BERICHT DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DEN RAT Die Entwicklung der Marktlage und die sich daraus ergebenden Bedingungen für ein reibungsloses allmähliches Auslaufen der Milchquotenregelung – zweiter Bericht zur „sanften Landung“
/* COM/2012/0741 final */
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INHALTSVERZEICHNIS
Mandat…………………………………………………………………………………………3
Aufbau..………………………………………………………………………………………...3
1........... Entwicklung der Marktlage bei Milch und Milcherzeugnissen............................................ 3
1.1........ Bisherige Marktentwicklung............................................................................................ 3
1.1.1..... Milcherzeugung............................................................................................................... 3
1.1.2..... EU-Milchpreise ab Hof................................................................................................... 4
1.1.3..... Preise für Milcherzeugnisse, Lagerbestände und Ausfuhren.............................................. 4
1.1.4..... Geschätzte Gewinnspannen der Milchbetriebe in der EU.................................................. 5
1.2........ Mittelfristige Marktaussichten.......................................................................................... 5
2........... Allmähliches Auslaufen der Milchquotenregelung............................................................. 7
2.1........ Milcherzeugung im Vergleich zu den Quotenobergrenzen................................................. 7
2.2........ Entwicklung der Milchquotenpreise................................................................................. 7
3........... Abschließende Bemerkungen.......................................................................................... 8
ANHANG I. MILCHERZEUGUNG UND PREISENTWICKLUNGEN.................................. 10
ANHANG II. MITTELFRISTIGE AUSSICHTEN FÜR DEN MILCHSEKTOR...................... 12
ANHANG III. MILCHERZEUGUNG GEGENÜBER DER QUOTE........................................ 15
ANHANG IV. ENTWICKLUNG DER EU-MILCHQUOTENPREISE.................................... 16
BERICHT DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DEN RAT
Die Entwicklung der Marktlage und die sich daraus ergebenden Bedingungen für ein reibungsloses allmähliches Auslaufen der Milchquotenregelung – zweiter Bericht zur „sanften Landung“
Mandat
Gemäß Artikel 184 Absatz 6 der Verordnung (EG) Nr. 1234/2007 des Rates vom 22. Oktober 2007 über eine gemeinsame Organisation der Agrarmärkte und mit Sondervorschriften für bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse (Verordnung über die einheitliche GMO) berichtet die Kommission dem Europäischen Parlament und dem Rat vor dem 31. Dezember 2010 und vor dem 31. Dezember 2012 über die Entwicklung der Marktlage und die sich daraus ergebenden Bedingungen für ein reibungsloses allmähliches Auslaufen der Milchquotenregelung und unterbreitet gegebenenfalls geeignete Vorschläge. Der erste Bericht zur so genannten „sanften Landung“ wurde am 8. Dezember 2010 veröffentlicht (KOM(2010) 727 endg.), das vorliegende Dokument stellt den zweiten Bericht dieser Berichtsreihe dar.
Aufbau
Dieser Bericht ist in drei Teile gegliedert: Im ersten Teil wird die Entwicklung der Marktlage bei Kuhmilch ab Mitte 2010 (dem Enddatum des ersten Berichts zur „sanften Landung“) beschrieben und werden die mittelfristigen Aussichten umrissen, im zweiten Teil wird untersucht, wie das Auslaufen der Milchquotenregelung vollzogen wurde, und der dritte Teil enthält abschließende Bemerkungen.
1. Entwicklung der Marktlage bei Milch und Milcherzeugnissen
1.1. Bisherige Marktentwicklung
Bis Ende 2010 war der Milchmarkt durch Schwankungen – wenn auch nicht in dem im Zeitraum 2007-2009 beobachteten Umfang – gekennzeichnet. Im Jahr 2011 und im bisherigen Jahresverlauf 2012 schwächten sich die Schwankungen etwas ab. In den Jahren 2010 und 2011 schwankten die Preise auf hohem Niveau, was zu steigender Erzeugung und einer Preiskorrektur im ersten Halbjahr 2012 führte. Im dritten Quartal 2012 war erneut eine Aufwärtsentwicklung der Preise zu beobachten.
1.1.1 Milcherzeugung
Die Anlieferung von Kuhmilch ist in der EU in den vergangenen drei Jahren stetig gestiegen: + 1,4 % im Jahr 2010, + 2 % im Jahr 2011 und rund +1,5 % in den ersten sieben Monaten des Jahres 2012 gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Jahres 2011.
