52010DC0727


Titel und Fundstelle

BERICHT DER EUROPÄISCHEN KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DEN RAT Die Entwicklung der Marktlage und die sich daraus ergebenden Bedingungen für ein reibungsloses allmähliches Auslaufen der Milchquotenregelung

/* KOM/2010/0727 endg. */

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[pic] | EUROPÄISCHE KOMMISSION |

Brüssel, den 8.12.2010

KOM(2010) 727 endgültig

BERICHT DER EUROPÄISCHEN KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DEN RAT

Die Entwicklung der Marktlage und die sich daraus ergebenden Bedingungen für ein reibungsloses allmähliches Auslaufen der Milchquotenregelung

INHALTSVERZEICHNIS

BERICHT DER EUROPÄISCHEN KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DEN RAT Die Entwicklung der Marktlage und die sich daraus ergebenden Bedingungen für ein reibungsloses allmähliches Auslaufen der Milchquotenregelung 1

BERICHT DER EUROPÄISCHEN KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DEN RAT Die Entwicklung der Marktlage und die sich daraus ergebenden Bedingungen für ein reibungsloses allmähliches Auslaufen der Milchquotenregelung 3

Mandat 3

Einleitung 3

1. Entwicklung der Marktlage bei Milch und mittelfristige Aussichten 3

1.1. Bisherige Marktentwicklung 3

2. Entwicklung in Bezug auf das reibungslose allmähliche Auslaufen der Milchquotenregelung 5

2.1. Milcherzeugung unter der Quote 5

2.2. Sinkende Milchquotenpreise 6

2.3. Voraussichtliche Entwicklung und Sensibilitätsanalyse 7

2.4. Mitgliedstaaten gut vorbereitet auf „sanfte Landung" 8

3. Abschließende Bemerkungen 8

BERICHT DER EUROPÄISCHEN KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DEN RAT

Die Entwicklung der Marktlage und die sich daraus ergebenden Bedingungen für ein reibungsloses allmähliches Auslaufen der Milchquotenregelung

MANDAT

Gemäß Artikel 184 Absatz 6 der Verordnung (EG) Nr. 1234/2007 des Rates vom 22. Oktober 2007 über eine gemeinsame Organisation der Agrarmärkte und mit Sondervorschriften für bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse (Verordnung über die einheitliche GMO) berichtet die Kommission dem Europäischen Parlament und dem Rat vor dem 31. Dezember 2010 und vor dem 31. Dezember 2012 über die Entwicklung der Marktlage und die sich daraus ergebenden Bedingungen für ein reibungsloses allmähliches Auslaufen der Milchquotenregelung, gegebenenfalls zusammen mit entsprechenden Vorschlägen. Der vorliegende Bericht ist der erste dieser beiden Berichte.

Einleitung

Der Bericht ist in zwei Teile gegliedert: im ersten Teil wird die Entwicklung der Marktlage bei Kuhmilch vom Jahr 2008, dem Jahr, in dem der Gesundheitscheck beschlossen wurde, bis Mitte 2010 beschrieben und es werden mittelfristige Aussichten dargelegt. Im zweiten Teil wird das Auslaufen der Milchquotenregelung geprüft.

1. ENTWICKLUNG DER MARKTLAGE BEI MILCH UND MITTELFRISTIGE AUSSICHTEN

Nach einem beträchtlichen Rückgang sowohl der Preise als auch der Erzeugereinkommen 2008-09, der auf den Preisanstieg von 2007 folgte, hat sich die Lage auf dem Milchmarkt im zweiten Halbjahr 2009 erholt und im ersten Halbjahr 2010 ständig verbessert.

1.1. Bisherige Marktentwicklung

In den letzten drei Jahren waren die Kuhmilchlieferungen innerhalb der EU-27 relativ stabil, so dass die Prozentsätze von Jahr zu Jahr nur gering abwichen (2008 + 1 %, 2009 – 0,6 %, in den ersten sieben Monaten 2010 + 0,03 %).

