MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN Die Kultur- und Kreativwirtschaft als Motor für Wachstum und Beschäftigung in der EU unterstützen /* COM/2012/0537 final */
MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS
EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND
SOZIALAUSSCHUSS UND DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN Die Kultur- und Kreativwirtschaft als Motor
für Wachstum und Beschäftigung in der EU unterstützen 1. Eine weitgehend ungenutzte Ressource für
die Strategie „Europa 2020“ Kultur steht im Zentrum unseres sozialen
Gefüges. Sie prägt unsere Identitäten, Bestrebungen und unsere Beziehungen zu
anderen sowie zur Welt ebenso wie die Orte und Landschaften, in denen wir leben,
und unsere Lebensweisen. Kulturerbe, bildende und darstellende Kunst, Kino,
Musik, Verlagswesen, Mode und Design prägen zwar stark unseren Alltag, doch der
Beitrag, den die Kultur- und Kreativwirtschaft[1]
zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung in der EU leisten kann,
wird noch immer nicht in vollem Umfang anerkannt. Zudem bringen Globalisierung
und Digitalisierung große Herausforderungen mit sich, während die notwendigen
Anpassungen erst noch vorangetrieben werden müssen, damit die Kultur- und
Kreativwirtschaft ihr Potenzial voll ausschöpfen kann und Europa die
Spitzenleistungen, die es hier seit langem hervorbringt, besser als
Wettbewerbsvorteil auf globaler Ebene nutzen kann. Entsprechend wird in der
vorliegenden Mitteilung eine Strategie für die intensivere Nutzung des
Potenzials der Kultur- und Kreativwirtschaft für Wachstum und Beschäftigung in
der EU vorgeschlagen. Wachstumsstarke Sektoren Die wirtschaftliche Leistung der Kultur- und
Kreativwirtschaft ist anerkannt: In der EU generiert sie 3,3 % des BIP und
beschäftigt 6,7 Mio. Menschen (3 % der Beschäftigten insgesamt)[2]. Auch die Zahlen für die Mode-[3] und Luxusgüterbranchen[4], die in hohem Maße von
kulturellem und kreativem Input abhängen, sprechen für sich: Auf sie entfallen
jeweils 3 % des BIP der EU, und sie beschäftigen 5 Mio. bzw.
1 Mio. Menschen, wobei in der Luxusgüterindustrie bis 2020 mit einem
Anstieg der Beschäftigten auf 2 Mio. gerechnet wird[5]. Zwischen 2008 und 2011 erwies sich die
Beschäftigung in der Kultur- und Kreativwirtschaft im Vergleich zur gesamten
EU-Wirtschaft als widerstandsfähiger[6],
wobei jedoch die Wachstumsraten zwischen den einzelnen Sektoren der Kultur- und
Kreativwirtschaft variierten. Diese Tendenz ist umso interessanter, als in
einigen dieser Sektoren der Anteil der jungen Beschäftigten höher ist als in
der Gesamtwirtschaft. Strategische
Investitionen in diesen Sektoren auf lokaler und regionaler Ebene führten in
manchen Fällen zu spektakulären Ergebnissen. Insbesondere Festivals und die
Kulturhauptstädte Europas erbrachten einen beträchtlichen wirtschaftlichen
Nutzen; teilweise wurde mit jedem investierten Euro die zehnfache Hebelwirkung
erzielt. Innovationskatalysator
Durch ihre Schnittstellenposition zwischen
Kunst, Wirtschaft und Technologie ist die Kultur- und Kreativwirtschaft dafür
prädestiniert, Spillover-Effekte in andere Branchen anzustoßen. So produziert
sie beispielsweise Inhalte für IKT-Anwendungen und sorgt dadurch für Nachfrage
nach High-Tech-Unterhaltungselektronik- und Telekommunikationsgeräten. Kultur
und Kreativität üben auch eine unmittelbare Wirkung auf Sektoren wie den
Tourismus aus und sind Bestandteil der gesamten Wertschöpfungskette anderer
Sektoren, etwa der Mode- und Luxusgüterbranche, wo ihre Bedeutung als
„Basiskapital“ immer weiter zunimmt[7]. Allgemein übt die Kultur- und
Kreativwirtschaft einen Einfluss auf die Innovation in anderen Branchen aus.
Wie in der Mitteilung zur Innovationsunion[8]
hervorgehoben, wird Innovation zunehmend von nichttechnologischen Faktoren wie
Kreativität, Design und neuen Organisations- und Geschäftsmodellen
vorangetrieben. Sie ist in erheblichem Maße von kreativen „Ökosystemen“
abhängig, in denen die Qualität und Vielfalt der Akteure sowie der
sektorübergreifenden Partnerschaften entscheidende Faktoren sind. Besonders
offensichtlich ist dies etwa im verarbeitenden Gewerbe, wo Design einen
Mehrwert bei Produkten, Dienstleistungen, Prozessen und Marktstrukturen
erbringt. Bei Unternehmen, die doppelt so viel Mittel in kreativen Input
investieren wie der Durchschnitt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie
Produktinnovationen hervorbringen, um 25 % höher[9]. Dieses Katalysatorpotenzial kann auch eine
wichtige Ressource für gesellschaftliche Innovation und für die Bewältigung
großer gesellschaftlicher Herausforderungen sein (z. B. Klimawandel,
nachhaltige Entwicklung, demografischer Wandel und kulturelle Vielfalt)[10]. So kann die Kultur- und
Kreativwirtschaft zusammen mit dem Bildungs- und Berufsbildungssektor zur
Entwicklung der richtigen Mischung aus Kompetenzen und Fertigkeiten
(Kreativität, Unternehmergeist, kritisches Denken, Risikobereitschaft und
Engagement) beitragen, die die EU in der Wissensgesellschaft benötigt, um
wettbewerbsfähig zu sein. Ein Schlüsselelement im globalen Wettbewerb
und „Soft Power“ Die internationalen Partner Europas
investieren bereits in großem Umfang in die Kultur- und Kreativwirtschaft. In
den USA ist dies bereits seit Jahrzehnten der Fall, da die Kultur- und
Kreativwirtschaft dort als Sektor von strategischer Bedeutung und als Instrument
verstanden wird, um die globale Präsenz des Landes zu festigen. Andere Länder
wie China, Südkorea und Indien investieren ebenfalls massiv, um ihr
wirtschaftliches Potenzial und ihre „Soft Power“ zu steigern, und sind hierzu
in einen globalen Wettbewerb um kreative Talente eingetreten. So hat
beispielsweise China die öffentlichen Investitionen in die Kultur seit 2007
jährlich um 23 % erhöht und plant den Anteil des Sektors am BIP bis zum
Jahr 2015 von 2,5 % auf 5-6 % zu steigern[11]. In der EU steigt der Beitrag der Mode- und
Luxusgüterbranchen zu den Exporten[12]
und zur Festigung der herausragenden Stellung Europas zwar kontinuierlich, doch
das Potenzial anderer Sektoren, etwa der Film- und Musikbranche, wird im
Ausland noch immer nicht strategisch ausgeschöpft. Die Herausforderung besteht
darin, die Exporte zum Nutzen der EU-Wirtschaft zu steigern und zugleich ein
dynamisches Bild eines attraktiven und kreativen Europas zu zeichnen, das offen
ist für Kulturen und Talente aus der ganzen Welt. 2. Herausforderungen als neue Wachstums-
