganische kovalente Verbindungen (z. B. „Kohlendioxid, fossil“, „Kohlenmonoxid", „Schwefeldioxid“, „Ammonium“ usw.)

Image

Produktfluss: Beispiel: T-Shirt (Regeln 10-17)

(1)

Höchste Klassifikationsebene für Produktflüsse, Abfallflüsse und Prozesse:

Beispiel: „System“

(2)

Zweithöchste Klassifikationsebene für Produktflüsse, Abfallflüsse und Prozesse (für die vorausgehende höchste Klassifikationsebene):

Beispiel: „Textilien, Möbel und sonstige Inneneinrichtung“

(3)

Feld „Basisbezeichnung“:

Beispiel: „Basisbezeichnung: Weißes Polyester-T-Shirt”

(4)

Feld „Behandlung, Normen, Produktionsmethoden“:

Beispiel: „“

(5)

Feld „Mixtyp und Standorttyp“:

„Produktionsmix, am Verkaufsort“

(6)

Feld „quantitative Flusseigenschaften“:

Beispiel: „160 g Polyester”

(7)

Namenskonvention für Flüsse und Prozesse.

<„Basisbezeichnung“; „Behandlung, Normen, Produktionsmethoden“; „Mixtyp und Standorttyp“; „quantitative Flusseigenschaften“>.

Beispiel: „Weißes Polyester T-Shirt; Produktmix am Verkaufsort; 160 g Polyester“

Anhang V

Vorgehen bei Multifunktionalität in Recycling-Situationen

Die Lösung von Multifunktionalitätsproblemen bei Produkten ist besonders dann eine große Herausforderung, wenn es um die Wiederverwendung, das Recycling oder die energetische Verwertung eines (oder mehrerer) dieser Produkte geht, da das System dann recht komplex werden kann.

Das für jede Untersuchungseinheit resultierende Gesamt-Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil (RNuEP) kann nach folgender Formel geschätzt werden, die

sowohl für das Recycling im offenen Kreislauf (117) (Open Loop Recycling) als auch im geschlossenen Kreislauf (118) (Closed Loop Recycling) gilt;

falls relevant/zutreffend, auch für die Bewertung der Wiederverwendung des untersuchten Produkts geeignet ist, die auf dieselbe Weise modelliert wird wie das Recycling;

falls relevant/zutreffend, auch für die Bewertung des Downcycling, d. h. die Abwertung des Sekundärmaterials (d. h. dem recycelten oder wiederverwendeten Material) gemessen am Primärmaterial (d. h. dem ursprünglichen Material) geeignet ist;

falls relevant/zutreffend, auch für die Bewertung der Energierückgewinnung geeignet ist;

die Wirkungen und Nutzen des Recycling gleichermaßen dem Recyclat-Material verwendenden Produzenten und dem ein Recyclatprodukt herstellenden Produzenten zuordnet, d. h. Allokationsplit von 50/50 (119).

Es müssen quantitative Angaben über die maßgeblichen Parameter erhoben werden, um die nachstehende Formel zur Bestimmung des Gesamt-Ressourcennutzungs- und Emissionsprofils je Untersuchungseinheit anwenden zu können. Diese Angaben sollten, soweit möglich, auf der Grundlage von Daten bestimmt werden, die die maßgeblichen Prozesse betreffen. Dies ist jedoch unter Umständen nicht immer möglich/durchführbar, so dass die Daten möglicherweise aus anderer Quelle gezogen werden müssen. (Es wird darauf hingewiesen, dass die nachstehende Erläuterung für jeden Term der Formel einen Hinweis gibt, wie/wo fehlende Daten gefunden werden können).

Das RNuEP je Untersuchungseinheit (120) wird nach folgender Formel berechnet:

Formula

Die Formel kann in fünf Blöcke unterteilt werden:

Formula

Diese Blöcke sind folgendermaßen zu interpretieren (die unterschiedlichen Parameter werden anschließend ausführlich erläutert):

Formula entspricht dem RNuEP der Beschaffung und Vorbehandlung von unbenutztem Material.

Formula entspricht dem RNuEP des Recyclatmaterial-Inputs und ist proportional zur Fraktion des Material-Inputs, die in einem früheren System recycliert wurde.

Formula entspricht dem RNuEP des Recyclingprozesses (oder des Wiederverwendungsprozesses), abzüglich der Gutschrift für vermiedenen Input von Neumaterial (wobei ein eventuelles Downcycling berücksichtigt wird).

Formula entspricht dem RNuEP, das sich aus dem Prozess der energetischen Verwertung ergibt, abzüglich der vermiedenen Emissionen aus der substituierten Energiequelle.

Formula entspricht dem Netto-RnaEP aufgrund der Entsorgung der Materialfraktion, die am Ende der Lebensdauer nicht recycliert (oder wiederverwendet) oder die energetisch verwertet wurde.

Dabei sind:

—   EV= die spezifischen Emissionen und der Ressourcenverbrauch (je Untersuchungseinheit) infolge der Beschaffung und Vorbehandlung von Neumaterial. Liegen diese Informationen nicht vor, sollten generische Daten verwendet werden, die aus den in Abschnitt 5.8 genannten Quellen für generische Daten stammen sollten.

—   E*V= die spezifischen Emissionen und der Ressourcenverbrauch (je Untersuchungseinheit) infolge der Beschaffung und Vorbehandlung von Neumaterial, von dem angenommen wird, dass es durch recyclingfähige Materialien ersetzt wird;

Wenn Recycling nur im geschlossenen Kreislauf (closed loop) stattfindet, gilt: E*V = EV

Wenn Recycling nur im offenen Kreislauf (open loop) stattfindet, entspricht E*V = E’V dem Input an Neumaterial, der sich auf das tatsächliche Neumaterial bezieht, das durch Recycling im offenen Kreislauf ersetzt wird. Liegen diese Informationen nicht vor, sollten Annahmen darüber aufgestellt werden, welches Neumaterial ersetzt wird, oder es sollten Durchschnittsdaten verwendet werden, die aus den in Abschnitt 5.8 genannten Quellen für generische Daten beschafft werden sollten. Liegen keine anderen relevanten Informationen vor, könnte angenommen werden, dass E’V = EV, als ob ein Closed Loop Recycling stattgefunden hätte.

—   Erecycled= die spezifischen Emissionen und der Ressourcenverbrauch (je Untersuchungseinheit) infolge des Recyclingprozesses des recyclierten (oder wiederverwendeten) Materials, einschließlich Sammel-, Sortier- und Transportprozesse. Liegen diese Informationen nicht vor, sollten generische Daten verwendet werden, die aus den in Abschnitt 5.8 genannten Quellen für generische Daten stammen sollten.

—   ErecyclingEoL= die spezifischen Emissionen und der Ressourcenverbrauch (je Untersuchungseinheit) infolge des Recyclingprozesses am Ende der Lebensdauer, einschließlich Sammel-, Sortier- und Transportprozesse. Liegen diese Informationen nicht vor, sollten generische Daten verwendet werden, die aus den in Abschnitt 5.8 genannten Quellen für generische Daten stammen sollten.

Anmerkung: Beim Recycling in geschlossenem Kreislauf gilt: Erecycled = ErecyclingEoL und E*V = EV

—   ED= die spezifischen Emissionen und der Ressourcenverbrauch (je Untersuchungseinheit) infolge der Entsorgung von Altmaterial am Ende der Lebensdauer des untersuchten Produktes (z. B. Deponie, Verbrennung, Pyrolyse). Liegen diese Informationen nicht vor, sollten generische Daten verwendet werden, die aus den in Abschnitt 5.8 genannten Quellen für generische Daten stammen sollten.