Die Entwicklung der Milchpreise ist in Anhang I wiedergegeben. Seit den außergewöhnlichen Spitzenwerten von 2007 sind die Preise ab Hof infolge des Preisrückgangs bei Milchprodukten gefallen. Nachdem sich die Preise von Juli bis September 2008 leicht erholt hatten, sind sie im Mai 2009 stark gesunken und lagen somit durchschnittlich nur leicht über dem Niveau des Sicherheitsnetzes. Von Mai 2009 bis November 2009 sind die Milchpreise gestiegen und haben sich - entgegen dem saisonalen Entwicklungsmuster, nach dem die Preise in den Winter- und Frühlingsmonaten tendenziell fallen - im ersten Quartal in dieser Höhe stabilisiert. Seit Frühling 2010 sind die Milchpreise kontinuierlich gestiegen, sodass der gewogene Durchschnitt der EU-27 im August bei 31,5 Cent/kg lag. Eine Übersicht über die größten Preisschwankungen zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten ist Anhang 2 zu entnehmen, in dem die Milchpreise der verschiedenen Mitgliedstaaten von August 2010 mit denen von August 2009 verglichen werden.

Die Interventionsbestände an Butter und Magermilchpulver (MMP) waren 2008 aufgebraucht, private bzw. Unternehmensbestände an MMP und Butter sind 2007-2008 allerdings kontinuierlich gewachsen, was darauf hinweist, dass trotz optimistischer Stimmung auf den Märkten eine zunehmende Menge loser Erzeugnisse der EU nicht in den Verkehr gebracht werden konnte. Infolge einer rückläufigen Nachfrage nach Milcherzeugnissen sind die Interventionsbestände 2009 rasch angewachsen. Die Verschlechterung der Marktlage 2009 hat viele Molkereien dazu veranlasst, sich von Milcherzeugnissen mit hoher Wertschöpfung (wie z.B. Käse, Frischmilcherzeugnisse, Joghurt usw.) abzuwenden und Interventionserzeugnissen (MMP und Butter) zuzuwenden. 2009 wurden insgesamt 76 376 Tonnen Butter und 256 982 Tonnen MMP zur Intervention angekauft. Durch die Rücknahme von Erzeugnissen, die 1 oder 2 % der Gesamtmilchproduktion ausmachen, bewies sich das Sicherheitsnetz als wirksames Instrument zur Wiederherstellung des Marktgleichgewichts. Dank einer deutlichen Erholung der Butterpreise Ende 2009 und im bisherigen Verlauf des Jahres 2010 und dank einer günstigen Marktentwicklung bei Milcherzeugnissen im Allgemeinen waren 2010 keine Interventionskäufe nötig. Die Interventionsbestände an Butter sind jetzt nahezu aufgebraucht, und dank der Abgabe von Beständen im Rahmen des Programms für besonders bedürftige Menschen und durch den Verkauf mittels öffentlicher Ausschreibungen werden auch die Interventionsbestände an MMP schrittweise reduziert. Der Preisanstieg bei Milcherzeugnissen war vor allem auf geringere Lieferungen von der Südhalbkugel und einen unerwartet starken Anstieg der Nachfrage nach Milcherzeugnissen auf dem Weltmarkt zurückzuführen. Eine verbesserte Marktlage hat dazu geführt, dass Molkereien die Erzeugung von Milchprodukten mit hoher Mehrschätzung wieder aufnehmen.

Die durchschnittlichen Preise für Hauptmilcherzeugnisse der EU haben seit 2008 stark geschwankt. Während die Preise Anfang 2008 noch sehr hoch waren, sind sie im ersten Halbjahr 2009 stark gefallen und konnten sich schließlich im zweiten Halbjahr 2009 und in den ersten drei Quartalen 2010 kontinuierlich erholen.

Mit der Ausnahme von Vollmilchpulver (VMP) gingen die Ausfuhren von EU-Milcherzeugnissen 2008 zurück, vor allem bei Butter und Butterfett. Mit der Einführung von Ausfuhrerstattungen zur teilweisen Deckung der zunehmenden Preislücke zwischen Weltmarkt- und EU-Preisen konnte diese Tendenz 2009 gestoppt werden. In den ersten Monaten des Jahres 2010 konnten sich die EU-Ausfuhren dank erhöhter weltweiter Nachfrage auch ohne Ausfuhrerstattungen erholen.