und Beschäftigungschancen nutzen Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist mit
einem rasanten, von Digitalisierung und Globalisierung angetriebenen
Wandel konfrontiert. Dies führt dazu, dass neue Akteure auf den Plan
treten, sehr große und kleinste Strukturen nebeneinander tätig sind,
Wertschöpfungsketten sich nach und nach anpassen und die Verbraucherinnen und
Verbraucher ihr Verhalten und ihre Erwartungen ändern. Diese Veränderungen
schaffen zwar großartige Möglichkeiten, etwa durch niedrigere Produktionskosten
oder neue Vertriebskanäle, sorgen jedoch auch für Handlungsbedarf auf
unterschiedlichen Ebenen. In diesem sich wandelnden Umfeld ist der Zugang
zu Kapital weiterhin ein großes Problem: Der Bankensektor verfügt nicht
über das erforderliche Know-how, um Geschäftsmodelle in der Kultur- und
Kreativwirtschaft zu analysieren, und bewertet die immateriellen Vermögenswerte
dieser Sektoren nicht angemessen. In einer Zeit, in der dringender Anpassungs-
und somit auch Investitionsbedarf besteht, hat die Finanz- und Wirtschaftskrise
die Situation noch weiter verschärft. Zugleich ist die Kultur- und Kreativwirtschaft
durch eine ausgeprägte nationale und sprachliche Fragmentierung
gekennzeichnet. Die daraus entstehende kulturelle Vielfalt ist zwar eindeutig
ein Plus für Europa, führt jedoch gleichzeitig zu einer eingeschränkten,
suboptimalen länderübergreifenden Zirkulation kultureller und kreativer Werke
und Kulturschaffender innerhalb und außerhalb der EU sowie zu geografischen
Ungleichgewichten und letztlich auch zu einer eingeschränkten Auswahl für die
Verbraucher. Dynamische Entwicklungen finden insbesondere an den Grenzen zwischen den verschiedenen
Sektoren (z. B. immer stärkere Überschneidungen zwischen
Computerspielen, Film und Musik) und zu anderen Branchen (z. B. Mode,
Luxusgüter und Tourismus) statt. Innerhalb der einzelnen Sektoren gibt es
allerdings oft noch ein Schubladendenken, was die Möglichkeiten für Synergien
und die Entstehung neuer Lösungen und Geschäftsmöglichkeiten beschränkt. All diese Herausforderungen wirken sich zwar
in den verschiedenen Sektoren unterschiedlich aus; es ist jedoch offenkundig,
dass ein umfassendes strategisches Vorgehen notwendig ist, in das alle Akteure
von der lokalen Ebene bis hin zur EU-Ebene eingebunden sind. 3. Notwendigkeit einer vielschichtigen
Strategie: Rolle der Mitgliedstaaten Ein ganzheitlicher Ansatz für integrierte
Strategien Trotz der sehr unterschiedlichen Situationen
in den Mitgliedstaaten und Regionen erfolgt die Entwicklung wirksamer
Strategien, die die oben angeführten Herausforderungen aufgreifen und in neue
Wachstums- und Beschäftigungschancen in der EU umwandeln können, in der Regel
in der gleichen Abfolge logischer Schritte[13]. Voraussetzung für erfolgreiche Strategien für
die Kultur- und Kreativwirtschaft ist in der Regel die vollständige Erfassung
und Mobilisierung der kulturellen und kreativen Ressourcen eines bestimmten
Gebiets. Solche Strategien sind ganzheitlich angelegt, streben den Aufbau von
Partnerschaften zwischen verschiedenen Bereichen an (Kultur, Industrie,
Wirtschaft, Bildung, Tourismus, Raumplanung usw.) und beziehen alle relevanten
Stakeholder des öffentlichen und privaten Sektors mit ein, um ein möglichst
breites Engagement zu erreichen. Um wirksam, effizient und nachhaltig zu sein,
müssen die Strategien auch wissenschaftlich untermauert werden. Für jede
relevante Frage – von der Kompetenzentwicklung bis hin zum Zugang zu Kapital
und zu den globalen Märkten – wird in diesen Strategien definiert, was sich im
Rahmen bestehender Maßnahmen und Instrumente erreichen lässt und wo ein
maßgeschneidertes Konzept notwendig ist. Dies gilt für alle Politikebenen:
lokal, regional, national und europäisch. In den letzten Jahren haben einige
Mitgliedstaaten, Regionen und Städte (z. B. Vereinigtes Königreich,
Estland, Wallonien, Apulien, Barcelona und Amsterdam) das außerordentliche
Potenzial der Kultur- und Kreativwirtschaft wirksam genutzt, um die
sozioökonomische Entwicklung anzukurbeln, und hierfür schrittweise Ad-hoc-Strategien
entwickelt. Andere stehen hier erst am Anfang. Die bereits entwickelten
Strategien konzentrieren sich jedoch vor allem auf die Stärkung der Kultur- und
Kreativwirtschaft, jedoch noch nicht auf die Förderung von Partnerschaften und
die Nutzung von Spillover-Effekten mit anderen Branchen. Schwerpunkte der Politik Zur Bewältigung der großen Herausforderungen
sind insbesondere in den folgenden Schwerpunktbereichen konzertierte Maßnahmen
erforderlich: Wandel
des Qualifikationsbedarfs Es müssen engere Partnerschaften zwischen der
Kultur- und Kreativwirtschaft, den Sozialpartnern sowie Bildungs- und
Berufsbildungseinrichtungen geschlossen werden, und zwar sowohl für die
Erstausbildung als auch für die berufliche Weiterbildung. Auf diese Weise
entstehen die Kompetenzen und Fertigkeiten, die die Branchen für kreatives
Unternehmertum in einem sich rasch wandelnden Umfeld benötigen. Darüber hinaus
leiden einige Sektoren an einem Mangel an Beschäftigten mit klassischen
technischen bzw. handwerklichen Fertigkeiten, da gerade junge Menschen weniger
Interesse an solchen Berufsbildern zeigen. Kreative Fähigkeiten müssen frühzeitig
vermittelt werden, um das Fundament für einen konstanten Nachschub an kreativen
Talenten zu legen und die Nachfrage nach vielfältigeren, anspruchsvolleren
kreativen Inhalten und Produkten anzuregen. Mit Blick auf das lebenslange
Lernen erleichtern kreative Kompetenzen und Fähigkeiten die Anpassung an die
wechselnden Anforderungen des Arbeitsmarktes. Ferner können Partnerschaften mit dem Bildungssektor
ein anregendes Lernumfeld fördern, das Lernende – und insbesondere Personen mit
Lernschwierigkeiten – dazu motiviert, Grundkompetenzen und für ihr künftiges
Berufsleben relevante Fertigkeiten zu erwerben und so ihre
Beschäftigungsfähigkeit zu verbessern. Zudem können Initiativen der Kultur- und
Kreativwirtschaft auf lokaler Ebene zur Integration von Randgruppen beitragen
und Chancen für Menschen aus benachteiligten Stadtvierteln bieten. Besserer Zugang zu Kapital Der Zugang zu Fremdkapital wird in der Kultur-
und Kreativwirtschaft durch zahlreiche Faktoren behindert: geringe Größe der
Unternehmen, Unsicherheit hinsichtlich der Nachfrage nach ihren Produkten,
Komplexität ihrer Geschäftspläne und Mangel an materiellen Vermögenswerten.