—   E*D= die spezifischen Emissionen und der Ressourcenverbrauch (je Untersuchungseinheit) Entsorgung von Altmaterial am Ende der Lebensdauer des untersuchten Produktes (z. B. Deponie, Verbrennung, Pyrolyse) am Ende der Lebensdauer des Materials, von dem die recyclierten Materialanteile stammen. Liegen diese Informationen nicht vor, sollten generische Daten verwendet werden, die aus den in Abschnitt 5.8 genannten Quellen für generische Daten stammen sollten.

wenn nur Recycling im geschlossenen Kreislauf (Closed Loop) stattfindet, gilt: E*D = ED

wenn nur Recycling im offenen Kreislauf (Open Loop) stattfindet, entspricht E*D = E’D der Entsorgung des Materials, von dem die recyclierten Materialanteile stammen. Liegen diese Informationen nicht vor, sollten Annahmen darüber aufgestellt werden, wie dieses Material entsorgt worden wäre, wenn es nicht recycliert worden wäre. Liegen keine relevanten Informationen vor, könnte angenommen werden, dass E’D = ED, als ob ein Closed-Loop-Recycling stattgefunden hätte.

—   EER= die spezifischen Emissionen und der Ressourcenverbrauch (je Untersuchungseinheit) infolge des Prozesses der energetischen Verwertung. Liegen diese Informationen nicht vor, sollten generische Daten verwendet werden, die aus den in Abschnitt 5.8 genannten Quellen für generische Daten stammen sollten.

—   ESE,heat und ESE,elec= die spezifischen Emissionen und der Ressourcenverbrauch (je Untersuchungseinheit), die infolge der spezifischen substituierten Energiequelle (Wärme bzw. Strom) angefallen wären. Liegen diese Informationen nicht vor, sollten generische Daten verwendet werden, die aus den in Abschnitt 5.8 genannten Quellen für generische Daten stammen sollten.

—   R1 [dimensionslos]= „recyclierter (oder wiederverwendeter) Materialanteil”, d. h. der Materialanteil am Produktionsinput, der in einem vorangegangenen System recycliert wurde (0=<R1<=1). Liegen diese Informationen nicht vor, können umfassende und regelmäßig aktualisierte statistische Angaben über Recyclingraten und andere relevante Parameter aus Quellen wie beispielsweise Eurostat bezogen werden (121).

—   R2 [dimensionslos]= „zu recyclierende (oder wiederzuverwendende) Materialfraktion", d. h. der Materialanteil am Produkt, der in einem nachfolgenden System recycliert (oder wiederverwendet) wird. R2 muss daher die Ineffizienzen der Sammel- und Recycling- (oder Wiederverwendungs-)Prozesse berücksichtigen (0=<R2=<1). Liegen diese Informationen nicht vor, können umfassende und regelmäßig aktualisierte statistische Angaben über Recyclingraten und andere relevante Parameter aus Quellen wie beispielsweise Eurostat bezogen werden (122).

—   R3 [dimensionslos]= der Materialanteil am Produkt, der am Ende der Lebensdauer zur energetischen Verwertung (d. h. Verbrennung mit Energierückgewinnung) verwendet wird (0=<R3=<1). Liegen diese Informationen nicht vor, können umfassende und regelmäßig aktualisierte statistische Angaben über Recyclingraten und andere relevante Parameter aus Quellen wie beispielsweise Eurostat bezogen werden.

—   LHV= unterer Heizwert [z. B. J/kg] des Materials im Produkt, das zur energetischen Verwertung genutzt wird. Dieser Wert sollte nach einer geeigneten Labormethode bestimmt werden. Ist dies nicht möglich oder machbar, so sollten generische Daten (siehe beispielweise „ELCD Reference elementary flows (123) und die ELCD-Datenbank unter „EoL treatment / Energy recycling (124)) verwendet werden.

—   XER,heat und XER,elec [dimensionslos]= die Effizienz des Prozesses der energetischen Verwertung (0<XER<1) sowohl für Wärme als auch für Strom, d. h. das Verhältnis zwischen dem Energiegehalt des Outputs (z. B. Wärme- oder Strom-Output) und dem Energiegehalt des Materials im Produkt, das zur energetischen Verwertung genutzt wird. XER muss daher die Ineffizienzen des Prozesses der energetischen Verwertung berücksichtigen (0=<XER<1). Liegen diese Informationen nicht vor, sollten generische Daten verwendet werden (siehe beispielsweise „EoL treatment/Energy recycling“ in der ELCD-Datenbank).

—   Qs= Qualität des Sekundärmaterials, d. h. die Qualität des recyclierten oder wiederverwendeten Materials (siehe nachstehende Anmerkung).

—   Qp= Qualität des Primärmaterials, d. h. die Qualität des Neumaterials (siehe nachstehende Anmerkung).

Anmerkung: Qs/Qp ist ein dimensionsloses Verhältnis, das als Näherungswert für etwaige Qualitätsunterschiede zwischen Sekundär- und Primärmaterial (Downcycling) verwendet wird. Entsprechend der EF-Multifunktionalitätshierarchie (siehe Abschnitt 5.10) wird die Möglichkeit untersucht, eine relevante zugrunde liegende physikalische Beziehung als Grundlage für den Qualitätskorrekturfaktor zu bestimmen (der begrenzende Faktor muss entscheidend sein). Ist dies nicht möglich, so muss eine andere Beziehung verwendet werden, z. B. der ökonomische Wert. In diesem Fall wird angenommen, dass die Preise der Primärmaterialien gegenüber denen der Sekundärmaterialien stellvertretend für Qualität stehen. In einer solchen Situation entspräche Qs/Qp dem Verhältnis zwischen dem Marktpreis des Sekundärmaterials (Qs) und dem Marktpreis des Primärmaterials (Qp). Die Marktpreise von Primär- und Sekundärmaterialien finden Sie online (125). Die für Primär- und Sekundärmaterialien zu berücksichtigenden Qualitätsaspekte müssen in den PEFCR-Regeln vorgegeben sein.

Anhang VI

Leitlinien für die Bilanzierung klimaänderungsrelevanter Emissionen infolge direkter Landnutzungsänderungen

Dieser Anhang enthält Anleitungen für die Bilanzierung von Treibhausgasemissionen infolge direkter Landnutzungsänderungen, soweit diese Emissionen zum Klimawandel beitragen.

Die Klimaauswirkungen sind das Ergebnis biogener CO2-Emissionen und -Bindungen infolge von Änderungen der Kohlenstoffbestände sowie biogener und nicht biogener CO2-, N2O- und CH4-Emissionen (z. B. aus der Verbrennung von Biomasse). Biogene Emissionen sind Emissionen aus der Verbrennung oder der Zersetzung biogener Materialien, aus der Abwasserbehandlung und aus biologischen Quellen wie Böden und Gewässern (einschließlich CO2, CH4 und N2O) ein, während die biogene Bindung der Aufnahme von CO2 während der Photosynthese entspricht. Nicht biogene Emissionen sind alle Emissionen aus nicht biogenen Quellen wie fossilen Materialien; nicht biogene Bindung betrifft CO2, das von einer nicht biogenen Quelle aus der Atmosphäre aufgenommen wird (WIR und WBCSD 2011b).

Landnutzungsänderungen können als direkte oder indirekte Landnutzungsänderungen eingestuft werden:

 

Direkte Landnutzungsänderungen sind das Ergebnis der Umwandlung, bezogen auf einen bestimmten Flächenbedeckungstyp, einer Landnutzungsart in eine andere Nutzungsart, die Änderungen der Kohlenstoffbestände dieser Bodenfläche nach sich ziehen kann, aber keine Änderung eines anderen Systems bewirkt.

 

Indirekte Landnutzungsänderungen treten ein, wenn eine bestimmte Änderung der Landnutzung Änderungen außerhalb der Systemgrenzen bewirkt, d. h. bei anderen Landnutzungsarten.

Abbildung 6 entspricht einer schematischen Darstellung sowohl direkter als auch indirekter Landnutzungsänderungen, illustriert am Beispiel der Biokraftstoffproduktion.

Abbildung 6

Schematische Darstellung direkter und indirekter Landnutzungsänderungen (CE Delft 2010)

Image

Image

Der Rest dieses Anhangs betrifft in erster Linie direkte Landnutzungsänderungen, da nur diese für den PEF berücksichtigt werden dürfen, indirekte Landnutzungsänderungen dagegen nicht (siehe Abschnitt 5.4.4).