1.2. Mittelfristige Marktentwicklung

Die Aussichten für die mittelfristige Marktentwicklung der EU wurden anhand des Aglink-Cosimo-Modells simuliert. Das internationale Markt- und Politikumfeld beruht auf der von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) herausgegebenen Prognose für die Agrarmärkte 2010-2019; es wendet die neuesten verfügbaren makroökonomischen Prognosen an und geht davon aus, dass infolge der Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Gesundheitscheck keine Änderungen für die GAP anstehen, und dass sich auch die Handelspolitik nicht ändern wird. Die verbesserten Aussichten für das Wachstum des BIP, die Annahme einer allmählichen Festigung des Euro gegenüber dem US-Dollar und die Vorausschätzung der FAO und der OECD über die Weltmarktpreise[1] des Milchsektors nehmen bei den Marktprognosen eine zentrale Rolle ein. Sollte eine dieser Vorausschätzungen bzw. Annahmen nicht eintreffen, würde dies die darauf gestützten Prognosen erheblich beeinflussen. Außerdem berücksichtigt das Aglink-Cosimo-Modell nicht die Möglichkeit größerer Preisschwankungen.

Diesem Modell und den oben genannten Annahmen zufolge wird die Milcherzeugung ab 2011 dank einer recht optimistischen und auf verbesserten makroökonomischen Aussichten beruhenden Nachfrageprognose wieder steigen. Prognosen zufolge würde in der EU-27 im Jahr 2010 etwa 3% mehr Milch erzeugt als 2009. Die Milchlieferungen sollen aufgrund einer schrittweisen Abnahme des eigenbetrieblichen Verbrauchs in der EU-12 etwas stärker ansteigen. Im Rahmen der Quotenabschaffung wird erwartet, dass der Milcherzeugungssektor der EU-27 keine starke Reaktion auf das Ende der Quotenregelung für EU-Lieferungen zeigt (siehe Schaubild 2 des Anhangs 3).

Aufgrund steigender Nachfrage nach Käse und Frischmilcherzeugnissen sind die Prognosen für Milcherzeugnisse mit hoher Wertschöpfung günstig. Es wird erwartet, dass die Erzeugung von Frischmilcherzeugnissen (einschließlich Konsummilch, Sahne, Joghurt usw.) (von 2009 bis 2020) um etwa 8 % und die von Käseproduktion um etwa 10 % ansteigt. Obwohl von einer allmählichen Festigung des Euro ausgegangen wird, sind die Aussichten für die Käseausfuhren als günstig einzuschätzen, wobei die EU ihren stabilen Marktanteil von über 30 % an der weltweiten Käseausfuhr behaupten kann.

Die VMP-Erzeugung wird voraussichtlich nur leicht unter den Wert von 2009 fallen und die EU-Ausfuhren von VMP dürften im Zuge einer starken weltweiten Nachfrage mittelfristig stabil bleiben. Trotzdem würde der EU-Marktanteil an weltweiten VMP-Ausfuhren bis 2020 schrittweise auf 21 % fallen (von 24 % im Jahr 2009).

Den Prognosen zufolge wird bei stabiler Inlandsnachfrage auch der Buttermarkt stabil bleiben. Die für 2015 (dem Jahr der Quotenabschaffung) prognostizierte erhöhte Buttererzeugung würde zu einer Zunahme von EU-Ausfuhren von Butter führen.

Wegen der angenommenen allmählichen Festigung des Euro und eines starken Angebots von Seiten anderer Ausführer sind die Aussichten für MMP-Ausfuhren weniger günstig. Trotz der relativ günstigen Prognose und der offensichtlichen Markstabilität bei MMP bleiben die unmittelbaren Aussichten empfindlich gegenüber den weltweiten Entwicklungen von Angebot und Nachfrage und der Fähigkeit der EU, Interventionsbestände aufzunehmen.