Sinnvolle alternative Finanzierungsmöglichkeiten wie Eigenkapitalbeteiligung,
Business Angels, Risikokapitalbeteiligung und Garantien werden kaum genutzt.
Zudem gibt es Hinweise darauf, dass es eine Marktlücke bei der
Exportfinanzierung gibt. Daher müssen die Finanzinstitute ihr
Bewusstsein für das wirtschaftliche Potenzial dieser Sektoren schärfen und ihre
Kapazität zur Bewertung von Unternehmen verbessern, deren Geschäft auf
immateriellen Vermögenswerten basiert. Zugleich sollte Unternehmern der Kultur-
und Kreativwirtschaft ein besseres Verständnis der Geschäftsplanung und des
Einsatzes von Kapital zur Finanzierung der Geschäftstätigkeit und des Wachstums
vermittelt werden. Erweiterung des Marktes: neue
Partnerschaften und Geschäftsmodelle Einrichtungen und Dienstleister im Bereich
Kunst und Kultur müssen ihre Kapazität zur Publikumsentwicklung, also zur
Erschließung und Bindung neuer Zielgruppen, stärken, neue – vor allem
grenzübergreifende – Chancen nutzen und auf Veränderungen beim Verhalten und
bei den Erwartungen des Publikums reagieren. Es entstehen neue Angebote, die
die Möglichkeiten der IKT und der Dienstleistungserbringung über das Internet
nutzen, um die Nachfrage der Verbraucherinnen und Verbraucher nach einer
breiten Palette von Inhalten und Produkten und nach einer größeren Teilhabe am
kreativen Prozess zu befriedigen. Mit solchen neuen Konzepten und Angeboten
dürften sich auch neue Einnahmequellen erschließen lassen. Um die Schaffung,
Produktion und Verbreitung ihrer Produkte über digitale Plattformen voranzutreiben,
muss die Kultur- und Kreativwirtschaft strategische, faire Partnerschaften mit
Akteuren aus anderen Branchen eingehen. Dies kann zur Entstehung innovativer
Geschäftsmodelle führen, bei denen auf unterschiedliche Weisen auf Inhalte
zugegriffen wird und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Interessen der
Rechteinhaber (Einkünfte) und der Allgemeinheit (Zugang zu Inhalten und zum
Wissen, dadurch Förderung der kulturellen Kompetenz und der Medienkompetenz)
besteht. In diesem Zusammenhang sollte auch das Potenzial von Europeana[14] – der zentralen Plattform zur
Vernetzung der digitalen Sammlungen der Bibliotheken, Museen und Archive
Europas – umfassender ausgeschöpft werden, so dass sie die Grundlage für ein
neues „Ökosystem“ digitaler Anwendungen und Produkte für Tourismus, Bildung,
Kultur- und Kreativwirtschaft bilden kann. Vergrößerung der internationalen
Reichweite Damit kleine Einrichtungen und Unternehmen in
einem globalen Umfeld tätig werden und neue Zielgruppen und Märkte auf der
ganzen Welt erreichen können, müssen intelligente Strategien für
Internationalisierung und Exportförderung eingesetzt werden. Hierbei gilt es,
die wirksamsten Unterstützungsangebote zur ermitteln, den Zugang zu
ausländischen Märkten zu erleichtern, verstärkt Gespräche über
Regulierungsfragen zu führen und Möglichkeiten der Risikoteilung zu bewerten.
Es sollte intensiver geprüft werden, wie die Bündelung von Ressourcen und die
verstärkte Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure dazu beitragen können, die
kulturelle und kreative Präsenz Europas auf der Weltbühne zu vergrößern und ein
attraktives Bild Europas zu vermitteln, das die Brücke schlägt zwischen unseren
herausragenden Leistungen auf dem Gebiet des Kulturerbes und dynamischer,
innovativer Kreativität. Mehr fruchtbare sektorübergreifende
Zusammenarbeit Die Kultur- und Kreativwirtschaft benötigt
multidisziplinäre Umfelder, in denen ihre Akteure mit Unternehmen aus anderen
Branchen zusammentreffen können. Die fruchtbare Zusammenarbeit über
Branchengrenzen hinweg sollte Teil jeder staatlichen Maßnahme zur
Weiterentwicklung solcher Umfelder sein. Hierzu müssen bessere
Förderinstrumente und ‑strategien für Unternehmen entwickelt und erprobt
werden, die sektorübergreifende Verbindungen und Spillover-Effekte erleichtern.