ABSCHNITT 1:   HINWEISE FÜR DIE BERECHNUNGEN DER EMISSIONEN INFOLGE DIREKTER LANDNUTZUNGSÄNDERUNGEN

Der Beschluss C(2010) 3751 der Kommission enthält Anleitungen für die Berechnung der Kohlenstoffbestände in Landflächen bei Standardlandnutzungsart und tatsächlicher Landnutzungsart. Er nennt Werte für die Kohlenstoffbestände bei vier unterschiedlichen Landnutzungskategorien: Ackerland und Dauerkulturen, Grünland und Waldflächen. Bei Landnutzungsänderungen, die diese Kategorien betreffen, müssen die Anleitungen des Beschlusses C(2010) 3751 der Kommission befolgt werden. Bei Emissionen infolge des Übergangs zu anderen, nicht unter den Beschluss fallenden Landnutzungskategorien wie Feuchtgebiete, Siedlungen und anderen Nutzungsarten (z. B. vegetationsloser Boden, Felsboden oder Eisboden) müssen die IPCC-Leitlinien 2006 für nationale Treibhausinventare (IPCC, 2006) beachtet werden.

Für die Freisetzung und Aufnahme von CO2 infolge direkter Landnutzungsänderungen müssen die im Beschluss C(2010) 3751 der Kommission genannten aktuellsten IPCC-CO2-Emissionsfaktoren verwendet werden, es sei denn, genauere und spezifischere Daten sind verfügbar. Andere Emissionen infolge von Landnutzungsänderungen (z. B. NO3–Freisetzungen in Gewässer, Emissionen aus der Verbrennung von Biomasse, Bodenerosion usw.) sollten auf Einzelfallbasis oder unter Verwendung verlässlicher Quellen gemessen oder modelliert werden.

ABSCHNITT 2:   PRAKTISCHE LEITLINIEN GEMÄSS PAS 2050:2011

Für praktische Leitlinien für spezifische Fragen (z. B. vorherige Landnutzung ist unbekannt) wird (in Einklang mit dem Europäischen Runden Tisch zur Nachhaltigkeit in Verbrauch und Produktion von Lebensmitteln (Food SCP) und dem veröffentlichten ENVIFOOD-Protokoll) die Norm PAS 2050:2011 empfohlen. Die Norm PAS 2050:2011 wird ergänzt durch PAS2050-1 (BSI 2012) für die Bewertung von Treibhausgasemissionen aus den Cradle-to-Gate-Phasen (Rohstoffgewinnung bis Herstellung) des Lebenswegs von Gartenbauerzeugnissen. PAS 2050-1:2012 berücksichtigt die Emissionen und Bindungen, die beim Anbau von Gartenpflanzen eine Rolle spielen, und soll PAS 2050:2011 eher ergänzen als ersetzen. Vom Britischen Institut für Normung (BSI) steht außerdem eine zusätzliche Excel-Datei für PAS 2050-1:2012 bereit.

Vorherige Landnutzungskategorie und vorheriger Produktionsstandort

Nach der Norm PAS 2050:2011 (BSI 2011) sind je nach Verfügbarkeit von Informationen über den Produktionsstandort und die vorherige Landnutzungskategorie drei verschiedene Situationen (und Anleitungen) möglich:

Land der Produktion und vorherige Landnutzung sind bekannt: Die Treibhausgasemissionen infolge des Übergangs von einer vorherigen zur aktuellen Landnutzung sind in Anhang C der Norm PAS 2050:2011 (BSI 2011) zu finden. Für Emissionen, die nicht in Anhang C aufgeführt sind, sollten die 2006 IPCC Guidelines for National Greenhouse Gas Inventories verwendet werden“ (BSI 2011).

Land der Produktion ist bekannt, vorherige Landnutzung ist unbekannt: Die Treibhausgasemissionen müssen den für die betreffende Kulturpflanze und das betreffende Land geschätzten Durchschnittsemissionen infolge von Landnutzungsänderungen entsprechen.“ (BSI 2011).

Land der Produktion und vorherige Landnutzung sind unbekannt: Die Treibhausgasemissionen müssen den für das betreffende Erzeugnis und die Länder, in denen es angebaut wird, gewichteten Durchschnittsemissionen infolge einer Landnutzungsänderung entsprechen.” (BSI 2011).

Allgemeine THG-Emissionen und -Bindungen, die bei der Wirkungsabschätzung zu berücksichtigen sind

Gemäß PAS 2050:2011 (BSI 2011) müssen bei der Wirkungsabschätzung die folgenden Emissionen und Bindungen berücksichtigt werden:

In Anhang A der Norm PAS 2050:2011 (BSI 2011) genannte Gase;

ANM.: Für biogene CO2-Emissionen und -Bindungen im Zusammenhang mit Lebens- und Futtermittelprodukten können Ausnahmen gelten. Bei Lebens- und Futtermitteln können Emissionen und Bindungen aus biogenen Quellen, die Teil des Produktes werden, ausgeschlossen werden. Der Ausschluss gilt nicht für

Emissionen und Bindungen von biogenem CO2 für die Herstellung von Lebens- und Futtermitteln (durch Verbrennung von Biomasse als Brennstoff), soweit dieses biogene CO2 nicht Teil des Produktes wird;

Nicht-CO2-Emissionen aus der Zersetzung von Lebens- und Futtermittelabfällen und aus der enterischen Fermentation;

biogene Materialbestandteile jeder Art, wenn dieses Material Teil des Endproduktes, jedoch nicht zum Verzehr bestimmt ist (z. B. Verpackungsmaterial)“ (BSI 2011, S. 9).

Für Methanemissionen (CH4) aus der Abfallverbrennung mit energetischer Verwertung siehe 8.2.2, S. 22, PAS 2050:2011.

(ZUR INFORMATION)

Anhang VII

Beispiel einer PEFCR-Regel für Papierzwischenprodukte – Datenqualitätsanforderungen

Die folgende Tabelle illustriert die Datenqualitätsanforderungen und das entsprechende Datenqualitätsniveau am Beispiel einer PEFCR–Regel für Papierzwischenprodukte.

Tabelle 1

Datenqualitätsanforderungen, illustriert am Beispiel von Papierzwischenprodukten  (126)

 

 

 

Datenqualitätselemente

 

 

 

Repräsentativität

Vollständigkeit

Methodische Eignung Konformität und Konsistenz

Genauigkeit/Unsicherheit

Qualitätsniveau

Qualitätswert

Definition

Technologisch

Räumlich

Zeitbezogen

Ausgezeichnet

1

Erfüllt das Kriterium in sehr hohem Maße; kein Verbesserungsbedarf

z. B. ein und derselbe Prozess. Für Strom aus dem Netz, durchschnittliche Technologie entsprechend länderspezifischem Verbrauchsmix.

Länderspezifische Daten

≤ 3 Jahre alte Daten

Sehr gute Vollständigkeit

(≥ 90 %)

Vollständige Einhaltung aller Anforderungen des PEF-Leitfadens

Sehr niedrige Unsicherheit

(≤ 7 %)

Sehr gut

2

Erfüllt das Kriterium in hohem Maße; geringer Verbesserungsbedarf

z. B. durchschnittliche Technologie entsprechend länderspezifischem Verbrauchsmix.

Mitteleuropa, Nordeuropa, repräsentativer EU-27-Mix

3-5 Jahre alte Daten

Gute Vollständigkeit

(80 % bis 90 %)

Attributiver prozessbasierter Ansatz UND Erfüllung der drei folgenden methodischen Anforderungen des PEF-Leitfadens: 1) Lösung von Multifunktionalitätsproblemen, 2) Modellierung der Endes der Lebensdauer, 3) Systemgrenze.

Niedrige Unsicherheit

(7 % bis 10 %)

Gut

3

Erfüllt das Kriterium in akzeptierbarem Maße, ist aber verbesserungsbedürftig.

z. B. durchschnittliche Technologie entsprechend länderspezifischem Verbrauchsmix oder durchschnittliche Technologie entsprechend durchschnittlichem EU-Verbrauchsmix.

EU-27-Länder, anderes europäisches Land

5-10 Jahre alte Daten

Mittlere Vollständigkeit

(70 % bis 80 %)

Attributiver prozessbezogener Ansatz UND Erfüllung von zwei der drei folgenden methodischen Anforderungen des PEF-Leitfadens: 1) Lösung von Multifunktionalitätsproblemen, 2) Modellierung des Endes der Lebensdauer, 3) Systemgrenze.