Auch die Milcherzeugung nahm in den wichtigsten Milchlieferregionen der Welt zu: Die kombinierte Erzeugung der USA, Neuseelands, Australiens und Argentiniens stieg im Zeitraum 2010-2011 um 5,3 %. Dieser Trend setzt sich 2012 fort, allerdings ist in den USA nach der Hitzewelle im Sommer eine gewisse Abschwächung festzustellen. Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Jahres 2011 stieg die Milcherzeugung in den ersten acht Monaten des Jahres 2012 in den USA um + 2,8 %, in Neuseeland (nur bis Juli) um + 11,4 %, in Australien um + 4,7 % und in Argentinien um + 5,9 % (siehe Schaubild 1 in Anhang I).
1.1.2. EU-Milchpreise ab Hof
Die durchschnittlichen Milchpreise ab Hof sind in der EU von April bis November 2010 stetig gestiegen. Sie verharrten bis April 2011 bei etwa 33 c/kg und stiegen im November 2011 im gewichteten Durchschnitt für EU-27 wieder auf 35,1 c/kg (siehe Schaubild 2 in Anhang I). Im Dezember 2011 sowie im Januar und Februar 2012 kam es zu saisonalen Berichtigungen in Höhe von – 2 %. Demgegenüber belief sich die saisonale Berichtigung Anfang 2010 auf – 3 % und Anfang 2011 auf – 1 %.
Im Jahr 2012 setzte sich jedoch die Abwärtsentwicklung bis zum Sommer fort und ging noch über den saisonalen Trend hinaus; zurückzuführen war diese Entwicklung auf den Druck infolge des größeren Milchangebots innerhalb und außerhalb der EU. Der neueste durchschnittliche EU-Milchpreis ab Hof wird für August 2012 auf 31,3 c/kg geschätzt und liegt damit 9,5 % unter dem Durchschnittspreis für Juli 2011, aber 1,2 % über dem Wert für Juli 2010 und 27 % über dem Tiefststand vom Mai 2009.
Die bei Erstellung dieses Berichts vorliegenden aktuellsten Spotmilchpreise und die Preise für Milcherzeugnisse deuteten auf eine Erholung in naher Zukunft hin, die später höhere Milchpreise ab Hof zur Folge haben dürften.
1.1.3. Preise für Milcherzeugnisse, Lagerbestände und Ausfuhren
Aufgrund einer spürbaren Erholung der Preise im Jahr 2010 und einem Großteil des Jahres 2011 sowie einer Reihe günstiger Marktentwicklungen sind im Zeitraum 2010-2012 keine Interventionskäufe erfolgt; die öffentlichen Lagerbestände für Butter und Magermilchpulver sind aufgebraucht. Die während der Krise 2009 in die öffentliche Lagerhaltung angekauften 76 000 t Butter und 257 000 t Magermilchpulver wurden wieder an den Markt abgegeben, teilweise mittels öffentlicher Ausschreibungen, teilweise im Rahmen des Programms für besonders bedürftige Menschen, ohne dass es dadurch zu Marktstörungen kam.
Der Preisanstieg bei Milcherzeugnissen im Jahr 2010 war auf eine steigende Nachfrage insbesondere in Schwellenländern sowie auf begrenzte Liefermöglichkeiten aus der südlichen Hemisphäre zurückzuführen. Die gleiche Situation dauerte auch in der ersten Jahreshälfte 2011 an. Ab Jahresmitte 2011 gerieten die Preise für Milcherzeugnisse allerdings durch das steigende Angebot an Milcherzeugnissen aus den wichtigsten weltweiten Lieferregionen unter Druck. Der Preisdruck hielt während der ersten Monate des Jahres 2012 an, bis die EU-Preise für Milcherzeugnisse Ende Mai bei rund 120 % des (virtuellen) Interventionspreises den Tiefststand erreichen. Im Juni setzte wieder ein Preisanstieg ein, wobei die Aufwärtsentwicklung bis zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts weiter anhielt, vor allem aufgrund des rückläufigen Angebots von Milch aus den USA infolge einer noch nie dagewesenen Hitzewelle und eines gleichzeitigen Rückgangs der Milcherzeugung in der EU, während sich die südliche Hemisphäre in ihrer – erzeugungsarmen – Wintersaison befand.