Die entsprechenden Schaubilder sind in Anhang 3 enthalten.

2. Entwicklung in Bezug auf das reibungslose allmähliche Auslaufen der Milchquotenregelung

2.1. Milcherzeugung unter der Quote

Der Rat beschloss am 1. April 2008, die Milchquoten um 2 % anzuheben. Die Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Gesundheitscheck vom November 2008 haben dazu geführt, dass die Milchquoten seit 1. April 2009 über einen Zeitraum von fünf aufeinanderfolgenden Jahren jährlich um 1 % angehoben wurden und dass der Korrekturfaktor für den Fettgehalt angepasst wurde, sodass die Quoten faktisch um einen weiteren Prozentpunkt angehoben wurden. Bis zum Auslaufen des Quotensystems am 1. April 2015 wird die Quote noch drei mal um 1 % erhöht (mit der Ausnahme von Italien, wo beschlossen wurde, die Anhebung um 5 % bereits zum 1. April 2009 vorzuziehen).

Mit jedem Jahr treten die Milchquoten mehr und mehr in den Hintergrund, weil eine zunehmende Zahl von Mitgliedstaaten die Milcherzeugungsquote unterschreitet. Während im Quotenjahr 2008/09 sechs Mitgliedstaaten eine Überschussabgabe leisten mussten, sind im Quotenjahr 2009/10 nur drei Mitgliedstaaten auf dem Weg in diese Richtung. Nach den offiziellen Angaben von Mitgliedstaaten unterschritten die EU-Milchlieferungen am Ende des Quotenjahres 2009/10 die Quote schätzungsweise um 7 % (siehe Schaubild in Anhang 4).

Obwohl für das Quotenjahr 2008/09 eine Anhebung um 2 % beschlossen wurde und den Erzeugern ein relativ günstiger Preis gezahlt wurde, ist die EU-Milchproduktion 2008 nur wenig gewachsen. Die Wirtschaftskrise hatte einen negativen Einfluss auf die Nachfrage nach Milcherzeugnissen mit hoher Wertschöpfung innerhalb der EU und auf dem Weltmarkt, wodurch die Preise von Milcherzeugnissen unter Druck gesetzt wurden und Erzeugerpreise 2009 stark zurückgingen. Diese niedrigen Milchpreise trugen zu einem leichten Rückgang der Milcherzeugung in der EU 2009 und Anfang 2010 bei. Als Folge daraus sanken die EU-Lieferungen im Verhältnis zu der Quote am Ende des Quotenjahres 2008/09 auf Rekordtiefe. Diese Unterschreitung war im Quotenjahr 2009/10 sogar noch deutlicher. Im Laufe des Jahres 2010 ist die EU-Milcherzeugung zwar gewachsen, sie blieb aber weit unter der Quote.

Die langsame Reaktion auf die Quotenerhöhung steht in Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise, die die Nachfrage nach Milcherzeugnissen schwächte und gleichzeitig höhere Erzeugungskosten und somit eine geringere Gewinnspanne mit sich brachte. Die Erfahrung, die aus den Auswirkungen der Quotenerhöhung von 2008/09 gewonnen wurde, weist darauf hin, dass der Milcherzeugungssektors in der EU insgesamt trotz eines erheblich höheren durchschnittlichen Erzeugerpreises recht langsam reagiert hat. Nach jüngsten Angaben, die bis Juli 2010 vorliegen, hat die Erzeugung stärker auf die gestiegenen Milchpreise reagiert.

Mit abnehmender Bedeutung der Milchquoten kann das Milchangebot besser auf Marktchancen reagieren, die Reaktion der Landwirte auf Preissignale ist weniger verzerrt und durch Umstrukturierungen kann die Effizienz verbessert werden.