Dies impliziert auch die Anregung des Wandels innerhalb der Sektoren und die
Integration neuer Kompetenzen und Fertigkeiten in andere Sektoren – und
umgekehrt. Zugleich muss auch die Zusammenarbeit zwischen
verschiedenen Politikfeldern verstärkt werden; dies gilt insbesondere für
Wirtschaft, Industrie, Bildung, Tourismus, Innovation, Stadt- und
Regionalentwicklung und Raumplanung. Entsprechend werden die Mitgliedstaaten ersucht, auf allen
territorialen Ebenen und gegebenenfalls unter Einbindung aller relevanten öffentlichen
und privaten Stakeholder folgende Maßnahmen zu ergreifen: - Umfassende Bewertung des Potenzials der KK[15] für intelligentes,
integratives und nachhaltiges Wachstum und Integration der KK in
Entwicklungsstrategien auf allen Ebenen, insbesondere in Strategien zur
intelligenten Spezialisierung[16] - Verstärkung der Zusammenarbeit innerhalb der KK und mit anderen
Sektoren wie IKT, Tourismus usw., unter anderem im Rahmen gemeinsamer
Initiativen zur Verbesserung des Verständnisses für andere Sektoren, auch als
Beitrag zur Entwicklung von mehr Offenheit, Innovation und Unternehmergeist in
der Wirtschaft - Unterstützung der Einrichtung von Plattformen, Netzen und
Clustern, in denen sämtliche für die KK relevanten öffentlichen und privaten
Stakeholder mitwirken können - Förderung strukturierter Partnerschaften zwischen der KK, den
Sozialpartnern und jeglicher Art von Einrichtungen der allgemeinen und
beruflichen Bildung (einschließlich der beruflichen Erstausbildung) - Erleichterung der Anerkennung von Qualifikationen, die im Rahmen
der informellen und nichtformalen Bildung/Berufsbildung erworben wurden und die
für die KK relevant sind - Verbesserung der Investorenbereitschaft von Finanzinstituten
sowie der Investitionsbereitschaft der KK und Entwicklung maßgeschneiderter
Finanzierungsinstrumente (insbesondere Garantieregelungen), auch durch
geeignete Nutzung des künftigen Programms „Kreatives Europa“ sowie der Fonds
für die Kohäsionspolitik - Unterstützung der KK bei der Erforschung und Erprobung von
Strategien zur Publikumsentwicklung sowie von auf die Digitalisierung
abgestimmten Geschäftsmodellen - Förderung der Digitalisierung kultureller Inhalte sowie der
Entwicklung von Online-Plattformen in Übereinstimmung mit den einschlägigen
EU-Vorschriften über staatliche Beihilfen - Ermunterung der KK, auf internationalen Märkten Präsenz zu
zeigen bzw. sichtbarer zu werden, etwa durch den Aufbau internationaler
Partnerschaften und Kooperationen mit Drittländern 4. Mehrwert schaffen durch Massnahmen auf
EU-Ebene Die EU kann eindeutig einen wichtigen Beitrag
zur Schaffung des richtigen Umfelds für diese Anpassungen leisten. Ein geeigneter Rechtsrahmen Mit dem Small Business Act für
Europa entsteht einen Rahmen für die KMU-Politik der EU und ihrer
Mitgliedstaaten, der die allgemeine Herangehensweise an die unternehmerische
Tätigkeit verbessert[17].
Dies ist gerade für die Kultur- und Kreativwirtschaft relevant, in der
vorwiegend kleine Unternehmen und Kleinstunternehmen aktiv sind. Die Schaffung eines vollständig integrierten
digitalen europäischen Binnenmarktes steht im Zentrum der Mitteilung „Ein
Binnenmarkt für Rechte des geistigen Eigentums“[18]. Darin skizziert die
Kommission Initiativen zur Verwirklichung eines EU-Rahmens für Urheberrechte,
in dem sich kreative Anstrengungen lohnen und der die grenzüberschreitende
Wirtschaftstätigkeit im Binnenmarkt erleichtert. Auf dieser Grundlage hat die
Kommission Legislativvorschläge zu verwaisten Werken[19] und zur kollektiven
Wahrnehmung von Rechten[20]
vorgelegt. Ferner wird im Anschluss an das Grünbuch über den Online-Vertrieb
von audiovisuellen Werken in der EU[21]
die Bewertung des audiovisuellen Sektors vorangetrieben. Zur Frage der Abgaben
für Privatkopien hat die Kommission einen Mediationsprozess mit den
Stakeholdern eingeleitet. Außerdem sind Maßnahmen geplant, um die Bewertung
immaterieller Vermögenswerte zu verbessern – ein entscheidender Faktor für den
Zugang zu privatem Kapital. Für die Akteure der Kultur- und
Kreativwirtschaft, deren Geschäft sich vor allem auf Marken und Kundenbindung
stützt, spielt die Modernisierung und Anpassung des Markenschutzsystems eine
wichtige Rolle. Damit Nachahmungen und Produktpiraterie wirksam bekämpft werden
können, müssen zuverlässige Daten zum Wert und zu Verletzungen der Rechte des
geistigen Eigentums zur Verfügung stehen und besser analysiert werden, bewährte
Verfahren ausgetauscht und Sensibilisierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Dies
leistet die EU mit ihrer Beobachtungsstelle für Verletzungen von Rechten des
geistigen Eigentums. Auf Grundlage eines Memorandum of Understanding
hinsichtlich des Verkaufs gefälschter Markenartikel auf Internetplattformen[22] fördert die Kommission die
Zusammenarbeit zwischen Rechteinhabern und Internetplattformen mit dem Ziel,
das Angebot an gefälschten Kulturgütern im Internet europaweit einzudämmen. Die Digitale Agenda für Europa[23] umfasst auch Maßnahmen zur
Beseitigung von Entwicklungshindernissen für die europäischen Online-Märkte.
Einige Elemente der darin vorgesehenen Initiativen für die Weiterverwendung
von Informationen des öffentlichen Sektors können zur besseren Nutzung
und Zugänglichkeit von Kulturgütern beitragen. Eine der in der Mitteilung zur Zukunft
der Mehrwertsteuer[24]
genannten vorrangigen Maßnahmen ist die Überprüfung der Steuersatzstruktur.