Die Ausfuhren aus der EU nahmen 2010 und 2011 bei allen wichtigen Milcherzeugnissen zu, ausgenommen Butter/Butterfett und Vollmilchpulver. Besonders dynamisch entwickelten sich die EU-Ausfuhren bei Magermilchpulver. Die guten Ausfuhrzahlen bestätigten sich auch 2012, wobei bisher eine spürbare Erholung der Butterausfuhren festzustellen ist, die kumulativ in den ersten sieben Monaten des Jahres 2012 das Niveau für 2011 übertrafen. Dies wurde ohne Ausfuhrerstattungen erreicht.
1.1.4. Geschätzte Gewinnspannen der Milchbetriebe in der EU
Nach INLB-Daten (Informationsnetz landwirtschaftlicher Buchführungen) wurden während eines Großteils des Jahres 2011 steigende Betriebskosten durch steigende Milchpreise ausgeglichen. Im 1. Quartal 2012 gingen die Gewinnspannen bei Milch in der EU infolge der rückläufigen Milchpreise ab Hof zurück, blieben aber immer noch über den Zahlen des ersten Quartals 2011.
Nach ersten Schätzungen für das zweite Quartal 2012 steigen die Kosten für den Kauf von Futtermitteln um 6 %, während die Gesamtbetriebskosten aufgrund deutlich sinkender Energiekosten (– 10 %) geringfügig zurückgingen (– 2 %). Der Index für die Bruttogewinnspanne fiel aufgrund eines Rückgangs der Milchpreise ab Hof um 8 % insgesamt um 17 %. Der Index für die Bruttogewinnspanne liegt jetzt 24 % unter dem Wert des 2. Quartals 2011, als der zweithöchste Wert seit 2007 (Bezugsjahr für EU-27) erreicht wurde.
Die Lage variiert von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat und sogar innerhalb der Mitgliedstaaten und ist von dem gewählten System der Milcherzeugungsbetriebe und vom Produktmix des Milchsektors abhängig.
1.2. Mittelfristige Marktentwicklung
Die Aussichten für die mittelfristige Marktentwicklung in der EU wurden mithilfe einer modifizierten Version des Aglink-Cosimo-Modells simuliert, wobei davon ausgegangen wird, dass infolge der Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Gesundheitscheck keine Änderungen für die GAP anstehen und dass sich auch die Handelspolitik nicht ändern wird. Dieser Ausblick soll keine Prognose für die künftige Marktentwicklung darstellen, sondern vielmehr beschreiben, was unter bestimmten Annahmen und Umständen, die zum Zeitpunkt der Erstellung der Marktvorausschätzungen als plausibel galten, eintreten würde. Zudem sind die in diesem Bericht dargestellten Ergebnisse der Prognosen als vorläufig zu betrachten und können von den endgültigen Werten abweichen, die im November 2012 veröffentlicht werden sollen.
Das internationale Markt- und Politikumfeld beruht auf der von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) herausgegebenen Prognose für die Agrarmärkte 2012-2021, die an neuere makroökonomische Vorausschätzungen zum September 2012 angepasst wurde. Die Aussichten für das Wachstum des BIP in der EU (ein geringfügiger Rückgang 2012, gefolgt von einer anschließenden wirtschaftlichen Erholung), die Annahme einer Abwertung des Euro während der ersten drei Jahre des Vorausschätzungszeitraums sowie einer anschließenden Aufwertung in den Jahren 2014 und 2015 sowie eine Aktualisierung der Vorausschätzung der FAO und der OECD für die Weltmarktpreise des Milchsektors, in der die Auswirkungen der Dürre im Jahr 2012 in den USA und einigen europäischen Ländern berücksichtigt werden, nehmen bei den Marktprognosen eine zentrale Rolle ein. Sollte eine dieser Vorausschätzungen bzw. Annahmen nicht eintreffen, würde dies die darauf basierenden Prognosen erheblich beeinflussen. Außerdem berücksichtigt das Aglink-Cosimo-Modell – wie andere mittel- bis langfristig angelegte Modelle – nicht die Möglichkeit größerer Preisschwankungen.