In den Mitgliedstaaten, in denen die Quote weiterhin überschritten wird, ist dies wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass bestimmte Erzeuger eine genügend hohe Gewinnspanne haben, um eine Überschreitung der Lieferungen zu riskieren und deshalb ihre Erzeugungskapazität voll auslasten, in der Hoffnung, dass andere Erzeuger ihre eigene Erzeugungskapazität teilweise ungenutzt lassen. Aus der Sicht der Landwirte ist die Produktionssteigerung auch bei niedrigeren Preisen notwendig, um ihre Investitionskosten zu decken, solange die Preise die Grenzkosten decken. Für einige Mitgliedstaaten, deren milchverarbeitendes Gewerbe ausfuhrorientiert ist, spielt es auch eine Rolle, dass ihr Produktmix es erlaubt, für Ausfuhrmärkte zu erzeugen und einen Absatzmarkt für ihre Erzeugnisse zu finden.

2.2. Sinkende Milchquotenpreise

Eines der wichtigsten Anzeichen dafür, dass die Vorbereitungen auf eine „sanfte Landung“ planmäßig verlaufen, ist die allmähliche Erosion der „gepachteten Quote“. Die „gepachtete Quote“ ist definiert als Differenz zwischen dem Preis im Rahmen der Quotenregelung und (der bei verbindlichen Quoten höher als der Marktpreis ist) und den Produktionsgrenzkosten. Der Quotenpreis ist ein guter Indikator für die gepachtete Quote. Wie in Anhang 5 ausführlich beschrieben wird, geht mit der auslaufenden Milchquotenregelung der Milchquotenpreis zurück und ist in den allermeisten Mitgliedstaaten bereits tief oder nahe bei Null. Die Situation kann von drei Blickpunkten aus betrachtet werden:

1) Mitgliedstaaten mit deutlich unter der Quote liegenden Milchlieferungen

In jenen Mitgliedstaaten, in denen die Milchlieferungen deutlich unter der Quote liegen, ist der Quotenpreis bereits sehr niedrig oder sogar gleich Null. In einigen von ihnen gibt es nationale Verwaltungsverfahren zur Festlegung eines jährlich abnehmenden Quotenpreises, der 2015 Null erreichen soll.

Unter der Voraussetzung, dass das Produktionsvolumen den jüngsten Trends folgt, wird in jenen Mitgliedstaaten, in denen der Quotenpreis verwaltungstechnisch nicht festgelegt ist und bereits sehr niedrig oder gleich Null ist, der Quotenpreis voraussichtlich nicht stark von den aktuellen Werten abweichen. In Mitgliedstaaten mit einem Markt für Quoten gibt es immer noch einen Milchquotenpreis, obwohl keine Überschussabgaben gezahlt werden. Mit dem Näherrücken des Jahres 2015 würden alle Quoten ihren Wert vollständig verlieren, weil ihre Bedeutung für den Markt sinkt und ihre Laufzeit abnimmt.

2) Mitgliedstaaten mit nahe an der Quote liegenden Milchlieferungen

In jenen Mitgliedstaaten, in denen die Milchlieferungen nahe an der Quote liegen, wird der Quotenpreis von den voraussichtlichen oder erwarteten Überschussabgaben beeinflusst. Werden die nationalen Milchquoten nicht ausgeschöpft, sinken die Quotenpreise. Voraussichtlich werden die Ankäufe von Quoten in Zukunft weiter in Richtung Null abfallen, wobei Schwankungen durch Überschusserzeugung und Milchpreise hervorgerufen werden können.

3) Mitgliedstaaten mit Quotenüberschreitungen

In den wenigen Mitgliedstaaten, in denen die Milchlieferungen die Quote übersteigen, sind die Quotenpreise weiterhin relativ hoch und vor Kurzem angestiegen. In diesen Mitgliedstaaten scheinen Erzeuger entweder ausreichend wettbewerbsfähig zu sein oder sie sind dazu gezwungen, ihre Kapazität voll auszuschöpfen, um die Erzeugung aufrecht zu erhalten, sodass sie letztendlich Überschussabgaben zahlen. In diesen Mitgliedstaaten kann eine sanfte Landung nicht gewährleistet werden.