Mittlere Unsicherheit

(10 % bis 15 %)

Mittel

4

Erfüllt das Kriterium nicht in ausreichendem Maße, sondern erfordert Verbesserungen.

z. B. durchschnittliche Technologie entsprechend länderspezifischem Verbrauchsmix einer Gruppe ähnlicher Produkte.

Naher Osten, Nordamerika, Japan usw.

10-15 Jahre alte Daten

Schlechte Vollständigkeit

(50 % bis 70 %)

Attributiver prozessbezogener Ansatz UND Erfüllung einer der drei folgenden methodischen Anforderungen des PEF-Leitfadens: 1) Lösung von Multifunktionalitätsproblemen, 2) Modellierung des Endes der Lebensdauer, 3) Systemgrenze.

Hohe Unsicherheit

(15 % bis 25 %]

Schlecht

5

Erfüllt das Kriterium nicht. Wesentliche Verbesserung ist notwendig.

z. B. sonstiger oder unbekannter Prozess

Globale Daten oder unbekannt

≥ 15 Jahre alte Daten

Sehr schlechte oder unbekannte Vollständigkeit

(< 50 %)

Attributiver prozessbezogener Ansatz, ABER Erfüllung keiner der drei folgenden methodischen Anforderungen des PEF-Leitfadens: 1) Lösung von Multifunktionalitätsproblemen, 2) Modellierung des Endes der Lebensdauer, 3) Systemgrenze.

Sehr hohe Unsicherheit

(> 25 %)

Anhang VIII

Zuordnung der in diesem PEF-Leitfaden verwendeten Terminologie zur ISO-Terminologie

Dieser Anhang ordnet die in diesem PEF-Leitfaden verwendeten Schlüsselbegriffe den entsprechenden Begriffen in der ISO-Norm 14044:2006 zu. Durch Abweichung von der ISO-Terminologie soll der PEF-Leitfaden für seine Zielgruppe, (zu der auch Gruppen gehören, die nicht unbedingt über besondere Vorkenntnisse m Bereich Umweltbewertung verfügen) verständlicher gemacht werden. In den folgenden Tabellen werden divergierende Begriffe zugeordnet.

Tabelle 2

Zuordnung von Schlüsselbegriffen

In ISO 14044:2006 verwendete Begriffe

Entsprechende Begriffe im vorliegenden PEF-Leitfaden

Funktionelle Einheit

Untersuchungseinheit

Sachbilanz

Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil

Wirkungsabschätzung

EF-Wirkungsabschätzung

Auswertung der Ökobilanz

Auswertung des Umweltfußabdrucks

Wirkungskategorie

EF-Wirkungskategorie

Wirkungskategorie-Indikator

EF-Wirkungskategorie-Indikator


Tabelle 3

Zuordnung von Datenqualitätskriterien

In ISO 14044:2006 verwendete Begriffe

Entsprechende Begriffe im vorliegenden PEF-Leitfaden

Zeitbezogener Erfassungsbereich

Zeitbezogene Repräsentativität

Geografischer Erfassungsbereich

Räumliche Repräsentativität

Technologischer Erfassungsbereich

Technologische Repräsentativität

Präzision

Parameterunsicherheit

Vollständigkeit

Vollständigkeit

Konsistenz

Methodische Eignung und Konsistenz

Datenquellen

Fällt unter „Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil“

Unsicherheit der Informationen

Fällt unter „Parameterunsicherheit“

Anhang IX

PEF-Leitfaden und ILCD-Handbuch – Die wichtigsten Abweichungen

Bei Abweichungen zwischen dem PEF-Leitfaden und dem ILCD-Handbuch hat der PEF-Leitfaden Vorrang.

Dieser Anhang nennt die wichtigsten Aspekte, bei denen der PEF-Leitfaden vom ILCD-Handbuch abweicht. Außerdem werden diese Abweichungen kurz begründet. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass das ILCD-Handbuch ein Ausgangspunkt für PEF-Entwicklungen ist. Das ILCD-Handbuch kann weiter überarbeitet werden, um es mit dem PEF-Leitfaden in Einklang zu bringen; redundante Abschnitte, die im PEF-Leitfaden angesprochen werden, können aus dem ILCD-Handbuch gestrichen werden.

1.

Zielgruppe(n)

Im Gegensatz zum ILCD-Handbuch richtet sich der PEF-Leitfaden an Benutzer, die nur begrenzte Erfahrung mit Ökobilanzen haben. Er ist daher allgemein verständlicher abgefasst.

2.

Vollständigkeitsprüfung

Das ILCD-Handbuch bietet zwei Optionen für die Überprüfung der Vollständigkeit: 1) Vollständigkeitsprüfung auf Ebene der einzelnen Umweltwirkungen und 2) Vollständigkeitsprüfung auf Ebene der (aggregierten) Gesamtumweltwirkung. Im PEF-Leitfaden wird die Vollständigkeit nur auf Ebene der einzelnen Umweltwirkungen betrachtet. Da der PEF-Leitfaden keine spezifischen Gewichtungsfaktoren empfiehlt, kann die (aggregierte) Gesamtwirkung nicht geschätzt werden.

3.

Ausweitung der Zieldefinition

Der PEF-Leitfaden ist für spezifische Anwendungen bestimmt; Ausweitungen der Zieldefinition sind folglich nicht vorgesehen.

4.

Der Untersuchungsrahmen hat auch „Grenzen“.

Die Festlegung des Untersuchungsrahmens des PEF-Leitfadens umfasst auch die Grenzen der Studie. Ausgehend von den mit dem ILCD-Handbuch gesammelten Erfahrungen können Grenzen nur dann ordnungsgemäß festgelegt werden, wenn dem Nutzer Informationen über alle Aspekte der Zieldefinition und der Funktion der Untersuchung vorliegen.

5.

Das Prüfverfahren fällt unter die Zieldefinition.

Das Prüfverfahren ist für die Verbesserung der Qualität einer PEF-Studie von entscheidender Bedeutung; deshalb muss es im ersten Schritt des Prozesses, d. h. im Rahmen der Zieldefinition, festgelegt werden.

6.

Screening statt iterativer Ansatz

Der PEF-Leitfaden empfiehlt, ein Screening durchzuführen, um für die Standard-EF-Wirkungskategorien einen annähernden Schätzwert für jede Umweltwirkung zu erhalten. Dieser Schritt ähnelt dem im ILCD-Handbuch empfohlenen iterativen Ansatz.

7.

Datenqualitätsbewertung

Der PEF-Leitfaden stützt sich für die Evaluierung der Datenqualität auf fünf Bewertungsstufen (ausgezeichnet, sehr gut, gut, mittel, schlecht), das ILCD-Handbuch dagegen sieht drei Stufen vor. Dadurch können für die Studie im Vergleich zum ILCD-Handbuch Daten von niedrigerem Qualitätsniveau verwendet werden. Außerdem wird im PEF-Leitfaden zur Bewertung der Datenqualität eine semiquantitative Formel benutzt, so dass z. B. eine „gute“ Datenqualität leichter zu erreichen ist.

8.

Entscheidungshierarchie bei Multifunktionalität

Der PEF-Leitfaden gibt für die Lösung von Multifunktionalitätsproblemen bei Produkten, eine Entscheidungshierarchie vor, die von dem im ILCD-Handbuch vertretenen Ansatz abweicht. Es ist auch eine Gleichung zur Lösung von Multifunktionalitätsproblemen beim Recycling und bei der energetischen Verwertung am Ende des Lebenswegs vorgesehen.

9.

Sensitivitätsanalyse

Die Durchführung einer Sensitivitätsanalyse der Ergebnisse ist in diesem PEF-Leitfaden fakultativ. Sie soll den Arbeitsaufwand für die Nutzer des PEF-Leitfadens verringern.