Auf der Grundlage dieser Prognosen erscheinen die mittelfristigen Aussichten für die Milchmärkte günstig. Eine anhaltende Expansion der weltweiten Nachfrage, die aus dem weltweiten Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum herrührt, in Verbindung mit zunehmender Präferenz für Milcherzeugnisse (auch als Folge eines steigenden Pro-Kopf-Verbrauchs) dürften hier als die wichtigsten Triebkräfte wirken. Eine anhaltende Einfuhrnachfrage, vor allem aus Schwellenländern, würde sich positiv auf die Preise von Milcherzeugnissen auswirken und somit auch das Exportpotenzial der EU günstig beeinflussen. Dennoch wird bei den meisten Milcherzeugnissen infolge eines stärkeren Anstiegs der Ausfuhren aus anderen Ländern ein leichter Rückgang der Marktanteile der EU erwartet.
Es wird erwartet, dass die Milcherzeugung in der EU ab 2012 weiterhin mit mäßigen Wachstumsraten steigt, allerdings hinter den potenziellen Zuwachsraten zurückbleibt, die sich aus dem Auslaufen der Milchquotenregelung ergeben (siehe Schaubilder 3 und 4 in Anhang II). Bei der Milcherzeugung in der EU wird von 2009 bis 2022 ein kumulativer Anstieg von etwa 8 % erwartet, während die an die Molkereien gelieferte Milchmenge um rund 10 % zunehmen dürfte. Im letzten Quotenjahr (2014-15) dürften die Milchlieferungen in der EU rund 6 % unter der Quote liegen. Vom Auslaufen der Milchquotenregelung werden nur begrenzte Auswirkungen auf die Milchlieferungen auf aggregierter EU-Ebene erwartet.
Die Vorausschätzungen für Käse und Frischmilcherzeugnisse ergeben ein recht positives Bild (siehe Schaubild 5 in Anhang II). Die Herstellung von Frischmilcherzeugnissen (einschließlich Trinkmilch, Sahne, Joghurt usw.) dürfte voraussichtlich um fast 8 % (von 2009 bis 2022) und die Erzeugung von Käse um fast 10 % steigen. Auch die Prognosen für die Nachfrage auf den Inlands- und Weltmärkten ergeben ein positives Bild, und trotz eines im zweiten Teil des Prognosezeitraums erstarkenden Euro dürfte die anhaltend hohe Nachfrage auf dem Weltmarkt eine zunehmende Steigerung der EU-Ausfuhren ermöglichen. Aufgrund dynamischerer Entwicklungen auf dem Weltmarkt wird die EU jedoch nach und nach Anteile am Weltmarkt verlieren, obwohl auf sie auch im Jahr 2022 nach wie vor rund 31 % der weltweiten Ausfuhren entfallen werden.
Die Erzeugung von Vollmilchpulver dürfte in der EU kurzfristig relativ stabil bleiben (siehe Schaubild 6 in Anhang II). Die mittelfristigen Ausfuhrprognosen werden von einem Anstieg des weltweiten Bedarfs, angeführt von China, gestützt. Der Anteil der EU an den weltweiten Ausfuhren dürfte bis 2020 allmählich auf 14 % zurückgehen (gegenüber 25 % im Jahr 2009).
Es wird erwartet, dass die Erzeugung von Magermilchpulver in der EU während des Betrachtungszeitraums um etwa 28 % steigt (siehe Schaubild 7 in Anhang II). Eine anhaltend starke weltweite Einfuhrnachfrage würde zu einem Marktgleichgewicht beitragen und günstige Ausfuhraussichten mit sich bringen. Der Weltmarktanteil der EU an den weltweiten Ausfuhren würde bis 2022 fast 31 % erreichen.
Die Prognosen deuten auf eine weiterhin stabile Marktlage für Butter hin, die sich aus positiven Marktbedingungen während des Prognosezeitraums bei Preisen auf relativ hohem Niveau und stabiler EU-Nachfrage ergibt (siehe Schaubild 8 in Anhang II).