Gemäß einem der Leitprinzipien dieser Überprüfung sollte auf vergleichbare
Gegenstände und Dienstleistungen derselbe MwSt.-Satz erhoben werden. Zugleich
sollte bei der Bewältigung der Konvergenzproblematik zwischen Online-Umfeld und
realem Umfeld der technische Fortschritt berücksichtigt werden. Damit ein funktionierender digitaler Markt
auch neue Chancen für die Kultur- und Kreativwirtschaft bieten kann, wird die
Kommission die Umsetzung der Maßnahmen weiter vorantreiben, die im Aktionsplan
für den digitalen Binnenmarkt für elektronischen Handel und Online-Dienste[25] skizziert werden, darunter
Initiativen zu Melde- und Abhilfeverfahren und zur Netzneutralität. Im Kontext der Modernisierung des
EU-Beihilfenrechts[26]
wird für Beihilfen im Kultursektor eine Befreiung von der Anmeldepflicht
erwogen. Außerdem soll bei der nächsten Überprüfung des Gemeinschaftsrahmens
für staatliche Beihilfen für Forschung, Entwicklung und Innovation die
Frage der Unterstützung der Innovation – einschließlich nichttechnologischer
Innovation – behandelt werden. Erleichterung des Austauschs bewährter
Verfahren und des „Peer Learning“ Initiativen auf EU-Ebene können innerhalb der
Kultur- und Kreativwirtschaft die Anpassung beschleunigen, die Verbreitung
bewährter Verfahren fördern und die Vernetzung verbessern. Seit Annahme der
europäischen Kulturagenda[27]
im Jahr 2007 arbeiten die nationalen Behörden in diesem Bereich zusammen. Es
wurde eine Expertengruppe eingerichtet, um nationale bzw. regionale bewährte
Verfahren zu erörtern und zu validieren und um Vorschläge für
Kooperationsinitiativen zu erarbeiten. Die Gruppe hat ein Handbuch
veröffentlicht, in dem dargelegt wird, wie die EU-Fonds für die
Kohäsionspolitik zur Ausschöpfung des Potenzials der Kultur für die lokale,
regionale und nationale Entwicklung genutzt werden können, insbesondere im
Rahmen von Strategien zur intelligenten Spezialisierung[28]. Als Nächstes wird sich die
Gruppe auf Internationalisierungs- und Exportstrategien konzentrieren. Ein
weiteres Beispiel ist die von der europäischen Allianz der Kultur- und
Kreativwirtschaft[29]
eingerichtete Lernplattform, die den Austausch und die Zusammenarbeit bei der
Unternehmensförderung anregen, den Zugang zu Kapital verbessern und die Bildung
von Exzellenz- und Kooperationsclustern anstoßen soll. Zudem will die Kommission das Peer Learning
unter Stadtverwaltungen unterstützen, so dass Lokalpolitiker die Erfahrungen,
die sie mit der Kultur als Instrument für die soziale und wirtschaftliche
Wiederbelebung von Städten gemacht haben, weitergeben und vergleichen können. 2014-2020: Mobilisierung einer breiten
Palette spezifischer und allgemeiner Förderinstrumente Die von der Kommission vorgeschlagenen Programme
und Instrumente für den neuen mehrjährigen Finanzrahmen 2014-2020,
insbesondere Kreatives Europa[30],
Erasmus für alle[31],
die EU-Fonds für die Kohäsionspolitik[32],
Horizont 2020[33],
COSME[34]
und die Fazilität „Connecting Europe“[35]
können die Weiterentwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft entscheidend
voranbringen und ihren Beitrag zur Strategie Europa 2020 für Wachstum und
Beschäftigung verstärken. Im Zentrum des Programms Kreatives
Europa stehen die Förderung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt
in Europa und die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Kultur- und
Kreativwirtschaft. Unter anderem ist Folgendes vorgesehen: - Unterstützung länderübergreifender
Netze, Partnerschaften und des Peer Learning, um die Kapazität des Sektors für
Aktivitäten jenseits nationaler Grenzen und für die Bewältigung der
Herausforderungen zu stärken, die sich aus der Digitalisierung, der
Globalisierung und der Fragmentierung der europäischen Märkte ergeben - Einrichtung einer eigenen Finanzfazilität
für Garantien, damit kleine Unternehmen und Organisationen leichter Zugang zu
Bankkrediten erhalten; zusammen mit den Horizont-2020- und COSME-Fazilitäten
wird sie Teil des geplanten Finanzinstruments für KMU sein; zugleich wird eine
systemische Wirkung auf den Finanzsektor angestrebt, indem die Kapazität der
Finanzinstitute zur Bewertung kultureller und kreativer Projekte verbessert,
die derzeit begrenzte Fachkompetenz in diesem Bereich über Staatsgrenzen
gebündelt und Initiativen zur Stärkung der Investitionsbereitschaft in der
Kultur- und Kreativwirtschaft unterstützt werden - Maßnahmen für den Ausbau von
Kapazitäten zur Publikumsentwicklung und zur Erprobung von Geschäftsmodellen - Maßnahmen zur Erleichterung
internationaler Aktivitäten der Kultur- und Kreativwirtschaft Erasmus für alle wird Investitionen in die allgemeine und berufliche Bildung und
Weiterbildung fördern – sowohl durch die Lernmobilität als auch in Form von
Innovationspartnerschaften und politischen Maßnahmen. Um mehr Innovation durch
Zusammenarbeit zu erreichen, wird das Programm breit angelegte Partnerschaften
zwischen Hochschulen und Unternehmen (Wissensallianzen) sowie Partnerschaften
zwischen Einrichtungen der beruflichen Aus- und Weiterbildung und Unternehmen
(Allianzen für branchenspezifische Fertigkeiten) unterstützen. Damit werden der
Kultur- und Kreativwirtschaft wichtige Möglichkeiten bereitgestellt,
Partnerschaften mit dem Bildungs- und Berufsbildungssektor zu schließen. Auf Grundlage der zahlreichen bestehenden
Angebote[36]
werden die Fonds für die Kohäsionspolitik weiter Investitionen in
die Kultur- und Kreativwirtschaft fördern, damit die Kultur einen umfassenden
Beitrag zu lokaler und regionaler Entwicklung, Stadterneuerung, ländlicher
Entwicklung, Beschäftigungsfähigkeit und sozialer Eingliederung leisten kann.
Mögliche Investitionsbereiche sind u. a. Forschung, Innovation,
Wettbewerbsfähigkeit von KMU und Unternehmertum in der Kultur- und
Kreativwirtschaft sowie Schutz und Aufwertung von Kulturerbe und
Kulturlandschaften[37].