Anhang X

Vergleich der wichtigsten Anforderungen des PEF-Leitfadens mit anderen Methoden

Obwohl ähnliche, weithin akzeptierte Methoden und Leitfäden für die Berechnung der Umweltauswirkungen von Produkten in vielen der in ihnen formulierten methodischen Leitlinien übereinstimmen, bestehen bei bestimmten wichtigen Entscheidungspunkten Diskrepanzen und/oder Unklarheiten, die die Konsistenz und Vergleichbarkeit der Untersuchungsergebnisse beeinträchtigen. Dieser Anhang enthält eine Zusammenfassung ausgewählter Schlüsselanforderungen dieses PEF-Leitfadens und vergleicht diese mit einer Reihe existierender Methoden. Er basiert auf dem Dokument „Analysis of Existing Environmental Footprint Methodologies for Products and Organizations: Recommendations, Rationale, and Alignment“, das unter http://ec.europa.eu/environment/eussd/corporate_footprint.htm abgerufen werden kann (EK-JRC-IES, 2011b). Unterschiedliche Hintergrundfarben illustrieren, wo der PEF-Leitfaden mit einer anderen Methode übereinstimmt (hellgrau), im Gegensatz zu ihr steht (Schrägstreifen) oder über sie hinaus geht (d. h. detaillierter ist oder höhere Anforderungen stellt – dunkelgrau). Ist kein aussagekräftiger Vergleich möglich, wird keine Hintergrundfarbe verwendet.

Tabelle 4

Vergleich der wichtigsten Anforderungen: PEF-Leitfaden vs andere Methoden

Kriterien

PEF-Leitfaden

ISO 14044 (2006) Umweltmanagement - Ökobilanz - Anforderungen und Anleitungen

ISO/DIS 14067 (2012): CO2-Fußabdruck von Produkten

ILCD Handbuch – 1. Ausgabe (2010) (127)

Ökologischer Fußabdruck (2009) (128)

Treibhausgasprotokoll (WRI/ WBCSD) (129)

Französischer Umweltfußabdruck (130)

CO2-Fußabdruck von Produkten (Vereinigtes Königreich - PAS 2050 (2011) (131)

Lebenswegbetrachtung

Ja

Ja

Ja

Ja

Ja

Ja

Ja

Ja

Anwendungen und Ausschlüsse

Interne Anwendungen können die Unterstützung des Umweltmanagements, die Identifizierung von Hotspots und die Verbesserung und Verfolgung der Umweltleistung umfassen.

Externe Anwendungen (z. B. B2B, B2C) decken ein breites Spektrum von Möglichkeiten ab, die von der Reaktion auf Wünsche von Kunden und Verbrauchern bis hin zu Marketing, Benchmarking, Umweltkennzeichnung usw. reichen.

Bestimmung von Möglichkeiten zur Verbesserung der Umweltleistung von Produkten.

Vergleichende Aussagen mit zusätzlichen Anforderungen.

Informationen für Entscheidungsträger.

Informationen für Entscheidungsträger.

Leistungsüberwachung.

Vergleichende Aussagen mit zusätzlichen Anforderungen.

Anwendungssituation „A“: Untersuchung der -Umweltleistung von Produkten entlang ihres Lebenswegs zwecks Verbesserung (Leistungsüberwachung), Vergleich, Kundeninformation (Geschäftskunden). Einschließlich vergleichende Aussagen mit zusätzlichen Anforderungen.

Informationen für Entscheidungsträger und Verbraucher zum Verbrauchsverhalten auf unterschiedlichen Ebenen, d. h. Landesebene, subregionale Ebene, Unternehmensebene.

Leistungsüberwachung, einschließlich Bestimmung von Möglichkeiten zur Verringerung von THG-Emissionen.

Bereitstellung von THG-Emissionsdaten für Unternehmen und Interessenträger durch öffentliche Berichterstattung.

Die Norm akzeptiert zusätzliche Arten der Offenlegung (z. B. Kennzeichnungen, Behauptungen) und enthält zusätzliche Spezifikationen (z. B. Produktregeln).

Vergleichende Aussagen (gemäß ISO 14044) werden nicht akzeptiert.

Bereitstellung von Verbraucherinformationen; Ermöglichung des Vergleichs von Produkten ein und derselben Kategorie und gegebenenfalls zwischen Produktkategorien.

Die Methode ist für die interne Bewertung gedacht, z. B.

zur Erleichterung der Beurteilung alternativer Produktkonfigurationen oder des Benchmarkings;

Leistungsüberwachung, einschließlich Bestimmung von Möglichkeiten zur Verringerung von THG-Emissionen;

Erleichterung des Vergleichs von THG-Emissionen von Waren und Dienstleistungen.

Zielgruppe der Offenlegung

B2B und B2C.

B2B und B2C.

B2B und B2C.

B2B und B2C.

Öffentlichkeit

B2B und B2C.

B2C.

Offenlegungsanforderungen nicht spezifiziert.

Funktionelle Einheit

Die Analyseeinheit für eine PEF-Studie muss unter Berücksichtigung folgender Aspekte festgelegt werden: bereitgestellte Funktion(en)/Leistung(en): „was“, Umfang der Funktion oder Leistung: „wie viel“, Dauer der Leistung oder Lebensdauer: „wie lange“, erwartetes Qualitätsniveau: „wie gut“.

Ein angemessener Referenzfluss muss bezogen auf die Untersuchungseinheit bestimmt werden. Die quantitativen Input- und Output-Daten, die zur Unterstützung der Untersuchung erhoben werden, müssen bezogen auf diesen Referenzfluss berechnet werden.

Die funktionelle Einheit muss mit Ziel und Untersuchungsrahmen der Studie im Einklang stehen. Sie muss klar definiert und messbar sein.

Nachdem die funktionelle Einheit gewählt ist, muss der Referenzfluss definiert werden.

Klar definiert und messbar.

Die funktionelle Einheit muss mit Ziel und Untersuchungsrahmen der Studie im Einklang stehen. Sie muss in Bezug auf quantitative und qualitative Aspekte klar definiert sein.

Separater Referenzfluss für die Unterstützung der Datenerhebung.

Die Norm selbst enthält keine spezifischen Informationen über die funktionelle Einheit, es gibt jedoch mehrere Studien, die das auf ISO 14044 basierende Konzept der funktionellen Einheit anwenden.

Umfang, Dauer oder Lebensdauer sowie erwartetes Qualitätsniveau der Funktion oder Leistung.

Separater Referenzfluss zur Unterstützung der Datenerhebung.

Die funktionelle Einheit wird auf Ebene der Produktkategorieregel definiert.

Bezieht sich auf die funktionelle Einheit als Untersuchungseinheit.

Sehr wenige Informationen und Leitlinien.

Systemgrenzen

Die Systemgrenzen müssen alle Prozesse einschließen, die mit der Produktlieferkette, auf die sich die Untersuchungseinheit bezieht, zusammenhängen.

Cradle-to-Grave als Standardansatz oder anderer Ansatz, falls in PEFCR-Regeln so vorgesehen.

Die Prozesse innerhalb der Systemgrenzen müssen in Vordergrundprozesse (d. h. Kernprozesse entlang des Produktlebenswegs, bei denen ein direkter Zugang zu Informationen möglich ist) und Hintergrundprozesse (d. h. diejenigen Prozesse entlang des Produktlebenswegs, bei denen kein direkter Zugang zu Informationen möglich ist) untergliedert werden.

Iterativer Prozess:

Ursprüngliche Systemgrenzen werden auf Grundlage des Ziels und des Untersuchungsrahmens der Studie definiert.

Die endgültigen Systemgrenzen werden nach ersten Berechnungen und der Sensitivitätsanalyse festgelegt.

[…]

Von der Beschaffung der Rohstoffe bis zum Ende der Lebensdauer und der Entsorgung. Ermöglicht sowohl Cradle-to-Grave- und Cradle-to-Gate-Analysen.

Von der Beschaffung der Rohstoffe bis zum Ende der Lebensdauer und der Entsorgung. Iterariv, Schwerpunkt auf relevantesten Prozessen.

Schließt alle relevanten Prozesse (sowohl zuordenbar als auch nicht zuordenbar) ein.

Norm enthält keine Regeln für die Festlegung von Systemgrenzen. Anforderung, dass der Bericht alle in den Systemgrenzen enthaltenen Tätigkeiten klar definieren muss.

Bei den meisten EF-Untersuchungen umfassen die Lebensweggrenzen

die Tätigkeiten zwischen „Wiege“ und Verkaufspunkt.