2. Allmähliches Auslaufen der Milchquotenregelung
2.1. Milcherzeugung im Vergleich zu den Quotenobergrenzen
Nach dem Beschluss, die Milchquoten ab 1. April 2008 um 2 % anzuheben, führte der Gesundheitscheck vom November 2008 dazu, dass die Milchquoten jährlich und erstmals am 1. April 2009 um 1 % über fünf aufeinanderfolgende Jahre angehoben wurden und dass der Korrekturfaktor für den Fettgehalt, der einen weiteren De-facto-Anstieg der Quoten um 1 % zur Folge hatte, angepasst wurde. Es bleibt noch ein jährlicher Anstieg um 1 % (am 1. April 2013), bis die Quotenregelung zum 1. April 2015 ausläuft.[1]
Mit jedem Jahr treten die Milchquoten mehr und mehr in den Hintergrund, da die tatsächliche Milcherzeugung in einer Mehrzahl der Mitgliedstaaten hinter diesen Obergrenzen zurückbleibt. Im Quotenjahr 2010-2011 überschritten nur fünf Mitgliedstaaten ihre Milchquote, während die Erzeugung in der EU mit insgesamt 6 % unter der Quote lag. Nach Angaben der Mitgliedstaaten dürften die Milchlieferungen in der EU am Ende des Quotenjahres 2011-2012 ungefähr 4,7 % unter der Quote liegen und die nationalen Quoten nur in sechs Mitgliedstaaten überschritten werden (siehe Anhang III). Die Zahl der Mitgliedstaaten, die ihre Quote überschreiten, ist weiterhin begrenzt und die betreffende Überschusserzeugung macht weniger als 0,2 % der gesamten gelieferten oder durch Direktverkäufe vermarkteten Milch aus.
Nach einem leichten Rückgang der Milchlieferungen im Jahr 2009 führten günstige Milchpreise ab Hof sowie gute Witterungsbedingungen sowohl 2010 als auch 2011 zu einem Anstieg der Erzeugung. Als die steigende Erzeugung – nicht nur in der EU, sondern in sämtlichen Milchlieferregionen der Welt – zu Druck auf die Milchpreise ab Hof führte, reagierten die Milcherzeuger durch eine Verlangsamung der Erzeugung in den Folgemonaten. Anhand dieser Entwicklungen wird deutlich, dass die Reaktion der Erzeuger sich allmählich entsprechend den Marktsignalen herausbildet, aber auch, dass Witterungsbedingungen ein wichtiger Faktor auf dem Milchmarkt sind.
Mit abnehmender Bedeutung der Milchquoten kann das Milchangebot in der EU besser auf Marktchancen reagieren, ist die Reaktion der Landwirte auf Preissignale weniger verzerrt und kann die Effizienz durch Umstrukturierungen verbessert werden.
2.2. Entwicklung der Milchquotenpreise
Mit zunehmender Laufzeit der Quotenregelung sollte der Milchquotenpreis sinken; in den meisten Mitgliedstaaten – in denen der Quotenpreis sehr niedrig ist oder sich Null annähert – ist dies auch der Fall (siehe Anhang IV).
In Mitgliedstaaten, deren Milchlieferungen deutlich unter der Quote liegen, ist der Quotenpreis bereits sehr niedrig oder gleich Null, so dass vor dem Auslaufen der Quotenregelung keine grundlegenden Änderungen zu erwarten sind.
In Mitgliedstaaten, deren Milchlieferungen nahe der Quote liegen, sowie in den wenigen Mitgliedstaaten, deren Milchlieferungen die Quotenobergrenze überschreiten, ist der Quotenpreis allerdings von der in Aussicht gestellten Überschussabgabe abhängig. In Zukunft werden Quotenankäufe voraussichtlich weiter in Richtung Null zurückgehen, wobei Schwankungen infolge einer gelegentlichen Überschusserzeugung aufgrund günstiger Witterungsbedingungen und lohnender Milchpreise zu erwarten sind.
3. Abschliessende Bemerkungen
Mittel- und langfristig sind die Aussichten für den Milchsektor aufgrund des Bevölkerungswachstums und dem in Schwellenländern aufkommenden Interesses an westlich geprägter Ernährungsweise günstig. Kurzfristige Marktschwankungen lassen sich dadurch jedoch nicht verhindern. Die Preisentwicklungen seit der Veröffentlichung des ersten Berichts zur „sanften Landung“ zeigen eine Tendenz zu höheren Preisen mit gewissen Auf- und Abwärtsbewegungen entlang der Kurve. Innerhalb dieser Auf- und Abwärtsbewegungen können die derzeitigen Schwierigkeiten, vor denen Milchlandwirte in bestimmten Gegenden stehen, die vom Anstieg der Futtermittelpreise schwerer betroffen sind, das insgesamt positive Bild dieses Sektors allerdings nicht überdecken.
Langfristig ist das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage von einer großen Anzahl unterschiedlicher Faktoren abhängig – von wirtschaftlichen Parametern bis zu politischen Entscheidungen. In dieser Hinsicht bietet das so genannte Milchpaket[2], das seit dem 3. Oktober 2012 in vollem Umfang anwendbar ist, den Akteuren in der Milchlieferkette Instrumentarien, um ihre Lieferungen auf den Markt abzustimmen.