Zudem wird der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des
ländlichen Raums weiter zur Aufwertung des kulturellen Erbes und zur
Verbesserung des Zugangs zu kulturellen Dienstleistungen in ländlichen Gebieten
beitragen, indem er Investitionen und Schulungen für Unternehmen der Kultur-
und Kreativwirtschaft unterstützt und zugleich die Vernetzung und
Cluster-Bildung fördert, insbesondere im Rahmen von LEADER[38]. Zugleich soll in diesem Zusammenhang der
Einsatz geeigneter Finanzierungsinstrumente intensiviert werden, auch in der
Kultur- und Kreativwirtschaft. In ihrem Ausblick auf die künftige
Kohäsionspolitik nennt die Kommission die Kultur- und Kreativwirtschaft als
einen der Bereiche, die für Strategien für intelligente Spezialisierung zur
lokalen und regionalen Entwicklung in Frage kommen[39]. Entsprechend sollten auch
Strategien auf lokaler bzw. regionaler Ebene besser mit Strategien auf
nationaler Ebene vernetzt werden. Schwerpunktmäßig sollte jetzt das Potenzial
der Sektoren im Rahmen von Strategien für regionale Entwicklung ermittelt
werden, und zwar mit Blick auf die künftigen Vorgaben für
Partnerschaftsvereinbarungen, operative Programme und Programme zur ländlichen
Entwicklung. Dabei sind zugleich die dynamischen Bezüge zwischen klassischen
Kulturgütern, der Entwicklung kreativer Unternehmen und der Bewältigung
gesellschaftlicher und ökologischer Herausforderungen zu berücksichtigen, und
es sollte eine bessere Kombination von Investitionen in Infrastrukturen und
Humankapital angestrebt werden[40]. Das Ziel von COSME besteht
darin, die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Unternehmen und KMU in
der EU zu steigern und eine unternehmerische Kultur zu fördern. Die Kommission
hat Maßnahmen vorgeschlagen, um die Entwicklung von Clustern von Weltrang und
Unternehmensnetzen anzuregen und die Entstehung wettbewerbsfähiger
Wirtschaftszweige auf Grundlage sektorübergreifender Aktivitäten zu
beschleunigen, was gerade für die Kultur- und Kreativwirtschaft ausgesprochen
relevant ist. Für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und die kommerzielle
Nutzung kreativer Ideen sind konkrete Aktionen vorgesehen, die auf die
Schaffung individuell gestalteter, personalisierter und auf den Bedarf der
Kunden abgestimmter Waren und Dienstleistungen ausgerichtet sind. Ferner
schlägt die Kommission Aktionen zur Vernetzung und zum Ausbau von Fähigkeiten
und Kompetenzen in den Bereichen Design, Kreativität und Produktion vor. Horizont 2020 ist das Instrument, mit dem die EU Forschungs- und
Innovationsaktivitäten fördern und die Nutzung des industriellen Potenzials von
Strategien für Innovation, Forschung und technologische Entwicklung optimieren
wird. Das Ziel ist, die Wettbewerbsfähigkeit in verschiedenen neu entstehenden
Branchen und Sektoren zu stärken, was für die Kultur- und Kreativwirtschaft von
besonderer Bedeutung ist. In diesen Sektoren werden technologische
Entwicklungen gefördert, etwa innovative Technologien für die Schaffung und
Nutzung von Inhalten und innovative Materialien für die Kreativwirtschaft.
Daneben wird Horizont 2020 auch neue Formen der Innovation erschließen, etwa
soziale Innovation und Kreativität, um die positive interkulturelle Dynamik
innerhalb Europas und mit seinen internationalen Partnern weiter zu verbessern. Im Zentrum der Fazilität „Connecting
Europe“ steht der Ausbau der Verkehrs-, Energie- und Datennetze
Europas. Die Fazilität wird eine nachhaltige Finanzierung für Europeana
ermöglichen und auch weitere für die Kultur- und Kreativwirtschaft relevante
Vorhaben unterstützen, z. B. den Austausch von Informationen über Rechte
und Lizenzierung sowie Kompetenzzentren für die Digitalisierung und Bewahrung
des digitalen Kulturerbes. Im Bereich Außenbeziehungen kann
der politische Dialog zwischen der EU und Drittländern sowohl auf bilateraler
als auch auf regionaler Ebene Vertrauen schaffen und Chancen für
Partnerschaften – auch im Kultur- und Kreativsektor – eröffnen, von denen beide
Seiten profitieren[41].
Im Rahmen der Zusammenarbeit wird die Kultur weiter als Triebfeder für die
sozioökonomische Entwicklung und die Stärkung von Menschenrechten, Demokratie,
Zivilgesellschaft und anderen Grundelementen der verantwortungsvollen Staatsführung
dienen[42]. Die Kommission wird - den Rechtsrahmen für die KK weiter
verbessern - ihre Vorschläge für die EU-Finanzierungsinstrumente für den
Zeitraum 2014-2020 mit dem Europäischen Parlament und dem Rat erörtern und die
Umsetzung dieser Instrumente vorbereiten - den Austausch bewährter Verfahren in der EU unterstützen Unterstützung der wichtigsten
politischen Zielsetzungen: kurzfristig vorgesehene Maßnahmen auf EU-Ebene In den kommenden Jahren werden die Bemühungen
in den Mitgliedstaaten auf allen territorialen Ebenen durch verschiedene
EU-Initiativen ergänzt, die sektorübergreifend die Entstehung kreativer
Umfelder auf verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette fördern: - Bewältigung des Wandels beim
Qualifikationsbedarf Wissensallianzen von Hochschulen und Unternehmen werden derzeit als
Instrumente zur Förderung der Innovation getestet. Eine dieser Allianzen – die
auf die Kompetenzentwicklung in der Filmbranche ausgerichtete „Cinema and
Industry Alliance for Knowledge and Learning“[43]
– wird 2013 über ihre Arbeit Bericht erstatten. Zur Analyse des Qualifikationsbedarfs finanziert die EU die erste Phase
des europäischen Qualifikationsrats (European Sectoral Skills Council) für den
audiovisuellen Sektor und die darstellende Kunst[44] sowie einen europäischen
Qualifikationsrat für die Branchen Textil, Bekleidung und Leder[45]. Bis Ende 2013 wird eine im Rahmen der europäischen Kulturagenda