Von der Beschaffung der Rohstoffe bis zum Ende der Lebensdauer und der Entsorgung. Zuordenbare Prozesse erforderlich, relevante nicht zuordenbare Prozesse empfohlen.

Ermöglicht sowohl Cradle-to-Grave- und Cradle-to-Gate-Analysen.

Von der Beschaffung der Rohstoffe bis zum Ende der Lebensdauer und der Entsorgung.

Ausschlüsse:

CO2-Ausgleiche;

F&E;

Beförderung von Mitarbeitern vom Wohnort zum Arbeitsplatz;

mit dem Produkt oder dem System verbundene Dienstleistungen (z. B. Werbung, Marketing);

Beförderung des Verbrauchers zum und vom Verkaufsort.

Von der Beschaffung der Rohstoffe bis zum Ende der Lebensdauer und der Entsorgung. Ermöglicht Cradle-to-Grave- und Cradle-to-Gate-Analysen.

Es gelten andere zusätzliche Anforderungen.

Ausschlüsse von der Systemgrenze:

Investitionsgüter;

Prozessinputs in Form von Humanenergie

Transportdienstleistung durch Tiere;

Beförderung des Verbrauchers zum und vom Verkaufsort (könnte nach der Prüfung aufgenommen werden);

Beförderung von Mitarbeitern.

Abschneidekriterien

Nicht erlaubt

Erlaubt - auf der Grundlage von Masse, Energie oder Umweltbedeutung.

Keine Leitlinien

Abschneidekriterien sollten den quantitativen Grad der Vollständigkeit in Bezug auf die gesamten Umweltwirkungen des Produktsystems berücksichtigen.

Für vergleichende Studien müssen sich die Ausschlusskriterien ebenfalls stets auf Masse und Energie beziehen.

Keine Leitlinien.

Nicht erlaubt.

5 % Masse sowie Energie und Umweltwirkung.

5 % des Treibhauspotenzials (alle Emissionen, die einen wesentlichen Beitrag leisten

(d. h. >1 % der Emissionen) und mindestens95 % der Gesamtemissionen müssen einbezogen werden.

Wirkungskategorien

Wirkungsabschätzungsmethoden

Ein Standardsatz von 14 Midpoint-Wirkungskategorien muss berücksichtigt werden, sofern 1) den PEFCR-Regeln nicht anders geregelt oder 2) der Ausschluss bestimmter Wirkungskategorien, wie im PEF festgelegt, nicht gerechtfertigt ist .

Standardsatz der vorgegebenen Midpoint-Wirkungsabschätzungsmethoden muss verwendet werden.

Zahlreiche Umweltwirkungen durch die Bereitstellung von Produkten, darunter:

THG-Emissionen;

Ozonabbaupotenzial;

Versauerungspotenzial;

Eutrophierungspotenzial;

Potenzial für die fotochemische Bildung von Ozon;

sonstige Umweltwirkungen, z. B. Ressourcenabbau und Schädigung der menschlichen Gesundheit (Endpoint).

Klimaänderung, einschließlich Landnutzungsänderungen.

Alle THG-Emissionen müssen angegeben werden.

Ausgerichtet auf 12 Midpoint-Wirkungskategorien und 3 Endpoint-Wirkungskategorien.

Das ILCD-Handbuch enthält Empfehlungen sowohl für Midpoint-, als auch für Endpoint-Methoden (für Schutzgebiete).

Werte entsprechen ökologischem Fußabdruck (z. B. Globalhektar).

Klimaänderung, einschließlich Landnutzungsänderungen.

Die im Kyoto-Protokoll vorgesehenen sechs Stoffe müssen angegeben werden. Andere für das untersuchte Produkt oder die untersuchte Lieferkette geltende Stoffe sollten angegeben werden.

Vom JRC empfohlene Wirkungsabschätzungsmethoden werden befolgt.

Wirkungskategorien werden nach Produktkategorien festgelegt.

Standardsatz der vorgegebenen Mittelpunkt-Wirkungsabschätzungsmethoden muss verwendet werden.

Klimaänderung, einschließlich Landnutzungsänderungen.

Alle THG-Emissionen müssen angegeben werden.

Modellierungsansatz (attributiver konsequenzieller Ansatz)

Enthält Elemente sowohl des attributiven als auch des konsequenziellen Ansatzes.

Enthält Grundsatz zur Berechnung der Umweltbelastung durch Produkte. Vermeidung der Allokation ist vorzuziehender Ansatz.

Enthält Grundsatz zur Berechnung der THG-Emissionen (Klimaänderung) von Produkten. Vermeidung der Allokation ist vorzuziehender Ansatz.

Attributiver Ansatz plus Substitution für Lebensendprozesse und andere Mehrproduktprozesse. Vermeidung der Allokation ist vorzuziehender Ansatz.

Berechnungsansatz (ähnelt dem attributiven Ansatz).

Ermöglicht Prozess-Ökobilanzierung, Input-Output- oder Hybrid-Modellierung.

Attributiver Ansatz, plus direkte Systemerweiterung auf Mehrproduktprozesse und Approximation bei Closed Loop Recycling (Recycling im geschlossenen Kreislauf) (entsprechend den Anforderungen der Norm).

Attributiver Ansatz.

Allokationsregeln für Recycling und Energierückgewinnung werden für die jedes Material separat vorgeschlagen.

Attributiver Ansatz. Vermeidung der Allokation ist vorzuziehender Ansatz.

Datenqualität

Datenqualität wird an folgenden Kriterien gemessen:

technologische Repräsentativität

räumliche Repräsentativität

zeitbezogene Repräsentativität

Vollständigkeit

Parameterunsicherheit

methodische Eignung und Konsistenz (d. h. Fertigstellung des Ressourcen-nutzungs- und Emissionsprofils gemäß diesem all-gemeinen Leitfaden).

PEF-Studien, die für die externe Kommunikation bestimmt sind, müssen die Datenqualitätsanforderungen (sowohl spezifische als auch generische Daten) erfüllen. Für innerbetriebliche Anwendungen bestimmte PEF-Studien (von denen behauptet wird, dass sie mit diesem Leitfaden im Einklang stehen) sollten die Datenqualitätsanforderungen erfüllen (d. h. dies wird empfohlen), es ist jedoch nicht obligatorisch.

Im endgültigen Ressourcennutzungs- und Emissionsprofil müssen bei den Prozessen oder Tätigkeiten, die zu mindestens 70 % zu den einzelnen Wirkungskategorien beitragen (auf Basis des Screenings, falls durchgeführt), sowohl die spezifischen als auch die generischen Daten ein insgesamt „gutes“ Qualitätsniveau aufweisen. Für diese Prozesse muss eine semiquantitative Bewertung der Datenqualität durchgeführt und mitgeteilt werden. […]

In Bezug auf die Ebene, auf der die Datenqualitätsprüfung durchgeführt werden soll, gilt Folgendes:

Die Qualität generischer Daten muss auf Ebene der Inputflüsse (z. B. gekauftes Papier, das in einer Druckerei verwendet wird) bewertet werden;

die Qualität spezifischer Daten muss auf Ebene eines einzelnen Prozesses, eines aggregierten Prozesses oder auf Ebene einzelner Inputflüsse bewertet werden.

Für die folgenden Kriterien sollten Datenqualitätsanforderungen vorgegeben werden:

zeitbezogener Erfassungsbereich

räumliche r Erfassungsbereich

technologischer Erfassungsbereich

Präzision

Vollständigkeit

Konsistenz

Datenquellen

Unsicherheit der Informationen

Es sind keine Mindestanforderungen an die Datenqualität vorgegeben.

Für vergleichende Aussagen müssen die 8 vorgenannten Kriterien berücksichtigt werden.

Vergleich PEF vs ISO 14044:

1.

Die Datenqualitätskriterien (6 vs 8) decken weitestgehend dieselben Aspekte ab, ISO geht jedoch über den PEF hinaus.

2.

Im PEF müssen 6 Kriterien immer berücksichtigt werden, während die 8 ISO-Kriterien nur für vergleichendeAussagen berücksichtigt werden müssen.

3.

Der PEF enthält tatsächliche Mindestanforderungen an die Datenqualität fest, ISO nicht.