2.3. Voraussichtliche Entwicklung und Sensibilitätsanalyse

Die Entwicklung der Milcherzeugung nach der Quotenabschaffung wird von verschiedenen Faktoren abhängig sein: der Gestalt der GAP nach 2013 (Marktstützungsmaßnahmen, Direktzahlungen, Entwicklung des ländlichen Raums), den Erzeugungskosten, den Verpflichtungen gegenüber der Umwelt, Alternativen in Bezug auf Arbeitsplätze und Erzeugung, der Entwicklung der nationalen und internationalen Milchmärkte sowie der Entwicklung der Milchpreise.

Laut dem ökonometrischen Modell der GD AGRI zur Aufstellung von mittel- und langfristigen Prognosen wird die Milcherzeugung auch nach der Quotenabschaffung in den nächsten Jahren voraussichtlich nur wenig zunehmen (siehe Ziffer 1.2 oben). Einigen nationalen Studien zufolge könnte die Milcherzeugung potenziell erheblich steigen; die meisten Studien berücksichtigen dabei jedoch nicht das Gesamtbild der EU-27. Mit Hilfe des Preismechanismus sollte es möglich sein, strukturelle Überschüsse zu vermeiden. Mehrere Studien[2] im Rahmen des Gesundheitschecks haben gezeigt, dass aus verschiedenen Gründen voraussichtlich nur wenige Mitgliedstaaten die steigenden Milchquoten voll ausschöpfen werden, während die meisten Mitgliedstaaten auf Grund des zu erwartenden allgemeinen Rückgangs der Milchpreise wohl weniger erzeugen werden.

2.4. Mitgliedstaaten gut vorbereitet auf „sanfte Landung"

Die Entwicklung der Milcherzeugung gegenüber den Milchquoten und der Rückgang der Quotenpreise weisen darauf hin, dass die Vorbereitungen zur „sanften Landung“ planmäßig verlaufen. In den allermeisten Mitgliedstaaten sind Quoten nicht mehr notwendig, um die Erzeugung einzuschränken und der Quotenpreis liegt bereits bei Null oder nur wenig darüber.

Als Teil des Gesundheitschecks und im Rahmen der Quotenabschaffung wurde der Milchsektor zu den so genannten „neuen Herausforderungen“ des zweiten Pfeilers der GAP hinzugefügt, in welchem zusätzliche Modulationsmittel zur Bewältigung dieser neuen Herausforderungen vorgesehen sind. Dies stellt eine weitere Unterstützungsmaßnahme zur Vorbereitung der Landwirte auf das Ende der Quotenregelung dar.

3. Abschließende Bemerkungen

Von 2007 bis 2009 erlebte der Milchsektor eine Zeit der hohen Preisvolatilität. Seitdem hat sich die Marktlage verbessert und die Aussichten sind im Großen und Ganzen positiv.

Das Gesamtbild weist auf eine schrittweise Verstärkung der Marktorientierung des Milchsektors hin. Der Vorgang wurde 2008 und 2009 von der Wirtschaftskrise beeinflusst. Die Volatilität, eine durchaus normale Erscheinung eines marktorientierten Sektors, nahm zu und hatte aufgrund des Zusammentreffens exogener Faktoren, zu denen der rückläufige Privatverbrauch aufgrund mangelnder Kaufkraft infolge der Wirtschaftskrise gehört, negative Auswirkungen.

Die große Mehrheit der Mitgliedstaaten ist gut auf die „sanfte Landung“ vorbereitet. Die Milchquotenpreise sind sehr niedrig, betragen in einigen Mitgliedstaaten bereits Null und sind in den meisten anderen Mitgliedstaaten rückläufig, mit dem Ziel, 2015 Null zu erreichen. In den meisten – und vor allem in den neuen - Mitgliedstaaten fungieren die Milchquoten nicht mehr als Mittel zur Einschränkung der Erzeugung, und einige Mitgliedstaaten folgen bereits dem Prinzip der Marktorientierung.

Abschließend kann also festgestellt werden, dass unter diesen Umständen kein Grund dazu besteht, die Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Gesundheitscheck in Bezug auf die schrittweise Anhebung der Quoten und das Ende der Quotenregelung zum 1. April 2015 erneut zu prüfen.