eingerichtete Gruppe von Sachverständigen aus den Mitgliedstaaten einen Bericht
über die Förderung kreativer Partnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen
bzw. Organisationen der Kultur- und Kreativwirtschaft vorlegen. - Verbesserung des Zugangs zu Kapital Im Rahmen der europäischen Allianz der Kultur- und Kreativwirtschaft
finanziert die EU bis 2014 zwei Partnerschaften (FAME und C-I Factor) zur
Verbesserung des Zugangs zu Kapital. Der MEDIA-Produktionsgarantiefonds[46]
hilft Filmproduzenten bei der Erschließung privater Finanzierungsquellen. Die Kommission wird prüfen, ob ein ähnlicher Garantiefonds für die
Modebranche eingerichtet werden kann. Im Rahmen der Strategie für Rechte des geistigen Eigentums wird die
Kommission Politikvorschläge zur Verbesserung der wirtschaftlichen Nutzung
dieser Rechte ausarbeiten[47]. - Erweiterung
des Marktes Die Kommission wird 2012 - eine vorbereitende Maßnahme für die Verbreitung europäischer
Filme im digitalen Zeitalter finanzieren[48] - ein Pilotprojekt zur innovativen Nutzung von IKT in der KK
finanzieren[49] - ein thematisches Netz zu neuen Geschäftsmodellen für das
Verlagswesen im digitalen Zeitalter finanzieren[50] - eine europäische Konferenz für den Erfahrungsaustausch zum Thema
„Publikumsentwicklung“ veranstalten[51] - eine Empfehlung über den europäischen Film im digitalen
Zeitalter annehmen Bis Ende 2012 wird eine im Rahmen der europäischen Kulturagenda
eingerichtete Gruppe von Sachverständigen aus den Mitgliedstaaten einen Bericht
über Strategien und bewährte Verfahren öffentlicher Einrichtungen zur
Verbesserung des Zugangs zur und der Teilhabe an der Kultur vorlegen. Die Kommission wird 2013 - durch Interaktion mit und zwischen den verschiedenen Sektoren
der Kreativwirtschaft die Schaffung leistungsfähigerer und interaktiver
Instrumente für die Kreativwirtschaft fördern und künftige Entwicklungen in
Forschung und Innovation antizipieren[52] - ein WORTH-Pilotprojekt zur Anregung marktorientierter
Unterstützungs- und Beratungsangebote für KMU lancieren, die in den Sektoren
Mode oder Design-Gebrauchsgegenstände tätig sind, damit sie in Zusammenarbeit
mit Designern neue, kreative Produkte und Dienstleistungen entwickeln Darüber hinaus werden das Europäische Kulturerbe-Siegel[53] und die Kulturhauptstädte
Europas[54]
weiter als „Laboratorien“ für Publikumsentwicklung und Bürgerbeteiligung
dienen. - Vergrößerung der internationalen Reichweite Die Kommission wird 2012/2013 Vermittlungsveranstaltungen in
Drittländern organisieren, um die Internationalisierung der KMU –
einschließlich Unternehmen der KK – durch Cluster zu fördern. Die im Rahmen des EU-China-Handelsprojekts als Pilotvorhaben für die
verstärkte Zusammenarbeit umgesetzte Kooperation im Kultur- und Kreativbereich
wird fortgeführt. Auch im kulturpolitischen Dialog mit aufstrebenden Partnern wird das
Umfeld für Zusammenarbeit und Austausch im Bereich der KK eine zentrale Rolle
spielen. Darüber hinaus wird die Kommission - die Durchführbarkeit der Risikoteilung bei
Exportkreditversicherungssystemen für KMU prüfen - in enger Abstimmung mit dem EAD Mittel und Wege zur Stärkung der
Rolle der Kultur in den Außenbeziehungen untersuchen Im Jahr 2013 wird eine im Rahmen der europäischen Kulturagenda
eingerichtete Gruppe von Sachverständigen aus den Mitgliedstaaten ein Handbuch
zu Förderstrategien für die Internationalisierung in der Kultur- und
Kreativwirtschaft vorlegen. - Verstärkung der fruchtbaren
sektorübergreifenden Zusammenarbeit Seit 2012 - fördert die Kommission im Rahmen europäischen Allianz der
Kultur- und Kreativwirtschaft sektorübergreifende Verbindungen - unterstützt die Kommission im Rahmen der Allianz der
europäischen Mobil- und Mobilitätsindustrien drei groß angelegte
Demonstrationsprojekte zur Anregung des Kulturtourismus Ferner wird sie 2012-2013 - ein europäisches Zentrum für Dienstleistungsinnovation
einrichten, um regionalen Organisationen Beratung und Unterstützung zu Fragen
der Dienstleistungsinnovation und der Nutzung der Kreativität zur Förderung des
Strukturwandels zu bieten - in einem „Smart Guide“ darlegen, wie die EU-Fonds für die
Kohäsionspolitik besser zur Ausschöpfung des Potenzials der
Dienstleistungsinnovation beitragen können, was insbesondere für die KK
relevant ist - mit der Finanzierung eines Pilotprojekts zur Begleitung zweier
traditioneller Industrieregionen bei ihrer Entwicklung hin zu europäischen
„Gebieten für die Kreativwirtschaft“ beginnen[55] - unter Berücksichtigung der relevanten Arbeitsunterlagen der
Kommissionsdienststellen die Herausforderungen und Möglichkeiten analysieren,
die für Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Mode- und
Luxusgüterindustrie in der EU bestehen - die Empfehlungen auswerten, die der Lenkungsausschuss für
europäisches Design 2012 vorlegt, und einen Aktionsplan für die stärkere
Berücksichtigung von Design in der Innovationspolitik ausarbeiten - im Rahmen der „European Cluster Excellence Initiative“
Schulungsmodule entwickeln und erproben, die die Rolle der Kreativität,
kreativer Fähigkeiten und kreativer Wirtschaftszweige im Wandel der klassischen
Industrie verstärken - eine Konsultation von Stakeholdern zur Schaffung einer
europäischen Allianz für die Erlebniswirtschaft einleiten, um die
sektorübergreifende Interaktion zwischen der KK und der Freizeit-, Sport- und
Tourismusbranche zu fördern und die Entwicklung neuer Wertschöpfungsketten
anzuregen 5. Überwachung der Fortschritte Wenn das Potenzial der Kultur- und
Kreativwirtschaft voll ausgeschöpft wird, kann dies erheblich zu Wachstum und
Beschäftigung und zur Beschleunigung des Wandels in Richtung einer
wissensbasierten Innovationsgesellschaft beitragen. Dies erfordert Maßnahmen
auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene sowie auf EU-Ebene, die die
Umsetzung der oben beschriebenen mehrschichtigen Strategie unterstützen und die
kurz- und längerfristig insbesondere auf die folgenden fünf zentralen
politischen Zielsetzungen ausgerichtet sind: Entwicklung von Kompetenzen und
Fertigkeiten; Verbesserung des Zugangs zu Kapital; Förderung neuer
Geschäftsmodelle und Erschließung neuer Publikumsschichten; Verbesserung der
Zusammenarbeit mit anderen Sektoren und Politikfeldern; Vergrößerung der
internationalen Reichweite. Die verstärkte Zusammenarbeit mit den Partnern der
EU wird ebenfalls Teil dieser Strategie sein, deren Gelingen auch von der
Mitwirkung anderer europäischer Institutionen und der relevanten Stakeholder
abhängig sein wird. Zur Überwachung der Fortschritte bei der
Umsetzung der Strategie schlägt die Kommission vor, den bestehenden
Kooperationsrahmen zu nutzen, d. h. die Methode der offenen Koordinierung
im Kulturbereich. [1] Zur Kultur- und Kreativwirtschaft zählen vor allem
folgende Sektoren: Architektur, Archive und Bibliotheken, Kunsthandwerk,
audiovisueller Bereich (einschließlich Film, Fernsehen, Videospiele und
Multimedia), Kulturerbe, Design (einschließlich Modedesign), Festivals, Musik,
darstellende und bildende Kunst, Verlagswesen und Radio. [2] European Competitiveness Report (Europäischer Bericht
über die Wettbewerbsfähigkeit) 2010. In anderen Quellen werden diese Werte
höher eingeschätzt: 4,5 % des BIP und 8,5 Mio. Beschäftigte (TERA
Consultants, 2010). [3] Einschließlich Design, Herstellung von Ausgangsmaterial
und Waren und deren Vertrieb. [4] Hierzu zählen insbesondere folgende Sektoren:
Designermode, Uhren und Schmuck, Accessoires, Lederwaren, Parfums und Kosmetik,
Möbel und Haushaltsgeräte, Kraftfahrzeuge, Boote sowie Gastronomie, Hotels und
Freizeiteinrichtungen. [5] „Competitiveness of the EU fashion industries“
(Wettbewerbsfähigkeit der Modebranche in der EU), Idea Consult, 2012; „The
value of the cultural and creative industries to the European economy“ (Der
Wert der Kultur- und Kreativwirtschaft für die europäische Wirtschaft),
Frontier Economics, 2012. [6] Quelle: Eurostat (Arbeitskräfteerhebung). [7] Etwa bei der „Fast Fashion“, wo innerhalb eines Jahres
mehrere neue Kollektionen auf den Markt gebracht werden. [8] KOM(2010) 546. [9] „Creating Innovation: Do the creative industries support
innovation in the wider economy?“ (Innovation schaffen: Fördert die
Kreativwirtschaft die Innovation in der Gesamtwirtschaft?), NESTA 2008. [10] „Sostenuto – Culture as a factor of economic and social
innovation“ (Kultur als Faktor für wirtschaftliche und gesellschaftliche
Innovation), 2012. KEA European Affairs – „Der Einfluss von Kultur auf
Kreativität“, 2009. [11] 12. Fünfjahresplan Chinas (2011-2015). [12] Beispielsweise werden 62 % aller von europäischen
Luxusgütermarken hergestellten Waren außerhalb Europas verkauft, und der Wert
dieser Ausfuhren wird auf 260 Mrd. EUR geschätzt (dies entspricht etwa
10 % der gesamten Ausfuhren Europas). [13] Siehe
http://ec.europa.eu/culture/our-policy-development/documents/120505-cci-policy-handbook.pdf [14] www.europeana.eu [15] Abkürzung für „Kultur- und Kreativwirtschaft“. [16] Siehe Seite 10. [17] http://ec.europa.eu/enterprise/policies/sme/small-business-act/index_de.htm [18] KOM(2011) 287. [19] KOM(2011) 289. [20] COM(2012) 372. [21] KOM(2011) 427. [22] http://ec.europa.eu/internal_market/iprenforcement/stakeholders/index_de.htm#maincontentSec2 [23] KOM(2010) 245. [24] KOM(2011) 851. [25] KOM(2011) 942. [26] COM(2012) 209. [27] KOM(2007) 242. [28] http://ec.europa.eu/culture/news/cci_en.htm [29] https://www.howtogrow.eu/ecia/ [30] KOM(2011) 785. [31] KOM(2011) 788. [32] http://ec.europa.eu/regional_policy/what/future/proposals_2014_2020_de.cfm [33] KOM(2011) 809. [34] KOM(2011) 834. [35] KOM(2011) 665. [36] Study on the contribution of culture to local and regional
development (Studie über den Beitrag der Kultur zur lokalen und regionalen
Entwicklung), 2010. [37] SWD(2012) 61, Teil II. [38] http://enrd.ec.europa.eu/leader/de/leader_de.cfm [39] http://s3platform.jrc.ec.europa.eu/c/document_library/get_file?uuid=a39fd20b-9fbc-402b-be8c-b51d03450946&groupId=10157 [40] Ebda. [41] Der politische Dialog könnte insbesondere im Rahmen des
Partnerschaftsinstruments (PI) gefördert werden. [42] Zur Förderung solcher Ziele – ob im Rahmen der
geografischen oder der thematischen Zusammenarbeit – werden folgende
Instrumente zur Verfügung stehen: Instrument für die Entwicklungszusammenarbeit
(DCI), Europäisches Nachbarschaftsinstrument (ENI), Instrument für
Heranführungshilfe (IPA) und 11. Europäischer Entwicklungsfonds (EEF). [43] http://ec.europa.eu/education/higher-education/ka1_en.htm [44] http://www.pearle.ws/en/projects/detail/16 [45] http://europeanskillscouncil.t-c-l.eu/eng/ [46] http://ec.europa.eu/culture/media/programme/overview/funding/index_en.htm [47] http://ec.europa.eu/enterprise/policies/innovation/policy/intellectual-property/index_en.htm [48] http://ec.europa.eu/culture/media/programme/overview/digitaldistrib/prepaction/index_en.htm [49] http://ec.europa.eu/culture/news/12062012-pilotproject-eac10_en.htm [50] Arbeitsprogramm 2012 des Programms zur Unterstützung der
IKT-Politik (WP ICT PSP), S. 19. [51] http://ec.europa.eu/culture/news/20120316-conference-audience_en.htm [52] WP ICT PSP 2013, S. 10 und S. 81-85. [53] http://ec.europa.eu/culture/our-programmes-and-actions/label/european-heritage-label_de.htm [54] http://ec.europa.eu/culture/our-programmes-and-actions/capitals/european-capitals-of-culture_de.htm [55] http://ec.europa.eu/enterprise/newsroom/cf/itemdetail.cfm?item_id=5782&lang=en