Entspricht ISO 14044.

Weicht von ISO 14044 ab (sowohl bei Primär-, als auch bei Sekundärdaten):

Technologische Repräsentativität;

räumliche Repräsentativität;

zeitbezogene Repräsentativität;

Vollständigkeit/Genauigkeit;

methodische Eignung und Konsistenz.

Keine spezifischen Datenqualitätsanforderungen in der Methodik. Verweist auf ISO 14044.

5 Datenqualitätsindikatoren müssen zur Bewertung der Datenqualität verwendet werden:

technologische Repräsentativität;

zeitbezogene Repräsentativität;

räumliche Repräsentativität;

Vollständigkeit;

Zuverlässigkeit.

Für wesentliche Prozesse müssen die Unternehmen eine beschreibende Erklärung über die Datenquellen, die Datenqualität und etwaige Bemühungen zur Verbesserung der Datenqualität abgeben.

ADEME hat für die öffentliche Datenbank ein Beratungsgremium für Governance eingerichtet. Dieses Gremium bewertet auch die Datenqualität (Qualitätsprüfung und kritische Prüfung).

räumliche Repräsentativität;

technologische Repräsentativität;

zeitbezogene Repräsentativität;

Vollständigkeit der Elementarflüsse;

Genauigkeit und Unsicherheit;

Reproduzierbarkeit.

Keine Mindestanforderungen an die Datenqualität vorgegeben.

Übernommen von ISO 14044.

Keine Mindestanforderungen an die Datenqualität vorgegeben.

Datentyp und Datenerhebung

Erhebungsverfahren

Für alle Vordergrundprozessen und gegebenenfalls für Hintergrundprozesse sind spezifische Daten zu erheben. Sind generische Daten für Vordergrundprozesse repräsentativer oder besser geeignet als spezifische Daten (dies ist zu begründen und zu melden), so müssen auch für Vordergrundprozesse generische Daten verwendet werden.

Generische Daten sollten nur für Prozesse im Hintergrundsystem verwendet werden, es sei denn, (generische Daten) sind für Vordergrundprozesse repräsentativer oder bessergeeignet als spezifische Daten; in diesem Fall sollten auch für Prozesse im Vordergrundsystem generische Daten verwendet werden.

Generische Daten (vorausgesetzt, sie erfüllen die Datenqualitätsanforderungen gemäß diesem Leitfaden) müssen, soweit verfügbar, aus folgenden Quellen beschafft werden:

Daten, die im Einklang mit den Anforderungen der betreffenden PEFCR-Regel erarbeitet wurden;

Daten, die im Einklang mit den Anforderungen an PEF-Studien erarbeitet wurden;

ILCD Data Network (Daten, die den ILCD Datenanforderungen für Situation A entsprechen);

ELCD.

Vorlage für die Datenerhebung: die Vorlage dient der Information.

Primärdaten: erhoben (gemessen, berechnet oder geschätzt) an Produktionsstandorten, die mit den Prozessmodulen innerhalb der Systemgrenze in Verbindung stehen.

Sekundärdaten: Daten aus anderen Quellen (z. B. Literatur oder Datenbanken). Keine Empfehlung für eine spezifische Datenquelle. Für die Wahl von Sekundärdaten muss der Nutzer die festgelegten Datenqualitätsanforderungen erfüllen.

Vorlage für die Datenerhebung: siehe ISO/TR 14049

Entspricht ISO 14044.

Primärdaten: für Vordergrundprozesse und die wichtigsten Hintergrundprozesse werden Primärdaten bevorzugt; es können auch Sekundärdaten verwendet werden, vorausgesetzt, sie entsprechen dem ILCD und sind für diese Prozesse/Produkte nachweislich repräsentativ.

Jeglicher sonstige Datenbedarf wird vorzugsweise mit den qualitativ hochwertigsten, ILCD-konformen Sekundärdaten gedeckt. Verbleibende Datenlücken müssen mit „Datenschätzungen“, die Mindestqualitätsanforderungen erfüllen, geschlossen werden.

Der Methodik-Leitfaden bestätigt, dass der Datenmanagementplan eine Vorlage für die Datenerhebung beinhalten sollte.

Bei Verwendung einer Prozess-Ökobilanz müssen die Anforderungen /Empfehlungen für Primärdaten ISO 14044 entsprechen.

Sekundärdaten: keine spezifische Quelle genannt.

Keine Vorlage für die Datenerhebung.

Primärdaten sind für alle Prozesse erforderlich, an denen das berichterstattende Unternehmen Eigentumsrechte hat oder dessen Kontrolle diese Prozesse unterliegen.

Sekundärdaten: Es werden Daten der besten Qualität empfohlen, wobei Primärdaten – falls vorhanden – der Vorzug gegeben wird.

Der Methodik-Leitfaden bestätigt, dass der Datenmanagementplan eine Vorlage für die Datenerhebung beinhalten sollte.

Allerdings enthält die Norm kein Beispiel.

Primärdaten wird der Vorzug gegeben.

Legt spezifische Anforderungen für die PCR-Ebene fest.

Enthält Vorlage für die Datenerhebung für den Transport und für Prozessmodule in Anhang E.

Primäre Tätigkeitsdaten sind für alle Prozesse erforderlich, an denen die durchführenden Organisation Eigentumsrechte hat bzw. die von ihr durchgeführt werden.

Für Inputs, für die keine primären Tätigkeitsdaten beschafft werden können, müssen Sekundärdaten verwendet werden.

Sekundärdaten sollten vorzugsweise den Anforderungen der PAS-Norm entsprechen. Sekundärdaten müssen auf folgender Grundlage gewählt werden:

1)

Datenqualitätsvorschriften gemäß ISO 14044;

2)

Sekundärdaten aus einer Peer-Review unterzogenen Veröffentlichungen zusammen mit Daten aus sonstigen kompetenten Quellen wird der Vorzug gegeben.

Vorlage für die Datenerhebung: im PAS-2050-Leitfaden enthalten.

Allokation / Multifunktionalitätshierarchie

Zur Lösung von Multifunktionalitätsproblemen jeder Art ist nach folgender Entscheidungshierarchie vorzugehen: 1) Unterteilung oder Systemerweiterung; 2) Allokation auf Basis einer relevanten zugrunde liegenden physikalischen Beziehung (hier kann Substitution angewendet werden); 3) Allokation auf Basis einer anderen Beziehung.

Allokation sollte soweit möglich zunächst durch Prozessunterteilung oder Systemerweiterung vermieden werden. Ist dies nicht möglich, sollten physikalische Beziehungen (z. B. Masse, Energie) zwischen Produkten oder Funktionen genutzt werden, um Inputs und Outputs aufzuteilen.

Wenn keine physikalischen Beziehungen hergestellt werden können, müssen stattdessen andere Beziehungen genutzt werden (z. B. wirtschaftlicher Wert).

Entspricht ISO 14044

Aus ISO 14044 weiterentwickelt und spezifiziert:

Vermeidung von Allokation durch Unterteilung oder virtuelle Unterteilung;

Substitution/ Systemerweiterung (auch der weiteren Funktionen) des Marktmixes;

Allokation der physikalischen Kausalbeziehung, z. B. Masse, Energie;

wirtschaftliche Allokation.

Wenn die Untersuchung eine Neuberechnung der Prozess-Ökobilanzdaten beinhaltet, bei der ein fertiges Produkt in seine primären Produktäquivalente disaggregiert wird, muss sie den ISO-Ökobilanznormen 14040 und 14044 entsprechen.

Aus ISO 14044 übernommen:

Unternehmen müssen wo immer möglich durch Prozess-Unterteilung, Neudefinition der funktionellen Einheit oder Rückgriff auf Systemerweiterung Allokationen vermeiden;

wenn Allokation unvermeidbar ist, müssen Unternehmen THG-Emissionen und -bindungen auf Basis auf zugrunde liegender physikalischer Beziehungen zwischen dem untersuchten Produkt und dem/den Koppelprodukt(en) zuordnen;

wenn physikalische Beziehungen allein nicht festgestellt werden können, müssen Unternehmen entweder die wirtschaftliche Allokation oder eine andere Allokationsmethode wählen, die andere Beziehungen zwischen dem untersuchten Produkt und dem/den Koppelprodukt(en widerspiegelt.