Sowohl die Entwicklung der Milcherzeugung im Verhältnis zu den Milchquoten als auch die rückläufige Tendenz der Quotenpreise weisen darauf hin, dass die Vorbereitung auf die „sanfte Landung“ funktioniert. In der überwiegenden Mehrzahl der Mitgliedstaaten spielen die Quoten bei der Begrenzung der Erzeugung keine Rolle mehr und der Quotenpreis hat bereits Null erreicht oder nähert sich diesem Wert an.
Angesichts dieser Sachlage vertritt die Kommission die Auffassung, dass keine Änderungen am bestehenden Rahmen erforderlich sind, der den Milcherzeugern bereits seit 2008 Sicherheit bietet und seine Wirkung dadurch unter Beweis stellt, dass er ein reibungsloses Auslaufenlassen der Regelung hin zu Rahmenbedingungen ohne Quote gewährleistet.
Abgesehen vom Konzept der „sanften Landung“ werden Bedenken im Hinblick auf ländliche Regionen geäußert, in denen die Milcherzeugung eine zentrale Rolle spielt, insbesondere im Zusammenhang mit dem Auslaufen der Milchquotenregelung. In dieser Hinsicht bietet die Aufnahme des Milchsektors in die so genannten „neuen Herausforderungen“ des zweiten Pfeilers der GAP zusätzliche Unterstützungsmöglichkeiten für Landwirte, um sie auf das Ende der Quotenregelung vorzubereiten.
Die Vorschläge für die Reform der GAP enthalten Instrumente, durch die mögliche Auswirkungen abgemildert werden könnten. Außerdem hat die Kommission eine offene Aufforderung zur Einreichung von Angeboten veröffentlicht, deren Gegenstand die Analyse künftiger Entwicklungen im Milchsektor ab dem Jahr 2015 durch unabhängige Sachverständige ist, und wird dem Europäischen Parlament und dem Rat bis 30. Juni 2014 einen Bericht über die konkrete Funktionsweise der Bestimmungen des Milchpakets[3] vorlegen, wobei insbesondere die Auswirkungen auf Milcherzeuger und die Milcherzeugung in benachteiligten Regionen in Verbindung mit dem grundsätzlichen Ziel der Aufrechterhaltung der Erzeugung in diesen Regionen beurteilt und potenzielle Anreize behandelt werden, durch die Landwirte zum Abschluss gemeinsamer Erzeugungsvereinbarungen bewegt werden können.
Anhänge: I. Entwicklung der Milchpreise
II. Mittelfristige Prognosen für den Milchsektor
III. Milcherzeugung gegenüber der Quote
IV. Entwicklung des Milchquotenpreises
ANHANG I. MILCHERZEUGUNG UND PREISENTWICKLUNGEN
Schaubild 1 Entwicklung der Milchlieferungen
Schaubild 2 Entwicklungen der Milchpreise
ANHANG II. MITTELFRISTIGE AUSSICHTEN FÜR DEN MILCHSEKTOR
Schaubild 3 Angebot an Kuhmilch und Entwicklung des Milchviehbestands, 2000-2022
Schaubild 4 Milchlieferungen und Ausschöpfung der Milchquote für Kuhmilch
Schaubild 5 Entwicklungen auf dem Käsemarkt, 2000-2022
Schaubild 6 Entwicklungen auf dem Markt für Vollmilchpulver (VMP), 2000-2022
Schaubild 7 Entwicklungen auf dem Markt für Magermilchpulver (MMP), 2000-2022
Schaubild 8 Entwicklungen auf dem Buttermarkt, 2000-2022
ANHANG III. MILCHERZEUGUNG GEGENÜBER DER QUOTE
ANHANG IV. ENTWICKLUNG DER EU-MILCHQUOTENPREISE
[1] Mit Ausnahme Italiens, wo die kumulative Erhöhung um 5 % bereits zum 1. April 2009 vorgezogen wurde.
[2] Verordnung (EU) Nr. 261/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. März 2012 zur Änderung der Verordnung Nr. 1234/2007 des Rates im Hinblick auf Vertragsbeziehungen im Sektor Milch und Milcherzeugnisse.
[3] Siehe Artikel 184 Ziffer 9 der Verordnung (EU) Nr. 1234/2007 über die GMO, der durch die so genannte Milchpaketverordnung (EU) Nr. 261/2012 neu aufgenommen wurde.
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