Als weitere Vorbereitung auf die Quotenabschaffung 2015 schlägt die Kommission einen zusätzlichen Schritt zur Unterstützung der sanften Landung vor: um die Marktteilnehmer der Milchversorgungskette zu sensibilisieren und ihr Verantwortungsbewusstsein dafür zu stärken, dass sie besser auf Marktsignale reagieren und somit das Angebot besser an die Nachfrage anpassen können, sollte die Transparenz vergrößert werden, wie von der hochrangigen Sachverständigengruppe „Milch" vorgeschlagen wurde. Zusätzlich zu den bereits bestehenden Informationssystemen sollten gemeinsame Sitzungen der Sachverständigen des Verwaltungsausschusses für die einheitliche GMO zusammen mit der Beratungsgruppe „Milch“ organisiert werden, um die Marktentwicklungen zu verfolgen und die Marktlage und deren Aussichten zu prüfen.

Im Falle eines schwerwiegenden Ungleichgewichts könnte die Kommission als zusätzliches Instrument zur Stabilisierung des Marktes und als Sondermaßnahme (falls andere Maßnahmen unter der einheitlichen GMO unzureichend sind) ein auf Artikel 186 der einheitlichen GMO („Störungsklausel“) beruhendes System in Betracht ziehen, wonach Milcherzeuger ihre Lieferungen gegen einen Ausgleich freiwillig einschränken dürften. Die Erfahrungen aus der Milchkrise zeigen, dass es ausreicht, 1 oder 2 % der Gesamtmilcherzeugung vom Markt zu nehmen, um Ungleichgewichte zu korrigieren und Stabilität wieder herzustellen, wie unter Ziffer 1.1[3] erläutert wurde.

Ein weiterer Bericht wird Ende 2012 vorgelegt.

Anhänge: I. Entwicklung der Milchpreise

II. Preise ab Hof in den verschiedenen Mitgliedstaaten

III. Mittelfristige Aussichten im Milchsektor

IV. Milcherzeugung gegenüber der Quote

V. Entwicklung des EU-Milchquotenpreises

ANHANG I: 1. Entwicklung der Milchpreise

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ANHANG II: Preise ab Hof in den verschiedenen Mitgliedstaaten

August 2010 / August 2009

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ANHANG III: Mittelfristige Aussichten im Milchsektor

Schaubild 1: Milchangebot und Bestandsgröße

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Schaubild 2: Voraussichtliche Entwicklung des Milchangebots gegenüber der Quote

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Schaubild 3: Gleichgewicht des Käsemarktes[pic]

Schaubild 4: Gleichgewicht des Buttermarktes

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Schaubild 5: Gleichgewicht des MMP-Marktes

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Schaubild 6: Prognosen des Weltmarktpreises

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ANHANG IV: Milcherzeugung gegenüber der Quote

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ANHANG V: Entwicklung des EU-Milchquotenpreises

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[1] In der von der FAO und OECD herausgegebenen Prognose für Agrarmärkte 2010-2019 sind die Weltmarktpreise auf Ozeanien-Preisnotierungen bezogen.

[2] Economic analysis of the effects of the expiry of the EU milk quota system (Wirtschaftliche Untersuchung der Auswirkungen des Ablaufens der EU-Milchquotenregelung)

(http://ec.europa.eu/agriculture/analysis/external/milk/index_en.htm)

Economic Impact of the Abolition of the Milk Quota Regime – Regional Analysis of the Milk Production in the EU (Die wirtschaftliche Auswirkung der Abschaffung der Milchquotenregelung - Regionale Untersuchung der Milcherzeugung in der EU) (http://ec.europa.eu/agriculture/analysis/external/milkquota/index_en.htm)

[3] Die Auswertung einer solchen Regelung einschließlich ihres finanziellen Einflusses erfolgt bei der Vorlage eines möglichen Vorschlags.

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Verwaltet vom Amt für Veröffentlichungen