Entspricht ISO 14044.

Aus ISO 14044 weiterentwickelt:

1.

Allokation von Koppelprodukten wird durch Unterteilungvon Prozessmodulen in Teilprozesse oder durch Erweiterung des Produktsystems vermieden;

2.

wenn Fall 1 nicht zutrifft: Allokation nach Maßgabe zusätzlicher Anforderungen;

3.

gibt es keine zusätzlichen Anforderungen wird dem wirtschaftlichen Wert der Vorzug gegeben.

Recycling-Allokation

Enthält spezifische Leitlinien (einschl. Formel!); berücksichtigt auch die energetische Verwertung.

Diese Frage wird separat behandelt; enthält allgemeinen Grundsatz der Allokationsvermeidung, aber keine spezifische Vorschrift – keine Formel.

Substitution der Primärproduktion des vermiedenen Produkts.

Folgt der Allokationshierarchie von ISO 14044. Anhang C,der die Formeln enthält, dient der INFORMATION.

Substitution der im Marktdurchschnitt liegenden Primärproduktion des vermiedenen Produkts.

Keine Leitlinien.

Es muss entweder die Approximationsmethode (bei Closed Loop Recycling) oder die Recyclatgehaltmethode angewendetwerden. Wenn keine dieser Methoden angemessen ist, können - im Einklang mit ISO 14044 - andere Methoden angewendet werden, sofern sie im Bilanzbericht offengelegt und begründet werden.

Enthält sehr detaillierte Leitlinien und Gleichungen für das Closed Loop Recycling (Recycling im geschlossenen Kreislauf) und das Open Loop Recycling (Recycling im offenen Kreislauf) mit oder ohne Energierückgewinnung.

Enthält Gleichungen zur Emissionsberechnung – unterscheidet zwischen Recyclatgehaltmethode und Approximationsmethode (bei Closed Loop Recycling).

(enthält Anwendbarkeitskriterien 0/100,100/0)

Fossile und biogene CO2-Emissionen und CO2-Bindung

Die Bindung und Emission von CO2 aus fossilen und biogenen Quellen müssen getrennt erfasst werden.

Keine Regelung.

Die Bindung und Emission von CO2 aus fossilen und biogenen Quellen müssen getrennt erfasst werden.

Die Bindung und Emission von CO2 aus fossilen und biogenen Quellen müssen getrennt erfasst werden.

Keine Regelung.

Sowohl CO2-Emissionen als auch CO2 -Bindungen aus fossilen und biogenen Quellen sind in den Bilanzergebnissen enthalten und werden aus Transparenzgründen getrennt erfasst (obligatorisch, soweit nicht unzutreffend).

Sowohl CO2-Emissionen als auch CO2 -Bindungen aus fossilen und biogenen Quellen sollten getrennt erfasst werden.

Sowohl CO2-Emissionen als auch als auch CO2 -Bindungen sind in der Bewertung enthalten (obligatorisch), außer biogene CO2-Emissionen/ -Bindungen im Zusammenhang mit Lebens- und Futtermitteln (nicht obligatorisch).

Direkte/indirekte Landnutzungsänderung

Treibhausgasemissionen infolge direkter Landnutzungsänderungen sind Waren/Dienstleistungen nach der Änderung unter Verwendung der Tabelle der IPCC-Standardwerte 20 Jahre lang zuzuordnen.

Indirekte Landnutzungsänderung: Treibhausgasemissionen infolge indirekter Landnutzungsänderungen dürfen für die Standard-EF-Wirkungsabschätzungskategorien nicht berücksichtigt werden.

Keine Regelung.

Direkte Landnutzungsänderung: verwendet IPCC-Leitlinien.

Indirekte Landnutzungsänderung: Wird berücksichtigt, sobald eine international anerkannte Methode vereinbart ist.

Direkte Landnutzungsänderung: spezifische IPCC-abgeleitete Leitlinien mit Standardtabelle; Produkten nach Änderung der Landnutzung für die Dauer von 20 Jahren zugeordnet (kann angepasst werden, wenn spezifischere, überprüfte Daten verfügbar sind).

Indirekte Landnutzungsänderung: wird im Rahmen derkonsequenziellen Modellierung berücksichtigt, jedoch aber nicht bei der Ökobilanzierung auf Produktebene (die nach dem attributiven Ansatz erfolgt).

Direkte Landnutzungsänderung: Landnutzungsarten im Bericht entsprechen der nationalen Ökobilanz, sowohl für den Fußabdruck als auch für die Biokapazität.

Indirekte Landnutzungsänderung: keine Regelung.

Direkte Landnutzungsänderung: erforderlich wenn zuordenbar. Zusätzliche Leitlinien für die Berechnung verfügbar, Datenquellen verweisen auf IPCC.

Indirekte Landnutzungsänderung: nicht erforderlich.

Direkte Landnutzungsänderung: Verweis auf IPCC-Methodik.

Indirekte Landnutzungsänderung:: Wird berücksichtigt, sobald eine international anerkannte Methode vereinbart ist.

Direkte Landnutzungsänderung: umfasst insbesondere Emissionen aus Landnutzungsänderungen im Laufe der letzten 20 Jahre.

Indirekte Landnutzungsänderung: ist ausgeschlossen.

Kohlenstoffspeicherung und verzögerte Emissionen

Gutschriften für vorübergehende (Kohlenstoff-) Speicherung oder verzögerte Emissionen dürfen bei der Berechnung des PEF für die Standard-Wirkungskategorien – sofern in einer zugrunde liegenden PEFCR-Regel nicht anders geregelt - nicht berücksichtigt werden.

Keine spezifische Regelung/ spezifischen Informationen. Allerdings legt die Interpretation der gegebenen Ökobilanz-Definition nahe, dass die Kohlenstoffspeicherung und verzögerte Emissionen vom gewöhnlichen Untersuchungsrahmen der Studie ausgeschlossen sind.

Kohlenstoffspeicherung muss getrennt angegeben werden.

Vom gewöhnlichen Untersuchungsrahmen der Studie ausgeschlossen. Falls jedoch einbezogen, weil Teil des Studienziels, enthält das ILCD-Handbuch detaillierte operative Anleitungen.

Ähnelt dem in PAS 2050 empfohlenen Ansatz für Methoden zur Berechnung der Auswirkungen von Kohlenstoffspeichern.

Unterscheidet zwischen zeitlich befristeter Speicherung und dauerhafter Speicherung (wenn für über 10 000 Jahre gewährleistet).

Keine Regelung.

Kohlenstoff, der nicht aufgrund von Behandlungen am Lebenswegende während der Studiendauer freigesetzt wird, wird wie gespeicherter Kohlenstoff behandelt. Die Studiendauer sollte soweit wie möglich wissenschaftlich fundiert sein oder mindestens 100 Jahre betragen.

Verzögerte Emissionen oder Gewichtungsfaktoren (z. B. zeitlich befristeter Kohlenstoff) dürfen nicht in den Bilanzergebnissen berücksichtigt sein, können aber getrennt angegeben werden.

Biogenes und fossiles CO2. Zeitgewichteter Durchschnitt für die Speicherung/Zeitverzögerung für bis zu 100 Jahre.

Die Entscheidung über die Anwendung des Konzepts verzögerter Emissionen ist fakultativ und wird in jeder einzelnen PEFCR-Regel getroffen.

THG-Bindungen können für Biomasse enthaltende Produkte berücksichtigt werden, wenn die Biomasse aus neu angepflanztem Wald stammt.

Etwaige Wirkungen der Kohlenstoffspeicherung werden in der Bilanz berücksichtigt, müssen aber auch getrennt aufgezeichnet werden. Gewichtungsfaktoren für zeitverzögerte Emissionen werden in den Bilanzergebnissen nicht berücksichtigt, Organisationen, die dies wünschen, wird jedoch (in Anhang B) eine Methode angeboten. In diesem Fall muss dies in den Bilanzergebnissen getrennt erfasst werden.

Offsets

Dürfen nicht in die Wirkungsabschätzung einbezogen werden.

Keine Regelung.

Dürfen nicht in die Wirkungsabschätzung einbezogen werden.